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Nebenberuflich selbstständig: Tipps, damit die Steuer nicht zu Falle wird

11. Juni 2026 um 14:30

Der Beitrag Nebenberuflich selbstständig: Tipps, damit die Steuer nicht zu Falle wird erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

nebenberuflich selbstständig Steuer Nachzahlung

Tagsüber Festanstellung, abends KI-Beratung oder Social-Media-Management für lokale Unternehmen: Sieben von zehn Gründungen in Deutschland sind laut KfW-Gründungsmonitor 2026 Nebenerwerbsgründungen. Doch wer neben dem Gehalt plötzlich Rechnungen schreibt, unterschätzt oft die steuerlichen Folgen. Eine aktuelle Smartsteuer-Auswertung zeigt: Wer nachzahlen muss, zahlt im Schnitt 3.568 Euro. 

Tagsüber Produktmanagement im Festangestelltenverhältnis, abends KI-Berater für zwei Mittelständler. Oder: Hauptberuflich im Marketing, nebenbei Instagram- und LinkedIn-Accounts für lokale Unternehmen betreuen.

Nebenberufliche Selbstständigkeit im Digitalbereich boomt, oft ist sie auch der Weg in die eigene Selbstständigkeit. Laut aktuellem KfW-Gründungsmonitor 2026 sind sieben von zehn Gründungen Nebenerwerbsgründungen, ein Rekordwert.

Aber was passiert steuerlich, wenn neben dem Gehalt plötzlich Rechnungen geschrieben werden? Eine aktuelle smartsteuer-Auswertung mit einer fünfstelligen Anzahl untersuchter Steuerbescheide von Selbstständigen zeigt: Wer Geld vom Fiskus zurückerhält, bekommt im Schnitt 1.769 Euro. Wer nachzahlen muss, zahlt durchschnittlich 3.568 Euro. Die Differenz ist kein Zufall.

Nebenberuflich Selbstständig: Diese Betriebsausgaben senken deinen Gewinn in der EÜR

Im Hauptjob zieht der Arbeitgeber monatlich Lohnsteuer ab. Auf die Einkünfte aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit passiert das nicht.

Wer als KI-Berater im Jahr beispielsweise 18.000 Euro zusätzlich verdient, schuldet darauf erst mit dem Steuerbescheid die volle Einkommensteuer (mehr zu unterschiedlichen Steuerarten bei Nebentätigkeiten hier). Und weil dieses Einkommen auf das Gehalt draufkommt, greift der persönliche Steuersatz – bei vielen im Bereich von 30 bis 42 Prozent.

Das führt zu Nachzahlungen, die beim ersten Mal unerwartet kommen können. Doch das Finanzamt wird in der Folge meist Einkommensteuer-Vorauszahlungen festsetzen, sodass sich die Belastung ab dem zweiten Jahr auf vier Quartale verteilt.

Damit wird eine hohe Nachzahlung in den meisten Fällen vermieden.
Damit die eigene Steuerlast jedoch möglichst gering ausfällt, gibt es einige wichtige Hebel.

Die EÜR: Was KI-Beratung und Social-Media-Management absetzen können

Zunächst jene Hebel in der EÜR, der Einnahmenüberschussrechnung. Hier gilt: Einnahmen minus Betriebsausgaben gleich Gewinn – und nur der Gewinn wird versteuert.

Für einen nebenberuflichen KI-Berater sieht das beispielsweise so aus: API-Kosten für OpenAI, Anthropic oder andere Dienste sind Betriebsausgaben. Genauso ein leistungsfähiger Rechner, anteilig über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Dazu kommen Software-Abos, Cloud-Speicher und Fachliteratur. Wer für Kundentermine reist: Fahrtkosten.

Wichtig: Wer etwa KI-Tools auch privat nutzt, muss diese in der Steuer trennen; wer die Tools zu 30 Prozent auch privat nutzt, darf nur 70 Prozent der Kosten steuerlich absetzen.

Altersvorsorge und Versicherung: Die Steuer-Hebel, die viele übersehen

Die eigentliche Stellschraube für steuerlichen Abzug liegt in der Einkommensteuererklärung selbst – bei Posten, die mit der Selbstständigkeit gar nichts zu tun haben.

Der größte Einzelposten laut smartsteuer-Auswertung: Beiträge zur Altersvorsorge. Im Schnitt sind es 8.923 Euro, die als Sonderausgaben das zu versteuernde Einkommen senken. Dazu Kranken- und Pflegeversicherung mit durchschnittlich 6.078 Euro.

Diese Beiträge zahlen Menschen im Nebenerwerb gleichermaßen, weil sie ohnehin über den Hauptjob versichert sind.
Weitere Hebel, die viele übersehen: Fortbildungskosten für den Hauptjob und Weiterbildung für die Selbstständigkeit.

Wer beispielsweise einen KI-Zertifikatskurs macht, der sich auf die Beratungstätigkeit bezieht, setzt ihn über die EÜR ab. Wer eine Fortbildung im Hauptjob besucht, die nicht vom Arbeitgeber bezahlt wird, über die Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung.

3 Tipps, damit die erste Steuernachzahlung nicht zur Falle wird

1. Rücklagen für die Nachzahlung bilden. Wer im ersten Jahr der Selbstständigkeit einen Überschuss nebenbei erzielt und nichts zurücklegt, hat ein Problem, wenn der Bescheid kommt. Deshalb: Einen Teil des Gewinns auf ein Rücklagenkonto legen.

2. Homeoffice-Pauschale gilt nur einfach. Wer im Hauptjob und in der Selbstständigkeit von zu Hause arbeitet, kann die Pauschale für beide Tätigkeiten nutzen; aber der Maximalbetrag von 1.260 Euro gilt insgesamt, nicht pro Tätigkeit.

3. Weiterbildung absetzen. Der Prompt-Engineering-Kurs für 800 Euro, das Social-Media-Marketing-Seminar für 500 Euro – beides sind Betriebsausgaben, die direkt den Gewinn senken.

Ab dem zweiten Jahr wird es einfacher: Eine gute Steuersoftware übernimmt die meisten Vorjahreswerte, und die Struktur der EÜR steht. Der größte Hebel bleibt aber, sich einmal gründlich mit den Vorsorgeaufwendungen zu beschäftigen – das wirkt jedes Jahr.

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Energy Sharing: Warum die Energiewende 44 Millionen Mieter im Stich lässt

10. Juni 2026 um 18:44

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Energy Sharing Hürden Energiewende im Stich

Seit dem 1. Juni 2026 soll das neue Energy Sharing die Energiewende sozialer machen. Doch regulatorische Hürden und fehlende Infrastruktur lassen das Gesetz für Millionen Mieter zum Debakel werden. Ein Gastkommentar von Julian Schulz.

Am 1. Juni 2026 ist mit dem neuen § 42c des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) eine Reform in Kraft getreten, die wie das finale Puzzleteil einer gerechten Energiewende wirkt: das Energy Sharing.

