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Physical AI: Was droht, wenn KI einen Körper bekommt

06. März 2026 um 11:00

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Physical AI Roboter KI Körper Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz erobert unseren Alltag in Form von Software-Lösungen. Doch digitale Assistenten sind erst der Anfang der KI-Revolution. Im nächsten Schritt soll Künstliche Intelligenz dabei helfen, unsere physische Welt erobern und einen Körper bekommen. Eine kommentierende Analyse.

Was ist Physical AI?

  • Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Physical AI als „die Verbindung von künstlicher Intelligenz mit physischen Systemen wie Kameras, Geräten, Anlagen, Drohnen, Robotern und selbstfahrenden Autos und Bussen. Sie ermöglicht diesen, komplexe Vorgänge in der physischen Welt wahrzunehmen, zu analysieren, zu evaluieren und auszuführen.“
  • Bislang hat sich das Training von neuen Technologien wie humanoiden Robotern oder Greifarmen in der Produktion als sehr schwierig und kostenintensiv gestaltet, da es wenige Daten gibt und ein hoher Aufwand notwendig war. An dieser Stelle setzen Multimodal Large Language Models (MLLMs) an.
  • Sie trainieren humanoide Roboter mit Milliarden realen Datensätzen, ohne dass die teure Technologie gefährdet ist. Ein anschauliches Beispiel ist Nvidia Cosmos. Das autonome Auto bekommt durch Physical AI die Gefahren des Verkehrsalltags durch unzählige Videoaufzeichnungen beigebracht – ohne eine reale Fahrt auf der Straße, bei der ein Unfall einen Prototypen-Schaden in Millionenhöhe verursachen könnte.

Humanoide Roboter noch viel zu teuer

Der Figure 03, Teslas Optimus und die Roboter von Boston Dynamics haben eines gemeinsam: Sie liefern teilweise beeindruckende Vorführungen, sind allerdings für den Einsatz in den eigenen vier Wänden zu teuer. Ein gutes Beispiel dafür ist auch der Pflegeroboter Moya, der knapp 180.000 US-Dollar kosten soll.

Physical AI könnte zum Gamechanger für humanoide Roboter werden. Durch das unkomplizierte Training und die Vermenschlichung der Maschinen durch den Umgang mit physikalischen Gesetzen und unberechenbaren menschlichen Umgebungen werden unsere Roboter-Assistenten immer besser. Das wiederum ermöglicht die Skalierung in der Industrie. Dort können die Roboter in einem geschützten Umfeld lernen und noch besser werden.

Sobald humanoide Roboter dann in Fabriken funktionieren, können Roboter-Produzenten wie Elon Musks Tesla die Herstellungs- und Entwicklungskosten deutlich senken. Das wiederum ermöglicht perspektivisch den Einzug in unser Privatleben.

Stimmen

  • Markus Hacker, Director Enterprise DACH bei Nvidia, skizziert in einem Gastbeitrag die Weiterentwicklung der Robotik: „Roboter werden intelligente Einheiten, die nicht nur wahrnehmen, begründen und planen, sondern auch eigenständig handeln und aus ihren Erfahrungen lernen können. Ihr Einsatzbereich wird sich von Operationssälen und Rechenzentren über Fabriken bis hin zu Verkehrsleitsystemen und ganzen Städten erstrecken. Statische, manuell gesteuerte Systeme weichen zunehmend interaktiven, intelligenten Lösungen.“
  • Physical AI hat nicht nur Auswirkungen auf unser Bruttoinlandsprodukt, sondern auch auf unsere Arbeitswelt. Darauf weisen Theresa Wolf und Andrea Willige vom World Economic Forum in einem Papier hin: „Maschinenbediener zu Robotertechnikern, Logistik-Teams koordinieren künftig mobile Roboter, Instandhaltungsteams verlagern ihren Schwerpunkt auf vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance), und Fertigungsingenieure werden sich auf das Training und die Optimierung von KI- und Robotiksystemen konzentrieren.“
  • Etwaigen Untergangsszenarien für die Menschheit widerspricht Professor Wolfgang Wahlster, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, in einem Interview: „Maschinelles Lernen unterscheidet sich prinzipiell vom menschlichen Lernen. Es geht in der KI keinesfalls darum, menschliches Verhalten mit all seinen Stärken, aber auch den vielen Schwächen perfekt nachzubilden, sondern wir wollen dem Menschen mit KI assistieren, wo dies sinnvoll ist. Beim Lernen von Regelmäßigkeiten in sehr großen Datenmengen sind maschinelle Lernverfahren dem Menschen heute bereits überlegen.“

Physical AI: Luftschloss oder Alltagshelfer?

Physical AI ist zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Metaverse vergleichbar. Eine Technologie, die großes Potenzial bietet, ihrer Zeit jedoch voraus ist und deshalb zum Teil auf Luftschlössern in Fantasiewelten aufbaut. Realistische Schätzungen gehen davon aus, dass die ersten humanoiden Roboter gegen Ende der 2020er Jahre in Fabriken Einzug halten werden.

In unserem Haushalt könnten sie ab Mitte der 2030er Jahre helfen. Wir sprechen also trotz der steilen Lernkurve von Physical AI von einem Zeitraum von mindestens einem Jahrzehnt – ein Zeitraum, der sich kaum verlässlich vorhersagen lässt.

Fest steht jedoch, dass der Erfolg von Physical AI dazu beitragen könnte, Menschen körperlich zu entlasten. Wenn wir weniger manuelle Tätigkeiten übernehmen, können wir uns auf wichtigere Aufgaben konzentrieren.

Dazu gehört beispielsweise die Pflege von Angehörigen oder die Zeit mit der Familie. Vielleicht sorgt der technologische Fortschritt also tatsächlich einmal für eine ökonomische Entlastung der Menschheit und eine sozial-zwischenmenschliche Revolution.

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Denkzettel für Deutschland: Energiepolitik zerschellt im Iran

05. März 2026 um 11:00

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Spritpreise Iran deutsche Energiepolitik Öl Gas

Der Iran-Krieg ist geografisch zwar weit von Deutschland entfernt, ökonomisch ist er aber längst hier angekommen. Grund ist die Sperrung der Straße von Hormus seitens des Iran, durch die jeweils rund 20 Prozent der globalen Öl- und Gasversorgung abgewickelt werden. Die Folge: Die Öl-, Sprit- und Gaspreise steigen weltweit. Doch als hätte es keine Warnungen gegeben, setzt die Union seit geraumer Zeit wieder vermehrt auf fossile Energien und verschleppt den Ausbau der Erneuerbaren. Eine kommentierende Analyse.

Energie als Druckmittel und Politikum

  • Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen den Küsten des Irans und des Omans. Durch sie verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Öl- und Gashäfen Kuwaits, Katars, Bahrains, des Iraks, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Irans. Hinzu kommt der größte Teil des saudi-arabischen Verkehrs. Über die Straße von Hormus werden 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasversorgung (LNG) abgewickelt.
  • Aktuell stecken mehrere Öl- und Gastanker aufgrund einer Blockade des Iran in der Straße von Hormus fest. Das Mullah-Regime setzt Energie damit als Druckmittel und Politikum ein. Die Diesel- und Benzinpreise in Deutschland haben laut ADAC daraufhin teilweise die Zwei-Euro-Marke überschritten und sind um bis zu 20 Cent pro Liter gestiegen. Die Kosten für 100 Liter Heizöl legten um rund 30 Euro zu. Der Gaspreis hat sich hingegen binnen weniger Tage fast verdoppelt. (Stand: 4. März 2026)
  • Statt den Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben, um Strom lokal und unabhängig von geopolitischen Konflikten sowie Abhängigkeiten zu produzieren, setzen CDU/CSU seit geraumer Zeit wieder mehr auf fossile Energie. Das sogenannte Heizungsgesetz soll etwa abgeschafft werden, um wieder Öl- und Gasheizungen zu erlauben. Für Solaranlagen auf Hausdächern soll es keine Förderung mehr geben. Statt den Netzausbau zu forcieren, will das Wirtschaftsministerium den Ausbau von Wind- und Solarkraft in einigen deutschen Regionen sogar gänzlich stoppen.

Iran-Krieg: Deutsche Energiepolitik am Scheideweg

Kriege mögen geografisch fern erscheinen, schlagen ökonomisch aber auch hierzulande ein. Der Iran-Krieg ist da keine Ausnahme. Doch wer wie die Union weiterhin auf fossile Abhängigkeiten setzt, anstatt den Ausbau der Erneuerbaren zu forcieren, spielt ein riskantes Spiel.

Denn die Straße von Hormus zeigt erneut, dass fossile Energien ein perfides Wettrennen zwischen Politik und Marktmechanismen offenbaren und die Gas-, Öl- und damit letztlich auch die Spritpreise erheblich erschüttern. Zugegeben: Auch die Erträge aus Solar- und Windkraft können schwanken, doch sie tanzen nach einem ganz anderen Takt – und zwar klimafreundlich, lokal und unabhängig von Mullahs, Monarchen oder Marktspekulanten.

Wer dieser Tage ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder eine Solaranlage sein Eigen nennt, ist gegen solche Preisschocks hingegen überwiegend immunisiert. Öl und Gas sind nicht nur ohnehin schon teurer. Die Abhängigkeit von fossilen Energien ist ein hausgemachtes Problem.

Theoretisch dürfte es zumindest kurzfristig nicht zu Versorgungsengpässen kommen, da es noch Öl und Gas gibt und Blockaden umgangen werden können. Doch das Problem ist nicht die physische Knappheit, sondern Preishascherei und geopolitische Erpressbarkeit. Wer hier nicht umdenkt, sitzt bald auf einem finanziellen Pulverfass.

Stimmen

  • Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem Interview bei Bericht aus Berlin: „Deutschland erhält über die Straße von Hormus keine signifikanten Mengen an LNG. Auch beim Öl ist es so, dass unsere Hauptbezugsquellen nicht von dort stammen. Was wir beobachten werden, sind die Preisentwicklungen, aber mit Sicherheit keine Knappheit. Wir haben unsere Öl- und Gaslieferungen diversifiziert. Es kann zu Preissteigerungen kommen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem davon, wie lange der Konflikt anhält.“
  • Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverband e.V., gegenüber der BILD: „Es gibt überhaupt keinen Grund, momentan – gestern nicht, heute nicht – die Preise zu erhöhen. Es ist reine Abzocke. Bis der teure Ölpreis bei uns in Deutschland ankommt, vergeht mindestens eine Woche.“ Er fordert: „Einmal am Tag dürfen die Preise erhöht werden und danach geht es nur noch nach unten – wie das in Österreich seit Jahren funktioniert. Es wäre schön, wenn die Politik gegenüber den großen Konzernen ein bisschen mehr Eier in der Hose hätte.“
  • Grünen-Chef Felix Banaszak kritisierte die Bundesregierung in einer Pressekonferenz scharf: „Auf diese Erschütterungen an den Märkten muss eine deutsche Bundesregierung reagieren. Die Reaktion auf die geopolitische Lage ist, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu intensivieren. Das Richtige in dieser Situation wäre doch jetzt, dass wir uns so schnell wie möglich von Gas und Öl unabhängig machen, statt weiter die politische Ambition in Abhängigkeit von Gas und Öl zu richten.“

Denkzettel für die deutsche Energiepolitik?

Die aktuellen Preisschocks sind ein Denkzettel für die Energiepolitik der Bundesregierung – vor allem aber für die Union. Denn statt den Ausbau der Erneuerbaren zu hemmen, sich von Lobbyisten einlullen zu lassen und auf fossile Energien zu setzen, wären Investitionen in Solar- und Windkraft sowie Energiespeicher in Kombination mit einer Forcierung des Netzausbaus perspektivisch deutlich sinnvoller – vor allem mit Blick auf das Portemonnaie der Verbraucher.

Klar: Die Preise wären auch ohne die politischen Entscheidungen der Union gestiegen, da Deutschland nach wie vor von Öl und Gas abhängig ist und es auch künftig in einem gewissen Maß sein wird. Aber die Lektion aus der Straße von Hormus sollte sein, dass diese Entscheidungen vor allem perspektivisch falsch sind. Wer jetzt noch Öl und Gas hofiert, spielt ein riskantes Doppelspiel mit bezahlbaren Energiepreisen in Deutschland.

Kurzum: Der Iran-Krieg zeigt, dass geopolitische Risiken nicht wegdiskutiert werden können und dass fossile Rückschritte teuer erkauft werden. Denn wer glaubt, dass Großmachtpolitik, die Kriege im Iran und der Ukraine sowie weltweite Unsicherheiten, die die Öl- und Gaspreise beeinflussen, nur eine Momentaufnahme sind, irrt gewaltig und hat die Weltwirtschaft nicht verstanden.

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Telekom will jedes Telefon zum KI-Assistenten machen – sogar Uralt-Handys

04. März 2026 um 11:00

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Telekom KI Assistent Netz Magenta AI Call Assistant

Die Deutsche Telekom will ein KI-Modell in sein Mobilfunknetz integrieren. Jedes Telefon soll dadurch zu einem smarten Assistenten werden – theoretisch sogar Dumbphones. Während Apple, Samsung und Google ihre KI-Assistenten an teure Hardware koppeln, verfolgt die Telekom mit dem Magenta AI Call Assistant einen komplett anderen Ansatz. Ob und wie gut die KI funktioniert, ist aber noch unklar. Beim Datenschutz gibt es ebenso offene Fragen. Eine kommentierende Analyse.

Telekom präsentiert Magenta AI Call Assistant

  • Laut Telekom soll künftig prinzipiell jeder während eines Telefonats eine KI-Stimme aktivieren können. Das Unternehmen will dazu eine Künstliche Intelligenz in sein Mobilfunknetz integrieren. Da die KI voraussichtlich über eine Cloud läuft, ist sie theoretisch auf jedem Telefon nutzbar. Das gilt sowohl für das neueste iPhone als auch für Nokia-Klassiker. Der Magenta AI Call Assistant soll noch in diesem Jahr starten. Im Gegensatz zu KI-Diensten wie Apple Intelligence, dem Google Assistant oder Samsungs Bixby ist die Telekom-KI nicht an bestimmte Geräte gebunden.
  • Mit dem Sprachbefehl „Hey Magenta“ sollen Nutzer die KI während eines Gesprächs aktivieren können. Alternativ sei dies über eine Zahlenkombination auf der Tastatur möglich. Da das System ohne App oder ein spezielles Betriebssystem auskommen soll und stattdessen über das Mobilfunknetz der Telekom läuft, können theoretisch auch Kunden anderer Anbieter auf die KI zugreifen – vorausgesetzt einer der Gesprächspartner ist Telekom-Nutzer.
  • Der Magenta AI Call Assistant soll der Telekom zufolge zum Start drei Kernfunktionen umfassen: Live-Übersetzungen in bis zu 50 Sprachen, eine automatische Zusammenfassung von Gesprächen per Text sowie Antworten zu Alltagsfragen. Die KI könne zudem Restaurantreservierungen, Arzttermine und Reisen buchen. Die Telekom hat ihren Anrufassistenten gemeinsam mit dem britischen Softwareunternehmen ElevenLabs entwickelt.

Telekom-KI funktioniert auf jedem Telefon

Die Telekom beschreitet mit dem Magenta AI Call Assistant einen Pfad, der einer Art Anti-iPhone-Strategie gleichkommt. Das Unternehmen will KI mehr als Dienst denn als ein reines Produkt anbieten. Statt Nutzern teure Hardware aufzudrängen, spinnt die Telekom einen KI-Assistenten direkt ins Netz.

Das erscheint durchaus clever und offenbart einen kleinen Schlag gegen die oligopole Hardwarespirale der Tech-Giganten. Denn die geplante Telekom-KI soll prinzipiell ohne teures Smartphone nutzbar sein.

Doch das Konzept hat auch Tücken. Ein Netz voller lauschender Assistenten klingt zwar praktisch, kann aber zu seltsamen Erfahrungen während des Telefonierens führen – etwa wenn Gespräche permanent unterbrochen werden. Die Telekom muss deshalb erst einmal beweisen, dass der Magenta AI Call Assistant einen wirklichen Nutzen hat.

Die Diffusionskurve zwischen einem praktischen Mehrwert und einem übergriffigen KI-Assistenten könnte nämlich steil sein. Der Ansatz, auf eine universelle Zugänglichkeit zu setzen, ist zwar radikal, könnte aber ein komplett neues KI-Ökosystem eröffnen. Allerdings muss der Magenta AI Call Assistant dafür zunächst einmal nachweisen, ob Reichweite und ein hürdenloser Zugang über den Wert reiner Funktionalität hinausgehen.

