❌

Normale Ansicht

Received before yesterdayBASIC thinking

Apple Watch hört ständig mit – und belauscht sogar Freunde und Familie

23. September 2026 um 20:05

Der Beitrag Apple Watch hört ständig mit – und belauscht sogar Freunde und Familie erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Die Apple Watch Series 12 mit braunem Armband.

Apple hat mit Siri Recap eine Datenschutz-Architektur für die neue Apple Watch gebaut, die technisch zwar kaum angreifbar ist, aber die Smartwatch auch ständig mithören lässt. Was aber auffällt: Wer mit im Raum ist oder am Nachbartisch sitzt, wird nicht gefragt ob er aufgezeichnet werden will – und merkt es auch nicht. Eine kommentierende Analyse. 

Man muss Apple eines lassen: Selten hat ein Konzern so gründlich erklärt, warum sein neues Feature eigentlich gar nicht gruselig ist. Zu den neuen Audio-Intelligence-Funktionen der Apple Watch Series 12 und Ultra 4 gibt es ein elfseitiges Whitepaper. Es beschreibt verschlüsselte Hardware-Enklaven, Audiopuffer, die sich ständig selbst überschreiben, und Schlüssel, die nach kurzer Zeit verfallen. Der zentrale Satz lautet sinngemäß: Es gäbe keine Aufnahme, die man herausgeben könne, weil keine Aufnahme existieren würde. Das mag alles stimmen. Beantwortet wird damit aber auch eine Frage, die kaum jemand gestellt hat.

Apple Watch hört über Siri Recap zu: Technisch alles sauber

Zuerst das Positive, weil es dazugehört. Siri Recap soll über den Tag hinweg erkennen, wann in der Nähe ein Gespräch läuft, und daraus Zusammenfassungen erstellen. Laut Apple landet das Audio dabei in der „Secure Exclave“ des neuen S11-Chips. Weder watchOS noch Apps noch Apple selbst sollen darauf zugreifen können. Von dort geht es verschlüsselt auf das gekoppelte iPhone, wo die Datei transkribiert wird.

Danach wird der Text eingedampft und in Apples Private Cloud Compute zusammengefasst. Das Rohaudio wird gelöscht, Sprecher werden nicht identifiziert, und nach sieben Tagen verschwinden die Zusammenfassungen, sofern man sie nicht speichert.

Das ist mehr Aufwand, als die meisten Hersteller von KI-Wearables wie Anhängern, smarten Diktiergeräten und Plaudernadeln je betreiben werden. Wer Apple vorwirft, hier fahrlässig mit Daten umzugehen, macht es sich zu einfach.
Nur ging es bei Datenschutz nie ausschließlich um Verschlüsselung.

Das Problem sitzt mit am Tisch

Alles, was Apple an Kontrolle verspricht, gilt für genau eine Person: den Menschen mit der Uhr am Handgelenk. Er willigt bei der Einrichtung ein, legt Zeiten und Orte fest und entscheidet, welche Zusammenfassungen er behält. Die Kollegin im Meeting, der Freund beim Abendessen oder Fremde in der Bahn entscheiden aber gar nichts. Sie wissen nicht einmal, dass es etwas zu entscheiden gäbe.

Apple vergleicht das Ergebnis mit „Notizen, die jemand nach einem Gespräch schreiben könnte“. Der Vergleich hinkt. Wer mitschreibt, sitzt sichtbar mit Block oder Laptop da, und man kann sich darauf einstellen. Eine Smartwatch dagegen gehört inzwischen so selbstverständlich zum Handgelenk wie früher die Armbanduhr. Genau diese Unauffälligkeit war jahrelang ihr größter Vorteil. Bei einem Gerät, das Gespräche auswertet, wird sie zum Problem.

Apple weiß es selbst

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich mit Live Rewind, dem zweiten neuen Feature. Nach einem Doppeldruck auf die Digital Crown zeigt die Uhr die letzten 15 Sekunden eines Gesprächs als Text an. Dabei spielt sie einen hörbaren Ton ab – selbst im Lautlosmodus. Das Display zeigt eine Animation und eine Mikrofonanzeige an. Apple begründet das ausdrücklich damit, Menschen in der Nähe zu warnen.

Die Apple Watch Series 12 mit den neuen Audio Intelligence Funktionen
Die Apple Watch Series 12 ist die erste Apple Watch mit den neuen „Audio Intelligence“ Funktionen.

Für 15 Sekunden auf Knopfdruck gibt es also einen Warnton. Für ein Feature, das auf Wunsch den ganzen Tag lang Gespräche zusammenfasst, gibt es keinen. Apple begründet das damit, dass kein Rohaudio aufbewahrt wird. Wer so argumentiert, verwechselt den physischen Speicher mit dem Inhalt. Mein Gegenüber interessiert nicht, ob seine Stimme als Datei existiert. Es interessiert ihn, ob das, was er gesagt hat, später in einer Zusammenfassung auf fremden Geräten steht. Genau dafür ist Siri Recap gebaut.

Siri Recap: Legal ist nicht automatisch legitim

Aus deutscher Sicht wird die Architektur noch interessanter. § 201 StGB stellt unter Strafe, das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen unbefugt „auf einen Tonträger aufzunehmen“. Apples Konzept wirkt, als hätte jemand genau diesen Tatbestand danebengelegt. Es gibt einen flüchtigen Puffer, der sich laufend überschreibt, keine Datei, keine Aufnahme und am Ende nur Text. Ob ein solcher Puffer ein Tonträger im Sinne der Norm ist, dürfte Juristen noch beschäftigen. Das Strafrecht hält sich eng an den Wortlaut, und viel spricht dafür, dass Apple hier bewusst knapp daran vorbeikonstruiert hat.

Beim Datenschutzrecht wird es ungemütlicher. Solange jemand die Funktion rein privat nutzt, greift wohl die sogenannte Haushaltsausnahme der DSGVO. Apple bewirbt aber selbst die Option, Siri Recap „nur am Arbeitsplatz“ laufen zu lassen. Wer im Büro Besprechungen mit Kunden oder Kollegen zusammenfassen lässt, bewegt sich kaum noch im Privaten.

Dann ist er womöglich selbst Verantwortlicher im Sinne der DSGVO und müsste die Betroffenen informieren. Wie das mit einer Uhr gehen soll, die bewusst kein Signal gibt, erklärt das Whitepaper nicht. Zudem fließen neben dem Gesprächstext auch Kalenderdaten und grobe Ortsangaben wie „Arbeit“ oder „Supermarkt“ in die Cloud-Zusammenfassung ein.

