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Klicktatur: Trump regiert per Post – und manipuliert Meinungen und Märkte

29. April 2026 um 11:00

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Donald Trump Klicktatur Truth Social

Donald Trump regiert die USA nicht nur aus dem Oval Office, sondern auch via Social Media. Über seine Plattform Truth Social flutet er täglich die Nachrichtenlage, bewegt Aktienkurse und setzt die Agenda für Medien weltweit. Der US-Politikwissenschaftler Donald Moynihan nennt das eine „Klicktatur“. Eine kommentierende Analyse.

KI als Grundlage für Trumps Strategie?

  • KI-Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder naivere Kollegen wie Microsofts CoPilot befähigen Menschen dazu, Texte zu schreiben, die vorher keine zwei geraden Sätze nacheinander hätten schreiben können. Mit fehlerfreien Texten wird durch KI jeder zum Bürgerjournalisten – und das ganz ohne Ausbildung oder fachliche Kontrolle.
  • Die Folgen sind bereits messbar: Der Anteil von KI-Inhalten bei YouTube, Spotify und Co. nimmt immer weiter zu. Ende 2025 war fast jeder fünfte Treffer der Google-Suche schlicht und einfach KI-Müll. Die Informationsqualität im Netz sinkt – und damit das Fundament, auf dem sich Nutzer eine eigene Meinung bilden.
  • Rechtsradikale Populisten nutzen die neuen KI-Werkzeuge im höchsten Maß dazu, um soziale Medien durch Meinungsspam unter ihre Kontrolle zu bringen. Das ist das Ergebnis einer niederländischen Studie. Demnach bauen rechts- und linksradikale Populisten in sozialen Medien ein alternatives Medienökosystem auf, um ihre eigene Form der Wahrheit zu verbreiten.

Vom Brandstifter zum Kliktator

Der prominenteste Populist, der diese Strategie verfolgt, ist Donald Trump. In seiner ersten Amtszeit zwischen 2017 und 2021 hat Trump damit begonnen, den Medien seine Meinung aufzudrängen. Dafür nutzte er in erster Linie seine hervorragenden Verbindungen zu konservativen und regierungshörigen TV-Sendern wie „Fox News“, die im Prinzip zum persönlichen Haus- und Hofberichterstatter des US-Präsidenten geworden sind.

Schon damals verfolgte er eine einfache Strategie, die sein ehemaliger – und schnell geschasster – Kommunikationsberater Anthony Scaramucci auf den Punkt brachte. Donald Trump ist ein Brandstifter, der gerne Feuer legt. Sobald jedoch die Aktienkurse an der Börse lichterloh brennen, macht er einen Rückzieher seiner radikalen Ankündigungen und sorgt dafür, dass alles „im grünen Bereich“ läuft. Später hat sich das geflügelte Wort „TACO“ – Trump always chickens out – etabliert.

In seiner zweiten Amtszeit hat Donald Trump die USA endgültig von einer einst vorzeigbaren Demokratie in eine sogenannte „Klicktatur“ verwandelt. Über seine eigene Social-Media-Plattform Truth Social setzt er jeden Tag weit über zehn Meldungen ab – und bestimmt damit die Meldungen auf anderen Social-Media-Portalen wie „X“ oder Reddit und auch herkömmliche Nachrichtenkanäle wie die Tagesschau, die Süddeutsche Zeitung oder den Spiegel. Oder anders gesagt: Trump setzt Schlagzeilen – ob wahr oder unwahr, denn das spielt heutzutage keine Rolle mehr.