Stimmen

  • Abdu Mudesir, Vorstand Product & Technology der Deutschen Telekom, in einem Statement: „Wir sind KI-Optimisten und setzen KI verantwortungsvoll ein. Wir bringen sie direkt in unsere Netze, Produkte und Services – skalierbar, sicher und mit klarem Mehrwert für Menschen und Wirtschaft. Denn KI wird zur Schlüsseltechnologie. Unsere Kunden können KI-Dienste direkt im Telefonat dazuschalten. So kommt beispielsweise der Dolmetscher in den Anruf. Mit unserem Magenta AI Call Assistant sind wir weltweit die ersten, die solche KI-Funktionen direkt aus dem Netz anbieten. Wir beseitigen Barrieren. Keine Apps, keine speziellen Geräte, keine technische Komplexität.“
  • Analyst Ben Wood vom Marktforschungsinstitut CCS Insight sieht in KI-Assistenten einen aktuellen Trend: „Das ist ein lobenswertes Ziel, auch wenn es in der Realität schwer zu erreichen ist. KI ist ein Gamechanger und wird wahrscheinlich die Art und Weise, wie wir in Zukunft mit Smartphones interagieren, grundlegend verändern.“ Wood sieht das Telekom-Projekt als weiteren Beweis dafür, dass die Preise für umfangreiche KI-Funktionen in Smartphones sinken.
  • Avijit Ghosh, Forscher bei der KI-Community-Plattform Hugging Face, hat Bedenken: „Das klingt einfach nach einer schlechten Benutzererfahrung. Angenommen, ich telefoniere mit meiner Mutter und mitten im Gespräch fange ich einfach an, mit einem Assistenten zu sprechen, der immer zuhört. Das wäre für mich eine sehr seltsame Erfahrung. Ich bin ein großer Befürworter von speziell entwickelten KI-Systemen. Dieses System scheint mir zu allgemein, um es ohne Sicherheitsvorkehrungen auf die Bevölkerung loszulassen.“

Nützlich oder nervig? KI-Assistenten in Telefonaten

Die Telekom will den Magenta AI Call Assistant noch in diesem Jahr an den Start bringen – zunächst für Mobilfunkkunden. Festnetzanschlüsse sollen offenbar später folgen. Doch die entscheidende Frage ist weniger die nach dem genauen Termin, sondern ob die Telekom-KI einen wirklichen Mehrwert mit sich bringen wird. Hinzu kommt die Frage, wie gut und schnell ein solches System agieren kann, wenn es nicht lokal auf einem Gerät, sondern über das Mobilfunknetz läuft.

Vor allem Live-Übersetzungen könnten praktisch sein, jedoch eher in einer Nische. Ob Nutzer der KI wirklich mitten in Gesprächen Fragen stellen oder sie Reisen buchen lassen, entscheiden aber nicht Marketing-Slogans, sondern Qualität und Praktikabilität. Auf technischer Ebene ist der Ansatz nicht bahnbrechend, doch die Telekom könnte vor allem über den Zugang zu einem breiten Nutzerkreis punkten. Vorausgesetzt, dass der Magenta AI Call Assistant angenommen wird.

Fragen nach etwaigen Risiken bleiben jedoch offen. Denn die angepriesenen Funktionen der Telekom-KI setzen voraus, dass Gespräche aufgezeichnet werden. Das Unternehmen betont zwar, dass Daten ausschließlich auf europäischen Servern landen und nach der Verarbeitung gelöscht würden. Fraglich ist jedoch, ob sie der Telekom-Beteuerung nach wirklich lückenlos vor einem Zugriff Dritter geschützt sind. Und: ob der Magenta AI Call Assistant nicht auch von Betrügern missbraucht werden könnte.

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KI-Streit im Weißen Haus: OpenAI vertickt ChatGPT ans US-Militär

03. März 2026 um 11:00

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OpenAI ChatGPT Militär USA Trump

Die Trump-Administration hat Anthropic aus US-Behörden verbannt, weil das KI-Unternehmen sich weigert, seine Modelle für das US-Militär und für Überwachungsmethoden freizugeben. Aus Geldsorgen und ohne Rücksicht auf Verluste hat sich nun OpenAI den Deal gekrallt. Doch er könnte dem Unternehmen teuer zu stehen kommen. Eine kommentierende Analyse.

US-Regierung verbannt Anthropic aus Behörden

  • Im Juli 2025 hatte das Pentagon Anthropic einen Vertrag mit einem Volumen von 200 Millionen US-Dollar zugesagt, um die KI-Modelle des Unternehmens in seine Arbeitsabläufe zu integrieren. Nachdem die Algorithmen jedoch zur history Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro eingesetzt wurden, eskalierte ein öffentlicher Streit.
  • Wie Anthropic in einem Blogbeitrag erklärte, lehnt das Unternehmen den Einsatz seiner KI für autonome Waffen oder die Massenüberwachung ab. Leistungsstarke Algorithmen könnten aus scheinbar harmlosen Daten einen gigantischen Überwachungspool erstellen. Das Rechtssystem käme der technologischen Entwicklung nicht hinterher. Nachdem sich Anthropic weigerte, seine KI für alle „rechtmäßigen Verwendungszwecke“ freizugeben, stufte die US-Administration das Unternehmen als Sicherheitsrisiko ein und untersagte Behörden die Nutzung.
  • Nur wenige Stunden nachdem das Pentagon angekündigt hatte, Anthropic zu verbannen, gab OpenAI eine Vereinbarung zur militärischen Nutzung von ChatGPT bekannt. Während Anthropic ankündigte, Klage einzureichen, soll der KI-Chatbot Claude des Unternehmens unterstützend bei den US-Militärschlägen im Iran zum Einsatz gekommen sein. Dem Pentagon zufolge basiere die Entscheidung auf einer Übergangsvereinbarung mit Anthropic.

OpenAI vertickt ChatGPT ans US-Militär

Laut OpenAI beinhaltet die Vereinbarung zur Freigabe der hauseigenen KI-Modelle für das Verteidigungsministerium und US-Militär mehr Schutzmaßnahmen als der Deal mit Anthropic. Allerdings untersagt der Vertrag weder eine militärische Nutzung noch eine Nutzung zur Massenüberwachung.

Er sieht lediglich vor, dass die KI-Modelle des Unternehmens im Einklang mit dem Rechtssystem und der Verfassung genutzt werden. Und genau hier liegt das Problem. Denn dass es die Trump-Administration mit dem Rechtssystem nicht so genau nimmt, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Unliebsame Richter werden etwa abgesägt, Gerichtsurteile ignoriert und das Gesetz wird stets zum eigenen Vorteil ausgelegt, nicht aber zugunsten der Vereinigten Staaten und der gesamten Bevölkerung.

Vor allem die fadenscheinige Rechtsauslegung des Trump-Lagers sowie die Tatsache, dass die Gesetzgebung und Justiz der technologischen Entwicklung rund um KI nicht hinterherkommt, sind die wahren Beweggründe für den Anthropic-Protest.

OpenAI scheint sich derweil blauäugig auf die Versprechen einer Regierung zu verlassen, die schon allzu häufig ihre Versprechen gebrochen hat – und zwar allem Anschein nach aus finanziellen statt moralischen Gründen.

Stimmen

  • US-Präsident Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social zur Verbannung der Anthropic-KI: „Die Vereinigten Staaten von Amerika werden niemals zulassen, dass eine radikal linke, woke Firma uns vorschreibt, wie unsere großartige Armee Kriege führt und gewinnt. Diese Entscheidung liegt bei ihrem Oberbefehlshaber. Die linken Spinner bei Anthropic haben einen katastrophalen Fehler begangen, indem sie versucht haben, das Kriegsministerium unter Druck zu setzen und es zu zwingen, sich an ihre Nutzungsbedingungen statt an unsere Verfassung zu halten.“
  • OpenAI-Chef Sam Altman in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Heute haben wir mit dem Kriegsministerium eine Vereinbarung getroffen, unsere Modelle in ihrem geheimen Netzwerk einzusetzen. Die Sicherheit von KI und die Verteilung sind Kern unserer Mission. Zwei unserer wichtigsten Sicherheitsprinzipien sind das Verbot der Massenüberwachung im Inland und menschliche Verantwortung für die Anwendung von Gewalt, auch bei autonomen Waffensystemen. Das Kriegsministerium stimmt diesen Grundsätzen zu und spiegelt sie in Gesetzen und Richtlinien wider.“
  • Anthropic-Gründer Dario Amodei hat auf die Einstufung seines Unternehmens als Sicherheitsrisiko reagiert. In einem Interview mit CBS spricht er von einem beispiellosen Vorgang: „Diese Einstufung hat es noch nie zuvor bei einem amerikanischen Unternehmen gegeben. Und ich denke, es wurde in einigen ihrer Erklärungen, in ihrer Wortwahl, sehr deutlich, dass dies vergeltend und strafend war. Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung sind das Amerikanischste auf der Welt.“

OpenAI droht Imageschaden

Die Entscheidung, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten, könnte OpenAI teuer zu stehen kommen. Denn bereits nachdem bekannt wurde, dass die KI-Modelle von Anthropic bei der Entführung des venezolanischen Diktators Maduro zum Einsatz kamen, erlitt der Konkurrent einen Imageschaden.

Ob die Intervention des US-Militärs in Venezuela im Einklang mit der Verfassung war, steht aber noch in Frage. Eigentlich hätte dieser Fall OpenAI ein lehrendes Beispiel sein können. Doch stattdessen vertraut man blind den Versprechen der US-Administration. Offenbar vor allem deshalb, weil OpenAI nach wie vor defizitär ist und händeringend nach Geldgebern sucht.

Falls dem Unternehmen jedoch ein Anthropic-Moment wie in Venezuela ereilen sollte, könnte die Nutzerbasis erheblich bröckeln – sofern sie das nicht ohnehin schon tut. Denn bereits nachdem bekannt wurde, dass die KI-Modelle von OpenAI von der höchst umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE genutzt wurden, flammte eine Protestwelle auf.

Unter dem Hashtag QuitGPT wurden Nutzer dazu aufgefordert, ihr ChatGPT-Abo zu kündigen und die Plattform nicht mehr zu nutzen. Aufgrund des neuen Deals mit dem Pentagon keimt dieser Protest nun weiter aus.

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Solar-Förderstopp: Lobby-Ministerin plant Geschenk für Ex-Arbeitgeber E.ON

02. März 2026 um 11:00

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Solar Förderung Stopp Reiche Solaranlagen Einspeisevergütung

Das Bundeswirtschaftsministerium will unter der Leitung von Ministerin Katharina Reiche (CDU) die Förderung für kleine Solaranlagen auf Hausdächern abschaffen. Das Vorhaben würde nicht nur vielen Verbrauchern Steine in den Weg legen, sondern auch der deutschen Wirtschaft und dem Klimaschutz schaden. Eine kommentierende Analyse.

Wirtschaftsministerium will Förderung von Solaranlagen stoppen

  • Das Bundeswirtschaftsministerium will die Förderung für neue, kleine Solaranlagen einstellen. Das geht aus einem aktuellen Arbeitsentwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) umkrempeln soll. Vor allem kleine Solaranlagen seien demnach bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich, da die Anschaffungskosten gesunken sind. Geht es nach dem Wirtschaftsministerium, soll es künftig keine Förderung für Anlagen unter 25 Kilowatt installierter Leistung mehr geben.
  • Bisher erhielten private Betreiber von Solaranlagen als Förderung zwischen 6,73 und 12,34 Cent pro Kilowattstunde erzeugtem Strom. Diese Vergütung soll gestrichen werden. Netzbetreiber müssten sich zudem nicht mehr verpflichten, Strom abzunehmen. Anlagenbetreiber sollen stattdessen selbst einen Abnehmer suchen und mindestens 50 Prozent des erzeugten Stroms verbrauchen. Für Solaranlagen mit weniger als sieben Kilowatt installierter Leistung würde ein intelligenter Stromzähler bis Ende 2028 Pflichtauflage werden.
  • Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft würden sich nur noch 40 Prozent der 1.048 befragten Immobilienbesitzer eine Solaranlage kaufen, falls die Förderung gestrichen wird. Dem Verband zufolge ist die Nachfrage für Solaranlagen im Heimsegment seit zwei Jahren stark rückläufig.

Keine Politik im Sinne der deutschen Wirtschaft

Wer ab März 2026 noch behauptet, dass die Bundesregierung mit Blick auf die europäischen Klimaschutzziele, an denen sie nach wie vor festhält, noch auf Kurs ist, der verdrängt die Realität. Denn: Studien zufolge stand die anvisierte Klimaneutralität bereits zuvor auf der Kippe.

Doch nun will Lobbyismus-Ministerin Katherina Reiche die Förderung von Solaranlagen auf Hausdächern streichen, Öl- und Gasheizungen wieder erlauben und den Solar- und Windkraftausbau sogar teilweise stoppen. Damit – man muss es leider so hart sagen – macht Reiche keine Politik im Sinne der deutschen Wirtschaft, sondern im Sinne der Fossil-Lobby und Großkonzerne, die ihre Geschäftsmodelle lieber konservieren als transferieren wollen.

Zugegeben: Es ist nicht alles nachhaltig, was grün glänzt. Das Stromsystem ächzt im Sommer etwa in der Mittagssonne. Es braucht einen gewissen Anteil an Gaskraftwerken als Reserve. Und ja: Die Förderlandschaft ist komplex und sollte auch entsprechend der Realität angepasst werden. Aber zwischen Reform und Kahlschlag liegt ein Unterschied.

Denn wer die Vergütung streicht, die Abnahmeverpflichtung kippt, 50 Prozent Eigenverbrauch vorschreibt und zusätzlich Smart-Meter-Pflichten auflädt, baut keine Brücke ins neue Energiesystem, sondern eine Mauer. Hinzu kommt, dass der Nutzen dezentraler Solarenergie nicht im Vorgarten endet.

Jedes eingespeiste Sonnenkilowatt kommt nämlich in Form von nachhaltigem und günstigem Strom der Allgemeinheit zugute, reduziert Importe, stärkt die Versorgungssouveränität und dämpft langfristig die Preise. Doch statt Netzbetreiber stärker in die Verantwortung zu nehmen und Flexibilität intelligent zu organisieren, werden Bürgern und kleinen sowie mittelständischen Betrieben Steine in den Weg gelegt.

Stimmen

  • Im geleakten Entwurf zur geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes heißt es: „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist das zentrale Instrument, um eine treibhausgasneutrale Stromversorgung auf Basis eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien zu erreichen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll stetig, kosteneffizient, umweltverträglich und netzverträglich erfolgen. Das EEG bedarf aus einer Reihe von Gründen einer grundlegenden Neuordnung.“
  • Verena Fluri, Expertin für Energiewirtschaft am Fraunhofer Institut und Autorin einer Studie zur Direktvermarktung von kleinen PV-Anlagen erläutert: „Unsere Studie zeigt, dass die Prozesse in der Direktvermarktung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht reif für eine großskalige Nutzung im PV-Eigenheimsegment sind. Ein Wechsel in die Direktvermarktung würde die Wirtschaftlichkeit von PV-Kleinanlagen deutlich verschlechtern und viele neue Anlagen unwirtschaftlich machen.“
  • Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), in einem Statement: „Dieser EEG-Entwurf ist ein beispielloser Angriff auf die Bürgerenergie und ein Geschenk an die fossile Lobby. Die Bundesregierung verabschiedet sich damit faktisch von ihren eigenen Klimazielen. Statt den Solarausbau auf Millionen Dächern massiv zu beschleunigen, werden private Anlagen finanziell ausgetrocknet, in eine realitätsferne Direktvermarktung gezwungen und durch zusätzliche Auflagen unrentabel gemacht.“

Solar-Förderstopp würde Arbeitsplätze gefährden

Sollte die geplante Reform Realität werden, droht der Solarausbau im Eigenheimsegment weiter einzubrechen. Ohne Vergütung und mit unsicherer Direktvermarktung könnte aus Zurückhaltung ein Stillstand werden. Damit gerät nicht nur das Ausbauziel ins Wanken, sondern auch das Versprechen, Klimaschutz als Gemeinschaftsprojekt zu denken – mit potenziell teuren Folgen bis hin zu EU-Strafzahlungen.

Auch ökonomisch ist der Kurs riskant. Denn: Wenn weniger günstiger Solarstrom ins Netz eingespeist wird, steigt zwangsläufig der Anteil teurerer Kohle- und Gaskraft – und damit der Druck auf die Strompreise. Zwar sollen größere Anlagen weiter gefördert werden. Davon würden aber vor allem Großkonzerne wie E.ON (Ex-Arbeitgeber von Katherina Reiche) und RWE profitieren. Doch eine Energiewende, die sich auf Freiflächenparks verengt, verteuert Netzausbau und Verteilung, während Bürgerstrom vor Ort ungenutzt bleibt.

Hinzu kommt der arbeitsmarktpolitische Faktor: Rund 100.000 Menschen arbeiten in der Solarbranche. Wenn das Dachgeschäft einbricht, geraten Handwerksbetriebe, Planer und Zulieferer unter Druck. Tausende Arbeitsplätze stünden in Gefahr. Ja, Module sind günstiger geworden und rechnen sich mancherorts auch ohne Förderung. Aber ohne klare Anreize und faire Marktbedingungen wird der technologische Fortschritt ausgebremst.

Kurzum: Es ist zwar richtig, dass Solaranlagen besser in das Stromsystem integriert werden müssen. Der Entwurf sieht dafür aber schlichtweg keine Anreize vor. Statt die Netzbetreiber in die Pflicht zu nehmen und es privaten Erzeugern zu ermöglichen, ihren Strom selbst und direkt zu vermarkten, stellt man sich hin und predigt Klimaschutz, nimmt aber in Kauf, dass die Abhängigkeiten von Kohle und Öl bestehen bleiben. Was für ein verlogener Irrsinn!

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Kamera-Brillen mit Gesichtserkennung: Wie Meta Menschen gläsern machen will

27. Februar 2026 um 11:00

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Meta Mark Zuckerberg Kamera-Brillen Gesichtserkennung Smart Glases

Berichten zufolge will Facebook-Konzern Meta eine Gesichtserkennungsfunktion in seine Kamera-Brillen einbauen. Die Idee: Die Smart Glasses des Unternehmens sollen etwa Menschen auf der Straße erfassen und mit einer Datenbank abgleichen, um sie zu identifizieren. Oder kurzum: Meta bastelt an einem gigantischen biometrischen Überwachungstool, um Menschen gläsern zu machen. Eine kommentierende Analyse.

