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Google Zero: Wie KI die Medienbranche ausbeutet

24. August 2026 um 11:00

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Google KI-Antworten Medien Verlage Journalismus

Jahrelang hat Google die Medienbranche mit sich stetig ändernden SEO-Faktoren auf Trab gehalten. Jetzt droht mit den AI Overviews und dem AI Mode der Nutzer-Traffic stark einzubrechen. Eine Einordnung in „Gut“ und „Böse“ ist aber schwierig, da der KI-Einfluss sehr vielseitig ist. Eine kommentierende Analyse.

Wie Google die KI-Bedrohung zu seinem eigenen Vorteil machte

  • Über Jahrzehnte hinweg hat Google mit seiner Suchmaschine und den daraus resultierenden Linklisten Milliarden verdient. Mit dem Aufkommen und Erstarken von ChatGPT und Co. war eine ernst zu nehmende Bedrohung für das Geschäftsmodell von Google entstanden. Wer soll Google-Werbung schalten und Zeit sowie Geld in SEO-Optimierung stecken, wenn die KI-Assistenten direkt Antworten liefern und den Nutzern das Durchklicken von Linklisten ersparen?
  • Als Schnellschuss kam Google Bard im Sommer 2023 nach Deutschland. Die Arbeit der ersten Google-KI war verheerend. Die Panik im Rollout war im Produkt spürbar. Knapp zwei Jahre später präsentierte Google mit Gemini einen kraftvollen Nachfolger. Die neue Google-KI wird schrittweise in die bisherigen Google-Produkte integriert. Vor allem die klassische Google-Suche verändert sich.
  • Dabei gibt es zwei unterschiedliche Modi: Die AI Overviews erscheinen über den klassischen Suchergebnissen. Dabei handelt es sich um eine Kurzübersicht zur entsprechenden Suchanfrage. Den Nutzern werden Links zur Verfügung gestellt. Wer mit der KI-Übersicht unzufrieden ist, scrollt einfach zu den Links. Der AI Mode dagegen ist ein Chat. Nutzer erhalten Antworten auf ihre Suchanfragen und können Nachfragen stellen – wie bei WhatsApp oder ChatGPT. In diesem Fall gibt es weniger Verweise und der Weg zu den klassischen Suchergebnissen ist komplizierter.

43 Prozent KI-Antworten: Was das für Medien und Verlage bedeutet

Google hat erfolgreich den Switch geschafft. Die einstige Bedrohung durch KI hat CEO Sundar Pichai in eine Stärke umgewandelt. Die Leidtragenden sind Verlage und Medienhäuser. Eine aktuelle Untersuchung des Datenspezialisten Similarweb hat ergeben, dass der Anteil der AI Overviews massiv gestiegen ist. Im Juni 2025 lag der Wert bei 13,3 Prozent. Ein Jahr später liegt er bereits bei 43,1 Prozent. Das heißt: Für fast jede zweite Google-Suchanfrage liefert Google eine vorgeschaltete KI-Antwort.

Die Folge daraus: Der Website-Traffic für bestimmte Websites ist massiv gesunken. Einfach zu beantwortende Fragen – zum Beispiel nach der Einwohnerzahl einer Stadt – können Nutzer einfach der KI-Antwort entnehmen. Ein Klick zu Wikipedia ist nicht mehr notwendig. Auch Fußballergebnisse und Torschützen liefert die Google-KI relativ zuverlässig. Der Klick zum Kicker – nicht mehr notwendig. Im Fachjargon heißt dieser Wandel: Google Zero. Also: kein Traffic mehr von Google für Website-Inhalte.

In Deutschland gibt es die AI Overviews seit März 2025, in Frankreich seit Juli 2026. Über 300 französische Verlage haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Google eingereicht. Sie fordern eine finanzielle Beteiligung von Google. Schließlich steigt die Verweildauer von Nutzern in der Google-Suche, während Verlage mit einbrechenden Nutzerzahlen zu kämpfen haben.

