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Facebook und X am Ende? Das AT-Protokoll könnte alles ändern

12. September 2026 um 06:00

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AT-protokoll

Dezentrale soziale Netzwerke versprechen einen neuen Ansatz bei der Kommunikation. Denn Nutzer erhalten die Kontrolle über ihre Daten und Konten zurück, ohne an eine einzelne Plattform gebunden zu sein. Das AT-Protokoll spielt dabei eine große Rolle.

Die heutigen Platzhirsche bei den sozialen Netzwerken zeichnet vor allem ein Aspekt aus: Sie sind zentralisiert organisiert. Das bedeutet, dass Nutzer häufig an den Anbieter gebunden sind und keine Hoheit über ihre Daten besitzen. Doch das könnte sich künftig ändern. Und zwar dank des sogenannten Authenticated Transfer Protocols.

Was ist das AT-Protokoll – und wie funktioniert es?

Das AT-Protokoll organisiert die Verteilung digitaler Informationen von Grund auf neu. Digitale Identitäten basieren nicht mehr auf klassischen Benutzernamen, sondern auf kryptografisch gesicherten Identitäten, die auf eigenen Domain-Namen basieren. Dadurch lagern sämtliche Inhalte wie Beiträge, Kommentare oder Gefällt-Mir-Angaben in einem sogenannten Repository.

Bei einem solchen Repository werden Daten so strukturiert, dass sie lückenlos nachvollziehbar sind. Diese Struktur ist mit einem digitalen Logbuch vergleichbar, in dem alle Aktionen niedergeschrieben sind, die Nutzer auf der jeweiligen Plattform ausgeführt haben. Ist etwas unstimmig, kann man in dem Logbuch blättern und nachvollziehen, ob etwas tatsächlich so passiert ist.

Du entscheidest, wie Informationen dargestellt werden

Auch der Austausch von Informationen funktioniert etwas anders. Wer auf Reddit surfen will, geht dazu entweder auf die Reddit-App oder über die offizielle Reddit-Website. Anderen Wegen wurde bereits vor einigen Jahren der Riegel vorgeschoben. Beim AT-Protokoll ist das anders. Über ein weltweites Netzwerk namens Lexicon tauschen beteiligte Server ausschließlich strukturierte Inhalte aus, statt ganze Websites zu übertragen.

Das bedeutet, dass Nutzer selbst entscheiden können, wie sie Informationen konsumieren. Sei es über eine offizielle Website, eine Drittanbieter-App oder selbstständig aufbereitete Daten. Persönliche Mitteilungen und Erwähnungen laufen dabei über individuelle Datenserver, während großflächige Suchanfragen, globale Trends sowie komplexe Algorithmen durch spezialisierte Indexierungsdienste verarbeitet werden.

Wie das AT-Protokoll Daten und Reichweite entkoppelt

Durch diese Aufteilung trennt das AT-Protokoll die Veröffentlichung von Inhalten konsequent von deren tatsächlicher Reichweite. Das System funktioniert dabei wie ein Baukasten. Einzelne Elemente wie der Server-Anbieter lassen sich jederzeit austauschen. Bei einem Wechsel des Anbieters bleibt die eigene digitale Identität mitsamt allen bestehenden Verknüpfungen vollständig erhalten.

Fällt ein Server aus oder wird der Betrieb eingestellt, schützt ein integrierter Sicherheitsmechanismus vor unbeabsichtigtem Datenverlust. Denn Nutzer können jederzeit mit einem speziellen Wiederherstellungsschlüssel ihr Konto ohne Unterstützung einer dritten Partei wiederherstellen und auf einen neuen Server übertragen.

Herausforderungen für Entwickler und die Infrastruktur

Trotz dieser Flexibilität hat die Architektur auch ihre Macken. Lokale Sicherungskopien auf Nutzer-Endgeräten sind etwa durch den verfügbaren Speicherplatz begrenzt. Zudem ist die Entwicklung einer solchen Plattform aufgrund der Flexibilität etwas aufwendiger.

Daher hängt der langfristige Nutzen primär von der Nachfrage ab. Doch gelingt der Aufbau einer solchen Infrastruktur, kann das System Nutzer dauerhaft vor der Kontrolle einzelner Gatekeeper wie Meta oder X schützen. Das AT-Protokoll stellt somit einen vielversprechenden Ansatz dar, um die Souveränität über persönliche Daten zurück in deine Hände zu legen.

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Stinknormales WLAN kann Menschen in Räumen orten – sogar ohne Smartphone

02. September 2026 um 05:45

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WLAN Überwachung Menschen orten Funkwellen identifizieren

Jeder Router kann zum Überwachungsgerät werden. In einer Studie zeigen Wissenschaftler des KIT, wie sich Menschen allein über das WLAN-Signal identifizieren lassen. Kameras oder elektronische Geräte sind dafür nicht nötig. Die Hintergründe. 

Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben eine Möglichkeit entdeckt, Personen allein anhand von WLAN-Signalen zu erkennen. Bedeutet: Wer beispielsweise an einem Café mit WLAN vorbeiläuft, kann ganz einfach identifiziert werden.

Personen müssen für eine derartige Identifikation kein Smartphone oder Tablet bei sich tragen. Wie das KIT in der entsprechenden Pressemitteilung schreibt, reiche es aus, dass WLAN-Geräte in der Nähe miteinander kommunizieren.

