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Instagram bald wie YouTube? Neue Videos sollen bis zu 90 Minuten lang sein

29. Oktober 2026 um 18:00

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Instagram Features 90 Minuten Videos YouTube

Instagram holt mit dem neuen Format „Features“ längere Videos zurück auf die Plattform. Mit Videos von bis zu 90 Minuten Länge könnte die Plattform vor allem Platzhirsch YouTube Konkurrenz machen.

Lange Videoformate sind für Instagram eigentlich keine Neuheit. Bereits im Jahr 2018 startete die Plattform mit IGTV einen eigenen Bereich für Videos mit einer Länge von bis zu 60 Minuten.

Doch der erhoffte Erfolg blieb aus, weshalb sich Instagram im Oktober 2021 von der Marke IGTV verabschiedete. Stattdessen rückten seither vor allem kurze Reels in den Mittelpunkt, mit denen Instagram vor allem auf die wachsende Konkurrenz durch TikTok reagierte.

Aktuell sind bei Instagram Videos mit einer Länge von bis zu 20 Minuten möglich. Es scheint sich jedoch in Sachen Videoformate ein erneuter Strategiewechsel bei der Meta-Tochter anzubahnen.

Denn mit dem neuen Format „Features“, das Instagram-Chef Adam Mosseri vorgestellt hat, sollen künftig Videos mit einer Laufzeit von bis zu 90 Minuten möglich sein. Damit will Instagram offenbar auch YouTube stärker Konkurrenz machen.

Bis zu 90 Minuten lange Videos: Was ist Instagram Features?

In einer Videobotschaft erklärt Mosseri, er sei lange Zeit gegen längere Videos auf Instagram gewesen. Das habe vor allem daran gelegen, dass kurze Reels häufiger geteilt werden und so zu mehr Interaktionen zwischen den Nutzern führen.

Dennoch sollen Creator mit „Features“ künftig auch längere Videos veröffentlichen können. „Reels bleiben ein zentraler Bestandteil von Instagram. Doch wenn Nutzer tiefer in die Inhalte ihrer Lieblings-Creator eintauchen möchten, sollte dies auch direkt auf Instagram möglich sein“, erklärt Instagram-Produktchefin Tessa Lyons.

Instagram will seine Nutzer damit offenbar länger auf der eigenen Plattform halten. Statt für längere Videos zu YouTube zu wechseln, sollen sie künftig auch lange Formate wie Podcasts, Interviews oder Vlogs direkt auf Instagram ansehen können.

Anders als bei den klassischen Reels setzt Instagram dabei auf Videos im Querformat. Die neue Funktion wird seit einiger Zeit mit ausgewählten Creatorn in Brasilien getestet und nun auch auf die USA ausgeweitet.

Kurze Videos sollen direkt in Langformate übergehen

Damit Nutzer auf die Langformate aufmerksam werden, will Instagram „eine symbiotische Beziehung zwischen Kurz- und Langformat-Videos schaffen“, so Mosseri. Dafür testet die Plattform aktuell auch die Funktion „Clips as Reels“.

Mit dieser können Creator kurze Ausschnitte aus ihren längeren Videos als Reels veröffentlichen. Über diese Inhalte gelangen die Nutzer per Verlinkung dann direkt zu den Langformat-Videos.

Zusätzlich will Instagram die längeren Formate auch auf den Fernseher bringen. Nutzer sollen diese längeren Videos speichern und dann über die Instagram-App auch auf Smart TVs übertragen können.

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Ragebait: Wie Big Tech mit deiner Wut Kohle scheffelt – und KI alles schlimmer macht

29. Oktober 2026 um 11:00

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Ragebait Big Tech KI Künstliche Intelligenz Social Media

Ragebait ist ein Wutköder – und ein skrupelloses Geschäftsmodell. Digitale Inhalte sollen Menschen provozieren, damit sie klicken, kommentieren, streiten und für andere Reichweite und Werbeeinnahmen generieren. Dass Ragebait zum Jugendwort des Jahres 2026 gekürt wurde, ist deshalb keine kuriose Randnotiz, sondern ein Warnsignal, wie gut Empörungsmechanismen bei jungen Menschen funktionieren. KI setzt dieser künstlichen Wut noch die Krone auf. Eine kommentierende Analyse.

Was ist Ragebait?

  • Wörtlich übersetzt bedeutet Ragebait so viel wie Wutköder. Gemeint sind Inhalte, die Menschen im Internet gezielt provozieren, empören oder zu hitzigen Diskussionen verleiten sollen. Das können absurde Behauptungen, beleidigende Aussagen oder Videos mit völlig unsinnigen Aktionen sein. Der entscheidende Unterschied zu gewöhnlichem Clickbait: Es geht vor allem darum, dass Menschen reagieren, kommentieren oder sich mit anderen streiten. Genau solche Interaktionen können die Reichweite erhöhen – und sich für Urheber sowie Plattformbetreiber finanziell lohnen.
  • Am 10. Oktober wurde Ragebait zum Jugendwort des Jahres 2026 gekürt. Im Vergleich zu vorherigen Gewinner-Wörtern wie „Cringe“, „das crazy“ oder „Aura“ handelt es sich aber weniger um eine kuriose sprachliche Randnotiz. Bei der Abstimmung von Langenscheidt setzte sich Ragebait mit 36,5 Prozent gegen „Peak“ und „Crashout“ durch. Das Ergebnis lässt sich als Hinweis darauf deuten, wie präsent die Mechanismen gezielter Online-Empörung bei jungen Menschen wirken. Es beweist aber nicht unbedingt, dass Jugendliche den Begriff inflationär nutzen oder das Phänomen ausschließlich kritisch beäugen.
  • KI kann Ragebait noch einfacher und schneller produzieren. Sie generiert Texte, Fragen und andere Inhalte in großer Zahl. Medienforscher zeigen, wie KI-generierte Provokationen auf Plattformen auftauchen können, ohne dass ein Mensch jeden einzelnen Beitrag erstellt oder verbreitet. Politisch ist das heikel, weil Empörung und Polarisierung auch für Wahlkämpfe genutzt werden. Eine Untersuchung zur Bundestagswahl 2025 zeigt etwa, dass Empfehlungsalgorithmen politische Videos von Parteien an den Rändern häufiger in die Feeds junger Nutzer spielten als Beiträge aus der politischen Mitte.

