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Solares Geoengineering: Wie wir die Stratosphäre nutzen könnten, um die Erde abzukühlen

20. August 2026 um 15:30
Die Nebenwirkungen von solarem Geoengineering sind kaum abzuschätzen. Aber die Frage, ob daran geforscht werden sollte, ist umstritten – und wird dennoch immer weiterlesen auf t3n.de

Klicks statt Klima: Wie Medien und Algorithmen unsere Zukunft verzocken

17. August 2026 um 11:00

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Soziale Medien sollten die Klimadebatte demokratisieren. Eine neue Übersichtsarbeit der Universitäten Zürich und Münster zeigt: Das Gegenteil ist passiert. Klimaskeptiker gewinnen überproportional an Sichtbarkeit, während sich der Diskurs in getrennte Plattformwelten aufspaltet. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines Systems, das Empörung belohnt und Einordnung bestraft. Eine kommentierende Analyse.

Soziale Medien halten Demokratieversprechen nicht ein

  • Laut einer Übersichtsarbeit der Universitäten Zürich und Münster haben soziale Medien die Klimakommunikation in den vergangenen 20 Jahren verändert. Das erhoffte Demokratisierungsversprechen wurde aber nur teilweise eingelöst. Dem Bericht zufolge beteiligen sich heutzutage zwar mehr Akteure am Klimadiskurs. Doch etablierte Stimmen würden weiterhin dominieren, während klimaskeptische Akteure überproportional an Sichtbarkeit gewinnen. Ob Social Media das Wissen der Öffentlichkeit über Klimathemen fördert, sei derweil unklar. Wer digitale Medien nutzt, würde sein Wissen aber häufig überschätzen.
  • Für ihre Analyse werteten die Forscher internationale Forschungsliteratur zur Klimakommunikation in den sozialen Medien aus – von X über TikTok und YouTube bis hin zu regional dominanten Plattformen wie Weibo oder WeChat. Die komplette Publikation erschien im Magazin Nature Climate Change. Eines der zentralen Ergebnisse: eine zunehmende Trennlinie zwischen den Plattformen bei der Klimakommunikation. Der Grund: eine verschärfte Moderation, die Abwanderung von großen Plattformen, die Neuausrichtung von Twitter zu X, geänderte Fact-Checking-Regeln von Unternehmen wie Meta sowie der Aufstieg alternativer Plattformen.
  • Laut der österreichischen Kognitionspsychologin und Social-Media-Forscherin Hanna Metzler ist der Einfluss sozialer Medien auf unsere Wahrnehmung komplexer als viele denken. Extreme Meinungen seien etwa überpräsentiert und würden den Eindruck gesellschaftlicher Spaltung entstehen lassen, obwohl es abseits digitaler Plattformen oft mehr Übereinstimmung gibt. Zudem sind Nutzer laut Metzler weniger leicht manipulierbar als oftmals angenommen. Falschinformationen seien wiederum ein Symptom für tieferliegende soziale Probleme, die es zu lösen gilt. Filterblasen würden auch im realen Leben existieren. Social Media eröffne lediglich mehr Berührungspunkte mit anderen Positionen. Um Glaubwürdigkeit zu schaffen, brauche es derweil Vertrauen und Transparenz – vor allem von Institutionen, Medien und politischen Akteuren.

Wie (soziale) Medien die Klimadebatte lenken

Die Hoffnung war groß, als die sozialen Netzwerke vor fast 20 Jahren nach und nach das Licht der Welt erblickten. Sie versprachen mehr Austausch, mehr Demokratie und mehr Zugang zu Wissen – nicht nur rund um den Klimawandel. Niedrige Zugangshürden, ein direkterer Draht zur Wissenschaft und mehr Raum für die Zivilgesellschaft schienen zunächst gute Voraussetzungen für einen offeneren Austausch zu sein.

Mittlerweile scheint der soziale Aspekt sogenannter sozialer Medien aber zunehmend unter die Räder zu geraten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ausgerechnet bei einem so hochsensiblen Thema wie dem Klima scheint das Demokratieversprechen der digitalen Medien aber zu bröckeln.

