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KI-Faulheit: Hilfe, ich habe das Denken verlernt!

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Gehirn Entwicklung KI

Eine kurze Spracheingabe oder eine geschriebene Frage genügt und die KI unserer Wahl spuckt uns eine fundiert klingende, wissenschaftlich anmutende Antwort aus. Diese ist so gut formuliert, dass wir erst gar nicht beginnen, über das Thema nachzudenken. Das hat fatale Auswirkungen. Eine kommentierende Analyse.

Hintergrund

  • Der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest hat für die JIM-Studie 2025 untersucht, wie Jugendliche und junge Erwachsene KI nutzen. Knapp drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen setzen KI für Hausaufgaben oder das Lernen ein. Damit nehmen ChatGPT und Co. schon den zweiten Platz hinter klassischen Suchmaschinen ein. Besonders bedenklich: 57 Prozent der Befragten halten die KI-Antworten für vertrauenswürdig.
  • Das ist fatal. Denn: 45 Prozent aller KI-Antworten haben mindestens ein schwerwiegendes Defizit. Zu diesem Ergebnis ist die Studie „News Integrity in AI Assistants“ der Europäischen Rundfunkunion gekommen. Zu diesen Defiziten gehören beispielsweise veraltete Quellen, fehlende oder frei erfundene Quellen oder eine Vermischung von Fakten und Meinung. Tatsächlich gefährden wir nicht nur unsere Glaubwürdigkeit, sondern auch unseren Denkapparat.
  • Ein Forscherteam des MIT Media Labs unter Leitung von Nataliya Kosmyna hat sich mit den Auswirkungen der KI-Nutzung auf unser Gehirn beschäftigt. Das Ergebnis von „Your Brain on ChatGPT“: Bei Probanden, die ChatGPT für ihre Recherche genutzt haben, wurde im EEG die geringste Gehirnaktivität verzeichnet. Die Probanden, die über Google suchten oder sich selbst eine Geschichte ausdenken mussten, wiesen sehr aktive Gehirnareale auf.

Unser Gehirn ist einfach zu alt für KI

Die Auswirkungen von KI auf unser Gehirn sind fatal, denn nur selten denken wir über unser Gehirn nach. Unser Gehirn ist sehr alt und von der Evolution darauf geprägt, in Gefahrensituationen schnell reagieren zu können. Wer den Säbelzahntiger sieht, muss rennen – sonst stirbst du. Wer dagegen nachdenkt, ist tot. Und tatsächlich ist unser Gehirn nicht sonderlich viel weiter – auch, wenn sich die Welt um uns herum stark verändert hat.

Die beiden Forscher Daniel Kahnemann und Amos Tversky haben seit den 1970er Jahren über unser Gehirn und kognitive Verzerrungen geforscht und die Erkenntnisse in verständlicher Form im Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ veröffentlicht. Darin beschreiben die Autoren unter anderem die unterschiedlichen Denk- und Verhaltensmuster unseres Gehirns. Aus Faulheit tendieren wir dazu, Ergebnisse aus kleinen Stichproben zu überinterpretieren oder Wahrscheinlichkeiten und Basiswerte unzureichend zu berücksichtigen.

Ein schönes Beispiel dazu ist Linda. Sie ist 31 Jahre alt, single, offen und sehr intelligent. Sie hat Philosophie studiert. Als Studentin engagierte sie sich stark gegen Diskriminierung und für soziale Gerechtigkeit und nahm an Anti-Atomkraft-Demonstrationen teil. Die Probanden der Studie sollten sagen, ob Linda eine einfache Bankangestellte ist oder eine Bankangestellte, die zudem in einer feministischen Bewegung aktiv ist.

Über 85 Prozent wählten die zweite Option, obwohl die Schnittmenge zweier Ereignisse niemals wahrscheinlicher als ein Einzelereignis sein kann. Das zeigt: Unser Gehirn liebt Prototypen und ignoriert alles, was wir zum Thema Wahrscheinlichkeit lernen. Oder anders ausgedrückt: Unser Gehirn liebt es, wenn es nicht denken muss. Es liegt gerne auf dem Sofa. Genau an dieser Stelle wird es für uns Menschen durch Künstliche Intelligenz so gefährlich. Sie liefert uns schnell, plausibel klingende Antworten, die uns dazu einladen, nicht mehr nachzudenken. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern.

