Quantencomputing aus der Cloud



Der Beitrag planqc: Münchner Start-up liefert Quantencomputer an den Staat erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.
![]()
Quantencomputer sollen die Pharmaforschung, Klimamodelle und die Finanzwelt revolutionieren. Doch bisher fehlt der Beweis, dass sie klassischen Supercomputern wirklich überlegen sind. Das Münchner Start-up planqc will das ändern. In unserem Start-up-Check schauen wir uns an, was hinter der Technologie steckt, woher das Geld kommt und wie realistisch die Pläne sind.
Start-ups: Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.
Dabei gibt es sie durchaus: die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Sie zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats „Start-up-Check“. Heute: planqc, Deep-Tech-Start-up aus dem Bereich Quantencomputing.
Quantencomputer sollen Krebs heilen, Klimamodelle revolutionieren und die Finanzwelt neu erfinden. Wann genau das geschehen wird, bleibt jedoch meist offen.
planqc aus Garching bei München ist hier längst einen Schritt weiter und punktet mit konkreten Aufträgen, Lieferverpflichtungen und einem laufenden Zeitplan. Das 2022 als Spin-off des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik (MPQ) und der LMU München gegründete Start-up hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten europäischen Quantencomputing-Unternehmen entwickelt – mit einer technologischen Wette, die in der Szene zunehmend als vielversprechend gilt.
Hinter planqc stecken Wissenschaftler, die nicht erst seit gestern mit Quantensystemen arbeiten: CEO Dr. Alexander Glätzle und seine Mitgründer kommen direkt aus der Forschungsgruppe um den renommierten Physiker Immanuel Bloch am MPQ, einem der weltweit führenden Institute auf dem Gebiet der Quantenoptik. Das verleiht dem Unternehmen eine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, die sich nicht einfach einkaufen lässt.
Die bekanntesten Quantencomputer, etwa von IBM oder Google, basieren auf supraleitenden Schaltkreisen und müssen bei extrem tiefen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt betrieben werden.
planqc geht einen anderen Weg. Das Unternehmen setzt auf neutrale Atome als Qubits, also die kleinsten Recheneinheiten eines Quantencomputers. Im Gegensatz zu klassischen Bits können Qubits nicht nur die Werte null oder eins annehmen, sondern auch beide Zustände gleichzeitig.
Das planqc-Prinzip: Einzelne Strontium-Atome werden in einem Vakuum mit Laserlicht eingefangen und in sogenannten optischen Gittern, einem „Kristall aus Licht“, positioniert. Jedes Atom fungiert als ein Qubit. Präzise Laserimpulse manipulieren die Quantenzustände der Atome und führen Rechenoperationen durch.
Der entscheidende Vorteil ist, dass neutrale Atome von Natur aus identisch sind. Kein Atom weicht vom nächsten ab, was bei anderen Qubit-Technologien eine erhebliche Fehlerquelle darstellt. Das führt zu langen Kohärenzzeiten, hoher Stabilität und einer Architektur, die auf über 1.000 Qubits ausgelegt ist.
Zum Vergleich: In einem Forschungsprojekt am MPQ, an dem planqc beteiligt war, wurde ein Register mit 1.200 neutralen Atomen über eine Stunde stabil betrieben. Ein Skalierungsergebnis, das in der Branche für Aufmerksamkeit gesorgt hat.
Ein weiterer Vorteil gegenüber supraleitenden Systemen: Der Betrieb ist bei nahezu Raumtemperatur möglich, zumindest im Vergleich zu den Millikelvin-Temperaturen, die Konkurrenten wie IBM benötigen. Das vereinfacht die Infrastruktur erheblich und könnte langfristig die Betriebskosten senken.
planqc positioniert sich als Brückenbauer zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung und hat dafür konkrete Zielbranchen: Chemie und Pharma (Molekülsimulation, Wirkstoffdesign), Batterietechnologie und Climate Tech, Automotive sowie die Finanzindustrie. Erste Use Cases rund um Quantum Machine Learning für Klimasimulationen und Batterieoptimierung befinden sich bereits in der Entwicklung.