Will heißen: Schwarz-Weiß-Denken ersetzt Zwischentöne; der Diskurs verroht. Dabei liegt das nicht einmal ausschließlich an der breiten Nutzerbasis. Denn Algorithmen belohnen Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit entsteht nun einmal leichter durch Empörung als durch eine nüchterne Einordnung wissenschaftlicher Zusammenhänge.

Oder: Wo Moderation von Inhalten nicht ausreichend gegeben ist oder bewusst zurückgefahren wird, bekommt der lauteste Beitrag schnell mehr Gewicht als der vernünftigste. Das ist besonders beim Klimawandel fatal. Doch eine komplexe, langfristige Krise passt denkbar schlecht in ein System, das auf kurze Reize und schnelle Reaktionen getrimmt ist.

Klar: Social Media ist ein Sammelbecken aus Hass, Hetze und Falschinformationen. Es wäre aber zu bequem, alle Nutzer über einen Kamm zu scheren, Kompetenzen zu unterschätzen oder allein auf die sozialen Medien zu zeigen. Auch der klassische Journalismus muss sich etwa fragen, warum er sich so oft dem gleichen Takt aus Klicks und Aufregung unterwirft. Oder: Wer ständig nur die nächste Stichflamme sucht, wird dem Klimawandel als Dauerkrise kaum gerecht.

Stimmen

  • Julia Metag vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster und Co-Autorin des Beitrags in einem Statement: „Vermutlich werden Spaltungen künftig weniger innerhalb von Plattformen als zwischen ihnen auftreten. Nutzende bewegen sich dann in getrennten, homogeneren Plattformwelten, in denen ihnen abweichende Sichtweisen weniger begegnen. (…) Die Wirkung von sozialen Medien hängt von unterschiedlichen Logiken der Plattformen, Regulierungen, Mediensystemen und soziopolitischen Kontexten ab. Was auf X in den USA zu beobachten ist, sagt wenig darüber aus, was auf Weibo in China geschieht.“
  • Mitautor Mike S. Schäfer vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (UZH) ergänzte: „Über die Zeit zeigte sich jedoch, dass etablierte Akteure – darunter politische Akteure, staatliche Stellen und klassische Medien – die öffentliche Klimadebatte nach wie vor stark prägen und teilweise dominieren. Unter den nicht-etablierten Stimmen sind es zudem häufig die skeptischen, die überproportional an Sichtbarkeit gewinnen. (…) Das schwächt den Journalismus in seiner Rolle als Wissensvermittler – auch beim Thema Klima. Besonders betroffen sind davon Mediensysteme mit schwachem öffentlichem Rundfunk und Regionen, in denen unabhängiger Klimajournalismus ohnehin fragil ist.“
  • Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, sieht auch die klassischen Medien in der Pflicht. Gegenüber Deutschlandfunk sagte er 2021: „Sie können am Beispiel der Klimaberichterstattung Probleme des politischen Journalismus, das Ausgebranntsein des politischen Journalismus, das Antivisionäre, das klickzahlgetriebene, das Stichflammenartige ganz wie unter einem Brennglas studieren. Also der Neuigkeitswert-Fetisch, die Orientierung am Hype, die Verherrlichung der Exklusivität, der Geschwindigkeitsrausch, das Interesse an banalen Machtkämpfen und die klammheimliche Verehrung, der klammheimliche Pakt mit Provokateuren ganz unterschiedlicher Couleur – all das können Sie sehen, all das trägt bei zu einer Atmosphäre der radikalen Gegenwartsfixierung, zu einer Atmosphäre des totalen Jetzt, so könnte man sagen. Und dieses geistige Klima steht vollkommen im Widerspruch zu dem Krisen- und Katastrophen-Typus des Klimawandels.“

Wie sieht die Zukunft der Klimakommunikation aus?

Vielleicht beginnt die Zukunft der Klimakommunikation außerhalb der sozialen Medien. Immer mehr Menschen kehren den Plattformen etwa den Rücken und haben keinen Bock mehr auf Social Media. Denn: Viele empfinden ständige Reize, Streit, Empörung und die nächste Push-Nachricht zunehmend als Belastung. Das ist in erster Linie für die Plattformen ein Problem. Für die Klimakommunikation muss es das aber keineswegs sein.