Wut als Währung

Jugendwort oder Unwort des Jahres? Dass ausgerechnet „Ragebait“ die Wahl gewonnen hat, ist auf jeden Fall nicht nur eine kleine kuriose Fußnote der Jugendsprache. Während „Cringe“, „das crazy“ oder „Aura“ vor allem für sprachliche Trends stehen, verweist das Jugendwort des Jahres 2026 auf ein skrupelloses Geschäftsmodell, das von menschlicher Schwäche lebt. Denn Wut wird zur Währung, Empörung zur Interaktionsfalle und künstlich angestachelter Streit zum Business. Dass sich damit Geld verdienen lässt, ist traurigerweise Ergebnis der ökonomischen Logik digitaler Medien. Denn wer mehr auf Plattformen verweilt und interagiert, kurbelt Reichweite, Werbeanzeigen und Einnahmen an.

Auch viele Accounts setzen gezielt auf Ragebait, um Nutzern ihre Botschaften zu indoktrinieren und über mehr Reichweite indirekt ihr Geschäftsmodell anzukurbeln. Man stelle sich im übertragenen Sinne mal vor, ein Supermarkt würde seinen Kunden harte Drogen verticken und jegliche Kritik daran mit dem Argument abwiegeln, er habe das Zeug ja nicht selbst zusammengerührt. Ähnlich argumentiert auch Big Tech. Will heißen: Die Plattformbetreiber wollen sich ihrer Verantwortung entziehen. Sie stellen aber eine Infrastruktur bereit, die andere mit süchtig machenden Provokationen zumüllen. Stichwort: Doomscrolling.

Algorithmen, die auf maximale Aufmerksamkeit getrimmt sind, sorgen dafür, dass nicht Vernunft oder Diskurs siegen, sondern Hass und Wut. Dass Ragebait im KI-Zeitalter Hochkonjunktur genießt, ist derweil alles andere als Zufall. Denn automatisierte Provokationen en masse sind ein noch größerer Wutköder. Ragebait soll dazu verleiten, Menschen vorschnell zu verurteilen, ohne Hintergründe, gesellschaftliche Bedingungen oder Umgangsformen zu hinterfragen. Trauriges Ergebnis ist eine höchst problematische Debattenkultur, in der Lautstärke mehr zählt als Argumente.

Stimmen

  • Medienwissenschaftler Martin Andree gegenüber n-tv: „Ragebait führt dazu, dass die Leute mehr Zeit auf den Plattformen verbringen. Sie reagieren auf negative Inhalte, beleidigen einander, antworten dann wiederum darauf und gelangen dadurch in eine Art Hamsterrad, aus dem sie nur schwer wieder herauskommen. Was stark polarisiert, erhält auch viel Aufmerksamkeit. Die Leute suchen sich diese Inhalte nicht selbst aus. Sie bekommen sie in ihren Feeds einfach vorgesetzt. Die Verbraucher- und Nutzerautonomie wurde weitgehend abgeschafft.“
  • Ragebait hat zudem eine politische Ebene. Amber Jensen von der Bertelsmann Stiftung dazu: „Empfehlungsalgorithmen bestimmen heute, welche politischen Botschaften junge Menschen überhaupt erreichen. Wenn Parteien der Mitte im digitalen Raum strukturell weniger sichtbar sind, gefährdet das die Ausgewogenheit digitaler Wahlkämpfe.“ Ihre Kollegin Kira Schrödel ergänzt: „Die Feeds sind keine neutralen Räume. Sie spiegeln algorithmische Vorlieben wider. Ob die digitale Öffentlichkeit zukünftig Polarisierung verstärkt oder konstruktiven Diskurs ermöglicht, hängt davon ab, wie wir jetzt kommunizieren und regulieren.“
  • In einem Interview mit Stanford Report erklärt Kommunikationswissenschaftlerin Angèle Christin, welche Rolle KI bei Ragebait spielt: „Generative KI-Tools machen die Produktion von ‚Rage Bait‘ einfacher und schneller. Man denke nur an das gefälschte Video, in dem Präsident Trump eine goldene Krone trägt und nach der jüngsten ‚No Kings‘-Demonstration braunen Schlamm aus einem Flugzeug auf Demonstranten abkippt. […] Das Video – seine Handlung und seine Ästhetik – sprach für sich. Für viele Content-Ersteller ist generative KI ein Segen: Die Technologie ermöglicht es ihnen, mehr Inhalte zu veröffentlichen, von denen sie hoffen, dass sie die Aufmerksamkeit des Publikums und der Algorithmen auf sich ziehen (im Guten wie im Schlechten – das spielt keine Rolle) und viral gehen.“

Wie du Ragebait den Wind aus den Segeln nimmst

Was man gegen Ragebait und KI-Müll tun kann? Die wohl banalste als auch effektivste Methode: erstmal kurz runterfahren. Denn nicht jeder noch so absurde Inhalt verdient unsere Wut, nicht jede Provokation ist einer Antwort würdig und nicht jeder Streit einen weiteren Kommentar. Oder: Bevor der Finger oder Cursor auf „Antworten“ landet, kann sich die simple Frage lohnen, was ein Inhalt bezwecken soll. Denn mit der Unterscheidung zwischen Diskussion und reiner Provokation nimmt man Ragebait den Wind aus den Segeln.

