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Neuer EU-Plan – weil die USA unsere Digitalsysteme lahmlegen könnten
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Seit Trump 2.0 wird Europas Tech-Abhängigkeit von den USA und China nicht mehr nur als Wirtschaftsproblem gesehen, sondern als Sicherheitsrisiko. In Brüssel wächst die Sorge, dass Cloud-Dienste, Chips oder KI-Infrastruktur im Ernstfall zum geopolitischen Druckmittel werden könnten. Die EU-Kommission will deshalb mit einem neuen Souveränitäts-Paket gegensteuern, von Halbleitern über Cloud bis Open Source. Entscheidend ist, ob daraus echte Alternativen entstehen oder nur neue Fördertöpfe mit großen Überschriften. Eine kommentierende Analyse.
EU schnürt Paket zur technologischen Souveränität Europas
- Ob Künstliche Intelligenz, Chips oder Cloud-Infrastrukturen: Die EU und Europa sind technologisch in vielen Bereichen von ausländischen Tech-Konzernen und deren Regierungen abhängig. Spätestens seit Trump 2.0 geht deshalb vielerorts die Sorge um, dass fremde Mächte uns schaden könnten, indem sie diese Abhängigkeit als Druckmittel ausnutzen. Noch größer ist die Angst vor einem möglichen „kill switch“. Sprich: Vor aus dem Ausland gesteuerten Abschaltmechanismen, mit denen Stromnetze, Verwaltungen und digitale Funktionen aller Art gestört oder lahmgelegt werden könnten.
- Die Europäische Kommission hat nun ein Paket zur technologischen Souveränität Europas präsentiert, um sich von solchen Risiken, vor allem aus China und den USA, freimachen zu können. Das neue Gesetzespaket sieht vor, dass mehr Halbleiter und Computerchips innerhalb Europas produziert werden. Unternehmen sollen dazu mit günstigem Strom und weniger Bürokratie gelockt werden. Die EU-Kommission will außerdem ihr altes Halbleitergesetz um Notstandsbefugnisse erweitern. Kritische Bereiche wie die Waffenindustrie und Medizintechnik sollen bei Engpässen vorrangig beliefert werden.
- Die EU-Kommission will zudem den Ausbau europäischer Cloud-Strukturen massiv beschleunigen. Der Grund: Aktuell werden in Europa vor allem US-amerikanische Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Google Cloud und Microsoft Azure genutzt. Eine weitere Stellschraube für mehr digitale Souveränität: eine europäische Open-Source-Strategie. Unternehmen und Verwaltungen sollen weniger US-Software wie Microsoft Office verwenden. Europäische Rechenzentren sollen zudem genutzt werden, um modernste KI-Modelle in Europa zu trainieren – und nicht in Asien und Amerika.
Was das EU-Paket bringt – und wo es hakt
Europas Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Konzernen und asiatischen Chip-Lieferketten ist kein neues Problem. Neu ist aber eine gewisse politische Dringlichkeit, diese Abhängigkeit zu reduzieren oder zumindest insofern vorbereitet zu sein, dass diese nicht als Druckmittel missbraucht werden kann.
Denn: Spätestens seit Trump 2.0 ist aus einer industriepolitischen Debatte eine Sicherheitsfrage geworden. Das klingt nüchtern, könnte aber weitreichende Folgen haben. Wer nämlich digitale Infrastrukturen kontrolliert, kontrolliert im Zweifel auch die Handlungsspielräume anderer.
Die größere Herausforderung ist aber weniger der europäische Wille als das ewige Thema Geld. Schon der 2024 veröffentlichte Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit in Europa hatte für diesen Bereich enorme Summen parat. Europa brauche demnach jährlich rund 800 Milliarden Euro zusätzlich, um technologisch und wirtschaftlich mit China und den USA mithalten zu können.
Das neue Paket der Europäischen Kommission will dafür privates Risikokapital mobilisieren und setzt auf einen neuen EU-Fonds für Wettbewerbsfähigkeit im nächsten Haushalt. Ob daraus tatsächlich eine europäische Investitionswelle entsteht oder nur ein weiterer Fördertopf mit ambitioniertem Etikett, ist aber offen.
