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Immer mehr EU-Bürger suchen nach digitalen Alternativen zu US-Produkten – gerade bei Office-Software. Der europäische Markt hat in diesem Bereich deutlich aufgeholt. Immer mehr Open-Source-Lösungen mit EU-Hosting und starker Verschlüsselung machen Microsoft 365 echte Konkurrenz.
Über Jahrzehnte hinweg war die Abhängigkeit Europas von amerikanischer Technologie akzeptiert und bildete das Fundament unserer modernen IT-Infrastruktur. Doch neben der in den letzten Jahren gewachsenen Abneigung gegen digitale Services aus China werden inzwischen auch Produkte aus den Vereinigten Staaten in Frage gestellt.
Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon, Google und Meta haben nicht nur eine enorme Marktmacht, sondern nutzen diese auch aus – teilweise mit wettbewerbswidrigen Praktiken. Viele Nutzer hegen zudem Bedenken, dass sensible Daten in den Händen von US-Unternehmen nicht gut aufgehoben sind.
Seit dem erneuten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hat das Thema wieder an Bedeutung gewonnen, da sich zunehmend die Frage stellt, ob die USA noch ein verlässlicher Partner für Europa sind. Trumps außen- und handelspolitische Entscheidungen wie seine Zollpolitik nähren zumindest die Zweifel.
Alternativen zu Microsoft 365: Office-Anbieter aus Europa
Kritiker sehen in den USA eine immer engere Verflechtung von Politik und Wirtschaft, denn Trump scheint mit vielen Tech-CEOs zu kooperieren. Geld und Fortschritt stehen an erstere Stelle, Nutzerinteressen und Datenschutz müssen hinten anstehen. Zum Glück hat Europa in den letzten Jahren technologisch deutlich aufgeholt.
Viele Alternativen „Made in Europe“ sehen sich als Gegenmodell zu amerikanischen Technologien. Die Anbieter setzen häufig auf Nachhaltigkeit, Datenschutz und klare Nutzungsbedingungen. Deshalb präsentieren wir an dieser Stelle vier Office-Anbieter aus der EU. Zuvor haben wir uns bereits europäische Cloud-Dienste und E-Mail-Anbieter angeschaut.
1. Nextcloud
Nextcloud ist mehr als nur ein einfacher Cloud-Speicher. Die in Deutschland entwickelte Plattform lässt mehrere Personen gemeinsam an Dokumenten aus der Nextcloud-Suite arbeiten. Und für die Bearbeitung von Tabellen nutzt der Service das integrierte Nextcloud Office. Dabei setzt Nextcloud auf das Prinzip „Selbstgehostet & Open Source“. Die Daten befinden sich „physisch“ immer dort, wo der Nutzer es möchte, zum Beispiel auf einem eigenen Server in Europa. Da die Dokumente direkt auf dem Server gerendert werden, gibt es beim Ausdrucken oder Teilen keine Probleme mit der Formatierung. Zudem bleiben fast alle Daten immer auf dem Server, wodurch das Risiko von Datenlecks minimiert wird. Dokumente können sogar während eines laufenden Videoanrufs gemeinsam bearbeitet werden. Die Software selbst ist kostenlos, professionelle Abos für Unternehmen starten bei etwa 36 Euro pro Nutzer und Jahr.
2. XWiki
Wenn es um die Strukturierung von Wissen und die Zusammenarbeit zwischen mehreren Abteilungen geht, ist XWiki eine der leistungsfähigsten Plattformen in Europa. Das Open-Source-Wiki wird seit über 20 Jahren in Frankreich entwickelt und soll die digitale Souveränität seiner Nutzer fördern. XWiki richtet sich an Teams, die Informationen nicht nur speichern, sondern intelligent vernetzen wollen. Die Plattform bietet einen Browser-basierten Editor, eine detaillierte Versionshistorie und ein umfangreiches Berechtigungssystem. Durch sogenanntes In-Page-Skripting lassen sich innerhalb von Wiki-Seiten kleine Formulare oder Mini-Apps erstellen. Und dank der Funktion „AppWithinMinutes“ können sogar unerfahrene Nutzer strukturierte Anwendungen per Drag-and-Drop bauen. Gehostet wird die Cloud-Variante in Frankreich über OVHcloud. Die Software ist grundsätzlich kostenlos verfügbar, professionelle Pakete beginnen bei etwa zwölf Euro pro Monat.
3. CryptPad
CryptPad ist die geeignete Software für alle Nutzer, bei denen Datenschutz ganz oben auf der Liste steht. Der französische Open-Source-Dienst verfolgt das sogenannte „Zero-Knowledge“-Prinzip. Das bedeutet, dass selbst die Betreiber der Plattform die Inhalte der Dokumente nicht lesen können, da alle Informationen Ende-zu-Ende verschlüsselt werden. CryptPad bietet eine komplette Suite mit Anwendungen, von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation über Whiteboards bis hin zu Umfragen. Die Nutzung ist völlig anonym und ohne Registrierung möglich. Registrierte Nutzer erhalten in der kostenlosen Basisversion einen GB Speicherplatz auf dem offiziellen Server, der ebenfalls bei OVHcloud in der EU gehostet wird. Für fünf Euro pro Monat lässt sich der Speicherplatz erweitern. Unternehmen können die Software sogar auf der eigenen Hardware installieren
4. Collabora Online
Collabora Online ist streng genommen kein eigenständiger Cloud-Service, sondern wird von vielen europäischen Anbietern wie Nextcloud Office als Grundlage genutzt. Die Software basiert auf LibreOffice und bringt alle Funktionen einer Desktop-Office-Suite direkt in den Browser. Collabora bietet eine hohe Kompatibilität und unterstützt alle gängigen Microsoft-Formate. Dokumente können zeitgleich durch mehrere Personen bearbeitet werden. Der große Vorteil von Collabora Online ist die Vielseitigkeit. Der Service lässt sich nahtlos in bestehende Infrastrukturen integrieren. Da Collabora auf Open Source und Datenschutz setzt, ist es eine passende Alternative für Unternehmen, die sich von Office-Anwendungen wie Microsoft 365 unabhängig machen wollen.
Fazit: Microsoft-Alternativen aus Europa
Alle vier europäischen Alternativen haben ihre Berechtigung. Doch sie richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Wer maximale Kontrolle über seine Daten will und technisches Know-how mitbringt, ist mit Nextcloud und der selbstgehosteten Variante am besten bedient. CryptPad eignet sich dagegen besonders für Einzelpersonen und kleine Teams, die sofort und ohne Registrierung loslegen wollen und dabei höchsten Wert auf Verschlüsselung legen.
XWiki spielt seine Stärken vor allem in größeren Organisationen aus, die Wissen strukturiert aufbauen und vernetzen müssen. Eines zeigen aber alle vier Tools deutlich: Europa muss sich im Office-Bereich nicht mehr hinter den USA verstecken.
Die Kombination aus Open Source, EU-Hosting und transparenten Nutzungsbedingungen ist ein echtes Argument, gerade in einer Zeit, in der die politische Verlässlichkeit der USA als Technologiepartner zunehmend in Frage steht. Wer den Wechsel wagt, verliert in den meisten Fällen kaum Komfort, gewinnt aber deutlich an digitaler Souveränität.
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