Keine besondere Hardware notwendig

Möglich ist das aufgrund von sogenanntem Beamforming. Die Technik gibt es seit WiFi 5. Statt das Funksignal gleichmäßig in alle Richtungen abzustrahlen, bündelt der Router es gezielt in Richtung der verbundenen Geräte. Das verbessert Reichweite und Tempo. Allerdings liegt genau da das Problem.

Denn damit der Router weiß, wohin er senden muss, melden sich Geräte regelmäßig zurück und liefern Informationen darüber ab, wie das Signal bei ihnen ankommt. Diese Rückmeldungen heißen „Beamforming Feedback Information“, kurz BFI. Laut KIT werden diese Infos unverschlüsselt übertragen und sind damit auch für Dritte lesbar.

Anders als bei Angriffen mit LIDAR-Sensoren oder bisherigen WLAN-basierten Methoden, die Channel State Information (CSI) nutzen – also Messdaten darüber, wie sich ein Funksignal durch Wände, Möbel oder Personen verändert –, benötigen Angreifende keine Spezialhardware. Die Methode funktioniert mit handelsüblichen WLAN-Geräten.

WLAN-Router als „stille Beobachter“

Per BFI entstehen Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln, die zur Identifikation der Personen dienen können. Dieser Prozess dauert nur wenige Sekunden, sobald das dahinterstehende Machine-Learning-Modell trainiert ist. Das WLAN wird auf diese Weise zum erheblichen Risiko für die Privatsphäre.

„Wir beobachten die Ausbreitung der Radiowellen und können so ein Bild der Umgebung und von Personen erzeugen”, erklärt Cybersicherheitsexperte Thorsten Strufe vom KASTEL, dem Institut für Informationssicherheit und Verlässlichkeit des KIT.

Das funktioniert ähnlich wie bei einer normalen Kamera, nur dass diese Lichtwellen statt Radiowellen in ein Bild umwandelt. Es ist deshalb auch unerheblich, ob jemand ein WLAN-Gerät bei sich hat oder nicht.

Jeder WLAN-Router ein potenzielles Überwachungsgerät

Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler vor Risiken für die Privatsphäre warnen. Denn: „Die Technik macht aus jedem Router ein potenzielles Überwachungsgerät“, so Julian Todt vom KASTEL. Auch das Abschalten des WLANs schützt nicht. Es reicht schon aus, wenn andere Geräte in der Umgebung aktiv sind.

Wer regelmäßig an einem Café mit WLAN vorbeigeht, könnte dort unbemerkt identifiziert und später wiedererkannt werden – etwa von staatlichen Stellen oder Unternehmen.

Zwar gebe es für Geheimdienste oder Cyberkriminelle einfachere Methoden, Menschen zu beobachten. So beispielsweise durch den Zugriff auf Überwachungskameras oder Video-Türklingeln.

Allerdings könnten die allgegenwärtigen Drahtlosnetzwerke zu einer nahezu flächendeckenden Überwachungsinfrastruktur werden. Immerhin gibt es WLAN heutzutage in fast allen Wohnungen, Büros, Restaurants und öffentlichen Räumen.

Für Privatpersonen geht das Risiko über die reine Wiedererkennung hinaus. Die Forschung zu BFI-Sensing hat sich inzwischen weiterentwickelt: Eine Arbeit in den IEEE Transactions on Mobile Computing zeigt, dass sich damit auch Tastatureingaben mehrerer Personen rekonstruieren lassen.

Fast 100 Prozent: So identifiziert WLAN Menschen

Um ihre Hypothese zu testen, ermittelten die Wissenschaftler die Identitäten einer Gruppe von Testpersonen. Von insgesamt 197 Teilnehmern konnte das Forschungsteam Personen mit 99,5 Prozent Genauigkeit erkennen. Persönliche Merkmale wie die Gangart oder ein bestimmter Blickwinkel waren dabei irrelevant.

Die Forscher des KIT befürchten, dass die Technik besonders in autoritären Staaten zur Gefahr für Grundrechte und Privatsphäre werden könnte. Dort ließe sie sich beispielsweise zur Überwachung von Protestierenden einsetzen. In ihrem wissenschaftlichen Artikel fordern die Wissenschaftler deshalb Schutzmaßnahmen.

Sie richten sich beispielsweise an den WLAN-Standard IEEE 802.11bf, der WLAN-Sensing offiziell regelt. Er wurde bereits am 26. September 2025 veröffentlicht und ist eine Erweiterung des bestehenden WLAN-Standards. Ob die vom KIT geforderten Maßnahmen darin enthalten sind, geht aus öffentlichen Angaben allerdings nicht hervor.

Weitere Angriffe, kaum Schutz

Wie ernst das Problem ist, zeigen auch andere Forschungsarbeiten. So stellte ein Forschungsteam auf dem Sicherheitssymposium NDSS 2025 einen verwandten Angriff namens LeakyBeam vor. Er wertete ebenfalls unverschlüsselte BFI-Pakete aus.

