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Zu gefährlich? Anthropic hält die KI Claude Mythos unter Verschluss

10. April 2026 um 11:00

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Anthropic Claude Mythos KI Künstliche Intelligenz gefährlich nicht öffentlich

OpenAI-Konkurrent Anthropic hat ein neues KI-Modell entwickelt, das eine 27 Jahre alte Sicherheitslücke in einem Betriebssystem entdeckt hat, das eigentlich als besonders sicher gilt. Claude Mythos soll nun Schwachstellen in der Software von Unternehmen wie Microsoft, Amazon oder Apple aufspüren. Anthropic macht das Modell aber nicht öffentlich zugänglich, da es zu gefährlich sei. Eine kommentierende Analyse.

Was ist Claude Mythos?

  • Das KI-Modell Claude Mythos soll laut Anthropic so gut darin sein, bisher unentdeckte Software‑Schwachstellen zu finden, dass es in den falschen Händen zu einer verheerenden Cyberwaffe werden könnte. Das Unternehmen will es deshalb nicht öffentlich zugänglich machen. Unter dem Namen Project Glasswing
    sollen lediglich Unternehmen Zugang zu der KI erhalten, um Sicherheitslücken in ihrer Software aufspüren zu können.
  • Anthropic zufolge gelang es Claude Mythos bereits, tausende schwerwiegende Software‑Schwachstellen zu entdecken. Darunter: eine 27 Jahre alte Sicherheitslücke in dem Betriebssystem OpenBSD, das als besonders sicher gilt, sowie eine seit 13 Jahren schlummernde Schwachstelle in der Videosoftware FFmpeg.
  • Die KI soll in der Lage gewesen sein, binnen weniger Stunden Programme zu entwickeln, um identifizierte Schwachstellen auszunutzen. Experten würden dafür mehrere Wochen brauchen. Laut einem
    Anthropic‑Mitarbeiter wurde eine frühere Version von Claude Mythos mit der Aufgabe betraut, aus einer abgeschirmten Computer‑Umgebung auszubrechen und darüber zu berichten. Der KI sei es gelungen, Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen und sich einen Zugang zum Internet zu verschaffen, um dem Mitarbeiter eine E-Mail zu schicken, während dieser ein Sandwich im Park gegessen haben soll.

Sicherheits-KI oder Marketing-Coup?

Nahezu jede Schlagzeile, in der auch nur ein Hauch von KI vorkommt, prophezeit entweder die nächste Wunderwaffe oder den Weltuntergang. Auch um Claude Mythos wabert dieser altbekannte Cocktail aus Faszination und Furcht. Stets kräftig geschüttelt, aber nicht gerührt; von einer KI‑Branche, die vor allem von Aufmerksamkeit lebt.

Was bleibt ist wie so oft ein Nebel aus Behauptungen, der sich von außen kaum bis gar nicht überprüfen lässt. Anthropic hat sich im Gegensatz zu OpenAI jedoch geschickt ein verantwortungsvolles Image aufpoliert. Dass sich das Unternehmen dem US‑Militär verweigert und nicht alle seine Modelle der Öffentlichkeit preisgibt, mag vielleicht ehrenwert wirken, ist jedoch schlichtweg Unternehmensstrategie.

Denn: KI lässt sich im unternehmerischen Bereich besser monetarisieren, während der Kosten‑Nutzen‑Faktor für die Öffentlichkeit immer schleierhafter wird. Stichwort: Deepfakes, Desinformation, Energieverbrauch oder Suchtverhalten. Zugegeben: Die KI‑Modelle von Anthropic haben sich bislang vor allem im IT‑ und Datenschutzbereich bewährt.

Deshalb ist das Unternehmen aber nicht vor pompösen Marketingkampagnen gefeit. Unbestritten ist, dass Modelle wie Mythos reale Probleme lösen, Sicherheitslücken schneller finden, Schaden begrenzen, digitale Infrastrukturen stabilisieren könnten. Doch die eigentliche Ironie liegt woanders: Während KI als Werkzeug zur Gefahrenabwehr gefeiert wird, ist sie längst selbst Teil des Problems geworden. Der Unterschied zwischen Schutzschild und Einfallstor schrumpft – und die öffentliche Debatte kommt kaum hinterher.

Was Experten und Anthropic-Chef Amodei sagen

  • Anthropic‑Chef Dario Amodei in einem Beitrag auf X: „Ich bin stolz darauf, dass sich so viele weltweit führende Unternehmen dem Projekt Glasswing angeschlossen haben, um den Cyberbedrohungen durch immer leistungsfähigere KI‑Systeme entschlossen entgegenzutreten.“ In einem zweiten Post ergänzte er: „Die Gefahren, die mit einem Fehlschlag verbunden sind, liegen auf der Hand. Doch wenn wir es richtig angehen, bietet sich uns eine echte Chance, ein Internet und eine Welt zu schaffen, die grundlegend sicherer sind als vor dem Aufkommen KI‑gestützter Cyberfähigkeiten.“
  • Elia Zaitsev, Chief Technology Officer bei Anthropic‑Partner Crowdstrike, in einem Statement: „Das Zeitfenster zwischen der Entdeckung einer Sicherheitslücke und ihrer Ausnutzung durch einen Angreifer ist geschrumpft – was früher Monate dauerte, geschieht heute dank KI innerhalb von Minuten. Claude Mythos Preview zeigt, welche Möglichkeiten sich Verteidigern heute in großem Maßstab bieten, und Angreifer werden unweigerlich versuchen, dieselben Fähigkeiten auszunutzen.“
  • KI‑Experte und Neurowissenschaftler Gary Marcus zitiert in einem Blogbeitrag eine SMS eines befreundeten Cyberexperten: „Ich hatte noch keine Zeit, alle Berichte durchzugehen, aber für mich klingt das nach einem übertriebenen Hype. Ich zweifle nicht an einigen der Ergebnisse, aber was daraus gemacht wurde, unter welchen Bedingungen die Schwachstellen gefunden wurden und welche Rolle Menschen dabei spielten, ist unklar. (…) Mir scheint, sie säen Samen im Garten des Hypes.“

Wer kontrolliert KI wie Claude Mythos – CEOs oder der Staat?

Ob die neue Anthropic‑KI nun ein digitaler Superspürhund oder doch eher ein gut vermarkteter Mythos ist, wird fast zur Nebensache. Entscheidend ist vielmehr, wer künftig darüber entscheidet, was solche Systeme dürfen und was nicht. Derzeit sind es vor allem die Tech‑CEOs, die diese Grenze ziehen. Demokratisch legitim ist daran ungefähr so viel wie an den AGB von X oder Meta.

Das größere Problem: Die Grenzen zwischen berechtigter Sorge und kalkulierter Panik verschwimmen immer mehr. Doch wenn Risiko zugleich Marketinginstrument ist, wird jede Warnung doppeldeutig. Genau hier rächt sich auch die jahrelange Erzählung, Regulierung sei innovationsfeindlich.

Denn: Aktuell offenbart sich immer mehr, dass dies eine bequeme These ist, die nun von der Realität überholt wird. Selbst dort, wo Regulierung existiert, wirkt sie wie ein Faxgerät im Zeitalter autonomer Systeme: funktional, aber hoffnungslos langsam. Indes: Während die Politik noch KI‑Leitplanken entwirft, bauen Unternehmen längst neue Datenautobahnen.

Ob Claude Mythos nun so gefährlich ist wie behauptet oder nicht: Tatsache ist, dass wir ohne staatliche Kontrollen vollständig der Willkür einzelner CEOs ausgeliefert sind, von denen einige unser Vertrauen ganz sicher nicht verdient haben. Während Anthropic noch einer der verantwortungsvollsten Player im KI‑Wettstreit zu sein scheint, agieren andere Unternehmen wie OpenAI oder xAI mit vergleichbaren KI‑Modellen künftig vielleicht anders.