Die Inhalte für die KI-Übersicht erstellt Google wiederum durch das Crawling der Verlagsseiten. Die Verlage bezahlen also Journalisten, um Inhalte zu erstellen. Der Google-Bot liest diese Inhalte kostenlos und fasst sie in den AI Overviews für die Leser zusammen. Verlage bekommen dadurch weniger Traffic und können ihre Inhalte schlechter monetarisieren. Überspitzt gesagt: Google klaut fremde Inhalte und verdient mit ihnen Geld, während die Erzeuger in die Röhre schauen.

Stimmen

  • Konrad Wolfenstein, „Pioneer Business Development“-Experte, ist beeindruckt davon, wie Google die KI-Bedrohung in einen eigenen Vorteil umgewandelt hat. Medienhäuser müssen ihre Inhalte entsprechend anpassen. In einem Blog-Beitrag erklärt er: „Nutzer, deren triviale Anfragen direkt beantwortet werden, stellen in der Folge komplexere, detailliertere Folgefragen – und für diese tiefergehenden Anfragen klicken sie tatsächlich auf externe Quellen. Die KI-Übersicht filtert also gewissermaßen den Trivial-Traffic heraus und hinterlässt eine qualitativ hochwertigere Restmenge an Suchanfragen, die häufiger zu echten Klicks führen.“
  • Auch Suchmaschinen-Guru Rand Fishkin, Gründer von SparkToro und Co-Autor des Buchs „Zero Click Marketing“, stimmt nicht in den Abgesang der Medienhäuser ein. In einem Video auf LinkedIn erklärt er, warum Websites weiterhin wichtig sind (ab 1:40 Min.): „Sie alle (die KI-Agenten) verlassen sich auf die Informationen auf Ihrer Website. Wenn Ihre Daten nur auf Drittanbieter-Plattformen zu finden sind und Sie sie nicht auf Ihrer eigenen Website gebündelt haben, glaube ich, dass Sie ein Problem haben. Wenn keine Daten vorhanden sind, steigen die erfundenen KI-Aussagen massiv.“
  • Brian Balfour war jahrelang Vice President bei Hubspot und hat mit Reforge seine eigene Firma für KI-orientierte Produktentwicklung gegründet. In einem Essay fordert er Verlage, Online-Shops und Website-Betreiber zum Handeln auf. Der KI-Shift ist unaufhaltsam. „Bei Plattformwechseln gibt es nur drei Arten von Unternehmen: diejenigen, die sich zu früh bewegen und Ressourcen verschwenden; diejenigen, die sich zu spät bewegen und das Zeitfenster verpassen; und diejenigen, die den Wandel kommen sehen und sich so positionieren, dass sie gewinnen. Wenn du auf dem Friedhof landest, ist das nicht die Schuld von ChatGPT (oder wer auch immer die Plattform ist). Es ist deine eigene. Die Uhr tickt nicht nur, sie beschleunigt sich. Und in diesem Spiel gewinnt am Ende immer die Bank.“

Warum hochwertiger Journalismus nicht ausstirbt

Die Lage für die Medienbranche ist festgefahren – allerdings nicht aussichtslos. Eine Datos-Analyse zeigt, dass im ersten Quartal 2026 die Zero-Click-Suchen rückläufig sind. Im März 2025 lag der Wert in Europa noch bei 27,2 Prozent, im März 2026 bei 19,6 Prozent. Gleichzeitig ist die organische Klickrate innerhalb eines Jahres von 40 auf 46 Prozent gestiegen. Das zeigt: Eine erste Trendwende ist bereits erkennbar. Und: Journalistische Inhalte sind nach wie vor wichtig.

Tatsächlich ändert sich das Suchverhalten der Nutzer. Sogenannte Mid-Length-Queries mit sechs bis neun Wörtern gewinnen an Bedeutung. Kurze Suchanfragen beantwortet die KI. Für lange Suchanfragen klicken die Nutzer weiterhin auf Websites und lesen Artikel. Für Verlage bedeutet das: Wer wertlose Inhalte mit wenigen Absätzen erstellt, wird Traffic verlieren. Wer hochwertige Inhalte erstellt und tiefgreifende Recherchen liefert, bleibt relevant.

