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Altes Kraftwerk wird zur Mega-Batterie: Hier entsteht Europas Strom-Powerbank

15. September 2026 um 05:45

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GigaBattery Deutschland

In Sachsen entsteht einer der größten Batteriespeicher Europas. Auf einem alten Kraftwerksgelände entsteht eine Anlage mit 1,6 Gigawattstunden Kapazität. Ziel ist es, Schwankungen von Wind- und Solarstrom gezielt abzufangen. Doch der Plan steht und fällt mit der Netzanbindung der GigaBattery Boxberg.

Ein altes Kraftwerksareal in Sachsen soll bald zum Herzstück der modernen Netzinfrastruktur werden. Auf sechs Hektar sanierter Fläche am Standort Boxberg beginnt derzeit der Bau einer riesigen Batterieanlage. Das Unternehmen LEAG Clean Power investiert dort in ein Großprojekt, das überschüssige Energie aus Wind und Sonne speichern soll.

Die Zahlen offenbaren den Maßstab des Projekts. Mit 400 Megawatt Anschlussleistung und einer Speicherkapazität von 1.600 Megawattstunden entsteht in der Region eine Art Powerbank, die in dunklen und windstillen Momenten einspringen soll. Das reicht rechnerisch aus, um rund 640.000 Haushalte oder die komplette Metropolregion Dresden für vier Stunden mit Strom zu versorgen.

LFP-Technologie und Netzanschluss aus Berlin

Technisch setzt das Projekt auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP). Dabei handelt es sich um eine Technologie, die ohne teures Kobalt auskommt. Gleichzeitig ist sie langlebig und bietet eine hohe thermische Stabilität. Das System stammt von HyperStrong, das die schlüsselfertigen Speichereinheiten liefert.

Doch die beste Batterie bringt wenig ohne die passende Anbindung an das Hochspannungsnetz. Deshalb baut Siemens Energy derzeit in seinem Werk in Berlin eine gasisolierte 380-Kilovolt-Schaltanlage. So soll sich Energie problemlos in das Übertragungsnetz von 50Hertz einspeisen lassen.

Die Projektteilnehmer hoffen, dass die Anlage Erzeugungsspitzen im Netz abfangen kann. Scheint die Sonne intensiv oder weht starker Wind, handhabt der Großspeicher die Last. Fällt das Angebot ab, gibt er die Energie kontrolliert wieder ab.

GigaBattery Boxberg: Die Wende im Lausitzer Revier?

Für den zweitgrößten Stromproduzenten Deutschlands ist die GigaBattery Boxberg ein Baustein der eigenen Gigawatt-Factory. LEAG Clean Power baut die von der Kohle geprägte Region schrittweise in einen Standort für erneuerbare Energien um. Dafür nutzt das Unternehmen die bereits vorhandene Infrastruktur der alten Industrie. Thomas Brandenburg, Geschäftsführer der LEAG Clean Power GmbH, dazu:

Die Energieversorgung der Zukunft braucht leistungsfähige Speicher. Mit der LEAG Clean Power schaffen wir in Boxberg einen weiteren wichtigen Baustein für die Integration Erneuerbarer Energien und die Versorgungssicherheit in Deutschland.

Aber es gibt auch Herausforderungen. Ein kritischer Meilenstein bleibt die pünktliche Fertigstellung der Netzinfrastruktur. Sollte sich der Ausbau der Schaltanlage verzögern, drohen auch Verzögerungen beim Großspeicher. Nur wenn der Ausbau von Netzen und Speichern parallel gelingt, kann ein nachhaltiger Umbau der Stromversorgung erfolgen.

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Strom aus 4.000 Metern Höhe: Dieser Zeppelin soll Energie erzeugen

09. September 2026 um 05:45

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Flugwindenergie

Das chinesische Start-up Sawes Energy will Flugwindenergie in 4.000 Metern Höhe nutzen. Zwei Prototypen wurden dazu in die Luft gebracht und weiterentwickelt. Das Ziel: Der Zeppelin sollen saubere Energie aus hohen Luftgefilden zur Erde bringen.

