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KI-Kompetenzen: 7 Skills für mehr Kontrolle und bessere Ergebnisse

06. Januar 2026 um 05:45

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KI-Überforderung, Strategien, Tipps, Kolumne, Hilfe, Künstliche Intelligenz, Technologie

Viele fühlen sich von der Flut neuer KI-Tools und Updates überfordert. Der Motor dreht hoch, aber man kommt nicht voran. Diese sieben Ideen zeigen dir, wie du KI sinnvoll nutzt, deinen eigenen Arbeitsfluss strukturierst und endlich der KI-Überforderung entkommst.

Die Jagd nach dem neuesten KI-Tool und der neusten KI-Entwicklung sorgt gefühlt für hohe Beschleunigung, aber es geht irgendwie nicht wirklich voran.

Wenn man das ernst nimmt, ist die logische Anschlussfrage für das neue Jahr nicht: „Welche KI-Tools muss ich kennen?“, sondern: „Wie baue ich einen Umgang mit KI auf, der mich wirklich voranbringt, ohne mich zu überdrehen?“.

Sieben Ideen gegen KI-Überforderung im neuen Jahr

Damit du und ich auf der gleichen Ebene sind, muss ich am Anfang eines klarstellen: Wenn es um sinnfreie Beschleunigung geht, dann ist KI dabei nicht die Ursache, sondern vielmehr der Verstärker.

Durch sie wird sichtbar, wie oft wir Geschwindigkeit mit Richtung verwechseln. Und wie leicht „dranbleiben“ zu einer Daueranspannung wird, die sich am Ende sogar wie Stillstand anfühlt.

Bevor wir nun in konkrete Ideen einsteigen, eine wichtige Einordnung: Die folgenden Vorschläge sind bewusst keine klassischen „KI-Tipps“. Du wirst hier keine Tool-Empfehlungen finden, keine Bestenlisten und keine Anleitung nach dem Muster „So nutzt du KI richtig“. Nicht, weil das alles unwichtig wäre – sondern weil genau diese Perspektive oft Teil des Problems ist.

Wenn wir KI ausschließlich als Sammlung von Funktionen betrachten, verlieren wir schnell den Blick dafür, wie wir sie eigentlich in unseren Alltag integrieren wollen. Dann optimieren wir Details, ohne vorher geklärt zu haben, wohin wir überhaupt wollen.

Genau deshalb setzen die folgenden Ideen nicht bei der Technik an, sondern bei deiner Haltung. Sie sollen dir helfen, wieder selbst am Steuer zu sitzen und nicht nur zu reagieren, wenn der nächste Trend um die Ecke kommt.

Denk nach: So wird KI zum Werkzeug, nicht zum Stressfaktor

Dabei wirken einige der Ideen und Vorschläge vielleicht auf den ersten Blick ungewohnt, vielleicht sogar kontraintuitiv. Manche bremsen bewusst, wo sonst beschleunigt wird.

Andere setzen klare Grenzen, wo üblicherweise Offenheit propagiert wird. Das ist kein Zufall. Denn wer aus dem Leerlauf herauskommen will, braucht nicht mehr Drehzahl, sondern einen Gangwechsel.

Verstehe die folgenden Punkte deshalb weniger als Checkliste, sondern eher als Einladung zum Experimentieren. Du musst nicht alles umsetzen. Es reicht, wenn dich ein oder zwei Ideen zum Nachdenken bringen, oder dir helfen, deinen eigenen Umgang mit KI klarer, ruhiger und wirksamer zu gestalten.

1. KI nur nutzen, wenn das gewünschte Ergebnis klar definiert ist

Viele KI-Nutzungen beginnen mit „Mal sehen, was dabei herauskommt“. Das ist meiner Ansicht nach einer der Hauptgründe für „Tool-Hopping“ und „Overload“. Probiere es vielmehr einmal mit dem Folgenden: Du startest erst, wenn Du das Output-Format in einem Satz klar benennen kannst.

Beispiele:

  • „Ich will eine E-Mail mit drei Varianten und einem klaren Call-to-Action.“
  • „Ich will eine Entscheidungsvorlage mit Pro/Contra, Risiken, nächstem Schritt.“
  • „Ich will einen Entwurf, den ich in 20 Minuten finalisieren kann.“

Diese Idee wirkt banal, ist aber ein starker Filter. Sie trennt „KI als Spielwiese“ von „KI als Werkzeug“. Und sie verhindert, dass du in den Modus gerätst, in dem du zwar permanent optimierst, aber nichts abschließt.

2. Ein Monat ohne neue Prompts: Bestehende KI-Tools veredeln

Dir ist bestimmt schon aufgefallen, dass die KI-Welt neue Prompts liebt. Das Problem dabei ist: Neue Prompts erzeugen das Gefühl von Fortschritt, obwohl sie häufig nur Variation von schon Bekanntem sind.

Setze dir daher für Januar (oder für einen anderen Monat) eine klare Regel: Du erstellst keine neuen Prompts. Du nutzt nur vorhandene und verbesserst sie systematisch.

Echte Effizienz entsteht nicht durch Kreativität im Prompting, sondern durch Standardisierung: Du baust dir zwei bis fünf „Arbeits-Prompts“, die du wirklich beherrschst.