Stimmen

  • Zishan Khan ist Kinder- und Jugendpsychiater und arbeitet als Regional Medical Director bei Mindpath Health. Nach der Publikation der MIT-Media-Lab-Studie sagte er gegenüber dem Time Magazine: „Aus psychiatrischer Sicht sehe ich, dass eine übermäßige Abhängigkeit von LLMs unbeabsichtigte psychologische und kognitive Folgen haben kann – insbesondere für junge Menschen, deren Gehirne sich noch in der Entwicklung befinden.“ Er ergänzt: „Diese neuronalen Verbindungen, die ihnen beim Zugriff auf Informationen, dem Erinnern von Fakten und der Fähigkeit zur Resilienz helfen, werden sich alle abschwächen.“
  • Ross Dawson bezeichnet sich selbst als Futurist, arbeitet als Keynote-Speaker für globale Konzerne wie Coca-Cola und ist im Australian Institute of Company Directors aktiv. Er warnt auf LinkedIn: „Bei der Arbeit mit KI ist Faulheit die größte Sünde. In dem Moment, in dem Sie ein Ergebnis als ‚gut genug‘ akzeptieren, hören Sie auf, Ihre kognitiven Fähigkeiten zu trainieren. Von da an ist es ein schleichender Prozess nach unten. Sie können sich stattdessen dafür entscheiden, KI als Gegenüber zu nutzen, um Ihre Absicht zu klären und Ihr Denken zu schärfen – um es besser zu machen als je zuvor. Aber das muss Ihre ausdrückliche Absicht sein. Ohne diese Absicht werden Sie von der KI geformt.“
  • Am Institut für Digitale Ethik an der Hochschule für Medien (HdM) in Stuttgart wurden die „10 Gebote der KI-Ethik“ entwickelt. Dr. Petra Grimm, Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der HdM, erklärt im Interview: „Denke zuerst selbst nach, bevor du KI nutzt, und trainiere deine eigenen Fähigkeiten. Generative KI wie ChatGPT, Grok oder Mistral wurde nicht für Bildungszwecke entwickelt, dringt aber in Schulen ein. KI kann als Tutor helfen – erst, wenn Kinder eigenständiges Denken gelernt haben. Sonst riskieren wir, Problemlösungskompetenz und kritisches Denken zu schwächen.“

KI als Werkzeug richtig nutzen

Es wäre gelogen, sich als Moralapostel aufzuspielen, der sich noch nie blind auf eine KI-Antwort verlassen hat. Das ist mir mehr als einmal so gegangen. Mehr als einmal habe ich allerdings auch festgestellt, wie fehlerbehaftet die KI-Antworten sind – einmal auf der Suche nach einem Krankenhaus mit Geburtsstation und einmal bei den Kursen von Edelmetallen. Beide Male ließ sich die KI keines Besseren belehren – trotz offizieller Quellen und Links als Belege für Falschaussagen.

Diese kleinen Aha-Momente gibt es viel zu selten. Das liegt auch daran, dass wir ChatGPT selten zu unseren Fachgebieten befragen. Wir fragen nicht in den Bereichen, in denen wir uns auskennen, sondern sind auf der Suche nach Wissen an den Stellen, an denen wir blinde Flecken haben. Dadurch entziehen wir uns selbst der Möglichkeit, Fehler zu entdecken und zu lernen, dass KI (viele) Fehler macht.

Ein weiterer Fakt ist: Unser Gehirn liebt Routinen. Im Durchschnitt dauert es rund 60 aufeinanderfolgende Tage, bis wir eine neue Gewohnheit etabliert haben. Diesen verhältnismäßig kurzen Zeitraum sollten wir nutzen, um unserem in die Jahre gekommenen Gehirn ein KI-Upgrade zu verpassen.

Das könnte so gehen: Für mindestens zwei Monate zwingen wir uns dazu, jede KI-Antwort über eine klassische Google-Recherche zu verifizieren oder falsifizieren. Dadurch bringen wir unserem Gehirn bei, KI-Antworten zu misstrauen und stets eine Korrekturschleife durchzuführen. Nach einigen Monaten haben wir eine simple Routine entwickelt, die uns davor schützt, dass unser Gehirn biologisch verkümmert.