Vielleicht erklärt das, warum wir in Deutschland vorerst nur zuschauen. Siri AI kommt auf der Apple Watch in der EU zunächst nicht. Siri Recap und Live Rewind starten ohnehin erst später im Jahr als Beta, auf Englisch und in den USA. Eine Begründung für den EU-Ausschluss liefert Apple nicht. Man muss aber kein Prophet sein, um zu vermuten, dass Brüssel bei einem Dauerlausch-Feature ein paar Fragen mehr stellt als bei einem Emoji-Generator.

Präsent durch Weghören?

Bleibt die Frage nach dem Nutzen. Apple verspricht, man könne mit Siri Recap „präsent und engagiert“ bleiben. Das ist eine bemerkenswerte Logik: Man soll dem Gespräch mehr Aufmerksamkeit schenken, indem man das Zuhören an sein Handgelenk auslagert. Die Beispiele wirken bemüht. Wer im Restaurant die Tagesgerichte vergessen hat, fragt die Bedienung einfach noch einmal. Die freut sich darüber vermutlich mehr als über eine KI-Zusammenfassung ihres Vortrags.

DIe Apple Watch Ultra 4 mit "Siri Recap"
Apple bewirbt „Siri Recap“ mit teils schwer nachvollziehbaren Alltagssituationen (Bild: Apple)

Der eigentliche Grund liegt woanders. Der Markt für KI-Begleiter, die ständig mithören, wächst, und Apple will ihn nicht der Konkurrenz überlassen. Das ist nachvollziehbar. Wer diesen Markt aber anführen will, trägt auch Verantwortung dafür, welche Normen sich darin durchsetzen.

Fazit: Apple Watch hört ständig mit

Apple hat den Datenschutz bei Siri Recap als technisches Problem behandelt und es technisch gelöst. Privatsphäre ist aber zuerst eine soziale Frage. Dabei geht es nicht nur darum, wer auf Daten zugreifen kann. Es geht auch darum, ob Menschen noch sicher sein können, dass ihr beiläufiges Gespräch beiläufig bleibt.

Die Lösung läge auf der Hand, und Apple hat sie bei Live Rewind selbst gebaut: ein klar sichtbares Signal auf dem Display, solange Siri Recap aktiv ist. Das wäre kein technisches Hindernis. Es wäre ein Eingeständnis, dass die Menschen um uns herum auch ein Recht darauf haben, gefragt zu werden. Solange dieses Signal fehlt, ist die beste Datenschutz-Architektur der Branche vor allem eines: ein sehr gut verschlüsseltes Feigenblatt.

Auch interessant: 

Der Beitrag Apple Watch hört ständig mit – und belauscht sogar Freunde und Familie erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Kommentar: Das iPhone Duo stellt Apple auf den Prüfstand

10. September 2026 um 10:50

Der Beitrag Kommentar: Das iPhone Duo stellt Apple auf den Prüfstand erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Das neue iPhone Duo von Apple, zugefaltet als auch aufgefaltet.

Das iPhone Duo war schon da, da existierte es offiziell noch gar nicht. Im April brachte Huawei das Pura X Max. Im Juli folgte Samsung mit dem Galaxy Z Fold 8. Anfang September legte Xiaomi das 18 Fold nach. Drei Hersteller, ein Formfaktor: kurz, breit, ungefähr Reisepassgröße. Und alle drei kamen auf den Markt, bevor Apple auch nur bestätigt hatte, dass es an einem faltbaren iPhone arbeitet. Ein Kommentar.


Deutlicher lässt sich Apples eigentliches Kapital kaum beschreiben. Es ist nicht der Chip, nicht die Kamera, nicht einmal der Preis. Es ist die Fähigkeit, eine ganze Branche in Bewegung zu setzen, bevor überhaupt ein Produkt existiert. Genau dieses Kapital steht mit dem iPhone Duo, das Apple gestern Abend vorgestellt hat, auf dem Prüfstand – und zwar gleich mehrfach.

Erstens: Zieht der Apple-Effekt beim iPhone Duo noch?

Dass die Konkurrenz reagiert, ist unbestritten. Bei Foldables fällt es besonders auf, weil die Android-Hersteller vorher in die Gegenrichtung gelaufen waren: Frühe Modelle von Oppo und Google kamen den heutigen breiten Faltern näher, dann gaben beide diese Entwürfe auf, um sich Samsungs Norm eines „Vierecks“ anzupassen. Sieben Jahre lang bewegte sich die Kategorie in den Verkaufszahlen kaum.

Nur ist Nachahmung durch die Industrie nicht dasselbe wie Zustimmung durch die Kundschaft. Bei der Apple Watch und den AirPods ging beides zusammen: Apple war zwar nicht „zuerst“ da, definierte aber eine Kategorie und das schlug sich auch in den Verkaufszahlen aller Produkte nieder. Bei der Vision Pro blieben die Nachahmer fast komplett aus, offenbar war auch schon zu erwarten, dass sich das Gerät nicht gut verkauft.

iPhone 17 iPhone Air Apple
Apple

Das lehrreichste Beispiel dieser Art ist aber das iPhone Air. Die Branche folgte artig: Samsung legte sogar mit dem Galaxy S25 Edge vor, Honor, Huawei und Tecno bauten ebenfalls dünne Modelle. Die Käufer folgten jedoch nicht. Im Startmonat entfielen laut Consumer Intelligence Research Partners nur drei Prozent des iPhone-Absatzes auf das Air, weltweit sollen es trotz mehrfacher Preissenkungen bei Händlern kaum mehr als 700.000 verkaufte Geräte gewesen sein. Die Produktion wurde weitgehend heruntergefahren, das Air 2 verschoben – und Samsung strich das S26 Edge gleich mit.

Der Apple-Effekt funktioniert somit zwar weiterhin zuverlässig in Richtung Konkurrenz. In Richtung Kunde funktioniert er jedoch nicht mehr immer, ein Novum für einen Hersteller, der über 10 Jahre quasi einen Verkaufsschlager nach dem Nächsten feierte.

Zweitens: 2.299 Euro für ein iPhone Duo in einem denkbar schlechten Jahr

Das iPhone Duo startet in Deutschland bei 2.299 Euro, in der Topausstattung bei 3.799 Euro. Ein Netzteil liegt (wie seit Jahren) nicht bei, das Case kostet 89 Euro extra, der Apple Pencil ebenfalls. Zum Vergleich im selben Markt: Samsungs Galaxy Z Fold 8 beginnt bei 1.999 Euro, das Z Fold 8 Ultra bei 2.199 Euro. Apple liegt über beiden.