Du ergänzt Beispiele, definierst Qualitätskriterien, legst Tonalität fest und baust Kontrollfragen ein. Am Ende dieses Monats hast du nicht mehr „KI ausprobiert“, sondern ein kleines, stabiles Promptsystem für dich geschaffen.

3. KI-Ergebnisse kritisch prüfen und Qualität sichern

KI, insbesondere die gängigen Large Language Models wie ChatGPT und Gemini, haben die Eigenart, dir als Nutzer viel Bestätigung zu geben. Du kennst das sicher: „Das ist eine wichtige Frage.“, oder „Das kann ich dir präzise und strukturiert beantworten.“.

Du willst aber nicht Zustimmung, sondern Qualität. Etabliere deshalb eine Art zweite Instanz, bevor du KI-Ergebnisse übernimmst. Nutze zukünftig KI in zwei Rollen: Zum einen als Produzenten, der einen Text, Plan oder Entwurf erstellt. Zum anderen als Schiedsrichter, der das Ergebnis nach einem festen Kriterienkatalog bewertet.

Genau auf den Kriterienkatalog kommt es dabei an. Gib ihm Gewichtungen und Strafpunkte, zum Beispiel:

  • Unklare Aussagen (-2),
  • fehlende konkrete nächste Schritte (-3),
  • zu viel Buzz-Wording (-2),
  • Widersprüche (-4) oder
  • fehlender Bezug zur Zielgruppe (-3).

Der Schiedsrichter soll nicht „nett“ sein, sondern präzise. So wird KI nicht zum Ja-Sager, sondern zum Qualitätssicherungssystem. Und du kommst raus aus dem Gefühl, ständig nachbessern zu müssen, ohne zu wissen warum.

4. Zeitfenster für KI-Überforderung einplanen und Stress reduzieren

Das klingt absurd, ist aber psychologisch klug. Ein großer Teil von Unruhe entsteht, weil Überforderung als „Ausnahme“ erlebt wird, die man schnell beseitigen muss.

Drehe es deshalb um: Plane in deinem Kalender kleine Zeitfenster ein, in denen du explizit nicht produktiv sein musst, sondern nur mit KI „herumspielst“.

Jeden zweiten Mittwoch zum Beispiel nimmst du dir 30 Minuten Zeit für eine Art „KI-Radar“. Du liest zwei Updates, testest eine Funktion, probierst ein neues Tool.

Dann notierst du dir jeweils zwei Erkenntnisse: relevant oder irrelevant. Mehr nicht. Dadurch verliert das Thema seinen ständigen Druck, weil es einen festen Ort bekommt. Der Rest der Woche ist dann frei für Umsetzung.

5. Alte Gewohnheiten beenden, bevor ein neues KI-Tool eingeführt wird

KI-Tool-Sammlungen sind oft die moderne Form des schlechten Gewissens. Du hast zehn Tools, aber keine Routine. Probiere deshalb einmal die folgende Idee aus: Jedes neue Tool darf nur dann kommen, wenn du dafür etwas anderes konsequent beendest.

Beispiele:

  • „Wenn ich Tool X nutze, höre ich auf, Y manuell zu machen.“
  • „Wenn ich Tool X einführe, streiche ich Z aus meinem Wochenablauf.“

Das „Nein“ ist teuer und genau deshalb wirkt es. Es zwingt dich zur Priorisierung und verhindert, dass KI zu einer Ansammlung von (ungenutzten) Möglichkeiten wird, die dich aufgrund des Umfangs eher belastet als entlastet.

6. Jahresziele rückwärts planen: Weniger ist mehr

Viele Ziele scheitern, weil sie additiv gedacht werden, nach dem Motto: „Ich will mehr machen.“ In einem ohnehin schnellen System ist aber oft das Subtraktive der Hebel: „Was will ich endlich NICHT mehr machen?“

Schreibe dir deshalb mit Blick auf das Ende des Jahres drei Sätze auf: „Im Dezember tue ich nicht mehr …“ (z.B. „… alles sofort beantworten“, „… Texte ohne Struktur anfangen“, „… Entscheidungen ohne Kriterien treffen“).

Dann nutzt du KI als Kündigungsassistent: Sie soll dir Prozesse bauen, Textbausteine formulieren, Entscheidungsrahmen erstellen und Vorlagen generieren, damit du die von dir genannten Dinge wirklich beenden kannst.

7. Digitale Achtsamkeit: Die Offline-Session gegen KI-Überforderung

Wenn du nur eine Gewohnheit in 2026 etablieren willst, dann versuche es mit dieser: Schreibe dir einen festen Zeitraum in deinen Kalender mit etwa 60 bis 90 Minuten. Das wird deine „Offline-Produktivitätssession“.

In dieser Session halte ein Notizbuch, einen Stift und einen Tee oder Kaffee bereit. Was du nicht brauchst, ist ein Bildschirm, egal welcher Art.

Direkt vor der Session holst du dir von KI genau einen Input, zum Beispiel eine Liste von zehn blinden Flecken zu deinem aktuellen Vorhaben oder drei alternative Perspektiven auf ein Problem. Dann gehst du in deine Session und denkst über den KI-Input nach.

Diese Methode ist ein sehr wirksames Gegenmittel gegen den KI-Leerlauf. Du nutzt nämlich KI als Funken, während du die Flamme selbst entfachst. Dadurch kommst du von Leerlauf zur richtigen Richtung.

