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so.cool: Diese Klimaanlage braucht weder Außengerät noch Schlauch

16. Mai 2026 um 05:51

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Wer im Altbau, Büro oder Klassenzimmer schwitzt, kennt das Dilemma: Split-Klimaanlagen brauchen ein Außengerät, während mobile Geräte mit Schlauch relativ ineffizient sind. Das Wiener Start-up so.cool will beides überflüssig machen – mit einer Plug-and-Play-Klimaanlage, die Wärme im Gerät speichert statt sie nach außen zu leiten. Ob die Technologie hält, was sie verspricht und wo die Risiken liegen, zeigt unser Start-up-Check.

Start-ups: Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.

Dabei gibt es sie durchaus: die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Sie zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats „Start-up-Check“. Heute: so.cool, ein DeepTech-Start-up aus dem Bereich Klimatechnik.

Was steckt hinter so.cool?

  • Branche: CleanTech / DeepTech / Gebäudetechnik
  • Gründer: Philippe Schmit
  • Gründungsjahr: erster Prototyp 2024, Launch 2026 geplant
  • Geschäftsmodell: Entwicklung einer installationsfreien Plug-and-Play-Klimaanlage ohne Außengerät
  • Ziel: Energieeffiziente Kühlung für Büros, Gemeinden und öffentliche Einrichtungen ohne aufwendige Installation

Wer im Dachgeschoss wohnt oder gewohnt hat, weiß wovon die Rede ist: An heißen Sommertagen kann sich die Hitze in Altbauwohnungen, aber auch in Büros oder Schulen regelrecht stauen. Die Nachrüstung mit Klimaanlagen ist jedoch oft teuer und mit komplexen Installationen verbunden.

Split-Klimaanlagen benötigen Außengeräte an der Fassade, die in Altbauten, Mietwohnungen oder denkmalgeschützten Gebäuden häufig nicht genehmigt werden. Mobile Monoblock-Klimaanlagen mit Abluftschlauch sind zwar flexibel, aber ineffizient – der Abluftschlauch lässt warme Luft von außen nachströmen und macht den Kühleffekt zunichte.

Das Wiener Start-up so.cool – vormals Social Cooling – will dieses Problem mit einer Technologie lösen, die nach eigenen Angaben weltweit einzigartig ist: Eine Klimaanlage, die ohne Außengerät und ohne Abluftschlauch funktioniert. Statt die Wärme nach außen zu leiten, wird sie im Gerät selbst gespeichert.

Von der überfluteten Wohnung zur TV-Show

Hinter so.cool steht Philippe Schmit, ein gebürtiger Luxemburger und dreifacher Jus-Absolvent, der eigentlich eine Karriere als Rechtsanwalt einschlagen wollte. Die Idee für das Start-up entstand aus persönlicher Not: „Ich schwitze schon ab 15 Grad“, erzählt Schmit im Interview mit brutkasten. In seiner Wiener Altbauwohnung kämpfte er mit hohen Temperaturen, konnte sich als Student aber keine herkömmliche Klimaanlage leisten.

Was als verzweifelte Suche nach Abkühlung begann, entwickelte sich zu einer technischen Vision. Schmit experimentierte mit verschiedenen Kühlmethoden, flutete dabei auch mal seine Wohnung. Zwei Jahre später war aus der vagen Vorstellung ein konkretes Produkt entstanden: TerraBreeze – eine Plug-and-Play-Klimaanlage.

Im Frühjahr 2026 präsentierte Schmit seine Technologie in der österreichischen Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ – mit Erfolg. Die Investoren Mathias Muther und Alexander Schütz signalisierten Interesse, die Verhandlungen laufen derzeit noch.

So funktioniert die Klimaanlage ohne Außengerät und ohne Schlauch

Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Klimaanlagen liegt in der Funktionsweise von so.cool: Die Wärme wird mithilfe von Phasenwechselmaterialien (Phase Change Materials) im Gerät gespeichert.

Die Technologie kombiniert evaporative Kühlung, eine uralte Methode, mit moderner Technik. Herzstück sind Terrakotta-Rohre, die als Wärmetauscher fungieren. Durch indirekte Verdunstungskühlung wird die Wärme schnell aus der Luft entzogen, ohne dass dabei Feuchtigkeit in den Raum gepumpt wird.