Social Media bleibt aber dennoch Fluch und Segen zugleich. Einerseits können soziale Netzwerke Klimawissen niedrigschwellig zugänglich machen, Wissenschaftler direkt mit der Öffentlichkeit verbinden und Stimmen zu Wort kommen lassen, die im klassischen Mediensystem kaum Gehör finden. Andererseits kann genau diese Offenheit zu einem Problem werden, wenn sich die Debatte immer stärker in getrennte Meinungskorridore aufteilt.

Würden soziale Netzwerke ihre gesellschaftliche Funktion ernst nehmen, müssten sie sich verändern. Algorithmen dürften nicht länger so funktionieren, dass ausgerechnet Empörung und Polarisierung mit Reichweite belohnt werden. Außerdem bräuchte es eine funktionierende Moderation, ohne dabei jede unbequeme oder unpopuläre Meinung aus dem Diskurs zu verbannen. Die Kunst könnte darin liegen, mehr Streit auszuhalten, ohne mehr Streit zu entfachen.

Denn auch das Aushalten anderer Meinungen gehört zum Diskurs. Auch der Journalismus müsste raus aus dem Reflex, jede Entwicklung zur nächsten großen Aufregung hochzuschreiben und vor allem Klicks hinterherzulaufen. Denn: Artikel und Medien nehmen in den sozialen Medien eine große Rolle ein.

Vor allem beim Klimawandel braucht es aber weniger digitales Feuer, sondern mehr Ausdauer. Es braucht mehr Erklärungen, Zusammenhänge und Einordnungen. Denn wenn am Ende alle immer nur lauter werden, aber niemand mehr zuhört, ist auch die beste Klimabotschaft oder -kritik für die Tonne.

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Propan-Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser: Fraunhofer entwickelt 3 Geräte

07. August 2026 um 11:00

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Wärmepumpe Mehrfamilienhaus, Fraunhofer-Institut, Propan-Wärmepumpe

Fast drei Viertel aller Wohnungen in Deutschland werden noch mit Gas oder Öl beheizt. Wärmepumpen kommen bislang vor allem in Einfamilienhäusern zum Einsatz. Das Fraunhofer ISE hat jetzt Lösungen für ein bislang schwieriges Feld entwickelt: Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser.

Beim Heizen ist Deutschland nach wie vor stark von fossilen Energieträgern abhängig. Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (Stand Juni 2026) zufolge werden 56,1 Prozent der rund 43,8 Millionen Wohnungen mit Gas beheizt, weitere 17,2 Prozent mit Heizöl. Fernwärme kommt auf 15,5 Prozent. Elektro-Wärmepumpen sowie Solar- und Geothermie zusammen erreichen dagegen nur 4,5 Prozent.

In Neubauten hat sich der Einbau von Wärmepumpen mittlerweile zum Standard entwickelt. In bestehenden Mehrfamilienhäusern sieht das allerdings anders aus. Dort bleiben sie weiterhin eine Randerscheinung. Das möchte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) ändern.

Mehrfamilienhäuser als Wärmepumpen-Sonderfall

Eine Standardlösung wie im Einfamilienhaus gibt es bisher nicht. Der Grund liegt in der Komplexität des Gebäudetyps. Die Heizlasten der vom Fraunhofer ISE untersuchten Beispielgebäude lagen zwischen 23 und 93 Kilowatt.

Manche Häuser versorgen jede Wohnung einzeln über Gasetagenheizungen, andere über eine Zentralheizung. Auch die Wärmequelle ist nicht frei wählbar: Bei dichter Bebauung fehlt oft der Platz für eine Luftwärmepumpe.

Hinzu kommen Anforderungen an die Warmwasserbereitung, den Schallschutz und die Sicherheit. Jedes Gebäude braucht deshalb eine eigene Systemplanung, was den Heizungstausch aufwendiger macht als im Einfamilienhaus.

Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Das Projekt LC R290

Genau da setzt das Forschungsprojekt „LC R290“ an. Gemeinsam mit 20 Unternehmen aus der Heizungsbranche und der Wohnungswirtschaft hat das Fraunhofer ISE typische Lösungskonzepte für den Heizungstausch erarbeitet. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Im ersten Schritt analysierte das Team Beispielgebäude aus dem Bestand der beteiligten Wohnungsbaugesellschaften, um daraus die Anforderungen abzuleiten. Anschließend untersuchte es mehrere Modernisierungsvarianten: zentrale Wärmepumpen für die Innen- und Außenaufstellung sowie wohnungsweise Lösungen. Der Fokus lag auf Ansätzen, die möglichst wenig Umbau erfordern und wenig Platz brauchen.