Indes: Nicht jeder Scheiß braucht eine weitere Bühne! Etwas einfach mal zu ignorieren, muss kein Zeichen von Gleichgültigkeit sein. Es ist vielmehr eine bewusste Entscheidung gegen die Aufmerksamkeitsökonomie in den sogenannten sozialen Medien. Denn: Wer offensichtlich und kalkuliert provoziert, sollte nicht auch noch mit Reichweite belohnt werden. Das gilt ebenso für Medien, die Empörung bisweilen selbst zu Schlagzeilen verwursten und damit Zuspitzungen sowie Ragebait-Mechanismen verstärken.

Oder: Nicht jede noch so absurde Behauptung muss aufgegriffen und nicht jeder digitale Ausraster zu einer gesellschaftlichen Debatte aufgebauscht werden. Aber es ist zu bequem, die Verantwortung allein den Nutzern zuzuschieben. Denn solange Plattformen mit Aufmerksamkeit Geld scheffeln, bleibt die Versuchung groß, Empörung systematisch zu verstärken. Was es stattdessen braucht, sind transparente Empfehlungsalgorithmen, klare Regeln und mehr Verantwortungslast für die Betreiber. Bis dahin hilft innere Distanz – und gelegentlich eine Prise Jugendsprache: „Junge, chill mal, is doch nur Ragebait!“

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Nachrichten planen und später verschicken: WhatsApp führt neue Funktion ein

13. Oktober 2026 um 18:00

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WhatsApp Nachrichten planen Messenger Meta

WhatsApp arbeitet an einer neuen Funktion, auf die viele Nutzer schon lange gewartet haben dürften. Denn künftig sollen sich Nachrichten im Voraus planen und zu einem festgelegten Zeitpunkt automatisch verschicken lassen. Diese Nutzer können das neue Feature bereits testen.

WhatsApp gehört für Millionen Menschen weltweit inzwischen fest zum Alltag dazu. Ob kurze Nachrichten, Fotos oder Anrufe – der Messenger aus dem Hause Meta wird für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt.

Trotzdem fehlen der beliebten App noch immer einige praktische Funktionen, die sich viele Nutzer schon lange wünschen. Eine davon könnte nun endlich Einzug halten.

Denn wie WABetainfo berichtet, arbeitet WhatsApp an einer Planungsfunktion für Nachrichten. Nutzer können damit Nachrichten schreiben und zu einem selbst festgelegten Zeitpunkt automatisch verschicken zu lassen.

Nachrichten bei WhatsApp planen und später verschicken

Bisher müssen Nutzer bei WhatsApp ihre Nachrichten noch direkt selbst verschicken. Doch das soll sich nun ändern, denn der Messenger arbeitet an einer Möglichkeit, Mitteilungen im Voraus zu verfassen und zu einem bestimmten Zeitpunkt automatisch versenden zu lassen.

Erste Nutzer des Updates der WhatsApp-Beta für Android mit der Version 2.26.40.7 können das neue Feature bereits testen. In den kommenden Wochen soll die Funktion dann auch für mehr Nutzer zur Verfügung stehen. Empfangen kann geplante Nachrichten jedoch jeder Nutzer, auch wenn er selbst noch keine senden kann.

Die neue Funktion gilt sowohl für den Versand von Textnachrichten und Links, als auch für Fotos und Videos. Bei Fotos und Videos kann allerdings immer nur ein Element im Voraus geplant werden, der Versand von mehreren Fotos oder Videos gleichzeitig ist nicht möglich.

Das neue Feature kann außerdem in Einzel- und Gruppenchats genutzt werden und ist mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kompatibel. In Gruppenchats wird die geplante Nachricht jedoch nur für die Nutzer sichtbar, die zum Planungszeitpunkt auch Teil der Gruppe waren. später hinzugefügte Nutzer sehen die geplante Nachricht nicht.

So kannst du Nachrichten bei WhatsApp planen

Nutzer legen über das neue Feature einen Sendezeitpunkt für ihre Nachricht fest. Diese wird dann auch verschickt, wenn das entsprechende Gerät gerade offline oder die App geschlossen ist.

Willst du eine Nachricht bei WhatsApp im Voraus planen, kannst du diese ganz normal in dem jeweiligen Chat verfassen. Durch langes Drücken der Senden-Taste öffnet sich dann ein Menüfeld am unteren Bildschirmrand.

Hier kannst du den gewünschte Sendezeitpunkt auswählen. Der frühestmögliche Zeitpunkt für den Versand einer geplanten Nachricht liegt zehn Minuten in der Zukunft. Bis zu zwei Wochen im Voraus können Nachrichten insgesamt geplant werden.

Auch das Verändern von geplanten Nachrichten wird mit dem neuen Feature möglich sein. In den Chat-Informationen wird es einen Bereich geben, in dem Nutzer ihre geplanten Nachrichten vor dem Versand noch einmal verwalten können.

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Meta-KI belästigt Mutter mit übergriffigen Fragen zu ihren Kindern

22. September 2026 um 11:00

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Meta AI KI Mutter Kinder Kalie Robins Künstliche Intelligenz belästigt

Eine Mutter aus Utah hat ein harmloses Video auf Instagram gepostet, in dem sie mit einer ihrer Töchter im Auto sitzt und singt. Was danach passierte, wirft grundlegende Fragen über Meta AI auf. Die KI schlug ihr ungefragt vor, die Identität ihrer Kinder preiszugeben, und lieferte mögliche Antworten gleich mit. Dafür durchsuchte sie jahrealte Posts auf Facebook und Instagram, teilweise auch von Familienmitgliedern. Der Fall zeigt, wie KI uns immer gläserner macht – ohne jegliche Einwilligung. Eine kommentierende Analyse.