Geht es um Elektrizität aus der Windkraft, denken viele wahrscheinlich an klassische Windkraftanlagen. Doch  Forscher aus China arbeiten bereits seit einiger Zeit an einer alternativen Lösung: der Nutzung von fliegenden Kraftwerken. Laut einem Bericht des chinesischen Fernsehsenders CCTV sowie einem Artikel der South China Morning Post erzielten die Verantwortlichen deutliche Fortschritte.

Der Flugwindenergie-Prototyp S4000 soll in einem Versuchsaufbau eine Flughöhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiegel erreicht haben. Dieser erinnert an einen Zeppelin und wurde vom Start-up Sawes Energy Technology zusammen mit der Tsinghua-Universität und dem Aerospace Information Research Institute der Chinesischen Akademie der Wissenschaften entwickelt.

Konstruktion erzeugt Flugwindenergie durch Helium und leichte Turbinen

Bisher gab es mit dem Modell S1500 und dem Modell S2000 bereits zwei Probeflüge. Die Modellnummern stehen dabei für die Flughöhe. Das Modell S1500 erreichte im September 2025 als erstes Fluggerät eine Leistung von einem Megawatt. Bei dem jüngsten Versuch mit dem S4000 gelang ein vollständiger Arbeitszyklus. Dieser besteht aus Aufstieg, Positionshaltung, Stromerzeugung und Bergung.

Das Fluggerät nutzt Helium, um in die entsprechende Höhe aufzusteigen. Besonders leichte Turbinen nutzen dann den Vorteil, dass in höheren Lagen deutlich stärkere Winde herrschen. Ein Halteseil sorgt nicht nur dafür, dass der Zeppelin an Ort und Stelle bleibt, sondern bringt die gewonnene Elektrizität auch sicher zurück zum Boden.

Mobil einsetzbar, aber Kosten-Nutzen noch unklar

Die Projektteilnehmer sprechen davon, dass das System besonders flexibel ist und so an verschiedenen Orten zum Einsatz kommen kann. Damit soll es sich hervorragend für die Energieversorgung an abgelegenen Orten eignen. Der Test gilt laut CCTV als Weltpremiere und wichtiger Durchbruch auf dem Weg zum ingenieurtechnischen Einsatz der Höhenwindenergie.

Trotzdem bleiben auch wichtige Fragen unbeantwortet. Etwa über den Wirkungsgrad und die Kosten der Technologie. Denn der Bericht spricht nicht davon, wie sich die Technologie etwa im Vergleich zu einem klassischen Generator oder Solarpanel schlägt. Es wird sich also zeigen müssen, ob wir eines Tages Luftschiffe zur Energieversorgung in den Himmel steigen lassen.

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Offshore-Elektrolyse: Kommt jetzt grüner Wasserstoff aus der Nordsee?

26. August 2026 um 05:45

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grüner Wasserstoff Nordsee Offshore-Elektrolyse Energiewende Windenergie Windkraft

Die Produktion von grünem Wasserstoff direkt auf der Nordsee nimmt konkrete Formen an. Neue Regularien könnten mehr Planungssicherheit für Offshore-Projekte schaffen. Doch es wird wohl noch dauern, bis der Wasserstoff tatsächlich in großem Maßstab an Land fließen kann.

Grüner Wasserstoff gilt in der Energiewende als wichtiger Baustein für eine klimaneutrale Industrie. Denn mit dem Stoff können fossile Energieträger dort ersetzt werden, wo eine direkte Elektrifizierung nur schwer möglich ist, wie beispielsweise in der Stahl- und Chemieproduktion.

Daher hat sich die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie auch zum Ziel gesetzt, die heimische Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030 auf mindestens zehn Gigawatt auszubauen. Gleichzeitig soll ein leistungsfähiges Wasserstoffnetz entstehen, das unter anderem Industrieunternehmen und Speicher miteinander verbindet.