Stimmen

  • Der US-Politikwissenschaftler Donald Moynihan hat den Begriff „Klicktatur“ geprägt. Er spricht von einer Regierung, die Menschenmassen durch digitale Omnipräsenz in Bewegung versetzt: „Trump ist der beste Inhalte-Produzent aller bisherigen US-amerikanischen Präsidenten. Es mangelt nie an Inhalten. Aber nur, wenn es um die Menge geht. Die Vorstellung ist, dass er so Fakten verzerren und kontrollieren kann. Auch wenn das, was er sagt, Unsinn ist oder empörend: Er dominiert damit die Schlagzeilen.“
  • Das Werkzeug für diesen neuen Regierungsstil hat Steve Bannon, ehemaliger Wahlkampfmanager und anschließender Chefstratege von Donald Trump, in einem Interview 2018 beschrieben. Dabei geht es um Informationskriegsführung in Zeiten von sozialen Medien: „Die Demokraten spielen keine Rolle. Die wahre Opposition sind die Medien. Und der Weg, mit ihnen fertig zu werden, ist, die Zone mit Scheiße zu fluten.“ Genau das macht Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit.
  • Mit den sogenannten TACOs überführt Donald Trump seine Informationsflut in die Finanzwirtschaft. Der Begriff TACO wurde 2025 vom US-Journalisten Robert Armstrong in einem Artikel in der Financial Times verwendet: „Die jüngste Kursrallye hat viel damit zu tun, dass die Märkte erkennen, dass die US-Regierung keine besonders hohe Toleranz für Markt- und Wirtschaftsdruck besitzt und schnell einen Rückzieher macht, sobald Zölle Schmerzen verursachen. Das ist die TACO-Theorie: Trump kneift immer.“

Lässt sich die Klicktatur noch stoppen?

Dass Trump TACOs mag, obwohl er Mexikaner nicht leiden kann, zeigt die Geschichte. Alles begann 2019 mit den angedrohten Strafzöllen gegen Mexiko, die Milliarden an den Börsen vernichteten. Im April 2025 dasselbe Muster: Donald Trump verkündet im sogenannten „Rosengartenmassaker“ Strafzölle gegen die halbe Welt, nur um sie kurz vor dem Inkrafttreten einzukassieren. Im Irankrieg 2026 zeigt sich ein ähnliches Muster.

Trump betreibt mit seinen Social-Media-Posts also nicht nur politisches Agenda-Setting der nächsten Generation, sondern gefährdet durch seine Form der Marktmanipulation auch noch das angesparte Geld von Kleinanlegern, die versuchen, von den positiven Effekten der Aktienmärkte zu profitieren, indem sie in Index-ETFs wie den MSCI World investieren.

Wie lässt sich diese Form der Bürgerverarsche eindämmen? Im Jahr 2021 gab es erfolgsversprechende Versuche, als Facebook, Instagram und Twitter nach dem Sturm auf das US-Kapitol die Social-Media-Accounts von Donald Trump vorübergehend gesperrt hatten. Seine Lösung: eine eigene Social-Media-Plattform.

Die Regulierungsmöglichkeiten für den Gesetzgeber sind entsprechend limitiert – es sei denn, politische Inhalte auf sozialen Medien werden ganz verboten, was dann wiederum die Meinungsfreiheit massiv einschränkt. Und das wiederum wäre der nächste Sargnagel für die westlichen Demokratien, an denen Autokraten wie Donald Trump ohnehin schon sägen.

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Ende einer TV-Ära: ntv schickt die „Telebörse“ nach 100.000 Ausgaben in Rente

27. April 2026 um 12:08

Es ist ein historischer Einschnitt für den Kölner Nachrichtensender: Nach sage und schreibe 100.000 Ausgaben verabschiedet ntv im Mai sein Flaggschiff, die „Telebörse“. Zeitgleich mit dem Bezug des neuen High-Tech-Studios verschwindet der Kult-Name vom Bildschirm.

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Börsenreif um jeden Preis: OpenAI vollzieht radikalen Strategiewechsel

31. März 2026 um 11:00

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OpenAI Börse Strategiewechsel ChatGPT

OpenAI hat einen radikalen Kurswechsel vollzogen. Das Unternehmen hat nicht nur mehrere ChatGPT-Funktionen eingestampft, sondern auch seine pompös angekündigte Video-KI Sora. Hintergrund sind nicht nur aus dem Ruder gelaufene Kosten, sondern offenbar auch interne Differenzen. Zudem strebt OpenAI an die Börse. Eine kommentierende Analyse.