Denn wenn der Anteil der Suchanfragen steigt, wächst auch der Anteil der Klicks. Einerseits ist es verständlich, dass die Verlage am Gewinn von Google beteiligt werden wollen. Andererseits müssen sie sich auch an die eigene Nase fassen. Während sich Google in einem außergewöhnlichen Kraftakt an die neue KI-Umgebung angepasst hat, fahren die allermeisten Medienhäuser seit Jahren das gleiche Konzept: kurze Online-Meldungen mit Clickbait-Charakter im TikTok-Stil.

Diese Art von Inhalten wird obsolet. Wertvoll waren sie noch nie. Deshalb wird sich im Zuge der KI-Revolution die Medienlandschaft mit Sicherheit ausdünnen. Allerdings zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass für qualitativ hochwertigen Journalismus nach wie vor Bedarf und Interesse besteht. Anstatt Zeit und Geld mit Klagewellen zu verschwenden, sollten Verlage besser ihre eigenen Geschäftsmodelle überdenken.

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Schluss mit Faxgeräten: Gesundheitsgesetz soll Millionen einsparen

20. Juli 2026 um 11:00

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E-Patientenakte Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen GeDig ePA elektronische Patientenakte E-Überweisung

Das Bundeskabinett hat am 15. Juli 2026 ein neues Gesundheitsgesetz beschlossen. Es soll die elektronische Patientenakte massiv aufwerten, die E-Überweisung auf den Weg bringen und jedes Jahr rund 445 Millionen Euro einsparen. Für Patienten bedeutet das konkret: weniger Papierkram, schnellere Facharzt-Termine und eine ePA, die den Namen Health-Hub erstmals verdient hat. Eine kommentierende Analyse.

Neues Gesundheitsgesetz: Was ist das GeDIG)

  • Das neue Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) trägt einen für Deutschland typisch komplizierten Namen. Die tatsächlich geplanten Maßnahmen sind aber erstaunlich konkret und sinnvoll. Grundlage ist eine Erweiterung der elektronischen Patientenakte (ePA). Sie wurde am 15. Januar 2025 eingeführt und wird nun aufgewertet. Es kommen eine Volltextsuche, eine digitale Impfübersicht sowie individuell zugeschnittene Informationen zu passenden klinischen Studien. Die Krankenkassen selbst können Vorsorgeuntersuchungen und Erinnerungen an Check-ups integrieren. Damit wird die ePA erstmals zum echten, digitalen Health-Hub für Patienten.
  • Der zweite zentrale Punkt ist die Einführung der E-Überweisung. Sie soll flächendeckend bis zum 1. September 2029 erfolgen. Nach der Digitalisierung der Rezepte sollen künftig auch Überweisungen vom Hausarzt zu Fachärzten oder ins Krankenhaus komplett digital abgewickelt werden. Die Terminvereinbarung, eine digitale ärztliche Erst-Einschätzung und der Erhalt der E-Überweisung werden komplett über die ePA-App abgewickelt.
  • Zuletzt sollen die Gesundheitsdaten in Deutschland zielführender genutzt werden. In sogenannten Reallaboren dürfen Krankenkassen Gesundheitsdaten verarbeiten, um eine bessere Versorgung und eine engmaschigere Prävention von Risikopatienten zu gewährleisten. Im weiteren Verlauf sollen auch Forschungseinrichtungen Zugriff erhalten, um beispielsweise Krebsfrüherkennungsprogramme zu verbessern oder gefährdete Patienten schneller zu erkennen.

Unsere Einordnung

Obwohl Gesundheitsministerin Nina Warken mit ihrem Namen für das neue Projekt steht – und gegebenenfalls fällt – spielt ein anderes Ministerium eine mindestens genauso große Rolle: das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Dieses Ministerium wurde erst am 6. Mai 2025 von Bundeskanzler Friedrich Merz ins Leben gerufen. Das Ziel von Bundesminister Karsten Wildberger ist so einfach und trotzdem so kompliziert zugleich: Sein Ministerium soll unseren Staat modernisieren, verschlanken und digitalisieren.

In Deutschland ist das eine Mammutaufgabe. Insbesondere Behörden und behördenähnliche Strukturen wie das Gesundheitssystem in Deutschland, bestehend aus Krankenkassen, Versicherungen, Krankenhäusern und Arztpraxen, lieben Uralt-Technologie. Die hohe Fax-Durchdringung oder der teilweise vorhandene Zwang zur Kommunikation in Papierform sind im Jahr 2026 eine Farce, die ihresgleichen sucht.