Ob und wann Quantencomputer klassischen Supercomputern in diesen Anwendungsfällen wirklich überlegen sein werden, ist die offene Frage der gesamten Branche, planqc eingeschlossen.
Der sogenannte „quantum advantage“ für industriell relevante Probleme ist bislang nirgendwo belegt. Das Unternehmen steckt, wie alle Wettbewerber, noch in der Phase, in der man Systeme baut, die diesen Nachweis irgendwann erbringen sollen.
Im europäischen Wettbewerbsumfeld hat planqc jedoch eine klare Nische: Der Fokus auf neutrale Atome unterscheidet das Unternehmen von Anbietern wie IQM (supraleitend) oder Quantinuum (Ionenfallen) und erlaubt ein „Made in Germany“-Narrativ, das bei europäischen Industriekunden Vertrauen schafft – gerade gegenüber US-amerikanischen und chinesischen Anbietern.
planqc ist für ein vier Jahre altes Deep-Tech-Unternehmen bemerkenswert gut kapitalisiert. Die Series-A-Runde von 50 Millionen Euro (2024), angeführt von Catron Holding und dem DeepTech & Climate Fonds, ergänzt um Fördermittel des BMBF, summiert sich, inklusive öffentlicher Fördermittel, auf rund 80 bis 90 Millionen Euro Gesamtkapital.
Wichtiger noch: Das Unternehmen hat bereits konkrete öffentliche Aufträge gewonnen. Vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhielt planqc einen Auftrag über 29 Millionen Euro zum Aufbau eines Quantencomputers in Ulm – der erste europäische Auftrag dieser Art überhaupt.
Das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) beauftragte das Start-up zusätzlich, einen 1.000-Qubit-Quantencomputer zu entwickeln, mit einer Zielmarke vor 2027. Beide Projekte sind keine Piloten, sondern reale Infrastrukturmaßnahmen mit konkreten Lieferverpflichtungen.
planqc ist dabei eng in das Münchner Quantenökosystem eingebettet: als erster Spin-off der Munich Quantum Valley Initiative, mit Technologiepartnern wie Menlo Systems (Lasersysteme) und ParityQC (Software/Architektur) sowie der fortlaufenden wissenschaftlichen Anbindung an das MPQ. Diese Vernetzung ist kein Marketingargument, sondern struktureller Bestandteil der Entwicklungsstrategie.
planqc adressiert eine der technologisch anspruchsvollsten Herausforderungen der Digitalwirtschaft: den Bau von Quantencomputern, die über Forschungslabors hinaus tatsächlich industriellen Mehrwert liefern. Die neutrale-Atome-Plattform ist wissenschaftlich fundiert, gut finanziert und durch öffentliche Aufträge bereits in der Praxis verankert.
Entscheidend wird sein, ob planqc den Übergang von beeindruckenden Qubit-Zahlen zu nachweisbarem Rechenvorsprung schafft und ob die Zielbranchen bereit sind, Quantencomputing von der Roadmap in ihre tatsächliche IT-Infrastruktur zu überführen.
Gelingt das, wäre planqc gut positioniert, um als europäischer Champion in einem Markt zu bestehen, der bislang von amerikanischen Schwergewichten dominiert wird.
Auch interessant:
Der Beitrag planqc: Münchner Start-up liefert Quantencomputer an den Staat erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.


Europa sucht nach Antworten auf wachsende Risiken im globalen Cloudmarkt. Die Sorge vor Ausfällen oder politischen Eingriffen in große ausländische Anbieter wächst. Beispiele aus jüngster Zeit wie es ein Amazon Rechenzentrum im nahen Osten erlebte zeigen, wie schnell der Zugang zu zentralen Diensten verloren gehen kann. Weiters Beispiel hierfür sind Handelskationen, die Google zwangen Huawei […]
Der Beitrag Sovereign Disaster Recovery Pack: Europas Notfallpaket für digitale Souveränität erschien zuerst auf fosstopia.




DeepL setzt künftig auf AWS und verliert damit ein zentrales Argument. Was bedeutet das für Datenschutz und digitale Souveränität?
Der Artikel DeepL setzt auf AWS – vom Vorzeigeprojekt zur Cloud-Abhängigkeit erschien zuerst auf TARNKAPPE.INFO
Malware per WhatsApp, die als VBS-Datei auf Windows-Systeme gelangt. Danach folgen Cloud-Downloads, Persistenz- und MSI-Pakete wie AnyDesk.
Der Artikel Malware per WhatsApp. Der Rest läuft auf Windows erschien zuerst auf TARNKAPPE.INFO