Die psychologische Zweitausend-Euro-Marke ist damit ebenfalls gefallen, und sie fällt in einem Jahr, in dem ohnehin alles teurer wird. Praktisch die gesamte Branche hat 2026 die Preise um rund hundert bis zweihundert Euro angehoben: Neben dem neuen, teureren iPhone 18 Pro (Max) zog schon Google im August beim Pixel 11 den Preis an, auch das Galaxy Z Fold 8 Ultra ist teurer als sein Vorgänger.

Der Grund ist die Speicherkrise. Der Ausbau von KI-Rechenzentren saugt Bauteile aus dem Markt, RAM und Flash vor allem. Nothing-Chef Carl Pei berichtete, die Speicherkosten für das Nothing Phone 4A hätten sich bis zum Marktstart verdoppelt. Qualcomm hat gerade erst die Chippreise erhöht. Entspannung erwartet niemand so bald.

Samsung versprach gegenüber Journalisten bei der Vorstellung seiner Z Fold4-Serie vor einigen Jahren sinkende Preise bei Foldables, mittlerweile sind wieder sogar über den 2100 Euro die Samsung für ihr erstes Galaxy Fold haben wollte.

Für eine Kategorie, die 2025 gerade einmal 1,6 Prozent aller Smartphone-Verkäufe ausmachte, ist das eine unglückliche Ausgangslage. Apple muss die Leute nicht nur von einer neuen Bauform überzeugen, sondern von einer neuen Bauform zu einem Preis, bei dem viele in diesem Jahr ohnehin zusammenzucken.

Dritte Prüfung: Löst Apple die alten Probleme?

Bei diesem Preis wäre die naheliegende Rechtfertigung, dass Apple die bekannten Schwächen der Kategorie mit dem iPhone Duo endlich beseitigt. Der Konzern hat sich diesen Ruf über Jahre aufgebaut: nicht der Erste sein, sondern erst kommen, wenn die Kinderkrankheiten kuriert sind. Auf der Bühne klang es entsprechend: Die seidenmatte Oberfläche des Innendisplays solle den Falz praktisch verschwinden lassen.

Die ersten Hands-on-Videos aus Cupertino erzählen etwas anderes. Der Falz ist offenbar genauso sichtbar wie beim Galaxy Z Fold 8 und Fold 8 Ultra, trotz zweilagigem flexiblem Glas. Und die Kamera unter dem Display, die Apple in der Keynote mehrfach vorgeführt hat, fällt ausgerechnet deshalb auf, weil sie als einzige Stelle nicht matt ist. Samsung hatte diese Lösung beim aktuellen Fold aus guten Gründen wieder gestrichen. Dazu kommt, dass die IP68-Zertifizierung wohl nur zeitlich begrenzt gilt, ähnlich wie beim Pixel 10 Pro Fold.

Sieben Jahre Wartezeit, und der Falz ist immer noch da. Das ist die unbequeme Nachricht des Abends.

Und hier kommt Apples eigentliche Stärke ins Spiel

Denn wenn die Hardware von Apple die Probleme nicht löst, dann müssen die Ingenieure in Cupertino etwas anderes tun – und genau dort liegt Apples Vorteil ohnehin. Was der Konzern rund um das Duo an Software gebaut hat, wirkt erkennbar durchdacht. Beide Displays, außen 5,4 und innen 7,6 Zoll, teilen sich dasselbe Seitenverhältnis, sodass Inhalte beim Auf- und Zuklappen nicht springen, sondern wachsen. Dazu echtes Zwei-App-Multitasking, ein Dock, das an den rechten Rand wandert, Apple-Pencil-Unterstützung, die Samsung beim Fold erst dieses Jahr wieder gestrichen hat.

Die App "Slack" geöffnet auf dem iPhone Duo
Das iPhone Duo hat eine durchdachte Software – sein großer Vorteil. (Bild: Apple)

Apples iOS-27-Ansatz wirkt deutlich zielgerichteter als das, was Android von Google bzw. One UI von Samsung derzeit bieten und es sei nur eine Frage der Zeit, bis Android-Hersteller diese Bedienkonzepte kopieren.

Ein Foldable ist zu zwei Dritteln ein Software-Produkt, und Software plus Ökosystem sind das Feld, auf dem Apple seit fünfzehn Jahren am stärksten ist. Wer ein iPhone, ein iPad und eine Watch besitzt, kauft hier kein Gerät, sondern eine Fortsetzung.

Dass die Nachfrage nach solch einem Gerät grundsätzlich existiert, hat übrigens Samsung selbst bewiesen. Das Galaxy Z Fold 8 wurde in diesem Jahr ein echter Erfolg, und zwar genau mit dem breiten Passformat: In Südkorea sammelte die neue Z-Serie binnen sieben Tagen 1,44 Millionen Vorbestellungen, ein Rekord, davon rund 70 Prozent auf das Fold 8. Samsung selbst spricht von 30 Prozent mehr Verkäufen als beim Fold 7; in den ersten beiden Wochen lag die Z8-Reihe acht Prozent über der Vorjahresgeneration und beendete damit zwölf Wochen ununterbrochenen Absatzrückgangs.

Counterpoint Research erwartet für dieses Jahr entsprechend ein Plus von 20 Prozent bei Foldables mit einem Apple-Anteil von 28 Prozent nach nur wenigen Monaten.

Viertens: John Ternus

Am Ende steht eine persönliche Bewährungsprobe. Das Duo ist die erste große Hardware-Vorstellung von John Ternus als Apple-Chef. Ternus kommt aus der Hardware-Entwicklung, er hat an dem Einfluss, den Apple heute genießt, selbst mitgebaut. Ob er ihn halten und in Verkäufe übersetzen kann, muss er nun in einem Markt mit steigenden Kosten, gedämpfter Kauflaune und einer Kategorie beweisen, die nach sieben Jahren immer noch nicht erwachsen ist.

neuer Apple Chef CEO Tim Cook Jon Ternus
Bild: Apple

Beim iPhone Air hatte Apple den Einfluss, aber nicht die Nachfrage. Bei der Apple Watch hatte es beides. Was von beiden das iPhone Duo wird, entscheidet über mehr als ein Produkt, es entscheidet über Apples Fähigkeit einen Markt zu dominieren.