Meta will Gesichtserkennungsfunktion in Kamera-Brillen einbauen

  • Wie die New York Times unter Berufung auf ein internes Meta-Dokument berichtet, könnte das Unternehmen seine Kamera-Brillen noch in diesem Jahr mit einer Gesichtserkennungsfunktion ausstatten. Dem Papier zufolge hätte es bereits vor Jahren entsprechende Pläne gegeben. Nun sieht das Unternehmen aber offenbar einen guten Zeitpunkt, um diese umzusetzen. Die Smart Glasses von Meta laufen unter den Marken Ray Ban und Oakley. Sie haben Kamera, Mikrofon und Lautsprecher und sind auch in Europa erhältlich. Zuletzt präsentierte das Unternehmen eine Brille, die Informationen auf einem kleinen Display im Glas einblenden kann.
  • Der anfängliche Plan sah vor, zunächst Kamera-Brillen mit Gesichtserkennung für Sehbehinderte zugänglich zu machen. Das aktuelle Vorhaben geht offenbar weit darüber hinaus. Die Smart Glasses von Meta sollen Gesichter per Kamera erfassen und mit einer Datenbank abgleichen – entweder mit den eigenen Social-Media-Kontakten oder öffentlichen Profilen. Harvard-Studenten demonstrierten bereits im vergangenen Jahr, dass dies möglich ist. Meta arbeitet jedoch an einer Lösung, die ohne externe Tools direkt auf die eigenen Plattformen wie Instagram und Facebook zugreifen soll.
  • Der Facebook-Konzern musste eine ähnliche Gesichtserkennungsfunktion, die Plattformnutzer automatisch in Fotos kennzeichnete, aufgrund von Datenschutz-Kritik vor einigen Jahren einstellen. Die US-Justiz verdonnerte das Unternehmen damals zu einer Milliardenstrafe. Hintergrund war, dass Meta im großen Stil biometrische Daten ohne Zustimmung erfasst hat. Die neue Funktion soll es jedoch nicht erlauben, jede beliebige Person zu identifizieren, sondern Nutzer der Meta-Plattformen.

Ein gigantisches Überwachungsinstrument

Dass Meta-Chef Mark Zuckerberg erneut an der Gesichtserkennungsschraube dreht, ist kein technischer Zufall, sondern strategisches Kalkül. Denn was wie Science-Fiction klingt, ist längst marktreif – und politisch offenbar gut getimt. Während Wahlkämpfe und Weltkrisen die Schlagzeilen dominieren, testet das Unternehmen klammheimlich ein gigantisches Überwachungsinstrument und die Grenzen des Datenschutzes.

Doch während Meta die Gesichtserkennung über seine Kamera-Brillen als Funktion verkauft, läuft im Hintergrund ein Testlauf für eine permanente biometrische Überwachung. Die Strategie ist jedoch durchschaubar. Denn der Facebook-Konzern will diese brandgefährliche Technologie offenbar zunächst unter einem gesellschaftsdienlichen Vorwand auf dem Markt etablieren.

Doch eine Hilfe für Sehbehinderte könnte schnell zu einem Abgleich mit Social-Media-Kontakten und am Ende womöglich einer Erfassung jedes öffentlichen Profils eskalieren. Die unbequeme Wahrheit lautet deshalb: Sobald eine Funktion zur Gesichtserkennung in Alltagsbrillen steckt, gibt es kaum mehr ein Zurück.

Die Vision von Mark Zuckerberg ist zwar, dass eine KI durch Millionen Augen auf Millionen Gesichter blickt. Doch es obliegt auch potenziellen Nutzern, eine solche Überwachungsinfrastruktur zu verhindern. Denn im schlimmsten Fall könnte auch das letzte Privatsphäre-Zugeständnis verschwinden, sobald die Akzeptanz steigt – nämlich die LED-Anzeige, die zeigt, wann die Brillen aufnehmen.

Stimmen

  • Im internen Meta-Dokument, das der New York Times (€) vorliegt, heißt es zur geplanten Gesichtserkennungsfunktion unter anderem: „Wir werden in einem dynamischen politischen Umfeld starten, in dem viele zivilgesellschaftliche Gruppen, von denen wir erwarten würden, dass sie uns angreifen, ihre Ressourcen auf andere Belange konzentrieren werden.“ Eine Unternehmenssprecherin gegenüber Business Insider (€): „Obwohl wir häufig von Interesse an dieser Art von Funktion hören – und es bereits einige Produkte auf dem Markt gibt –, prüfen wir noch verschiedene Optionen und werden einen wohlüberlegten Ansatz wählen.“
  • Alexandra Reeve Givens, CEO des Center for Democracy & Technology, gegenüber Straight Arrow News: „Der Einsatz dieser Art von Gesichtserkennungstechnologie wird zu einem Albtraum für den Datenschutz und die Überwachung werden. Die Menschen sollten sich nicht verstecken und ausweichen müssen, um nicht überwacht zu werden. Diese Systeme stellen eine echte Bedrohung dar. Personen an sensiblen Orten – sei es in einer Arztpraxis, einem Nachtclub oder einer Kultstätte – sollten keine Angst haben müssen, heimlich gescannt und identifiziert zu werden.“
  • Das Electronic Privacy Information Center (EPIC) in einer Mitteilung an die Federal Trade Commission, eine unabhängige Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbehörde in den USA: „Diese Funktion würde ein ernsthaftes Risiko für die Privatsphäre, die Sicherheit und die bürgerlichen Freiheiten darstellen und der Öffentlichkeit weitreichenden Schaden zufügen. Sie darf nicht auf den Markt kommen. Diese Funktion würde sich leicht missbrauchen lassen und Amerikaner dem Risiko von Stalking, Belästigung, Doxxing und Schlimmerem aussetzen.“

Auf dem Weg zum Überwachungsstaat?

In Europa setzt die Datenschutz-Grundverordnung regulatorische Bollwerke auf biometrische Datensammler wie Meta. Denn Unternehmen müssen hierzulande etwa Nutzereinwilligungen einholen und eine Zweckbindung nachweisen – und das ist auch gut so.

In den USA sieht die Lage anders aus. Spätestens seit der zweiten Trump-Administration spielen Regulationen für Big Tech in den Vereinigten Staaten eine immer geringere Rolle. Heißt konkret: Die Plattformen können nicht nur nahezu alles machen, was sie wollen. Ihre Technologien werden teilweise sogar von der Regierung selbst genutzt beziehungsweise missbraucht.

Die US-Administration droht dem KI-Unternehmen Anthropic aktuell etwa mit Repressionen, sollte es seine KI-Software nicht für das US-Militär und die zivile Überwachung freigeben. Das Erschreckende an den Meta-Plänen ist derweil, dass die Technologie bereits funktioniert.

Sie könnte die USA in einen nie dagewesenen Überwachungsstaat verwandeln, sollte die Regierung die Daten kapern. Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn Hacker sie erbeuten. Oder von dem, was Meta selbst damit anstellt.

Denn über seine Kamera-Brillen kann das Unternehmen theoretisch jede Begegnung, jedes Gespräch oder sogar gesamte Tagesabläufe aufzeichnen. Glücklicherweise entscheiden letztlich aber die Gesellschaft und Nutzer, ob sie sich einer solchen Technologie hingeben wollen.

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Bund grillt Heizungsgesetz – und regiert an der Realität vorbei

26. Februar 2026 um 11:00

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Heizungsgesetz Gebäudeenergiegesetz

Union und SPD haben sich in einem Eckpunktepapier auf eine Lockerung des sogenannten Heizungsgesetzes geeinigt. Demnach sollen alle Heizungsarten erlaubt bleiben – auch Öl und Gas. Die Förderung für Wärmepumpen würde aber bis 2029 bestehen bleiben. Mit Blick auf das Bundes-Klimaschutzgesetz sowie EU-Vorgaben steht das Vorhaben dennoch auf wackeligen Füßen. Eine kommentierende Analyse.

Heizungsgesetz: Alle Heizungen bald wieder erlaubt

  • Strenggenommen gibt es gar kein Heizungsgesetz in Deutschland. Der Begriff wird oft aber synonym zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) verwendet. Es wurde 2020 vom vierten Merkel-Kabinett verabschiedet. Wenn von einer Abschaffung des Heizungsgesetzes die Rede ist, ist meist Paragraf 71 gemeint – also nur ein kleiner Teil des GEG. Er schreibt vor, dass eine neue Heizung mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einbinden muss.
  • Die GEG-Novelle, die als Heizungsgesetz bekannt ist, war von Anfang an umstritten. Der Grund: mangelnde Kommunikation. Einerseits zwischen den damaligen Koalitionspartnern der Ampelregierung. Andererseits aufgrund inhaltlicher Mängel und Widersprüche. Auch zahlreiche Medien haben zur Verunsicherung beigetragen. Viele glaubten etwa, dass sie ihre Heizung sofort gegen eine Wärmepumpe austauschen müssten, obwohl das nie vorgesehen war.
  • Die Union hat das sogenannte Heizungsgesetz zu einem Wahlkampfthema gemacht. Obwohl viele Handwerker sowie Heizungsbauer dagegen sind, wollen vor allem CDU/CSU es abschaffen. Laut der neuen Kompromiss-Regelung, auf die sich die Fraktionschefs von Union und SPD geeinigt haben, soll die Vorgabe, neue Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien zu betreiben, gestrichen werden. Heißt konkret: Auch Öl- und Gasheizungen wären wieder erlaubt, müssten aber mit einem soplenden Anteil klimafreundlicher Kraftstoffe betrieben werden (mindestens zehn Prozent ab 2029). Die Förderung für einen Austausch alter Heizungen durch eine Wärmepumpe soll bestehen bleiben.

Ein Geschenk an die Fossil-Lobby

Die geplanten Änderungen des Gebäudeenergiegesetzes könnten im Idealfall ein Tropfen auf dem heißen Stein der Fossil-Lobby sein. Denn Wärmepumpen sind in vielen Fällen deutlich effizienter und kostengünstiger als Öl- und Gasheizungen – vor allem langfristig. Das liegt einerseits an sinkenden Strompreisen und weniger Abhängigkeiten. Andererseits, weil Wärmepumpen schlichtweg immer effizienter werden.

Die Aufregung rund um die Debatte scheint hier und da deshalb durchaus übertrieben. Doch sie ist nachvollziehbar. Denn die Regierung sendet irreführende Signale, anstatt Aufklärungsarbeit zu leisten. Sollten Verbraucher, für die eine Wärmepumpe eigentlich die sinnvollere Lösung wäre, darauf hereinfallen, könnte das doppelten Schaden anrichten. Nämlich: für das Klima und für ihr Portemonnaie.

Denn: Der Zickzackkurs der deutschen Politik verunsichert nicht nur, sondern ermutigt Verbraucher mitunter zum Einbau neuer Öl- und Gasheizungen. Zugegeben: Auch diese sind effizienter geworden und können in Einzelfällen sogar die sinnvollere Wahl sein. Doch: Wer aufgrund eines populistischen Wahlversprechens die 65-Prozent-Regel streicht, verabschiedet sich von den europaweiten Klimazielen – zumal der Gebäudesektor nach wie vor einer der größten CO2-Emittenten ist.

Sollte das geplante Geschenk an die Öl- und Gaslobby die berechtigten Befürchtungen bestätigen, drohen nicht nur Verbrauchern hohe Kosten, sondern auch dem Bundeshaushalt. Nämlich dann, wenn die EU aufgrund einer Nichteinhaltung der europäischen Klimaschutzziele mit Bußgeldern sanktioniert.

Besonders verheerend wäre dann auch die soziale Dimension: Millionen Mieter würden an teure Öl- und Gasheizungen gefesselt, ohne selbst entscheiden zu können. Denn letztlich müssten sie die Kosten dafür tragen, dass sich die Fossil-Lobby wieder einmal durch soplende Interessen durchgesetzt hat und die Regierung an der Realität vorbeiregiert.

Stimmen

  • Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) bei der Präsentation des neuen Eckpunktepapiers: „Alle Heizungsarten sind wieder möglich. Das neue Gebäudeenergiegesetz wird technologieoffener, flexibler, praxistauglicher, einfacher. Die überbürokratisierenden Paragrafen 71 bis 71p und Paragraf 72 werden gestrichen. Die 65-Prozent-Vorgabe fällt weg und die Beratungspflicht beim Heizungstausch wird abgeschafft. Eigentümer entscheiden wieder. Wir fördern weiter den Heizungsaustausch. Die Finanzierung ist bis mindestens 2029 sichergestellt.“
  • Martin Sabel, Chef vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP), warnt: „Laut verschiedener Rechtsgutachten muss das Gebäudemodernisierungsgesetz eine hinsichtlich Klimaschutz und Erneuerbarer-Wärme-Ausbau genauso hohe Wirksamkeit entfalten wie sein Vorgänger. Die Ankündigung einer Grüngasquote und einer begleitenden Grüngastreppe für soplende Geräte erscheint nicht geeignet, den Klimaschutz zu erreichen. Dies führt im Umkehrschluss zu einer immanenten Rechtsunsicherheit, ob die angekündigten gesetzlichen Regelungen nachhaltig Bestand haben werden.“
  • Kassem Taher Saleh, baupolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, gegenüber dem RND: „Ohne die 65-Prozent-Regel werden wir unsere Klimaziele deutlich verfehlen. Wir machen uns weiter abhängig von fossilem Öl und Gas – auch von autokratischen Staaten. Am Ende zahlen die Bürgerinnen und Bürger für die steigenden Kosten. Grüne Gase werden auf absehbare Zeit knapp und teuer bleiben. Das ist kein Schutz für Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern ein Geschenk an die Gaslobby.“

Änderungen am Heizungsgesetz: Politik sendet falsche Signale

Union und SPD wollen bis Ostern einen detaillierten Gesetzesentwurf vorlegen und diesen vor dem 1. Juli 2026 verabschieden. Hintergrund ist, dass Union und SPD im Koalitionsvertrag eine weitreichende Überarbeitung des Heizungsgesetzes vereinbart hatten.

Das Problem: Im aktuellen Eckpunktepapier steht viel Quatsch. Die Pläne der Bundesregierung schrammen an der Realität vorbei. Denn: Nachdem der Wärmepumpenmarkt in Schwung gekommen ist – auch weil die Anlagen immer effizienter, klimafreundlicher und sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb günstiger werden –, sendet das Vorhaben völlig falsche Signale.

Einerseits, weil es absolut durchsichtig ausschließlich fossilen Lobbyinteressen dient. Andererseits, weil es sowohl Verbraucher als auch Heizungsbauer verunsichert und Zweifel sät. Fans von Öl- und Gasheizungen wird zudem der Eindruck vermittelt, sie könnten künftig auf klimafreundliche Brennstoffe umstellen. Dahinter steht jedoch nicht nur ein großes, sondern vor allem ein teures Fragezeichen.

Zugegeben: Die geplanten Änderungen des Gebäudeenergiegesetzes werden nicht den Untergang des Abendlandes herbeiführen. Letztlich entscheiden nämlich Haus- und Immobilienbesitzer. Auch die meisten Heizungsbauer, die umgesattelt haben, dürften nicht wieder in alte Muster verfallen – zumal Wärmepumpen weiterhin gefördert werden.

Dennoch hat die Fossil-Lobby wieder einmal ihre Interessen durchgesetzt, worunter im schlimmsten Fall nicht nur viele Verbraucher leiden könnten, sondern auch das Klima. Denn für Menschen, die sich aufgrund der sowohl irreführenden als auch falschen Signale für eine Öl- oder Gasheizung entscheiden sollten, könnte dies teuer zu stehen kommen.

Einerseits, weil internationale Konflikte und geopolitische Abhängigkeiten die Öl- und Gaspreise in die Höhe treiben können. Andererseits, weil die vermeintlich nachhaltigen Kraftstoffe, die beigemischt werden sollen, teuer sind. Fossile Heizungen wären damit etwas für Reiche.

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Wenn Lügen laufen lernen: So kannst du KI-Videos erkennen

25. Februar 2026 um 11:00

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KI-Videos erkennen Deepfakes Künstliche Intelligenz

Ob auf YouTube, Instagram, Facebook oder TikTok: Im Netz kursieren immer mehr KI-Inhalte und Deepfakes – auch, weil viele Nutzer diese unbedarft teilen. Doch trotz des rasanten Fortschritts im KI-Bereich und zunehmender manipulativer Inhalte gibt es einige Stellschrauben, um KI-Inhalte zu erkennen. Es muss nur ein Umdenken stattfinden. Eine kommentierende Analyse. 

KI-Videos erkennen

  • Immer mehr KI-generierte Videos fluten das Internet. Das gilt nicht nur für digitale Medien, sondern vor allem für Portale wie YouTube, von wo aus solche Clips weiterverbreitet werden. Das Problem: Statt handgemachter Unterhaltung, nerdigen Inhalten oder hochwertigen Dokumentationen landen immer mehr KI-Schrott und Fake-Videos im Netz. Oder kurzum: Inhalte, die nur darauf abzielen, Klicks zu erzielen oder manipulative Inhalte zu verbreiten.
  • Die viel größere Gefahr geht dabei von sogenannten Deepfakes aus. Das sind Audio- und Videoaufnahmen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Gesichter und Personen können so beispielsweise ausgetauscht oder in andere Aufnahmen eingefügt werden. Vor allem Logik- oder Bildfehler können jedoch (noch) auf Deepfakes hinweisen. Darunter: unscharfe Stellen, merkwürdige Proportionen oder ein unpassender Kontext.
  • Aufgrund der rasanten Fortschritte in der KI-Branche wird es immer schwieriger, Bilder und Videos zu erkennen, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden. KI-Tools wie Sora oder Seedance sind mittlerweile etwa in der Lage, Fake-Videos zu generieren, die sich von echten Inhalten kaum mehr unterscheiden lassen. Doch es gibt mittlerweile Websites, die dabei helfen können, manipulierte Aufnahmen zu erkennen. Plattformen wie DeepFake-o-meter oder UNITE analysieren beispielsweise hochgeladene Videos und können gefälschte oder irreführende Aufnahmen entlarven.

Ein Umdenken muss stattfinden

Zwischen Katzenclips und Kanzlerreden verschwimmen im Netz aktuell die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion – und zwar mehr denn je. Einst war die Demokratisierung der Bildproduktion noch ein Versprechen. Nun ist sie ein Risiko. Denn wenn fast jeder mit wenigen Klicks täuschend echte Bilder und Videos erzeugen kann, verschiebt sich die Beweislast.