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E-Autojahr 2026: Lohnt sich ein gebrauchtes Elektroauto jetzt wirklich?

09. April 2026 um 11:00

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gebrauchte Elektroautos E-Autos 2026

Der E-Automarkt erlebt 2026 einen spürbaren Aufschwung. Das gilt sowohl für neue als auch gebrauchte Elektroautos. Doch wer glaubt, dass allein die hohen Spritpreise dafür verantwortlich sind, der irrt. Eine kommentierende Analyse. 

Warum das Interesse an gebrauchten Elektroautos explodiert

  • Die aktuell relativ hohen Spritpreise bringen den Markt für Elektroautos in Schwung. Viele große Autoportale in Europa berichten etwa seit Beginn des Iran-Kriegs von einem deutlich höheren Interesse an neuen und gebrauchten E-Autos. Laut mobile.de würden etwa 43 Prozent der Deutschen bei anhaltend hohen Benzinpreisen zur Elektromobilität wechseln. Händler erhielten 66 Prozent mehr Anfragen nach gebrauchten Elektroautos. 36 Prozent sehen in der langfristigen Ersparnis das stärkste Argument für ein E-Auto.
  • Elektroautos waren auf dem Gebrauchtwagenmarkt bislang eher Ladenhüter. Viele Händler weigerten sich sogar, die Fahrzeuge in ihr Portfolio aufzunehmen. Der Grund: Sorgen vor geringen Reichweiten und Batterien, die frühzeitig an Leistung verlieren und dann teuer ausgetauscht werden müssen. Solche Sorgen sind mittlerweile jedoch eher Vorurteile und überwiegend unbegründet. Denn: Nicht nur die Reichweite von E-Autos steigt immer weiter. Die Batterien der meisten Stromer haben auch nach vielen Jahren noch eine hohe Kapazität von 80 bis 90 Prozent.
  • Wer eine eigene Wallbox hat und regelmäßig pendelt, fährt im Vergleich zum Verbrenner mit dem E-Auto aktuell so günstig wie nie. 4,20 Euro gegenüber 15 Euro pro 100 Kilometer sprechen etwa eine klare Sprache. Aber: Der Kostenvorteil schmilzt, sobald man vermehrt auf öffentliche Schnelllader angewiesen ist. Elektroautos lohnen sich finanziell deshalb vor allem für Eigenheimbesitzer. Ein neues Förderprogramm der Bundesregierung verspricht jedoch den Aufbau von erschwinglichen E-Ladesäulen in und an Mehrparteienhäusern.

Spritpreise oder Strukturwandel: Was den Boom wirklich antreibt

Der aktuelle Elektroauto-Boom wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie eine direkte Reaktion auf schmerzhafte Tankquittungen. Doch der Aufschwung bei den Neuzulassungen von E-Autos ist vielmehr Ergebnis eines längeren Strukturwandels, der sich bereits zuvor angebahnt hatte.

Während weltweit lautstark über die aktuellen Spritpreise diskutiert wird, hat sich im Hintergrund still und leise eine Dynamik entwickelt, die mehr Modelle, mehr Wettbewerb und mehr technische Reife hervorgebracht hat. Dass plötzlich auch chinesische Anbieter mit Kampfpreisen auf dem europäischen Markt auftauchen, dürfte bei so manchen Herstellern in Europa den Puls stärker hochtreiben als jeder geopolitische Konflikt.

Gerade auf dem Gebrauchtwagenmarkt zeigt sich, wie sehr sich Wahrnehmung und Realität verschoben haben. Denn was lange als Risiko galt – Stichwort Reichweitenangst –, wird zunehmend zu einer kalkulierbaren Alternative. Hinzu kommen immer mehr Lademöglichkeiten und Förderprämien, die auf den ersten Blick zwar nur neue Stromer begünstigen. Auf den zweiten aber auch die Preise gebrauchter Elektroautos drücken.

Stimmen und Expertenmeinungen

  • Experten zufolge hängt der aktuelle E-Autoboom allenfalls bedingt mit den Folgen des Iran-Kriegs zusammen. Eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sagte gegenüber ZDF heute: „Es besteht ein zeitlicher Verzug von teils mehreren Monaten zwischen Bestellung und Zulassung eines Autos, Effekte durch den Krieg im Nahen Osten können sich deshalb heute noch nicht im Markt zeigen.“
  • Thomas Peckruhn, Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), prognostiziert ein E-Autojahr 2026: „Die politischen Impulse, das breitere Modellangebot und die wachsende Alltagstauglichkeit elektrischer Antriebe greifen endlich ineinander. 2026 wird zum Jahr, in dem die Elektromobilität im Markt wirklich ankommen kann, wenn die Weichen richtig gestellt werden. (…) Der Gebrauchtwagenmarkt zeigt einmal mehr seine Stärke: Er federt Preissprünge ab und hält Deutschland mobil.“
  • Wolf-Peter Schill, Forschungsbereichsleiter der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), gegenüber rbb24: „Im letzten Jahr ist die Elektromobilität jetzt im PKW-Bereich so ein bisschen wieder angezogen, nachdem das Jahr davor ein ziemliches Katastrophenjahr war. Das heißt aber auch, vier von fünf neuen Autos hatten wirklich noch einen Verbrennungsmotor. Da ist also noch eine Menge Luft nach oben.“

Bleibt der E-Auto-Boom?

Trotz des aktuellen Aufschwungs steht dem E-Automarkt die eigentliche Bewährungsprobe erst noch bevor. Denn die Elektromobilität muss nicht nur technisch überzeugen, sondern vor allem ökonomisch im Alltag bestehen. Doch solange öffentliches Laden preislich an den Spritpreisen kratzt, bleibt das E-Auto ein Privileg für Eigenheimbesitzer.

Trotz Förderprogrammen sind deshalb sowohl die Politik als auch die Wirtschaft gefragt, um das öffentliche Laden attraktiver zu gestalten. Außerdem spielen Transparenz und Vertrauen eine Rolle. Neue Standards zur Bewertung der Batteriegesundheit, wie aktuell von Dekra und TÜV geplant, könnten zu einem echten Gamechanger werden.

Denn: Überprüfbare und standardisierte Daten können Kunden Gewissheit liefern und dem E-Auto seinen Ruf als technisches Risiko nehmen. Die von den Spritpreisen getriebene, aktuell hohe E-Auto-Nachfrage könnte mit sinkenden Preisen an der Zapfsäule aber wieder verdunsten. Nachhaltig wird der Boom erst, wenn er unabhängig vom Ölpreis funktioniert – wenn also nicht mehr die Krise den Markt bewegt, sondern die Überzeugung.

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Klimageld: 320 Euro pro Person gestrichen – was stattdessen kommt

08. April 2026 um 11:00

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Klimageld Bundesregierung Deutschland Auszahlung CO2 Preis

Der Bundestag hat einen Antrag auf 320 Euro Klimageld pro Person abgelehnt. Dabei steht die Zahlung sogar im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Statt auf eine direkte Entlastung setzt die Regierung stattdessen auf Stromsteuersenkungen und Netzentgelte, die bei vielen Haushalten erst verzögert ankommen.

Was ist das Klimageld – und wem steht es zu?