Mit dem am 15. Juli 2026 beschlossenen Entlastungspaket will Karsten Wildberger unser Land verschlanken und unnötige Ausgaben senken. Unternehmen und Bürger sollen um mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr entlastet werden. Alleine durch die geplante Digitalisierung im Gesundheitswesen sollen im Jahr 445 Millionen Euro eingespart werden.

Ob das Einsparpotenzial tatsächlich so hoch ausfällt, werden wir spätestens im Jahr 2030 sehen, wenn alle Systeme ineinandergreifen. Der Status quo im Spätsommer 2026 ist jedoch: Geldeinsparungen in Millionenhöhe durch Bürokratieabbau und mehr Digitalisierung – es gibt Schlimmeres.

Stimmen

  • Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ist von der Arbeit ihres Ministeriums überzeugt. Sie sagt: „Die Zukunft unseres Gesundheitswesens ist digital und vernetzt. Die Nutzung digitaler Anwendungen soll sowohl für Leistungserbringer als auch für Versicherte zu einer Selbstverständlichkeit werden. Grundvoraussetzung dafür sind stabile Systeme und eine elektronische Patientenakte, die auch für Personen ohne Krankheitsgeschichte attraktiv ist. Mit dem Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen schaffen wir die dafür notwendige Grundlage.“
  • Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, ist vom neuen Gesetzesentwurf angetan. Damit die Pläne ein Erfolg werden, mahnt er in einer Stellungnahme an: „Um Innovationen zu ermöglichen und die Datennutzung zu verbessern, ist auch die Einrichtung von Reallaboren vorgesehen. Ziel sind hier Experimentierräume für die erweiterte Nutzung von Daten, die aber aktuell nur für Krankenkassen vorgesehen sind. Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind wichtige Treiber der technischen Entwicklung im Gesundheitswesen. Sie sollten bei innovationsfördernden Maßnahmen nicht außen vor bleiben. Damit das Gesetz das Gesundheitswesen tatsächlich weiterbringt, muss es innovationsoffen gestaltet und an den praktischen Anforderungen der Versorgung ausgerichtet werden.“
  • Ariel Dora Stern ist als Professorin für Digital Health, Economics and Policy am Hasso-Plattner-Institut tätig. Im ARD-Morgenmagazin (ab 1.15 Min.) spricht sie hoffnungsvoll von den Plänen: „[…] Dass wir zum ersten Mal im deutschen Gesundheitssystem von unseren eigenen Daten lernen können und darauf wertvolle und neue Produkte bauen können. Das Ziel ist, dass wir zum Beispiel für Patienten mit chronischen Erkrankungen eine viel personalisiertere Versorgung anbieten können.“ Auf LinkedIn ergänzt sie: „Unsere Fähigkeit, Patienten bestmöglich zu helfen und hochentwickelte, hochgradig personalisierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, hängt von unserer Fähigkeit ab, qualitativ hochwertige Gesundheitsdaten zu nutzen und aus ihnen zu lernen. Das in Deutschland geplante GeDIG-Gesetz (Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen) ist ein wichtiger Schritt zur Modernisierung des Gesundheitssystems und zum Vorantreiben seiner digitalen Transformation.“

Ausblick

Das neue Gesundheitsgesetz ist ein wichtiges Zahnrad im Prozess der Umstrukturierung des deutschen Gesundheitssystems. Bislang geht Deutschland einen Sonderweg: Hierzulande können Patienten mit ihren Anliegen direkt Fachärzte aufsuchen oder in Notaufnahmen gehen – Behandlung garantiert, Überbelastung des pflegerischen und ärztlichen Personals ebenfalls.

Gesundheitsministerin Nina Warken möchte diesen Sonderweg beenden und ein sogenanntes Primärversorgungssystem einführen. Der Gedanke dahinter: Fachärzte, Notaufnahmen und Krankenhäuser werden gezielt entlastet, weil Hausärzte als Lotsen entscheiden, welcher Patient welche Einrichtung aufsucht. Ausnahmen soll es zum Beispiel in der Gynäkologie und der Augenheilkunde geben.