Erstmals dürfen Nachbarschaften, Wohnungseigentümergemeinschaften und Genossenschaften lokal erzeugten Solarstrom virtuell über das öffentliche Netz miteinander teilen. Ohne teure Extraleitungen, direkt vom Dach in die Steckdose des Nachbarn.

Was wie der lang ersehnte Befreiungsschlag für Millionen von Mietern in den deutschen Städten aussieht, droht in der Realität zu einem krachenden Fehlstart zu werden.

Das Gesetz ist gut gemeint, aber in der Praxis so mangelhaft umgesetzt, dass es die soziale Schere bei der Energiewende nicht schließt, sondern weiter aufreißt. Statt der versprochenen Demokratisierung erleben wir ein regulatorisches Debakel, das ausgerechnet die Menschen ohne eigenes Immobilieneigentum eiskalt im Stich lässt.

Energy Sharing: Paradoxon zwischen Villa und Mietshaus

Wer die tägliche Praxis an der Schnittstelle von Netzbetrieb und Abrechnung kennt, weiß: Ein gedrucktes Gesetz im Bundesgesetzblatt senkt noch keine Stromrechnung.

Zwischen der progressiven Theorie in Berlin und der starren Realität in den Kellern der Republik klafft eine gewaltige Umsetzungslücke, die voll zulasten der Mieter geht.

Dabei ist die Idee von einer bestechenden sozialen Logik: Wenn mittags die Sonne brennt, sind die Speicher von Eigenheimen voll. Der überschüssige Strom wird für minimale Centbeträge ins Netz gedrückt. Zur selben Zeit zahlt die Familie im Mietshaus nebenan weit über 30 Cent pro Kilowattstunde an den Grundversorger.

Energy Sharing sollte dieses absurde Paradoxon auflösen. Es sollte die Energiewende endlich aus der wohlhabenden Einfamilienhaus-Siedlung in die Breite der Gesellschaft tragen. Doch genau das wird nun aktiv verhindert.

Die vier Mauern vor dem Miethaus

Dass dieser solidarische Ansatz pünktlich zum Stichtag blockiert wird, liegt an vier strukturellen Hürden. Sie sorgen dafür, dass die Früchte der Energiewende weiterhin exklusiv beim Hausbesitzer verbleiben, während Mieter die Zeche zahlen.

1. Die digitale Aussperrung: Kein Smart Meter, keine Teilhabe

Energy Sharing erfordert eine viertelstündliche Messdatenübertragung. Ohne sogenannte Smart Meter ist das Modell schlicht nicht möglich und sogar illegal.

Dass die aktuelle deutsche Einbauquote für diese intelligenten Zähler bei gerade einmal rund 5,5 Prozent liegt, ist für ein Industrieland ein digitaler Offenbarungseid.

Da Vermieter und Netzbetreiber beim Rollout in Mehrparteienhäusern hinterherhinken, fehlt den allermeisten Miethäusern das technische Fundament. Mieter werden digital ausgesperrt.

2. Das Bürokratie-Bollwerk der Netzbetreiber

Selbst wenn ein Miethaus einen Zähler hat, scheitert es an den Strukturen der knapp 900 deutschen Verteilnetzbetreiber. Es gibt bis heute keine standardisierten, digitalen IT-Prozesse, um gemeinschaftlichen Strom unkompliziert anzumelden und abzurechnen.

Während der Eigenheimbesitzer seine Anlage mit wenigen Klicks registriert, rennen Mietergemeinschaften gegen eine Wand aus analoger Bürokratie. Bis die Netzbetreiber ihre Software angepasst haben, vergehen erfahrungsgemäß Jahre. Jahre, in denen Mieter weiter den teuren Standardstrom zahlen müssen.

3. Das finanzielle Absurdum: Warum Teilen für Mieter teuer bleibt

Die bitterste Blockade ist jedoch das System der Netzentgelte. Wer als Eigenheimbesitzer den Strom vom eigenen Dach verbraucht, zahlt keine Netzentgelte.

Wer aber als Mieter den Strom vom Dach des direkten Nachbarn bezieht, muss in Deutschland die vollen Netzentgelte, Steuern und Umlagen zahlen, obwohl der Strom physikalisch gar nicht durch das Fernleitungsnetz fließt. Diese Abgaben machen rund 60 Prozent des Haushaltsstrompreises aus.

Das bedeutet: Selbst wenn der Erzeuger den Solarstrom an die Mieter verschenken würde, bleibt für sie wegen dieser starren Abgabenlast kaum eine spürbare Ersparnis übrig. Das Gesetz zwingt das Energy Sharing für Mieter in die Unwirtschaftlichkeit.

Wie es besser geht, zeigt der Blick nach Österreich. Dort gelang der Durchbruch für Energiegemeinschaften durch eine sozial gerechte Reform: reduzierte Netzentgelte für lokal geteilten Strom. Strom, der nur drei Häuser weiterfließt, belastet die großen Überlandbahnen nicht.

Wer diesen ökologischen und lokalen Vorteil nicht finanziell an die Verbraucher – also die Mieter – weitergibt, betreibt Klientelpolitik für Hausbesitzer.

4. Die Knebelung durch die Direktvermarktung

Dazu kommt ein regulatorisches Dilemma, das größere Miethäuser komplett blockiert: Ab einer bestimmten Anlagengröße greift die gesetzliche Direktvermarktungspflicht über die Strombörse.

Der Haken: Der Markt bietet aktuell überhaupt keine Produkte an, die zu den kleinteiligen Bedürfnissen einer lokalen Mietergemeinschaft passen. Das Gesetz fordert von den Akteuren im Mietshaus Pflichten ein, die mangels Angebot auf Marktseite gar nicht erfüllt werden können.

Die Energiewende braucht Demokratisierung, keine Symbolpolitik

Für die kommenden Monate bedeutet dies eine ernüchternde Prognose: Das Jahr 2026 wird kein Jahr der Bürgerenergie, sondern ein Jahr der isolierten Pilotprojekte für Privilegierte.

Ein echter Massenmarkt, der auch den 44 Millionen Menschen in deutschen Mietskasernen echten Zugang zu bezahlbarem Solarstrom gewährt, rückt in weite Ferne. Realistisch ist er erst Richtung 2029.

Immobilienbesitzer, die nicht so lange warten wollen, sollten jetzt mit Mieterstrom oder der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (gGv) starten. Beide Modelle funktionieren sofort, sind extrem wirtschaftlich und regulatorisch erprobt.

Warum die Regierung jetzt nachbessern muss

Damit das Gesetz nicht als zahnloser Tiger endet und die Frustration bei den Bürgern wächst, muss das Bundeswirtschaftsministerium dringend nachbessern.