Nicht mehr der Fälscher muss überzeugen, sondern der Zweifelnde widerlegen. KI ist dann jedoch kein Werkzeug mehr, sondern ein Machtfaktor. In den Händen von Populisten ist sie ein zusätzliches Megafon zu ohnehin schon irreführenden Inhalten. In den Händen von Betrügern ist sie ein Chamäleon.

Beunruhigend ist dabei weniger die Existenz manipulierter KI-Inhalte, sondern vielmehr ihre Normalisierung. Wenn etwa selbst professionelle Redaktionen ins Straucheln geraten, offenbart das ein strukturelles Problem. Denn Geschwindigkeit schlägt leider allzu häufig Sorgfalt und Emotionalität schlägt Einordnung.

Heißt konkret: Wer heutzutage Inhalte veröffentlicht, konkurriert mit Algorithmen und übernimmt deren Tempo und das anderer Nutzer oder Medien. Aus Klickgeilheit verlieren dabei sowohl der Journalismus als auch die digitale Gesellschaft ihren Kompass. Dabei sind die Gegenmittel, um KI-Videos zu erkennen, weder neu noch geheim.

Es muss schlichtweg ein Umdenken stattfinden. Oder kurzum: Quellen prüfen, Kontext suchen, Bilder auf Logikbrüche abklopfen und Überprüfungstools nutzen. Skepsis ist aber nicht und darf nicht als Miesmacherei gelten, sondern als digitale Hygiene. Denn: Vertrauen ist gut. Gegencheck ist spätestens 2026 aber viel besser.

Stimmen

  • Andreas Dengel, Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), in einem Interview mit SWR Aktuell: „In den letzten Jahren haben sich die Tools stark verbessert, dass man kaum mehr einen Unterschied erkennen kann. Bei Videos kann man eher Auffälligkeiten entdecken: etwa unsaubere Übergänge oder fehlerhafte Schriftzüge. Wenn im Hintergrund ein Ladenname falsch geschrieben ist oder der Text keinen Sinn ergibt, ist das oft ein Hinweis. Im digitalen Raum ist KI sehr gefährlich, indem sie gezielt zur Manipulation eingesetzt wird. Bilder und Videos werden millionenfach verbreitet, um Menschen zu manipulieren.“
  • Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) gegenüber Deutschlandfunk: „Neben dem unsäglichen Thema dieser Deepfakes werden wir uns massiv mit Themen beschäftigen müssen, wenn eine KI scheinbare Informationen entwickelt. Wo sind die Fakten? Basiert das auf Quellen? Oder ist das einfach künstlich generiert? Wenn wir Bilder haben, die es so in der Realität nie gab, aber etwas so etwas suggerieren, was ist dann eigentlich wahr oder nicht wahr? Natürlich haben wir immer Dinge modifiziert, Bilder, Filme, künstlich animiert. Aber der Unterschied ist, die hatten immer einen wahren Kern.“
  • KI-Experte Rafael Bujotzek hat in einem Interview mit SWR3 einige Tipps parat, die zunächst banal erscheinen mögen, aber leider nur selten beherzigt werden: „Überprüft immer, ob Inhalte echt sind, bevor ihr sie mit anderen teilt! Sonst werdet ihr selbst zum Brandbeschleuniger für derartige Waffen. Ich muss mich aus dieser zurückgelehnten Berieselungshaltung rausnehmen und mich nach vorne lehnen, richtig auf das Bild oder Video gucken. Man kann es nicht schnell erkennen. Und schon gar nicht auf einem kleinen Handybildschirm. Das wichtigste Tool bei KI-Videos: dein Kopf.“

KI-Videos erkennen: Kennzeichnungspflichten und Transparenzregeln

Die aktuelle technologische Entwicklung verspricht zwar Lösungen, um KI-Bilder und -Videos zu erkennen, wird das Problem aber nicht entschärfen, sondern vielmehr zuspitzen. Denn je perfekter KI-Inhalte generiert werden, desto mehr verschiebt sich der Kampf von der Oberfläche in die Tiefe.

Und zwar weg von Pixel-Fehlern und hin zur inhaltlichen Manipulation. Künftig wird es deshalb weniger entscheidend sein, ob ein Video künstlich ist, sondern ob es gezielt täuschen soll. Sowohl die digitalen Medien als auch KI-Anbieter und die Politik stehen deshalb in der Pflicht.

Heißt: Es braucht Kennzeichnungspflichten und Transparenzregeln. Der europäische AI Act sieht diese zwar bereits vor, doch er darf nicht zu einem bürokratischen Feigenblatt verkommen. Denn wenn Regulierung Wirkung entfalten soll, muss sie durchgesetzt, kontrolliert und notfalls sanktioniert werden.

Letztlich ist aber vor allem das Nutzerverhalten entscheidend. Will heißen: „Erst denken, dann klicken“ sollte und muss das gleichzeitig simple wie effektive, aber dennoch selten umgesetzte Motto lauten. Denn die größte Gefahr sind nicht KI-generierte Inhalte, sondern echte Empörung auf Grundlage von Fakes.

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Digitaler Hausarrest: Ein Social-Media-Verbot löst die Probleme nicht

24. Februar 2026 um 11:00

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Social Media Verbot Kinder Jugendliche CDU

Nach der SPD hat sich nun auch ihr Koalitionspartner CDU für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren ausgesprochen. Doch: Wie realistisch ist ein solches Vorhaben überhaupt? Wie schnell ließe es sich umsetzen? Und: Wäre ein solches Verbot wirklich effektiv? Eine kommentierende Analyse.

CDU will Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren

  • Die CDU hat auf ihrem 38. Parteitag in Stuttgart einen Antrag beschlossen, der ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren vorsieht. Hintergrund ist ein Vorstoß des Landesverbandes Schleswig-Holstein, der zunächst sogar eine pauschale Einschränkung für Minderjährige unter 16 Jahren forderte. Laut einer überarbeiteten und nun beschlossenen Fassung sollen Plattformbetreiber Altersverifikationssysteme einführen. Bei Verstößen würden „empfindliche Bußgelder“ drohen. Die CDU strebt zudem einheitliche Maßnahmen auf EU-Ebene an.
  • Der aktuelle Plan sieht eine Altersabstufung vor. Bis zu einem Alter von 14 Jahren soll für Kinder ein generelles Social-Media-Verbot gelten. 14- bis 16-Jährige dürften nur spezielle Jugendversionen nutzen, die etwa auf jugendfreundlichen und transparenten Algorithmen basieren. Jugendliche ab 16 Jahren sollen dann uneingeschränkten Zugriff erhalten. Eine von der Bundesregierung beauftragte Expertenkommission soll im Sommer 2026 konkrete Empfehlungen vorlegen. SPD und Grüne begrüßen die Pläne der CDU in großen Teilen. Innerhalb der CSU herrscht Uneinigkeit.
  • In vielen Ländern weltweit wird derzeit über ein Social-Media-Verbot für Kinder diskutiert. Australien hatte Ende 2025 als erste Nation der Welt ein Verbot eingeführt. Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren haben dort keinen Zugang zu digitalen Medien wie Instagram, Facebook oder TikTok – zumindest in der Theorie. Reine Kommunikationsplattformen wie WhatsApp sind vom australischen Verbot ausgenommen. Länder wie Frankreich, Spanien und Großbritannien diskutieren über vergleichbare Maßnahmen.

Ein pauschales Verbot verschiebt das Problem, löst es aber nicht

Australien zeigt, wie schwierig die Umsetzung eines pauschalen Social-Media-Verbots sein kann. Denn was für unter 16-Jährige auf dem Papier konsequent wirkt, entpuppte sich dort bereits als so löchrig wie ein Schweizer Käse. Denn anstatt eine sichere Medienkompetenz zu entwickeln, lernen viele australische Teenager bereits Umgehungstricks, etwa über VPN-Dienste oder die Altersverifikation über ältere Freunde.

Hinzu kommt ein gewisser Reiz des Verbotenen und dass es bislang kaum wissenschaftliche Daten für die geplante Altersgrenze gibt. Der Versuch, Kinder und Jugendliche allein durch ein Verbot zu schützen, übersieht außerdem die Komplexität ihres Medienalltags und ignoriert die Notwendigkeit, sie kompetent in digitalen Räumen agieren zu lassen.

Dabei gibt es zweifellos ein großes Problem. Und zwar das Geschäftsmodell der Plattformbetreiber, das bereits im Kern dem Kindes- und Jugendschutz widerspricht. Denn Facebook, TikTok, Instagram und Co. wollen Nutzer so lange wie möglich in ihren Netzwerken halten.

Minderjährige haben jedoch entwicklungspsychologische Aufgaben. Social Media schüttet aber in Dauerschleife Dopamin-Kicks aus, was diese Entwicklung beeinträchtigen kann. Kurzum: Ein Social-Media-Verbot wirkt wie ein Pflaster auf eine klaffende Wunde.

Es verschiebt das Problem, statt es zu lösen. Wer Kinder effektiv schützen will, muss mehr tun, als einfach den Stecker zu ziehen. Etwa durch kinderfreundliche Algorithmen und die Inpflichtnahme der Plattformen. Auch Erziehungsberechtigte und Bildungseinrichtungen sollten stärker zu Wort kommen.

Stimmen

  • Bundeskanzler Friedrich Merz warnte bereits im Vorfeld des CDU-Parteitags vor schädlichen und manipulativen Inhalten auf Social Media. Beim politischen Aschermittwoch der rheinland-pfälzischen CDU in Trier sagte er: „Fünfeinhalb Stunden beschäftigen sich heute 14-Jährige im Durchschnitt am Tag mit diesen Bildschirmen. Wollen wir es zulassen, dass unsere Gesellschaft nach innen und im Inneren zersetzt wird? Und in dieser Art und Weise unsere Jugend und Kinder gefährdet werden? Und bitte kommt mir keiner, man müsse junge Menschen an die Nutzung heranführen. Dann würde ich empfehlen, spätestens mit sechs Jahren Wein zu trinken.“
  • Medienpädagogin Kristina Richter hält ein pauschales Verbot für falsch. Gegenüber ntv sagte sie: „Es suggeriert, die Lösung des Problems zu sein, aber das ist eine Illusion. Soziale Medien bedeuten schon lange nicht mehr nur Unterhaltung, sondern sind auch ein Ort, wo Demokratie stattfindet. Dabei sind doch eben nicht die Kinder das Problem, sondern die Plattformen. Bei Alkohol und Tabak handelt es sich um stoffbezogene Süchte, bei denen die gesundheitlichen Folgen klar belegt sind.“
  • Australiens Online-Sicherheitsbeauftragte Julie Inman Grant in einem Interview über die Erfahrungen in ihrem Land: „Wir verbieten nicht Kindern den Zugang – wir versuchen, sozialen Medien den Zugang zu unseren Kindern zu verbieten. Kinder brauchen Zeit, um aufzuwachsen, ohne dass all diese mächtigen Einflüsse ihre Entwicklung und ihre Beziehungen beeinträchtigen. Wo Plattformen schädliche oder manipulative Designmerkmale einsetzen, die darauf abzielen, Kinder möglichst lange zu binden, geben wir ihnen Zeit, sich zu gesünderen Jugendlichen und Erwachsenen zu entwickeln.“

Social-Media-Verbto: Unwirksame Symbolpolitik

Der Weg zu einem wirksamen Kinder- und Jugendschutz im Netz führt nicht über ein pauschales Verbot, sondern über die konsequente Anwendung bereits vorhandener Gesetze sowie Bildungsmaßnahmen. Die EU-Digitalgesetze (DSA) könnten die Plattformbetreiber etwa zwingen, ihre Netzwerke für Minderjährige sicherer zu gestalten. Bislang mangelt es jedoch schlichtweg an einem konsequenten politischen Willen.

Ein pauschales Verbot mag auf den ersten Blick vielleicht effektiv erscheinen, könnte sich aber als allenfalls bedingt wirksame Symbolpolitik offenbaren. Denn: Es braucht vor allem eine flächendeckende Bildungsoffensive und mehr Medienkompetenz – vor allem im digitalen Raum und eigentlich nicht nur für Minderjährige.

Gleichzeitig müssen sowohl Kinder, Eltern und Lehrkräfte befähigt und darin gefordert und gefördert werden, digitale Räume kompetent und verantwortungsvoll zu nutzen und Risiken zu erkennen. Nur eine kontinuierliche Förderung sorgt dafür, dass Jugendliche die Mechanismen der Plattformen durchschauen.

Zudem sollten Kinder und Jugendliche selbst nicht vergessen werden – zumal viele bereits eine höhere digitale Kompetenz an den Tag legen als so mancher Erwachsene. Heißt konkret: Minderjährige sollten aktiv in den Prozess mit eingebunden werden, da sie am meisten über ihre Social-Media-Erfahrungen wissen. Erst danach kann man über Zugangsregelungen nachdenken.

Ein Smartphone-Verbot an Schulen wäre etwa eine sinnvolle Maßnahme. Doch ein bloßes Verbot im Alltag würde den Austausch mit Gleichaltrigen hemmen, was vor allem geflüchteten Teenagern die Integration erschweren könnte. Es raubt Kindern und Jugendlichen zudem nicht nur einen gewissen Unterhaltungsfaktor, sondern auch die Teilhabe an Bildung, Gemeinschaft und demokratischen Diskursen.

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Klarnamenpflicht: Der gefährliche Irrtum des Friedrich Merz

23. Februar 2026 um 11:00

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Klarnamenpflicht Friedrich Merz CDU Social Media

Friedrich Merz hat der Uralt-Debatte um die Einführung einer Klarnamenpflicht im Internet neues Leben eingehaucht. Der Bundeskanzler fordert ein Ende der Anonymität in den digitalen Medien, um gegen KI-Fakes, Straftaten und Kindeswohlgefährdung vorgehen zu können. Der Schuss könnte aber gewaltig nach hinten losgehen und Meinungsfreiheit sowie Demokratie aushöhlen. Eine kommentierende Analyse.

Friedrich Merz fordert Klarnamenpflicht im Internet

  • Die Debatte um eine Klarnamenpflicht in den digitalen Medien ist gefühlt so alt wie das Internet selbst. Alle Jahre wieder hauchen Politiker ihr neues Leben ein. Dieses Mal in Form von Bundeskanzler Friedrich Merz anlässlich des politischen Aschermittwochs. Seine Forderung: Nutzer sollen ihre echten Namen statt etwaige Pseudonyme oder Abkürzungen angeben. Ein möglicher Kontrollmechanismus wäre eine Online-Ausweiskontrolle samt Fotoidentifikation. Diese würden aller Voraussicht nach aber nicht staatliche Stellen vornehmen, sondern private Unternehmen.
  • Friedrich Merz empfindet nicht nur Hass und Hetze im Internet als Bedrohung, sondern sieht die freiheitliche Demokratie und Gesellschaft in Deutschland durch Algorithmen, KI-generierte Inhalte und Desinformation gefährdet. Sowohl eine Einflussnahme „von innen und außen“ habe er lange unterschätzt. Merz strebt deshalb eine stärkere Regulierung digitaler Räume an. Ob eine Klarnamenpflicht dabei helfen kann und umsetzbar ist, steht aber in Frage.
  • Sowohl in der Koalition als auch in der Opposition gibt es unterschiedliche Ansätze und Meinungen dazu, wie sich Desinformation, KI-Fakes oder Kinder- und jugendgefährdende Inhalte eindämmen lassen. Darunter: Altersprüfungen und ein Nutzungsverbot für Heranwachsende unter 14 Jahren, Zugangsbeschränkungen sowie technische Kontrollen. Kurzum: Vor allem die Plattformbetreiber sollen stärker in die Pflicht genommen werden. Juristisch und verfassungsrechtlich wären solche Maßnahmen vermutlich realistischer als eine Klarnamenpflicht.

Klarnamenpflicht gefährdet Demokratie und Meinungsfreiheit

Mit seiner Risikoeinschätzung hat Friedrich Merz zunächst einmal Recht: Die deutsche Demokratie und Gesellschaft steht zunehmend durch Bedrohungen wie KI-generierte Fake News, jugendgefährdende Inhalte, Online-Betrüger sowie Hass und Hetze im Netz unter Beschuss. Diese Probleme sind zweifellos real – auch, weil die Debattenkultur rauer geworden ist und eine gesellschaftliche Verrohung offenbart.

Doch eine Klarnamenpflicht in den digitalen Medien ist der falsche Weg, um diesen Gefahren habhaft zu werden. Einerseits, weil Otto Normalverbraucher und Bürger keine Politiker mit Bühne, Sicherheitsapparat und Pressestellen sind. Andererseits, weil Pseudonyme nicht zwangsläufig ein Trick sind, sondern ein Schutzschild – etwa für Minderheiten oder Oppositionelle.

Statt die Meinungsfreiheit und Demokratie durch ein Anonymitätsverbot ein Stück weit abzuschaffen, scheinen alternative Maßnahmen wie Altersverifikationen und vor allem die Inpflichtnahme der Plattformbetreiber nicht nur weitaus realistischer, sondern auch wirkungsvoller.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wie viel Anonymität eine Demokratie braucht und wie viel Kontrolle sie verträgt, um nicht zu zerbrechen. Denn ein Blick in die USA, in der Menschen über Social Media verfolgt und die Meinungsbildung durch KI verzerrt werden, zeigt, wie schnell sich freiheitliche Standards verschieben und in einer zunehmenden Autokratie münden können.