Damit wiederum die Hausarztpraxen nicht unter der Last zusammenbrechen, gibt es digitale, medizinische Erstberatungen – zum Beispiel durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst, Telemediziner und ausgebildete Pflegekräfte vor Ort. Diese Experten sagen Patienten, welche die richtige Anlaufstelle ist.

Die Grundlage dieses Systemwandels wiederum ist eine reibungslos funktionierende digitale Infrastruktur, die – richtig geraten – auf der elektronischen Patientenakte aufbaut. Damit schließt sich der Kreis, warum der Erfolg des Gesetzes für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen so wichtig ist: Es entscheidet darüber, dass die vielen „Wenn-Dann“-Konstruktionen tatsächlich zu einem zielführenden System werden.

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Weiterbildung statt Massenentlassung: Ikea zeigt, wie KI-Integration geht

13. Juli 2026 um 11:00

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Ikea KI Künstliche Intelligenz Weiterbildung Entlassungen

Massenentlassungen bei Meta, Trade Republic, Schaeffler, H&M und vielen anderen Unternehmen haben die letzten Monate geprägt. Ikea schwimmt gegen den Trend. Obwohl das schwedische Möbelhaus einen sehr erfolgreichen Chatbot besitzt, werden keine Callcenter-Mitarbeiter entlassen. Im Gegenteil. Eine kommentierende Analyse.

Was Ikeas KI-Chatbot Billie wirklich kann

  • Die Ingka Group ist die größte Holdinggesellschaft innerhalb des Ikea-Imperiums. Insgesamt sind dort 8.500 Mitarbeiter im Kundenservice beschäftigt. Schon im Frühjahr 2021 ist der Chatbot „Billie“ eingeführt worden. Die Idee dahinter war ein kundenzentriertes Arbeiten mit KI-Unterstützung. Auf Anfragen soll schneller reagiert werden, damit die Kunden mit ihren Anliegen besser aufgehoben sind – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.
  • Nach einer ersten Analyse nach zwei Jahren stand fest: Billie leistet wertvolle Arbeit. Immerhin 47 Prozent der eingehenden Anfragen konnte der Chatbot selbstständig lösen. Die Folge? Massenentlassungen beim Service-Personal? Mitnichten! Ikea hat Tausende Callcenter-Angestellte weitergebildet, sodass diese mit neuen Qualifikationen – zum Beispiel im digitalen Raumdesign – andere Aufgaben übernehmen konnten.
  • Mit Blick auf die wachsende Rentenlücke in Deutschland sind Fort- und Weiterbildungen ein entscheidender Hebel. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat herausgefunden, dass Angestellte, die im Alter zwischen 55 und 59 Jahren eine Weiterbildung durchlaufen haben, um fünf Prozentpunkte häufiger bis 65 Jahre arbeiten – oder sogar darüber hinaus. Der Gesundheitsstand und der Bildungsstand beeinflussen dieses Ergebnis nicht signifikant. Wer als Unternehmer oder Geschäftsführer seine Mitarbeiter befähigt, profitiert länger von motivierteren Mitarbeitern.

Warum Technologie vielen Angst machst

Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es oft im Volksmund. Tatsächlich wiederholt sich Geschichte sogar in regelmäßigen Abständen. Ein schönes Beispiel dafür ist die technologische Arbeitslosigkeit. Hinter dieser Begrifflichkeit steckt die dem Menschen ureigene Angst, dass technische Neuerungen zu einer Massenarbeitslosigkeit und dem Untergang unserer Gesellschaft führen.

Ein Beispiel dafür ist der Luddismus. Dahinter steckt ein radikaler Zusammenschluss von englischen Textilarbeitern, die zwischen 1811 und 1814 mehrere Angriffe auf Maschinen verübten. Die neuen Maschinen gefährdeten in der Industriellen Revolution die bis dahin größten Arbeitgeber: das Handwerk und die Landwirtschaft.

Anstatt einer Verelendung der Gesellschaft gab es einen Sprung: Die mühsame Arbeit auf dem Feld nahm ab. In den Fabriken entstanden millionenfach neue Jobs und ein neues Zeitalter der Menschheit wurde eingeläutet. Auch die Einführung des Fließbands durch Henry Ford oder die Digitalisierung und Automatisierung unserer Gesellschaft durch Prozessoren und Computer haben die Arbeitswelt nie gefährdet, sondern stets verändert.