Ein wichtiger Baustein für die Erreichung dieses Ziels könnte künftig grüner Wasserstoff aus der Nordsee sein. Denn dort lässt sich der Strom großer Offshore-Windparks direkt vor Ort nutzen, um grünen Wasserstoff per Elektrolyse herzustellen. Dieser würde dann über Pipelines an Land transportiert werden.

Was spricht für Offshore-Wasserstoff aus der Nordsee?

Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Denn dieser ist notwendig für den klimafreundlichen Umbau von Industrie und Energiesystem und damit unerlässlich für die Energiewende.

Prognosen zufolge könnte daher die Nachfrage nach molekularem und emissionsarm hergestelltem Wasserstoff bis zum Jahr 2050 weltweit auf insgesamt 598 Millionen Tonnen ansteigen. Für das Jahr 2030 gehen die Schätzungen von einem Bedarf in Höhe von 172 Millionen Tonnen aus.

Auch in Deutschland wird die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter wachsen. Dabei dürfte die heimische Produktion allerdings nicht ausreichen, um den Bedarf vollständig zu decken.

Grüner Wasserstoff aus der Nordsee könnte jedoch dazu beitragen, die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Bislang fehlte dafür allerdings der geeignete rechtliche Rahmen.

Kommt bald grüner Wasserstoff aus der Nordsee?

Ein Referentenentwurf zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) könnte dies nun ändern. Denn in diesem wird erstmals das bisherige Anschlussverbot für sogenannte sonstige Energiegewinnungsbereiche gestrichen.

Zusätzlich finden Elektrolyseure erstmals ausdrücklich Erwähnung in dem Gesetz. Somit könnte die auf See gewonnene Windenergie künftig entweder als Strom oder in Form von Wasserstoff an Land gebracht werden.

Die Produktion von grünem Offshore-Wasserstoff könnte laut dem Entwurf „potenziell die Systemkosten durch den Wegfall kostenintensiver Stromnetzinfrastruktur senken“. Allerdings sei die Offshore-Elektrolyse „bislang jedoch auch aufgrund des noch frühen Entwicklungsstadiums nicht wirtschaftlich darstellbar“.

Daher sei nun das nächste Ziel die „Erprobung im Betrieb und im größeren Maßstab“. Das Ziel sei es demnach, die neuen Technologien unter realen Bedingungen schnell und möglichst unbürokratisch auszuprobieren.

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Größter Offshore-Windpark Deutschlands fertig: Strom für 1,1 Millionen Haushalte

15. August 2026 um 05:45

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Offshore-Windpark He Dreiht Windenergie Erneuerbare Energie Energiewende größte Windpark Deutschland

Vor der Nordseeküste nimmt mit „He Dreiht“ einer der größten Offshore-Windparks Deutschlands Gestalt an. Das EnBW-Projekt soll im Spätsommer in Betrieb gehen und dann rund 1,1 Millionen Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Quelle versorgen.

Erneuerbare Energien sollen im Rahmen der Energiewende fossile Energieträger zunehmend ersetzen und gleichzeitig eine klimafreundliche und verlässliche Stromversorgung ermöglichen. Eine Schlüsselrolle dabei spielt die Windkraft, deren Ausbau sowohl an Land als auch auf See vorangetrieben wird.

Dabei gelten vor allem Offshore-Windparks als bedeutend, da auf dem Meer meist stärkere und gleichmäßigere Winde wehen als an Land. So können die sehr großen Anlagen entsprechend hohe Strommengen erzeugen.

Aktuell sind in Deutschland laut der Stiftung Offshore-Windenergie 1.764 Offshore-Windenergieanlagen in Betrieb. Diese vereinen zusammen eine Leistung von 10,8 Gigawatt.

64 Windkraftanlagen stehen im Offshore-Windpark „He Dreiht“

In den kommenden zehn Jahre soll es laut der Stiftung eine deutliche Steigerung der installierten Gesamtleistung geben. Denn auch die Bundesregierung forciert den Ausbau der Windenergie auf See in ihren Klimazielen.