  • Die ursprüngliche Idee des Klimageldes war es, Kohlenstoffdioxid-Einsparungen zu belohnen. Wer weniger des Treibhausgases verursacht, muss etwa weniger Abgaben in Form des sogenannten CO2-Preises zahlen, der unter anderem auf Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel erhoben wird. Das Konzept des Klimageldes sieht vor, dass alle den gleichen Geldbetrag als Ausgleich erhalten. Heißt konkret: Es sollte eine Umverteilung stattfinden. Menschen mit geringerem Einkommen, deren Verhalten im Alltag oftmals weniger klimaschädlich ist, würden davon profitieren.
  • In Deutschland fragen sich viele Menschen seit Jahren, wann das versprochene Klimageld ausgezahlt wird. Obwohl der CO2-Preis weiter steigt und viele Haushalte durch steigende Lebenshaltungskosten belastet sind, wird es auch 2026 keine Auszahlung geben. Die Bundesregierung verzichtet damit erneut auf eine indirekte Rückerstattung des CO2-Preises und verweist auf andere Maßnahmen, die die aktuellen Mehrbelastungen im Alltag vieler Menschen ausgleichen sollen. Ursprünglich wurde das Klimageld von der Ampelregierung eingeführt, konnte aufgrund von Haushaltsdefiziten und des Koalitionsbruchs aber nicht umgesetzt werden.
  • Im Gegensatz zum eigenen Parteiprogramm sprach sich Bundeskanzler Friedrich Merz im Wahlkampf für ein Klimageld aus. Auch der gemeinsame Koalitionsvertrag mit der SPD sieht eine Auszahlung vor. Am 20. März 2026 stimmten jedoch CDU/CSU, AfD und SPD gegen einen Klimageld-Antrag der Linken. Darin ist von einem jährlichen Klimageld in Höhe von 320 Euro pro Person die Rede – rückwirkend zum 1. Januar 2025. Der Direktauszahlungsmechanismus sollte langfristig so weiterentwickelt werden, dass die Auszahlung sozial gestaffelt nach Einkommen erfolgen kann.

Unehrliche Kommunikation

Mit dem Klimageld ist es der deutschen Politik einmal mehr mit Bravour gelungen, die Menschen in Deutschland zu verunsichern. Pompös von der Ampel angekündigt hat Ex-Finanzminister Christian Lindner es zunächst verzögert und dann verschoben. Im Wahlkampf wurde es von der Union dann umetikettiert und neu verpackt, bis irgendwann kaum noch jemand nachvollziehen konnte, wer nun wann und mit welchem Geld in welcher Form entlastet werden soll. Transparenz? Fehlanzeige!

Dabei ist der Konflikt weniger technisch als politisch. Im Kern geht es der Bundesregierung darum, die Einnahmen aus dem CO2-Preis nicht als gleich hohe Einmalzahlung an alle auszuschütten, sondern über Umwege zu entlasten, beispielsweise durch geringere Netzentgelte oder eine reduzierte Stromsteuer.

Das Problem: Im Wahlkampf wurden von keinem Geringeren als Bundeskanzler Friedrich Merz sowohl ein Klimabonus als auch Senkungen der Netzentgelte sowie Stromsteuer kommuniziert. Was die Union aber nicht kommuniziert hat, ist die Frage nach der Finanzierbarkeit.

Gleiches gilt für die neue Strategie, die zwar nicht per se falsch, aber auch nicht ehrlicher geworden ist. Hinzu kommt, dass viele Menschen in Deutschland ein einkommensabhängiges Klimageld aktuell wirklich gut gebrauchen könnten. Denn unabhängig davon, ob sich jemand eine Wärmepumpe oder ein E-Auto anschaffen möchte oder kann, hätten alle direkt profitiert.

Stimmen und Parteipositionen

  • Jakob Blankenburg, Sprecher für Umwelt, Klimaschutz und Naturschutz der SPD-Bundestagsfraktion, in der Bundestagsdebatte zum Klimageld: „Das Klimageld entschädigt, aber es verändert nicht. Es lindert den Schmerz, aber es behandelt nicht die Ursachen. Denn was Menschen brauchen, ist kein jährlicher Check. Es braucht Bedingungen, unter denen der Umstieg zu klimafreundlichen Alternativen tatsächlich schaffbar ist. Ermöglichung statt Entschädigung: Das ist der Unterschied.“
  • Lorenz Gösta Beutin, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Naturschutz von der Linken-Fraktion, konterte in einer Zwischenfrage: „Wir sagen nicht, das Klimageld soll das Einzige sein. Es ist versprochen worden mit dem CO2-Preis. Man muss doch Versprechen auch mal einhalten. Deswegen sagen wir: Wir brauchen Klimageld, aber wir brauchen auch die Förderung bei der Wärmepumpe, die Förderung beim E-Auto und wir brauchen den Ausbau von Bus und Bahn.“
  • Thomas Gebhart, CDU-Obmann im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, sprach sich für andere Maßnahmen aus: „CO2-Einnahmen dürfen kein Einnahmeinstrument des Staates sein. Sondern das Geld, das der Staat aus der CO2-Abgabe einnimmt, muss zurück an Bürger und Unternehmen. Wir geben aktuell Jahr für Jahr viele Milliarden Euro zurück – beispielsweise über Strompreiskompensationen, Zuschussnetzentgelte und eine reduzierte Stromsteuer für das Gewerbe. Ein entscheidender Schritt der steht noch aus: die reduzierte Stromsteuer für alle.“

Benzingeld statt Klimageld: Droht eine fossile Fehlsteuerung?

Der Kurs der Bundesregierung ist klar, auch wenn ihn niemand wirklich ausspricht: weg von direkten Zahlungen, hin zu einem Flickenteppich aus Prämien, Steuertricks und Preisbremsen. Das meiste davon entlastet jedoch allenfalls mittel- bis langfristig, löst aber weder das soziale noch das klimapolitische Problem.

Vor allem viele Menschen mit geringen oder mittleren Einkommen müssten steigende Sprit- oder Lebensmittelkosten deshalb zunächst weiter schlucken – trotz oder vor allem aufgrund diffuser Entlastungen. Denn wer wenig hat, spürt finanzielle Belastungen sofort, während andere sie besser abfedern und obendrein sogar von Förderprogrammen profitieren können.

Der versprochene Ausgleich über das Klimageld droht damit zu einer sozialen Schieflage zu verkommen. Die größte Ironie aber ist, dass der geschaffene Direktauszahlungsmechanismus für das Klimageld ein Werkzeug der klimapolitischen Transformation sein sollte. Nun könnte er missbraucht werden, um fossile Abhängigkeiten zu subventionieren.

Denn: Innerhalb der Bundesregierung denkt man nicht nur über eine Spritpreisbremse, sondern offenbar auch über ein Benzingeld nach. Dabei fließen jedes Jahr über 80 Milliarden Euro aus Deutschland in ausländisches Öl und Gas. Doch fossile Importe erzielen keine Wertschöpfung. Denn: Einmal verbrannt, sind sie weg. Die ursprüngliche Idee des Klimageldes über den CO2-Preis wäre hingegen klimapolitisch sinnvoll gegenfinanziert gewesen ohne direkt in Preismechanismen einzugreifen.

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Mietpreisexplosion: Was kostet das Leben in Berlin wirklich?

08. April 2026 um 05:45

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Lebenshaltungskosten Mieten Berlin

Berlin ist eine der beliebtesten Städte Deutschlands. Doch wie viel Geld braucht man dort tatsächlich zum Leben? Aktuelle Daten zeigen, wo die Hauptstadt im nationalen und internationalen Vergleich steht. Wir schlüsseln die Kosten für Singles und Familien auf – von der Miete bis zu den Lebenshaltungskosten. 

In deutschen Großstädten müssen Mieter oder Wohnungssuchende trotz Mietpreisbremse heute im Schnitt 44 Prozent mehr zahlen als noch vor zehn Jahren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Caren Lay hervor.