Jede technologische Revolution hat bislang dafür gesorgt, dass das Leben und die Arbeit für die allermeisten Menschen einfacher geworden sind. Wir arbeiten weniger körperlich, leiden unter weniger Krankheiten und leben länger. Wir arbeiten nicht weniger, sondern anders. Aber: Wir arbeiten. Warum sollte dieser Trend bei KI anders verlaufen?

Stimmen

  • Ulrika Biesèrt, People and Culture Managerin der Ingka Group, ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Arbeit in Fort- und Weiterbildung – im sogenannten Reskilling – liegt. Sie sagte schon im Sommer 2023: „Wir setzen uns dafür ein, die Beschäftigungsfähigkeit unserer Mitarbeitenden bei Ingka oder andernorts durch lebenslanges Lernen, Entwicklung und Umschulung zu stärken und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu beschleunigen.“
  • Danielle Gardner arbeitet als Associate Director beim US-Datenspezialisten Euplexus. In einer Diskussion auf LinkedIn lobt sie die Vorgehensweise von Ikea: „Die besten Organisationen finden heraus, wie sie die Leistung maximieren können, indem sie die Stärken ihrer Mitarbeitenden nutzen und ihnen die Möglichkeit geben, sich wirklich auf den Einsatz dieser Talente zu konzentrieren. Menschen leisten tendenziell dann ihre beste Arbeit, wenn sie mehr Zeit in ihren Fachbereichen verbringen können und weniger Zeit mit alltäglichen, sich wiederholenden Aufgaben vergeuden, die sich automatisieren lassen.“
  • Wido Geis-Thöne arbeitet als Senior Economist für Familienpolitik und Migration beim Institut der Deutschen Wirtschaft. In einer wissenschaftlichen Auswertung rückt er das lebenslange Lernen in den Vordergrund: „Lernen ist ein lebenslanger Prozess, der notwendig ist, um sich an veränderte Kompetenzbedarfe am Arbeitsmarkt anzupassen. Damit ist es für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit wesentlich.“ Er ergänzt: „Unternehmen können mit einer lebensphasenorientierten Personalpolitik unter anderem ihre Personalentwicklung und Gesundheitsförderung, aber auch ihre Weiterbildungsstrategie so gestalten, dass diese die Arbeitsfähigkeit und -motivation der Beschäftigten über einen möglichst langen Zeitraum erhalten und stärken.“

Trade Republic zeigt, wie es nicht geht

Das beweist nicht nur Ikea, sondern auch exemplarisch Trade Republic. Der Neobroker ist zwischen 2020 und 2024 so schnell gewachsen, dass der menschliche Support nicht mehr hinterherkam. Die 2024 stolz eingeführte KI-Lösung verzettelte sich in immergleichen Antwortschleifen, sodass sich die Verbraucherzentralen und sogar die Bundesfinanzaufsicht BaFin mit Trade Republic beschäftigten.

Das Experiment „KI ersetzt Service“ ist beim Berliner Neobroker krachend gescheitert. In einer Reihe von großen Ankündigungen hat Trade Republic im Sommer 2026 die Rolle rückwärts gemacht und das Revival der Menschen im Support verkündet. Die Freudenstürme der Nutzer und die positiven Bewertungen in den App Stores sprechen für sich.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann KI Menschen – auch im Support – nicht vollumfänglich ersetzen. Wichtig ist, dass auch wirtschaftlich denkende Entscheider verstehen, dass KI ein wunderbares Werkzeug ist, um Menschen mental zu entlasten und so gezielt Freiräume für Aspekte wie Kreativität zu schaffen.

Selbstverständlich wird die technologische Revolution namens KI einige Jobs verschwinden lassen. Zugleich entstehen hunderte neue Berufsbilder, in denen wir Menschen uns ausleben können und die wir Menschen mit Leben füllen.