Meta AI drängt Mutter Identität ihrer Kinder preiszugeben

  • Anfang September 2026 veröffentlichte eine Mutter aus dem US-Bundesstaat Utah ein Video auf Instagram, das sie mit einer ihrer beiden Töchter im Auto beim Singen zeigt. Das Kind befand sich auf dem Rücksitz. Das Gesicht der Tochter von Kalie Robins war zu sehen, doch ihren Namen hatte die Mutter nicht genannt. Robins hielt das Video für harmlos, zumal sie ihre Kinder stets im Hintergrund hielt und niemals konkrete Informationen zu ihnen preisgab. Als die junge Mutter später zu dem Video zurückkehrte, musste sie feststellen, dass das in Instagram integrierte Meta AI ihr übergriffige Vorschläge macht, um die Identität ihrer Kinder in Erfahrung zu bringen.
  • Ihre Erfahrungen mit der Meta-KI schilderte Robins in einem weiteren Instagram-Video, das binnen kurzer Zeit viral ging. Mittlerweile verzeichnet es über 310.000 Likes und mehr als 13.000 Kommentare (Stand: 21. September 2026). Zum Entsetzen der Mutter spuckte Meta AI eine Antwort aus, in der nicht nur ihre Tochter, die im Video zu sehen war, namentlich genannt wurde, sondern auch ihre andere Tochter. Dies geschah offenbar durch den Abgleich von Informationen auf ihrer Facebook-Seite und mit anderen Beiträgen auf den Plattformen von Meta, die teilweise Jahre zurückreichen. Einige Informationen sollen sogar nicht von Kalie Robins selbst stammen, sondern von Familienmitgliedern.
  • Die Instagram- und Facebook-Konten von Kalie Robins, auf denen sie sich als Reise-Creator eine kleine Fangemeinde aufgebaut hat, waren öffentlich zugänglich. Allerdings war sie weit davon entfernt, eine prominente Influencerin zu sein. Vor ihrem Kritik-Video über Meta AI hatte sie gerade einmal ein paar hundert Follower. Theoretisch hätte zwar auch ein Mensch an alle Informationen über ihre Töchter gelangen können. Doch was Meta AI binnen Minuten zusammenschusterte, hätte wohl mehrere Stunden Recherche erfordert. Außerdem pikant: Der jungen Mutter sei in keinster Weise mitgeteilt worden oder bekannt gewesen, dass die KI auf solche Daten zugreife.

Warum Metas Vorgehen eine neue Dimension erreicht

Zugegeben: Der Umgang mit Kinderfotos auf Social Media ist seit Jahren ein sensibles und umstrittenes Thema. Einige schwärzen etwa Gesichter; andere beschränken ihre Inhalte bewusst auf einen privaten Kreis oder zeigen Heranwachsende allenfalls im Hintergrund. Wiederum andere posten unbedarft Bilder ihrer Kinder im Netz. Doch das ist ein anderes Thema.

Denn ob Nutzer nun etwas naiv oder wie Kalie Robins noch relativ vorsichtig agieren: Nichts davon sollte ein Freifahrtschein für Meta sein, mittels KI profilübergreifend und anhand jahrealter Beiträge Familienprofile zusammenzuschustern und Nutzer mit übergriffigen Fragen zu belästigen.

Oder: Was Meta AI aus öffentlich zugänglichen Informationen macht, ist eine andere Dimension als alles zuvor Dagewesene. Der Zuckerberg-Konzern pfeift nicht nur auf Datenschutz. Das Vorgehen hat Kalkül. Getreu dem Motto: einfach mal machen und gucken, ob sich jemand beschwert.

Vor allem bei Meta hat man den Eindruck, dass mögliche Strafen oder Kritik bereits vorab ins Geschäftsmodell einkalkuliert werden. Doch nur weil Informationen irgendwo öffentlich herumfliegen, heißt das noch lange nicht, dass Nutzer damit rechnen sollten, dass eine KI sie automatisiert zusammensucht, miteinander verknüpft und in Sekunden auswertet.

Stimmen

  • In einem Instagram-Video erklärt Kalie Robins, wie Meta AI ihr nach einem Post aufdringliche Vorschläge unterbreitete: „Wer ist das Kind im Auto?“ Die junge Mutter war zunächst schockiert, beschloss aber die Funktion auszuprobieren, um zu sehen, was passiert. „Wie alt sind Kalies Töchter?“, lautete etwa eine vorgeschlagene Eingabeaufforderung. Darunter listete die KI eine detaillierte Altersaufschlüsselung und Zeitleiste auf der Grundlage von älteren Familiengeburtstagsbeiträgen und Geburtsankündigungen auf. Weitere Fragen von Meta AI: „Kommen sie [die Kinder] auch in anderen Videos vor?“ Und: „Wo wohnt Kalie mit ihrer Familie?“
  • Kalie Robins schreibt auf Instagram, dass ihr zwar klar war, dass sie Fotos ihrer Kinder online stellt, aber ihr sei nicht klar gewesen, was Meta AI damit anstellen würde. Gegenüber Futurism sagte die Mutter: „Ich dachte mir: ‚Warum ist das hier drin?‘ Und dann wurden mir einfach immer mehr Bilder angezeigt. (…) Es ging einfach immer weiter und weiter, und dieses mulmige Gefühl in meinem Magen wurde immer größer und tiefer. Ich verspürte diese Angst. Ich dachte, wir würden auf Nummer sicher gehen und klug handeln“, so Robins. „Ich habe so viel getan, um sicherzustellen, dass meine Kinder in Sicherheit sind … je mehr mir das Programm zeigte, desto mehr hatte ich das Gefühl, meine Kinder im Stich zu lassen, ohne es zu merken.“
  • Meta-Sprecherin Dina El-Kassaby teilte gegenüber The Verge mit, dass das Unternehmen „das Ziel verfehlt“ habe. Sie fügte hinzu, dass „die Funktion dem Nutzer niemals solche Fragen hätte stellen dürfen.“ Laut El-Kassaby habe der Facebook-Konzern das Problem, das dazu führte, dass Meta AI Eingabeaufforderungen zu persönlichen Themen vorschlug, mittlerweile behoben. Die Sprecherin weiter: „Wir haben diese Funktion entwickelt, um Menschen dabei zu helfen, mehr Informationen zu Themen oder Beiträgen zu erhalten, die sie interessieren. Wenn jemand auf eine Eingabeaufforderung klickt und diese Funktion nutzt, basiert die generierte Antwort auf Informationen, auf die der Nutzer bereits Zugriff hat.“

Wie gläsern macht uns KI wirklich?