Stimmen

  • Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die weitverbreitete Anonymität im Internet beenden. Am Abend beim politischen Aschermittwoch der rheinland-pfälzischen CDU in Trier sagte er: „Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet. Wir stellen uns in der Politik auch mit Klarnamen und offenem Visier einer Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft. Dann erwarte ich das auch von allen anderen, die sich kritisch mit unserem Land und unserer Gesellschaft auseinandersetzen.“
  • Auch Benjamin Limbach, NRW-Justizminister von den Grünen, fordert mehr Schutz vor Hass und Gewalt im Internet. Die Klarnamenpflicht hält er aber weder für umsetzbar noch von der Meinungsfreiheit gedeckt. Limbach gegenüber dem WDR: „Für mich beinhaltet die Meinungsfreiheit nicht nur, meine Meinung äußern zu können, sondern mich auch entscheiden zu können, ob ich sie anonym äußere oder nicht. Es gibt noch weitere Vorschläge auf dem Tisch und die müssen wir endlich diskutieren.“
  • Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) schlug zum Jahreswechsel gegenüber dem Tagesspiegel bereits in eine ähnliche Kerbe: „Eine staatlich verordnete Klarnamenpflicht im Internet lehne ich ab. Wer eigene Meinungen oder Erfahrungen anonym oder unter Pseudonym äußern möchte, ist dafür keine Rechenschaft schuldig.“ Es sei zwar wichtig, kriminelle Äußerungen im Internet zu verfolgen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen. „Dafür braucht es aber keine Klarnamenpflicht“, so Hubig. „Das Grundgesetz schützt gerade auch die kontroverse Meinung und die polemische Zuspitzung.“

Ein gefährliches Machtinstrument

Die Annahme hinter der Klarnamenforderung von Merz lautet: Wer „mit offenem Visier“ spricht, wird maßvoller kommunizieren. Doch die Evidenz dafür ist dünn. Es gibt etwa Studien, die offenbaren, dass Anonymität nicht automatisch Aggressionen fördert – und ebenso Belege, dass Rassisten ganz offen unter echtem Namen hetzen. Das Problem sitzt also tiefer als im Profilnamen.

Auch technisch wirft eine Klarnamenpflicht gewaltige Fragen auf. Wo würden Identitätsdaten gespeichert werden? Wer hätte Zugriff? Wie verhindert man Missbrauch oder Datenlecks? Eine zentrale staatliche Identitätsinfrastruktur wäre zweifellos ein sensibles Machtinstrument, das in den falschen Händen verheerende Folgen haben kann.

Hinzu kommt die politische Realität: Eine gesichert rechtsextreme AfD steht kurz davor, stärkste Kraft in Deutschland zu werden. Wer heute ein Kontrollinstrument schaffen will, muss deshalb bedenken, wer es morgen nutzen könnte. Mit einer Klarnamenpflicht würde die Bundesregierung Demokratie- und Freiheitsfeinden andernfalls ein schlüsselfertiges Autokratie-Haus liefern, anstelle ihnen Steine in den Weg zu legen.

Statt die Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen, sollte die Politik vor allem die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht nehmen, da diese letztlich für ihre Produkte und Dienstleistungen verantwortlich sind. Und die sind aktuell schlichtweg demokratie-, freiheits- und kindeswohlgefährdend.

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Macht Zuckerberg süchtig? Klage könnte Meta zum Einsturz bringen

20. Februar 2026 um 11:00

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Meta Klage Instagram Sucht Mark Zuckerberg

Meta-Chef Mark Zuckerberg musste sich vor Gericht verantworten. Eine 20-Jährige wirft dem Unternehmen vor, Instagram bewusst so gestaltet zu haben, dass es süchtig macht. Der Prozess könnte die Tech-Branche erheblich erschüttern und weitere Klagen folgen lassen. Eine kommentierende Analyse.

Social-Media-Sucht: Mark Zuckerberg als Kronzeuge verhört

  • Im Rahmen eines beispiellosen Prozesses stand Meta-CEO Mark Zuckerberg am 18. Februar als Kronzeuge vor Gericht unter Beschuss. Die zentrale Frage: Machen Plattformen wie Instagram Kinder und Jugendliche gezielt abhängig? Das behauptet zumindest eine 20-jährige Klägerin, die in den Gerichtsdokumenten „Kaley“ oder „K.G.N“ genannt wird. Sie macht Meta für ihren jahrelangen exzessiven Instagram-Konsum verantwortlich, der bei ihr Depressionen und Angstzustände ausgelöst habe.
  • Berichten zufolge nutzte Kaley bereits mit sechs Jahren YouTube. Als Teenagerin verbrachte sie laut ihrem Anwalt Mark Lanier bis zu 16 Stunden täglich auf Instagram. Er argumentiert, dass Meta und Google ihre Plattformen systematisch so aufgebaut hätten, dass Nutzer nicht mehr aufhören können zu scrollen. Dieses Phänomen ist auch unter dem Begriff Doomscrolling bekannt. Endlose Feeds, Push-Benachrichtigungen und Inhalte, die ein Algorithmus bestimmt, befeuern diesen Vorgang, um Nutzer möglichst lange auf den Plattformen zu halten.
  • Mark Zuckerberg räumte Schwächen bei der Alterskontrolle auf Instagram und Facebook ein. Minderjährige unter 13 Jahren hätten oftmals zu einfach Zugang zu den Plattformen erhalten, obwohl dies den Nutzungsrichtlinien widerspricht. Zuckerberg betonte jedoch, dass Meta Accounts löschen würde, sobald die Altersbeschränkung umgangen wird. Kritiker bemängeln dieses Vorgehen als ungenügend. Als der Facebook-Gründer auf die AGB verwies, keilte Kläger-Anwalt Mark Lanier zurück: „Glauben Sie, ein 9-Jähriger liest Geschäftsbedingungen?“

Das krumme Geschäftsmodell von Meta

Das Verhalten von Mark Zuckerberg gleicht dem eines Teenagers – mit dem Unterschied, dass er zahlreiche Gleichaltrige durch die Algorithmen und Endlosschleifen auf seinen Plattformen gepeinigt hat. Der Prozess gegen Meta ist jedoch mehr als nur ein Gerichtsverfahren. Er ist ein Spiegel. Denn: Er zeigt ein Geschäftsmodell auf, das Aufmerksamkeit als Ware sieht und vermarktet.

Dabei geht es aber nicht nur um Klickzahlen und Werbeeinnahmen, sondern es steht vor allem die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auf dem Spiel. Das scheinbare Motto: Profit statt Prävention. Mark Zuckerberg steht dabei als eine Art lebende Allegorie für ein System, das Menschen ausschließlich als Statistiken behandelt.

Der Prozess ist sogar durchaus mit Big Tobacco vergleichbar. Denn auch die großen Zigarettenhersteller beteuerten jahrzehntelang, dass ihre Produkte bei verantwortungsvoller Nutzung sicher seien – bis Studien das Gegenteil bewiesen. Meta agiert wie ein digitaler Zwilling.

Die Frage, die über allem steht, ist deshalb größer als der Gerichtssaal in Los Angeles. Denn: Kann ein Geschäftsmodell, das Sucht erzeugt, um Profit daraus zu ziehen, jemals ethisch vertretbar sein?

Stimmen

  • Instagram-Chef Adam Mosseri bei seiner Vernehmung vor Gericht: „Ich bin mir sicher, dass ich gesagt habe, ich sei süchtig nach einer Netflix-Serie, als ich sie eines Nachts bis spät in die Nacht gebingewatcht habe, aber ich glaube nicht, dass das dasselbe ist wie eine klinische Sucht. Es ist also eine persönliche Sache, aber ja, ich glaube, es ist möglich, Instagram mehr zu nutzen, als es einem guttut. Generell sollten wir uns auf den Schutz von Minderjährigen konzentrieren.“
  • Meta-Chef Mark Zuckerberg wies die Vorwürfe vor Gericht zurück: „Ich sorge mich um das Wohlergehen von Teenagern und Kindern, die unsere Dienste nutzen.“ Mark Lanier, Anwalt der Anklage, zeichnete ein anderes Bild. In einer Instagram-Präsentation aus dem Jahr 2018 hieß es: „Wenn wir bei Teenagern Erfolg haben wollen, müssen wir sie als Tweens reinholen.“ Auf eine E-Mail aus dem Jahr 2015 entgegnete Lanier: „Sir, Sie sind der Entscheidungsträger für Ihr gesamtes Unternehmen. Wenn es eine E-Mail mit dem Titel ‚Unternehmensziele‘ gibt und Sie sagen, dass die Verweildauer in drei Jahren um 12 Prozent und in fünf Jahren um 10 Prozent steigen soll, glauben Sie nicht, dass die Leute das als Unternehmensziele interpretieren?“
  • John DeMay, der bereits 2024 bei einer Anhörung des Senats anwesend war, weil sein Sohn 2022 mit 17 Jahren Selbstmord beging, nachdem er wenige Stunden zuvor auf Instagram sexuell erpresst worden war, in einem Statement: „Seine Entschuldigung – wenn man es so nennen will – war größtenteils leer. Er sagte im Grunde genommen, dass sie alles tun, um solche Vorfälle zu verhindern, aber leider ist das einfach nicht der Fall. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Fall gewonnen wird, aber selbst wenn nicht, haben wir trotzdem gewonnen, weil wir der Welt – mit offiziellen Beweisen – gezeigt haben, dass sie das eine tun und das andere sagen.“

Muss Meta seine Algorithmen umschreiben?

Falls die Klägerseite erfolgreich sein sollte, könnte sie einen Dominoeffekt auslösen, der weit über den verhandelten Einzelfall hinausgeht. Denn dann stünden die Endlosschleife und Algorithmen sämtlicher digitaler Medien auf der Anklagebank. Die Tech-Branche müsste sich zwangsläufig fragen, ob Gewinn noch über Ethik geht.

Denn: Es stehen bereits rund 1.600 ähnliche Klagen in der Pipeline. Weitere dürften folgen, sollte Meta den Prozess verlieren. Der Tabak-Vergleich ist zudem nicht überspitzt. Es geht in bestimmten Fällen um dokumentierte Suchtmechanismen, die offenbaren, dass Profit nicht passiv, sondern aktiv erzeugt wird – und zwar unter Inkaufnahme von Gesundheitsrisiken.

Plattformen wie die von Meta könnten deshalb gezwungen werden, ihre Algorithmen umzuschreiben. Ausgeklügelte Geschäftsmodelle würden damit bröckeln – vor allem auf dem Aktienmarkt. Doch selbst wenn Meta die Schlacht gewinnt, wird der Krieg anhalten.

Denn immer mehr Eltern, Erziehungsberechtigte, Gesetzgeber und die öffentliche Meinung stellen die Praktiken der Social-Media-Konzerne kritisch in Frage. Die Zukunft entscheidet sich deshalb nicht unbedingt in einem einzelnen Gerichtssaal, sondern in einem Spannungsfeld zwischen Profitgier, Ethik und der nächsten Social-Media-Generation, die bereits aufwächst.

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KI-Desaster im heute journal: ZDF begeht Rufselbstmord

19. Februar 2026 um 11:00

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ZDF KI heute journal Künstliche Intelligenz ICE

Das ZDF hat im heute journal über Abschiebungen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE berichtet. Der Sender warnte eingangs vor Fake-Inhalten, nutzte dann aber selbst welche. Mittlerweile wurde der Beitrag gelöscht und es gab eine Entschuldigung. Zwischenzeitlich hat sich das ZDF aber um Kopf und Kragen geredet und damit Glaubwürdigkeit verspielt. Eine kommentierende Analyse.

KI-Panne im ZDF „heute journal“

  • Das heute journal hat am 15. Februar 2026 Bilder aus einem KI-generierten Video aus dem Netz gezeigt, in dem sich zwei Kinder an ihre weinende Mutter klammern, die offenbar von Polizisten abgeführt werden soll. Die Sequenz wurde weder als KI-Inhalt gekennzeichnet noch im Plot der Sendung eingeordnet. Eine weitere Sequenz, in der ein Kind abgeführt wird, ist zwar echt, stammt aber aus dem Jahr 2022 und wurde aus dem Kontext gerissen.
  • Dass der KI-Clip nicht echt ist, war relativ offensichtlich. Denn: Im Bild war das Logo des OpenAI-Modells Sora eingeblendet. Dabei handelt es sich um eine KI, mit der Nutzer realistische Videos per Texteingabe erstellen können. Aus Transparenz-Gründen baut das Modell das Logo selbst ein. Nachdem Zuschauern die Panne auffiel, kam in der Folge auch ans Licht, dass eine weitere Sequenz im Kontext irreführend war.
  • Auf die Kritik hin hat das ZDF zunächst eingeräumt, dass KI-generierte Bilder bewusst verwendet worden seien, eine entsprechende Kennzeichnung aber aus technischen Gründen nicht übertragen werden konnte. Erst hat der Sender den Beitrag aus dem heute journal gelöscht. Dann wurde zwischenzeitlich eine überarbeitete Version hochgeladen, die einen Hinweis zur Änderung enthielt. Die Redaktion hat die KI-Inhalte und das aus dem Kontext gerissene Video durch andere Sequenzen und Bilder ersetzt. Mittlerweile ist keine der beiden Versionen mehr in der Mediathek abrufbar.

KI-Inhalte haben in Nachrichtensendungen nichts zu suchen

Das KI-Desaster beim ZDF offenbart einmal mehr, dass Schnelligkeit und Skandalisierung im Journalismus oftmals eine größere Rolle spielen als Sorgfalt und Fakten. Doch: Wie kann es sein, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender, der im Gegensatz zu den Boulevard- und rechtspopulistischen Medien mit jeweils vier großen Buchstaben eigentlich ganz andere Ansprüche haben sollte, nicht bemerkt, dass ein KI-Video mit Wasserzeichen eingebaut wird?

Klar: Fehler können passieren, dürfen passieren und werden auch immer wieder passieren. Doch der gesamte Vorfall darf so niemals vonstattengehen. Denn das ZDF hat sich ausgehend von einer Panne – vermutlich aus Schlampigkeit – anschließend um Kopf und Kragen geredet.

Erst wollte man den Eindruck erwecken, dass lediglich die Kennzeichnung der KI-generierten Inhalte untergegangen sei. Dann waren zunächst die entsprechenden Szenen und letztlich das komplette Video verschwunden. Und erst dann folgten Einordnung und Entschuldigung.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zwar ein hohes Gut, darf, nein muss aber auch kritisiert werden dürfen. Denn davon leben Demokratie und Diskurs. Kurzum: KI-generierte Inhalte haben nichts in Nachrichtensendungen zu suchen, sofern es nicht um sie selbst geht.

Ob bewusst oder unbewusst: Der Beitrag im heute journal hat das Vorgehen der ICE-Schläger und -Mörder noch abscheulicher dargestellt, als es ohnehin ist – jedoch zu Lasten der Glaubwürdigkeit des ZDF. Vor allem aufgrund der absurden Kommunikation im Nachgang hat der Sender jedoch Wasser auf die Mühlen rechter Medien und der AfD gekippt, ihnen ein gefundenes Fressen geliefert und den eigenen, in der Regel guten Journalismus untergraben.

Stimmen

  • ZDF-Moderatorin Dunya Hayali zu Beginn ihrer Moderation: „Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele. Und die Gewalt, mit der die Abschiebekräfte oftmals vorgehen, und auch die Willkür, die dort zu sehen ist, hat auf jeden Fall eines erreicht: Es herrscht ein Klima der Angst, das selbst vor Kindern nicht Halt macht.“
  • NRW-Medienminister und ZDF-Fernsehrat Nathanael Liminski (CDU) gegenüber dem Stern: „Diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler. Die geltenden Maßstäbe und eigenen Ansprüche an öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus hätten eine solche Täuschung des Publikums bereits in der Entstehung des Beitrags verhindern müssen. Die Machart torpediert dieses Ziel: Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, wird auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen. Dies ist ein Tabubruch und ein absolutes No-Go.“
  • Anne Gellinek, stellvertretende ZDF-Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität, in einem Statement: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ZDFheute sowie an gleicher Stelle im ‚heute journal‘ heute Abend korrigierend berichten.“

Das ZDF muss seine KI-Richtlinien nachschleifen

In einer Zeit, in der die journalistische Sorgfaltspflicht aufgrund von Desinformation und KI-generierten Inhalten wichtiger ist denn je, hat das ZDF viel Glaubwürdigkeit verspielt. Nicht nur, weil der Nachrichtenredaktion des Senders ein Fehler unterlaufen ist, sondern auch, weil man sich zwischenzeitlich mit fadenscheinigen Begründungen um Kopf und Kragen geredet hat.

Die finale Klarstellung und Entschuldigung ist zwar ebenso löblich wie richtig und wichtig, reicht aber nicht aus. Vielmehr muss sich der ZDF-Fernsehrat kritisch mit dem Thema auseinandersetzen, um weitere Pannen solcher Art künftig zu vermeiden. Heißt konkret: Es braucht eindeutige Redaktionsrichtlinien und Handlungsanweisungen – auf allen Entscheidungsebenen.

Denn wenn diese Sorgfaltspflicht nicht mehr gegeben ist, wird das Grundvertrauen in eigentlich seriöse Nachrichten zutiefst erschüttert und teilweise zerstört. Anstatt einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, muss das ZDF deshalb vor allem seine KI-Richtlinien nachschleifen, um sicherzustellen, dass Realität nicht durch Fiktion künstlich verzerrt wird.

Es obliegt nun dem Sender und der Redaktion, den entstandenen Imageschaden wieder auszubügeln. Und das geht nur mit seriösem und qualitativem Journalismus, der Realität zeigt und nicht erzeugt. Andernfalls wird das ZDF in einer Zeit, in der Zweifel an vielen Medien ohnehin wachsen, an Publikum verlieren.

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Kaufanreiz mit Ladehemmung: Wer profitiert wirklich von der E-Autoprämie?