Wir brauchen keine neuen Paragrafen, die nur auf dem Papier existieren. Deutschland braucht eine Reform der Netzentgelte, die solidarisches, dezentrales Verbrauchen im Quartier belohnt, statt es finanziell abzustrafen.

Solange diese Hausaufgaben nicht erledigt sind, bleibt der 1. Juni 2026 ein rein symbolisches Datum und die Energiewende ein elitäres Versprechen, das an den Toren der Miethäuser Halt macht.


Über den Autor: Julian Schulz

Julian Schulz ist Mitgründer von metergrid, einem führenden Abrechnungs- und Softwaredienstleister für dezentrale Energiekonzepte, und berät Unternehmen sowie Initiativen bei der Umsetzung von Mieterstrom und gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung.

metergrid, Julian Schulz, Gründer, Wirtschaft, Strom, Deutschland, Europa, Energie, Energiewende
Bild: metergrid

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Malta schenkt Bürgern ChatGPT-Abo – inklusive Denkfehler

21. Mai 2026 um 14:07

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KI-Malta ChatGPT Plus Abo KI Künstliche Intelligenz geschenkt

Wie soll ein Staat seine Bevölkerung auf Künstliche Intelligenz (KI) vorbereiten? Malta versucht, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Wer dort einen KI-Grundkurs absolviert, soll ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu ChatGPT Plus erhalten. Ich halte den Ansatz für zu kurz gedacht. Eine kommentierende Analyse.

Wie soll ein Staat seine Bevölkerung auf Künstliche Intelligenz vorbereiten? Malta hat im Mai 2026 gemeinsam mit OpenAI eine bemerkenswerte Antwort gegeben: Wer in Malta einen KI-Grundkurs absolviert, bekommt anschließend ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu ChatGPT Plus.

Ich halte diesen Ansatz für spannend, aber nicht für ausreichend, insbesondere nicht übertragbar auf Deutschland oder auf andere Staaten. Denn ein kostenloser Zugang zu einem einzelnen KI-Modell ist zu kurz gedacht; nötig wäre vielmehr eine breitere Befähigungsstrategie.

ChatGPT-Abo: Was steckt hinter Maltas KI-Deal mit OpenAI?

Malta hat im Mai 2026 gemeinsam mit OpenAI ein Programm angekündigt, das international Aufmerksamkeit erzeugt: Bürger sowie Bewohner Maltas sollen nach Abschluss eines KI-Kurses ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu ChatGPT Plus erhalten.

OpenAI selbst spricht von der weltweit ersten Partnerschaft dieser Art. Sie ist Teil der maltesischen Initiative „AI for All“, die Menschen unterschiedlicher Altersgruppen an einen verantwortlichen Umgang mit KI heranführen soll.

Die Idee dahinter ist einfach: Malta will KI nicht nur regulieren oder Unternehmen überlassen, sondern KI in die Breite der Gesellschaft bringen nach dem Motto „Erst lernen, dann nutzen.“.

Gute Idee, schwache Umsetzung: Was Malta richtig und falsch macht

Gleich vorweg muss ich sagen, dass ich die Idee hinter dem maltesischen Ansatz für gut halte. Denn Schulungen von Menschen alleine bringen meiner Erfahrung nach nicht viel, wenn das Gelernte nicht angewendet werden kann. Der Zugang zu ChatGPT Plus für ein Jahr gibt zumindest den Teilnehmern der Schulung für diesen Zeitraum die Möglichkeit der Nutzung.

Die Umsetzung der Idee, wie es Malta getan hat, finde ich dagegen nicht so gut. Hier könnten andere Staaten, beispielsweise Deutschland, cleverer vorgehen. Was meine ich damit?

Wir in Deutschland sollten uns das maltesische Modell zumindest einmal ansehen und über etwas Vergleichbares nachdenken. Artikel 4 der Europäischen KI-Verordnung verpflichtet ja ohnehin schon Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, nach bestem Vermögen ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei Personen sicherzustellen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen umgehen.

Warum „ChatGPT für alle“ in Deutschland das falsche Signal wäre

Nun ergibt sich daraus zwar keine allgemeine Pflicht eines Staates, auch nicht des deutschen, allen Bürgern KI-Schulungen anzubieten. Aber es zeigt eine klare Richtung: KI-Nutzung ohne Kompetenz wird nicht mehr als Normalzustand akzeptiert, basierend auf dem allgemeinen Verständnis, dass die Bevölkerung „aufgeschlaut“ werden muss.

Trotzdem wäre „ChatGPT Plus für alle“ für Deutschland das falsche Signal. Nicht, weil ChatGPT kein leistungsfähiges Werkzeug wäre. Sondern weil ein Staat vorsichtig sein muss, wenn er eine bestimmte private Plattform faktisch zur Standardoberfläche für KI erklärt. Dann wird KI schnell gleichgesetzt mit Chatbot, Textgenerator, US-Plattform und Abo-Modell. Das wäre aber eine viel zu große Einengung.

KI-Kompetenz: Das Problem ist nicht nur der Zugang

Hinzu kommt noch etwas anderes: Viele Menschen haben längst Zugang zu KI: über Suchmaschinen, Office-Anwendungen, Smartphones, Apps, Browser oder Unternehmenssoftware. Der Zugang zu KI-Anwendungen ist also wohl gar nicht das zentrale Problem. Der eigentliche Engpass liegt woanders.

Meiner Erfahrung nach wissen viele potenzielle Nutzer gar nicht, wofür sie KI sinnvoll einsetzen können. Darüber hinaus werden KI-Ergebnissen viel zu schnell vertraut. Und dann gibt es noch User, die KI generell ablehnen, weil sie schlechte Beispiele gesehen haben.

Unternehmen hingegen haben ergänzende Themen, denen sie sich stellen müssen (die aber natürlich auch für Privatnutzer gelten). Sie fragen sich beispielsweise, was generell erlaubt ist, welche Daten genutzt werden dürfen und wie Mitarbeitende geschult werden müssen, ohne aus diesen Schulungen „Alibi-Veranstaltung“ zur Erfüllung der Vorgaben der KI-Verordnung zu machen.

Ein kostenloses Premium-Abonnement von ChatGPT löst diese Probleme nicht automatisch. Im schlimmsten Fall verschärft es sie sogar: Menschen erzeugen schneller Texte, Analysen oder Entscheidungen, ohne aber besser beurteilen zu können, ob diese Ergebnisse stimmen, rechtlich sauber oder überhaupt brauchbar sind.

Drei Kriterien für eine bessere KI-Strategie

Ich glaube vielmehr, wir sollten in die Richtung denken, wie wir Menschen befähigen, KI sinnvoll und nutzbringend einzusetzen. Es geht also um eine Befähigungsstrategie. Dafür sehe ich drei notwendige Kriterien, die erfüllt sein müssen.