Die Aufdringlichkeit von Meta AI zeigt einmal mehr, wie viele persönliche Spuren Menschen über die Jahre auf Plattformen wie Instagram und Facebook hinterlassen. Dass die KI nicht einmal irgendeinen Datentresor knacken musste, sondern vielleicht bereits vergessene Informationen binnen Minuten neu zusammensetzen konnte, offenbart sowohl das Potenzial als auch das Risiko der Technologie.

Sprich: Sie offenbart, wie schnell und einfach aus vielleicht harmlos wirkenden Einzelinformationen ein digitaler Lebenslauf zusammengeschustert werden kann – und zwar in Unwissenheit vieler Nutzer. Das ist mitnichten etwas Gutes! Kalie Robins versucht deshalb inzwischen, ihre Angehörigen dazu zu bewegen, frühere Erinnerungen und Beiträge zu löschen oder zumindest zu verbergen. Ihr Fall dürfte ein Vorbild und eine Warnung für zahlreiche andere Menschen sein.

Doch technische Aufräumarbeiten können auch ein emotionaler Prozess sein. Denn plötzlich wird vielleicht sichtbar, dass nicht nur die eigenen Posts zählen, sondern auch, was Freunde und Familienmitglieder oder im schlimmsten Fall sogar fremde Menschen für Informationen über andere verbreiten.

Vorsicht kann, darf und sollte deshalb nicht die einzige Konsequenz sein. Klar: Es braucht natürlich ein größeres Bewusstsein dafür, wie wertvoll selbst scheinbar belanglose Informationen sind. Aber ebenso müssen Anbieter transparent machen, auf welche Daten ihre KI-Dienste tatsächlich zurückgreifen und wie sie diese miteinander verknüpfen. Oder: Wenn wir bereits vorher im Netz schon gläsern waren, macht KI uns noch gläserner.

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KI-Faulheit: Hilfe, ich habe das Denken verlernt!

14. September 2026 um 11:00

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Gehirn Entwicklung KI

Eine kurze Spracheingabe oder eine geschriebene Frage genügt und die KI unserer Wahl spuckt uns eine fundiert klingende, wissenschaftlich anmutende Antwort aus. Diese ist so gut formuliert, dass wir erst gar nicht beginnen, über das Thema nachzudenken. Das hat fatale Auswirkungen. Eine kommentierende Analyse.

Hintergrund

  • Der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest hat für die JIM-Studie 2025 untersucht, wie Jugendliche und junge Erwachsene KI nutzen. Knapp drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen setzen KI für Hausaufgaben oder das Lernen ein. Damit nehmen ChatGPT und Co. schon den zweiten Platz hinter klassischen Suchmaschinen ein. Besonders bedenklich: 57 Prozent der Befragten halten die KI-Antworten für vertrauenswürdig.
  • Das ist fatal. Denn: 45 Prozent aller KI-Antworten haben mindestens ein schwerwiegendes Defizit. Zu diesem Ergebnis ist die Studie „News Integrity in AI Assistants“ der Europäischen Rundfunkunion gekommen. Zu diesen Defiziten gehören beispielsweise veraltete Quellen, fehlende oder frei erfundene Quellen oder eine Vermischung von Fakten und Meinung. Tatsächlich gefährden wir nicht nur unsere Glaubwürdigkeit, sondern auch unseren Denkapparat.
  • Ein Forscherteam des MIT Media Labs unter Leitung von Nataliya Kosmyna hat sich mit den Auswirkungen der KI-Nutzung auf unser Gehirn beschäftigt. Das Ergebnis von „Your Brain on ChatGPT“: Bei Probanden, die ChatGPT für ihre Recherche genutzt haben, wurde im EEG die geringste Gehirnaktivität verzeichnet. Die Probanden, die über Google suchten oder sich selbst eine Geschichte ausdenken mussten, wiesen sehr aktive Gehirnareale auf.

Unser Gehirn ist einfach zu alt für KI

Die Auswirkungen von KI auf unser Gehirn sind fatal, denn nur selten denken wir über unser Gehirn nach. Unser Gehirn ist sehr alt und von der Evolution darauf geprägt, in Gefahrensituationen schnell reagieren zu können. Wer den Säbelzahntiger sieht, muss rennen – sonst stirbst du. Wer dagegen nachdenkt, ist tot. Und tatsächlich ist unser Gehirn nicht sonderlich viel weiter – auch, wenn sich die Welt um uns herum stark verändert hat.

Die beiden Forscher Daniel Kahnemann und Amos Tversky haben seit den 1970er Jahren über unser Gehirn und kognitive Verzerrungen geforscht und die Erkenntnisse in verständlicher Form im Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ veröffentlicht. Darin beschreiben die Autoren unter anderem die unterschiedlichen Denk- und Verhaltensmuster unseres Gehirns. Aus Faulheit tendieren wir dazu, Ergebnisse aus kleinen Stichproben zu überinterpretieren oder Wahrscheinlichkeiten und Basiswerte unzureichend zu berücksichtigen.

Ein schönes Beispiel dazu ist Linda. Sie ist 31 Jahre alt, single, offen und sehr intelligent. Sie hat Philosophie studiert. Als Studentin engagierte sie sich stark gegen Diskriminierung und für soziale Gerechtigkeit und nahm an Anti-Atomkraft-Demonstrationen teil. Die Probanden der Studie sollten sagen, ob Linda eine einfache Bankangestellte ist oder eine Bankangestellte, die zudem in einer feministischen Bewegung aktiv ist.