Die Hardware jedenfalls wird es nicht allein richten – der Falz ist der Beweis. Wenn dieses Gerät funktioniert, dann weil Apple das kann, was in dieser Kategorie bisher niemand konnte: die Software so zu bauen, dass man das Falten irgendwann vergisst. Ob das 2.299 Euro wert ist, entscheiden ab dem 23. Oktober die Kunden.

Auch interessant:

Der Beitrag Kommentar: Das iPhone Duo stellt Apple auf den Prüfstand erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Autoscooter statt Samsung: Wie sich die IFA 2026 verändert hat

05. September 2026 um 06:00

Der Beitrag Autoscooter statt Samsung: Wie sich die IFA 2026 verändert hat erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

IFA 2026 Berlin Messe

Am Mittwochvormittag stand in Halle 6.2a der Messe Berlin ein Autoscooter, aufgebaut, aber noch abgesperrt, die Wagen noch unter Planen. Daneben tackert ein Mann ein Plakat an eine Stellwand. Bohren, Schleppen, Rufen. Und hier sollen übermorgen Zehntausende durchlaufen? Ein Besuch der IFA 2026. 

Sie kriegen es hin, sie kriegen es jedes Jahr hin. Wer wie ich seit einigen Jahren zu den IFA-Pressetagen kommt, hat aufgehört, sich darüber zu wundern und die Baustelle als das genommen, was sie ist: die einzigen zwei Tage, an denen man mit Leuten reden kann, deren Sätze noch nicht seit vier Tagen durchgeschliffen sind. Man sieht außerdem, welche Flächen dieses Jahr „groß“ und welche „klein“ sind, bevor Menschenmassen diese ein paar Tage später überlagern. Dieses Jahr blieben mir dabei zwei große Gedanken im Kopf.

Die IFA will Erlebnis sein

Der erste ist der Autoscooter selbst. Er steht nicht zufällig da. Die IFA 2026 hat Creator Lounges, in denen Streamer live produzieren. Sie hat wieder einen Sommergarten mit Konzerten von BUNT, Luciano und Ikkimel. Es gibt einen Robotik-Laufsteg und Roboterfußball. Sie hat einen Mobility Track zum Probefahren, einen Beauty Hub, eine neue Familienwelt namens IFA Playbox. Und eben ein Fahrgeschäft, dessen Fahrten kostenlos sind – was, so viel Prognose sei erlaubt, am Wochenende einige Nerven kosten wird.

Wer wie ich im Frühjahr auf der OMR war, hat dort ebenfalls einen Autoscooter gesehen. Wer die Gamescom kennt, kennt die dahinterliegende Logik: Eine Messe ist heute dann erfolgreich, wenn Menschen dort etwas erleben, das sich fotografieren lässt. Reichweite entsteht nicht mehr in der Fachpresse allein, sondern in den Feeds der Besucher.

Der Autoscooter Stand auf der IFA 2026
Autoscooter bei der IFA? Vor einigen Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit. (Bild: BASIC thinking)

Neu ist die Publikumsöffnung nicht. Die IFA war nie eine geschlossene Fachveranstaltung, sie ist seit jeher beides – Publikumsschau und Fachmesse. Das war immer ihr Unterschied zu anderen (reinen Fachmessen) wie der CES. Was sich dieses Jahr besonders verschiebt, ist die Gewichtung, und dahinter steht eine Struktur, über die man reden sollte.

Seit Ende 2022 verantwortet die IFA Management GmbH die Messe, ein Joint Venture aus der gfu, die die Markenrechte hält, und dem britischen Eventveranstalter Clarion Events. Die Messe Berlin ist im Wesentlichen zur Vermieterin des Geländes geworden. Clarion bringt Erfahrung mit großen Erlebnisformaten mit. Man sieht sie in diesem Jahr.

An der Spitze steht seit Oktober 2023 Leif Lindner, gebürtiger Berliner, davor lange bei Samsung Deutschland und bei Sony. Lindner sagt die Richtung offen: Im Ausland würden Messen wie die IFA in der Regel als Show gesehen, punktuell als Festival. Entertainment gehöre dazu. Und er sagt auch, warum: Das erste Halbjahr war für die Home-Elektronik-Branche schwierig, die Sparneigung in Deutschland sei überdimensional hoch, der stockende Wohnungsneubau werde für die Hausgerätehersteller schnell zum massiven Problem. Aufgabe der IFA sei es in diesem Umfeld, die Motivation der Menschen zu erhöhen, überhaupt Geld für Elektronik auszugeben.

Das ist ehrlich formuliert. Es beschreibt aber auch eine Verschiebung im Selbstverständnis. Eine Messe, die Kauflaune erzeugen soll, ist etwas anderes als eine Messe, auf der Sortimente fürs vierte Quartal geordert werden.

Wer nicht mehr da ist

Das Zweite, was man an den Pressetagen sieht, ist eine Leerstelle. Der City Cube, jahrelang Samsungs Bühne, ist in diesem Jahr anders belegt – Acer übernimmt einen großen Teil, in der unteren Ebene sitzt neu die „Retail Innovation Zone“ mit Euronics, Electronic Partner und Expert. Samsung selbst ist nicht mehr auf dem Gelände. Der Konzern zeigte seine Neuheiten der Presse im Humboldt Carré am Gendarmenmarkt, mehrere Kilometer entfernt. Offiziell bleibt das Teil des IFA-Programms, Samsung ist sogar Hauptsponsor des Creator Hub. Nur eben nicht in den Hallen.

Der Eingang zum Samsung Presse-Event im Rahmen der IFA 2026 im Humboldt Carre
Samsung zeigte seine Produktneuheiten nicht mehr auf der Messe, sondern abseits. (Bild: Samsung)

Aus dem Handel kam dazu deutliche Kritik. Kein Händler, so sinngemäß der Euronics-Vorstandssprecher, werde während der Messetage extra vom Gelände fahren und wieder zurück. Wer zur IFA kommt, kommt, um Termine zu bündeln.

Ein anderer etablierter Player im Markt, Sony, bespielte die Media Days mit einem dreistündigen Presse-Event im Palais am Funkturm, unter NDA, Zugang nur mit persönlicher Einladung. Neuheiten unter kontrollierten Bedingungen statt Stand im Trubel.

Wenn Samsung vorführt, dass sich die IFA-Medienwoche nutzen lässt, ohne wirklich auf der IFA zu sein, schauen andere sehr genau hin. Für eine Messe, die gerade auf Erlebnis und Reichweite setzt, ist das ein unangenehmer Widerspruch: Die größten Namen liefern die Show inzwischen selbst, an eigenen Orten.