Neben den Warnungen gibt es auch Lösungsvorschläge: Die NDSS-Autoren schlagen beispielsweise vor, entweder die BFI-Daten zu verschleiern. Das würde nur minimale Hardwareänderungen erfordern. Eine andere Option wäre, die Pakete per WPA3 zu verschlüsseln. Diese Variante wäre wirksamer, würde allerdings Firmware-Updates auf allen WLAN-Geräten weltweit nötig machen.

Nutzern bleibt damit wenig Handlungsspielraum. Das eigene WLAN abzuschalten hilft nicht, weil fremde Geräte in der Umgebung genügen, um Personen zu identifizieren.

Auch der Verzicht auf Smartphone oder Laptop bringt nichts, da für die Identifikation kein eigenes Gerät nötig ist. Wirksamer Schutz müsste also im Standard selbst verankert sein oder von den Herstellern per Update nachgereicht werden.

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Für Europa: Fraunhofer und SAP wollen US-Cloud-Anbieter austricksen

13. August 2026 um 19:50

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Cloud-Edge-computing USA Europa Clouds Unabhängigkeit Souveränität

Europäische Unternehmen hängen bei der digitalen Infrastruktur stark von US-Konzernen ab. Eine neue Open-Source-Architektur hinter Cloud Edge Computing soll nun die Wende einleiten und die Datenverarbeitung direkt vor Ort ermöglichen. Damit könnte eine unabhängige und nachhaltige digitale Infrastruktur in greifbare Nähe rücken. 

Ein Blick auf die Internetinfrastruktur offenbart ein klares Bild: Wir in Europa zeigen eine deutliche Abhängigkeit von US-Konzernen, wie Amazon, Google oder Microsoft. Allein diese Anbieter verwalten etwa 70 Prozent der europäischen Infrastruktur. Im Resultat ist aber nicht immer ganz klar, wohin die Daten europäischer Bürger und Firmen fließen.

Eine Lösung des Problems könnten dezentrale Netzwerke sein. Derzeit entwickeln das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST und für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC sowie SAP im Rahmen der EU-Initiative IPCEI-CIS eine Architektur (ApeiroRA), die zentrale Rechenzentren mit genau diesen dezentralen Netzwerken vereinen soll. Das könnte dann so aussehen, dass die Verarbeitung von Informationen innerhalb der Rechenzentren in sogenannten Cloud Edges erfolgt.

Was ist Cloud Edge Computing?

Bei Cloud Edges handelt es sich um dezentrale Rechenknoten, die Cloud-Dienste physisch näher an ihre Nutzer bringen. Denn das ermöglicht die Datenverarbeitung vor Ort und reduziert Latenzzeiten teils drastisch. In den Cloud Edges erfolgt die Analyse von Informationen in Echtzeit, während die Cloud weiterhin als zentraler Speicher dient.

Und hier besteht in Europa großes Potenzial. Denn solche Cloud Edges könnten etwa direkt im Turmfuß eines Windrads oder auf einem beliebigen lokalen industriellen Betriebshof entstehen. Heinrich Pettenpohl, Abteilungsleiter für IT Service Providers am Fraunhofer ISST, fasst zusammen:

Im globalen Markt für Public-Cloud-Dienste hat Europa den Anschluss verloren. Im Bereich von Cloud Edge Computing ist das nicht der Fall. Daher verfolgt die EU-Kommission die Strategie, dezentrale, kleinere Rechenzentren, sogenannte Cloud Edges, zu fördern, sodass europäische Unternehmen direkten Zugriff haben und ihre Daten dort ablegen können.

Das Projekt hat auch die Nachhaltigkeit im Blick. Denn digitale Arbeitslasten sollen laut Angaben dynamisch an diejenigen Standorte verlagert werden, an denen im jeweiligen Moment ausreichend Ökostrom zur Verfügung steht.

Offene Standards für europäische Unternehmen

Für Unternehmen und Behörden bringen die offenen Schnittstellen weitere Vorteile. In sich isolierte Insellösungen sollen dann nämlich der Vergangenheit angehören. Denn der neue Ansatz soll erstmals eine besonders hohe Flexibilität und Interoperabilität bieten. Eine strikte Bindung an nur einen Anbieter findet dann nicht mehr statt.

Die Fraunhofer-Institute beschreiben auch konkrete Zukunftsszenarien. Intelligente Systeme könnten etwa zur Optimierung des eigenen Ressourcenverbrauchs digitale Zwillinge simulieren. Durch die Auswahl der besten Simulation ließe sich im Resultat dann die optimale IT-Konfiguration finden. Eine autonome Fehleranalyse und KI-gestützte Betriebsführung sollen Administrationsaufwände deutlich reduzieren.

Für die unabhängige Weiterentwicklung übergaben die Projektpartner ihre zentralen Ergebnisse an die NeoNephos Foundation. Diese ist Teil der Linux Foundation Europe und soll bald die komplexe Architektur schrittweise in konkrete Lösungen und Piloten überführen. Dabei sind höchste Sicherheitsstandards unverzichtbar, um die Informationen vor unbefugten Zugriffen zu schützen. Im besten Fall entsteht also eine übertragbare Lösung, die Europa mehr Unabhängigkeit, Transparenz und eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht.

