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Denkzettel für Deutschland: Energiepolitik zerschellt im Iran

05. März 2026 um 11:00

Der Beitrag Denkzettel für Deutschland: Energiepolitik zerschellt im Iran erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Spritpreise Iran deutsche Energiepolitik Öl Gas

Der Iran-Krieg ist geografisch zwar weit von Deutschland entfernt, ökonomisch ist er aber längst hier angekommen. Grund ist die Sperrung der Straße von Hormus seitens des Iran, durch die jeweils rund 20 Prozent der globalen Öl- und Gasversorgung abgewickelt werden. Die Folge: Die Öl-, Sprit- und Gaspreise steigen weltweit. Doch als hätte es keine Warnungen gegeben, setzt die Union seit geraumer Zeit wieder vermehrt auf fossile Energien und verschleppt den Ausbau der Erneuerbaren. Eine kommentierende Analyse.

Energie als Druckmittel und Politikum

  • Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen den Küsten des Irans und des Omans. Durch sie verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Öl- und Gashäfen Kuwaits, Katars, Bahrains, des Iraks, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Irans. Hinzu kommt der größte Teil des saudi-arabischen Verkehrs. Über die Straße von Hormus werden 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasversorgung (LNG) abgewickelt.
  • Aktuell stecken mehrere Öl- und Gastanker aufgrund einer Blockade des Iran in der Straße von Hormus fest. Das Mullah-Regime setzt Energie damit als Druckmittel und Politikum ein. Die Diesel- und Benzinpreise in Deutschland haben laut ADAC daraufhin teilweise die Zwei-Euro-Marke überschritten und sind um bis zu 20 Cent pro Liter gestiegen. Die Kosten für 100 Liter Heizöl legten um rund 30 Euro zu. Der Gaspreis hat sich hingegen binnen weniger Tage fast verdoppelt. (Stand: 4. März 2026)
  • Statt den Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben, um Strom lokal und unabhängig von geopolitischen Konflikten sowie Abhängigkeiten zu produzieren, setzen CDU/CSU seit geraumer Zeit wieder mehr auf fossile Energie. Das sogenannte Heizungsgesetz soll etwa abgeschafft werden, um wieder Öl- und Gasheizungen zu erlauben. Für Solaranlagen auf Hausdächern soll es keine Förderung mehr geben. Statt den Netzausbau zu forcieren, will das Wirtschaftsministerium den Ausbau von Wind- und Solarkraft in einigen deutschen Regionen sogar gänzlich stoppen.

Iran-Krieg: Deutsche Energiepolitik am Scheideweg

Kriege mögen geografisch fern erscheinen, schlagen ökonomisch aber auch hierzulande ein. Der Iran-Krieg ist da keine Ausnahme. Doch wer wie die Union weiterhin auf fossile Abhängigkeiten setzt, anstatt den Ausbau der Erneuerbaren zu forcieren, spielt ein riskantes Spiel.

Denn die Straße von Hormus zeigt erneut, dass fossile Energien ein perfides Wettrennen zwischen Politik und Marktmechanismen offenbaren und die Gas-, Öl- und damit letztlich auch die Spritpreise erheblich erschüttern. Zugegeben: Auch die Erträge aus Solar- und Windkraft können schwanken, doch sie tanzen nach einem ganz anderen Takt – und zwar klimafreundlich, lokal und unabhängig von Mullahs, Monarchen oder Marktspekulanten.

Wer dieser Tage ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder eine Solaranlage sein Eigen nennt, ist gegen solche Preisschocks hingegen überwiegend immunisiert. Öl und Gas sind nicht nur ohnehin schon teurer. Die Abhängigkeit von fossilen Energien ist ein hausgemachtes Problem.

Theoretisch dürfte es zumindest kurzfristig nicht zu Versorgungsengpässen kommen, da es noch Öl und Gas gibt und Blockaden umgangen werden können. Doch das Problem ist nicht die physische Knappheit, sondern Preishascherei und geopolitische Erpressbarkeit. Wer hier nicht umdenkt, sitzt bald auf einem finanziellen Pulverfass.

Stimmen

  • Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem Interview bei Bericht aus Berlin: „Deutschland erhält über die Straße von Hormus keine signifikanten Mengen an LNG. Auch beim Öl ist es so, dass unsere Hauptbezugsquellen nicht von dort stammen. Was wir beobachten werden, sind die Preisentwicklungen, aber mit Sicherheit keine Knappheit. Wir haben unsere Öl- und Gaslieferungen diversifiziert. Es kann zu Preissteigerungen kommen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem davon, wie lange der Konflikt anhält.“
  • Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverband e.V., gegenüber der BILD: „Es gibt überhaupt keinen Grund, momentan – gestern nicht, heute nicht – die Preise zu erhöhen. Es ist reine Abzocke. Bis der teure Ölpreis bei uns in Deutschland ankommt, vergeht mindestens eine Woche.“ Er fordert: „Einmal am Tag dürfen die Preise erhöht werden und danach geht es nur noch nach unten – wie das in Österreich seit Jahren funktioniert. Es wäre schön, wenn die Politik gegenüber den großen Konzernen ein bisschen mehr Eier in der Hose hätte.“
  • Grünen-Chef Felix Banaszak kritisierte die Bundesregierung in einer Pressekonferenz scharf: „Auf diese Erschütterungen an den Märkten muss eine deutsche Bundesregierung reagieren. Die Reaktion auf die geopolitische Lage ist, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu intensivieren. Das Richtige in dieser Situation wäre doch jetzt, dass wir uns so schnell wie möglich von Gas und Öl unabhängig machen, statt weiter die politische Ambition in Abhängigkeit von Gas und Öl zu richten.“