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Ikea senkt die Preise und steigt auf die Amazon-Taktik um

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IKEA senkt Preise

Während Netflix seine Streaming-Preise erhöht, die Kosten für KI-Abos steigen und der wöchentliche Einkauf im Supermarkt immer teurer wird, schwimmt Ikea gegen den Trend. Das schwedische Möbelhaus senkt die Preise von 1.500 Produkten und orientiert sich dabei an Amazon. Eine kommentierende Analyse.

Hintergrund

Seit dem 1. September 2026 hat Ikea in Deutschland die Preise für rund 1.500 Produkte gesenkt. Im Durchschnitt sind die Produkte 20 Prozent günstiger geworden. Ein Kallax-Regal mit acht Fächern kostet im Online-Shop 60 Euro statt der vorherigen 75 Euro. Insgesamt investieren die Ingka Group, die Inter IKEA Group und andere Franchisenehmer über 1,2 Milliarden Euro, um die Kosten für Verbraucher zu senken.

Gleichzeitig verschlankt Ikea seine internen Strukturen. Mit einem Umsatzanteil von über 90 Prozent ist die Ingka Group der größte und wichtigste Ikea-Betreiber. Im Frühjahr 2026 hat die Unternehmensgruppe angekündigt, über 800 Verwaltungsstellen zu streichen. Auch im IT- und Logistikbereich in Deutschland wird gestrichen: Bis Ende 2026 verlieren 233 Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz.

Hintergrund sind sinkende Umsätze in der gesamten Branche. Seit 2023 sind die Umsätze der Möbelindustrie um 20 Prozent gesunken. Auch das Jahr 2026 läuft laut dem Verband der Möbelindustrie (VDM) schlecht. Im ersten Halbjahr gab es ein Umsatzminus von 2,7 Prozent. Im dritten Quartal planen 40 Prozent der deutschen Möbelhersteller Kurzarbeit.

Ikea auf dem Plateau: Umbruch statt Absturz

All das zeigt: Ikea steht unter gehörigem Druck. Im Geschäftsjahr 2025 wurde ein Umsatz von 41,5 Milliarden Euro erzielt – bei 1,4 Milliarden Euro Nettogewinn. Das liest sich sehr gut. Allerdings offenbart der Blick in die Vergangenheit, dass Ikea auf einem sehr hohen Niveau stagniert.

Im Geschäftsjahr 2020 lag der Umsatz bei 37,4 Milliarden Euro und 1,2 Milliarden Euro Gewinn. Das zeigt: Es gibt kaum noch Wachstumspotenzial. Die Preissenkungen und Entlassungen sind Teil einer Strategie, die wir bereits von Amazon kennen. Letztendlich geht es nicht darum, die besten Produkte zum höchsten Preis zu verkaufen.

Die Entwicklung der Möbelindustrie verdeutlicht, dass die Schmerzgrenze der Verbraucher erreicht ist. Immer weiter steigende Preise werden nicht mehr einfach akzeptiert. Es braucht ein unternehmerisches Umdenken. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt: Wie können Margen steigen, wenn Preise sinken? Ein zentraler Aspekt dabei ist die Automatisierung.

Das beginnt in den Lagern und Logistikzentren. Anstatt einer manuellen Lagerverwaltung führt Ikea nach und nach intelligente Regalbediengeräte und Fördersysteme für Paletten ein. Dadurch gibt es eine kontinuierliche Lagerüberwachung, ohne dass dafür unzählige Menschen benötigt werden. Die Prozesse werden schlanker und schneller.

Nicht nur durch Robotik optimiert und digitalisiert Ikea seine Unternehmensstruktur. Auch in der Verwaltung wird bereits seit 2021 der Chatbot Billie integriert. Die Folge: Die Anzahl der Kundenanfragen in den Läden ist durch die Künstliche Intelligenz deutlich zurückgegangen, die Zufriedenheit der Kunden ist zugleich gestiegen. Für die betroffenen Kundenservice-Mitarbeiter gab es Umschulungen und Weiterqualifikationen. Die Botschaft: Wir werden einfacher und digitaler, um kundenfreundlicher und wirtschaftlicher zu werden.