Wer die Flächen übernimmt

Die Leerstelle bleibt nicht leer. Wenige Hallen weiter wird an einem Stand gebaut, der selbst im halbfertigen Zustand alles überragt: Xiaomi, über 3.300 Quadratmeter, erste eigene große IFA-Präsenz überhaupt. Der Konzern bringt sein Ökosystem „Human × Car × Home“ nach Europa – vernetzte Endgeräte, Smart Home, Mobilität in einer einzigen Erzählung. Dazu ein neues faltbares Smartphone mit selbst entwickeltem Prozessor und ein humanoider Roboter, der Besucher mit Gesten begrüßt und laut Unternehmen in der eigenen Autofabrik erprobt wird.

Zwei Xiaomi Roboter und ein Xiaomi Auto auf der IFA 2026.
Xiaomi zeigte neben ihren Autos auch einen humanoiden Roboter auf der IFA 2026. (Bild: Xiaomi)

Anker zeigt den größten Stand der Firmengeschichte und räumt gleichzeitig die eigene Markenarchitektur auf: Soundcore und Eufy verschwinden schrittweise, alles läuft künftig unter Anker. Dazu ein Mähroboter ohne Begrenzungsdraht, der den Garten bei der ersten Fahrt selbst vermisst, und der Einstieg in den Markt für Hörhilfen. Die Firma Dreame geht erstmals über die Reinigungssparte hinaus und zeigt unter anderem einen Saugroboter, der mit 180 Grad heißem Dampf wischt. Dazu Roborock, Ecovacs, Narwal, Tineco, MOVA.
Das ist keine Randerscheinung, sondern Marktrealität: Bei Saugrobotern lagen Dreame und Roborock 2025 in Deutschland nach Stückzahlen an der Spitze.

Und es hat einen Kontext, der die Größe dieser Auftritte erklärt. Die US-Regulierungsbehörde FCC hat Ende Juli 2026 ausländische Robotik auf die sogenannte Covered List gesetzt. Neue Modelle von Roborock, Ecovacs, Dreame, Xiaomi und Narwal bekommen damit faktisch keinen US-Marktzugang mehr – fünf Marken, die 2025 zusammen rund zwei Drittel des globalen Saugroboter-Marktes hielten. Wer in Washington ausgesperrt wird, baut in Berlin größer. Europa ist für diese Hersteller gerade kein Nebenmarkt mehr, sondern der Markt.

Ein Berliner Mittelständler redet über Fertigung

Vor diesem Hintergrund war eine der bemerkenswertesten Veranstaltungen dieser Pressetage die eines Unternehmens ohne humanoide Roboter im Gepäck. AVM, das inzwischen konsequent nur noch FRITZ! heißt, hat im Juli seinen 40. Geburtstag gefeiert und nutzte das Media-Briefing auffällig prominent für eine Botschaft, die vor fünf Jahren im Kleingedruckten gestanden hätte: Entwickelt wird seit 1986 in Berlin. Gefertigt wird in Europa. 925 Mitarbeitende, 630 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2025. Das Engagement für die digitale Souveränität Europas stand sogar in der offiziellen Programmankündigung.

Fritz CEO Jan Oetjen bei der Präsentation der neuen Fritz-Box auf der IFA 2026.
Tatsächlich eine Box: Die neue Fritz!-Box bei der Präsentation auf der IFA 2026 (Bild: BASIC thinking)

Produktseitig ging es um handfeste Dinge – die neue FRITZ!Box DSL/Fiber 7-90 mit Triband-Wi-Fi 7, eine 6690 Pro fürs Kabelnetz, ein Quadband-Repeater mit bis zu 18 GBit/s, eine 5G-Box für Regionen mit Breitbandlücken. Aber die eigentliche Erzählung war eine andere. Der Router ist das Gerät, durch das der gesamte Datenverkehr eines Haushalts läuft. Wer ihn baut und wo er gebaut wird, ist keine Logistikfrage.

Man kann das als Marketing lesen, und ein Teil davon ist es. „Made in Europe“ ist ein Verkaufsargument, gerade jetzt. Aber es ist bezeichnend, dass ein Berliner Mittelständler auf einer Messe, deren größte neue Flächen von chinesischen Konzernen belegt werden, seine Herkunft zum zentralen Argument macht. Das ist die europäische Antwort auf die Verschiebung, die diese IFA sichtbar macht: nicht bessere Spezifikationen, sondern Vertrauen, Datenschutz, Lieferketten. Ob dieses Argument im Massenmarkt trägt, wenn der Wettbewerber gleichzeitig mehr Funktionen zum halben Preis liefert, ist offen. Auf der IFA 2026 wurde die Frage zumindest gestellt.

Freitag, zwölf Uhr

Am Freitag um zwölf öffnen die Hallen für das Publikum. Die Kabeltrommeln sind weg, die Folien von den Autoscooter-Wagen abgezogen, das Plakat hängt gerade. Kein Bohren mehr, kein Gabelstapler. Stattdessen: Menschen. Fünf Tage lang, bis Dienstag.

Sie haben es wieder hingekriegt.

Die Frage ist nur, was genau sie hingekriegt haben. Die beiden Beobachtungen dieser Messe hängen zusammen, enger als es zunächst wirkt. Die IFA lernt von der Gamescom, weil sie muss – wenn die traditionellen Großaussteller eigene Bühnen bauen, braucht die Messe andere Gründe, warum Menschen kommen. Und sie kann von der Gamescom lernen, weil neue Aussteller nachrücken, die genau diese Aufmerksamkeit brauchen: Hersteller, denen der US-Markt gerade zugeht und für die Europa deshalb zur entscheidenden Bühne wird.

Der Autoscooter und der Xiaomi-Stand sind keine zwei unabhängigen Beobachtungen. Sie sind zwei Seiten derselben Verschiebung. Und dazwischen steht ein Berliner Router-Hersteller, der auf einer Bühne über Fertigungsstandorte spricht, weil das plötzlich wieder eine Position ist, die man einnehmen muss.

Am Mittwoch sah das alles noch aus wie eine Baustelle. Es war vielleicht die ehrlichste Perspektive auf diese Messe, die man in diesem Jahr haben konnte.

Auch interessant:

Der Beitrag Autoscooter statt Samsung: Wie sich die IFA 2026 verändert hat erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Samsung denkt neu: Warum sich das Galaxy Z Fold8 richtig lohnt

25. August 2026 um 05:45

Der Beitrag Samsung denkt neu: Warum sich das Galaxy Z Fold8 richtig lohnt erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Das Samsung Galaxy Z Fold8 zugeklappt und aufgefaltet.