Richtungs-Kompass: Die Leitfrage, die du in jedes KI-Fenster schreibst

Am Ende läuft alles auf eine simple Fähigkeit hinaus: Die Richtung halten zu können. Und damit sind wir bei der Bonusidee. Denn um Richtung zu halten, brauchst du lediglich eine Leitfrage, die du konsequent nutzt, beispielsweise: „Bringt mich das in 30 Tagen spürbar voran oder beschäftigt es mich nur?“

Schreibe sie dir als erste Zeile in jeden Prompt. Lass KI sie mit beantworten. Du wirst überrascht sein, wie oft die ehrliche Antwort lautet: „Das ist interessant, aber nicht jetzt.“ Damit wird KI zu dem, was sie sein sollte: ein Verstärker deiner Prioritäten und nicht ein Verstärker deiner Zerstreuung.

Fazit: KI-Überforderung in den Griff bekommen

Die Entwicklungsgeschwindigkeit im KI-Bereich wird nicht abnehmen, soviel ist sicher. Entscheidend wird deshalb, wie du damit umgehst. Meine Empfehlungen sollen dir helfen, die Kontrolle zu behalten (oder wieder zurückzubekommen) und damit über die Richtung zu entscheiden beziehungsweise entscheiden zu können.

Genau das ist die Weiterentwicklung zu meiner Weihnachtskolumne: Aus dem „Weg vom Gas“ wird ein bewusstes Schalten in den richtigen Gang und Lenken in die bewusst gewählte Richtung. Aus dem Motor im Leerlauf wird ein Motor, der Kraft hat aber nicht mehr sinnlos hochdreht.

Du musst nicht alles mitmachen. Du musst nicht alles sofort verstehen. Du musst vor allem eines: entscheiden, was für dich zählt. Dann wird KI nicht zum Lärm. Dann wird sie Rückenwind. Ich wünsche alles Gute für 2026!

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KI-Hype: Warum wir einen Gang runterschalten sollten

25. Dezember 2025 um 06:59

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KI-Hype, Künstliche Intelligenz, Motor, Auto, Tools, Weihnachten, Stress, Überforderung, Gesellschaft

KI beschleunigt zurzeit alles: Arbeit, Kommunikation und Kreativität. Doch je mehr Tools, Updates und Versprechen auf uns einprasseln, desto häufiger stellt sich ein Gefühl von Überforderung ein. Der KI-Hype erzeugt mehr Fortschritt als Bewegung. Wie wir die Weihnachtszeit nutzen, um einen Gang herunterzuschalten.

Hast du manchmal das Gefühl, dass sich Fortschritt nicht nach Bewegung anfühlt, sondern nach Lärm? Dass alles wichtig und dringend ist? Als wäre Fortschritt ein Motor, der aber anstatt Beschleunigung nur hohe Drehzahlen leistet? Die Weihnachtszeit ist der ideale Zeitpunkt, über den Sinn und den Grund von Beschleunigung nachzudenken.

KI-Hype: Unruhe statt Fortschritt

„Wer bremst, verliert“, höre ich Kommentartoren und Influencer derzeit häufig sagen. Die Entwicklungen im Bereich KI unterstützen das. Kaum hat man verstanden, was ein neues Tool kann, steht schon das nächste vor der Tür.

Fast täglich gibt es neue Modelle, neue Agenten und damit neue, verheißungsvolle Versprechen. Und irgendwo mittendrin sitzt vielleicht du – zwar interessiert, offen, neugierig, aber doch auch mit dem Gefühl: Ich komme kaum noch hinterher.

Ein Bild habe ich für diese Situation schon länger im Kopf, nämlich das eines Motors, der im Leerlauf extrem hochdreht. Der Motor klingt aufgrund der Drehzahl kraftvoll und wirkt extrem leistungsfähig. Das Auto, indem sich der Motor befindet, kommt jedoch nicht vom Fleck.

Ich habe derzeit das Gefühl, dass sich das, was derzeit im Bereich KI passiert, so anfühlt wie in dem von mir beschriebenen Bild. Es passiert im KI-Bereich extrem viel, doch innerlich, bei den (potenziellen) Usern, entsteht dadurch eher Unruhe als Fortschritt.

Deshalb ist Weihnachten in diesem Jahr vielleicht genau der Moment, an dem sich dein Blickwinkel auf KI verändern sollte. Und damit meine ich nicht das Einlegen einer sentimentalen Pause, sondern das bewusste „Vom-Gaspedal-gehen“. Nicht um stehenzubleiben, sondern um sich über die Richtung klar zu werden, in die du fahren möchtest.

Wenn Möglichkeiten zur Überforderung werden

KI ist derzeit ein Beschleuniger für alles: für Arbeit, für Kommunikation, für Kreativität (wobei gerade das fraglich ist), aber auch für Erwartungshaltungen. Du kannst heute unglaublich viel mit und durch KI machen. Das Problem ist dabei nicht der Mangel an Optionen, sondern vielmehr ihr Überfluss.

Je mehr möglich ist, desto schwerer fällt die Auswahl. Dieses Phänomen ist bekannt als das sogenannte „Auswahlparadox“. Je schwerer aber die Auswahl, desto größer wird der innere Druck, nichts verpassen zu dürfen.