Hinzu kommt ein gewisses strukturelles Dilemma, da Souveränität nicht dasselbe wie Autarkie ist. Europa kann nämlich nicht über Nacht einen vollständigen Ersatz für AWS, Azure, Google Cloud oder Nvidia aus dem Boden stampfen. Der entscheidende Punkt wird daher sein, ob die EU strategische Abhängigkeiten reduziert, ohne sich in kostspieligen Symbolprojekten zu verlieren. Und dennoch: Die grundsätzliche Stoßrichtung stimmt.
Was Industrie und Politik sagen
- EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: „Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die den Betrieb unserer Krankenhäuser, die Stabilität unserer Energienetze und die Sicherheit unserer Dienste gewährleisten, von anderen abhängig zu sein. Es geht darum, unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen, unsere Interessen zu verteidigen und unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Europa hat die Talente, die Exzellenz in der Forschung, die industrielle Basis und den Binnenmarkt. Gemeinsam müssen wir diese Stärken in technologische Souveränität umwandeln.“
- Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, in einem Statement: „Digitale Souveränität entscheidet darüber, ob Europa die digitale Welt selbst gestalten kann – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Das Tech Sovereignty Package der EU-Kommission setzt dafür wichtige Akzente. Wir begrüßen, dass die EU-Kommission nicht nur einzelne Technologien in den Blick nimmt, sondern die gesamte digitale Wertschöpfungskette von Halbleitern und Rechenzentren über Cloud- und KI-Infrastrukturen bis hin zu Open Source und besseren Investitionsbedingungen. Entscheidend ist nun, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt. Europa braucht Tempo.“
- Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), begrüßt die Stoßrichtung der EU-Pläne, gibt aber zu bedenken: „Wir brauchen leistungsstarke KI-Chips aus Europa. Das geht aber nicht mit der Brechstange. Wir müssen strategisch klug vorgehen und Europas Stärken bei Leistungselektronik, Photonik Quantencomputing geschickt einsetzen.“ Achim Weiß, CEO des deutschen Cloud-Anbieters Ionos, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Wir werden bei GPUs weiterhin auf Nvidia und AMD setzen und müssen bei bestimmten KI-Modellen mit internationalen Partnern zusammenarbeiten. Das ist keine Schwäche, sondern Realismus. Es muss klar sein, dass Souveränität nicht gleichbedeutend mit Selbstversorgung ist.“
Schafft Europa den digitalen Wandel?
Die Verhandlungen zum geplanten Gesetzespaket dürften sich laut EU-Parlament bis 2027 ziehen. Eine endgültige Verabschiedung des Pakets wird deshalb frühestens für Ende nächsten Jahres erwartet. Allerdings sind die vorgeschlagenen Regelungen noch längst nicht in Stein gemeißelt. Sprich: Hier und da könnte es noch Anpassungen, Änderungen oder Streichungen geben.
All das ist politisch normal. Technologisch betrachtet ist der Zeitplan aber durchaus riskant. Denn: KI-Modelle, Cloud-Infrastrukturen und Chip-Generationen entwickeln sich derzeit im Rhythmus von Monaten weiter, nicht in Legislaturperioden. Europa läuft deshalb Gefahr, einen Bahnhof zu regulieren, während der Tech-Zug bereits die nächste Station erreicht haben wird.
Gleichzeitig muss man sich von der Illusion verabschieden, US-Anbieter kurzfristig verdrängen zu können. Dazu sind Amazon, Microsoft und Google in Europa zu dominant – und werden es vorerst auch bleiben. Der Erfolg der Pläne wird sich daher weniger daran messen, ob Europa die globalen Platzhirsche ersetzt, sondern ob es belastbare Alternativen schafft, kritische Daten besser absichert und strategische Verhandlungsmacht gewinnt.
Denn: Wer nur von der einen Abhängigkeit in die nächste rutscht, hat die Aufgabe nicht gelöst. Wohlgleich andere Partner zumindest eine kurzfristige Alternative oder auch ein Druckmittel sein können. Langfristig braucht Europa aber einen breiteren Souveränitätsbegriff. Nicht nur Software und Halbleiter sind nämlich strategisch, sondern auch Biotechnologie, Energietechnologien, Batterien, Quantentechnologien und digitale Infrastrukturen.