Demnach sind die Mietpreise in Berlin in den vergangenen zehn Jahren sogar um 69 Prozent gestiegen. Das entspricht dem bundesweit höchsten Zuwachs. Das Bauministerium beruft sich in seiner Antwort auf Angebotsmieten von im Internet inserierten Wohnungen in 14 Großstädten ohne Nebenkosten.

Doch: Nicht nur die Mieten sind in den deutschen Großstädte geradezu explodiert. Auch die Preise für viele Lebensmittel, Sprit und Dienstleistungen befinden sich auf einem Rekordniveau. Aber wie teuer ist eigentlich das Leben in den deutschen Großstädten wirklich? Heute: die Mieten und Lebenshaltungskosten in Berlin.

Lebenshaltungskosten: Wie teuer ist Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten?

Der sogenannte „Cost of Living Index – zu deutsch „Lebenshaltungskostenindex“ – ist ein theoretischer Preisindex, der die Kosten für verschiedene Produkte und Dienstleistungen in unterschiedlichen Ländern oder Städten miteinander vergleicht. Mittlerweile gibt es zahlreiche Websites, die einen solchen Preisvergleich versprechen.

Die Plattform Numbeo gilt jedoch als eine der größten datenbasierten Plattformen in Sachen Lebenshaltungskosten. Der „Cost of Living Index by City 2026“ vergleicht dabei die Lebenshaltungskosten in Hunderten Großstädten weltweit. Den Maßstab und allgemeinen Vergleichswert bildet dabei die Stadt New York City, die gemeinhin als eine der teuersten Städte der Welt gilt.

Die Lebenshaltungskosten in Berlin liegen laut Numbeo demnach bei einem Wert von 70,0 (New York City: 100,00). Damit belegt die deutsche Hauptstadt Platz 113 im weltweiten Ranking (Stand: 6. April 2026). Im Vergleich dazu: Hamburg mit einem Wert von 71,9 auf Platz 84, München auf Platz 52 mit einem Preisindex von 76,1 und Köln mit einem Cost of Living Index von 71,4 auf Platz 94.

Wie hoch sind die Mieten in Berlin wirklich?

In puncto Lebenshaltungskosten liegt Berlin laut Numbeo auf Platz 13 der teuersten Großstädte Deutschlands. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Hauptstadt 30 Prozent günstiger als New York City (ohne Mieten).

Unter Berücksichtigung der Mietpreise (Cost of Living Index Plus Rent Index) ist Berlin sogar 45,1 Prozent preiswerter als die US-amerikanische Millionenmetropole. Im nationalen Vergleich belegt die Bundeshauptstadt in Sachen Lebenshaltungskosten plus Mieten den fünften Platz.

Die Mietpreise für einen Single-Haushalt sehen laut Numbeo – Stand: 6. April 2026 – dabei wie folgt aus: 1.291,25 Euro für eine Wohnung im Stadtkern und 924,60 Euro Miete für eine Wohnung außerhalb des Zentrums. Für eine vierköpfige Familie: 2.366,67 Euro im Stadtkern und 1.764,24 Euro außerhalb des Zentrums.

Der Index-Plattform Numbeo zufolge liegen die Lebenshaltungskosten in Berlin für einen Singlehaushalt inklusive Miete bei 2.298,28 Euro (im Stadtkern) und bei 1.931,90 Euro außerhalb des Zentrums. Insgesamt umfasst die Auswertung dabei sämtliche Lebenshaltungskosten: Miete, Nebenkosten, Restaurantbesuche, Kleidung, Lebensmittel, Auto, Reisen, Sparen und weitere. Je nach Konsumverhalten und Lebensverhältnissen, kann der Schnitt jedoch variieren.

Fazit: Mieten und Lebenshaltungskosten in Berlin

Die Zahlen zeigen, dass Berlin im internationalen Vergleich zwar günstiger als New York ist. Doch für viele Menschen wird das Leben in der Hauptstadt zunehmend zu einer finanziellen Belastung. Ein Berufseinsteiger mit einem Bruttoeinstiegsgehalt von rund 2.800 Euro netto muss allein für eine Wohnung im Stadtkern bereits knapp die Hälfte seines Einkommens aufwenden.

Experten empfehlen jedoch maximal Mietkosten in Höhe von einem Drittel des Nettoeinkommens. Wer in Berlin lebt, sollte die eigenen Ausgaben deshalb regelmäßig prüfen und Preise vergleichen, um die persönliche Kostensituation realistisch einzuschätzen.

Hinweis: Die Zahlen von „Numbeo“ sind hier und da mit Vorsicht zu genießen. Denn: Die unglaubliche Masse an Daten, die die Plattform erfasst, sind im Detail nicht überprüfbar. Weltweit kann etwa jeder die Datenbank mit Preisinformationen füllen. Parallel dazu greift die Website zwar auch auf andere Daten zurück, bereinigt Zahlen mithilfe von Filtern und errechnet Durchschnittswerte.

Doch die Datenlage ist für einige Städte, Regionen und Länder besser als bei anderen. Mit Blick auf Metropolen und Großstädte erscheint sie jedoch stabil. Aus Aktualitätsgründen greift Numbeo nur auf Zahlen zu, die nicht älter als 18 Monate sind.

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Europa im KI-Dilemma: Was passiert, wenn die Blase platzt?

02. April 2026 um 11:00

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KI Europa Dilemma USA Künstliche Intelligenz Zurückhaltung KI-Blase

Europa strebt in den Bereichen KI, Software und Rechenzentren eigentlich mehr Souveränität an. Die Abhängigkeit von den USA trügt jedoch die Bilanz. In puncto KI ist die vergleichsweise zurückhaltende Haltung Europas aber Fluch und Segen zugleich. Einerseits besteht unausgeschöpftes Potenzial. Andererseits wird Europa deutlich weicher fallen, wenn die KI-Blase eines Tages platzt. Eine kommentierende Analyse.

133 Millionen KI-Nutzer in Europa – doch wem gehören die Modelle?

  • Laut einem Report der niederländischen Internet-Beteiligungsgesellschaft Prosus gibt es in Europa mehr KI-Nutzer als in den USA. Demnach nutzen rund 133 Millionen Europäer Sprachmodelle wie ChatGPT und Co. – fast doppelt so viele wie in den USA. Zudem stammen drei der zehn weltweit meistzitierten KI-Wissenschaftler aus EU-Ländern. Doch: Fast jedes KI-Modell, das in Europa genutzt wird, wurde in den USA oder China entwickelt. Laut einer Analyse der Universität Bonn ist die Digitalhandelsbilanz Europas zwar stabil, doch die Abhängigkeit von den USA, China sowie US-Unternehmen mit europäischem Sitz in Irland trügt das Bild.
  • Mit Mistral AI aus Frankreich gibt es bislang nur ein einziges europäisches KI-Unternehmen, das ein halbwegs konkurrenzfähiges Sprachmodell zu ChatGPT, Gemini und Claude entwickelt hat. Das KI-Modell Le Chat wurde vor allem auf Datenschutz und Effizienz getrimmt. Mistral AI verspricht etwa, dass Daten standardmäßig innerhalb der EU gespeichert werden. Es gibt aber Ausnahmen. Denn wenn US-Dienstleister genutzt werden, können Daten teilweise oder zwischenzeitlich auch in die Vereinigten Staaten abfließen. Das Unternehmen richtet sich mittlerweile mehr an Unternehmenskunden als an Privatnutzer.
  • Die USA sind führend, was den Umfang und die Intensität der Nutzung von KI am Arbeitsplatz angeht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Deutschland liegt demnach im Mittelfeld der europäischen Länder. Die Unterschiede seien jedoch gewachsen und würden die Produktivität der Beschäftigten in vielen Unternehmen beeinflussen. Den Ergebnissen zufolge ist die geringere Nutzung von KI ein wichtiger Erklärungsfaktor für das geringere Produktivitätswachstum in Europa im Vergleich zu den USA.