Die gespeicherte Wärme wird dann gezielt wieder abgegeben: nachts, wenn niemand im Büro ist. Zwei Stunden „Downtime“ pro Tag sollen laut Unternehmensangaben ausreichen, um das System vollständig zu entladen.

Durch diesen Ansatz verspricht so.cool rund 40 Prozent weniger Stromverbrauch als herkömmliche 12.000-BTU-Multisplit-Systeme. Das System ist für Räume bis zu 50 Quadratmeter ausgelegt und verfügt zusätzlich über integrierte Luftreinigung sowie Be- und Entfeuchtungsfunktionen.

Die aktuelle Generation hat eine 5 kW Kühlleistung. KI-gesteuerte Sensoren überwachen kontinuierlich Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität und passen die Kühlleistung dynamisch an.

Patent erteilt: Wie gut ist die Technologie abgesichert?

Die Technologie ist rechtlich bereits abgesichert: Ein Patent wurde erteilt, für ein weiteres liegt eine positive Beurteilung der Patentierbarkeit durch die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) vor. Zusätzlich wurden Patente in Österreich und Luxemburg registriert.

Einen wichtigen Meilenstein stellte ein technisches Gutachten des Wiener Institute of Building Research & Innovation (IBR&I) dar. In einem Dossier bestätigte das Institut die technische Plausibilität des Ansatzes.

Wie weit ist so.cool vom fertigen Produkt entfernt?

Der aktuelle Prototyp hat noch die Größe eines Schranks, die finale Version soll jedoch um 30 bis 40 Prozent kompakter werden. Bei der Eröffnung des neuen Standorts im Technologiezentrum Seestadt Wien im März 2026 wurde die neueste Generation präsentiert

Der Umzug ins TZ3 markiert für so.cool einen entscheidenden Entwicklungsschritt. Das interdisziplinäre Team besteht inzwischen aus Gründer Philippe Schmit, Mitgründer und Physiker Ben Assa, dem Universitätsprofessor und Thermodynamik-Experten Alireza Eslamian sowie Simulationsexperte Alireza Jafarinia.

400.000 Euro Pre-Seed: Reicht das für die Serienproduktion?

so.cool hat ein Pre-Seed-Investment von 400.000 Euro erhalten. Die Entwicklung zusätzlich durch Förderungen unterstützt. Mit 1. April 2026 startete so.cool offiziell in eine neue Fundraising-Runde, um die Produktion rasch anlaufen zu lassen und weitere Entwicklungswege zu finanzieren.

Das Geschäftsmodell zielt klar auf den B2B-Bereich ab. Die Terra-Breeze-Klimaanlagen werden zunächst im Direktvertrieb angeboten, später sollen B2B-Vertriebspartner für eine breitere Marktdurchdringung hinzukommen. Erste Pilotprojekte laufen bereits – unter anderem mit der Rewe Group in Köln, der Stadt Wien, der Energie Steiermark sowie zwei Gemeinden in Luxemburg.

Der Preis soll für Erstbesteller bei 3.000 Euro liegen. Später werde der Preis voraussichtlich auf 3.800 bis 3.900 Euro steigen, jedoch in der Hoffnung, dass Skaleneffekte den Preis mittelfristig wieder senken.

Kann so.cool gegen etablierte Klimatechnik bestehen?

Mit der gezielten Ausrichtung auf Büros und öffentliche Einrichtungen wählt so.cool einen lukrativen, aber auch anspruchsvollen Markt. Der Vertrieb von Gebäudetechnik im B2B-Sektor erfordert oft lange Verkaufszyklen und eine hohe Überzeugungskraft gegenüber Facility-Managern und Entscheidungsträgern.

Das Kernproblem, das so.cool adressiert, ist real: Klimaanlagen sind für einen massiven Teil des weltweiten Energieverbrauchs in Gebäuden verantwortlich. Gleichzeitig ist die Nachrüstung in bestehenden Büros und Gewerbeflächen oft mit teuren und komplexen Installationen von Außeneinheiten verbunden.

Entscheidend wird sein, ob so.cool die technischen Herausforderungen meistern kann – insbesondere die Kompaktierung des Geräts und die Massenproduktion. Die geplanten 2.000 verkauften Geräte bis Ende 2026 sind ambitioniert für ein Hardware-Start-up. Verzögerungen bei der Markteinführung deuten darauf hin, dass der Weg von der Technologie zur marktreifen Hardware steiniger ist als erhofft.