Über 85 Prozent wählten die zweite Option, obwohl die Schnittmenge zweier Ereignisse niemals wahrscheinlicher als ein Einzelereignis sein kann. Das zeigt: Unser Gehirn liebt Prototypen und ignoriert alles, was wir zum Thema Wahrscheinlichkeit lernen. Oder anders ausgedrückt: Unser Gehirn liebt es, wenn es nicht denken muss. Es liegt gerne auf dem Sofa. Genau an dieser Stelle wird es für uns Menschen durch Künstliche Intelligenz so gefährlich. Sie liefert uns schnell, plausibel klingende Antworten, die uns dazu einladen, nicht mehr nachzudenken. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern.

Stimmen

  • Zishan Khan ist Kinder- und Jugendpsychiater und arbeitet als Regional Medical Director bei Mindpath Health. Nach der Publikation der MIT-Media-Lab-Studie sagte er gegenüber dem Time Magazine: „Aus psychiatrischer Sicht sehe ich, dass eine übermäßige Abhängigkeit von LLMs unbeabsichtigte psychologische und kognitive Folgen haben kann – insbesondere für junge Menschen, deren Gehirne sich noch in der Entwicklung befinden.“ Er ergänzt: „Diese neuronalen Verbindungen, die ihnen beim Zugriff auf Informationen, dem Erinnern von Fakten und der Fähigkeit zur Resilienz helfen, werden sich alle abschwächen.“
  • Ross Dawson bezeichnet sich selbst als Futurist, arbeitet als Keynote-Speaker für globale Konzerne wie Coca-Cola und ist im Australian Institute of Company Directors aktiv. Er warnt auf LinkedIn: „Bei der Arbeit mit KI ist Faulheit die größte Sünde. In dem Moment, in dem Sie ein Ergebnis als ‚gut genug‘ akzeptieren, hören Sie auf, Ihre kognitiven Fähigkeiten zu trainieren. Von da an ist es ein schleichender Prozess nach unten. Sie können sich stattdessen dafür entscheiden, KI als Gegenüber zu nutzen, um Ihre Absicht zu klären und Ihr Denken zu schärfen – um es besser zu machen als je zuvor. Aber das muss Ihre ausdrückliche Absicht sein. Ohne diese Absicht werden Sie von der KI geformt.“
  • Am Institut für Digitale Ethik an der Hochschule für Medien (HdM) in Stuttgart wurden die „10 Gebote der KI-Ethik“ entwickelt. Dr. Petra Grimm, Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der HdM, erklärt im Interview: „Denke zuerst selbst nach, bevor du KI nutzt, und trainiere deine eigenen Fähigkeiten. Generative KI wie ChatGPT, Grok oder Mistral wurde nicht für Bildungszwecke entwickelt, dringt aber in Schulen ein. KI kann als Tutor helfen – erst, wenn Kinder eigenständiges Denken gelernt haben. Sonst riskieren wir, Problemlösungskompetenz und kritisches Denken zu schwächen.“

KI als Werkzeug richtig nutzen

Es wäre gelogen, sich als Moralapostel aufzuspielen, der sich noch nie blind auf eine KI-Antwort verlassen hat. Das ist mir mehr als einmal so gegangen. Mehr als einmal habe ich allerdings auch festgestellt, wie fehlerbehaftet die KI-Antworten sind – einmal auf der Suche nach einem Krankenhaus mit Geburtsstation und einmal bei den Kursen von Edelmetallen. Beide Male ließ sich die KI keines Besseren belehren – trotz offizieller Quellen und Links als Belege für Falschaussagen.

Diese kleinen Aha-Momente gibt es viel zu selten. Das liegt auch daran, dass wir ChatGPT selten zu unseren Fachgebieten befragen. Wir fragen nicht in den Bereichen, in denen wir uns auskennen, sondern sind auf der Suche nach Wissen an den Stellen, an denen wir blinde Flecken haben. Dadurch entziehen wir uns selbst der Möglichkeit, Fehler zu entdecken und zu lernen, dass KI (viele) Fehler macht.

Ein weiterer Fakt ist: Unser Gehirn liebt Routinen. Im Durchschnitt dauert es rund 60 aufeinanderfolgende Tage, bis wir eine neue Gewohnheit etabliert haben. Diesen verhältnismäßig kurzen Zeitraum sollten wir nutzen, um unserem in die Jahre gekommenen Gehirn ein KI-Upgrade zu verpassen.

Das könnte so gehen: Für mindestens zwei Monate zwingen wir uns dazu, jede KI-Antwort über eine klassische Google-Recherche zu verifizieren oder falsifizieren. Dadurch bringen wir unserem Gehirn bei, KI-Antworten zu misstrauen und stets eine Korrekturschleife durchzuführen. Nach einigen Monaten haben wir eine simple Routine entwickelt, die uns davor schützt, dass unser Gehirn biologisch verkümmert.

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Nachtsperre, Limits, keine Likes: Reicht das, um Kinder vor Meta zu schützen?

31. August 2026 um 11:00

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Instagram Facebook Nutzungslimit Nachtsperre keine Like Kinder Jugendliche Maßnahmen Meta USA

Facebook-Konzern Meta kauft sich mit 16,68 Milliarden US-Dollar aus einem der brisantesten Tech-Prozesse aller Zeiten heraus – und kommt damit vergleichsweise glimpflich davon. 29 US-Bundesstaaten werfen dem Konzern vor, Minderjährige mit Funktionen wie endlosem Scrollen bewusst abhängig gemacht zu haben. Neben der Milliardenzahlung verpflichtet sich Meta aber auch, seine Plattformen zu ändern. Diese Änderungen könnten deutlich mehr wert sein. Doch um Teenager zu schützen, will ausgerechnet Meta noch mehr Daten sammeln. Eine kommentierende Analyse.