Was Europa bei KI richtig macht – und wo es scheitert

Europa ist Europas bester Freund und schlimmster Feind zugleich – zumindest, wenn es um KI und Digitalisierung geht. Nicht, weil wir zwangsläufig zu viel regulieren. Im Gegensatz zu den USA oder China schert man sich in Europa noch um Daten- und Verbraucherschutz. Und das ist auch gut so.

Doch: Wir haben auch deutlichen Nachholbedarf. Etwa, wenn es darum geht, KI sinnvoll in Unternehmen, dem Gesundheitswesen oder in Behörden zu integrieren, um Land, Wirtschaft und Gesellschaft anzukurbeln. Denn richtig eingesetzt kann Künstliche Intelligenz die Welt zum Positiven verändern – ohne zwangsläufig Arbeitsplätze zu vernichten.

KI kann etwa dabei helfen, Behörden und das Gesundheitssystem zu entlasten, oder in einigen Branchen dem privatwirtschaftlichen Fachkräftemangel entgegenwirken. Statt den Menschen mehr Arbeit aufzubürden, wie es derzeit viele fordern, könnten Beschäftigte produktiver arbeiten. Etwa, indem sie sich auf Dinge konzentrieren können, für die zuvor nicht die nötige Zeit da war.

Künstliche Intelligenz könnte währenddessen die Drecksarbeit erledigen und dadurch Prozesse und Produktivität effizienter und schneller gestalten. Die Zwickmühle: KI ist für Europa Fluch und Segen zugleich. Denn KI ist eine Wette auf die Zukunft, die einem Glücksspiel gleichkommt. Beim Roulette weiß man wenigstens, wie das Rad funktioniert. Doch auch im Gegensatz zu Dampfmaschinen, Immobilien oder der Eisenbahn weiß man bei KI nicht, wohin die Reise führt.

Dass sich KI-Anwendungen rasend schnell weiterentwickeln, lässt sich aber nicht wegdiskutieren. Der Kosten-Nutzen-Faktor von Chatbots im Privatbereich erschließt sich mir vor dem Hintergrund von Fake News, KI-Betrug und einem massiven Ressourcenverbrauch mit Blick auf die Umwelt aber immer weniger. Stattdessen sollte KI nur dort eingesetzt werden, wo sie einen sinnvollen Beitrag leisten kann.

Das sagten Ökonomen und KI-Experten

  • Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in einem Interview mit dem Handelsblatt (€) zur ungebrochenen Dynamik der US-Wirtschaft: „Ein erheblicher Teil des Wachstums ist auf den Boom rund um Künstliche Intelligenz und den Bau von Rechenzentren zurückzuführen. Trump hatte schlicht Glück, während dieses Booms Präsident zu sein. (…) Der Aufschwung beschränkt sich auf eine Handvoll Technologiegiganten. Die gigantischen Bewertungen dieser Unternehmen sind letztlich Ausdruck der Erwartung langfristiger Monopolgewinne, die möglicherweise nie realisiert werden. Vieles deutet auf eine gigantische KI-Blase hin. Und wenn diese platzt, wird die zugrunde liegende Schwäche der US-Wirtschaft sehr deutlich sichtbar werden.“
  • Fabricio Bloisi, Chef der Internet-Beteiligungsgesellschaft Prosus, in einem Statement: „Europa steht im globalen Wettlauf um die KI am Scheideweg, doch wir sind zu langsam. Wir verfügen über Talente von Weltklasse, doch ohne rasche, umfangreiche Investitionen in unsere eigenen Rechenkapazitäten und Open-Source-Modelle laufen wir Gefahr, von anderen abhängig zu werden. Die Länder und Unternehmen, die jetzt handeln, werden das nächste Jahrzehnt prägen. Europa verändert sich, doch die Dinge gehen nicht schnell genug voran. Lasst uns so vorgehen, als hinge die Zukunft Europas davon ab – denn das tut sie.“
  • Auch Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), warnt: „Mit dem jetzt schon bestehenden Abstand in der KI-Nutzung ist daher eine noch wachsende Produktivitätslücke zu erwarten, wenn in Europa nicht gegengesteuert wird. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung wird es entscheidend sein, unser Produktivitätswachstum in den nächsten Jahren zu erhöhen.“

Wie Europa von einer platzenden KI-Blase profitieren könnte

Mit Blick auf die KI-Branche sind Prognosen derzeit selbst für Experten schwierig. Was sich aber mit großer Sicherheit prophezeien lässt: Die KI-Blase wird eines Tages platzen. Denn: Künstliche Intelligenz wird massiv überbewertet. Wenn es zum großen Knall kommt, wird sich Europa im Gegensatz zu den USA unter den aktuellen Umständen ins Fäustchen lachen.

Doch Crash ist nicht gleich Crash und Europa ist nicht die USA. Denn selbst wenn die Aktienkurse von Google, Meta, Apple oder Amazon einbrechen, ist das nicht deren unmittelbarer Untergang. Alle vier Konzerne haben nämlich profitable Standbeine fernab vom KI-Hype.

Bei Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Mistral AI sieht es aber anders aus. Denn diese setzen ausschließlich auf KI, während sie ihre Milliardeninvestments bislang nicht mal annähernd amortisiert haben. Ein mögliches Ende von OpenAI ist zwar nicht apodiktisch, wäre aber auch kein Systemcrash.

Trotz großer Abhängigkeiten von US-Technologien wird sich Europas vergleichsweise zurückhaltende Haltung im Falle einer platzenden KI-Blase aber wie ein Airbag erweisen. Die USA und China würden hingegen die gigantischen Fehlinvestitionen schmerzhaft verdauen müssen.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Europa zu langsam ist. Vielmehr geht es darum, aus der aktuellen Zurückhaltung die richtigen Schlüsse zu ziehen. KI wird nämlich nicht verschwinden. Die Chance für Europa, einen Mehrwert zu schaffen, ist aber da. Etwa, wenn Pflegekräfte Dokumentationen nur noch prüfen statt schreiben müssen, um sich vermehrt den Pflegebedürftigen widmen zu können.

Wenn Industrieprozesse intelligent automatisiert werden, um Beschäftigte zu entlasten, anstatt ihnen Mehrarbeit aufzubürden. Oder: Wenn Anträge in der Verwaltung nicht mehr in Monaten, sondern nur noch in Wochen oder gar Tagen bearbeitet werden können. Chatbots für jedermann, die auf Knopfdruck Bilder, Videos oder Texte generieren, erscheinen jedoch mehr und mehr als Irrweg.

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KI-Müll ohne Endlager: 19 Prozent des Internets sind absoluter Schrott

01. April 2026 um 11:00

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KI-Müll Endlager KI-Schrott AI Slop Künstliche Intelligenz

Bereits 19 Prozent aller Websites im Google-Index sind KI-generiert – Tendenz steigend. Was nach einem technischen Problem klingt, bedroht Vertrauen, Diskurs und die Glaubwürdigkeit des gesamten Internets. Denn KI-Müll wirkt, weil er geglaubt werden will und geglaubt wird. Doch das Netz darf nicht als Endlager dienen. Eine kommentierende Analyse.