Gelingt es dem Wiener Start-up, die Produktion hochzufahren und die ersten Großkunden zu überzeugen, könnte so.cool zu einer ernsthaften Alternative in einem Markt werden, der dringend energieeffiziente Lösungen braucht. Der Beweis, dass DeepTech-Innovation auch im Bereich Gebäudetechnik ohne US-Skalierung funktioniert, steht allerdings noch aus.

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planqc: Münchner Start-up liefert Quantencomputer an den Staat

19. April 2026 um 06:00

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Quantencomputer sollen die Pharmaforschung, Klimamodelle und die Finanzwelt revolutionieren. Doch bisher fehlt der Beweis, dass sie klassischen Supercomputern wirklich überlegen sind. Das Münchner Start-up planqc will das ändern. In unserem Start-up-Check schauen wir uns an, was hinter der Technologie steckt, woher das Geld kommt und wie realistisch die Pläne sind.

Start-ups: Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.

Dabei gibt es sie durchaus: die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Sie zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats „Start-up-Check“. Heute: planqc, Deep-Tech-Start-up aus dem Bereich Quantencomputing.

Wer steckt hinter planqc – und woher kommt die Expertise?

  • Branche: Quantencomputing/DeepTech
  • Gründer: Alexander Glätzle, Sebastian Blatt und Johannes Zeiher
  • Gründungsjahr: 2022
  • Geschäftsmodell: Entwicklung skalierbarer Quantenprozessoren auf Basis neutraler Atome; mittelfristig Bereitstellung von Quantencomputing as a Service über die Cloud
  • Ziel: Quantencomputer mit mehr als 1.000 Qubits, die in Chemie, Pharma, Automotive und Finanzindustrie praktische Rechenvorteile gegenüber klassischen Supercomputern liefern

Quantencomputer sollen Krebs heilen, Klimamodelle revolutionieren und die Finanzwelt neu erfinden. Wann genau das geschehen wird, bleibt jedoch meist offen.

planqc aus Garching bei München ist hier längst einen Schritt weiter und punktet mit konkreten Aufträgen, Lieferverpflichtungen und einem laufenden Zeitplan. Das 2022 als Spin-off des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik (MPQ) und der LMU München gegründete Start-up hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten europäischen Quantencomputing-Unternehmen entwickelt – mit einer technologischen Wette, die in der Szene zunehmend als vielversprechend gilt.

Hinter planqc stecken Wissenschaftler, die nicht erst seit gestern mit Quantensystemen arbeiten: CEO Dr. Alexander Glätzle und seine Mitgründer kommen direkt aus der Forschungsgruppe um den renommierten Physiker Immanuel Bloch am MPQ, einem der weltweit führenden Institute auf dem Gebiet der Quantenoptik. Das verleiht dem Unternehmen eine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, die sich nicht einfach einkaufen lässt.

Wie funktioniert ein Quantencomputer aus Licht und Atomen?

Die bekanntesten Quantencomputer, etwa von IBM oder Google, basieren auf supraleitenden Schaltkreisen und müssen bei extrem tiefen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt betrieben werden.

planqc geht einen anderen Weg. Das Unternehmen setzt auf neutrale Atome als Qubits, also die kleinsten Recheneinheiten eines Quantencomputers. Im Gegensatz zu klassischen Bits können Qubits nicht nur die Werte null oder eins annehmen, sondern auch beide Zustände gleichzeitig.

Das planqc-Prinzip: Einzelne Strontium-Atome werden in einem Vakuum mit Laserlicht eingefangen und in sogenannten optischen Gittern, einem „Kristall aus Licht“, positioniert. Jedes Atom fungiert als ein Qubit. Präzise Laserimpulse manipulieren die Quantenzustände der Atome und führen Rechenoperationen durch.

Der Abschied vom Millikelvin-Zwang

Der entscheidende Vorteil ist, dass neutrale Atome von Natur aus identisch sind. Kein Atom weicht vom nächsten ab, was bei anderen Qubit-Technologien eine erhebliche Fehlerquelle darstellt. Das führt zu langen Kohärenzzeiten, hoher Stabilität und einer Architektur, die auf über 1.000 Qubits ausgelegt ist.