Erstens bräuchte es ein Angebot, das anbieterneutral ist. Der Staat sollte keine einzelne Plattform privilegieren, sondern offene Standards für Schulungsinhalte, sichere Lernumgebungen und dokumentierbare Kompetenznachweise fördern.

Zweitens müsste ein Angebot zielgruppenspezifisch sein. Ein Kurs „KI für alle“ klingt demokratisch, ist aber im Hinblick auf Anwendungen nicht sinnvoll. Denn eine Rentnerin braucht andere Anwendungsbeispiele als Mitarbeiter in einem Handwerksbetrieb, und diese wieder andere als Schüler und Studenten.

Drittens müsste das Angebot praktisch sein. Menschen lernen KI nicht durch abstrakte Definitionen, sondern durch Anwendungen.

Der bessere Ansatz: Ein KI-Flugsimulator für Deutschland

Wenn ich einen deutschen Ansatz entwerfen müsste (woran ich wirklich Spaß hätte), würde ich nicht mit einem simplen, zeitlich befristeten Zugang zu KI-Anwendungen beginnen, sondern mit einem geschützten Lernraum.

Diese sind übrigens nichts Neues, sondern als „Regulatory Sandbox“ oder „Reallabor“ bekannt, womit kontrollierte Umgebungen gemeint sind, in denen beispielsweise Unternehmen neue Ideen, Produkte oder Dienstleistungen testen können, ohne sofort mit der vollen Wucht regulatorischer Anforderungen konfrontiert zu werden.

Im vorliegenden Fall von KI könnte man – um mit einem neuen Begriff die KI-Situation hervorzuheben – von einem öffentlichen „KI-Flugsimulator“ sprechen.

Dort könnten Bürger, Unternehmen, Schulen und Verwaltungen mit realistischen, aber fiktiven Beispielen die Anwendung von KI üben, also beispielsweise gefälschte Nachrichten erkennen, KI-Antworten überprüfen, personenbezogene Daten identifizieren, schlechten oder schwache Prompts verbessern oder eine Verwaltungsmitteilung verständlicher formulieren.

Der Vorteil eines solchen KI-Flugsimulators wäre, dass Menschen Fehler machen könnten, ohne echte Schäden zu verursachen. Und das „Rad“ müsste dabei nicht einmal neu erfunden werden, denn vergleichbare Systeme gibt es schon, beispielsweise für Lehrer in Bayern, zumindest was die Bereitstellung durch den Staat angeht.

Warum Fehler der beste KI-Kurs sind

KI-Kompetenz würde so durch Erfahrung und nicht durch abstrakte Warnungen oder Schulungen entstehen. Denn Menschen müssen erleben, wie plausibel falsche Antworten klingen können.

Sie müssen sehen, wie leicht vertrauliche Informationen in falsche Systeme geraten. Und sie müssen lernen, dass bessere Fragen zwar bessere Antworten erzeugen – aber keine Prüfung ersetzen.

Ein solcher KI-Flugsimulator müsste online verfügbar sein, aber nicht nur das. Denn gerade der Zugang zu Online-Angeboten ist ja in Deutschland nicht selbstverständlich.

Der Zugang müsste also über weitere Kanäle ermöglicht werden, die sogar bei uns schon bestehen, nämlich Volkshochschulen, Bibliotheken, Kammern, Schulen, Hochschulen, Jobcentern, Seniorenorganisationen und Unternehmensnetzwerken. Anhand eines solchen KI-Simulators könnten dann entsprechende KI-Grundkompetenzen vermittelt und zertifiziert werden.

Die entscheidende Frage ist nicht Zugang, sondern Befähigung

Malta hat eine wichtige Debatte bezüglich KI eröffnet. KI ist nicht mehr nur ein Thema für Unternehmen, Entwickler oder Ministerien. Es geht um Bevölkerung, Teilhabe, Bildung, Arbeit, Verbraucherschutz und demokratische Widerstandsfähigkeit.

Lediglich den kostenlosen Zugang zu einem KI-Tool zu ermöglichen halte ich aber nicht für ausreichend, weil damit keine Kompetenzstrategie verbunden ist.

Wir sollten vielmehr aus dem maltesischen Ansatz lernen und ihn weiterentwickeln. Sinnvoll wäre ein Ansatz, der Menschen in echten Situationen trainiert: beim Prüfen von Informationen, beim Erkennen manipulierter Inhalte, beim Einsatz von KI im Beruf.

Die Zukunftsfrage lautet deshalb nicht, ob Menschen Zugang zu KI bekommen. Den bekommen sie ohnehin, und sei es über ein kostenfreies, online verfügbares Einstiegsmodell.

Die entscheidende Frage ist, wie man sie befähigt, KI-Ergebnisse einzuordnen, zu prüfen und verantwortungsvoll zu nutzen. Ich glaube, dass sich an der Antwort auf diese Frage zeigen wird, ob KI nur schneller macht – oder sinnvolle Anwendungen ermöglicht.

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Mensch oder KI? Eine Debatte mit einem völlig falschen Menschenbild

05. Mai 2026 um 20:38

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Mensch KI, Künstliche Intelligenz, Arbeit, Wettbewerb Mensch Maschine, Verantwortung, Technologie, Menschliche Intelligenz

Die Frage, ob der Mensch im Zeitalter der KI noch gebraucht wird, erscheint wichtig. Sie wird aber falsch gestellt, da sie voraussetzt, dass der Mensch vor allem nach seiner Verwendbarkeit bewertet wird. Ob er noch produktiv genug ist und ob er mithalten kann. Das ist ein Menschenbild, das mehr über unsere Arbeitskultur verrät als über KI. Eine persönliche Auseinandersetzung.

Wird der Mensch im Zeitalter Künstlicher Intelligenz noch gebraucht? Eigentlich scheint diese Fragestellung relevant und wichtig zu sein.

Auf den zweiten Blick wirkt sie jedoch merkwürdig defensiv. Ich habe immer mehr das Gefühl, als müsste der Mensch jetzt erst einmal nachweisen, dass er neben KI-Systemen noch verwendbar ist. Ich halte das für Quatsch.

Mensch oder KI: Wir stellen die falsche Frage

Insbesondere stört mich an den Beiträgen zu diesem Thema, dass sie immer so klingen, als wollten sie beruhigen. Dabei klingen sie aber oft erstaunlich unsicher. Erklärt wird dann mit tollen Argumenten, dass der Mensch ja weiterhin kreativer sei, Empathie habe, Verantwortung übernehme und Sinn stifte.

Natürlich ist das alles richtig. Aber es klingt auch ein wenig so, als müsste der Mensch eine Bewerbung über seine eigenen Restkompetenzen schreiben, damit er im Zeitalter der KI nicht vollständig aus Prozessen entfernt wird.