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Trump stoppt ChatGPT-5.6 – und nimmt Europa in den Schwitzkasten

06. Juli 2026 um 11:00

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ChatGPT 5.6 OpenAI Trump USA

Am 26. Juni 2026 hat OpenAI sein neuestes Modell GPT-5.6 Sol vorgestellt. Doch die Nutzer müssen vorerst noch warten, denn die US-Regierung hat erneut die Nutzung eines neuen KI-Modells verboten. Die Missbrauchsgefahren seien zu groß. Doch die wahre Frage lautet: Beginnen an dieser Stelle die ersten KI-Machtspiele?

Was kann ChatGPT-5.6?

  • Laut eigenen Aussagen ist GPT-5.6 Sol das bisher leistungsstärkste Modell aus dem Hause OpenAI. Der Fokus liegt dabei auf drei sicherheitsrelevanten Themengebieten: Programmierung, Biologie und Cybersicherheit. Code-Reviews, Schwachstellenforschung, Patch-Entwicklung und defensive Tests gehören zu den Stärken des neuen Modells. Dabei ginge es primär darum, Schwachstellen zu finden. In der Durchführung von technischen Angriffen auf Systeme sei das neue Modell nicht so stark – so die Marketing-Abteilung.
  • Als Reaktion hat die US-Administration um Donald Trump den Release per politischer Entscheidung erstmal gestoppt. Nur ausgewählte Gruppen und sogenannte vertrauenswürdige Partner erhalten vorerst Zugriff. Damit ereilt OpenAI das gleiche Schicksal wie Konkurrent Anthropic. Dessen neue Modelle „Fable 5“ und „Mythos 5“ wurden Mitte Juni auch zunächst von der US-Regierung einkassiert – nur um kurze Zeit später doch veröffentlicht zu werden. Auslöser war eine angebliche Sicherheitslücke, die Amazon-Chef Andy Jassy entdeckt hatte.
  • In diesem Kontext ist auch das Allianz Risk Barometer spannend. Durch eine Unternehmensumfrage hat der Versicherer herausgefunden, dass Cyber-Vorfälle und Künstliche Intelligenz die beiden größten Risiken für Unternehmen sind. Wenn jetzt KI immer mehr Menschen – insbesondere Kriminelle – darin befähigt, Sicherheitslücken zu finden, vereinen sich die beiden größten Geschäftsrisiken zu einem Mega-Risiko, das die internationale Wirtschaft gefährdet.

Sicherheit oder Machtspiel? Warum Europa aufwachen muss

Donald Trump ist kein gewöhnlicher US-Präsident. Er ist eigentlich ein Manager aus der freien Wirtschaft, der als Nebenjob in einem der wichtigsten politischen Ämter der Welt gelandet ist. Alleine im Jahr 2025 hat der US-Präsident mehr als zwei Milliarden US-Dollar eingenommen – über eine Milliarde durch Geschäfte mit Kryptowährungen. Wer immer noch glaubt, dass seine Äußerungen rein politischer Natur sind, tendiert womöglich dazu, naiv zu sein. Trump hat zudem eine Klicktatur errichtet.

Die nächste Stufe des Machtmissbrauchs ist eine andere Form der Marktmanipulation. Dadurch, dass Donald Trump jetzt schon zum zweiten Mal die Veröffentlichung eines neuen KI-Modells per Dekret verhindert hat, nimmt er Europa in den digitalen Schwitzkasten. Der US-Präsident weiß genau, wie abhängig der alte Kontinent von den neuen Technologien aus den USA und Asien ist.

Weil er den weltweiten Rollout von GPT-5.6 künstlich verzögert, haben Regierungsbehörden aus den USA und US-Konzerne einen Wissensvorsprung. Sie haben Zeit, sich früher und intensiver mit Neuerungen zu beschäftigen. Indem sie die vermeintlich kritische Technologie „testen“, können sie Schwachstellen bei internationalen Konkurrenten unbemerkt ausmachen – alles unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit.

Für uns in Deutschland und Europa sollte dieses Verhalten ein letzter Warnschuss sein. Wir leiden unter einer KI-Abhängigkeit, aus der wir uns nur schwer befreien können. Zwar gibt es einige erste Gehversuche. Die großen Player kommen jedoch nicht aus Europa – und das ändert sich auch nicht über Nacht. Das höchste Ziel der europäischen Staaten muss deshalb digitale Souveränität sein – ob per AI Act oder auf anderen Wegen.