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SoSafe Virtual Academy 2026: Digitale Resilienz beginnt beim Menschen

06. August 2026 um 09:30

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SoSafe Virtual Academy 2026

Wenn Angreifer KI nutzen, um Täuschungen zu perfektionieren, reicht „mehr Technologie“ allein nicht mehr aus. Entscheidend ist, wie Organisationen entscheiden, reagieren und wie konsequent sie menschliche Risiken steuern. Genau hier setzt die kostenfreie SoSafe Virtual Academy 2026 an: ein kompaktes Online-Event für alle, die Cyber-Resilienz strategisch denken.

Die zweite Jahreshälfte 2026 startet für viele Security-Teams mit einem paradoxen Mix: Im Kalender ist Luft, in der Bedrohungslage nicht. Phishing, Social Engineering und KI-gestützte Angriffe machen keine Sommerpause. Gleichzeitig steigt der Druck von außen: durch Compliance-Anforderungen wie NIS2, durch steigende Erwartungen an Incident Response und durch die Frage, wie Security im Board wirklich Priorität bekommt.

Die SoSafe Virtual Academy 2026 bringt diese Themen auf den Punkt, als fokussiertes, virtuelles Sommer-Forum für digitale Resilienz und adaptive Abwehr. Das Event findet am 18. August 2026 von 09:05 bis 12:00 Uhr statt und ist kostenfrei zugänglich. Zielgruppe sind CISOs, IT- und Security-Verantwortliche, Führungskräfte sowie Akteure aus dem öffentlichen Sektor.

Warum Human Risk Management zur Sicherheitsstrategie gehört

In vielen Organisationen wird Cybersecurity noch immer zu stark als Technologieprojekt betrachtet: Tools einführen, Policies schreiben, Systeme härten. Das bleibt wichtig, aber es löst nicht das Kernproblem, das Angreifer seit Jahren ausnutzen: Menschen treffen Entscheidungen unter Zeitdruck, lassen sich durch glaubwürdige Geschichten täuschen oder umgehen Prozesse, wenn sie als Bremsklotz erlebt werden.

Human Risk Management zielt darauf, dieses Risiko nicht nur mit Awareness-Schulungen „abzudecken“, sondern es messbar zu machen, zu priorisieren und in die Sicherheitssteuerung zu integrieren. Genau diese Perspektive – Verhalten, Kultur, Führung und Entscheidungsfähigkeit – ist ein roter Faden der Academy. Und sie passt zu einer Realität, die viele CISOs kennen: Selbst die beste technische Verteidigung verliert an Wirkung, wenn Meldewege unklar sind, die Belegschaft nicht mitzieht oder Krisenprozesse nur auf Papier existieren.

Kostenfrei zur SoSafe Virtual Academy anmelden

Die Agenda der SoSafe Virtual Academy 2026

SoSafe setzt bei der Virtual Academy auf ein Format, das der Realität von Security-Verantwortlichen entgegenkommt: kompakt, thematisch fokussiert und mit Raum für konkrete Takeaways. Neben einer Eröffnungs-Keynote und Recaps gibt es parallele Deep-Dive Sessions sowie interaktive Workshops & Masterclasses. Dadurch lässt sich der Vormittag wie ein kuratierter Strategie-Sprint nutzen, statt wie eine Konferenz, die vor allem „Input“ produziert.

Ein Blick in die Programmpunkte zeigt, wie breit das Spektrum ist und wie konsequent die Academy den Faktor Mensch mit Governance und operativer Resilienz verbindet:

  • Incident Response & Krisenmanagement: Warum Vorbereitung lange vor der Krise beginnt, inklusive mentaler Resilienz unter Entscheidungsdruck.
  • Security Leadership: Wie CISOs Security-Themen im Board platzieren und Entscheidungsräume sichern.
  • Public Sector Best Practice: Wie Behörden verpflichtende Awareness-Schulungen mit hoher Abschlussquote umsetzen, ohne Eskalationsprozesse.
  • NIS2 & Human Risk Management: Wie sich regulatorische Anforderungen mit einer ganzheitlichen, menschenzentrierten Sicherheitsstrategie verbinden lassen.
  • Mentale Widerstandskraft: Praktische Übungen für Stressregulation und Fokus als Teil digitaler Resilienz.

NIS2: Compliance ist kein Projektplan, sondern Betriebsmodus

NIS2 hat den Ton in vielen Organisationen verändert: Cybersecurity wird zur Managementaufgabe mit Nachweispflichten, Meldewegen und überprüfbaren Maßnahmen. Die Herausforderung liegt dabei nicht nur in technischen Kontrollen, sondern in der Fähigkeit, Risikomanagement, Verantwortlichkeiten und Schulungs- bzw. Enablement-Maßnahmen dauerhaft in den Betrieb zu überführen.

Genau deshalb ist die Klammer aus NIS2, Cyber-Resilienz und Human Risk Management so praxisrelevant. Wer NIS2 rein über Dokumentation und Tooling betrachtet, läuft Gefahr, am Ende zwar formale Anforderungen abzuhaken, aber im Ernstfall trotzdem in eine Entscheidungs- und Kommunikationskrise zu rutschen. Ein ganzheitlicher Ansatz verbindet dagegen Governance, Kultur und konkrete Verhaltensänderung und damit die Fähigkeit, schneller zu erkennen, zu melden und zu reagieren.