Demnach soll die installierte Offshore-Leistung bis 2030 auf mindestens 30 Gigawatt steigen, bis 2035 auf mindestens 40 Gigawatt. Für das Jahr 2045 sind mindestens 70 Gigawatt vorgesehen. Große Windparks wie „He Dreiht“ in der Nordsee sollen dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen und den Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromversorgung weiter zu erhöhen.

Der Energiekonzern EnBW hat mit dem Offshore-Windpark „He Dreiht“ eines der größten deutschen Windenergieprojekte auf See weitgehend fertiggestellt. Insgesamt sollen hier ab dem Spätsommer 64 Windkraftanlagen künftig große Mengen Strom aus erneuerbarer Energie erzeugen.

Größter Offshore-Windpark Deutschlands soll 1,1 Millionen Haushalte versorgen

Der Offshore-Windpark entsteht in der Nordsee, rund 110 Kilometer westlich von der Insel Helgoland. Die Installation der 64 Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 15 Megawatt ist durch den Hersteller Vestas abgeschlossen.

„Mit dem Abschluss der Installation der Windkraftanlagen haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein bei He Dreiht erreicht“, erklärt Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW. „Offshore-Wind ist eine heimische, erneuerbare Energiequelle, die große Strommengen über viele Stunden im Jahr erzeugen kann und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Dekarbonisierung des Stromsystems leistet.“

Bei der Anlage handelt es sich um das bislang größte Offshore-Projekt des Energiekonzerns. Dabei wurden rund 2,4 Milliarden Euro investiert.

„Als unser bislang größtes Offshore-Projekt steht He Dreiht für den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren und die Weiterentwicklung unseres Erzeugungsportfolios in Richtung Klimaneutralität“, erklärt Heydecker weiter. Das Projekt soll insgesamt auf eine Gesamtleistung von 960 Megawatt kommen und damit rechnerisch rund 1,1 Millionen Haushalte abdecken können.

Die meisten der Windkraftanlagen sind bereits ans Netz angeschlossen, voraussichtlich im Spätsommer soll dann der gesamte Windpark vollständig in Betrieb gehen.

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Milliarden-Chance für Kommunen durch Erneuerbare – doch Bund versteckt Studie

27. Juli 2026 um 11:00

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Erneuerbare versteckte Studie Kommunen Jobs Steuern Umwelt

Eine vom Bund beauftragte Studie zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien Kommunen, Städten und Landkreisen bis 2033 Milliarden einbringen und über 50.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Doch das Wirtschaftsministerium hat die Ergebnisse ohne Pressekonferenz oder Kommentar nur klammheimlich online gestellt. Das ist kein Versehen, sondern politisches Kalkül. Denn die Zahlen passen nicht zum Kurs einer Ministerin, die den Ausbau von Wind und Solar bremsen will. Eine kommentierende Analyse.

Versteckte Studie offenbart Milliarden-Potenzial für Städte und Kommunen

  • Über 50.000 neue Arbeitsplätze, Steuereinnahmen in Milliardenhöhe für Kommunen und finanzielle Beteiligungen von Bürgern vor Ort: All das würde der lokale Ausbau von erneuerbaren Energien in Städten und Landkreisen laut einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) bis 2033 mit sich bringen. Die Untersuchung mit dem Titel „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ wurde 2024 vom damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Auftrag gegeben. Fertiggestellt wurde sie unter seiner Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU).
  • Die Studie ist seit April 2026 auf der Website des Wirtschaftsministeriums einsehbar. Eine Pressemitteilung oder eine Konferenz des Ministeriums gab es dazu aber nicht. Wie das Wirtschaftsministerium auf Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) mitteilte, sei die Studie im Haus ausgewertet worden. Die Autoren hätten ihre Arbeit zudem bereits selbst präsentiert. Fakt ist: Es gab vor der Veröffentlichung zwar zwei Tagungen, aber nur vor einem Fachpublikum. Im Nachgang haben deshalb die beteiligten Institute Pressemitteilungen mit Details veröffentlicht. Auch die Webinar-Plattform Europe Calling hat eine Veranstaltung abgehalten.
  • Laut RND hat die Rechercheplattform Correctiv.LOKAL nun erstmals den vollständigen Datensatz (möglicherweise Paywall) öffentlich gemacht, der der Studie zugrunde liegt. Die Rechnungen offenbaren, wie sehr Landkreise und Städte vom Ausbau der Erneuerbaren profitieren könnten. Grundlage sind die von der ehemaligen Ampel-Regierung beschlossenen Ausbauziele. Das RND hat aus den Daten eine interaktive Karte erstellt, die zeigt, wie viel Geld alle Städte und Landkreise in Deutschland bis 2033 durch Windräder und Solaranlagen einnehmen könnten. Sollten die Ausbauziele erreicht werden, könnten sowohl Deutschland als auch einzelne Regionen die Wertschöpfung bis 2033 nahezu verdoppeln.