Wird das noch verstärkt durch permanent neue Reize wie in dem aktuellen KI- und digitalen Umfeld mit den dortigen rasanten Entwicklungen, dann führt dies zu dem erschöpfenden Gefühl, immer „dranbleiben“ zu müssen. Bleibt man nicht dran, dann verpasst man etwas. Aufmerksamkeit ist somit die Währung und Geschwindigkeit der Taktgeber.

Bei KI gibt es jeden Tag neue Schlagzeilen, neue „Gamechanger“ und neue Versprechen der Anbieter. Schnell droht ein Dauerlauf – ohne Ziel, aber dafür mit erhöhter Herzfrequenz. Was jedoch fehlt, ist ein Ergebnis, also das Ziel des Dauerlaufs.

Denn wenn das vermeintliche Ziel ist, die „letzte“ Entwicklungsstufe beispielsweise im Bereich der generativen KI auszuprobieren, dann wird dieses nicht erreicht, weil schon die nächste Verbesserungsstufe oder das neue, „bahnbrechendes“ Tool angekündigt wurde und ausprobiert werden will. Im Ergebnis erreichst du also nichts, hast aber das Gefühl, permanent aktiv zu sein. Leerlauf eben, aber Aktivität ohne Ende.

KI-Hype: Der Leerlauf ist trügerisch

Genau das ist das Tückische am Leerlauf: Er fühlt sich nach Aktivität an. Du liest Artikel über neue KI-Tools, schaust Videos, testest Prompts, speicherst Links, probierst Tools aus.

Es sieht von außen so aus, als wärst du hochproduktiv. In dir drin bleibt aber oft nur das Gefühl, dass nichts wirklich hängen bleibt und das nichts dich wirklich weiterbringt.

Der Grund dafür ist meiner Ansicht nach simpel: Energie oder auch Aktivität ohne Richtung erzeugt keine Bewegung. Wer sich von einem Thema zum nächsten treiben lässt, verliert das große Bild aus den Augen.

Mit Blick auf KI bedeutet das, dass KI dann nicht zum Werkzeug wird, sondern zum zusätzlichen Stressfaktor. KI soll eigentlich entlasten. Stattdessen bekommst du Aktivität ohne Richtung und damit ohne Ankommen.

Weihnachten als Einladung zum Perspektivwechsel

Was also tun, um den Leerlauf zu beenden? Ich denke, du kennst die Antwort bereits: Ankommen. Wobei Ankommen in diesem Zusammenhang nicht bedeutet, jede Entwicklung auszublenden.

Ankommen verstehe ich in diesem Kontext in der Weise, dass du dich wieder orientierst. Es bedeutet, kurz die Geschwindigkeit zu verringern, um den nächsten Gang zu finden und dann die Richtung bewusst einzuschlagen. Und Weihnachten ist dazu der ideale Zeitpunkt.

Die Weihnachtszeit ist gesellschaftlich wohl einer der wenigen Zeiträume, in denen Langsamkeit nicht erklärt oder gerechtfertigt werden muss. Dinge dürfen liegen bleiben und Antworten und Termine dürfen warten. Genau darin liegt eine Chance. Statt zu fragen: „Was kann KI alles?“ versuche es mit: „Wofür will ich sie eigentlich nutzen?“.

Gedankenübung: Wofür brauchst du KI?

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Und die folgende einfache Übung wird dir dabei helfen, den ihn zu vollziehen. Stell dir vor, du dürftest KI in deinem Alltag nur für drei Dinge einsetzen. Nicht zehn. Nicht alles. Nur drei. Welche wären das?

In dem Moment, in dem du dich auf diese drei Einsatzbereiche festlegst, passiert etwas Wichtiges: Es entsteht Klarheit. Plötzlich geht es nicht mehr um Möglichkeiten, sondern um Prioritäten.

Denn wer sich FÜR etwas entscheidet, entscheidet sich automatisch GEGEN etwas. Durch diese einfache Gedankenübung wird KI wieder konkreter, greifbarer und im Ergebnis für deine Anwendungen sinnvoller.

Vom KI-Hype zur Gewohnheit

Viele Anwender, das sehe ich immer wieder in meinen Trainings und Keynotes, scheitern nicht so sehr daran, KI zu verstehen, sondern daran, sie nachhaltig zu nutzen.

Sie probieren viel, insbesondere viel Neues, aber etablieren wenig. Das Ergebnis sind Effekte, aber keine Routinen. Dabei entsteht der wahre Mehrwert fast immer dort, wo KI Teil eines festen Ablaufs wird.

Deshalb ist nicht der erste „Wow-Moment“ entscheidend, sondern der zehnte, fünfzehnte oder zwanzigste Einsatz, bei dem du merkst: Das spart mir Zeit, macht meine Arbeit besser oder gibt mir Ruhe. Genau hier zeigt sich, ob Technik wirklich hilft oder nur beschäftigt.

Dafür brauchst du keinen perfekten Prompt und auch nicht jedes neue Feature. Du brauchst vielmehr einen Rahmen und einen Plan, eine bewusste Entscheidung, was du für eine Zeit lang in den Fokus stellen willst und was nicht.

Nicht alles mitmachen zu müssen, ist ein Luxus.