Entscheidend wird vor allem sein, in Bereiche zu investieren, in denen Europa echte Wettbewerbsvorteile oder zumindest -chancen hat. Gleichzeitig gilt es verlässliche Partnerschaften mit demokratischen Staaten auszubauen. Denn: Souveränität darf am Ende nicht Abschottung sein, sondern die Fähigkeit, sich wirtschaftlichem und geopolitischem Druck zu widersetzen, ohne jedes Mal den Stecker in der eigenen Hand zu suchen.
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Podcast: Wie viel KI verträgt der Supermarkt der Zukunft?
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BREAK/THE WEEK ist dein wöchentlicher Tech-Talk von BASIC thinking, der dich hinter die Kulissen der Tech-Welt nimmt. In der neuen Ausgabe diskutieren wir über KI-Überwachung im Supermarkt, Betrug mit CO2-Zertifikaten und automatische KI-Labels auf YouTube.
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Die Themen dieser Ausgabe:
- KI-Überwachung im Supermarkt: Wie Rewe, Penny und Aldi Süd Kameras und KI gegen Diebstahl und für kassenlose Einkäufe einsetzen
- Mitfahr-App an der Uni Magdeburg: Weniger Autos, weniger CO2, mehr Vernetzung auf dem Campus
- Kostenlose Wohnungsreinigung gegen Kamera-Daten: Ein Startup trainiert KI und Roboter in echten Wohnungen
- Milliardenbetrug mit CO2-Zertifikaten: Europäische Ölkonzerne zahlten 1,5 Milliarden Euro für nie existierende Klimaprojekte in China
- YouTube kennzeichnet KI-Videos automatisch: Schluss mit der Eigenverantwortung der Uploader
- Neue Netzentgelte für Solaranlagen-Besitzer: Bis zu 100 Euro Grundpreis pro Jahr ab 2029
- Google-Suche buchstabiert „Google“ falsch
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KI beobachtet dich im Supermarkt – und zwar nicht nur als Ladendetektiv
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Rewe beobachtet per KI verdächtige Einkaufskörbe an der Selbstbedienungskasse. Penny steuert mit Kameras die Kassenschlangen und Aldi testet komplett kassenlose Filialen. Im deutschen Lebensmittelhandel entsteht gerade eine neue digitale Infrastruktur, die weit über eine einfache Automatisierung hinausgeht. Doch wo Algorithmen Entscheidungen vorbereiten, herrschen stets Vorbehalte und Risiken. Eine kommentierende Analyse.
Im Supermarkt: Rewe, Penny und Aldi setzten bereits KI ein
- Die Rewe Group setzt mittlerweile verschiedene KI-Technologien ein. Einer Ankündigung zufolge soll eine Künstliche Intelligenz künftig etwa lange Schlangen an den Kassen von Tochterfirma Penny vermeiden. Das KI-Modell Eagle Eye scannt dazu die Kundenanzahl und informiert Mitarbeiter, sobald sich zu viele Menschen an einer Kasse befinden. Mitarbeiter können dann entscheiden, ob sie entsprechend reagieren.
- In seinen eigenen Filialen setzt Rewe ein KI-Modell ein, um Ladendiebe zu schnappen. Das System soll dazu Auffälligkeiten beim Bezahlen an der Selbstbedienungskasse erkennen können. Die KI soll bei Ungereimtheiten an Self-Scanning-Kassen Mitarbeitern den Hinweis geben, sich einen Einkaufskorb noch einmal genauer anzuschauen. Eine Künstliche Intelligenz scannt Produkte per Kamera, um Einkäufe auf ihre Plausibilität zu überprüfen.
- Auch Aldi Süd setzt bei seinem „SHOP&GO“-Ansatz auf kassenloses Einkaufen mit App, Kameras, KI und Sensoren. In München gibt es einen ähnlichen Markt von Rewe. In der „Pick and Go“-Filiale werden Einkäufe automatisch per Kamera- und Sensortechnik erfasst. Die Künstliche Intelligenz erkennt die Produkte im Einkaufswagen und bucht den Betrag direkt über die App ab. Kunden müssen weder Waren aufs Band legen, selbst einscannen noch an der Kasse bezahlen.
Komfort oder Kontrolle? Was KI im Supermarkt wirklich bedeutet
Supermärkte werden immer mehr zu Überwachungsräumen. Was einst Kassierer mit Erfahrung, Menschenkenntnis und einem kurzen Blick meisterten, sollen künftig Algorithmen übernehmen. KI wird damit nicht nur zu einem Werkzeug, das Effizienz verspricht, sondern zu einem unsichtbaren Filialleiter, der permanent mitrechnet und mitbeobachtet.