Passt nicht zum Kurs der Bundesregierung

Die versteckte Studie des Wirtschaftsministeriums liefert nicht nur eine Prognose zum Ausbau von Windrädern und Solaranlagen. Sie wirft eine unbequeme politische Frage auf – zumindest für die aktuelle Regierung. Denn: Warum verschwindet eine Untersuchung nahezu geräuschlos, obwohl sie ein Milliardenpotenzial für Bund, Kommunen und Bürger aufzeigt?

Offenbar, weil sie den Plänen von Wirtschaftsministerin Reiche Wind und Sonne aus den Segeln nimmt. Dass es weder eine Pressekonferenz noch große Kommunikation gab, dürfte deshalb kaum Zufall sein. Schließlich liefert die Analyse Argumente, die nicht zum politischen Kurs der Bundesregierung passen, der wie so oft auf eine Legislaturperiode und Kurzfristigkeit ausgelegt ist.

Dabei beweisen mehrere Orte schon heute, dass die Rechnung aufgehen kann. Dardesheim (Stadt Osterwieck), Feldheim (Stadt Treuenbrietzen), Lichtenau (Westfalen), Wilstedt und Wunsiedel zeigen etwa, dass die Energiewende nicht nur Strom produziert, sondern auch Wohlstand und Unabhängigkeit bringt.

Denn: Günstigere Energiepreise, zusätzliche Steuereinnahmen, finanzielle Beteiligungen für Bürger und mehr Unabhängigkeit sind dort längst Realität. Windräder werden dort von einem vermeintlichen Landschaftsproblem zu einem echten Wirtschaftsfaktor.

Zugegeben: Dieser Wohlstand lässt sich nicht gleichmäßig verteilen. Windreiche Regionen im Norden profitieren beispielsweise stärker von der Windkraft, während der Süden vor allem mit Photovoltaik auf Hausdächern aufholt. Doch genau das ist auch die Botschaft der Studie. Denn viele ländliche und strukturschwache Regionen könnten zu den großen Gewinnern der Energiewende gehören. Vorausgesetzt: Sie wollen wirklich und lassen sich nicht von der Fossillobby einlullen.