Vielleicht ist das die reifste Erkenntnis, mit Weihnachten als dem perfekten Zeitpunkt dafür, nämlich dass du nicht alles sofort verstehen musst. Du musst nicht jedes neue Tool testen. Und du bist nicht rückständig, wenn du Dinge erst einmal beobachtest.

Gerade in der KI-Welt gilt: Relevanz entsteht nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Passgenauigkeit. Ein Tool ist dann sinnvoll, wenn es ein konkretes Problem löst.

Vom „Was geht?“ zum „Was soll?“

KI im Allgemeinen und die neuen KI-Tools im Besonderen beantworten derzeit vor allem eine Frage: Was ist möglich? Weihnachten lädt dazu ein, die leise, aber wichtigere Frage zu stellen: Was soll eigentlich passieren?

Wenn du konkreter werden möchtest, dann frage dich beispielsweise:

Was soll im kommenden Jahr leichter werden?

Was soll wegfallen?

Und was soll bleiben?

Wenn du dir diese Fragen erlaubst, verliert KI ihren Druck. Sie wird vom Taktgeber zum Werkzeug. Vom Stressor zur Ressource. Und genau dann kannst du sie wirklich gut einsetzen.

Vielleicht ist deshalb um die Weihnachtszeit die beste KI-Strategie nicht ein neues Tool, sondern ein Moment der Ruhe, ein bewusstes Loslassen des Gaspedals.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem du merkst: Der Motor darf drehen – aber nur dann, wenn du weißt warum, in welchem Gang und mit welcher Richtung.

Mit diesen Gedanken wünsche ich dir „Frohe Weihnachten“.

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Arbeit: Welche Skills wir im KI-Zeitalter wirklich brauchen

22. Dezember 2025 um 05:45

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Arbeit 2026, Zukunft der Arbeit, Künstliche Intelligenz, KI, Jobsuche, Job, Soft Skills, Fähigkeiten

Künstliche Intelligenz wurde innerhalb der letzten drei Jahre Teil unseres Alltags. Doch welche Fähigkeiten erfordert der durch KI erzeugte Wandel? Damit beschäftigt sich auch eine aktuelle McKinsey-Studie. Ich habe mir die Ergebnisse angesehen.

Interessanterweise trägt die Studie nicht zu der Debatte um Jobverluste bei. Sie blickt vielmehr auf das Fundament moderner Arbeit, nämlich auf die Skills, Kompetenzen und menschliche Fähigkeiten.

Zentrale These der McKinsey-Studie ist, dass Künstliche Intelligenz den Menschen nicht ersetzen, sondern seine Rolle verschieben wird. Arbeit wird laut der Studie neu organisiert werden, als Zusammenarbeit zwischen Menschen, KI-Agenten und Robotern.

Was auf den ersten Blick technisch klingt, hat weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. Denn wenn sich die Bedeutung von Fähigkeiten verändert, verändert sich auch, was wir als wertvoll, relevant und zukunftsfähig ansehen.

Arbeit 2026: Von der Jobfrage zur Skillfrage

Der Ausgangspunkt der Studie ist, dass mit den heute vorhandenen KI-Technologien theoretisch rund 57 Prozent der Arbeitsstunden in den USA automatisiert werden könnten.

Diese Zahl sei jedoch kein „Fahrplan“ für Massenarbeitslosigkeit, sondern beschreibe vielmehr das technische Potenzial. Denn die Adoption würde in den kommenden Jahren gar nicht zu großen Jobverlusten führen, weil sie Zeit, Geld, Akzeptanz und Regulierung benötige.

Historisch gesehen dauern solche Umbrüche wie die durch KI hervorgehobenen nämlich oft Jahrzehnte. In diesen Zeiträumen kommt es nach und nach zu Anpassungen hinsichtlich der Fähigkeiten von Menschen.

Für die Studie wurden Millionen von Jobanzeigen analysiert mit dem bemerkenswerten Ergebnis, dass rund 72 Prozent der heute nachgefragten Skills sowohl in automatisierbaren als auch in nicht automatisierbaren Tätigkeiten auftauchen.

Die Schlussfolgerung: Fähigkeiten verschwinden nicht einfach, sondern wandern vielmehr innerhalb von Berufen und Berufsgruppen, verändern ihre Bedeutung und werden in neue Kontexte eingebettet. Tätigkeiten werden also weniger durch das „Was“ definiert, sondern vielmehr durch das „Wie“.

Wie KI die Rolle des Menschen verändert

Ein klassisches Beispiel sei das Schreiben. Während früher Recherche und Textproduktion weitgehend menschliche Kernaufgaben waren, übernehmen KI-Systeme heute Entwürfe, Zusammenfassungen und Strukturvorschläge.

Menschliche Leistung wird dadurch aber nicht obsolet, sondern verschiebt sich hin in Richtung Einordnung, Tonalität, Kontextualisierung und Verantwortung.

Schreiben wird redaktioneller, prüfender, bewertender. Die menschliche Leistung im Bereich des Schreibens verliert somit nicht grundsätzlich an Bedeutung, sondern gewinnt vielmehr an Routine.

Stille Aufwertung menschlicher Kernkompetenzen

Besonders deutlich wird ein Wandel der Fähigkeiten im Bereich der Soft Skills. Die Studie zeigt, dass soziale, emotionale und relationale Kompetenzen am wenigsten von Automatisierung bedroht sind.