„Aufgrund der verschiedenen Herausforderungen, etwa die Frage nach einer geeigneten Wärmequelle oder dem begrenzten Platzangebot, gibt es nicht die eine technologische Lösung, vielmehr haben wir mehrere Lösungen entwickelt, die zur Anwendung kommen können“, erklärt Projektkoordinator Björn Nienborg. Wichtig sei eine auf das Gebäude abgestimmte Systemplanung von Wärmepumpe, Speicher, Hydraulik, Regelung und Wärmeverteilung.

Forscher nutzen Propan als Kältemittel

Als Kältemittel setzte das Projektteam durchgehend auf Propan, daher auch die Projektbezeichnung „R290“. Das hat einen regulatorischen Hintergrund: Die EU schränkt synthetische Kältemittel mit hoher Klimawirkung schrittweise ein.

Nach der F-Gase-Verordnung dürfen Monoblock-Wärmepumpen bis 12 Kilowatt ab 2032 keine fluorierten Kältemittel mehr enthalten, für Split-Geräte derselben Leistungsklasse läuft die Frist bis 2035. Propan fällt als natürliches Kältemittel nicht unter diese Beschränkungen.

Der Nachteil: Propan ist brennbar. Deshalb spielte die Frage, wie sich die eingesetzte Menge reduzieren lässt, in allen Varianten eine zentrale Rolle.

Drei Geräte für unterschiedliche Gebäude

Da es für Mehrfamilienhäuser keine Standardlösung gibt, entwickelte das Forschungsteam während des Projekts mehrere Demonstratoren.

  • Option 1: Für den Austausch zentraler Heizungen im Außenbereich entwickelte das Team ein Gerät, bei dem die Propan-Füllmenge gegenüber vergleichbaren Wärmepumpen um 20 Prozent sank. Gleichzeitig stieg die Effizienz um 15 Prozent.
  • Option 2: Für die Innenaufstellung entstand ein kompaktes Baumuster einer Sole-Wasser-Wärmepumpe mit 28 Kilowatt Heizleistung. Auch hier ging es vor allem darum, die Füllmenge zu senken, um die Anforderungen an das Sicherheitskonzept zu begrenzen.
  • Option 3: Die dritte Variante richtet sich an Gebäude, in denen einzelne Wohnungen unabhängig voneinander modernisiert werden sollen, etwa bei vorhandenen Gasetagenheizungen. Dieser Demonstrator mit 4,9 Kilowatt Heizleistung nutzt eine hydraulisch erschlossene Wärmequelle wie Geothermie, Grundwasser oder ein Niedertemperatur-Wärmenetz. Er kam mit 150 Gramm Propan aus.

Fraunhofer-Institut führt über 100 Sicherheitstests durch

Weil Propan brennbar ist, prüfte das Team auch, was bei einem Leck im Innenraum passiert. In Ausströmversuchen stellten die Forscher solche Fälle experimentell nach und führten mehr als 100 Tests mit fünf verschiedenen Sicherheitskonzepten durch.

Das Ergebnis bestätigte das in den Normen EN 378 und IEC 60335-2-40 beschriebene Konzept des „belüfteten Gehäuses“ vollumfänglich. Zwei weitere Ansätze, das Schornstein- und das Drainagekonzept, gelten als potenziell günstiger und sollen in weiteren Forschungsarbeiten vertieft werden. Die gewonnenen Messdaten können die beteiligten Hersteller nutzen, um ihre eigenen Sicherheitskonzepte zu verfeinern.

Heizen in Bestandsimmobilien: Projektergebnisse treffen auf neue Rechtslage

Das Kernergebnis des Projekts: Wärmepumpen können alte Gas- und Ölheizungen auch in bestehenden Mehrfamilienhäusern ersetzen, sofern das gesamte System passend zum Gebäude ausgelegt wird.