Stimmen

  • Peter Jelkeby, CEO von Ikea Deutschland, sagt in der Pressemitteilung: „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wäre es das falsche Signal, nichts zu tun. Niedrige Preise sind für uns ein langfristiges Versprechen. Deshalb gehen wir mit rund 1.500 Preisreduzierungen in Deutschland einen wichtigen Schritt, um gerade dann verlässlich an der Seite vieler Menschen zu bleiben, wenn sie es besonders brauchen. Denn wer heute handelt, kann auch morgen für viele Menschen erschwinglich sein.“
  • Juvencio Maeztu, CEO der Ingka Group, gibt im Rahmen der Stellenstreichungen einen tieferen Einblick: „Wir sind in einem Einzelhandelsumfeld, das Schnelligkeit und Agilität erfordert, zu komplex geworden. Einfachheit ist einer unserer Kernwerte. (…) Gleichzeitig werden wir in die Umschulung und Weiterbildung investieren, um sicherzustellen, dass wir über die richtigen Kompetenzen verfügen, um IKEA für die Zukunft zu entwickeln.“
  • Der ehemalige Ikea-Manager und Handelsberater Cristian Stoicescu befasst sich in einem LinkedIn-Artikel ausführlich mit den Maßnahmen. Er glaubt, dass Ikea auf dem richtigen Weg ist: „Die Umstrukturierung vereinfacht die Organisation; sie gleicht den Einbruch jedoch nicht aus. Nimmt man die 1.650 angekündigten Stellen und setzt sie großzügig mit 90.000 bis 120.000 Euro Gesamtkosten an, spart man 150 bis 200 Millionen Euro. (…) Der Stellenabbau war also nie der Finanzierungsmechanismus. Beide Unternehmen geben als Ziel schnellere Entscheidungen an und beide haben die Kürzungen in der Zentrale konzentriert, nicht in den Filialen.“

Digital, grün und günstig: Online-Wachstum für die Offline-Welt

Sinkende Preise, mehr Automatisierung und Digitalisierung: Ikea arbeitet daran, zukunftssicher zu werden und künftig wieder mehr Mitarbeiter beschäftigen zu können. Oftmals laufen derartige Prozesse zu Lasten der Umwelt. Bei Ikea nicht. Der schwedische Konzern hat frühzeitig die Vorteile von Green Tech für sich entdeckt: Seit mehreren Jahren investiert Ikea in erneuerbare Energien.

Die Ingka Gruppe steckt Milliarden in Windkraft- und Solaranlagen und erzeugt schon seit 2022 mehr Energie, als sie verbraucht. Mittlerweile ist daraus sogar ein eigener Geschäftszweig erwachsen: Ikea ist ein Stromanbieter, der nicht nur seine Möbelproduktion aus erneuerbaren Energien stemmt, sondern auch noch neue Kunden ökologisch an sich bindet.

Zugleich verschwinden nach und nach Plastikverpackungen. Bis spätestens 2028 gibt es keine Kunststoffverpackungen mehr. Stattdessen kommen Verpackungen aus erneuerbaren und recycelten Materialien zum Einsatz. Durch Design-Änderungen werden zudem die Verpackungskosten reduziert, das neue Pax-System spart 70 Prozent Verpackungsmüll ein.

All das zeigt: Wer wirtschaftlich erfolgreich sein möchte, muss nicht die Kunden melken wie Milchkühe in der Massenhaltung. Stattdessen helfen langfristige Investitionen in erneuerbare Energien, grüne Technologien und digitale Produkte dabei, konkurrenzfähig zu bleiben und sogar die Preise reduzieren zu können.

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Google Zero: Wie KI die Medienbranche ausbeutet

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Google KI-Antworten Medien Verlage Journalismus

Jahrelang hat Google die Medienbranche mit sich stetig ändernden SEO-Faktoren auf Trab gehalten. Jetzt droht mit den AI Overviews und dem AI Mode der Nutzer-Traffic stark einzubrechen. Eine Einordnung in „Gut“ und „Böse“ ist aber schwierig, da der KI-Einfluss sehr vielseitig ist. Eine kommentierende Analyse.