Führung, Coaching, Verhandeln, Empathie, Konfliktlösung und Verantwortung bleiben in menschlicher Hand, weil sie situatives Handeln, Vertrauen und emotionale Intelligenz erfordern. Diese Fähigkeiten lassen sich nicht zuverlässig mittels KI formalisieren, geschweige denn automatisieren.

Ich habe das selbst in dieser Woche erlebt, in der ich vom Handelsblatt durch einen KI-Interview-Bot zum Thema KI-Agenten interviewt wurde. Das Gespräch verlief fachlich auf einem hohen Niveau, aber von Empathie und Kommunikations-Skills war nicht viel bei dem Bot zu erkennen.

Zukunft der Arbeit: Menschliche Stärken im Fokus

Interessant im Rahmen das Studie fand ich außerdem, dass diese menschlichen Soft Skills nicht nur in Pflege, Bildung oder Sozialarbeit relevant sind, sondern zunehmend auch in wissensintensiven Berufen.

Wenn KI Entscheidungen vorbereitet, Analysen liefert und Optionen simuliert, wird menschliche Urteilskraft umso wichtiger. Die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, ethische Implikationen zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen, gewinnt im Ergebnis an Gewicht.

McKinsey spricht hier von einer „Skill-Partnerschaft“, in der Maschinen Routine und Skalierung liefern, während Menschen Sinn, Richtung und Kontrolle beisteuern.

Acht Fähigkeiten als neues Betriebssystem der Arbeit 2026

Aus der Analyse der Jobpostings leitet McKinsey einen Kern von acht Fähigkeiten ab, die quer durch Branchen und Einkommensklassen relevant sind und bleiben werden.

Dazu zählen Kommunikation, Problemlösung, Management, Operations, Leadership, Detailorientierung, Kundenbeziehung und Schreiben. Diese Fähigkeiten fungieren als eine Art „Betriebssystem“ für moderne Tätigkeiten, die durch KI nicht ersetzt, sondern beschleunigt werden.

Entscheidend ist jedoch, diese Fähigkeiten an die durch KI geänderten Bedingungen anzupassen. Kommunikation etwa bedeutet künftig nicht nur, Inhalte zu vermitteln, sondern auch KI-Ergebnisse verständlich zu erklären und einzuordnen.

Problemlösung verlagert sich von der reinen Ausführung hin zur präzisen Problemdefinition und Management entwickelt sich von der Aufgabenverteilung zur Orchestrierung hybrider Teams aus Menschen und Maschinen. Wer diese Fähigkeiten und die erforderlichen Anpassungen beherrscht, wird von KI profitieren.

Arbeit 2026: Neue Aufgaben für Menschen

Für Menschen ergeben sich daraus neue Aufgaben. Im Kundenservice beispielsweise übernehmen KI-Agenten zunehmend Standardanfragen, Menschen dagegen komplexe, emotionale oder eskalierte Fälle.

Die entscheidende Fähigkeit ist dann nicht mehr das schnelle Finden einer Antwort, sondern der Aufbau von Vertrauen und die Lösung außergewöhnlicher Situationen.

Im Rahmen von Führung übernehmen Systeme Planung, Reporting und Analyse. Führungskräfte werden dadurch zu Gestaltern von Rahmenbedingungen, Coaches für Menschen und Wächtern über die eingesetzten KI-Systeme.

Kreativität wird weniger eine Frage des Produzierens als des Auswählens, Verknüpfens und Bewertens, denn Texte, Bilder und Konzepte entstehen mithilfe von KI schneller, aber ihre Qualität hängt immer stärker von menschlicher Kuratierung ab.

AI Fluency: Die neue Allgemeinbildung

Besonders hervorzuheben sind die Ausführungen in der Studie zur sogenannten „AI Fluency“. Gemeint ist damit nicht die Fähigkeit, KI-Modelle zu programmieren, sondern sie sinnvoll zu nutzen, zu steuern und kritisch zu bewerten.

AI Fluency umfasst dabei insbesondere das Verständnis von Stärken und Schwächen von KI-Systemen, den bewussten Umgang mit Unsicherheiten und die Fähigkeit, Ergebnisse in Prozesse einzubetten.

McKinsey stellt in der Studie fest, dass die Nachfrage nach dieser Fähigkeit in US-Jobanzeigen innerhalb von zwei Jahren nahezu um den Faktor sieben gestiegen ist.

Wenn Skill-Partnerschaft zur Abhängigkeit wird

Was folgt nun aus diesem Ergebnis der „Skill Partnerschaft“, also der Zusammenarbeit zwischen Menschen, KI und Robotern? Kommt alles automatisch zu einem guten Ende? Nicht unbedingt. Denn die Zusammenarbeit hat auch Schattenseiten, auf die wir uns einstellen müssen.

Zum einen sollten wir nicht übersehen, dass KI grundsätzlich gut darin ist, plausible Antworten zu liefern – aber nicht zwingend richtige. Da sich die Antworten von KI immer „gut anhören“, wird es immer schwieriger zu erkennen, wann eine Antwort nur gut klingt und wann sie wirklich gut ist. Urteilsfähigkeit wird also immer wichtiger, worüber ich schon geschrieben habe.