Denkzettel für die deutsche Energiepolitik?

Die aktuellen Preisschocks sind ein Denkzettel für die Energiepolitik der Bundesregierung – vor allem aber für die Union. Denn statt den Ausbau der Erneuerbaren zu hemmen, sich von Lobbyisten einlullen zu lassen und auf fossile Energien zu setzen, wären Investitionen in Solar- und Windkraft sowie Energiespeicher in Kombination mit einer Forcierung des Netzausbaus perspektivisch deutlich sinnvoller – vor allem mit Blick auf das Portemonnaie der Verbraucher.

Klar: Die Preise wären auch ohne die politischen Entscheidungen der Union gestiegen, da Deutschland nach wie vor von Öl und Gas abhängig ist und es auch künftig in einem gewissen Maß sein wird. Aber die Lektion aus der Straße von Hormus sollte sein, dass diese Entscheidungen vor allem perspektivisch falsch sind. Wer jetzt noch Öl und Gas hofiert, spielt ein riskantes Doppelspiel mit bezahlbaren Energiepreisen in Deutschland.

Kurzum: Der Iran-Krieg zeigt, dass geopolitische Risiken nicht wegdiskutiert werden können und dass fossile Rückschritte teuer erkauft werden. Denn wer glaubt, dass Großmachtpolitik, die Kriege im Iran und der Ukraine sowie weltweite Unsicherheiten, die die Öl- und Gaspreise beeinflussen, nur eine Momentaufnahme sind, irrt gewaltig und hat die Weltwirtschaft nicht verstanden.

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Weißes Haus verwendet Call of Duty-Bilder für Iran-Kriegspropaganda

05. März 2026 um 10:01
Usa, Politik, Donald Trump, trump, US-Präsident, Krieg, Explosion, Illustration, Monitore, Karikatur, Satire, Weltkarte, Kontrollraum, Schaltzentrale, Bunker, Knopfdruck, Kommandozentrale, Atomknopf Ein offizielles Video der US-Regierung vermischt echte Raketeneinschläge im Iran mit der Benutzeroberfläche des Shooters Call of Duty. Man nutzt eine Killstreak-Animation, um militärische Härte zu demonstrieren - moralisch ist das höchst fragwürdig. (Weiter lesen)

Berlinale bekommt neue Vorgaben: Die Ergebnisse der Krisensitzung

04. März 2026 um 15:50

Am Mittwoch wurde erneut über die Zukunft der Berlinale beraten. Festivalleiterin Tricia Tuttle muss sich offenbar auf Änderungen einstellen.

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KI-Streit im Weißen Haus: OpenAI vertickt ChatGPT ans US-Militär

03. März 2026 um 11:00

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OpenAI ChatGPT Militär USA Trump

Die Trump-Administration hat Anthropic aus US-Behörden verbannt, weil das KI-Unternehmen sich weigert, seine Modelle für das US-Militär und für Überwachungsmethoden freizugeben. Aus Geldsorgen und ohne Rücksicht auf Verluste hat sich nun OpenAI den Deal gekrallt. Doch er könnte dem Unternehmen teuer zu stehen kommen. Eine kommentierende Analyse.

US-Regierung verbannt Anthropic aus Behörden

  • Im Juli 2025 hatte das Pentagon Anthropic einen Vertrag mit einem Volumen von 200 Millionen US-Dollar zugesagt, um die KI-Modelle des Unternehmens in seine Arbeitsabläufe zu integrieren. Nachdem die Algorithmen jedoch zur history Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro eingesetzt wurden, eskalierte ein öffentlicher Streit.
  • Wie Anthropic in einem Blogbeitrag erklärte, lehnt das Unternehmen den Einsatz seiner KI für autonome Waffen oder die Massenüberwachung ab. Leistungsstarke Algorithmen könnten aus scheinbar harmlosen Daten einen gigantischen Überwachungspool erstellen. Das Rechtssystem käme der technologischen Entwicklung nicht hinterher. Nachdem sich Anthropic weigerte, seine KI für alle „rechtmäßigen Verwendungszwecke“ freizugeben, stufte die US-Administration das Unternehmen als Sicherheitsrisiko ein und untersagte Behörden die Nutzung.
  • Nur wenige Stunden nachdem das Pentagon angekündigt hatte, Anthropic zu verbannen, gab OpenAI eine Vereinbarung zur militärischen Nutzung von ChatGPT bekannt. Während Anthropic ankündigte, Klage einzureichen, soll der KI-Chatbot Claude des Unternehmens unterstützend bei den US-Militärschlägen im Iran zum Einsatz gekommen sein. Dem Pentagon zufolge basiere die Entscheidung auf einer Übergangsvereinbarung mit Anthropic.