Wie Google die KI-Bedrohung zu seinem eigenen Vorteil machte

  • Über Jahrzehnte hinweg hat Google mit seiner Suchmaschine und den daraus resultierenden Linklisten Milliarden verdient. Mit dem Aufkommen und Erstarken von ChatGPT und Co. war eine ernst zu nehmende Bedrohung für das Geschäftsmodell von Google entstanden. Wer soll Google-Werbung schalten und Zeit sowie Geld in SEO-Optimierung stecken, wenn die KI-Assistenten direkt Antworten liefern und den Nutzern das Durchklicken von Linklisten ersparen?
  • Als Schnellschuss kam Google Bard im Sommer 2023 nach Deutschland. Die Arbeit der ersten Google-KI war verheerend. Die Panik im Rollout war im Produkt spürbar. Knapp zwei Jahre später präsentierte Google mit Gemini einen kraftvollen Nachfolger. Die neue Google-KI wird schrittweise in die bisherigen Google-Produkte integriert. Vor allem die klassische Google-Suche verändert sich.
  • Dabei gibt es zwei unterschiedliche Modi: Die AI Overviews erscheinen über den klassischen Suchergebnissen. Dabei handelt es sich um eine Kurzübersicht zur entsprechenden Suchanfrage. Den Nutzern werden Links zur Verfügung gestellt. Wer mit der KI-Übersicht unzufrieden ist, scrollt einfach zu den Links. Der AI Mode dagegen ist ein Chat. Nutzer erhalten Antworten auf ihre Suchanfragen und können Nachfragen stellen – wie bei WhatsApp oder ChatGPT. In diesem Fall gibt es weniger Verweise und der Weg zu den klassischen Suchergebnissen ist komplizierter.

43 Prozent KI-Antworten: Was das für Medien und Verlage bedeutet

Google hat erfolgreich den Switch geschafft. Die einstige Bedrohung durch KI hat CEO Sundar Pichai in eine Stärke umgewandelt. Die Leidtragenden sind Verlage und Medienhäuser. Eine aktuelle Untersuchung des Datenspezialisten Similarweb hat ergeben, dass der Anteil der AI Overviews massiv gestiegen ist. Im Juni 2025 lag der Wert bei 13,3 Prozent. Ein Jahr später liegt er bereits bei 43,1 Prozent. Das heißt: Für fast jede zweite Google-Suchanfrage liefert Google eine vorgeschaltete KI-Antwort.

Die Folge daraus: Der Website-Traffic für bestimmte Websites ist massiv gesunken. Einfach zu beantwortende Fragen – zum Beispiel nach der Einwohnerzahl einer Stadt – können Nutzer einfach der KI-Antwort entnehmen. Ein Klick zu Wikipedia ist nicht mehr notwendig. Auch Fußballergebnisse und Torschützen liefert die Google-KI relativ zuverlässig. Der Klick zum Kicker – nicht mehr notwendig. Im Fachjargon heißt dieser Wandel: Google Zero. Also: kein Traffic mehr von Google für Website-Inhalte.

In Deutschland gibt es die AI Overviews seit März 2025, in Frankreich seit Juli 2026. Über 300 französische Verlage haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Google eingereicht. Sie fordern eine finanzielle Beteiligung von Google. Schließlich steigt die Verweildauer von Nutzern in der Google-Suche, während Verlage mit einbrechenden Nutzerzahlen zu kämpfen haben.

Die Inhalte für die KI-Übersicht erstellt Google wiederum durch das Crawling der Verlagsseiten. Die Verlage bezahlen also Journalisten, um Inhalte zu erstellen. Der Google-Bot liest diese Inhalte kostenlos und fasst sie in den AI Overviews für die Leser zusammen. Verlage bekommen dadurch weniger Traffic und können ihre Inhalte schlechter monetarisieren. Überspitzt gesagt: Google klaut fremde Inhalte und verdient mit ihnen Geld, während die Erzeuger in die Röhre schauen.