Von 2 auf 19 Prozent: Wie KI-Müll das Netz überflutet

  • Ob halbnackte Promis, Jesus als Shrimp oder reißerische Sensationsmeldungen: Seitdem KI-Modelle für nahezu jedermann kostenlos nutzbar sind, kursiert immer mehr Müll im Internet. Der Content-Detektor Originality.ai hat etwa dokumentiert, dass der Anteil KI-generierter Websites im Google-Index Anfang 2020 bei 2,27 Prozent lag. Drei Jahre später hat er sich verdreifacht. Wiederum ein Jahr danach stieg die Kurve drastisch an. Ende 2025 hatte sich der Anteil KI-generierter Inhalte von 8,5 Prozent auf 19 Prozent mehr als verdoppelt.
  • Aktuell fluten vor allem immer mehr KI-generierte Videos das Internet. Das gilt nicht nur für digitale Medien, sondern vor allem für Portale wie YouTube, von wo aus solche Clips weiterverbreitet werden. Das Problem: Statt handgemachter Unterhaltung, nerdigen Inhalten oder hochwertigen Dokumentationen landen immer mehr KI-Schrott und Fake-Videos im Netz. Oder kurzum: Beiträge, die nur darauf abzielen, Klicks zu erzielen oder manipulative Inhalte zu verbreiten.
  • Die viel größere Gefahr geht zwar von sogenannten Deepfakes aus. Also: Von Audio- und Videoaufnahmen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Gesichter und Personen können so beispielsweise ausgetauscht oder in andere Aufnahmen eingefügt werden. Allerdings ist auch KI-Müll nicht ungefährlich. Denn: In der zunehmenden Schrottflut drohen wichtige und relevante Inhalte unterzugehen.

Warum das Internet zum Endlager für KI-Müll wird

Das Internet verwandelt sich still und heimlich zu einem Endlager für KI-Müll. Denn Künstliche Intelligenz generiert nicht nur Text und Bilder, sondern auch eine Endlosschleife aus Inhalten, die sich gegenseitig referenzieren, kopieren und verdichten.

Diese unsägliche Schrottlawine verschüttet nicht nur Relevanz. Sie untergräbt Diskurs, Demokratie und Fakten. Die traurige Folge: Was im Netz sichtbar ist, ist nicht mehr zwangsläufig relevant oder wertvoll, sondern auch nur algorithmisch anschlussfähig.

Der Preis, den wir für diese Entwicklung zahlen, ist jedoch horrend. Denn er wird nicht nur kulturell und gesellschaftlich sondern auch physisch spürbar. Rechenzentren und Serverfarmen sprießen beispielsweise schneller aus dem Boden als jede Müllkippe, fressen so viel Energie wie ganze Metropolen und saufen Wasser zur Kühlung, das in manchen Regionen zunehmend zu einem knappen Gut wird. Alles zulasten des Klimas.

Zeitgleich verkaufen Großkonzerne und die Politik Zukunftsversprechen wie die Kernfusion oder Mini-Atomkraftwerke als Alibi für einen Energiehunger, den sie nicht nur selbst entfacht haben, sondern der teilweise Verschwendung gleichkommt. Was ich damit meine: KI-Müll erscheint oftmals harmlos. Doch sowohl Deepfakes als auch Fantasiewelten oder Katzenvideos sind gezielt platziert, um Ängste, Unterhaltung oder Emotionen zu triggern.

Wer glaubt, dass in einem dringend benötigten KI-Müll-Endlager nur belangloser Abfall landen würde, übersieht die Gefahr, dass dieser Müll wirkt, weil er geglaubt werden will – und geglaubt wird.

Reaktionen und Stimmen

  • Akhil Bhardwaj, Professor an der School of Management der University of Bath, gegenüber dem Guardian: „KI-Schrott überschwemmt das Internet mit Inhalten, die im Grunde genommen Müll sind. Diese Verschrottung ruiniert Online-Communities. Eine Möglichkeit, KI-Schrott zu regulieren, besteht darin, sicherzustellen, dass er nicht monetarisiert werden kann, wodurch der Anreiz für seine Erstellung wegfällt.“
  • Moderator, Schauspieler und Komiker John Oliver in seiner wöchentlichen HBO-Show: „Es geht nicht nur darum, dass wir uns von gefälschten Inhalten täuschen lassen können, sondern dass deren bloße Existenz es böswilligen Akteuren ermöglicht, echte Videos und Bilder als Fälschungen abzutun. Ich sage nicht, dass es nicht Spaß macht, sich manche dieser Dinge anzusehen, aber ich sage, dass manche davon potenziell sehr gefährlich sind.“
  • Sowohl YouTube als auch Meta setzen auf automatisierte Systeme, um KI-Inhalte zu identifizieren. Während die Videoplattform vor allem gegen minderwertige Inhalte vorgehen will, hat Meta einem Statement zufolge KI-Betrug im Visier: „Zwar werden wir weiterhin Mitarbeiter haben, die Inhalte prüfen, doch diese Systeme werden Aufgaben übernehmen, die sich besser für den Einsatz von Technologie eignen, wie zum Beispiel die wiederholte Überprüfung grafischer Inhalte, in denen böswillige Akteure ihre Taktiken ständig ändern, etwa beim Verkauf illegaler Drogen oder bei Betrugsfällen.“

Lässt sich die KI-Müll-Flut noch stoppen?

Das Problem, ein Endlager für KI-Müll zu finden, ist nicht Folge eines Naturereignisses, sondern menschengemacht. Will heißen: Es ist prinzipiell steuerbar. KI ist zwar zweifellos ein praktisches Werkzeug, wenn sie dabei hilft, Prozesse zu beschleunigen, Diagnosen zu verbessern oder Recherchen zu erleichtern; und zwar auch im Privatbereich.

Doch solange Quantität über Qualität triumphiert, droht das Werkzeug stumpf zu werden. Das gilt auch für den Vertrauensvorschuss vieler Nutzer. Das Problem: Die eigentliche Erosion findet in unseren Köpfen statt. Denn wenn alles potenziell fake ist, verliert auch das Echte an Gewicht, da man schlichtweg kaum noch Inhalten trauen kann.

Diese Unsicherheit sickert längst in klassische Medien durch und stellt deren Glaubwürdigkeit infrage. Doch falls Zweifel zu einer Grundhaltung werden, erreichen wir einen Zustand, in dem Desinformation florieren kann, indem sie Zweifel sät. Die Verantwortung liegt jedoch nicht nur bei Otto Normalnutzern, KI-Spielereien zu unterlassen, sondern vor allem bei den digitalen Plattformen und ihren Betreibern. Denn sie entscheiden, was sichtbar wird und was verschwindet.

Das Problem dabei ist nur, dass die sogenannten sozialen Medien mitunter von KI-Müll und Desinformation profitieren. Nämlich dann, wenn solche Inhalte große Aufmerksamkeit erreichen, was den Betreibern wiederum Werbeeinnahmen beschert. Ohne klare Regeln, transparente Kennzeichnung und echte Konsequenzen bleibt das KI-Müll-Endlager jedoch ein profitabler Dauerzustand.

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Börsenreif um jeden Preis: OpenAI vollzieht radikalen Strategiewechsel

31. März 2026 um 11:00

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OpenAI Börse Strategiewechsel ChatGPT

OpenAI hat einen radikalen Kurswechsel vollzogen. Das Unternehmen hat nicht nur mehrere ChatGPT-Funktionen eingestampft, sondern auch seine pompös angekündigte Video-KI Sora. Hintergrund sind nicht nur aus dem Ruder gelaufene Kosten, sondern offenbar auch interne Differenzen. Zudem strebt OpenAI an die Börse. Eine kommentierende Analyse.

Strategiewechsel: Was ist bei OpenAI passiert – und warum jetzt?