Stimmen

  • Frederick Sixtus, Co-Autor der Studie und Projektkoordinator am Berlin-Institut, in einem Statement: „Überall in Deutschland gibt es bereits Pionierregionen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur unterstützen, sondern als strategischen Hebel für ihre eigene Entwicklung nutzen. Diese Vorbilder zeigen, was möglich ist. Wenn die Regionen voneinander lernen, wird die Energiewende für alle zum wirtschaftlichen Gewinn.“ Steven Salecki, ebenfalls Co-Autor der Studie und Volkswirt am IÖW, ergänzt: „Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt und mehr Anwohnerinnen von der Energiewende profitieren. Das kann außerdem die Akzeptanz erhöhen.“
  • Kritiker werfen Katherina Reiche (CDU) vor, mit ihren Plänen den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen. Die Wirtschaftsministerin will das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformieren und in einigen Regionen einen Baustopp für Windräder und Solaranlagen verhängen. Reiche im April 2026 dazu: „Die Erneuerbaren werden das Rückgrat unserer Stromversorgung sein. Sie sind es schon heute zum großen Teil. Aber eine Energiewende, die Systemkosten ignoriert, hat keine Zukunft. Klimaschutz ohne Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit ist politisch und wirtschaftlich nicht tragfähig. (…) Wir brauchen keine Überkapazitäten, die subventioniert ins Ausland exportiert werden, während im Inland die Preise steigen.“
  • Sven Giegold, stellvertretender Vorsitzender der Grünen im Bundestag, hat die Studie 2024 als Staatssekretär unter Robert Habeck auf den Weg gebracht. Auf LinkedIn wetterte er zur Veröffentlichung 2026: „Monatelang war diese spannende Studie in den Schubladen von Katherina Reiche verstaubt. (…) Diese Fakten, die Reiche nicht passen, verdienen Verbreitung! Diese Studie hatte ich als Staatssekretär auf den Weg gebracht. Die Wirtschaftsforschungsinstitute IÖW, IW und Berlin-Institut haben einen Top-Job gemacht. Ihre Arbeit hat es nicht verdient, monatelang zu verschwinden. Es geht hier auch um Steuergelder! Katherina Reiches Bundeswirtschaftsministerium hat die Studie ohne jeden Kommentar und ohne jede Wertschätzung für die Arbeit der Wissenschaftler*innen online gestellt. Das ist schlechter Stil. Kommt da noch was?“

Netzausbau statt Ausbaustopp: Was jetzt passieren muss

Rund um den Ausbau erneuerbarer Energien wird seit Monaten ein Gegensatz aufgebauscht, der keiner sein müsste. Ja: Die Stromnetze und Erneuerbaren müssen Hand in Hand gehen. Das heißt aber nicht, dass man den Ausbau von Windrädern und Solaranlagen an den schleppenden Netzausbau anpassen muss.

Allein schon angesichts des wirtschaftlichen Potenzials, das die Studie aufzeigt, sollte es doch vielmehr andersherum sein – zumal die deutschen Netzbetreiber aktuell Rekord-Renditen scheffeln und sich auch auf Kosten von Verbrauchern und Steuergeldern die Taschen füllen.

Wer mehr Ausgewogenheit fordert, sollte deshalb nicht den Ausbau der Erneuerbaren bremsen, sondern endlich mal die Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen. Denn diese spielen beim Umbau des Energiesystems eine Schlüsselrolle, produzieren aber horrende Gewinne statt Wertschöpfung zu schaffen.

Dabei krankt die Debatte ohnehin schon allzu oft an Kurzsichtigkeit. Doch: Energiepolitik ist kein Quartalsbericht, sondern eine Investition in die nächsten Jahrzehnte. Sinkende Erzeugungskosten, mehr Versorgungssicherheit und weniger Abhängigkeit von Energieimporten sprechen langfristig klar für den Ausbau der Erneuerbaren.

Hinzu kommen Milliarden an zusätzlicher Wertschöpfung für Städte, Gemeinden, Bürger und auch den Staat. Die Aufgabe besteht deshalb nicht darin, den Ausbau auszubremsen, sondern Speicher, Netze und Infrastruktur endlich so schnell auszubauen, dass möglichst keine Kilowattstunde mehr ungenutzt verloren geht und potenzielle Milliardeneinnahmen verpuffen.

Selbst wenn die kolportierte Wertschöpfung der Studie nur bei der Hälfte läge, würde es sich bereits lohnen, beim Netzausbau aufs Tempo zu drücken. Und: zu investieren! Dabei haben wir jetzt noch nicht einmal über den Klimawandel gesprochen, sondern allein über wirtschaftliche Vernunft.