Allerdings hat sich ausgerechnet jetzt der rechtliche Rahmen verschoben. So trat im Juli 2026 das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) in Kraft, das das bisherige Gebäudeenergiegesetz ersetzt.
Die pauschale Vorgabe, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen, ist damit entfallen. Eigentümer können wieder frei entscheiden, welche Heizung sie einbauen, auch neue Gas- und Ölheizungen bleiben zulässig.

Ganz ohne Klimavorgaben kommen sie trotzdem nicht aus. An die Stelle der 65-Prozent-Regel tritt die sogenannte Bio-Treppe: Neu eingebaute fossile Heizungen müssen ab 2029 mindestens zehn Prozent klimafreundliche Brennstoffe nutzen, ab 2030 sind es 15 Prozent, ab 2035 dann 30 und ab 2040 schließlich 60 Prozent.

Ob diese Brennstoffe in ausreichender Menge und zu vertretbaren Preisen verfügbar sein werden, ist offen. Für Eigentümer verschiebt sich die Rechnung damit von der Anschaffung auf die Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer der Heizung.

Damit die Projektergebnisse dort ankommen, wo sie gebraucht werden, fließen sie nun in das Folgeprojekt „MAMMUT“ ein. Ziel ist es, ein Software-Tool zur Entscheidungsfindung sowie Auslegung von Wärmepumpensystemen im Mehrfamilienhaus mit direkt angebundener Angebotserstellung, insbesondere für SHK-Betriebe, zu entwickeln.

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Ohne Kältemittel: Thermoakustische Wärmepumpen heizen mit Schallwellen

04. August 2026 um 05:45

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Thermoakustische Wärmepumpe, Blueheart Energy, Gas, Öl, Heizung, Kühlung, Klima, Heizen, Europa

Ein niederländisches Start-up will die Wärmepumpe neu erfinden. Statt mit Kompressor und Kältemittel kommt die Technologie mit Schallwellen aus. Bevor sie auf den Markt kommt, erklären wir dir, was thermoakustische Wärmepumpen können und worauf du achten solltest. 

Wärmepumpen sind bereits seit einiger Zeit eine beliebte Alternative zu herkömmlichen Heiz- und Kühlsystemen. Allein in Deutschland wurden 2025 laut dem Bundesverband Wärmepumpe rund 299.000 neue Geräte installiert, ein Plus von etwa 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen treibt diese Entwicklung an, sowohl aus Klimaschutzgründen als auch wegen geopolitischer Abhängigkeiten. Nun versucht auch das niederländische Unternehmen BlueHeart Energy den Markt um ein Produkt zu erweitern: die thermoakustische Wärmepumpe.

Was sind thermoakustische Wärmepumpen?

Herkömmliche Wärmepumpen nutzen einen Dampfkompressionskreislauf: Ein Kältemittel wechselt abwechselnd zwischen flüssig und gasförmig, wodurch Wärme transportiert wird. Diese Technik arbeitet am effizientesten rund um den festen Kondensationspunkt des jeweiligen Kältemittels. Je weiter die benötigte Temperatur davon abweicht, desto schlechter der Wirkungsgrad.

Bei der thermoakustischen Wärmepumpe verzichtet BlueHeart auf diesen Phasenwechsel komplett. Im Inneren des Motors befindet sich stattdessen Helium. Das Gas hat den Vorteil, dass es gasförmig bleibt und nie kondensiert.

Zwei elektrisch angetriebene Treiber, die im Prinzip wie Lautsprecher funktionieren, erzeugen darin starke Schallwellen. Diese Schallenergie treibt einen geschlossenen thermoakustischen Kreislauf an, der Wärme von einer Quelle, etwa der Außenluft, zu einer Senke transportiert, etwa dem Heizsystem eines Hauses.

Geräuschlos und emissionsfrei

Weil das Helium nie kondensiert, ist das System an keine feste Temperatur gebunden und kann dadurch bei ganz unterschiedlichen Ein- und Ausgangstemperaturen effizient arbeiten.