Ein bisheriges Grundprinzip wird dabei massiv verschoben. Denn die Technologie greift nicht erst ein, wenn etwas passiert ist, sondern bewertet Wahrscheinlichkeiten im Voraus. Wer an einer Selbstbedienungskasse etwa einen ungewöhnlichen Einkauf tätigt, wird nicht unbedingt wegen eines Fehlverhaltens auffällig, sondern wegen einer statistischen Abweichung.
Die Handelskonzerne verkaufen diese Entwicklung als Komfortgewinn. Theoretisch können kürzere Schlangen oder schnellere Bezahlvorgänge den Einkauf angenehmer gestalten. Aber wer Bequemlichkeit will, macht sich auch ein Stück weit gläsern.
Doch genau darin liegt die Brisanz; in einer schleichenden Verschiebung dessen, was als normal gilt. Denn kaum etwas wirkt so harmlos wie der Wocheneinkauf. KI-Supermärkte könnten ihn aber zu einem größeren Schauplatz machen. Doch: Wie viel Kontrolle akzeptieren Verbraucher im Alltag, wenn sie dafür ein paar Sekunden Zeit sparen?
Stimmen
- Alexander Kelleter, Projektleiter Digitalisierung bei Penny, zur Funktion von Eagle Eye: „Die KI zählt die Skelette, sprich die Kunden in der Kassenzone. Sobald ein gewisser Schwellwert überschritten ist, meldet das System dann an die Kasse, dass eine weitere Kasse geöffnet werden sollte.“ Lukas Fömpe, Product Owner Store Automation Solution bei REWE digital, ergänzte: „Dadurch dass wir von der Deckenperspektive schauen, sieht ein Mensch für uns anders aus, als er frontal aussieht. Da mussten wir einiges in die Entwicklung investieren. (…) Die Lösungen, die wir einsetzen, sind datenschutzkonform.“
- Rewe-Konzernchef Lionel Souque erklärt zum KI-Ladendetektiv gegenüber Focus Online (€): „Mit einem KI-Programm lässt sich erkennen, wenn ein Einkaufskorb, der an der SB-Kasse eingescannt wird, nicht plausibel ist. (…) Wenn ein Kunde am Freitagnachmittag zehn Red-Bull-Dosen, aber keine Wodkaflasche einscannt, kann die KI einen Hinweis geben. Die KI weiß auf der Basis von Millionen Vergleichsdaten digitaler Einkaufskörbe, dass da vielleicht etwas nicht zusammenpasst.“
- Ein Reddit-Nutzer spöttisch: „Wir hauen 10 Leut raus weil wir sie dank SB-Kassen nicht mehr brauchen. Wir stellen 15 Leut ein weil die die KI-Ergebnisse nachprüfen müssen. Wir verlieren 20 Kunden weil die sich verorscht vorkommen. Ich seh nur Gewinner.“ Ein anderer ergänzt: „Wie kann man als Konzernchef so eine dämliche Aussage tätigen? Kaufst du keinen Alkohol bist du verdächtig?“
Wie der Supermarkt der Zukunft aussehen könnte
Die klassische Supermarktkasse könnte immer mehr verschwinden. Denn mit Kameras, Sensoren und KI-Systeme implementieren viele Unternehmen eine komplett neue Infrastruktur. Der Supermarkt der Zukunft erkennt aber nicht nur, was Kunden kaufen, sondern auch, wann sie kommen, wie sie sich bewegen und wo Engpässe entstehen. Geschäfte werden dadurch intelligenter, aber auch weniger nachvollziehbar.
Damit wächst auch der Druck in puncto Transparenz. Denn je mehr Entscheidungen Algorithmen vorbereiten, desto genauer werden Verbraucher wissen wollen, nach welchen Regeln sie bewertet werden. Die nächste Vertrauensfrage des Handels dreht sich deshalb womöglich nicht um Preise oder Produkte, sondern um die digitale Hausordnung hinter den Kameras.
Funktioniert die Technik unauffällig und nachvollziehbar, könnte sie irgendwann selbstverständlich sein. Entsteht aber der Eindruck eines digitalen Generalverdachts, droht aus dem Versprechen der Kundenfreundlichkeit ein Reputationsrisiko zu werden.
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