Diese Haltung halte ich für falsch, und zwar nicht, weil sich durch KI nichts verändern würde. Ganz im Gegenteil. KI verändert schon jetzt Arbeit, Kommunikation, Bildung, Verwaltung, Geschäftsmodelle und Entscheidungen. Aber die Frage, ob wir den Menschen „noch brauchen“, ist meiner Ansicht nach bereits falsch gestellt.

Der Mensch ist mehr als seine Produktivität

Natürlich kann man – und muss man – darüber sprechen, welche Tätigkeiten künftig automatisiert werden. Man kann und sollte auch fragen, welche Berufe sich verändern, welche Kompetenzen wichtiger werden und wo Menschen sich neu orientieren müssen.

All das gehört meiner Ansicht nach zu einer ernsthaften Debatte über KI (und wird beispielsweise von mir auch bei der „Nacht der Redner“ in meinen Vorträgen angeschoben). Etwas anderes ist aber doch die Frage, ob der Mensch überhaupt noch gebraucht wird.

Sie setzt voraus, dass der Mensch vor allem danach bewertet wird, ob er in einem System noch eine nützliche Funktion erfüllt, ob er noch produktiv genug ist und ob er noch „mithalten kann“.

Ich könnte es mit anderen Worten sagen: In meinen Augen dreht sich die Frage, ob der Mensch noch gebraucht wird, im Grunde doch darum, ob er noch einen Output liefert, den eine Maschine nicht schneller, billiger oder in größerer Menge erzeugen kann.

Genau darin aber liegt das Problem. Der Mensch wird auf Verwendbarkeit reduziert. Damit machen wir aber den Menschen an sich richtig – und ohne Not – klein.

Mensch vs. KI: Wer ist die Maschine?

Leider ist dieses Denken über den Menschen aber gar nicht mal neu. Und insbesondere wurde diese Ansicht auch nicht von KI oder durch das Aufkommen von KI erfunden. KI macht es nur sichtbarer.

Denn Menschen wurden schon lange vor ChatGPT in vielen Organisationen wie Systeme behandelt, die möglichst reibungslos funktionieren sollen. Das zeigt sich an vielen Stellen: Arbeit wurde in Kennzahlen zerlegt, Kommunikation in Prozesse gepresst, Kreativität in Ergebnisse übersetzt und Produktivität mit Bedeutung verwechselt.

In vielen Unternehmen ist es doch so: Viele Beschäftigte verbringen ihre Tage damit, Informationen umzuformen, Abstimmungen vorzubereiten, E-Mails zu schreiben oder Protokolle zu erstellen.

Wenn KI nun einen Teil dieser Aufgaben übernimmt (was KI richtig gut kann), dann bedroht das in gewisser Weise die Tätigkeit von Menschen, keine Frage. Es wird aber auch offengelegt, wie gleichförmig, wie maschinenartig, manche menschliche Arbeit längst geworden ist.

KI verändert den Blick auf menschliche Leistung

Ich glaube deshalb, KI entwertet nicht den Menschen. Sie zieht aber den Schleier von Tätigkeiten, die wir lange für besonders menschlich gehalten haben. Dabei ist ein gut formulierter Standardtext nicht automatisch Ausdruck tiefer Erkenntnis. Eine saubere Zusammenfassung ist nicht zwingend ein Beweis für Urteilskraft und eine umfangreiche Präsentation ist noch keine Strategie.

KI kann viele der genannten Tätigkeiten inzwischen in beeindruckender Qualität erledigen, das möchte ich gar nicht klein reden. Aber daraus folgt meiner Ansicht nach nicht, dass der Mensch weniger wichtig wird.

Vielmehr bedeutet es, dass wir genauer hinschauen und entscheiden müssen, was bloße Produktion von Text, Struktur und Vorschlag ist und wo tatsächlich menschliche Leistung beginnt.

Die Aufgabe von Menschen

Meiner Ansicht nach beginnt menschliche Leistung nämlich dort, wo es nicht nur um Output geht, sondern um Einordnung, Verantwortung, Maßstäbe und letztendlich um Konsequenzen. Ich könnte es auch anders sagen: Es geht darum, was richtig ist, und nicht nur darum, was möglich ist.

Zwei Beispiele zeigen, was ich meine:

  1. KI kann eine Kündigung höflicher oder präziser formulieren. Sie kann aber nicht entscheiden, ob ein Unternehmen Menschen auf diese Weise behandeln will.
  2. KI kann Argumente mit Blick auf ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Situation liefern. Sie kann aber nicht selbst dafür einstehen.

Genau deshalb reicht es nicht, einfach nur den Menschen als empathischere oder kreativere „Maschine“ zu verteidigen. Der Mensch ist nicht die bessere KI, denn er ist keine KI und auch nichts, was mit KI vergleichbar ist. Er ist etwas anderes.

Mensch oder KI? Verantwortung ist kein Prozessschritt

Ich sehe das insbesondere, wenn das Thema „Verantwortung“ diskutiert wird. In vielen KI-Debatten wird darauf verwiesen, dass der Mensch weiterhin eingebunden in die Entscheidungen, also „in the loop“, bleiben müsse. Das klingt vernünftig. Ist aber zu wenig, wenn man es nur technisch versteht.

Der Mensch ist nicht deshalb wichtig, weil er am Ende auf „Freigeben“ klickt. Dann hätte er nur eine Rolle im Prozess, in dem Fall die der Freigabe. Verantwortung aber bedeutet mehr.

Verantwortung bedeutet, adressierbar zu sein. Jemand, der Verantwortung trägt, kann gefragt werden. Jemand, der Verantwortung trägt, muss sich auf Nachfrage erklären und man kann ihm oder ihr widersprechen. Jemand, der Verantwortung trägt, muss am Ende mit den Folgen leben. Eine KI muss und wird das nicht.

Je mehr Entscheidungen durch KI vorbereitet, beeinflusst oder beschleunigt werden, desto wichtiger wird die Frage, wer für diese Entscheidungen tatsächlich die Verantwortung trägt, und zwar real.

Der bequemste Satz der kommenden Jahre wird meiner Ansicht nach lauten: „Die KI hat es empfohlen.“. Das klingt dann so, als wäre ihm eine tiefe Beschäftigung mit der Situation oder mit dem Thema, um das es geht, vorausgegangen. Ich befürchte jedoch, dass dieser Satz eher eine elegante Form der Selbstentlastung sein wird.

Wenn die KI es empfohlen hat, muss man es vielleicht nicht mehr ganz so genau erklären, warum etwas getan wird. Und es ist dann auch irgendwie nicht nur eine alleinige Entscheidung eines Menschen.

Wir brauchen kein Mitleid

Mich frustrieren Texte, die den Menschen im Zeitalter der KI beinahe mitleidig retten wollen. Denn sie gehen in meinen Augen völlig am eigentlichen Thema vorbei. Der Mensch bleibt nämlich ohne Zweifel wichtig.