  • OpenAI hat überraschend seine Video-KI Sora eingestampft. Laut Financial Times (€) sind relativ hohe Verluste von bis zu einer Million US-Dollar pro Tag dafür verantwortlich. Hinzu dürfte der gigantische Ressourcenverbrauch kommen. Denn Videogeneratoren benötigen weitaus mehr Rechenpower sowie Strom und Kühlung als Sprachmodelle. Mit dem Aus von Sora dürfte auch ein Milliarden-Deal mit Disney Geschichte sein, das Futter in Form von Disney-Videos liefern wollte.
  • Mit einem sogenannten Erotikmodus wollte OpenAI einen Chatbot für Erwachsene etablieren, in dem es heiß hergeht. Doch bereits unmittelbar nach der Vorstellung im Oktober 2025 geriet das Vorhaben massiv in die Kritik. Eigentlich sollte der Erotikmodus im Februar 2026 starten. Doch wie das Wall Street Journal (€) berichtet, gab es nicht nur technische Probleme mit der Alterskontrolle sowie eine hohe Fehlerrate. Auch interne Differenzen und ein drohender Imageverlust haben nun dafür gesorgt, dass das Projekt zunächst einmal auf Eis liegt.
  • Bereits seit Oktober 2025 kursieren Gerüchte, dass OpenAI einen Börsengang anstrebt. Die Anzeichen dafür verdichten sich aktuell immer mehr. Doch aufgrund der komplizierten Struktur des Unternehmens sowie der eigenen ethischen Ansprüche droht ein Drahtseilakt. Im Gegensatz zu Einnahmen durch Werbeanzeigen oder dem Versuch, weitere zahlende Abonnenten zu gewinnen, verspricht ein Gang an die Börse deutlich mehr und schneller Kapital. Und das wird dringend benötigt.

OpenAI hat sich mit seiner Funktionsflut selbst geschadet

OpenAI hat sich in seiner eigenen Funktionsflut verheddert und viel ausprobiert, aber nichts wirklich zu Ende gedacht. Die bittere Folge: ChatGPT konnte dadurch zwar viel, aber nichts wirklich richtig. Hinzu kommt, dass sowohl Sora als auch zahlreiche neue Funktionen wie der Erotikmodus viel Geld verschlungen haben.

Mit seinen Werbemodellen kommt OpenAI zudem nicht aus den Startlöchern. Im Gegenteil: Erste Versuche wurden von Nutzern als absolut nervig empfunden. Da die KI-Branche ein wirtschaftlich noch relativ unerschlossenes Feld ist, sind neue Ansätze und Versuche zwar verständlich und in gewissem Maß sogar löblich. Doch OpenAI hat es schlichtweg übertrieben – zumal das Unternehmen nach wie vor keinen Gewinn verzeichnet.

Das Aus von Sora und das Einfrieren des Erotikmodus markieren mehr als nur gescheiterte Experimente. Sie stehen sinnbildlich für eine strategische Zersplitterung, mit der sich OpenAI letztlich selbst geschadet hat – vom mehr als fraglichen Deal mit dem US-Militär ganz zu schweigen.

Heißt unterm Strich: Während OpenAI an einem Funktionsflickenteppich gebastelt hat, ist die Konkurrenz um Anthropic und Google im Kerngeschäft enteilt. Der nun erfolgte Kurswechsel hin zu einem leistungsstärkeren GPT ist daher weniger Vision als Notbremse. Doch die Rückbesinnung auf essentielle Kernkompetenzen kommt spät, vielleicht sogar zu spät. Denn mit seinen zahlreichen Fehltritten hat OpenAI nicht nur Zeit verloren, sondern auch Vertrauen verspielt.

Stimmen und Reaktionen

  • In einem Beitrag auf X (ehemals Twitter) ließ das Sora-Team im Namen von OpenAI verlauten: „Wir verabschieden uns von Sora. An alle, die mit Sora etwas geschaffen, es geteilt und eine Community darum herum aufgebaut haben: Vielen Dank. Was ihr mit Sora geschaffen habt, war wichtig, und wir wissen, dass diese Nachricht enttäuschend ist. Wir werden bald weitere Informationen veröffentlichen, darunter Zeitpläne für die App und die API sowie Details zur Sicherung eurer Arbeiten.“
  • Fidji Simo, CEO of Applications bei OpenAI, in einem All-Hands-Meeting, das CNBC transkribiert hat: „Unsere Chance besteht nun darin, diese 900 Millionen Nutzer zu Anwendern mit hohem Rechenbedarf zu machen. Das werden wir erreichen, indem wir ChatGPT in ein Produktivitätswerkzeug verwandeln. Was für uns im Moment wirklich zählt, ist, konzentriert zu bleiben und unsere Leistung absolut perfekt umzusetzen.“
  • Ein Disney-Sprecher erklärte, das Unternehmen respektiere „die Entscheidung von OpenAI, sich aus dem Geschäft mit der Videogenerierung zurückzuziehen und seine Prioritäten anderweitig zu setzen. Wir schätzen die konstruktive Zusammenarbeit zwischen unseren Teams und die Erkenntnisse, die wir daraus gewonnen haben. Und wir werden weiterhin mit KI-Plattformen zusammenarbeiten, um neue Wege zu finden, unsere Fans dort abzuholen, wo sie sind – und gleichzeitig neue Technologien verantwortungsbewusst einzusetzen, die geistiges Eigentum und die Rechte der Urheber respektieren.“

OpenAI plant größten Börsengang aller Zeiten

Hinter dem Strategiewechsel von OpenAI zeichnet sich vor allem eines ab: die Börsenreife um jeden Preis. Doch ein IPO, der Ende 2026 oder Anfang 2027 kommen könnte, verlangt klare Zahlen, skalierbare Modelle und Nutzerwachstum. Spielereien wie ein Erotikmodus oder die Video-KI Sora, die technisch zwar beeindruckend war, jedoch hinsichtlich Urheberrecht, Datenschutz und Monetarisierung undurchdacht war, passen nicht in dieses Bild.

Stattdessen will OpenAI künftig auf Nützlichkeit und Monetarisierung mit System setzen. Heißt konkret: neue Tarife, sinnvolle Werbeformate und die Transformation von ChatGPT zu einer Plattform, die nützlich und weniger unterhaltend ist. Die bittere Wahrheit: OpenAI hätte all das schon haben können.

Doch statt zu überlegen, was wirklich sinnvoll ist, hat das Unternehmen ausprobiert, was technisch möglich ist – und damit Millionen verbrannt. Dennoch könnte man gerade noch so die Kurve bekommen. Allem Anschein nach will OpenAI ChatGPT nämlich nicht nur (wieder) zu einem nützlichen Assistenten machen, sondern als Betriebssystem etablieren.

Denn: Während das Unternehmen auf der einen Seite innerhalb seines Chatbots aufräumt, erschließt man bereits andere Bereiche. Das Sora-Team soll sich dem Vernehmen nach künftig etwa auf Robotik-Anwendungen konzentrieren.

Mit der Verpflichtung des OpenClaw-Entwicklers Peter Steinberger hat OpenAI zudem bereits nötige Expertise für komplexe und praktische Anwendungen eingekauft, um im Wettbewerb mit Google und Anthropic Unternehmenskunden für sich zu gewinnen.

Fazit: OpenAI hat sich mit seinem Strategiewechsel eine letzte Chance erkauft. Die Idee, ChatGPT als eine Art Betriebssystem zu etablieren, hat zwar Potenzial. Doch nach vielen kostspieligen Irrwegen muss das Unternehmen jetzt liefern. Nicht mit Ankündigungen, sondern mit einem Produkt, das den Alltag der Nutzer tatsächlich besser macht.