18. Februar 2026 um 11:00

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E-Autoprämie Förderung Elektroauto

Die neue E-Autoprämie soll der Autobranche und der E-Mobilität Aufschwung verleihen. Doch viele Deutsche wissen laut einer aktuellen Umfrage nichts von dem Förderprogramm. Viele Details sind zudem nach wie vor unklar. Der Fördertopf könnte dennoch schneller leer sein als erwartet. Eine kommentierende Analyse.

Neue E-Autoprämie noch ohne Wirkung

  • Die E-Autoprämie gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 bis 2029 für Elektroautos und bestimmte Plug-in-Hybride. Heißt konkret: Wer jetzt ein E-Auto kauft, kann Fördermittel beantragen, sobald das Antragsportal im Mai freigeschaltet wird. Auf einer FAQ-Seite schildert das Umweltministerium konkrete Details. Die Anschaffung von Neuwagen wird mit bis zu 6.000 Euro gefördert – bei einer Einkommensgrenze von 80.000 Euro. Ein Schaubild schlüsselt die Förderhöhe auf. Der Fördertopf umfasst drei Milliarden Euro.
  • Laut einer Blitzumfrage des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) zeigt die neue E-Autoprämie noch keine Wirkung. Komplizierte Förderbedingungen und Unklarheit zum Abwicklungsverfahren würden das Programm hemmen. Das Kraftfahrtbundesamt konnte im Januar 2026 keinen Anstieg bei den Neuzulassungen von E-Autos verzeichnen.
  • Bei der Bekanntheit in der Bevölkerung hat die E-Autoprämie noch Luft nach oben. Denn 34 Prozent der Menschen in Deutschland haben demnach noch nichts von der Förderung gehört. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von YouGov hervor. Doch der Fördertopf könnte dennoch schnell ausgeschöpft sein. Das wiederum zeigt eine Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts puls.

Politische Kommunikation misslingt

Die neue E-Autoprämie ist weniger Aufbruch als Reparaturversuch. Doch nach dem abrupten Förderstopp des vorherigen Umweltbonus Ende 2023 scheint das Vertrauen vieler Käufer brüchig. Denn wer einmal erlebt hat, wie eine Subvention über Nacht verschwindet, kalkuliert künftig vielleicht mit einem politischen Risiko.

Und genau hier liegt der Konstruktionsfehler: Statt Verlässlichkeit zu signalisieren, produziert das Programm neue Unsicherheiten. Etwa durch ein Antragsportal, das erst Monate nach dem Kauf öffnet und Verbraucher in Vorleistung zwingt. Das alles hätte einfacher gehen können, etwa durch eine direkte Abrechnung beim Händler.

Die Fokussierung auf Neuwagen ist ebenfalls fraglich, da der Gebrauchtwagenmarkt für viele Bevölkerungsschichten die Hauptorientierung ist. Das könnte ein Stück weit die Nachfrage verzerren und Kaufentscheidungen an den oberen Rand des maximalen Haushaltseinkommens schieben.

So löblich das Grundprinzip einer E-Autoprämie auch ist, die Politik scheitert bislang an der Kommunikation. Denn wenn ein Drittel der Bevölkerung nichts von der Prämie weiß und viele sich schlecht informiert fühlen, verpufft die Prämie zu einem teuren Versprechen mit Ladehemmung.

Stimmen

  • VDIK-Präsidentin Imelda Labbé in einem Statement: „Zwar bewerten die befragten Marken die Förderhöhe und die Einbindung von Plug-in-Hybriden als positiv, doch komplizierte Förderbedingungen und Nachweisverfahren sowie Unklarheit zum Abwicklungsverfahren hemmen die Wirkung. Unsicherheit über die Strompreisentwicklung, Ladeinfrastruktur und Restwertentwicklung stellen den Hochlauf der Elektromobilität weiterhin vor zusätzliche Herausforderungen.“
  • Stefan Reiser, Managing Director bei puls Marktforschung, dazu: „Allein die Gruppe der Interessenten übersteigt rechnerisch die geplante Förderkulisse. Zieht man zusätzlich die gut 20 Prozent der Überlegenden in Betracht, deutet vieles darauf hin, dass der Fördertopf schnell ausgeschöpft sein könnte. Zudem zeigt die Studie, dass Halter junger Elektro- und Hybridfahrzeuge offen für eine Inanspruchnahme sind.“
  • Autopapst Ferdinand Dudenhöfer gegenüber der Bild: „Das Umweltministerium macht Elektroautos mit Steuergeld zum Ramschartikel. Was niemand wollte, nämlich den ruinösen Preiskrieg aus China nach Deutschland zu importieren, wird Realität. Alle decken sich jetzt ein, und anschließend fällt man in ein tiefes Loch. Oder anders ausgedrückt: Kurzarbeit bei den deutschen Autobauern, die erneut mit Steuerzahlergeld finanziert wird.“

E-Autoprämie wird Elektromobilität ankurbeln

Die neue E-Autoprämie trifft auf einen Markt im Umbruch. Chinesische Hersteller wie BYD drücken mit aggressiven Preisen nach Europa, während deutsche Autobauer im wichtigsten Wachstumsmarkt schwächeln. Denn sie haben lange auf margenstarke und teure SUV gesetzt anstatt auf erschwingliche Stromer.

Einzige Hoffnung für die deutsche Wirtschaft: erschwingliche Modelle wie der VW ID.Polo für 25.000 Euro (ab Mitte 2026) oder der VW ID.Every1 für 20.000 Euro (ab 2027) – wenn sie denn rechtzeitig kommen. Doch beim E-Polo von Volkswagen verzögert sich das günstige Einstiegsmodell bereits um mehrere Monate, offenbar auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Doch das könnte sich für VW rächen. Etwa, indem die neue E-Autoprämie Importfahrzeuge befeuert – und obendrein den Preiskampf verschärft. Für Verbraucher kann das von Vorteil sein, für die deutsche Wirtschaft vermutlich aber nicht. Dennoch könnte der Fördertopf schneller leer sein als erwartet.

Wenn die Prämie 2029 aber einfach so auslaufen sollte, dürften die Neuzulassungen erneut einbrechen, während der Gebrauchtwagenmarkt von jungen Stromern geflutet wird. Langfristig werden deshalb sinkende Strompreise, transparente Ladetarife und eine dichtere Infrastruktur essenziell sein.

Die neue E-Autoprämie könnte dennoch vor allem die E-Mobilität attraktiver machen, wenn die Politik entsprechende Folgemaßnahmen einleitet. Und das würde, während viele ausschließlich von der Wirtschaft schwadronieren, im Rahmen des Klimawandels eine durchaus positive Entwicklung sein.

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Seedance 2.0: Neue Video-KI aus China schockiert Hollywood

17. Februar 2026 um 11:00

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Seedance 2.0 KI China Künstliche Intelligenz Video-KI ByteDance

TikTok-Mutterkonzern ByteDance hat ein neues KI-Modell präsentiert, das hyperrealistische Videos per Texteingabe generiert. Doch während Seedance 2.0 in China viral geht, schlägt Hollywood bereits Alarm und spricht von einem virtuellen Raubzug. Denn: Die KI kennt keine Grenzen beim Urheberrecht. Eine kommentierende Analyse. 

Was ist Seedance 2.0?

  • Seedance 2.0 ist ein generatives KI-Modell von ByteDance, mit dem Nutzer realistische Videos erstellen können. Die Browser-App verarbeitet Anweisungen per Text-, Video-, Audio- oder Bildeingabe. Aktuell können Kurzclips mit einer Länge von bis zu 15 Sekunden erstellt werden. Seedance 2.0 ist über die internationale ByteDance-Plattform Dreamina-Capcut nutzbar. Es kursieren bereits zahlreiche inoffizielle Websites, die den Namen Seedance tragen, um Nutzer in irreführende Abos zu locken.
  • Die neue ByteDance-KI ist grundsätzlich kostenlos nutzbar. Nach der Registrierung erhalten Nutzer ein gewisses Credit-Kontingent, das sich nach 24 Stunden erneuert. Wer mehr Videos erstellen möchte, muss ein Abo abschließen. Bei der Verbreitung ist allerdings Vorsicht geboten, denn Seedance 2.0 scheint kein Urheberrecht zu kennen. Während in China zahlreiche Clips die Feeds in den digitalen Medien fluten, formiert sich in westlichen Ländern bereits massiver Widerstand.
  • Mit Seedance 2.0 können Nutzer Parameter wie Schatten, Beleuchtung und sogar Kamerabewegungen gezielt steuern. Ein Video, das offenbar mit der ByteDance-KI erstellt wurde und die Schauspieler Brad Pitt und Tom Cruise in einem Kampf zeigt, erregte besonders viel Aufmerksamkeit. Einerseits, weil es vermutlich eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Andererseits, weil auch der Dialog schockiert. „Du hast Jeffrey Epstein umgebracht, du Tier! Er war ein guter Mensch!“, so Fake-Pitt. Der unechte Cruise entgegnet daraufhin: „Er wusste zu viel …“

Seedance 2.0 kennt kein Urheberrecht

Mit Seedance 2.0 lässt China im globalen KI-Wettstreit erneut seine Muskeln spielen. Der aktuelle Hype ähnelt dem um den KI-Chatbot DeepSeek, der ChatGPT Konkurrenz machen sollte. Was beide KI-Modelle gemeinsam haben: Peking kontrolliert chinesische Unternehmen zwar nicht auf Schritt und Tritt, gibt aber die allgemeinen Spielregeln vor.

Getreu der Populismus-Strategie „Flood the zone with shit“ geht es China und ByteDance vor allem um Klicks und Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu DeepSeek, das auch mit großen Versprechen lockte, diese aber nicht einhalten konnte, wurde die Taktik dieses Mal schneller entlarvt.

Seedance 2.0 hat nämlich bereits kurz nach seiner Veröffentlichung massive Kritik geerntet – vor allem aus Hollywood. Im Vergleich mit der Video-KI Sora 2.0 von OpenAI, die zwischenzeitlich auch urheberrechtlich im Rampenlicht stand, offenbart sich zwar eine ähnliche Funktionalität, allerdings mit völlig anderen Spielregeln.

Denn während OpenAI mittlerweile vorsichtiger agiert, pflügt Seedance durch das westliche Urheberrecht. Während Hollywood protestiert, programmiert China aber einfach weiter. Vor allem im Videobereich wird sich KI deshalb kaum stoppen, aber verantwortungsvoll gestalten lassen.

Stimmen

  • Ein ByteDance-Sprecher gegenüber CNBC: „ByteDance respektiert geistige Eigentumsrechte und wir haben die Bedenken bezüglich Seedance 2.0 zur Kenntnis genommen. Wir ergreifen Maßnahmen, um die derzeitigen Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, und arbeiten daran, die unbefugte Nutzung von geistigem Eigentum und Abbildungen durch Nutzer zu verhindern.“
  • Charles Rivkin, Vorsitzender der Motion Picture Association (MPA), der unter anderem Netflix, Universal und Disney angehören, in einem Statement: „An einem einzigen Tag hat Seedance 2.0 in großem Umfang unerlaubt urheberrechtlich geschützte Werke aus den USA verwendet. Mit der Einführung eines Dienstes, der ohne wirksame Schutzmaßnahmen gegen Rechtsverletzungen betrieben wird, missachtet ByteDance das etablierte Urheberrecht, das Rechte schützt und Millionen von Arbeitsplätzen in den USA sichert. ByteDance sollte seine rechtswidrigen Aktivitäten unverzüglich einstellen.“
  • Journalist und Anwalt Jonathan Handel gegenüber Al Jazeera: „Bis die Gerichte eine wegweisende Entscheidung treffen, werden KI-generierte Videos erhebliche Auswirkungen auf die Filmindustrie haben. Die digitale Technologie entwickelt sich sehr schnell weiter, und in einigen Jahren werden wir bereits abendfüllende Filme sehen, die mit KI generiert wurden.“ Er sieht jedoch „Urheberrechte, Markenrechte und all diese Rechte betroffen“.

Kreativität und Emotionen obliegt Menschen

Bereits KI-Chatbots wie ChatGPT und Co. wurde vor allem medial ein Ruf als Jobkiller angehängt. Die Realität: Künstliche Intelligenz wird zwar viele Berufe grundlegend verändern, aber nur wenige Jobs um die Ecke bringen. Denn nach einem übertriebenen Hype folgte bislang stets die Ernüchterung – zumindest ein Stück weit.

Ein ähnliches Schicksal dürfte auch die Filmbranche ereilen. KI-Modelle liefern aktuell zwar durchaus beeindruckende Ergebnisse, aber das Urheberrecht stellt glücklicherweise nach wie vor ein hohes Gut dar. Doch Hollywood und Co. werden nicht an KI vorbeikommen. Heißt konkret: Viele Produktionen werden womöglich erschwinglicher und repetitiver, aber nicht seelenloser.

Denn KI-Tools werden auch in der Filmbranche allenfalls Routine-Aufgaben übernehmen können, während echte Kreativität und Emotionen Schauspielern, Regisseuren und Kameramännern obliegen bleibt. Dem westlichen Urheberrecht sei Dank. Doch: Wer KI von Grund auf ablehnt, könnte ins Hintertreffen geraten.

Richtig und rechtlich sinnvoll eingesetzt kann Künstliche Intelligenz nämlich auch in der Filmbranche effizient sein und sogar das rezeptierte Erlebnis steigern. Stichwort: CGI. Doch während Streaming-Riesen KI als Werkzeug sehen, empfinden Studios und Schauspieler sie als Bedrohung – und zwar nicht zu Unrecht. ByteDance surft jedoch auf dieser Uneinigkeit und auf Chinas lockerer Regulierungswelle. Womöglich auch, um Zwietracht zu säen.

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ChatGPT-Boykott: Nutzer kündigen wegen Trump und ICE

16. Februar 2026 um 11:00

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ChatGPT Protest Boykott QuitGPT Trump OpenAI ICE

Unter dem Hashtag QuitGPT kündigen aktuell tausende Nutzer ihr ChatGPT-Abo. Hintergrund sind Millionenspenden der OpenAI-Führungsriege an die Trump-nahe MAGA-Bewegung sowie eine Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde ICE. Eine kommentierende Analyse.

Was ist QuitGPT?

  • QuitGPT fordert ChatGPT-Nutzer dazu auf, ihre Abonnements zu kündigen. Der Hintergrund: OpenAI-Präsident und -Mitgründer Greg Brockman soll gemeinsam mit seiner Frau jeweils 12,5 Millionen US-Dollar an die MAGA-Bewegung gespendet haben, um US-Präsident Donald Trump zu unterstützen. Die Organisatoren weisen zudem darauf hin, dass die hochumstrittene Einwanderungsbehörde ICE ein ChatGPT-Tool nutzt, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren und Lebensläufe zu durchleuchten.
  • Hinter QuitGPT verbirgt sich eine Gruppe von Demokratie-Aktivisten, die besorgt sind, dass Tech-Konzerne wie OpenAI die zunehmende Entwicklung der USA in eine Autokratie unter Donald Trump fördern. Während sich einige der Organisatoren öffentlich geäußert haben, möchten andere anonym bleiben – auch, weil sie Repressionen befürchten. Laut QuitGPT soll OpenAI 50 Millionen US-Dollar ausgeben, um Lobbyarbeit zu betreiben und Staaten an der Regulierung von KI zu hindern. Auch einige Prominente wie Schauspieler Mark Ruffalo haben sich der Initiative angeschlossen.
  • Berichten zufolge verzeichnete OpenAI im Dezember 2025 knapp 900 Millionen aktive ChatGPT-Nutzer pro Woche. Bislang ist zwar unklar, wie viele dem Aufruf von QuitGPT nachgekommen sind und ihr Abo kündigten. Laut Website haben sich jedoch bereits 700.000 Menschen der Kampagne angeschlossen. Ein Instagram-Beitrag zu QuitGPT erzielte 1,8 Millionen Likes (Stand: 13. Februar 2026).

Eine moralische Grundsatzdebatte?

OpenAI ist nicht das einzige Unternehmen, das aktiv die Nähe der US-Regierung sucht. Von Mark Zuckerberg (Meta) über Tim Cook (Apple) bis hin zu Sundar Pichai (Google) kuschelt sich nahezu die gesamte Tech-Elite an Donald Trump.

Im Gegensatz zu anderen Boykott-Aktionen geht es bei QuitGPT nicht um rein technische Kritik. Die Initiative öffnet vielmehr eine politische und moralische Grundsatzdebatte. Denn: Nicht nur OpenAI-Vorstand Greg Brockman und CEO Sam Altman haben die Trump-Administration finanziell unterstützt, sondern nahezu alle großen Tech-Bosse.

Für viele Nutzer steht die finanzielle Unterstützung der Rechtspopulisten in den USA durch OpenAI und Co. in einem krassen Widerspruch zu den ursprünglichen Unternehmenswerten unter Trump-Vorgänger Joe Biden und auch Barack Obama.

Neben QuitGPT sollen auch mitunter etwas skurrile Aktionen wie eine sogenannte Mass Cancellation Party in San Francisco den Forderungen der Aktivisten Nachdruck verleihen. Zumindest die mediale Aufmerksamkeit ist ihnen bereits gewiss. Doch ob solche Initiativen genug Anhänger mobilisieren können, um OpenAI wirtschaftlich zu schaden, ist fraglich. Denn: Der Name ChatGPT ist bereits so etwas wie ein Synonym für KI-Chatbots.