Strategiewechsel: Was ist bei OpenAI passiert – und warum jetzt?

  • OpenAI hat überraschend seine Video-KI Sora eingestampft. Laut Financial Times (€) sind relativ hohe Verluste von bis zu einer Million US-Dollar pro Tag dafür verantwortlich. Hinzu dürfte der gigantische Ressourcenverbrauch kommen. Denn Videogeneratoren benötigen weitaus mehr Rechenpower sowie Strom und Kühlung als Sprachmodelle. Mit dem Aus von Sora dürfte auch ein Milliarden-Deal mit Disney Geschichte sein, das Futter in Form von Disney-Videos liefern wollte.
  • Mit einem sogenannten Erotikmodus wollte OpenAI einen Chatbot für Erwachsene etablieren, in dem es heiß hergeht. Doch bereits unmittelbar nach der Vorstellung im Oktober 2025 geriet das Vorhaben massiv in die Kritik. Eigentlich sollte der Erotikmodus im Februar 2026 starten. Doch wie das Wall Street Journal (€) berichtet, gab es nicht nur technische Probleme mit der Alterskontrolle sowie eine hohe Fehlerrate. Auch interne Differenzen und ein drohender Imageverlust haben nun dafür gesorgt, dass das Projekt zunächst einmal auf Eis liegt.
  • Bereits seit Oktober 2025 kursieren Gerüchte, dass OpenAI einen Börsengang anstrebt. Die Anzeichen dafür verdichten sich aktuell immer mehr. Doch aufgrund der komplizierten Struktur des Unternehmens sowie der eigenen ethischen Ansprüche droht ein Drahtseilakt. Im Gegensatz zu Einnahmen durch Werbeanzeigen oder dem Versuch, weitere zahlende Abonnenten zu gewinnen, verspricht ein Gang an die Börse deutlich mehr und schneller Kapital. Und das wird dringend benötigt.

OpenAI hat sich mit seiner Funktionsflut selbst geschadet

OpenAI hat sich in seiner eigenen Funktionsflut verheddert und viel ausprobiert, aber nichts wirklich zu Ende gedacht. Die bittere Folge: ChatGPT konnte dadurch zwar viel, aber nichts wirklich richtig. Hinzu kommt, dass sowohl Sora als auch zahlreiche neue Funktionen wie der Erotikmodus viel Geld verschlungen haben.

Mit seinen Werbemodellen kommt OpenAI zudem nicht aus den Startlöchern. Im Gegenteil: Erste Versuche wurden von Nutzern als absolut nervig empfunden. Da die KI-Branche ein wirtschaftlich noch relativ unerschlossenes Feld ist, sind neue Ansätze und Versuche zwar verständlich und in gewissem Maß sogar löblich. Doch OpenAI hat es schlichtweg übertrieben – zumal das Unternehmen nach wie vor keinen Gewinn verzeichnet.

Das Aus von Sora und das Einfrieren des Erotikmodus markieren mehr als nur gescheiterte Experimente. Sie stehen sinnbildlich für eine strategische Zersplitterung, mit der sich OpenAI letztlich selbst geschadet hat – vom mehr als fraglichen Deal mit dem US-Militär ganz zu schweigen.

Heißt unterm Strich: Während OpenAI an einem Funktionsflickenteppich gebastelt hat, ist die Konkurrenz um Anthropic und Google im Kerngeschäft enteilt. Der nun erfolgte Kurswechsel hin zu einem leistungsstärkeren GPT ist daher weniger Vision als Notbremse. Doch die Rückbesinnung auf essentielle Kernkompetenzen kommt spät, vielleicht sogar zu spät. Denn mit seinen zahlreichen Fehltritten hat OpenAI nicht nur Zeit verloren, sondern auch Vertrauen verspielt.