Diese Flexibilität ermöglicht die Standardisierung von Wärmepumpen und reduziert die Herstellungs- und Installationskosten. Darüber hinaus ermöglicht sie den Einsatz von Wärmepumpen als direkter Ersatz für Gaskessel in Nachrüstungsanwendungen, da die hohen Temperaturen, die sie liefern können, ausreichen, um die Heizkörper bestehender Häuser zu beheizen, die in der Regel nicht so gut isoliert sind wie Neubauten.

Die thermoakustische Wärmepumpe hat einen elektrisch betriebenen Motor, der kein CO2 ausstößt. Weil kein Kompressor und keine Kältemittelleitungen nötig sind, kommt der Motor mit vergleichsweise wenigen beweglichen Teilen aus. BlueHeart bewirbt das Gerät als besonders wartungsarm und mit unter 40 Dezibel als deutlich leiser als viele klassische Luft-Wärmepumpen.

Warum thermoakustische Wärmepumpen relevant sind

Ein Vorteil, den das niederländische Unternehmen im Vergleich zu herkömmlichen Wärmepumpen hervorhebt, betrifft den Gebäudebestand: Weil sich mit dem Motor auch bei niedrigeren Ausgangstemperaturen ein hoher Wirkungsgrad erzielen lässt, soll er sich laut Unternehmensangaben als direkter Ersatz für Gaskessel eignen, mit Vorlauftemperaturen von bis zu 80 Grad.

Bestehende Heizkörper in schlecht gedämmten Altbauten könnten also weiterverwendet werden, ohne aufwendige Sanierung oder Dämmung. Gerade das sei bei klassischen Wärmepumpen häufig ein Hindernis. Laut Entwickler arbeiten sie in ungedämmten Bestandsbauten mit hohen Vorlauftemperaturen oft ineffizient.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Skalierbarkeit: Eine einzelne Einheit lässt sich zwischen einem und sechs Kilowatt regeln, mehrere Einheiten lassen sich zu Anlagen mit bis zu 600 Kilowatt zusammenschalten. Das macht den Motor nicht nur fürs Einfamilienhaus interessant, sondern auch für größere Gebäude oder gewerbliche Anwendungen.

Beim Effizienzversprechen lohnt sich allerdings ein kritischer Blick: BlueHeart selbst spricht auf der eigenen Website zunächst nur von einer vergleichbaren Effizienz zu bestehenden Wärmepumpen – zumindest bei größeren Temperaturunterschieden – nicht von einer durchgehend besseren. Bisher fehlen noch unabhängige Effizienzmessungen im Feldeinsatz, alle Angaben kommen vom Hersteller selbst.

BlueHeart stellt nicht die einzige kältemittelfreie Alternative

BlueHeart steht mit der Idee, auf klassische Kältemittel zu verzichten, nicht allein da. Das Freiburger Start-up Qurie hat parallel eine sogenannte Festkörper-Wärmepumpe entwickelt, die auf elektrokalorischen Materialien wie speziellen Keramiken oder Polymeren basiert, statt auf Kompressor und Kältemittelkreislauf.

Laut Unternehmensangaben soll dieser Ansatz den Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent senken. Allerdings unterscheiden sich beide Technologien technisch grundlegend. Während in den Niederlanden Schallwellen und Helium zum Einsatz kommen, nutzt Qurie elektrische Feldwechsel in Festkörpermaterialien.

Da Energiesysteme zunehmend dezentraler und dynamischer würden, könnten flexible, erneuerbare Lösungen wie thermoakustische Wärmepumpen künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Das meint zumindest BlueHeart-Geschäftsführer Michiel Hartman gegenüber dem PV Magazine.  Bevor der Verkauf der thermoakustischen Wärmepumpe aus den Niederlanden tatsächlich beginnt, befindet sich das Produkt aktuell noch in der Testphase.

BlueHeart selbst peilt eine Verfügbarkeit für Hersteller ab dem ersten Quartal 2027 an, der Partnerzulieferer Eplucon will die ersten Serien-Wärmepumpen mit dem BlueHeart-Motor über die Marke Ecoforest im Frühjahr 2027 auf den Markt bringen.