Stimmen

  • Die QuitGPT-Organisatoren erklären auf ihrer Website: „Wir werden den Boykott beenden, wenn sich OpenAI-Führungskräfte verpflichten, alle Spenden an Trump, Republikaner und ihren Big Tech Super PAC zu STOPPEN. Wir können nicht zulassen, dass sie Autoritäre unterstützen, und sie können unser politisches System nicht manipulieren, um der Rechenschaft zu entgehen.“
  • Scott Galloway, Marketingprofessor an der New York University, in einem Video, das bereits von QuitGPT viral ging: „Der schnellste und effektivste Weg, um dies (ICE) zu stoppen? Ich würde sagen, so viele Menschen wie möglich dazu zu bringen, sich von OpenAI und ChatGPT abzumelden. Denn wenn ChatGPT oder OpenAI plötzlich 10 Prozent Abonnenten verlieren, müssen sie dies ihren Investoren mitteilen (Microsoft, Amazon, Nvidia). Das würde ihre Finanzierungsrunde sofort gefährden. Es würde den S&P treffen und einen Marktcrash auslösen.“
  • Dana Fisher, Soziologin an der American University, gegenüber dem MIT Technology Review: „Es gibt viele Beispiele für gescheiterte Kampagnen wie diese, aber wir haben auch viel Wirksamkeit gesehen. Ein Druckmittel, das funktionieren könnte, wäre, wenn genügend Verbraucher ihr Geld einsetzen würden, um ihre politische Meinung zu äußern.“

ChatGPT-Boykott: Ist QuitGPT ist der Anfang?

QuitGPT hat zwar direkt mit den Gewalt-Exzessen der US-Einwanderungsbehörde ICE zu tun, die für den Tod mehrerer Amerikaner verantwortlich ist. Die Kampagne ist aber auch Teil einer wachsenden Anti-KI-Bewegung.

Denn Chatbots wie ChatGPT und Co. haben nicht nur einen enormen Energie- und Wasserverbrauch, sondern gefährden zunehmend die psychische Gesundheit von Heranwachsenden, fördern die Verbreitung von Falschinformationen und fluten das Internet mit KI-Schrott.

Das Verhältnis zwischen sozialen Kosten und gesellschaftlichem Nutzen steht deshalb immer mehr in der Kritik, da es zunehmend aus dem Ruder läuft. QuitGPT könnte deshalb der Beginn von etwas Größerem sein – zumal die Macht und Monopolstellung von Big Tech zunimmt.

Sollte die Bewegung weiter wachsen, dürften mögliche Reaktionen von OpenAI mit Spannung zu erwarten sein. Bislang hält sich das Unternehmen zu QuitGPT allerdings bedeckt.

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Vom Autobauer zum Robotik-Konzern: Tesla droht der absolute Absturz

13. Februar 2026 um 11:00

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Tesla Absturz Robotik

Tesla stellt die Produktion seiner Premium-Elektroautos Model S und Model X ein, um Kapazitäten für die Massenproduktion des Optimus-Roboters und des Roboter-Taxis Cybercab freizumachen. Die strategische Neuausrichtung markiert einen Pivot vom Autohersteller zum KI- und Robotik-Konzern – und zwar mit erheblichen Risiken. Eine kommentierende Analyse.

Tesla ist kein Autobauer mehr

  • Tesla will sein Model S und Model X im Laufe des Jahres aus dem Programm nehmen und die Produktion einstellen. Das teilte CEO Elon Musk am Rande einer Bilanzkonferenz mit. Der Schritt kommt einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens gleich. Die einstigen Vorzeigemodelle wurden in den vergangenen Jahren deutlich von den Modellen 3 und Y überflügelt. Das Model S und Model X machten 2025 gerade einmal drei Prozent vom Umsatz aus.
  • Tesla will in den frei werdenden Produktionslinien durch das Aus für das Model S und Model X künftig seinen humanoiden Roboter Optimus und das autonome Cybercab-Taxi herstellen. Laut Elon Musk soll die Produktion des Cybercab noch in diesem Jahr starten. Seine Hoffnung: Das Fahrzeug könne alle anderen Tesla-Modelle zahlenmäßig langfristig übertrumpfen. Die Massenproduktion des Tesla Optimus dürfte frühestens 2027 starten.
  • Tesla musste 2025 erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Rückgang bei seinen Verkaufszahlen hinnehmen. Nach einem Höchststand von 1,8 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen im Jahr 2023 sanken die Auslieferungen 2025 im Vergleich zu 2024 um 8,5 Prozent auf 1,636 Millionen. Der Umsatz ging um drei Prozent auf rund 94,8 Milliarden US-Dollar zurück. Beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen sogar einen Rückgang um 46 Prozent – auf 3,8 Milliarden US-Dollar.

Neue Strategie mit altern Mustern

Mit dem Model S und X verabschiedet Tesla nicht nur zwei Fahrzeuge, sondern ein Stück Firmengeschichte. Einst sollten sie zusammen mit den Modellen 3 und Y das Akronym S-3-X-Y formen (Ford hält die Rechte an der Bezeichnung Model E). Doch mittlerweile ist Tesla als Autobauer längst nicht mehr sexy.

Aufgrund der geringen Absatzzahlen beider Fahrzeuge ist der Schritt rein wirtschaftlich zwar folgerichtig. Doch viele Probleme von Tesla sind hausgemacht. Seit dem Model Y im Jahr 2020 hat das Unternehmen etwa kein massenmarkttaugliches Modell mehr präsentiert. Das versprochene E-Auto für 25.000 US-Dollar? Beerdigt! Der Cybertruck? Ein Prestigeobjekt, das keine Nachfrage hat.

Die Konkurrenz hat derweil aufgeholt und produziert überwiegend günstigere und bessere Elektroautos als Tesla. Elon Musks rechtspopulistischen Eskapaden haben Tesla zudem einen Bärendienst erwiesen. Erschwerend hinzu kam Donald Trump, der für einen Wegfall der US-Kaufprämie, weichere CO2-Regeln und sinkende Erlöse aus Emissionszertifikaten verantwortlich ist.

Elon Musk setzt deshalb auf einen radikalen Strategiewechsel: weg vom Autobauer und hin zum Robotik-Konzern. Diese neue Strategie mag auf den ersten Blick vielleicht bahnbrechend erscheinen, entspricht vom Prinzip her aber der alten. Denn sie beruht vor allem auf großen Versprechen.

Tesla hat zwar früh das Potenzial von autonomen Taxis und humanoiden Robotern erkannt, hinkt der Konkurrenz aus China in der Robotik sowie dem US-Konkurrenten Waymo bei fahrerlosen Autos mittlerweile aber auch massiv hinterher.

Stimmen

  • Tesla-Chef Elon Musk im Rahmen der Quartalskonferenz: „Es ist an der Zeit, die Programme für das Model S und das Model X mit einer ehrenvollen Entlassung zu beenden. Denn wir bewegen uns auf eine Zukunft zu, die auf Autonomie basiert. Wir werden paranoid sein und dafür sorgen, dass wir weiterhin Batterien, Roboter und KI-Chips bauen können, egal was passiert.“
  • Analysten von Canaccord Genuity in einer Mitteilung nach Veröffentlichung der Tesla-Quartalszahlen: „Vergessen Sie das Tesla, das Sie kannten. Das Tesla von gestern gibt es nicht mehr. Wir glauben, dass Elon Musk einen entscheidenden Wendepunkt erreicht hat – eine totale Hingabe an eine Vision, die keinen Raum für Rückzug lässt.“
  • Guy Hoffman, Assistenzprofessor für Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik an der Cornell University, ist skeptisch: „Teslas Wandel ist entweder mutig oder riskant, je nachdem, wie optimistisch man gegenüber unbewährten Technologien ist. Auch wenn zukünftige Durchbrüche immer schwer vorherzusagen sind, sollten wir bedenken, dass humanoide Roboter – trotz ihres derzeitigen Hypes – nach wie vor in einem sehr experimentellen Stadium sind. Ich würde behaupten, dass die Popularität von Humanoiden eher auf dem Reiz der Science-Fiction als auf technischen Gründen beruht.“

Tesla hinkt der Konkurrenz hinterher

Tesla setzt immer mehr auf Roboter und Robo-Taxis. Elon Musk hat für 2026 Investitionen in Höhe von rund 20 Milliarden US-Dollar in diesen Bereich angekündigt. Zusätzliche zwei Milliarden kommen von Musks KI-Startup xAI.

Branchenexperten sprechen bereits von einem „Point of no Return“ – oftmals euphorisch. Doch der Realitätscheck ist ernüchternd. Robotaxi-Konkurrent Waymo betreibt bereits 2.500 autonome Fahrzeuge in mehreren US-Städten. Tesla steht mit 500 Cybercabs, die teilweise auf einen Sicherheitsfahrer angewiesen sind, noch am Anfang.

Elon Musks Versprechen offenbaren dabei das eigentliche Problem. Denn: Zwischen Millionen geplanten und maximal 2.500 erlaubten Tesla-Robotaxis (bei Waymo theoretisch unbegrenzt) klafft eine gewaltige Lücke aufgrund technischer Probleme.

Auch beim humanoiden Roboter Optimus ist Tesla kein Pionier. Denn rund um Boston Dynamics, Unitree und Xpeng schläft die Konkurrenz nicht. Vor allem nicht in China, wo Kostenvorteile entscheidend sein dürften. Optimus ist bislang zudem mehr ein Forschungsprojekt als ein produktiver Helfer.

Das Bewertungsparadoxon bei Tesla: Das Unternehmen ist an der Börse mehr wert als die zehn größten Autohersteller der Welt zusammen und das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt immer noch bei einem Wert von über 250. Solange das Autogeschäft wuchs, trug diese Vision.

Gelingt sie bei Autonomie und Robotik, wäre der Pivot genial. Misslingt er, bleibt ein Meme-Mythos und ein CEO, der lieber neue Versprechen macht, als alte einzulösen. Der Tesla-Kurs ist dennoch nicht von Umsatz und Gewinn getrieben, sondern von Hype und einer loyalen Fanbase.

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Baustopp für Wind und Solar: Ein Frontalangriff auf die Energiewende?

12. Februar 2026 um 11:00

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Baustopp Wind Solar Reiche

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den Ausbau von Wind- und Solarkraft in einigen deutschen Regionen stoppen. In einem geleakten Gesetzesentwurf wird der schleppende Netzausbau als Grund genannt. Kritiker sprechen von einem Frontalangriff auf die Energiewende. Eine kommentierende Analyse.

Wirtschaftsministerin Reiche plant Baustopp für Wind und Solar

  • Mit einem Referentenentwurf, der unter anderem Table Media vorliegt, will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zentrale Vorgaben für die Energiebranche kippen, die teilweise seit 25 Jahren gelten. Der sogenannte Anschlussvorrang für erneuerbare Energien soll künftig etwa entfallen. Dieser sieht vor, dass Solar- und Windkraftanlagen immer als Erstes angeschlossen werden. Reiche will hingegen, dass die Netzbetreiber eigenmächtig entscheiden können, welche Anlagen ans Netz gehen dürfen und welche nicht.
  • Hintergrund der Pläne ist der schleppende Netzausbau in Deutschland, der mitunter dazu führt, dass Windräder und Solaranlagen heruntergefahren werden müssen, wenn sie zu viel Strom produzieren. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Abregelung, die eine Überlastung der Stromnetze verhindern soll. Laut Bundesnetzagentur wurden 2024 insgesamt 3,5 Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung abgeregelt, was zu Kosten in Höhe von 554 Millionen Euro geführt hat.
  • Das sogenannte Netzpaket sieht vor, dass Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen am Ausbau der Stromnetze finanziell beteiligt werden können. Bisherige Entschädigungszahlungen sollen aufgrund abgeregelter Anlagen für bis zu zehn Jahre entfallen. Im Entwurf wird diese Fördermaßnahme für Erneuerbare „Redispatch-Vorbehalt“ genannt. Sie ist zentrale Grundlage dafür, dass Anlagenbetreiber den Ausbau von Wind- und Solarkraft vorantreiben können. Gas- und Kohlekraftwerke sollen laut Gesetzesentwurf weiterhin Anspruch auf Entschädigungen erhalten.

Der Klimawandel ist keine Ermessensfrage

Der aktuelle Gesetzesentwurf des Wirtschaftsministeriums ist weniger im Sinne des Netzausbaus, sondern stellt vielmehr eine Machtverschiebung im Rahmen der Energiewende dar. Denn wenn der Anschlussvorrang für Erneuerbare entfällt, wird aus einem Rechtsanspruch eine Ermessensfrage. Doch der Klimawandel ist keine Ermessensfrage.

Die Lobbyarbeit der Netzbetreiber bei Katherina Reiche scheint derweil Früchte getragen zu haben. Das Ziel: Sie wollen von einem technischen Dienstleister zu einem Torwächter der Transformation werden. Das mag effizient klingen, stinkt aber gewaltig.

Denn wer dem schleppenden Netzausbau mit einem Baustopp für Erneuerbare habhaft werden will, verwechselt Symptom und Ursache. Vergleichbar mit der Frage: Repariert man die Straße oder sperrt man Autos?

Noch brisanter wird es beim Redispatch-Vorbehalt. Denn wer fossile Kraftwerke durch Entschädigungen absichern will, während Betreiber von Wind- und Solarparks zahlen sollen, verzerrt den Wettbewerb im Kampf gegen den Klimawandel.

Klar: Erneuerbare und der Netzausbau sollten Hand in Hand gehen, um Unabhängigkeit, Effizienz und bezahlbare Strompreise zu garantieren. Zumindest in puncto digitaler Transparenz sieht der Reiche-Entwurf durchaus Sinnvolles vor. Doch anstatt auf pauschale Baustopps zu setzen und Entschädigungen unausgewogen zu streichen, täte Deutschland gut daran, mehr Gas beim Netzausbau als bei fossilen Kraftwerken zu geben.

Stimmen

  • Auch RWE-Chef Markus Krebber übte auf einer Fachmesse am 10. Februar 2026 scharfe Kritik: „Das ist absurd. Wenn man die Redispatch-Kosten an andere geben will, dann müssen die Netzbetreiber diese tragen, ohne sie an die Kunden weitergeben zu dürfen.“ Laut Krebber erhöhe das den Druck, die Netze schneller auszubauen, ohne die Energiewende zu bremsen.
  • Der unabhängige Energieexperte Tim Meyer findet „auch viel Richtiges im Gesetzesentwurf“. In einem LinkedIn-Beitrag schreibt er: „Gebiete mit begrenzter Netzaufnahmekapazität auf digitalen Plattformen transparent ausweisen und übergangsweise andere Spielregeln vertraglich regeln? Klingt sinnvoll. Auf digitalen Plattformen verfügbare Netzkapazitäten ausweisen und Anschlussbegehren digital umsetzen? Unbedingt! Wo ist also der Haken? Genau an dem Punkt, zu dem der Entwurf kein einziges Wort verliert: der strukturellen Überforderung von Verteilnetzbetreibern.“
  • Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy, in einem Statement: „Das geplante Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein Frontalangriff auf die Energiewende. Wenn der Einspeise- und Anschlussvorrang für erneuerbare Energien fällt, droht der Ausbau von Wind- und Solarenergie massiv einzubrechen. Ministerin Reiche hält zwar offiziell an den Ausbauzielen fest, doch was nützen Solardächer und Windräder auf dem Papier, wenn neue Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden können und keinen verlässlichen Netzanschluss mehr bekommen?“

Muss der Druck auf die Netzbetreiber steigen?

Das Netzpaket wird aufgrund der nahezu ausschließlich negativen Kritik vermutlich in zentralen Punkten entschärft werden. Der Anschlussvorrang könnte in modifizierter Form bestehen bleiben, während digitale Transparenzplattformen kommen und der Druck auf die Netzbetreiber steigt.

Sollte die Reform aber weitgehend wie geplant umgesetzt werden, wird der Ausbau der Erneuerbaren in netzschwachen Regionen ausgebremst. Denn Investoren müssten mit einem höheren Risiko kalkulieren. Und: Die Energiewende würde regionalisiert – mit grünen Hotspots und grauen Flecken.

Das politische Szenario: Der Streit um Netze, Kosten und Zuständigkeiten wird zum Symbolkonflikt über Tempo und Prioritäten. Doch falls die Regierung den Eindruck erweckt, Erneuerbare auf die Wartebank zu schicken, könnte Vertrauen bröckeln.

Gelingt hingegen der Beweis, dass bessere Steuerung nicht gleichbedeutend mit einer Bremse ist, würde aus dem Netzpaket kein Bremsklotz, sondern ein Navigationssystem. Letztlich entscheidet sich die Zukunft aber nicht am Mast, sondern am Maß.

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Moya: Weiblicher Pflegeroboter – mit Körpertemperatur und Silikonhaut

11. Februar 2026 um 11:00

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weiblicher Pflegeroboter DroidUp Silikonhaut

Das chinesische Unternehmen DroidUp hat einen humanoiden Roboter entwickelt, der für eine menschenähnliche Interaktion im Pflegebereich konzipiert wurde. Moya soll mit realistischen Bewegungen, einer Silikonhaut und einer künstlichen Körpertemperatur die Grenzen zwischen Mensch und Maschine weiter verschwimmen lassen. Eine kommentierende Analyse.

Pflegeroboter Moya im Detail

  • Moya wurde von dem chinesischen Unternehmen DroidUp in Shanghai entwickelt. Der humanoide Roboter ist 165 Zentimeter groß und wiegt rund 31 Kilogramm. Im Gegensatz zu anderen Pflegerobotern soll Moya keine Lasten heben, sondern Gespräche mit Pflegebedürftigen führen.
  • Laut DroidUp ahmt Moya menschliche Wärme nach, indem eine Silikonhaut konstant auf 32 bis 36 Grad Celsius temperiert wird. Unter der Haut befinden sich Polsterschichten, die Gewebe imitieren sollen. Der humanoide Roboter hat weibliche Züge wie ein Brustkorb-Imitat und sogar eine Rippenstruktur.
  • Der Pflegeroboter verfügt über verschiedene Anpassungsmöglichkeiten. Pflegeeinrichtungen können etwa Teile austauschen, um ihm wahlweise ein männliches oder weibliches Erscheinungsbild zu verleihen. DroidUp zufolge sind die Bewegungen von Moya zu 92 Prozent menschenähnlich. Eine Kamera ermöglicht es dem Roboter, seine Umgebung zu scannen. Die Markteinführung ist für Ende 2026 geplant. Der voraussichtliche Preis: 173.000 US-Dollar.