Samsung hat mit dem Galaxy Z Fold8 in diesem Jahr nicht einfach nur ein neues Foldable nachgeschoben, sondern das Format komplett neu gedacht: kürzer, breiter, handlicher. Daneben gibt es mit dem Galaxy Z Fold8 Ultra weiterhin die klassische, langgezogene Variante für alle, die lieber beim gewohnten Look bleiben wollen. Wir haben beide Geräte ausführlich im Alltag getestet.

Samsung Galaxy Z Fold8 und Fold8 Ultra: Design und Verarbeitung im Vergleich

Das Samsung Galaxy Z Fold8 bricht mit allem, was Samsung bei seinen Falt-Flaggschiffen bisher gemacht hat. Statt des gewohnten, fast quadratischen Formats setzt Samsung auf ein Reisepass-Format: fast 20 Millimeter kürzer, dafür rund zehn Millimeter breiter als der Vorgänger. Aufgeklappt ist das Gerät gerade einmal 4,5 Millimeter dünn, zugeklappt 9,7 Millimeter – und mit 201 Gramm ist es das bisher leichteste Fold, das Samsung je gebaut hat.

Im Alltag liebe ich dieses Format. Das Außendisplay lässt sich endlich wieder komfortabel nutzen, ohne dass man sich beim Tippen die Finger verrenkt, wie es bei den langen, schmalen Vorgängern und auch beim Ultra der Fall ist. Für die einhändige Bedienung ist das Fold8 durch die zusätzliche Breite einen Tick weniger geeignet, das fällt aber im Alltag kaum ins Gewicht, weil sich das Gerät insgesamt einfach angenehmer anfühlt.

Das Samsung Galaxy Z Fold8 in "Lavender"
Das Samsung Galaxy Z Fold8 ist deutlich handlicher als das Z Fold8 Ultra (Bild: BASIC thinking)

Das Fold8 Ultra bleibt dagegen beim bekannten Konzept: außen ein sehr schmales, langes 6,5-Zoll-Display im 21:9-Format, innen ein opulenter 8-Zoll-Bildschirm im Format eines iPad mini. Für sich genommen ist das immer noch ein richtig gutes Gerät – nur wirkt das lange, schmale Außendisplay direkt neben dem Fold8 irgendwie aus der Zeit gefallen. Gerade bei Videos oder Spielen sorgt das Format spürbar für mehr schwarze Balken und weniger nutzbare Fläche, wo das Fold8 einfach die deutlich angenehmere Vorschau liefert.

Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links, für die wir eine kleine Provision erhalten. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung unserer Beiträge.

Bei der Verarbeitung nehmen sich beide Geräte nicht viel: Aluminiumrahmen, Glasrückseite, IP48-Zertifizierung gegen Wasser – staubdicht ist allerdings keines der beiden Geräte, was bei diesem Preis ruhig besser sein dürfte. Auch der Flex-Modus, also das angewinkelte Aufstellen für freihändiges Filmen, ist beim Fold8 komplett gestrichen worden. Das Ultra beherrscht ihn immerhin noch im 90-Grad-Winkel. Einen S Pen unterstützt inzwischen übrigens keines der beiden Geräte mehr – was mich persönlich aber überhaupt nicht stört, ich habe den Stift noch nie wirklich vermisst.

Richtig spannend wird es beim Blick auf die Displayfalte: Durch die neue Flex-Titanium-Technologie mit einer hauchdünnen Titan-Legierungsfolie unter dem Panel ist die Falte beim Fold8 kaum noch spürbar und optisch deutlich unauffälliger als bei allen Vorgängern. Beim Ultra ist die Knickfalte zwar ebenfalls etwas dezenter als beim Fold7, aber im direkten Vergleich zum Fold8 immer noch klar sichtbar. Auch hier zeigt sich: Das neue Format tut dem Gerät sichtbar gut.

Welches Display liefert mehr nutzbare Fläche?

Beide Geräte fahren mit zwei Displays auf. Beim Fold8 sind das ein 5,5 Zoll großes Außendisplay im 10:16-Format sowie ein 7,6 Zoll großes Innendisplay im 4:3-Format – beide mit adaptiven 120 Hertz und einer Spitzenhelligkeit, die in Messungen sogar über 3.100 Nits erreicht hat. Beim Fold8 Ultra ist das Außendisplay mit 6,5 Zoll im 21:9-Format deutlich länger und schmaler, innen wartet ein 8 Zoll großer Bildschirm im 4:3,6-Format. Auch das Ultra wird beeindruckend hell, kommt aber laut Messungen leicht unter dem Wert des Fold8.

Das Galaxy Z Fold8 aufgefaltet mit geöffnetem Startbildschirm
Das Samsung Galaxy Z Fold8 hat einen deutlich breiteren Bildschirm als das Fold8 Ultra (Bild: BASIC thinking)

Im Alltag zahlt sich das kompaktere Format des Fold8 direkt aus: Bei YouTube-Videos etwa steht dank des breiteren Verhältnisses und schmalerer schwarzer Balken sogar mehr nutzbare Bildfläche zur Verfügung als beim größeren Innendisplay des Ultra. Auch beim Fotografieren im klassischen 4:3-Format nutzt das Fold8 die Fläche einfach besser aus. Zusammengeklappt eignet sich das Fold8 dadurch hervorragend, um unterwegs schnell Fotos zu zeigen oder ein Video zu schauen – beim Ultra hat man dafür zwangsläufig mehr ungenutzte Displayfläche an den Seiten.

Leistung und Hardware

Unter der Haube setzen beide Modelle auf denselben Snapdragon 8 Elite Gen 5 for Galaxy – aktuell der stärkste Chip, den man in einem Android-Smartphone bekommen kann, wahlweise mit 12 oder 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und bis zu einem Terabyte Speicher. In der Praxis ist die Leistung bei beiden Geräten nahezu identisch, im Alltag läuft alles kompromisslos flüssig.

Der Kompromiss zeigt sich erst unter Dauerlast: Das extrem schlanke Gehäuse des Fold8 lässt sich schlechter kühlen, weshalb der Prozessor bei anhaltender Last spürbar drosselt. Im normalen Alltag ist mir das kaum aufgefallen, auch bei sommerlichen Temperaturen lief das Gerät nicht direkt heiß – nur bei längeren Gaming-Sessions oder aufwendigen Aufgaben wird das dünne Gehäuse spürbar warm.