Diese Speaker sind dabei: Von CISO-Praxis bis Adversarial AI

Für Tiefe sorgt eine Speaker-Liste, die sowohl Strategie als auch operative Erfahrung abdeckt: Dr. Niklas Hellemann (CEO und Co-Founder, SoSafe), Dr. Daniel Lemmer (ex-CISO ZF Group), Andrew Rose (CISO, Board Advisor), Daniel Holzinger, Jörg Scheiblhofer (CISO, ORF), Niels Hoffmann, Lawrence Pritchard, Joschka Havenith sowie Anitra Eggler als Closing-Keynote.

Inhaltlich spannend ist auch die Verbindung aus Security und Verhaltensperspektive: Mit Rollen wie Director Human Risk Management oder Adversarial AI Research wird deutlich, dass moderne Cyberabwehr nicht nur in SIEM-Dashboards entschieden wird, sondern auch in Kommunikation, Lernpsychologie, Stressmanagement und Führung.

Was Teilnehmende konkret mitnehmen können

Konferenzen werden dann wertvoll, wenn sich daraus Entscheidungen ableiten lassen. Die Virtual Academy adressiert deshalb sehr konkrete „Pain Points“, die sich in fast jeder Organisation finden lassen, unabhängig von Branche oder Reifegrad:

  • Incident Response als Organisationsfähigkeit: Wer in der Krise improvisiert, verliert Zeit. Wer vorher Rollen, Meldewege und Entscheidungsroutinen trainiert, gewinnt Handlungsfähigkeit.
  • Board-Kommunikation: Security muss als Risiko- und Entscheidungsfrage verstanden werden, nicht als Technikdetail.
  • Akzeptanz statt Zwang: Hohe Beteiligung an Pflichtmaßnahmen entsteht nicht durch Druck, sondern durch gute Formate, Relevanz und klare Nutzensignale.
  • NIS2 umsetzbar machen: Anforderungen lassen sich besser erfüllen, wenn menschliche Risiken als Teil des Risikomanagements gemessen und gesteuert werden.

Praktisch: Laut SoSafe erhalten Teilnehmende nach Abschluss der Sessions ein Teilnahmezertifikat und außerdem On-Demand-Zugriff auf die Inhalte. Das hilft, wenn sich nicht jede Session live abdecken lässt oder wenn Inhalte intern weitergegeben werden sollen.

Warum der Zeitpunkt ideal ist: Sommer-Freiraum als Resilienz-Hebel

Ein unterschätzter Vorteil des Termins: Viele Organisationen haben im August mehr Luft für strategische Themen, die im operativen Dauerfeuer untergehen. Genau dafür ist das Format gebaut, als konzentrierter Vormittag mit Pausen, Recaps und parallelen Streams.

Wer 2026 Cyber-Resilienz ernst nimmt, braucht neben Technologie vor allem eine belastbare Sicherheitskultur: klare Entscheidungswege, trainierte Prozesse, eine Belegschaft, die meldet statt verschweigt, und Führungskräfte, die Security als Teil von Business Continuity verstehen. Die SoSafe Virtual Academy bündelt diese Perspektiven in einem Format, das sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren lässt.

Jetzt kostenfrei teilnehmen

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Hacker-Hype: Nur 1,3 Prozent der von KI entlarvten Schwachstellen ausgenutzt

04. August 2026 um 20:55

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KI Hacker Angriff OpenAI Anthropic ChatGPT Claude Gefahr

Erst OpenAI, dann Anthropic: Innerhalb weniger Wochen räumten die beiden KI-Unternehmen ein, dass ihre Modelle eigenständig in fremde Systeme eingedrungen sind. Die Aufregung war groß. Das Thema in den Medien präsent. Eine aktuelle Auswertung zeigt aber: In der Praxis hat sich die Bedrohungslage bislang kaum verändert.

Haben wir die Kontrolle über Künstliche Intelligenz verloren? Im Juli 2026 räumte OpenAI einen „beispiellosen Cybervorfall“ ein: Bei einem Test brachen KI-Modelle aus ihrer abgeschotteten Testumgebung aus, verschafften sich selbstständig Zugang zum Internet und drangen in die Systeme der Plattform Hugging Face ein.

Wenige Tage später legte der Konkurrent Anthropic nach. Bei der Überprüfung von rund 141.000 Testläufen stellte das Unternehmen fest, dass auch einige Claude-Modelle in die Systeme von drei Unternehmen eingedrungen waren. Weder die Betroffenen noch Anthropic selbst hatten das bemerkt.

KI als Hacker: Was sagen die Zahlen?

So beunruhigend die Vorfälle auch klingen, ganz so nah scheint das Ende noch nicht zu sein: Die US-Sicherheitsfirma VulnCheck hat für ihren State-of-Exploitation-Report 2026 ausgewertet, wie viele der von KI entdeckten Schwachstellen tatsächlich für Angriffe genutzt wurden.

Grundlage sind zwei Datensätze: die Anthropic zugeschriebenen Sicherheitsmeldungen sowie die Daten der Berkeley Vulnerability Research Initiative.

Das Ergebnis: Von 1.061 Schwachstellen, die auf KI-gestützte Entdeckung zurückgehen, wurden nur 14 nachweislich ausgenutzt. Das entspricht 1,3 Prozent und liegt damit ungefähr auf dem Niveau aller anderen Schwachstellen im ersten Halbjahr 2026.