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Neue Spritpreisregeln beschlossen: Das ändert sich jetzt an der Tankstelle

30. März 2026 um 11:00

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Spritpreisbremse Kraftstoffmaßnahmenpaket Kartellamt tanken

Als Reaktion auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise hat die Bundesregierung ein neues Kraftstoffmaßnahmenpaket beschlossen. Kern der Maßnahmen: Tankstellen sollen ihre Preise künftig nur noch einmal täglich anpassen dürfen. Zusätzlich wird das Kartellrecht verschärft, um mögliche Preisabsprachen und Marktverzerrungen stärker zu kontrollieren. Beides stellt zwar keine Soforthilfe dar, ist jedoch durchaus sinnvoll. Eine kommentierende Analyse.

Neue Spritpreisregeln: Das steht im Kraftstoffmaßnahmenpaket

  • Das sogenannte Kraftstoffmaßnahmenpaket sieht vor, dass es an Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag Preiserhöhungen geben darf – und zwar um 12 Uhr mittags. Senkungen sind jederzeit möglich. Ziel ist es, häufige Preissprünge zu verhindern, um für mehr Transparenz in der Preisgestaltung zu sorgen. Verstöße sollen mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.
  • Eine weitere Stellschraube des Pakets: Das Kartellamt soll gestärkt werden. Heißt konkret: Falls die Spritpreise stark steigen, wird die Beweislast künftig umgekehrt. Unternehmen der Mineralölbranche müssen dann etwa nachweisen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Außerdem soll das Kartellamt die Möglichkeit erhalten, Preissprünge schneller kontrollieren und gegebenenfalls stoppen zu können.
  • Im Bundestag stimmten sowohl die schwarz-roten Regierungsfraktionen als auch die Grünen für den neuen Gesetzesentwurf. AfD und Linke waren dagegen. Mittlerweile hat auch der Bundesrat zugestimmt. Ziel ist es, dass das Kraftstoffmaßnahmenpaket Anfang April 2026 in Kraft tritt. Es soll ein Jahr lang gelten und anschließend erneut überprüft werden.

Keine Wunderwaffe, aber eine transparente Preisuhr an der Tankstelle

Eines muss man der Bundesregierung lassen: Sie hat das Kraftstoffpaket nicht als Wunderwaffe verkauft, sondern als Werkzeugkasten. Es dürfte langfristig für mehr Transparenz an der Zapfsäule sorgen und die Profitgier der Raffinerien und Mineralölkonzerne eindämmen – zumindest, sofern die neuen Kartellbefugnisse auch rigoros umgesetzt werden.

In einer Zeit, in der die Politik zunehmend populistischen Versprechen verfällt, erscheint das fast schon erschreckend erfrischend. Fakt ist aber auch: Das Paket wird kurzfristig vermutlich nicht zu spürbaren Entlastungen führen. Doch wer es als simulierte Hilfe oder gar nutzlos deklariert, der irrt.

Mit der Maßnahme gibt es künftig nämlich eine gewisse Preisuhr an Tankstellen, die dafür sorgen wird, dass Großkonzerne Pendler- und Stoßzeiten im Verkehr weitaus weniger ausnutzen können. Denn: Während sich Großunternehmen bislang häufig die Taschen vollgestopft haben, waren nicht nur Verbraucher, sondern auch die Tankstellenbetreiber die Gelackmeierten.

Dass das Kartellamt künftig schärfer hinschauen darf, ist deshalb mehr als Symbolpolitik. Es ist auch ein spätes Eingeständnis, dass der Markt eben nicht so frei ist, wie er sich gerne gibt oder dargestellt wird. Stichwort: Preisabsprachen. Kurzfristig heißt es dennoch durchzuhalten. Sollten sich die Spritpreise aber mittelfristig nicht stabilisieren, sollte man über echte Entlastungsmaßnahmen nachdenken.

Und zwar vor allem für die, die sie am meisten brauchen. Eine Pendlerpauschale würde zwar langfristig auf dem Papier helfen, jedoch nicht beim nächsten Tankstopp. Deshalb bräuchte es zweifellos eine Entlastung in Form eines Tankrabatts. Aber nur für geringe und mittlere Einkommen und nicht für Porsche-Fahrer.

Stimmen

  • Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Deutschen Bundestag zum beschlossenen Maßnahmenpaket: „Wir handeln mit Augenmaß. Was wir 20 Tage nach dem Krieg nicht brauchen, ist Aktionismus. Benzinpreisbremsen, Tankrabatte, Übergewinnsteuer: Wir müssen überlegen, welche Kosten solche Maßnahmen verursachen und wo der Nutzen ist. Denn die größten Nutznießer sind in der Regel nicht die Adressaten. Was wir jetzt brauchen, sind gezielte steuernde Eingriffe, die Fairness und Transparenz in den Märkten garantieren.“
  • Das Bundeskartellamt begrüßt das Maßnahmenpaket der Bundesregierung. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Grundlage des Handelns des Amtes ist das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Auf der Grundlage dieses Gesetzes kann das Amt ad hoc keine Preissenkungen verfügen; hierfür gibt es entgegen vereinzelter öffentlicher Forderungen kein kartellgesetzliches Instrumentarium. Preissenkungen auf Knopfdruck gibt das Kartellgesetz nicht her. Der Gesetzgeber hat das Amt vor allem damit betraut, wettbewerbliche Strukturen und Prozesse zu schützen. Es kann in diesem Rahmen prüfen, ob ein Preis missbräuchlich überhöht ist.“
  • Ökonom Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE), in einem Interview mit Phoenix: „Die wirksamsten Maßnahmen werden wohl die sein, über die wir gar nicht reden, nämlich die Verschärfung des Kartellrechts. Dazu muss man wissen: Das Kartellrecht sorgt für Maßnahmen, die eher langfristig wirken. Das Kartellamt kann jetzt deutlich einfacher vorgehen, und davon verspreche ich mir einiges. Die Preisänderungen an der Tankstelle mögen eine gewisse Vereinfachung beim Preisvergleich schaffen, aber letztendlich würde ich nicht davon ausgehen, dass das nachhaltig und langfristig zu Preissenkungen führt.“

Was bringen die neuen Spritpreisregeln wirklich?

Die bittere Wahrheit ist, dass das Kraftstoffmaßnahmenpaket kurzfristig nicht die Spritpreise drücken, sondern höchstens ihre Sprunghaftigkeit zähmen wird. Doch es ist langfristig keineswegs falsch. Wer an dieser Stelle behaupten mag, dass die Spritpreise um 12 Uhr mittags deshalb höher als zuvor angesetzt würden, dem sei ein Blick in die neuen Befugnisse des Kartellrechts geraten, die in der gesamten Debatte meist komplett untergehen.

Vielleicht braucht es aber ohnehin eine andere Art der Aufklärung. Denn weder die Menschen hinter der Tankstellenkasse noch „die Politik“ sind die Bösewichte, auch wenn sich das im Alltag leichter erzählen lässt. Die Preise sind ein Echo globaler Konflikte und einer Weltordnung, die aktuell von Grund auf neu geschrieben wird.

Langfristig liegt die eigentliche Antwort abseits der Tankstelle. Weniger Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen, mehr erneuerbare Energien und die Elektromobilität sind künftig schlichtweg die sinnvolle Realität, wenn man hohen Energiekosten aus dem Weg gehen und künftige Generationen vor den Folgen des Klimawandels schützen will.

Doch nur wenn es Deutschland gelingt, diese Realität zu akzeptieren und reaktionäre Rückfälle zu überwinden, dann werden nicht nur das gesamte Land, die Wirtschaft und das Klima profitieren. Denn dann werden andere Nationen in einigen Jahren voller Neid und Eingeständnis zu uns heraufblicken.

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