Samsung Galaxy Z Fold8 Ultra vs. Fold8: Wie groß ist der Kamera-Unterschied?

Bei der Kamera zeigt sich der deutlichste Unterschied zwischen beiden Geräten. Das Fold8 verzichtet komplett auf eine eigene Zoom-Kamera und setzt nur auf eine 50-Megapixel-Hauptkamera sowie ein 50-Megapixel-Ultraweitwinkel – gezoomt wird rein digital aus dem Hauptsensor heraus. Das Ultra behält dagegen sein bekanntes Trio aus 200-Megapixel-Hauptkamera, 50-Megapixel-Ultraweitwinkel und einer dreifachen optischen Telekamera.

Und ja, das habe ich im Alltag wirklich vermisst. Bei einem Spaziergang durch die HafenCity, bei dem ich immer wieder weit entfernte Gebäude fotografieren wollte, habe ich mich mehrfach dabei ertappt, wie ich stattdessen zu meinem iPhone 17 Pro gegriffen habe, nur um den Zoom nutzen zu können. Mit dem Ultra war das schon deutlich komfortabler, auch wenn selbst dessen Zoom nicht ganz an ein klassisches Kamera-Flaggschiff heranreicht.

Insgesamt sehen die Fotos vom Fold8 gut aus, die vom Ultra aber sichtbar besser – kein Wunder, schließlich steckt darin auch der deutlich größere 200-Megapixel-Sensor. Ehrlich gesagt hätte ich mir genau diesen Sensor auch im normalen Fold8 gewünscht, dann wäre der fehlende Zoom deutlich leichter zu verschmerzen gewesen.

Wir haben wieder einige Fotos mit dem Fold8 und Fold8 Ultra gemacht, die ihr euch auf den Links anschauen könnt. 

Interessant ist dabei allerdings ein Detail: Die Telekamera des Ultra ist technisch schon seit Jahren nahezu unverändert und liefert in der Praxis kaum bessere Ergebnisse als ein digitaler Crop aus dem großen Hauptsensor – nennenswerte Vorteile zeigen sich erst so richtig ab etwa dem zehnfachen Zoom. Wer also nicht regelmäßig wirklich weit heranzoomt, verliert beim Fold8 in der Praxis weniger, als das Datenblatt vermuten lässt.
Bei den Selfies können mich beide Geräte nicht überzeugen. Die Frontkameras mit jeweils 10 Megapixeln liefern solide, aber keine besonders scharfen Ergebnisse. Mein Tipp, den ich mir mittlerweile angewöhnt habe: Einfach die Hauptkamera auf der Rückseite nutzen und das Außendisplay als Vorschau – der Qualitätsunterschied zur echten Frontkamera ist wie Tag und Nacht, man muss sich nur kurz daran gewöhnen, in die Linse statt aufs Display zu schauen.

Akku und Laden

Der Akku bereitet bei beiden Geräten keine Sorgen. Das Fold8 setzt erstmals auf eine Silizium-Kohlenstoff-Zelle mit 4.800 mAh, das Ultra kommt dank des größeren Gehäuses auf 5.000 mAh. Beim Laden hat Samsung ordentlich nachgelegt: Statt der bisher eher zähen 25 Watt laden beide Geräte jetzt mit über 40 Watt, eine volle Ladung ist damit in rund einer Stunde erledigt. Kabellos sind bis zu 20 Watt drin, auf eine magnetische Ladehalterung nach Qi2- beziehungsweise MagSafe-Vorbild müsst ihr bei beiden Geräten aber weiterhin verzichten.

Im Alltag bin ich mit beiden Geräten locker durch den Tag gekommen, ohne mittags noch mal an die Steckdose zu müssen. Ein Unterschied zwischen Fold8 und Ultra war für mich dabei kaum spürbar.

Software

Beide Geräte starten mit One UI 9 auf Basis von Android 17, inklusive des vollen Galaxy-AI-Pakets. Now Nudge, das kontextbasiert Vorschläge aus Chats erkennt und etwa passende Fotos zum Verschicken vorschlägt, ist für mich bislang eher eine nette Spielerei geblieben als ein Feature, das ich täglich brauche. Auch Samsung DeX habe ich in meiner Testzeit ehrlich gesagt kein einziges Mal angerührt.

Beim Multitasking und Splitscreen zeigt sich der Vorteil des größeren 8-Zoll-Displays im Ultra: Mehrere Apps nebeneinander fühlen sich dort etwas komfortabler an. Allerdings habe ich Multitasking im Alltag insgesamt zu selten genutzt, um daraus für mich einen echten Vorteil zu ziehen – für die meisten dürfte das Fold8 hier völlig ausreichen. Praktisch finde ich dagegen die neue Quick-Share-Kompatibilität zu Apple-Geräten: Dateien, Fotos und Videos lassen sich damit endlich direkt an ein iPhone, iPad oder Mac senden, ganz ohne Umweg über eine Drittanbieter-App.

Software-Nervereien sind mir in der Testzeit keine besonderen aufgefallen. Auch bei den Updates bleibt Samsung vorbildlich: Beide Geräte bekommen sieben Jahre lang Android- und Sicherheitsupdates, ihr seid damit bis mindestens 2033 versorgt.

Galaxy Z Fold8 und Fold8 Ultra im Vergleich: Ein Fazit

Das Galaxy Z Fold8 ist für mich das spannendste Foldable, das Samsung bisher gebaut hat. Das neue, kompaktere Format macht aus einem sperrigen Nischengerät endlich ein Smartphone, das sich im Alltag wirklich gut anfühlt – leicht, handlich, mit einem Außendisplay, das man tatsächlich gerne benutzt, und aufgeklappt ein kleines Tablet für Fotos, Videos und Lesen.

Das Fold8 Ultra ist für sich genommen ebenfalls ein richtig gutes Smartphone mit dem stärkeren Kamerasystem und dem größeren Innendisplay, wirkt aber direkt neben dem Fold8 mit seinem langgezogenen Außendisplay fast schon aus der Zeit gefallen, gerade bei Videos und Spielen.

Der große Haken beim Fold8 bleibt der Preis – und der fehlende Zoom, den man im Alltag durchaus merkt. Mit einer UVP von knapp 2.000 Euro ist das Gerät kein Schnäppchen, mittlerweile ist es aber schon für rund 1.500 Euro zu bekommen. Und genau ab diesem Preispunkt kann man beim Fold8 wirklich gut zugreifen: Wer ein Mini-Tablet für unterwegs möchte und auf einen guten Zoom verzichten kann, bekommt hier eines der spannendsten Smartphones des Jahres.