Grundsätzlich bedeutet das, dass die von KI gefundenen Lücken nach aktueller Datenlage nicht gefährlicher sind als solche, die Menschen mit klassischen Methoden aufspüren.

Außerdem wurden im ersten Halbjahr 2026 innerhalb von 31 Tagen nach Veröffentlichung rund 200 Schwachstellen angegriffen. In den Vorjahren waren es 196 und 194, also etwa gleich viele.

Gleichzeitig stieg die Zahl der insgesamt veröffentlichten Schwachstellen um 45 Prozent. Das Verhältnis von tatsächlich ausgenutzten zu gemeldeten Lücken sank entsprechend von 2,7 Prozent Ende 2023 auf 1,4 Prozent.

Sind Anthropics Zahlen überbewertet?

Besonders deutlich wird die Lücke zwischen Ankündigung und Nachweis bei Anthropic selbst. Das Unternehmen hatte im April mit Project Glasswing gewarnt, KI-gestützte Schwachstellensuche könne Angreifern helfen, Systeme zu übernehmen oder Daten zu stehlen.

Zuvor hatte bereits das Anthropic-Modell Mythos die Debatte angeheizt, weil es laut Tagesschau über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Sicherheitslücken in viel genutzten Programmen und Onlinediensten fand.

Im Mai 2026 veröffentlichte Anthropic ein öffentliches Verzeichnis dazu und sprach von 23.019 gefundenen Auffälligkeiten. VulnCheck-Analyst Patrick Garrity hat nachgerechnet: Das Verzeichnis ist seit dem Start bei 1.611 Einträgen stehen geblieben, 126 der Funde mündeten in offiziell veröffentlichte Schwachstellen.

Nur eine davon wurde bislang nachweislich für einen Angriff genutzt. Mehr als 150 Funde haben ihre eigene Offenlegungsfrist inzwischen überschritten, ohne dass Anthropic sie veröffentlicht hätte.

Hackerangriff durch KI: Das reale Risiko

Eine Entwarnung ist das allerdings nicht. VulnCheck weist auf zwei Entwicklungen hin, die unabhängig vom KI-Hype relevant sind.

  • Erstens landen Schwachstellen schneller auf der Liste der nachweislich ausgenutzten Lücken. Die Zeitspanne von der Veröffentlichung bis zum ersten dokumentierten Angriff sank im Median von 120 Tagen im Jahr 2025 auf 80 Tage. Der Anteil der Lücken, die schon am Tag der Veröffentlichung oder davor angegriffen wurden, ging dagegen leicht zurück, von 28,93 auf 23,43 Prozent.
  • Zweitens werden KI-Produkte selbst zum Ziel. VulnCheck registrierte 28 Schwachstellen in KI-Systemen, bei zehn davon gab es tatsächliche Angriffe. Bei der Open-Source-Plattform LangFlow etwa verschafften sich Angreifer Zugang, sammelten Zugangsdaten ein, installierten Kryptominer und versuchten, sich weiter im Netzwerk auszubreiten. Dennoch hält sich auch hier die Überraschung in Grenzen, denn KI-Systeme bekommen zunehmend Zugriff auf sensible Unternehmensdaten und wichtige Infrastruktur.

Zwischen Panik und Verharmlosung

Bleibt die Frage, wie ernst die Lage nun wirklich ist. Die Vorfälle bei OpenAI und Anthropic sind keine Kleinigkeit. Sie zeigen ein Steuerungsproblem bei autonomen KI-Agenten. Dass ein Modell einen Angriff fortsetzt, obwohl es das echte Ziel erkannt hat, ist ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem.

Gleichzeitig lohnt sich der Blick darauf, von wem die Warnungen stammen. Sowohl OpenAI als auch Anthropic stehen im Wettbewerb um Investoren und Aufmerksamkeit.

Der ChatGPT-Entwickler steuert zudem auf einen Börsengang zu. Eine Warnung vor der eigenen, angeblich gefährlich mächtigen Technologie ist immer auch eine Demonstration der eigenen Leistungsfähigkeit.

Hacker-Hype: KI nützt Verteidigern mehr als Angreifern

VulnCheck kommt zu einem entsprechenden Schluss. Die bisherigen Daten, einschließlich Anthropics eigenem, ins Stocken geratenem Offenlegungsverzeichnis, deuteten darauf hin, dass KI-gestützte Schwachstellensuche und die Fähigkeiten der Frontier-Modelle „im Verhältnis zu den heute verfügbaren Belegen überbewertet“ worden seien.

Vorerst dürfte der breite Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen sogar eher den Verteidigern nutzen als den Angreifern, weil sich mehr Lücken finden und schließen lassen, bevor jemand sie ausnutzt.

Eine Entwarnung ist das trotzdem nicht. Die Auswirkungen seien bislang moderat, aber real, schreibt VulnCheck. Statt allein auf den Hype zu reagieren, solle man die weitere Entwicklung genau beobachten.

Für Unternehmen bedeutet das: Die wichtigsten Angriffsziele bleiben dieselben wie zuvor. Content-Management-Systeme machten im ersten Halbjahr ein Drittel aller nachgewiesenen Angriffe aus, vor allem über WordPress-Plugins.