Wenn Innovation an der Realität scheitert

Die Versprechen von DroidUp sind so warm und doch so dünn wie Moyas Silikonhaut. Unter der Oberfläche offenbart sich allerdings ein klassisches Tech-Dilemma. Denn mit einem Einstiegspreis von umgerechnet rund 145.000 Euro ist der Humanoide kein Pflegehelfer, sondern ein Luxusobjekt.

Heißt konkret: Selbst wenn Moya einen tatsächlichen Nutzen in der Praxis nachweisen könnte, wäre der humanoide Roboter für Pflegeeinrichtungen, in denen er tatsächlich gebraucht werden könnte, kaum erschwinglich. Kurzum: Die technische Innovation scheitert an ökonomischer Realität.

Doch auch die Technologie selbst lässt Skepsis aufkommen. Denn: Die angepriesenen 92-prozentigen menschenähnlichen Bewegungen entpuppen sich beim genaueren Hinsehen als klassisches Marketing-Geschwurbel. Videos offenbaren etwa eine steife und vorsichtige Motorik, die weit von einer natürlichen Körpersprache entfernt ist.

Doch Embodied AI bedarf eines fein abgestimmten Zusammenspiels zwischen Mechanik, Sensorik und Software. Genau hier wirkt Moya noch unfertig. Hinzu kommt, dass DroidUp Bionik als Lösung für ein soziales Problem verkauft. Doch Technologie kann menschliche Zuwendung nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Denn: Pflege braucht Vertrauen, nicht nur Temperatur.

Stimmen

  • DroidUp-Gründer Li Qingdu in einem Interview: „Die meisten Roboter, die heute auf dem Markt sind, haben eine harte Hülle und fühlen sich kalt und mechanisch an. Ein Roboter, der wirklich dem Menschen dient, sollte warm sein und eine Temperatur haben, die fast wie die eines Lebewesens ist, mit dem Menschen eine Verbindung aufbauen können.“
  • Krankenpfleger, Erziehungswissenschaftler und Autor Björn Kiehne gegenüber der AOK: „Patienten reagieren gut auf die Ansprache durch Pflegeroboter. In der Entwicklung von menschenähnlichen Pflegerobotern sehe ich eine große Chance. Was ist der Unterschied zwischen der Resonanz, die ein Tier oder die Natur in uns auslöst, und der, die durch eine Maschine erzeugt wird? Wir sind schon immer im Gespräch mit der unbelebten und nicht menschlichen Welt.“
  • In einem Pflegeforum auf Reddit ist der allgemeine Tenor unter Pflegekräften relativ eindeutig. Eine Nutzerin dazu: „Alles, was ich will, ist eine Unterstützung zum Heben, mir tut der Rücken weh. Von mir aus gebt mir einen Roboter mit Gesicht und KI-Funktion. Ich will einfach nur nicht mehr Patienten, die doppelt so viel wie ich wiegen, alleine vom Rollstuhl ins Bett setzen.“

Grundsätzliche Akzeptanz für Pflegeroboter

Falls Moya Ende 2026 auf den Markt kommen sollte, wird sie vermutlich dort landen, wo Budgets größer sind als der tatsächliche Pflegebedarf. Zielgruppe dürften vor allem Privatkliniken und Forschungszentren sein. Im Pflegealltag wird der Roboter allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen.

Denn wer die Pflege entlasten will, muss Kosten und Skalierung mitdenken – und nicht nur einen Showroom füllen. DroidUp setzt derweil auf eine Strategie, die auf Akzeptanz durch Menschlichkeit abzielt. Erste Reaktionen zeigen aber, dass die anfängliche Faszination schnell in Unbehagen überkippen kann.

Der fast menschliche Körper von Moya polarisiert nämlich stärker als kalte Maschinenarme. Die Frage ist jedoch nicht, was technisch möglich ist, sondern was im Alltag wirklich gebraucht wird. Moya könnte dennoch ein Vorbote für erschwingliche Sozial-Roboter sein.

Eine aktuelle Studie aus Japan offenbart zumindest eine grundsätzliche Akzeptanz unter Pflegekräften und Pflegebedürftigen – vorausgesetzt die Roboter sind sicher. Ob es dafür einen warmen Händedruck aus Silikon bedarf, ist aber äußerst fraglich.

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OpenClaw-Hype: Wenn KI-Agenten außer Kontrolle geraten

10. Februar 2026 um 11:00

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Ki-Agenten OpenClaw Kontrolle

KI-Agenten werden als das nächste große Ding in der Tech-Szene gehandelt. Sie sollen eigenständig und automatisiert agieren können. Bislang hielt sich ihr Impact aber in Grenzen – und das hat gute Gründe. Die Software OpenClaw sorgt seit Anfang des Jahres aber für Furore und wird von vielen als erster echter KI-Agent bezeichnet. Eine kommentierende Analyse.

Was ist OpenClaw?

  • OpenClaw ist eine frei verfügbare Software, mit der Nutzer eigene KI-Agenten konfigurieren können. Sie wurde Ende 2025 vom österreichischen Entwickler Peter Steinberger veröffentlicht und ging Anfang 2026 viral, da die Künstliche Intelligenz prinzipiell genauso agieren kann wie ein Mensch vor einem Computer. Viele bezeichnen OpenClaw daher als den ersten echten KI-Agenten.
  • Der autonome KI-Assistent läuft direkt auf einem lokalen Rechner und kann je nach Konfiguration eigenständig Aufgaben ausführen. Darunter: das Schreiben und Versenden von Nachrichten, das Verwalten von Kalendern oder der Abruf von Daten oder Quellen aus dem Internet. Nutzer können zusätzliche „Skills“ installieren, die die Fähigkeiten des KI-Agenten erweitern sollen. OpenClaw benötigt dafür weitreichende Systemrechte und Zugriff auf persönliche Daten.
  • Das größte Risiko von OpenClaw liegt in seiner umfangreichen Architektur. Durch sogenanntes Prompt Injection können Dritte die KI durch gezielt eingeschleuste Anweisungen dazu bringen, ihre ursprünglichen Regeln oder Sicherheitsvorgaben zu ignorieren – mittels scheinbar harmloser Texteingaben, Websites oder Dokumenten. Dieses branchenweite Problem stellt in Kombination mit den umfangreichen Systemrechten des Agenten ein enormes Einfallstor dar.

KI-Agenten: Kein Beweis für Superintelligenz

OpenClaw ist zweifellos beeindruckend. Denn die Software ermöglicht es KI-Agenten, nicht nur zu antworten, sondern zu klicken und zu handeln. Das Tool macht erstmals greifbar, was lange als große, aber unkonkrete Versprechen durch Pressemitteilungen, Interviews und Podiumsdiskussionen geisterte.

In der Theorie stellt OpenClaw Großkonzerne wie OpenAI oder Google in puncto Datenschutz und Privatsphäre sogar in den Schatten. Denn: Sämtliche Daten werden lokal auf Endgeräten verarbeitet, anstatt über Programmierschnittstellen in den Clouds von Big Tech zu landen.

Doch diese vermeintliche Freiheit ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits, weil OpenClaw sich klar an ein technikaffines Publikum richtet, um Grenzen, Möglichkeiten, aber auch Risiken auszuloten. Andererseits, weil der KI-Agent in Laienhänden das enorme Sicherheitsrisiko solcher Anwendungen offenbart.

Die Software soll in einem Fall etwa unkontrolliert rund 500 Nachrichten an die Kontakte eines Nutzers geschickt haben. In einem anderen Fall wurde ein OpenClaw-Agent offenbar angewiesen, ein Restaurant über das Internet zu buchen. Als das nicht klappte, soll sich die KI eine Stimme heruntergeladen und bei dem Restaurant angerufen haben.

Beide Fälle zeigen zwar die Risiken auf, sind aber kein Beweis für eine verselbstständigte Intelligenz, wie sie medial häufig dargestellt wird. Sondern: für eine Software, die exakt das tut, was man ihr – absichtlich oder unabsichtlich – erlaubt.

Stimmen

  • OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger in einem Videointerview: „OpenClaw ist wie ein Geist vor dem Computer, der Tastatur und Maus bedienen kann. Mein Produkt kann komplett lokal laufen. Das heißt: Wenn man möchte, geht nichts aus dem Rechner raus.“ In einem Beitrag auf X (ehemals Twitter) ergänzt er: „Die Menge an Kritik dafür, dass ich ein Hobbyprojekt kostenlos zur Verfügung stelle, ist schon beeindruckend. Es soll die Leute inspirieren. Und ja, die meisten Nicht-Techniker sollten das nicht installieren.“
  • Sicherheitsforscher Jamieson O’Reilly beschreibt die Vor- und Nachteile von OpenClaw wie folgt: „Stell dir einen Butler vor, der brillant ist. Er managt deinen Kalender, übernimmt deine Nachrichten, kennt deine Passwörter. Jetzt stell dir vor, du kommst nach Hause – und die Haustür steht offen. Dein Butler lässt jeden rein und serviert Tee, während ein Fremder in deinem Arbeitszimmer sitzt und dein Tagebuch liest.“
  • Chris Beyeler, Präsident des Schweizer Verbands swissAI, gibt zu bedenken: „KI kann verblüffen – aber sie ist kein fühlendes Wesen. Wenn wir jede neue Plattform sofort als verselbstständigte Intelligenz darstellen, erzeugen wir unnötige Ängste und verlieren den Blick fürs Wesentliche: Wie funktionieren diese Systeme wirklich, wer steuert sie und wo liegen die tatsächlichen Risiken und Chancen.“

KI-Agenten sind noch kein sicheres Produkt

Theoretisch ist das Potenzial von KI-Agenten enorm. Sie können Termine koordinieren, Reisen planen oder Informationen recherchieren – und zwar ohne ständiges Nachfragen oder Copy-and-Paste-Orgien.

Es gibt jedoch gute Gründe dafür, warum ein Open-Source-Projekt erstmals die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten von KI-Agenten aufzeigt, während sich Großkonzerne bislang zurückhielten. Denn: Ein daten- und sicherheitskonformes Produkt für Endnutzer ist noch mindestens zwei bis drei Jahre entfernt.

Selbst Google und OpenAI haben noch keine Lösung dafür gefunden, existierende technologische Möglichkeiten mit glücklicherweise existierenden politischen und rechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen.

OpenClaw offenbart jedoch auch, was möglich ist, ohne den großen Technologie-Unternehmen persönliche Daten preiszugeben. Der Weg von einem Hacker-Spielzeug zu einem Produkt ist dennoch steinig. Denn dazu bräuchte es eine Benutzeroberfläche, die auch Menschen ohne Terminal-Erfahrung kontrollieren und verstehen können.

OpenClaw-Nutzer sind deshalb in erster Linie Versuchskaninchen – teilweise freiwillig, teilweise aus Unwissenheit. Die Technologie weist zwar klar in die Zukunft, steht aber noch auf wackligen Beinen. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob KI-Agenten kommen, sondern ob wir lernen, ihnen rechtzeitig Grenzen zu setzen, bevor sie uns höflich Essen bestellen, hintenrum aber unser Tagebuch leaken.

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PayPal verliert sein Mojo: Geschäftsmodell vor dem Aus?

09. Februar 2026 um 11:00

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PayPal Geschäftsmodell

PayPal steht aktuell vor einer ungewissen Zukunft. Nachdem die Ergebnisse aus dem vierten Quartal 2025 hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, rutschte die Aktie um mehr als 20 Prozent ab. Gleichzeitig verkündete das Unternehmen einen Wechsel auf dem Chefsessel. Eine kommentierende Analyse.

PayPal bekommt neuen CEO

  • PayPal hat am 4. Februar Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgelegt. Das Unternehmen meldete zwar einen bereinigten Gewinn in Höhe von 1,23 US-Dollar pro Aktie, doch Marktbeobachter hatten mit mehr gerechnet. Auch beim Umsatz blieb der Zahlungsdienstleister mit 8,68 Milliarden US-Dollar hinter den Erwartungen zurück. Vor allem das Wachstum bei Online-Checkouts verlor an Schwung und verlangsamte sich auf ein Prozent. Im Vorjahr war diese Sparte noch um sechs Prozent gewachsen.
  • Als Grund für die schwachen Zahlen nannte PayPal den schwächelnden US-Einzelhandel sowie Belastungen im internationalen Geschäft. Mit der Absetzung des bisherigen CEO Alex Chriss sorgte das Unternehmen zudem für einen Paukenschlag. Er soll ab März von HP-Chef Enrique Lores abgelöst werden. In der Zwischenzeit übernimmt PayPal-Finanzchef Jamie Miller interimsweise.
  • Die PayPal-Aktie rutschte innerhalb kürzester Zeit um mehr als 20 Prozent ab und liegt jetzt bei rund 34 Euro (Stand: 6. Februar 2026). So niedrig war der Kurs zuletzt im Jahr 2018. Dabei kannte die PayPal-Aktie seit dem Börsengang lange nur eine Richtung: nach oben. Im Zuge der Corona-Pandemie erreichte sie 2022 mit 250 Euro ihren Höhepunkt. Seither ging es bergab.

Die Börse verliert das Vertrauen in PayPal

Auf den ersten Blick wirken die aktuellen Quartalszahlen von PayPal gar nicht mal so schlecht. Schließlich schreibt das Unternehmen keinen Verlust und wächst nach wie vor – wenn auch minimal. Doch an der Börse zählt nicht das Heute, sondern das Morgen.

Auf den zweiten Blick befindet sich PayPal aber auf dem absteigenden Ast. In der Vergangenheit war das Unternehmen etwa dafür bekannt, die Erwartungen und Prognosen an der Börse zu übertreffen – und zwar regelmäßig.

Diese Zeit scheint vorbei zu sein. Denn das finanzielle Herzstück von PayPal, der Zahlungs-Checkout in Online-Shops, wächst kaum noch. Der abrupte Kursabsturz ist deshalb aber eher ein Vertrauensverlust als ein Ausdruck akuter Schwäche.

Zugegeben: Der scheidende CEO Alex Chriss hatte es nach den überragenden Zahlen in den Corona-Jahren nicht leicht, PayPal wieder auf Kurs zu bringen. Doch das einstige Musterunternehmen muss sich vorwerfen lassen, sich zu lange auf seinem Geschäftsmodell ausgeruht zu haben. Trends wie das Zahlen per Smartphone oder ein „Buy now, pay later“-Angebot wurden stattdessen verpennt.

Stimmen

  • Der neue Interims-CEO Jamie Miller zu den aktuellen Quartalszahlen: „Im Jahr 2025 haben wir unseren Umsatz und unseren Gewinn pro Aktie gesteigert und damit die Stärke unserer Plattform unterstrichen. Gleichzeitig war unsere Umsetzung nicht ganz zufriedenstellend, insbesondere im Bereich des Marken-Checkouts. Wie heute bekannt gegeben wurde, spiegelt die Ernennung von Enrique Lores zum nächsten Präsidenten und CEO von PayPal durch den Vorstand das klare Bekenntnis zur Stärkung der Umsetzung, Innovation und Ergebnisse wider.“
  • Der designierte CEO Enrique Lores in einem Statement: „Die Zahlungsverkehrsbranche verändert sich schneller denn je – angetrieben durch neue Technologien, Vorschriften, ein wettbewerbsintensives Umfeld sowie die rasante Beschleunigung von KI, die den Handel täglich neu gestaltet.“ Lores freue sich darauf, „die Umsetzung neuer Innovationen zu beschleunigen und die Zukunft digitaler Zahlungen und des digitalen Handels mitzugestalten.“
  • David Marcus, der von 2014 bis 2018 das Präsidentenamt bei PayPal bekleidete, in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Ich behaupte nicht, dass ich jede Entscheidung anders getroffen hätte. Im Laufe der Zeit verlor das Unternehmen, das alle Vorteile hatte und das bedeutendste und relevanteste Zahlungsunternehmen unserer Zeit hätte werden können, sein Mojo, seinen Produktvorteil und seine Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, der sich vor unseren Augen neu ordnet und neu erfindet.“

Vom Branchen-Primus zum Payment-Dinosaurier?

Die große Frage lautet: Wie will PayPal künftig Geld verdienen, wenn der bisherige Goldesel schwächelt? Bislang sehen die Prognosen für 2026 zumindest eher ernüchternd aus. Denn: Mit Konkurrenz-Angeboten wie Apple Pay, Google Pay, der europäischen Initiative Wero oder Echtzeitüberweisungen in der EU wächst der Druck auf den PayPal-Checkout von allen Seiten.

Das Unternehmen, das zunehmend wie ein Payment-Dinosaurier wirkt, benötigt deshalb dringend eine neue Einnahmequelle. Doch auch bei anderen Trends wie „Buy now, pay later“-Angeboten hat man der Konkurrenz bereits das Feld überlassen – vor allem Klarna.

PayPal hatte zwar früh ein führendes US-Unternehmen in diesem Bereich übernommen, das Thema aber lange eher stiefmütterlich behandelt. Der Versuch, eine Aufholjagd zu starten, wäre deshalb äußerst riskant.

PayPal ist zwar nach wie vor einer der führenden Zahlungsanbieter, doch die glorreichen Zeiten scheinen vorbei zu sein – auch, weil sich viele Händler aufgrund von Sicherheitspannen wie im Sommer 2025 von der Zahlungsmethode verabschiedet haben.

Das Unternehmen steht deshalb vor einem Scheideweg: Entweder gelingt ein glaubwürdiger Neustart mit klarer Strategie – etwa durch einen Zukauf. Oder der Konzern bleibt das, was Kritiker längst in ihm sehen – ein One-Trick-Pony in einer Branche, in der Geduld keinen Stellenwert hat.

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