Stimmen

  • Obwohl die Wortwahl sehr zurückhaltend ist, schwingt in der öffentlichen Vorstellung von GPT-5.6 durch OpenAI einiger Frust mit: „Wir glauben nicht, dass ein solcher staatlicher Zugangsprozess langfristig zum Standard werden sollte. Durch ihn werden den Nutzenden, Entwickler:innen, Unternehmen, Cyber-Abwehrteams und globalen Partnern die besten Tools vorenthalten, die sie benötigen. Wir gehen diesen kurzfristigen Schritt, weil wir ihn für den besten Weg zu breiterer Verfügbarkeit in den kommenden Wochen halten. Gleichzeitig arbeiten wir mit der US-Administration am Cyber Executive Order Framework und an einem wiederholbaren Prozess für künftige Modellveröffentlichungen.“
  • Auf Reddit gehen die Meinungen auseinander. Nutzer Yubario glaubt, dass hinter den Releases eine Taktik steht: „Es sieht so aus, als hätte Anthropic einen Cheat-Code entdeckt, um Modelle schneller zu veröffentlichen. Sich nicht einmal die Mühe machen, es vorher anzukündigen, sondern es einfach veröffentlichen; gesperrt werden und dann fast drei Wochen lang mit der Regierung zusammenarbeiten, um es wieder freizugeben.“ Reddit-Nutzer RedTheRobot dagegen glaubt an eine andere Theorie: „Ich denke jedoch, das große Problem war, dass Amazon das Produkt genutzt hat, um der Regierung zu zeigen, dass es zu gefährlich sei. Ich finde, Anthropic muss seine Nutzungsbedingungen aktualisieren, um diese Art von Sabotage durch Unternehmen zu verhindern. Lasst Amazon für die Verzögerung bezahlen. Das wäre nicht nur gute Werbung, sondern würde auch andere davon abhalten, das nächste Mal dasselbe zu tun – und es wird ein nächstes Mal geben.“
  • Fabian Peters, Chefredakteur von BASIC thinking, blickt im Podcast „Break the Week“ kritisch auf die aktuelle Entwicklung: „Das Gefährliche daran ist, was für eine Macht diese Trump-Administration hat. Sie könnte theoretisch Social Media, Cloud-Anbieter oder KI-Modelle abschalten und als Druckmittel nutzen, beispielsweise gegenüber Europa. Deswegen ist europäische Souveränität wichtig. Paradox ist, dass die USA häufig gegen Regulierungen sind, jetzt aber aus Eigeninteresse regulieren. (…) Vielleicht wird alles aber auch medial, politisch und gesellschaftlich ein bisschen zu sehr hochgekocht.“

Brauchen wir bald eine Vollbremsung bei KI?

Wenn eine sehr mächtige KI in die falschen Hände gerät, ist unsere Gesellschaft in Gefahr. Angriffe auf unser Stromnetz oder unsere bürokratische Infrastruktur werden wahrscheinlicher. Und: Die Sicherheitsmaßnahmen in deutschen Unternehmen und Behörden sind noch nicht so ausgereift, wie es wünschenswert wäre. Angreifer mit einer entsprechend intelligenten Software könnten weitestgehend automatisiert großen Schaden anrichten. Somit stellen neue KI-Modelle tatsächlich eine Bedrohung dar.

Viel wichtiger ist es jedoch, diesen Gedankengang weiterzuspinnen. Im Jahr 2022 war ChatGPT ein besserer Chatbot, der simple Fragen beantworten konnte. Nur vier Jahre später verhindern erste Regierungen die Veröffentlichungen von neuen KI-Versionen. Oder anders ausgedrückt: Innerhalb kürzester Zeit hat sich die Technologie so rasant weiterentwickelt, dass unsere rechtlichen und gesellschaftspolitischen Maßnahmen überholt worden sind. Wir haben schon jetzt nicht mehr die Mittel, um mit den neuen Funktionen Schritt zu halten.

Setzt sich dieser Trend fort, ist davon auszugehen, dass wir früher oder später eine Vollbremsung einlegen müssen. Dann müssen wir uns die Frage stellen: Sind wir dafür bereit, dass Künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz im Vorbeigehen überholt hat?

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