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250 Milliarden Euro Klimaschäden durch deutschen Solarstrom abgewendet

03. Juli 2026 um 05:45

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Erneuerbare Energien Klimaschäden Solarstrom Ausbau

Durch Solarenergie konnten in den vergangenen 20 Jahren gigantische Mengen an Treibhausgasen eingespart werden. Solarstrom schützt aber nicht nur das Klima, sondern auch den Staatshaushalt. Allein zwischen 2020 und 2025 hat Photovoltaik Deutschland laut Umweltbundesamt Importkosten von 20 Milliarden Euro erspart und Klimafolgeschäden von bis zu 250 Milliarden Euro abgewendet.

Laut offiziellen Daten des Umweltbundesamtes wurden durch die intensive Nutzung von Solarstrom in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren rund 500 Millionen Tonnen Netto-Treibhausgase vermieden. Diese enorme Summe verdeutlicht den langfristigen Hebel, den die Solarenergie für den Klimaschutz offenbart.

Besonders bemerkenswert erscheint die Beschleunigung beim Ausbau in der jüngsten Vergangenheit. Mehr als die Hälfte dieser gesamten Emissionsminderung, rund 270 Millionen Tonnen Treibhausgase, entfiel auf den kurzen Zeitraum von 2020 bis 2025. Die Effizienz der Klimaschutzmaßnahmen hat sich also massiv erhöht. Denn in den vergangenen fünf Jahren konnten mehr Emissionen eingespart werden als in den 15 Jahren davor zusammen.

250 Milliarden Euro vermiedene Klimaschäden: So rechnet sich Solarstrom

Der beschleunigte Solar-Ausbau sorgt zudem nicht nur für weniger Luftverschmutzung, sondern schützt auch die Staatskassen vor unkontrollierbaren Folgekosten. Zwischen 2020 und 2025 wurden durch die Verdrängung fossiler Energieträger internationale Importe im Wert von rund 20 Milliarden Euro eingespart. Außerdem hat die Solarenergie laut Umweltbundesamt im selben Zeitraum volkswirtschaftliche Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro abgewandt. Das sichert die ökonomische Handlungsfähigkeit künftiger Generationen.

Der Hintergrund: Rund sechs Millionen installierte Solaranlagen haben 2020 bis 2025 knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Diese enorme Menge entlastet das deutsche Stromnetz primär dadurch, dass sie die Verbrennung in kohlendioxidintensiven Erdgas- und Steinkohlekraftwerken und damit teure fossile Spitzenlasten verdrängt.

Rekordwerte beim Solar-Ausbau im Jahr 2025

Das Jahr 2025 markiert in dieser Entwicklung einen historischen Meilenstein für die erneuerbare Infrastruktur. Die Stromeinspeisung aus Photovoltaik verzeichnete ein deutliches Wachstum von 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte 70,1 Milliarden Kilowattstunden.

Laut den offiziellen Statistiken des Umweltbundesamtes belief sich die Bruttostromerzeugung sogar auf insgesamt 91.591 Gigawattstunden, wodurch allein in diesem Jahr exakt 62.718.000 Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgasen vermieden werden konnten. Die gesamte installierte elektrische Leistung wuchs parallel auf 119.953 Megawatt an, was den anhaltenden Trend zu massiven Kapazitätserweiterungen auf fast 120 Gigawatt widerspiegelt.

Trotz Milliardeneinsparungen: Wo die Energiewende an ihre Grenzen stößt

Trotz dieser beispiellosen Erfolge klafft in der Realität der Energiepolitik weiterhin eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Während der Anteil erneuerbarer Energien an der ins Netz eingespeisten Strommenge im Jahr 2025 stolze 58,6 Prozent betrug, steuerten konventionelle Energieträger immer noch 41,4 Prozent bei, was 181,3 Milliarden Kilowattstunden entspricht.

Die Energiewende stagniert damit auf einem hohen Niveau, da die Strommenge aus erneuerbaren Quellen im Jahresvergleich nahezu unverändert blieb, während konventionelle Energieträger um 3,6 Prozent zulegten. Die Photovoltaik-Branche agiert folglich in einem volatilen Marktumfeld, das stark von den wechselnden Signalen zwischen Investitionsboom und regulatorischen Bremsen betroffen ist.

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