Stimmen und Reaktionen

  • In einem Beitrag auf X (ehemals Twitter) ließ das Sora-Team im Namen von OpenAI verlauten: „Wir verabschieden uns von Sora. An alle, die mit Sora etwas geschaffen, es geteilt und eine Community darum herum aufgebaut haben: Vielen Dank. Was ihr mit Sora geschaffen habt, war wichtig, und wir wissen, dass diese Nachricht enttäuschend ist. Wir werden bald weitere Informationen veröffentlichen, darunter Zeitpläne für die App und die API sowie Details zur Sicherung eurer Arbeiten.“
  • Fidji Simo, CEO of Applications bei OpenAI, in einem All-Hands-Meeting, das CNBC transkribiert hat: „Unsere Chance besteht nun darin, diese 900 Millionen Nutzer zu Anwendern mit hohem Rechenbedarf zu machen. Das werden wir erreichen, indem wir ChatGPT in ein Produktivitätswerkzeug verwandeln. Was für uns im Moment wirklich zählt, ist, konzentriert zu bleiben und unsere Leistung absolut perfekt umzusetzen.“
  • Ein Disney-Sprecher erklärte, das Unternehmen respektiere „die Entscheidung von OpenAI, sich aus dem Geschäft mit der Videogenerierung zurückzuziehen und seine Prioritäten anderweitig zu setzen. Wir schätzen die konstruktive Zusammenarbeit zwischen unseren Teams und die Erkenntnisse, die wir daraus gewonnen haben. Und wir werden weiterhin mit KI-Plattformen zusammenarbeiten, um neue Wege zu finden, unsere Fans dort abzuholen, wo sie sind – und gleichzeitig neue Technologien verantwortungsbewusst einzusetzen, die geistiges Eigentum und die Rechte der Urheber respektieren.“

OpenAI plant größten Börsengang aller Zeiten

Hinter dem Strategiewechsel von OpenAI zeichnet sich vor allem eines ab: die Börsenreife um jeden Preis. Doch ein IPO, der Ende 2026 oder Anfang 2027 kommen könnte, verlangt klare Zahlen, skalierbare Modelle und Nutzerwachstum. Spielereien wie ein Erotikmodus oder die Video-KI Sora, die technisch zwar beeindruckend war, jedoch hinsichtlich Urheberrecht, Datenschutz und Monetarisierung undurchdacht war, passen nicht in dieses Bild.

Stattdessen will OpenAI künftig auf Nützlichkeit und Monetarisierung mit System setzen. Heißt konkret: neue Tarife, sinnvolle Werbeformate und die Transformation von ChatGPT zu einer Plattform, die nützlich und weniger unterhaltend ist. Die bittere Wahrheit: OpenAI hätte all das schon haben können.

Doch statt zu überlegen, was wirklich sinnvoll ist, hat das Unternehmen ausprobiert, was technisch möglich ist – und damit Millionen verbrannt. Dennoch könnte man gerade noch so die Kurve bekommen. Allem Anschein nach will OpenAI ChatGPT nämlich nicht nur (wieder) zu einem nützlichen Assistenten machen, sondern als Betriebssystem etablieren.

Denn: Während das Unternehmen auf der einen Seite innerhalb seines Chatbots aufräumt, erschließt man bereits andere Bereiche. Das Sora-Team soll sich dem Vernehmen nach künftig etwa auf Robotik-Anwendungen konzentrieren.

Mit der Verpflichtung des OpenClaw-Entwicklers Peter Steinberger hat OpenAI zudem bereits nötige Expertise für komplexe und praktische Anwendungen eingekauft, um im Wettbewerb mit Google und Anthropic Unternehmenskunden für sich zu gewinnen.

Fazit: OpenAI hat sich mit seinem Strategiewechsel eine letzte Chance erkauft. Die Idee, ChatGPT als eine Art Betriebssystem zu etablieren, hat zwar Potenzial. Doch nach vielen kostspieligen Irrwegen muss das Unternehmen jetzt liefern. Nicht mit Ankündigungen, sondern mit einem Produkt, das den Alltag der Nutzer tatsächlich besser macht.

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