Komplementarität zwischen Menschen und KI ist kein Selbstläufer, sondern Sie erfordert bewusste Gestaltung, klare Verantwortlichkeiten und eine Kultur des Zweifelns. Andernfalls entsteht schnell Abhängigkeit.

Zum anderen wird das bewusste und wirkungsstarke Einsetzen von Menschen immer wichtiger. Menschliche Aufsicht und Letztentscheidung darf nicht zu einem symbolischen Akt verkommen, sondern muss praktisch wirksam sein, mit klaren Eingriffsmöglichkeiten, Transparenz und Verantwortlichkeit. Andernfalls droht eine Automatisierung von Fehlentscheidungen, die sich letztendlich nur schwer korrigieren lässt.

Arbeit der Zukunft: 2026 entscheidet sich die Qualität der Zusammenarbeit

Im Grunde ist das Ergebnis der McKinsey-Studie eine Einladung zur Selbstverantwortung. Menschliche Fähigkeiten werden nicht nutzlos oder überflüssig, sondern verändern ihre Rolle. Da KI zur Selbstverständlichkeit wird, wird es entscheidend sein, wie souverän Menschen mit ihr umgehen.

Wo sollten wir Menschen deshalb mit Blick auf wichtige Fähigkeiten ansetzen? Insbesondere bei den Fähigkeiten, die Menschen ausmachen. Sodann wird AI Fluency sich zu einer neuen Form der Allgemeinbildung entwickeln. Und schließlich wird kritische Urteilskraft zur Schlüsselkompetenz einer digitalen Gesellschaft.

Die Zukunft unseres Umgangs mit KI ist keine Frage der Technik allein. Sie ist vielmehr eine Frage der Haltung, der Bildung und der Bereitschaft, Verantwortung nicht an Systeme zu delegieren, sondern sie bewusst an- und wahrzunehmen.

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Einheitsbrei: ChatGPT lässt Social Media-Beiträge alle gleich klingen

11. Dezember 2025 um 15:00

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ChatGPT Social Media, Künstliche Intelligenz, Soziale Medien, LinkedIn, Facebook, Instagram, TikTok

Bist du auch genervt von den immer gleich klingenden Postings in den sozialen Medien und den immer ähnlich aussehenden Bildern? Hast du das Gefühl, dass aufgrund von KI Kreativität verschwindet und durch Perfektion ersetzt wird? Dann bist du nicht alleine. Eine Diagnose.

Das Magazin The New Yorker sowie diverse Forschungsteams haben sich in den letzten Wochen mit einer spannenden Beobachtung beschäftigt: „Was passiert eigentlich mit unserer Kreativität, wenn wir täglich generative KI nutzen?“ Man möchte vorschnell antworten: Die wird besser, richtig? Das Ergebnis war jedoch (nicht wirklich) überraschend anders.

Ja, KI macht uns schneller und produktiver. Und ja, sie hilft uns dabei, Ergebnisse zu erzeugen, die oft besser klingen als das, was wir zuvor allein formuliert hätten. Gleichzeitig jedoch werden unsere Texte, Ideen und Entscheidungen sich immer ähnlicher. Originalität weicht also einer glatten, austauschbaren Effizienz.

ChatGPT: KI-generierte Geschichten in Social Media

Dieses Ergebnis basiert auf einigen spannenden Studien. Eine der interessantesten wurde in der Science Advances veröffentlicht. Es wurde untersucht, wie Kurzgeschichten, die mit Unterstützung von ChatGPT entstanden sind, von Lesern bewertet werden.

Das Ergebnis: Individuell wurden die Geschichten kreativer, flüssiger und qualitativ hochwertiger eingeschätzt. Betrachtet man sie jedoch im Vergleich zueinander, fiel auf, wie stark sie sich ähneln.

Dieses Muster sehe ich auch in meinen KI-Trainings und Workshops. Teilnehmer, die früher Schwierigkeiten hatten, kreative Texte zu verfassen, produzieren nun dank KI Inhalte, die beeindruckend professionell wirken, aber gleichzeitig auch irgendwie gleichförmig.

KI-Postings in den sozialen Medien

Ein weiteres untersuchtes Beispiel kommt aus Italien. Im März 2023 wurde dort für etwa vier Wochen der Zugang zu ChatGPT gesperrt. Social Media-Posts zahlreicher Restaurants wurden in der Folge plötzlich sprachlich vielseitiger, persönlicher und interessanter – und erhielten mehr Engagement. Als ChatGPT wieder verfügbar war, glätteten sich die Texte wieder.

Das zeigt, wie schnell wir kreative Verantwortung abgeben, wenn wir Werkzeuge nutzen, die uns Standardformulierungen auf Knopfdruck liefern. Persönliche Handschrift entfaltet sich nämlich selten dort, wo Effizienz das dominierende Ziel ist.

Instrumente der Optimierung von Prozessen

Noch deutlicher zeigt sich diese Entwicklung in Unternehmen. Ich erlebe es inzwischen häufig, dass KI-Systeme wie ChatGPT oder andere nicht als Chance für neue Denkwege, sondern (lediglich) als Instrumente der Prozessoptimierung verstanden werden. Teams nutzen KI, um schneller zu Ergebnissen zu kommen, Risiken zu minimieren und Überraschungen auszuschließen.