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Medizin-KI gefährdet Patientendaten – Forscher fordern neue Standards

28. Juli 2026 um 05:45

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Medizin-KI

Künstliche Intelligenz verändert die Diagnose von Krankheiten. Doch neue Analysen offenbaren Sicherheitslücken bei der Verarbeitung sensibler Daten mittels KI in der Medizin. Es lässt sich etwa mit großer Genauigkeit nachweisen, ob die Daten einer bestimmten Person zum Training eines Modells verwendet wurden. Das birgt konkrete Gefahren für den Alltag und die digitale Sicherheit von Patienten.

Ein internationales Forscherteam der Technischen Universität München, des Hasso-Plattner-Instituts und des Imperial College London hat die Sicherheit von künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen untersucht. Die im Fachmagazin Nature veröffentlichten Ergebnisse zeigen ein erhebliches Risiko für Patienten, deren Daten für das Training verwendet wurden. In der Untersuchung testeten die Forscher Angriffe auf Modelle, die auf sieben etablierten Datensätzen mit Bildgebungsdaten, Kardiogrammen und elektronischen Patientenakten basierten.

Die Ergebnisse offenbaren Lücken bisheriger Sicherheitstests. Während Angriffe auf ganze Datensätze meist scheiterten, ließen sich einzelne Personen mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent wiedererkennen. Denn wenn Angreifer Zugriff auf das System der Klinik und ein einziges Datenblatt des Patienten haben, entsteht eine digitale Spur. Gelingt der Nachweis, dass der Datenpunkt in ein spezifisches KI-Modell für Spezialtherapien eingeflossen ist, verrät dies indirekt die Erkrankung des Betroffenen.

Die Schwachstellen von KI in der Medizin

Daniel Rückert, Professor für KI in der Medizin an der Technischen Universität München, sagt dazu:

Das ist kein verschmerzbares Risiko. Gesundheitsdaten sind hochsensibel. (…) Das ist besonders schwerwiegend, weil Diskriminierung durch KI auch in der Medizin eine Rolle spielt und beispielsweise manche Modelle weniger genaue Vorhersagen treffen, wenn die Patientin oder der Patient einer Minderheit angehört.

Je größer und komplexer das Modell aufgebaut ist, desto leichter gelingen Angriffe zur Re-Identifizierung. Das Gedächtnis der Software verhält sich dabei ähnlich wie ein genaues Fotogedächtnis. Detailreiche Merkmale prägen sich so tief ein, dass Einzelspuren sichtbar bleiben.

Für Betroffene kann das schwere Konsequenzen im Alltag haben. Gelangen Informationen über eine Teilnahme an Studien über Drittanbieter an Versicherungen, könnten finanzielle Nachteile drohen. Risikoprofile könnten angepasst werden, was zu höheren Beiträgen bei Zusatzversicherungen führt.

Besonders gefährdet sind Personen, die im Datenset unterrepräsentiert sind, wie Minderheiten oder Menschen mit besonderen Organmerkmalen. Wer eigene Daten freiwillig der Forschung spendet, muss somit unter Umständen noch Jahre später Nachteile befürchten.

Lösungsansätze für mehr Datenschutz

Um Patienten wirksam zu schützen, schlägt die Forschung neue technische Schutzmechanismen vor. Ein vielversprechendes Verfahren sei die sogenannte Differential Privacy, bei der der Datenschutz die Basis bildet. Bei diesem Ansatz überlagert ein System das Datenmaterial mit einem gezielten, minimalen Rauschen.

Das lässt sich mit einem leicht milchigen Glas vergleichen. Das Gesamtbild und die medizinischen Details bleiben für den Computer klar erkennbar, aber das Gesicht des Einzelnen verschwimmt unkenntlich. Neben technischen Anpassungen fordern Fachleute neue Standards bei Prüfverfahren.

Sicherheitstests müssen künftig das individuelle Risiko des einzelnen Menschen messen, statt sich auf einen Gesamtdurchschnitt zu verlassen. Zudem ist eine strenge Kontrolle des Zugangs zu den KI-Modellen selbst unverzichtbar. Dadurch ließe sich der wissenschaftliche Fortschritt sichern, ohne die Vertraulichkeit von Patientendaten zu gefährden.

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Sicherheitslücke bei Hoymiles-Wechselrichtern erlaubt Angriffe auf Solaranlagen

09. Juli 2026 um 20:09

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Sicherheitslücken bei Wechselrichtern

Der Boom von Balkonkraftwerken und Solaranlagen sorgt für grüne Energie im eigenen Vorgarten. Doch eine aktuelle Untersuchung offenbart erhebliche IT-Sicherheitslücken bei Wechselrichtern des Marktführers Hoymiles. Betroffen sind Hunderttausende Anlagen in ganz Europa, die sich im schlimmsten Fall unbefugt aus der Ferne manipulieren lassen. Die Entdeckungen zeigen, wie verwundbar die dezentrale Energiewende aktuell aufgestellt ist.

Ein Sicherheitsforscher hat in enger Zusammenarbeit mit dem Chaos Computer Club (CCC) eklatante Mängel bei sogenannten Mikrowechselrichtern nachgewiesen. Die Schwachstellen betreffen die weitverbreiteten Balkon- und Dachsolaranlagen des chinesischen Herstellers Hoymiles. Das Unternehmen ist kein kleiner Fisch auf dem Markt, sondern besitzt nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 20 Prozent in Europa.