Seine Bedeutung hängt nicht davon ab, ob er irgendwo noch besser, wärmer oder kreativer ist als eine Maschine. Wenn wir Menschen nur danach bewerten, was sie in einem Prozess leisten, dann wird KI tatsächlich zur Bedrohung. Das zeigt nämlich genau, wie klein wir den Menschen denken.

Der Mensch braucht keine Laudatio auf seine angeblich letzten Stärken. Er braucht vielmehr eine Gesellschaft, die ihn nicht erst dann ernst nimmt, wenn er beweisen kann, dass er noch nicht automatisierbar ist. Und er braucht ein Menschenbild, das mehr kennt als Produktivität und Effizienz.

Die Frage ist also nicht, ob wir den Menschen im Zeitalter der KI noch brauchen. Vielmehr sollten wir fragen: Welche Art Mensch wollen wir in einer Welt bleiben, in der Maschinen immer mehr Antworten liefern?

Man könnte es auch anders sagen: KI zwingt uns, neu zu fragen, wofür wir menschliche Intelligenz eigentlich einsetzen wollen: für mehr Text und Tempo? Oder für bessere Entscheidungen und sinnvollere Arbeit?

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Mehr arbeiten löst die Wirtschaftskrise nicht – KI zeigt, warum

24. April 2026 um 14:00

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KI Wirtschaftskrise, Deutschland, Arbeit, Verschwendung, Vergeudung, Mensch, Künstliche Intelligenz, Wirtschaft, Geld

„Mehr arbeiten“ scheint der reflexartige Ruf Deutschlands auf die Wirtschaftskrise zu sein. Allerdings hat KI eins klargemacht: Statt auf bloßen Mehreinsatz zu setzen, sollte Deutschland den Fokus auf den effizienteren Umgang mit menschlicher Kreativität und Innovation richten. Eine kommentierende Analyse. 

Der Ruf nach „mehr arbeiten“ gehört in Deutschland zu den zuverlässigsten Reaktionen auf wirtschaftliche Schwäche. Er klingt entschlossen, wirkt aber im Zeitalter von KI seltsam alt. Denn da diese Technologie sichtbar macht, wie viel menschliche Denkarbeit in Routinen und Reibung verpufft, liegt das Problem unserer Wirtschaft womöglich nicht zuerst im mangelnden Einsatz, sondern darin, wie schlecht wir mit Intelligenz, Kreativität und gedanklicher Innovationskraft umgehen.

Deutschland steckt in einer Wirtschaftskrise, das wirtschaftliche Wachstum ist gering bis nicht vorhanden. Wenn man aber die Krise einmal genau betrachtet, dann könnte man zu Ergebnis kommen, dass Deutschland vielleicht auch, möglicherweise sogar noch mehr, in einer Krise der Vergeudung steckt. Damit meine ich nicht die Vergeudung von Geld und auch nicht die Vergeudung von Chancen, sondern die Vergeudung von geistiger Energie.

Wirtschaftskrise: KI zeigt, was wirklich Zeit und Wachstum kostet

Denn jeden Tag verschwinden in Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen unzählige Stunden in Routinen, Rückfragen, Wiedervorlagen, Suchbewegungen, Berichtsschleifen, Formulierungsvarianten und Abstimmungen.

Sie fühlen sich wichtig an, produzieren allerdings oft nur Reibung und verschwenden Zeit. Und obwohl all das geschieht und auch immer wieder angeprangert wird, reden wir erstaunlich häufig noch so, als sei die zentrale Frage, ob Menschen genug arbeiten.

Das klingt zunächst nach einer provokanten These. Ganz aus der Luft gegriffen ist sie jedoch nicht. Die deutsche Wirtschaft ist 2025 real nur um 0,2 Prozent gewachsen. Gleichzeitig blieb die Zahl der Erwerbstätigen auf sehr hohem Niveau.

Das allein beweist natürlich noch nichts. Aber es passt schlecht zu der schlichten Erzählung, es fehle vor allem an Arbeitsbereitschaft. Eher deutet es darauf hin, dass die Beziehung zwischen Aufwand und Wirkung nicht mehr stimmt.

Darüber hinaus verweist die OECD auf administrative Lasten, Fachkräfteengpässe und eine zu geringe wirtschaftliche Dynamik als zentrale Bremsen für Deutschland. Und die deutsche Bundesbank sieht in der verschlechterten Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen einen wesentlichen Grund für Exportmarktverluste. Das alles klingt nicht nach einem Land, dem nur ein paar zusätzliche Arbeitsstunden fehlen. Es klingt nach einem Land, das zu viel Energie an den falschen Stellen verbrennt.

KI als Spiegel unserer Tätigkeiten

Genau an diesem Punkt wird Künstliche Intelligenz (KI) interessant, aber nicht als Zauberstab oder als simples Heilsversprechen für schnell erzielbares Wirtschaftswachstum. Und auch nicht als bequeme Fantasie, man könne wirtschaftliche Schwäche einfach weg prompten. Interessant wird KI für mich viel mehr als ziemlich unangenehmer Spiegel.

Denn KI zeigt etwas, das insbesondere von Berufspolitikern ohne Erfahrung als Arbeitnehmer oder als Inhaber eines Unternehmens lieber nicht so genau gesehen werden möchte: nämlich wie Menschen in Unternehmen und Behörden ihre Tage damit verbringen, Informationen umzuformen, statt mit ihnen etwas Neues anzufangen.

Wie häufig hoch qualifizierte Fachkräfte nicht an schwierigen Problemen arbeiten, sondern an den sprachlichen, formalen und organisatorischen Nebenwirkungen und Dokumentationen komplexer Systeme. Und wie viel Potenzial ungenutzt bleibt, weil zu viele Köpfe mit Verwaltung statt mit Wirkung beschäftigt sind.

KI in der Wirtschaftskrise als Anklage gegen Zeitverschwendung

Das ist für mich der eigentliche Grund, warum die Debatte über KI so interessant ist. KI ist eben nicht nur eine Technologie zur Steigerung der Produktivität. Sie ist vielmehr auch eine „Anklage gegen Zeitverschwendung“.

Denn sobald eine KI in Sekunden eine Zusammenfassung, einen Textentwurf, eine Strukturierung, eine Voranalyse oder eine sortierte Auswertung liefern kann, wird mit einer gewissen Deutlichkeit sichtbar, wie viel teure menschliche Arbeitszeit bislang in genau diese Tätigkeiten versickert ist. KI macht also nicht nur schneller. Sie vielmehr sichtbar, was wir für inzwischen viel zu lange verfehlt für normal gehalten haben.

Das Problem Deutschlands ist meiner Ansicht nach nicht, dass zu wenig gearbeitet wird. Das Problem besteht vielmehr darin, dass zu viel menschliche Arbeit für Tätigkeiten aufgewendet wird, die den Wohlstand von morgen nicht erhöhen.