Das ist ein Beispiel für das sogenannte „Creativity Paradox“: Einzelne Mitarbeiter werden produktiver, aber das Unternehmen als Ganzes verliert Originalität. Entscheidungen konvergieren, Ideen ähneln sich und der Mut zu abweichenden Gedanken schwindet.

Dieses Phänomen kenne ich auch aus meinen Start-up- und KI-Schulungen. Teilnehmer, die KI lediglich als Assistenten verstehen, produzieren solide, aber selten außergewöhnliche Ideen. Solche jedoch, die KI als kreativen Mitgestalter begreifen, entwickeln Ansätze, die sie ohne KI nie gefunden hätten.

Technik ohne Überraschungen

Technisch betrachtet kann das wenig überraschen. Denn generative KI ist darauf trainiert, das wahrscheinlichste Ergebnis zu liefern. Sie liefert nicht außergewöhnliche, sondern konsensfähige Ergebnisse. Damit reproduziert KI also das, was in ihrem Trainingsmaterial am weitesten verbreitet ist.

In meinen Vorträgen sage ich deshalb oft, dass KI nicht die Technologie des Besonderen sei, sondern die Technologie des Durchschnitts. Das ist gar nicht so sehr als Kritik gemeint, sondern vielmehr als nüchterne Beschreibung eines statistischen Modells, auf dem KI basiert.

Wenn wir KI so einsetzen, dass sie unseren Stil – oder den von jemandem oder von etwas – kopiert, wird sie genau das tun. Wenn wir sie dagegen so einsetzen, dass sie uns irritieren darf, kann sie aber auch genau das. Im Alltag tun wir das jedoch nur sehr selten.

Spannende Anfangszeiten

Ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeit von ChatGPT. Es war unberechenbar, manchmal unsinnig, oft chaotisch. Aber es war auch mutig. ChatGPT produzierte Formulierungen, die man so noch nicht gesehen und gelesen hatte.

Man musste im Grunde immer mitdenken, um zu erkennen, ob ein erstellter Text überhaupt Sinn ergibt. Viele Menschen empfanden das als störend, aber zugleich auch als inspirierend.

Heute begegnen mir in Gesprächen fast ausschließlich Sätze wie „Ich nutze KI, um meine Mails schneller zu schreiben“ oder „Ich lasse mir immer zu E-Mails und Artikeln die Zusammenfassungen erstellen, ansonsten ist es mir zu viel/zu anstrengend“.

Dabei liegt genau in dieser Haltung meiner Ansicht nach das eigentliche Problem. Wir wollen kreativer werden, aber wir trainieren die KI darauf, uns immer präziser zu imitieren.

ChatGPT bei Social Media: Ein inzwischen alltägliches Muster

In meiner Tätigkeit als Jurist, Speaker und Dozent sehe ich dieses Muster immer wieder. Menschen, die KI täglich verwenden, fühlen sich produktiver, empfinden ihre Arbeit als weniger belastend und schätzen die Qualität ihrer Ergebnisse.

Gleichzeitig jedoch sehe ich auch, dass das Ergebnis weniger schöpferisch, weniger neu ist. Der kreative Muskel verkümmert sozusagen, nicht plötzlich, sondern langsam und unmerklich. Wer seine Kreativität auslagert, verliert sie Stück für Stück, ohne es zu bemerken.

KI als Mitgestalter für radikale Abweichungen

Was können, was sollen wir daraus schlussfolgern? Wenn wir verhindern wollen, dass Effizienz zu einer gedanklichen und kulturellen Verarmung führt, müssen wir den Modus verändern, in dem wir KI einsetzen. KI darf nicht nur Assistent sein, sondern muss als Mitgestalter auftreten dürfen.

Das bedeutet, sie nicht nur nach bekannten Mustern arbeiten zu lassen, sondern bewusst Räume für radikale Abweichung zu öffnen. Kreative Ownership bleibt entscheidend. KI sollte Ideen generieren, aber der Mensch muss sie formen, verfremden, zugespitzt weiterdenken und mit eigener Handschrift versehen. Kreativität entsteht nicht in der Glätte, sondern im Widerstand.

Fazit: Effizienz ohne Kreativität ist eine leere Hülle

Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Die Werkzeuge, die uns von Routine befreien sollten, beginnen nun, unser Denken zu prägen. Die Vorteile von KI-Systemen wie ChatGPT oder Claude sind unbestreitbar: Wir arbeiten schneller, effizienter und oft sogar präziser.

Gleichzeitig geraten wir in eine kulturelle Schieflage, wenn wir glatte Ergebnisse für gute Ergebnisse halten. Der Verlust kreativer Vielfalt ist ein schleichender Prozess. Es ist wie so oft mit Veränderungen: Sie kommen nicht mit einem Knall, sondern mit einem sanften, angenehmen Gefühl von Bequemlichkeit.

Effizienz ist wertvoll, keine Frage. Aber ohne Kreativität bleibt sie eine leere Hülle. Vielleicht sollten wir KI künftig nicht nur fragen, wie wir schneller arbeiten können, sondern wie wir mit Blick auf Kreativität mutiger werden.

Effizienz produziert Ergebnisse, Mut jedoch produziert Zukunft. Und vielleicht liegt genau in dieser Frage der entscheidende Schritt in eine Welt, in der KI nicht unsere Kreativität ersetzt, sondern erweitert.

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