Diese Maßnahmen muss Meta zum Kinderschutz ergreifen

  • Meta soll Minderjährige durch seine Algorithmen und Funktionen auf Instagram und Facebook bewusst abhängig gemacht haben. Das werfen zumindest 29 US-Bundesstaaten dem Unternehmen vor. Vier davon – Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey – haben am 24. August 2026 einen Prozess vor dem Bundesgericht in Oakland (Kalifornien) angeführt. Der Vorwurf: Meta soll Minderjährige mit Funktionen wie endlosem Scrollen, einer Flut an Benachrichtigungen und dem Zählen von „Gefällt mir“-Angaben gezielt möglichst lange auf seinen Plattformen gehalten und eine Sucht in Kauf genommen haben. Nur rund eine Woche nach Prozessbeginn einigten sich alle Beteiligten auf einen Vergleich. Meta verpflichtet sich zu einer Zahlung von 16,68 Milliarden US-Dollar und Änderungen seiner Plattformen.
  • Die Einigung besteht zwischen Meta und allen 29 klagenden US-Bundesstaaten. Der Facebook-Konzern hat sich dazu verpflichtet, die Vergleichszahlungen in zehn Tranchen bis 2035 zu begleichen. Die Höhe der Summe variiert je nach Bundesstaat und ist Bestandteil der vorherigen Verhandlungen. Meta verpflichtet sich zudem zu landesweiten Änderungen für jugendliche Nutzer. Dazu gehören: standardmäßige tägliche Zeitlimits (eine Stunde pro Plattform), nächtliche Zugangssperren (22:00 bis 07:00 Uhr), die Zahl der Likes und Reaktionen wird Jugendlichen nicht mehr angezeigt, Eltern erhalten zusätzliche Kontrollfunktionen, der Sortieralgorithmus der Startseite kann künftig deaktiviert werden, Benachrichtigungen sollen zwischen 8:00 Uhr und 15:00 Uhr nicht mehr angezeigt werden.
  • Hintergrund der Vorwürfe sind die sogenannten Facebook-Files. Die ehemalige Facebook-Angestellte Frances Haugen hatte Ende 2021 konzerninterne Unterlagen zu den Auswirkungen von Instagram und Facebook auf die seelische Gesundheit ihrer Nutzer publik gemacht. Demnach soll Meta von den gesundheitsschädlichen Folgen für Minderjährige gewusst haben. Vorbild für die historische Klage war die Tabakindustrie. Unternehmen wie Philip Morris hatten jahrzehntelang geleugnet, dass Zigaretten und Rauchen krebserregend sind und süchtig machen. Mitte der 1990er-Jahre packte dann ein Insider aus und räumte ein, dass die Öffentlichkeit hinters Licht geführt wurde. Über 40 US-Bundesstaaten verklagten die Tabakindustrie. Es folgte eine Einigung über eine Vergleichszahlung in Höhe von 206 Milliarden US-Dollar über 25 Jahre.

Jugendschutz oder Überwachung? Was der Vergleich wirklich bedeutet

Dass bereits rund eine Woche nach Prozessauftakt ein Vergleich erzielt wurde, erscheint überraschend schnell. Möglich, dass bereits im Vorfeld entsprechende Fäden gezogen und Verhandlungen geführt wurden. Relativ klar hingegen war, dass Meta einen Vergleich angestrebt haben wird, um einen wochen-, monate- oder gar jahrelangen Streit zu vermeiden.

Gewissermaßen hat sich der Facebook-Konzern aus der Sache herausgekauft. Auch die Summe ist durchaus realistisch und als Zahl an sich gewaltig. Rund 17 Milliarden US-Dollar erscheinen angesichts der Marktkapitalisierung von Meta mit fast 1,5 Billionen US-Dollar im ersten Moment zwar gering. Doch für das Unternehmen sind das keinesfalls Peanuts; sie sind aber auch nicht existenzbedrohend. Indes: Meta hat nicht 1,5 Billionen US-Dollar auf dem Konto.

Die Marktkapitalisierung basiert auf dem Aktienkurs, der Umsätze, Gewinne, Cashflows und Aktionäre mit einschließt. Indes: Die Änderungen, zu denen sich Meta verpflichtet hat, könnten, was den Schutz Minderjähriger angeht, eine größere Rolle einnehmen als das Preisschild.

Denn erstmals werden zentrale Mechanismen, die Jugendliche besonders lange auf den Plattformen halten sollen, direkt zum Gegenstand verbindlicher Änderungen. Spannend wird dabei vor allem der Umgang mit dem Alter sein. Denn Meta setzt etwa nicht einfach auf eine Anmeldung mit Personalausweis oder über die Eltern, sondern auf sogenanntes Age Assurance.

Mithilfe von KI und verschiedenen Signalen will der Konzern einschätzen, ob ein Konto einem Teenager gehört – beispielsweise anhand von Profilinformationen, Beiträgen, Kommentaren oder Hinweisen auf Alter und Schulstufe. Auch Fotos und Videos sollen analysiert werden. Ist die Einschätzung nicht eindeutig, würden zusätzliche Prüfungen wie eine Gesichtsaltersschätzung oder die Prüfung eines Ausweisdokumentes folgen. Neues Problem dabei: Auch KI-Algorithmen irren sich regelmäßig.

Will heißen: Der eine oder andere junge Erwachsene könnte aufgrund einer fälschlichen Auswertung von Daten im Kinderzimmer verortet werden. Oder: Der Schutz Minderjähriger könnte ausgerechnet dazu führen, dass Meta noch mehr Informationen über seine Nutzer sammelt und auswertet. Doch wenn Teenager noch gläserner werden, wäre das ein ziemlich ironischer Nebeneffekt. Der Vergleich beendet den Konflikt also vermutlich nicht, sondern eröffnet einen neuen – zwischen Jugendschutz, Datenschutz und digitaler Selbstbestimmung.