Wenn in einer wissensintensiven Wirtschaft wie der unseren pauschal mehr Arbeit gefordert wird, ohne zugleich über die Qualität, die Hebelwirkung und die Zielrichtung dieser Arbeit zu sprechen, dann wird Betriebsamkeit und generell Aktivität mit Fortschritt verwechselt.

Wo Unternehmen Aufmerksamkeit verschwenden

Und das gilt umso mehr in einer alternden Gesellschaft. Gerade wenn Fachkräfte knapp sind und die vorhandenen immer älter werden, ist es fast schon absurd, die Zeit der verbleibenden mit nicht Wert schaffenden Routinen zu überladen, die sich beschleunigen, vorbereiten oder zumindest teilweise automatisieren lassen.

KI wird insbesondere dann zu einer Technologie der Freilegung. Sie legt nämlich frei, wo in Unternehmen und Organisationen Aufmerksamkeit verschwenden wird bzw. verschwendet werden muss aufgrund von entsprechenden Regularien. Sie legt frei, wo Entscheidungswege unnötig zäh geworden sind. Und sie legt frei, wo Gründlichkeit mit Verzögerung verwechselt wird.

Was passiert, wenn KI Menschen nicht ersetzt, sondern besser einsetzt?

Mir geht es dabei ausdrücklich insbesondere nicht um die mittlerweile allzu bekannte Erzählung, der Mensch werde durch die KI ersetzt. Diese Erzählung ist meist entweder zu simpel oder zu bequem. Die interessantere Frage lautet vielmehr: Was wäre möglich, wenn wir Menschen nicht ersetzen, sondern besser einsetzen? Was geschieht, wenn KI einen Teil jener Vorarbeit übernimmt, die bislang Menschen mit Routinen beschäftigt, statt sie an die wirklich wichtigen Aufgaben zu bringen?

Dann könnte ausgerechnet eine Technologie, die so oft als Bedrohung beschrieben wird, zu einem Werkzeug werden, das Menschen wieder stärker an den Punkt bringt, an dem ihre Tätigkeiten wirklich Sinn ergeben: beim Einordnen, Entscheiden, Priorisieren, Verhandeln, Erfinden und Erklären.

Natürlich löst KI allein nicht das gesamte deutsche Wachstumsproblem. Sie senkt keine Energiepreise, sie ersetzt keine Industriepolitik und sie zaubert auch keine mutigen Investitionsentscheidungen herbei. Aber vielleicht liegt genau in dieser nüchternen Einordnung der entscheidende Punkt. KI muss gar nicht alles lösen, um wirtschaftlich enorm relevant zu sein. Es reicht bereits, wenn sie uns zwingt, eine unangenehme Wahrheit zur Kenntnis zu nehmen: dass wir in Deutschland sehr lange damit durchgekommen sind, geistige Schwerfälligkeit als Seriosität zu verkaufen.

Weniger Schweiß, weniger Vergeudung: Der echte Weg aus der Krise

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche wirtschaftliche Provokation von KI. Sie bedroht nicht nur einzelne Tätigkeiten. Sie bedroht vielmehr auch Rechtfertigungsmuster. Sie stellt infrage, warum bestimmte Formen von Langsamkeit und Umständlichkeit bislang als normal, professionell oder gar alternativlos galten.

Und sie zwingt uns damit zu einer Frage, die weit größer ist als jede Tool-Debatte: Wofür genau wollen wir menschliche Intelligenz in Zukunft eigentlich noch verwenden? Die Antwort auf diese Frage dürfte am Ende wichtiger sein als jede moralisch aufgeladene Debatte über Fleiß. Denn der Weg aus der Wirtschaftskrise führt womöglich nicht zuerst über mehr Schweiß, sondern endlich über weniger Vergeudung.

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Echt oder KI? Wenn die Realität unter Gemeralverdacht gerät

09. April 2026 um 13:30

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KI Realität NO AI Künstliche Intelligenz Wahrnehmung

Ist das echt oder KI? Inhalte von Künstlicher Intelligenz zerstören nach und nach unser Vertrauen in Bilder, Videos, Stimmen und Artikel. Müssen Inhalte also wieder menschlicher werden? So einfach ist es nicht.

Vielleicht kennst du das: Du scrollst durch Social Media-Kanäle und dir gehen nicht nur die schlechten Inhalte auf die Nerven, sondern es wächst auch der Verdacht, dass überhaupt nichts mehr echt sein könnte.

Man könnte voreilig die immer stärker werdende Skepsis gegenüber KI-erzeugten Inhalten als pessimistische Überreaktion abzutun: „Von Menschen erzeugte Inhalte sind halt doch besser, das haben wir ja schon immer gewusst!“

Wer jedoch heute irritiert oder sogar ablehnend auf künstlich erzeugte Bilder, Videos oder Stimmen reagiert, ist nicht automatisch technikfeindlich. Er oder sie reagiert meiner Ansicht nach vielmehr auf eine Veränderung der digitalen Umwelt, die viele Menschen längst spüren, auch wenn sie sie noch nicht genau benennen können.

Echt vs. KI: Was ist das Problem?

Das Problem liegt nicht nur darin, dass KI inzwischen täuschend echte Inhalte erzeugen kann. Das größere Problem besteht darin, dass sich durch diese KI-erzeugten Inhalte unser Blick auf digitale Inhalte insgesamt verschiebt.

Wo früher ein gewisses Grundvertrauen vorhanden war, besteht heute immer häufiger ein stilles Misstrauen: Ist der Inhalt echt? Ist er bearbeitet? Ist er inszeniert? Ist er vielleicht gar nicht mehr von einem Menschen erstellt worden?

Das ist deshalb so bemerkenswert, weil die Stärke von KI lange Zeit ganz woanders verortet wurde. Es ging um Effizienz, um Produktivität, um neue kreative Möglichkeiten, um Entlastung des Menschen.

All das ist nicht falsch. Aber diese Perspektive greift zu kurz. Denn KI verändert eben nicht nur, wie Inhalte entstehen. Sie verändert auch, wie wir Inhalte wahrnehmen und einordnen.

Nicht jede KI ist das Problem

Bevor ich jedoch weiter ausführe, ist ein Wort der Warnung erforderlich. Mir geht es nicht darum zu sagen, dass jeder Einsatz von KI problematisch ist. Das wäre seltsam, bin ich doch in meinen Vorträgen und Workshops fast schon ein an dem deutschen Veränderungsunwillen verzweifelnder KI-Optimist.

Wenn KI also hilft, Informationen zu strukturieren, Texte sprachlich zu glätten, Prozesse zu beschleunigen oder Wissen schneller zugänglich zu machen, ist das ausgesprochen nützlich.

Viele der aktuellen Anwendungen liegen ja auch heute genau in diesem Bereich und unterstützen so menschliches Arbeiten. Der Eindruck von Wirklichkeit wird dabei gerade nicht untergraben.

