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Wie 2.000 vergrabene Unterhosen der Uni Zürich den Ig Nobelpreis einbrachten

UN-Klimabericht: Das 1,5-Grad-Ziel wird bald wohl sicher verfehlt
Klimakiller Zement könnte plötzlich fast klimaneutral werden
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Der Einsatz von elektrischen Öfen und die CO2-Abscheidung könnten bald dafür sorgen, dass Zement klimaneutral wird. Damit ließen sich theoretisch bis zu fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen reduzieren.
Durch den fortschreitenden Klimawandel wird es immer wichtiger, Emissionen vorsorglich einzusparen. Doch jeder Sektor trägt unterschiedlich stark zur Erderwärmung bei und birgt unterschiedliche Herausforderungen. Ein Beispiel ist die Zementindustrie. Diese verursacht etwa fünf bis acht Prozent der weltweit entstehenden CO2-Emissionen.
Ein Forscherteam der ETH Zürich untersuchte kürzlich die dahinterstehenden Daten des Partnerunternehmens Heirloom Carbon Technologies. Dabei fiel auf, dass bei der weltweiten Produktion von rund vier Milliarden Tonnen Zement pro Jahr ein enormes Reduktionspotenzial liegt. Und zwar um bis zu 78 Prozent bis in das Jahr 2050. Möglich machen sollen es verschiedene Ansätze.
Direct Air Capture und Elektroöfen sollen Zement klimaneutral machen
Dahinter steckt laut der Untersuchung etwa die Kopplung von Direct Air Capture (DAC) auf Kalzium-Looping-Basis mit der Zementproduktion. Denn Zementwerke und solche DAC-Anlagen nutzen die gleichen chemischen Kalziumbindungen (Kalkstein) und denselben Prozess der Kalzinierung.
Ein weiterer Baustein soll die Nutzung von strombetriebenen Kalzinieröfen anstatt der Verwendung fossiler Brennstoffe bei der Herstellung sein. Auf diesem Weg reduzieren sich die allgemeinen Verbrennungsemissionen und es entsteht rein abgeschiedenes CO2.
Der Prozess funktioniert laut Angaben wie folgt: Gelöschter Kalk bindet Kohlenstoffdioxid aus der Luft. Anschließend wird die Verbindung so aufbereitet, dass sie erneut als Kalkstein in die Zementherstellung einfließen kann. Gleichzeitig filtern DAC-Anlagen CO2 aus der Atmosphäre, verdichten es und speichern es dauerhaft in unterirdischen Lagerstätten.
Wirtschaftlichkeit des Verfahrens noch nicht bewiesen
Die Studie bildet erstmals das Entstehen von CO2 über den gesamten Lebenszyklus der Herstellung ab. Durch die Integration in bestehende Verfahren und Lieferketten versprechen sich die Forscher eine hohe Skalierbarkeit des Ansatzes. Sie sprechen außerdem davon, dass sich die Bilanz durch Nutzung von erneuerbarer Energie weiter optimieren ließe. Vittoria Bolongaro, die Erstautorin der Untersuchung, dazu:
Aus einer Klimaperspektive ist die Kombination von DAC und Zementproduktion sehr vielversprechend. Wir konnten zeigen, dass die Klimabilanz der Technologie netto negativ ist, also dass kommerzielle Kalzium-Looping DAC Anlagen mit CO2-Speicherung mehr CO2 entfernen, als sie über ihren gesamten Lebensweg verursachen
Trotzdem gibt es auch Schattenseiten. So ist die Abtrennung von CO2 weiterhin sehr energieintensiv und stellt somit den größten Anteil am ökologischen Fußabdruck dar. Weiterhin ist bisher nicht ganz klar, wann Elektro-Kalzinieröfen den neuen Standard in der Herstellung darstellen können und wie wirtschaftlich das System ist. Zudem setzt die Untersuchung eine fast vollständige Dekarbonisierung des globalen Stromnetzes bis 2050 voraus.
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Klamotten mit QR-Code: Berliner Firma will Fast Fashion umkrempeln
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In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Was steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: circular.fashion.
Start-ups: Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.
Dabei gibt es sie durchaus: die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Sie zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats „Start-up-Check“. Heute: circular.fashion, ein Berliner DeepTech-Start-up.
Was steckt hinter circular.fashion?
- Branche: Fashion Tech / CleanTech / Circular Economy
- Gründer: Ina Budde (CEO) und Mario Malzacher
- Gründungsjahr: 2017
- Geschäftsmodell: B2B-Software-Plattform, die Materiallieferanten, Modemarken, Konsumenten, Sortierer und Recycler vernetzt
- Ziel: Vollständig zirkuläre Textilindustrie durch digitale Produktpässe, Designstandards und Recycling-Infrastruktur
Von den jährlich weltweit produzierten 100 Milliarden Kleidungsstücken wird laut Zahlen des EU-Parlaments nur ein Prozent hochwertig recycelt – Faser zu Faser, ohne Qualitätsverlust. Zwölf Prozent werden downgecycelt, also zu minderwertigeren Produkten verarbeitet.
Der Großteil landet auf Deponien, wird verbrannt oder in Entwicklungsländer exportiert. Die Textilindustrie ist für zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – mehr als die internationale Luft- und Seeschifffahrt zusammen.