Stimmen

  • Generalstaatsanwalt Jay Jones in einem Statement: „Meta hat die Öffentlichkeit jahrelang absichtlich über süchtig machende und schädliche Funktionen getäuscht, die verheerende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Menschen hatten.“ Der Vergleich werde „diesen gefährlichen Praktiken ein Ende setzen.“ Die erzielte Einigung sei laut Jones eine der größten in der Geschichte des staatlichen Verbraucherschutzes.
  • Meta teilte in einer Stellungnahme mit: „Die Vereinbarung soll die branchenweite Umsetzung vorantreiben und sicherstellen, dass Jugendliche in den von ihnen am häufigsten genutzten Apps wie YouTube und TikTok einheitlichen Schutz genießen. Wenn sich andere Unternehmen der Branche diesem neuen Standard anschließen, werden bestimmte Bestimmungen verschärft. Die meisten Bestimmungen müssen für 10 Jahre gelten, doch unsere Funktionen Zeitlimit und Nachtmodus sehen zunächst eine Laufzeit von fünf Jahren vor. Sollten sich jedoch andere Unternehmen der Branche der Vereinbarung anschließen, wird sich diese Verpflichtung auf 10 Jahre verlängern und es werden strengere Standardbeschränkungen eingeführt.“
  • Fabian Mehring, Bayerischer Staatsminister für Digitales (Freie Wähler), in einem Statement: „Was Kinder in Amerika schützt, muss auch Kindern in Europa nutzen. Der Vergleich der U.S.-Bundesstaaten mit Meta zeigt eindrucksvoll: Der digitale Raum ist kein rechtsfreier Raum – und Kinderschutz darf an keiner Landesgrenze Halt machen. Statt reflexartig über pauschale Social-Media-Verbote ohne Wirkung zu diskutieren, brauchen wir endlich konkrete Lösungen, die in der digitalen Lebenswirklichkeit unserer Kinder funktionieren: Wirksame Alterschecks, klare tägliche Nutzungsgrenzen, Schutz in den Nachtstunden und starke Werkzeuge für Eltern. Kurz gesagt: weniger Symbolpolitik, mehr digitaler Kinderschutz mit Wirkung.“
  • Die US-amerikanische NGO Electronic Frontier Foundation (EFF) warnt in einer Stellungnahme: „Im Rahmen dieser Einigung haben junge Nutzer nun weniger Zugang zu Meta-Produkten und sind in geringerem Maße in der Lage, ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung, Zugang zu Informationen, Kunst und Kultur, Vereinigungsfreiheit und die Bildung von Gemeinschaften sowie auf Spiel und Freizeit auszuüben. Der Vergleich sieht zudem die Einbindung von Altersüberprüfungen in jedes Produkt vor und schreibt die Erhebung noch mehr personenbezogener Daten von Nutzern aller Altersgruppen vor; damit wird die schädliche Überwachung durch Meta gesetzlich verankert, was die Privatsphäre und Anonymität der Nutzer gefährdet und sie gleichzeitig einem erhöhten Risiko von Datenschutzverletzungen und Datenanfragen durch Behörden aussetzt.“

Funktionieren Zeitlimits und Nachtsperren in der Praxis?

Was mit den Meta-Milliarden passiert, liegt an den einzelnen US-Bundesstaaten. Hoffentlich verschwindet das Geld nicht einfach in irgendwelchen Haushaltslöchern, sondern fließt zumindest teilweise in die Gesundheitsvorsorge, Prävention und Unterstützung betroffener Familien.

Das Geld wird zwar die Bundeshaushalte und Meta-Bilanz verändern. Es kann aber niemals vergeudete Bildschirmzeit zurückgeben. Entscheidend wird deshalb sein, ob aus dem Vergleich tatsächlich ein langfristiger Schutz entsteht. Erfolg oder Misserfolg werden sich vor allem daran messen lassen, wie konsequent Meta die neuen Funktionen umsetzt und ob sie in der Praxis überhaupt funktionieren.

Denn: Zeitlimits lassen sich umgehen; Nachtsperren lassen sich austricksen. Oder kurzum: Es wird Kinder und Jugendliche geben, die einen Weg um die technischen Schranken finden werden. Zumindest in der Theorie dürften die Vorteile aber zunächst einmal überwiegen – auch gegenüber einem pauschalen Social-Media-Verbot.

Über einen Ausschluss von Kindern unter zwölf Jahren könnte man vielleicht zumindest noch einmal nachdenken. Doch nicht nur die Plattformen, sondern auch Erziehungsberechtigte und Bildungseinrichtungen sind in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Ein Teil des Geldes wäre sicherlich in entsprechenden Aufklärungsmaßnahmen gut aufgehoben.

Für Europa könnte der US-Vergleich indes zu einer Art Testballon werden. Denn was in den USA funktioniert – oder eben nicht funktioniert –, könnte die Debatte über Alterskontrollen, Nutzungsgrenzen und den Schutz Minderjähriger auch hier beeinflussen. Dabei darf allerdings nicht unter den Tisch fallen, dass strengere Zugangshürden auch die demokratische Teilhabe einschränken können.

Denn vor allem Jugendliche, die weniger Zugang zu digitalen Plattformen haben, haben theoretisch auch weniger Zugang zu Informationen, Gemeinschaften und öffentlichen Debatten. Dennoch können gewisse Einschränkungen aus Gründen des Gesundheitsschutzes gerechtfertigt sein – zumindest solange sie verhältnismäßig sind. In der Theorie scheint das auf die Änderungen in den USA durchaus zuzutreffen. In der Praxis müssen sie sich aber zunächst einmal beweisen.

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Podcast: ChatGPT schwatzt Nutzern in Deutschland jetzt Werbung auf

28. August 2026 um 08:46

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  • Meta einigt sich auf 16,68-Milliarden-US-Dollar-Vergleich in Sucht-Prozess
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