Zum Vergleich: In einem Forschungsprojekt am MPQ, an dem planqc beteiligt war, wurde ein Register mit 1.200 neutralen Atomen über eine Stunde stabil betrieben. Ein Skalierungsergebnis, das in der Branche für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Ein weiterer Vorteil gegenüber supraleitenden Systemen: Der Betrieb ist bei nahezu Raumtemperatur möglich, zumindest im Vergleich zu den Millikelvin-Temperaturen, die Konkurrenten wie IBM benötigen. Das vereinfacht die Infrastruktur erheblich und könnte langfristig die Betriebskosten senken.

Einordnung und Mehrwert

planqc positioniert sich als Brückenbauer zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung und hat dafür konkrete Zielbranchen: Chemie und Pharma (Molekülsimulation, Wirkstoffdesign), Batterietechnologie und Climate Tech, Automotive sowie die Finanzindustrie. Erste Use Cases rund um Quantum Machine Learning für Klimasimulationen und Batterieoptimierung befinden sich bereits in der Entwicklung.

Ob und wann Quantencomputer klassischen Supercomputern in diesen Anwendungsfällen wirklich überlegen sein werden, ist die offene Frage der gesamten Branche, planqc eingeschlossen.

Der sogenannte „quantum advantage“ für industriell relevante Probleme ist bislang nirgendwo belegt. Das Unternehmen steckt, wie alle Wettbewerber, noch in der Phase, in der man Systeme baut, die diesen Nachweis irgendwann erbringen sollen.

Im europäischen Wettbewerbsumfeld hat planqc jedoch eine klare Nische: Der Fokus auf neutrale Atome unterscheidet das Unternehmen von Anbietern wie IQM (supraleitend) oder Quantinuum (Ionenfallen) und erlaubt ein „Made in Germany“-Narrativ, das bei europäischen Industriekunden Vertrauen schafft – gerade gegenüber US-amerikanischen und chinesischen Anbietern.

90 Millionen Euro und zwei Staatsaufträge: So finanziert sich planqc

planqc ist für ein vier Jahre altes Deep-Tech-Unternehmen bemerkenswert gut kapitalisiert. Die Series-A-Runde von 50 Millionen Euro (2024), angeführt von Catron Holding und dem DeepTech & Climate Fonds, ergänzt um Fördermittel des BMBF, summiert sich, inklusive öffentlicher Fördermittel, auf rund 80 bis 90 Millionen Euro Gesamtkapital.

Wichtiger noch: Das Unternehmen hat bereits konkrete öffentliche Aufträge gewonnen. Vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhielt planqc einen Auftrag über 29 Millionen Euro zum Aufbau eines Quantencomputers in Ulm – der erste europäische Auftrag dieser Art überhaupt.

Das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) beauftragte das Start-up zusätzlich, einen 1.000-Qubit-Quantencomputer zu entwickeln, mit einer Zielmarke vor 2027. Beide Projekte sind keine Piloten, sondern reale Infrastrukturmaßnahmen mit konkreten Lieferverpflichtungen.

planqc ist dabei eng in das Münchner Quantenökosystem eingebettet: als erster Spin-off der Munich Quantum Valley Initiative, mit Technologiepartnern wie Menlo Systems (Lasersysteme) und ParityQC (Software/Architektur) sowie der fortlaufenden wissenschaftlichen Anbindung an das MPQ. Diese Vernetzung ist kein Marketingargument, sondern struktureller Bestandteil der Entwicklungsstrategie.

planqc: Zwischen Wissenschaftspionierarbeit und industriellem Beweis

planqc adressiert eine der technologisch anspruchsvollsten Herausforderungen der Digitalwirtschaft: den Bau von Quantencomputern, die über Forschungslabors hinaus tatsächlich industriellen Mehrwert liefern. Die neutrale-Atome-Plattform ist wissenschaftlich fundiert, gut finanziert und durch öffentliche Aufträge bereits in der Praxis verankert.

Entscheidend wird sein, ob planqc den Übergang von beeindruckenden Qubit-Zahlen zu nachweisbarem Rechenvorsprung schafft und ob die Zielbranchen bereit sind, Quantencomputing von der Roadmap in ihre tatsächliche IT-Infrastruktur zu überführen.

Gelingt das, wäre planqc gut positioniert, um als europäischer Champion in einem Markt zu bestehen, der bislang von amerikanischen Schwergewichten dominiert wird.

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