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Klimaschutz egal: Bund streicht Umweltauflagen für Rechenzentren

10. Juli 2026 um 11:00

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Umwelt Klima Rechenzentren Deutschland Umweltauflagen

Deutschland soll eine KI-Nation werden. Dafür will die Bundesregierung die Umweltauflagen für Rechenzentren deutlich lockern. Ein neuer Gesetzesentwurf verschiebt die Ökostrom-Pflicht, verlängert Übergangsfristen und streicht die Pflicht zur Nutzung von Abwärme. Das ist nicht nur ein Kniefall vor Big Tech, sondern auch Ressourcenverschwendung und eine zusätzliche Klimabelastung. Eine kommentierende Analyse.

Bund will Umweltauflagen für Rechenzentren lockern

  • Die Bundesregierung will Deutschland zu einer KI-Nation machen. Um das zu erreichen, sollen vor allem weitere Rechenzentren gebaut werden. Der Plan: eine Vervierfachung der KI-Rechenkapazitäten bis 2030. Damit das gelingt, will die Regierung kurzerhand das Energieeffizienzgesetz ändern. Ein vom Bundeskabinett beschlossener Gesetzesentwurf sieht eine Lockerung der Umweltauflagen für Rechenzentren vor.
  • Laut Entwurf sollen Rechenzentren drei Jahre mehr Zeit haben, um ihren Stromverbrauch in der Bilanz auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen. Will heißen: Die Bundesregierung will die bisherige Frist vom 1. Januar 2027 bis zum 1. Januar 2030 verlängern. Für bereits gebaute Rechenzentren soll die aktuelle Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben (PUE) von zwei auf vier Jahre verlängert werden.
  • Betreiber von Rechenzentren sollen den Plänen zufolge künftig nicht mehr verpflichtet werden, Abwärme zu nutzen, falls vor Ort kein passendes Wärmenetz vorhanden ist. Vor allem in vielen ländlichen Regionen, in denen bereits Rechenzentren gebaut werden, gibt es keine entsprechenden Netze zur Nutzung der Abwärme. Sprich: Die entstehende Wärme durch Server soll dort einfach entweichen und die Umgebungsluft erwärmen.

Ein Geschenk an Big Tech?

Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht nicht nur eine kleine Anpassung vor. Er markiert einen politischen Kurswechsel und ist ein nett verpacktes Geschenk an Big Tech. Denn Klimaschutz und Digitalisierung sollen nicht mehr Hand in Hand gehen. Stattdessen sollen auf Teufel komm raus so schnell wie möglich Rechenzentren gebaut werden.

Klar: Umweltauflagen bremsen den Ausbau natürlich etwas. Aber sie stehen ihm nicht zwangsläufig im Weg. Statt nach Lösungen zu suchen, die Klimaschutz und mehr Tempo garantieren, will die Bundesregierung also kurzsichtig wichtige und sinnvolle Regeln lockern.

Oder kurzum: Die Politik will Deutschland zu Lasten des ohnehin schon belasteten Klimas ohne Sinn und Verstand zur KI-Nation peitschen. Besonders pikant ist dabei das Thema Abwärme. Denn wer Millionen Kilowattstunden Wärme einfach in die Luft blasen will, verschwendet schlichtweg Ressourcen und nimmt gleichzeitig einen höheren Verbrauch anderer Ressourcen durch weitere Rechenzentren unter gelockerten Auflagen in Kauf.

Ein weiterer Knackpunkt: Rechenzentren müssen ihren Strom lediglich bilanziell mit erneuerbaren Energien decken. Auf dem Papier kann also alles grün aussehen, wenn Betreiber etwa Ökostrom-Zertifikate einkaufen. Sie müssen aber nicht nachweisen, dass der vor Ort genutzte Strom auch tatsächlich aus Erneuerbaren stammt.

Das Problem: Der neue Entwurf schließt diese Lücke nicht. Er macht sie sogar größer. Das Motto der Bundesregierung: mehr Rechenzentren für was auch immer – egal zu welchem Preis und unter Inkaufnahme von Ressourcenverschwendung und zusätzlichen Belastungen für die Umwelt. Und jetzt erklär mir unter diesen Bedingungen nochmal einer den gesellschaftlichen Nutzen.

