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Derzeit häufen sich Medienberichte über angeblich „dick machendes“ E-Auto-Laden. Als vermeintliche Grundlage dient eine Studie, die jedoch vor allem Korrelationen beschreibt und keine belastbaren Kausalitäten nachweist. Doch was steckt wirklich hinter der Behauptung? Eine Analyse.
Das Laden von Elektroautos erfordert im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennern deutlich mehr Zeit. Zwar verkürzen Schnellladesäulen die Dauer spürbar, doch gerade auf längeren Strecken oder bei hoher Auslastung entstehen regelmäßige Pausen.
Diese Ladezeiten verändern auch das Verhalten der Fahrer. Denn statt eines kurzen Stopps an der Tankstelle wird das E-Auto-Laden oft mit anderen Erledigungen verbunden. Eine vielzitierte Studie hat genau diesen Punkt aufgegriffen und analysiert, womit sich Fahrer von Elektroautos während dieser Wartezeiten beschäftigen.
Ein Großteil der Befragten nutzt die zusätzlichen Ladepausen demnach, um Snacks zu kaufen oder etwas zu essen. Ein gefundenes Fressen für mediale Zuspitzungen, die aus diesen alltäglichen Beobachtungen den Mythos vom dick machenden E-Auto-Laden entstehen lassen.
Dabei taucht besonders häufig auch das Kunstwort „Ladepositas“ auf, das sich aus den Worten „Laden“ und „Adipositas“ zusammensetzt. Schon der Begriff selbst suggeriert eine scheinbar wissenschaftliche Verbindung zwischen Ladeverhalten und Gewichtszunahme – doch was ist an dieser Behauptung wirklich dran?
Im Auftrag des Versicherers DA Direkt hat das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Civey eine Umfrage zum Ladeverhalten von E-Auto-Fahrern durchgeführt. Im Fokus standen dabei unter anderem die Dauer der Ladepausen sowie deren Nutzung im Alltag, etwa für Einkäufe oder den Konsum von Snacks und Mahlzeiten.
Laut den Umfrageergebnissen nutzen 51 Prozent der Befragten die Wartezeiten während des E-Auto-Ladens für Snacks oder eine Mahlzeit. 31 Prozent erledigen in der Zeit Einkäufe oder Besorgungen, 26 Prozent laden mit einer Pause oder einem Nickerchen gleichzeitig den eigenen Akku auf. Sechs Prozent der Befragten gaben außerdem an, die Zeit für sportliche Aktivitäten zu nutzen.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen damit zunächst vor allem, das E-Auto-Besitzer ihre Ladepausen häufig pragmatisch nutzen und mit alltäglichen Erledigungen verbinden. Doch bereits in der Pressemitteilung von DA Direkt wird die Frage aufgeworfen, ob das Laden des E-Autos zur Gewichtszunahme beziehungsweise „Ladipositas“ führt.
Offenbar ein gefundenes Fressen für zahlreiche Medien, die diesen Begriff dankbar in ihren Überschriften aufgenommen haben. So titelt beispielsweise die Berliner Morgenpost zum Thema „Ladepositas: Macht das Laden von Elektroautos dick?“. Auch Auto Motor Sport wirft die Frage auf: „Ladepositas – machen Elektroautos fett?“ Die FAZ geht in einem älteren Kommentar aus dem Jahr 2024 sogar noch weiter und titel direkt mit dem Hinweis „Elektroautos machen dick“.
Doch zwischen dem in den Umfrageergebnissen dargestellten Verhalten und einer tatsächlichen Veränderung des Körpergewichts klafft eine deutliche Lücke. Genau an dieser Stelle setzt die mediale Zuspitzung an.
So wird aus einer beschreibenden Momentaufnahme eine zugespitzte Deutung, die aus dem Ladeverhalten eine vermeintliche Ursache für eine Gewichtszunahme ableitet. Das geht allerdings deutlich über das hinaus, was die Daten tatsächlich hergeben.
Denn der Begriff „Ladepositas“ funktioniert zwar für die Zuspitzung, jedoch gibt die wissenschaftliche Studie keine Hinweise auf mögliches Übergewicht. Denn medizinische Messungen oder Analysen des BMI der Befragten liegen nicht vor.
In der medialen Überhöhung werden diese differenzierten Ergebnisse jedoch häufig verkürzt dargestellt. Aus einer beobachteten Gewohnheit wird dann schnell eine vermeintliche Gesundheitsgefahr.
Doch ein Kausalzusammenhang zwischen einer Gewichtszunahme und dem E-Auto-Laden besteht natürlich nicht. Denn es ist schlichtweg nicht möglich, dass eine Person beim E-Auto-Laden Gewicht zunimmt. So wird aus punktuellen Beobachtungen eine weitreichende These konstruiert, die auch aufgrund der schmalen Datenbasis wissenschaftlich kaum haltbar ist.
Auch wird tatsächlich nicht beleuchtet, wie sich das Snackverhalten von Verbrenner-Fahrern an Tankstellen oder Raststätten oder von Zugreisenden im Vergleich verhält. Oder ob mit Snacks und Mahlzeiten tatsächlich ungesunde Lebensmittel gemeint sind. Zusätzlich bleibt unberücksichtigt, dass das Essverhalten während der Ladepause schlicht Ausdruck einer pragmatischen Zeitnutzung sein könnte und eher auf eine gute Reiseplanung als auf ein spezifisches „E-Auto-Phänomen“ hindeutet.
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