Stimmen

  • Konrad Wolfenstein, „Pioneer Business Development“-Experte, ist beeindruckt davon, wie Google die KI-Bedrohung in einen eigenen Vorteil umgewandelt hat. Medienhäuser müssen ihre Inhalte entsprechend anpassen. In einem Blog-Beitrag erklärt er: „Nutzer, deren triviale Anfragen direkt beantwortet werden, stellen in der Folge komplexere, detailliertere Folgefragen – und für diese tiefergehenden Anfragen klicken sie tatsächlich auf externe Quellen. Die KI-Übersicht filtert also gewissermaßen den Trivial-Traffic heraus und hinterlässt eine qualitativ hochwertigere Restmenge an Suchanfragen, die häufiger zu echten Klicks führen.“
  • Auch Suchmaschinen-Guru Rand Fishkin, Gründer von SparkToro und Co-Autor des Buchs „Zero Click Marketing“, stimmt nicht in den Abgesang der Medienhäuser ein. In einem Video auf LinkedIn erklärt er, warum Websites weiterhin wichtig sind (ab 1:40 Min.): „Sie alle (die KI-Agenten) verlassen sich auf die Informationen auf Ihrer Website. Wenn Ihre Daten nur auf Drittanbieter-Plattformen zu finden sind und Sie sie nicht auf Ihrer eigenen Website gebündelt haben, glaube ich, dass Sie ein Problem haben. Wenn keine Daten vorhanden sind, steigen die erfundenen KI-Aussagen massiv.“
  • Brian Balfour war jahrelang Vice President bei Hubspot und hat mit Reforge seine eigene Firma für KI-orientierte Produktentwicklung gegründet. In einem Essay fordert er Verlage, Online-Shops und Website-Betreiber zum Handeln auf. Der KI-Shift ist unaufhaltsam. „Bei Plattformwechseln gibt es nur drei Arten von Unternehmen: diejenigen, die sich zu früh bewegen und Ressourcen verschwenden; diejenigen, die sich zu spät bewegen und das Zeitfenster verpassen; und diejenigen, die den Wandel kommen sehen und sich so positionieren, dass sie gewinnen. Wenn du auf dem Friedhof landest, ist das nicht die Schuld von ChatGPT (oder wer auch immer die Plattform ist). Es ist deine eigene. Die Uhr tickt nicht nur, sie beschleunigt sich. Und in diesem Spiel gewinnt am Ende immer die Bank.“

Warum hochwertiger Journalismus nicht ausstirbt

Die Lage für die Medienbranche ist festgefahren – allerdings nicht aussichtslos. Eine Datos-Analyse zeigt, dass im ersten Quartal 2026 die Zero-Click-Suchen rückläufig sind. Im März 2025 lag der Wert in Europa noch bei 27,2 Prozent, im März 2026 bei 19,6 Prozent. Gleichzeitig ist die organische Klickrate innerhalb eines Jahres von 40 auf 46 Prozent gestiegen. Das zeigt: Eine erste Trendwende ist bereits erkennbar. Und: Journalistische Inhalte sind nach wie vor wichtig.

Tatsächlich ändert sich das Suchverhalten der Nutzer. Sogenannte Mid-Length-Queries mit sechs bis neun Wörtern gewinnen an Bedeutung. Kurze Suchanfragen beantwortet die KI. Für lange Suchanfragen klicken die Nutzer weiterhin auf Websites und lesen Artikel. Für Verlage bedeutet das: Wer wertlose Inhalte mit wenigen Absätzen erstellt, wird Traffic verlieren. Wer hochwertige Inhalte erstellt und tiefgreifende Recherchen liefert, bleibt relevant.

Denn wenn der Anteil der Suchanfragen steigt, wächst auch der Anteil der Klicks. Einerseits ist es verständlich, dass die Verlage am Gewinn von Google beteiligt werden wollen. Andererseits müssen sie sich auch an die eigene Nase fassen. Während sich Google in einem außergewöhnlichen Kraftakt an die neue KI-Umgebung angepasst hat, fahren die allermeisten Medienhäuser seit Jahren das gleiche Konzept: kurze Online-Meldungen mit Clickbait-Charakter im TikTok-Stil.

Diese Art von Inhalten wird obsolet. Wertvoll waren sie noch nie. Deshalb wird sich im Zuge der KI-Revolution die Medienlandschaft mit Sicherheit ausdünnen. Allerdings zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass für qualitativ hochwertigen Journalismus nach wie vor Bedarf und Interesse besteht. Anstatt Zeit und Geld mit Klagewellen zu verschwenden, sollten Verlage besser ihre eigenen Geschäftsmodelle überdenken.

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