Stimmen

  • Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum neuen Energieeffizienzgesetz: „Energieeffizienz senkt Kosten, stärkt die Versorgungssicherheit und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Deshalb setzen wir auf zielgerichtete statt auf pauschale Vorgaben und konzentrieren verbindliche Anforderungen auf besonders energieintensive Betriebe. (…) Mit praxisnahen Regeln für Rechenzentren schaffen wir die Voraussetzungen für digitale Souveränität und wirtschaftliches Wachstum. Unter anderem wird für neue Rechenzentren die Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben von zwei auf vier Jahre verlängert.“
  • Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, in einem Statement: „Rechenzentren sind die Grundlage für KI, Cloud und Digitalisierung. Ohne sie verliert Deutschland im internationalen Wettbewerb den Anschluss. Deshalb ist es richtig, dass die heute verabschiedete Novelle des Energieeffizienzgesetzes praxisferne Vorgaben der vergangenen Jahre zumindest teilweise korrigiert und sich stärker an europäischen Regeln orientiert. Gleichwohl hätten wir uns deutlich mehr Ambition gewünscht. Die Vorgaben zur Energieeffizienz von Rechenzentren wurden im Zuge der Ressortabstimmungen verschlimmbessert und sind nun nicht mehr praxistauglich.“
  • Kilian Vieth-Ditlmann, Head of Policy bei der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation AlgorithmWatch, kritisiert: „Der Kabinettsbeschluss zur EnEfG-Reform ist ein Kniefall vor Big Tech – und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn der prognostizierte Zubau von immer größeren Rechenzentren ist gigantisch. Genau jetzt die grundlegenden Regeln für Effizienz und Transparenz auszuhöhlen, ist nicht nur widersinnig, sondern auch politisch kurzsichtig und verantwortungslos. Denn wir zementieren Abhängigkeiten, anstatt sie endlich zu überwinden. Wird Reiches Anti-Effizienzgesetz so beschlossen, könnten Google, Microsoft und Co. zukünftig ihre Rechenzentren mit fossilen Energien betreiben, müssten ihren Kund*innen keine Energieverbrauchsdaten mehr mitteilen und dürften elementare Umweltdaten als Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss halten. Das schadet sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft.“

Mehr Rechenzentren – aber wofür eigentlich?

Die geplanten Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes senden ein fatales Signal. Denn ausgerechnet in einer Zeit, in der Hitzewellen immer häufiger werden und viele Regionen sich nach jedem Grad weniger sehnen, will die Bundesregierung es in Kauf nehmen, dass zusätzliche Wärme aus Rechenzentren die Umgebungsluft erhöht.

On top kommt, dass mit jedem neuen KI-Rechenzentrum der Strom- und Wasserbedarf steigt. Da der Verbrauch in den kommenden Jahren allein schon durch den Ausbau massiv steigen wird, wären eigentlich strengere Umweltauflagen die naheliegende Antwort gewesen – nicht schwächere!

Zudem rückt eine Grundsatzfrage in den Hintergrund. Wofür sollen Rechenzentren eigentlich gebaut werden? Klar: Eine digitale Gesellschaft braucht eine leistungsfähige Infrastruktur. Für die Forschung, die Medizin, Wettermodelle, die Industrie und für kritische IT-Systeme wie Cloud-Speicher, um etwa Energie, Verkehr und Verwaltung zu gewährleisten.

Doch der aktuelle Boom wird vor allem von Sprachmodellen angetrieben. Will heißen: Obwohl der gesellschaftliche Mehrwert von Chatbots im Privatbereich äußerst umstritten ist, will die Bundesregierung enorme Energiemengen bereitstellen. Doch Strom bei gelockerten Umweltauflagen vermehrt in KI zu speisen, während der Ressourcenverbrauch enorm ist und jener Strom gleichzeitig an anderer Stelle zur Dekarbonisierung fehlt, ist ein zumindest fragwürdiger Tausch.

Vielleicht liegt aber auch genau darin das Problem. Denn die Debatte kreist fast ausschließlich um die Frage, wie Deutschland beim KI-Wettlauf mithalten kann. Doch kaum jemand scheint sich zu fragen, was überhaupt sinnvoll ist. Ja: Rechenzentren sind notwendig. Ohne sie funktioniert keine moderne Volkswirtschaft. Aber zwischen digitaler Souveränität und der automatisierten Produktion von KI-Inhalten für jede noch so belanglose Alltagsanwendung liegen Welten.

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