OpenAI vertickt ChatGPT ans US-Militär

Laut OpenAI beinhaltet die Vereinbarung zur Freigabe der hauseigenen KI-Modelle für das Verteidigungsministerium und US-Militär mehr Schutzmaßnahmen als der Deal mit Anthropic. Allerdings untersagt der Vertrag weder eine militärische Nutzung noch eine Nutzung zur Massenüberwachung.

Er sieht lediglich vor, dass die KI-Modelle des Unternehmens im Einklang mit dem Rechtssystem und der Verfassung genutzt werden. Und genau hier liegt das Problem. Denn dass es die Trump-Administration mit dem Rechtssystem nicht so genau nimmt, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Unliebsame Richter werden etwa abgesägt, Gerichtsurteile ignoriert und das Gesetz wird stets zum eigenen Vorteil ausgelegt, nicht aber zugunsten der Vereinigten Staaten und der gesamten Bevölkerung.

Vor allem die fadenscheinige Rechtsauslegung des Trump-Lagers sowie die Tatsache, dass die Gesetzgebung und Justiz der technologischen Entwicklung rund um KI nicht hinterherkommt, sind die wahren Beweggründe für den Anthropic-Protest.

OpenAI scheint sich derweil blauäugig auf die Versprechen einer Regierung zu verlassen, die schon allzu häufig ihre Versprechen gebrochen hat – und zwar allem Anschein nach aus finanziellen statt moralischen Gründen.

Stimmen

  • US-Präsident Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social zur Verbannung der Anthropic-KI: „Die Vereinigten Staaten von Amerika werden niemals zulassen, dass eine radikal linke, woke Firma uns vorschreibt, wie unsere großartige Armee Kriege führt und gewinnt. Diese Entscheidung liegt bei ihrem Oberbefehlshaber. Die linken Spinner bei Anthropic haben einen katastrophalen Fehler begangen, indem sie versucht haben, das Kriegsministerium unter Druck zu setzen und es zu zwingen, sich an ihre Nutzungsbedingungen statt an unsere Verfassung zu halten.“
  • OpenAI-Chef Sam Altman in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Heute haben wir mit dem Kriegsministerium eine Vereinbarung getroffen, unsere Modelle in ihrem geheimen Netzwerk einzusetzen. Die Sicherheit von KI und die Verteilung sind Kern unserer Mission. Zwei unserer wichtigsten Sicherheitsprinzipien sind das Verbot der Massenüberwachung im Inland und menschliche Verantwortung für die Anwendung von Gewalt, auch bei autonomen Waffensystemen. Das Kriegsministerium stimmt diesen Grundsätzen zu und spiegelt sie in Gesetzen und Richtlinien wider.“
  • Anthropic-Gründer Dario Amodei hat auf die Einstufung seines Unternehmens als Sicherheitsrisiko reagiert. In einem Interview mit CBS spricht er von einem beispiellosen Vorgang: „Diese Einstufung hat es noch nie zuvor bei einem amerikanischen Unternehmen gegeben. Und ich denke, es wurde in einigen ihrer Erklärungen, in ihrer Wortwahl, sehr deutlich, dass dies vergeltend und strafend war. Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung sind das Amerikanischste auf der Welt.“

OpenAI droht Imageschaden

Die Entscheidung, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten, könnte OpenAI teuer zu stehen kommen. Denn bereits nachdem bekannt wurde, dass die KI-Modelle von Anthropic bei der Entführung des venezolanischen Diktators Maduro zum Einsatz kamen, erlitt der Konkurrent einen Imageschaden.

Ob die Intervention des US-Militärs in Venezuela im Einklang mit der Verfassung war, steht aber noch in Frage. Eigentlich hätte dieser Fall OpenAI ein lehrendes Beispiel sein können. Doch stattdessen vertraut man blind den Versprechen der US-Administration. Offenbar vor allem deshalb, weil OpenAI nach wie vor defizitär ist und händeringend nach Geldgebern sucht.

Falls dem Unternehmen jedoch ein Anthropic-Moment wie in Venezuela ereilen sollte, könnte die Nutzerbasis erheblich bröckeln – sofern sie das nicht ohnehin schon tut. Denn bereits nachdem bekannt wurde, dass die KI-Modelle von OpenAI von der höchst umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE genutzt wurden, flammte eine Protestwelle auf.

Unter dem Hashtag QuitGPT wurden Nutzer dazu aufgefordert, ihr ChatGPT-Abo zu kündigen und die Plattform nicht mehr zu nutzen. Aufgrund des neuen Deals mit dem Pentagon keimt dieser Protest nun weiter aus.

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