Kritisch wird es vielmehr dort, wo KI nicht mehr nur Werkzeug im Hintergrund ist, sondern sichtbar an die Stelle menschlicher Wirklichkeit tritt. Wenn Gesichter, Stimmen, Szenen oder ganze Stimmungen künstlich erzeugt werden, dann geht es nicht mehr nur um Unterstützung. Dann geht es um Simulation. Und genau an diesem Punkt – so kommt es mir derzeit vor – kippt für viele Menschen das Gefühl.

Denn ein sprachlich verbesserter Text und ein künstlich erzeugter Mensch, sind in meinen Augen nicht dasselbe. Eine KI, die im Hintergrund sortiert, ist etwas anderes als eine KI, die im Vordergrund Realität imitiert. Wer diese Unterscheidung macht, versteht besser, warum manche Anwendungen kaum Widerstand auslösen, während andere sofort Unbehagen erzeugen.

Bitte keine KI: Warum das Echte plötzlich wieder wichtig wird

Ich glaube, wir erleben derzeit eine Gegenbewegung zur Austauschbarkeit, wenn über KI lamentiert wird. Viele KI-Inhalte sehen wir nicht deshalb als problematisch an, weil sie technisch schlecht wären.

Im Gegenteil: Sie sind oft erstaunlich gut gemacht. Aber genau darin liegt oftmals das Problem. Sie wirken glatt, generisch und zu mühelos. Ihnen fehlt also nicht Qualität im technischen Sinn, wohl aber Reibung, Eigenheit, und „Kante“.

Das Echte wird in der Umgebung von einer Vielzahl von KI-Inhalten nicht deshalb attraktiver, weil es immer schöner oder besser wäre. Das Gegenteil ist inzwischen häufig der Fall. Es wird attraktiver, weil es knapper wird.

Wenn künstliche Produktion in nahezu unbegrenzter Menge möglich ist, dann gewinnt dasjenige an Wert, was nicht beliebig skalierbar ist: menschliche Erfahrung, echte Perspektive, konkrete Handschrift, Unschärfe, Widerspruch, Haltung.

Genau deshalb halte ich den Ausspruch „Bitte keine KI“ nicht für rückwärtsgewandt. Er zeigt vielmehr, dass Menschen sehr wohl spüren, wann Technik ihnen hilft und wann sie beginnt, den Charakter eines Inhalts zu verändern. Vielleicht ist das ein Zeichen von Übersättigung, vielleicht sogar von wachsender digitaler Reife.

Das eigentliche Problem ist der Vertrauensverlust

Noch wichtiger erscheint mir aber ein anderer Punkt. Die eigentliche Gefahr liegt nicht darin, dass Menschen von einzelne KI-Inhalte getäuscht werden. Sie liegt meiner Ansicht nach darin, dass das Misstrauen über den einzelnen Inhalt hinauswächst.

Wenn Menschen anfangen, nicht nur Künstliches kritisch zu betrachten, sondern auch Reales reflexhaft unter Verdacht zu stellen, von KI erstellt worden zu sein, dann verändert sich im Kern die ganze Wahrnehmung von digitaler Öffentlichkeit.

Das erinnert mich an ein anderes Problem, über das ich schon geschrieben habe, nämlich der digitalen Bildung und dem Umgang mit Informationen: Wissen ist heute in großer Menge verfügbar, aber vielen fällt es schwer, Informationen einzuordnen, in ihrer Gesamtheit zu erfassen und sich dabei nicht von Lautstärke oder Emotionen treiben zu lassen.

KI verschärft dieses Problem nun noch einmal. Jetzt geht es nicht mehr nur um die Einordnung von Informationen, sondern zunehmend auch um die Einordnung von „Wirklichkeit“, also ob etwas unverfälscht oder künstlich geschaffen wurde.

Geht diese Entwicklung weiter, dann könnten wir ein Umfeld bekommen, in dem Echtheit nicht mehr – wie bisher – vorausgesetzt wird, sondern begründet werden muss. Das ist eine erhebliche Veränderung.

Denn Vertrauen ist digital ohnehin schon fragil. Wenn nun auch noch die visuellen, akustischen und sprachlichen Ebenen flächendeckend synthetisierbar werden, dann wächst der Druck auf den einzelnen Nutzer, immer prüfen zu müssen, was er da eigentlich an Inhalten vor sich hat.

Auch die Rückkehr zur Echtheit ist nicht unschuldig

Ich will jetzt aber auch nicht in eine Romantisierung des Echten verfallen. Denn auch die neue Lust auf Echtheit ist nicht frei von Inszenierung. Schon jetzt lässt sich beobachten, dass „ohne KI“ selbst zu einem Label wird, das Aufmerksamkeit schafft und sich vermarkten lässt.

Das zeigt, dass das Thema komplizierter ist, als es auf den ersten Blick wirkt. Nicht jede Distanzierung von KI ist Ausdruck einer tiefen Haltung. Manches davon ist Strategie. So wie „mit KI“ vor kurzem noch als Innovationsbeweis galt, wird „ohne KI“ nun als Qualitätssiegel verwendet.

Meiner Ansicht nach müssen wir also vorsichtig sein bei der Einordnung. Weder ist KI pauschal der Feind des Menschlichen, noch ist alles Menschliche automatisch wertvoller. Entscheidend ist vielmehr, ob Inhalte und Technologien in einer Weise eingesetzt werden, die Vertrauen stärken oder untergraben.

Echt oder KI? Worauf es jetzt ankommt

Nach meinem Dafürhalten brauchen wir zukünftig weniger pauschale KI-Begeisterung und weniger pauschale KI-Abwehr. Stattdessen brauchen wir die Fähigkeit, Unterschiede zu erkennen.

Wo unterstützt KI sinnvoll? Wo ersetzt sie etwas, das besser nicht ersetzt werden sollte? Wo erweitert sie menschliche Möglichkeiten? Und wo produziert sie vor allem Masse und Oberflächenreize?

Das alles sind Fragen, die auf Medienkompetenz und Urteilsvermögen abzielen. Wenn wir uns nicht bewusst machen, wie KI-generierte Inhalte auf unser Vertrauen in Inhalte im Allgemeinen wirken, dann reden wir zu oberflächlich über den Nutzen von KI.

Vielleicht ist genau das die unbequeme Pointe dieser Entwicklung: KI zwingt uns nicht nur dazu, über Maschinen nachzudenken. Sie zwingt uns dazu, neu über das Menschliche nachzudenken und darüber, was wir eigentlich meinen, wenn wir etwas für echt halten.

Und vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre, nämlich ob wir es schaffen, in einer Welt voller synthetischer Möglichkeiten die Maßstäbe nicht zu verlieren, nach denen wir Wirklichkeit erkennen, bewerten und ihr vertrauen. Genau daran wird sich entscheiden, ob KI unseren digitalen Alltag wirklich verbessert oder ihn nur noch künstlicher macht.

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