Die betroffenen Komponenten steuern die Einspeisung des gewonnenen Stroms und kommunizieren völlig ungeschützt über die Funkfrequenzen von 868 Megahertz sowie 2,4 Gigahertz. Weil grundlegende Sicherheitsstandards bei der Datenübertragung fehlen, könnten bei einer großflächigen Ausnutzung der Schwachstellen plötzliche Leistungseinbrüche im Gigawatt-Bereich drohen.

Während der CCC dies als systemisches Risiko für die Infrastruktur einordnet, winken die Aufsichtsbehörden ab. Begründet wird, dass die Netzbetreiber diese Ausfälle auffangen könnten.

Warum die Sicherheitslücken bei Hoymiles-Wechselrichtern so gefährlich sind

Das Ganze funktioniert technisch gesehen relativ simpel, da laut dem Bericht die vermeintlich geheimen digitalen Schlüssel zur Steuerung der Solaranlagen über Hoymiles-Wechselrichter völlig ungeschützt sind. Als geheimer Schlüssel zur Fernsteuerung der Hoymiles-Prozessoren dient ab Werk lediglich die Seriennummer des jeweiligen Geräts. Wer diese Nummer besitzt, hat im Grunde schon fast Zugriff.

Durch eine nicht dokumentierte Firmware-Funktion, einen sogenannten Rundruf, sendet jeder Wechselrichter in der Umgebung seine eigene Seriennummer unverschlüsselt in den Äther. Angreifer könnten diese IDs mit minimalem Fachwissen und geringen Kosten im Vorbeifahren abfangen. PV-Anlagen in ganzen Nachbarschaften ließen sich so mit billigen Bauteilen aus dem Fachgeschäft manipulieren.

Sobald die Seriennummer abgefangen wird, lässt sich die vollständige Kontrolle über die Inverter übernehmen. Unbefugte könnten die Geräte dann nach Belieben umkonfigurieren, die Firmware komplett löschen oder Schadsoftware aufspielen, um die Hardware dauerhaft physisch zu zerstören. Die erforderliche Angriffshardware lässt sich für koordinierte Attacken aus der Luft sogar problemlos auf eine Drohne montieren.

Das systemische Risiko für die kritische Infrastruktur

Ein weiteres drastisches Szenario ergibt sich laut CCC daraus, dass der Hoymiles Kunden aktiv in die Cloud drängt, von der aus theoretisch Hunderttausende Dachsolarkraftwerke zentral aus dem Ausland abgeschaltet werden könnten. Der rasante Ausbau von Balkonsolaranlagen erfolgt derzeit in einer Art „Wild-West-Manier“, bei der Anbieter geduldet werden, die fundamentalen IT-Sicherheitsstandards zu ignorieren.

Hoymiles reagierte im Rahmen des verantwortungsvollen Offenlegungsprozesses (oder auch „Responsible Disclosure“) irritiert bis gar nicht und stellte bisher keinen Sicherheits-Patch bereit. Auch staatliche Aufsichtsbehörden lehnen ein regulatorisches Einschreiten ab. Die Begründung der Behörden hinterlässt einen Beigeschmack: Die Netzbetreiber könnten potenzielle Leistungseinbrüche im Ernstfall ja einfach auffangen. CCC-Sprecher Dirk Engling betonte die Dringlichkeit der Lage und ordnete den Fall kritisch ein:

Schluss mit dem Wilden Westen im IoT. Dieser Fall ist ein praktisches Lehrstück dafür, warum ‚Kritische Infrastruktur‘ nicht erst bei großen Kraftwerken beginnt, sondern bereits im Vorgarten. Wenn Tausende Anlagen per Rundruf abgeschaltet werden können, ist das ein systemisches Risiko.

Sicherheitslücken bei Wechselrichtern: Was Betreiber tun können

Wer eine originale Datenübertragungseinheit (DTU) von Hoymiles betreibt, sollte unverzüglich ein starkes Passwort setzen. Das schafft zumindest eine minimale Hürde für Gelegenheitsangreifer, bietet jedoch keinen vollständigen Schutz. Das Paradoxe daran ist, dass ein Passwort das unbefugte Aufspielen einer fremden Firmware über die Funkschnittstelle nicht verhindert.

Angesichts dessen ruft der CCC die OpenDTU-Community und unabhängige Sicherheitsforscher dazu auf, gemeinschaftlich einen Open-Source-Patch oder eine alternative Firmware für die Funkmodule zu entwickeln. Ziel ist eine verlässliche Lösung, die auf echter Kryptografie wie dem Advanced Encryption Standard (AES) basiert. Zur Wahrung der technologischen Souveränität muss die Steuerung von Energieanlagen dauerhaft lokal und sicher möglich sein, anstatt von ausländischen Cloud-Servern abzuhängen.

Anlagenbetreiber sollten die „Blackbox“ im eigenen Stromkasten ab jetzt kritisch hinterfragen, aufmerksam bleiben und nach Möglichkeit auf transparente Open-Source-Lösungen setzen. Gleichzeitig steht die Politik in der Pflicht: Der CCC fordert bereits ein EU-weites Verbot der Marktzulassung für Geräte, die Firmware-Updates ohne Authentifizierung via Funk akzeptieren.

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