Spannend wird obendrein, dass Samsung mit diesem Format offenbar einen Trend setzt: Gerüchten zufolge soll auch Apple sein erstes faltbares iPhone im September in einem ähnlich kompakten Format vorstellen. Wenn das stimmt, könnte sich zeigen, dass Samsung mit dem Fold8 tatsächlich die Zukunft der Foldables vorweggenommen hat.

Auch interessant: 

Der Beitrag Samsung denkt neu: Warum sich das Galaxy Z Fold8 richtig lohnt erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Refurbished MacBook Air M4 im Test: Lohnt sich Swappie wirklich?

10. August 2026 um 18:57

Der Beitrag Refurbished MacBook Air M4 im Test: Lohnt sich Swappie wirklich? erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Apple MacBook Air M4 gebraucht Refurbished generalüberholt Test Erfahrungen Swappie

Der Refurbished-Anbieter Swappie hat sein Portfolio neben iPhones und iPads auch auf Apple-Notebooks ausgeweitet. Wir haben das 15 Zoll große MacBook Air mit M4-Chip in der höchsten Zustandsstufe „Premium“ und der gebuchten Option „Neue Batterie“ getestet. Unser Praxistest zeigt, wie gut die Aufbereitung tatsächlich ist und ob sich der Kauf gegenüber Neuware im Handel finanziell lohnt.

Refurbished und gebraucht: MacBook Air von Swappie im Test

Unser Testgerät: Ein gebrauchtes MacBook Air mit M4-Chip von Swappie aus der Premium-Kategorie. Es wird in einer eigenen, flachen Kartonverpackung geliefert, die im Inneren gut gepolstert ist. Ein Ladekabel liegt leider nicht im Lieferumfang bei.

Der optische Zustand unseres Testgeräts in der Gehäusefarbe Mitternacht rechtfertigt die Einstufung „Premium“ vollkommen. Auf dem Aluminiumgehäuse sind weder am Displaydeckel noch an der Unterseite Kratzer oder Gebrauchsspuren zu finden. Auch der Bildschirm, das Trackpad und die Tastatur wirken wie bei einem fabrikneuen Gerät ab Werk.

Das Swappie refurbished MacBook wird in einer schlichten DHL-Versandtasche geliefert (Bild: BASIC thinking)

Technische Überprüfung: Akku, SSD und Tastatur-Layout

Unter der Haube steckt ein Apple M4-Chip mit 10-Core CPU und 10-Core GPU, kombiniert mit 16 GB Arbeitsspeicher und einer 256 GB großen SSD. Da wir das Gerät mit der Zusatzoption „Neue Batterie“ geordert haben, zeigt der Blick in das macOS-Systemprofil hervorragende Werte: Die verbleibende Maximalkapazität wird mit 100 Prozent ausgewiesen, die Zahl der Ladezyklen liegt im einstelligen Bereich.

Das refurbished MacBook wird in der „Premium“ Kategorie mit einem neuen Akku ausgeliefert (Bild: BASIC thinking)

Die Überprüfung der SMART-Daten ergibt zudem eine bisherige SSD-Betriebsdauer von nur wenigen Stunden. Den integrierten Hardware-Test über die Apple-Diagnose besteht die gesamte Hardware ohne Einschränkungen. Bezüglich des Tastatur-Layouts gab es bei unserem Testmodell keine Besonderheiten, da direkt ein originales deutsches QWERTZ-Layout verbaut war.

Performance und Alltagsnutzung

Der verbaute M4-Chip verrichtet seine Arbeit gewohnt souverän und leise. Da das MacBook Air passiv gekühlt wird, bleibt es auch unter Dauerlast völlig lautlos. Ob alltägliche Office-Aufgaben, Multitasking oder der Schnitt von hochauflösenden Video-Streams: Das 15-Zoll-Display bietet viel Arbeitsfläche und die Performance liegt auf dem gewohnten Level eines aktuellen Apple-Laptops.

Preisvergleich: Wann sich die „Premium“-Stufe nicht rechnet

Für das getestete MacBook Air M4 15 Zoll mit 16 GB RAM, 256 GB SSD, 10-Core CPU/GPU und neuem Akku fallen beim Kauf über Swappie 1.189,00 Euro an (Stand: 10. August 2026). Ein genauer Blick auf die aktuelle Marktlage zeigt hier jedoch ein deutliches Einsparpotenzial-Problem für Käufer.

Vergleichbare Neuware beziehungsweise Angebote bei etablierten Fachhändlern liegen für diese Konfiguration oft bei rund 1.199,00 Euro. Inzwischen ruft Swappie für dasselbe gebrauchte Setup in der Premium-Klasse sogar 1.215,00 Euro auf. Damit ist das generalüberholte Modell bei Swappie teurer als Neuware im freien Handel. Hauptverantwortlich dafür ist der Aufpreis für den neu verbauten Akku sowie die Einwertung in die höchste Optik-Kategorie.

Swappie bietet als Ausgleich zwar eine 36-monatige Garantie sowie ein 30-tägiges Rückgaberecht, was über den gesetzlichen Standards liegt. Rein preislich verliert die höchste Zustandsstufe bei sehr aktuellen Modellreihen wie der M4-Generation jedoch ihren sonst üblichen Preisvorteil. Richtig Einsparpotenzial gibt es erst bei den älteren Modellen, die meist 100 bis 200 Euro günstiger sind als die Neuware. Diese sind jedoch bei vielen Modellen nicht verfügbar, was das Angebot deutlich verringert.

Fazit: Refurbished Macbook Air von Swappie

Das von Swappie gelieferte MacBook Air M4 15 Zoll hinterlässt technisch wie optisch einen einwandfreien Eindruck und unterscheidet sich im Alltag nicht von einem Neugerät.

Wer jedoch zur höchsten Zustandsstufe „Premium“ greift und zusätzlich einen frischen Akku bucht, zahlt fast den identischen oder sogar einen höheren Preis als für Neuware bei anderen Online-Händlern.

Attraktiv ist das Refurbished-Angebot in diesem Fall vor allem für Käufer, die primär Wert auf die dreijährige Verkäufergarantie legen. Wer sich jedoch mit einem geringwertigeren Zustand zufrieden geben kann, der kann ein paar Euro beim Kauf sparen, indem er eine günstigere Kategorie auswählt.

Auch interessant: 

Der Beitrag Refurbished MacBook Air M4 im Test: Lohnt sich Swappie wirklich? erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

❌