All diese Zahlen sind erschreckend und belegen die nahezu exzessive und nicht nachhaltige Ressourcenverschwendung der Modeindustrie. Das Berliner Start-up circular.fashion will dieses Ungleichgewicht beenden.
Mit einer digitalen Plattform, die alle Akteure der Wertschöpfungskette verbindet, schafft das Unternehmen die Voraussetzung für echtes Faser-zu-Faser-Recycling. Das Versprechen: Die Produkte von heute werden die Ressourcen von morgen.
circular.fashion: Von der Designerin zur Systemveränderin
Hinter dem Unternehmen steht Ina Budde, eine Modedesignerin, die während ihres Studiums erkannte, dass nachhaltige Einzelprodukte nicht ausreichen.
Sie identifizierte strukturelle Barrieren, die alle Modemarken treffen: fehlendes Wissen über recyclingfähiges Design und fehlende Infrastrukturen, damit Materialien und Produkte im Kreislauf bleiben.
Als unabhängige Beraterin für Nachhaltigkeit und kreislauffähiges Design baute Budde zunächst ein Netzwerk von innovativen Materialherstellern und Textilrecyclern auf. Parallel lehrte sie an internationalen Hochschulen – von Hamburg bis Melbourne – Sustainable Design und Circular Economy.
2017 gründete sie gemeinsam mit Mario Malzacher, einem Wirtschaftsinformatiker mit Erfahrung in Logistik und Prozessmanagement, circular.fashion in Berlin.
Die Technologie: Ein digitales Ökosystem für Kreislaufwirtschaft
Das Geschäftsmodell ist klar B2B-orientiert: Modemarken zahlen für den Zugang zur Software, für Workshops und Zertifizierungen. Das Start-up ist dabei keine klassische Beratung, sondern eine Innovationsagentur und Software-Plattform, die drei zentrale Herausforderungen der Textilindustrie adressiert:
1. Circular Design Software (CDS)
Designer und Marken können über die Plattform recyclingfähige Produkte gestalten. Eine Materialdatenbank enthält hunderte sorgfältig geprüfter Stoffe und Zutaten, die für Faser-zu-Faser-Recycling geeignet sind. Der Produktkonfigurator gibt Designern in Echtzeit Feedback, wie recyclingfähig ein Kleidungsstück ist.
2. Die circularity.ID – der digitale Produktpass
Jedes Kleidungsstück, das über die Plattform gestaltet wurde, erhält einen scanbaren QR-Code. Dieser digitale Pass speichert die vollständige Material- und Produktinformation: Welche Fasern wurden verwendet? Wie ist das Produkt konstruiert?
- Für Konsumenten bedeutet das: Transparenz über die Herkunft und den ökologischen Fußabdruck eines Produkts. Ein Smartphone-Scan zeigt, wo das Kleidungsstück zurückgegeben werden kann und wie es recycelt wird.
- Für Altkleidersortierer bedeutet das: Sie können Textilien eindeutig identifizieren und an die richtigen Recyclingunternehmen weiterleiten. Bisher scheiterte hochwertiges Recycling oft daran, dass Sortierer nicht wussten, aus welchen Materialien ein Kleidungsstück besteht – Etiketten fehlen, sind ausgewaschen oder unvollständig.
3. Reverse Supply Chain Intelligence
Die Plattform vernetzt die Rückführungskanäle. Läden für nachhaltige Mode, Marken und Recyclingunternehmen werden Teil eines Systems, in dem ausgemusterte Kleidung nicht im Müll, sondern in neuen Fasern landet. Circular.fashion testet portofreie Rücksendeaufkleber, die online abgerufen werden können.
Global Change Award und Partnerschaften
2019 gewann Budde mit ihrer Firma den Global Change Award der H&M Foundation, eine Auszeichnung für nachhaltige Innovation in der Modeindustrie. Das Preisgeld von 200.000 Euro ermöglichte es dem Team, Branchenexperten einzustellen und die Technologie weiterzuentwickeln.
In den vergangenen Jahren hat circular.fashion Unternehmen weltweit begleitet und international Professionals geschult. Zu den Kunden zählen die Otto Group, Zalando, H&M, C&A oder Intersport.
Zalando etwa nutzt die Plattform, um als Katalysator für seine Retail-Partner zu fungieren – als Botschafter und Wissensvermittler für zirkuläre Mode.
Pilotprojekte laufen mit Modelabels wie Myrka Studios aus Berlin und Jan’n June aus Hamburg. Deren Kleidungsstücke tragen bereits die circularity.ID und sind auf dem Markt erhältlich.
Aktuelle Projekte und regulatorischer Rückenwind
2026 ist für circular.fashion ein entscheidendes Jahr. Die EU hat neue Regeln gegen die Vernichtung unverkaufter Kleidung und Schuhe beschlossen. Ab dem 19. Juli 2026 müssen große Unternehmen entsprechende Vorgaben erfüllen. Das passt direkt zur Lösung des Start-ups: Rückverfolgbarkeit, Produktdesign und Kreislaufmodelle.
Aktuell arbeitet das Start-up gemeinsam mit Fashion for Good an dem Projekt „Closing the Footwear Loop“ – einer Roadmap für zirkuläres Schuhdesign. Kriterien wie sichere Materialien, Recyclability, Haltbarkeit und Reparierbarkeit stehen im Fokus.
Zudem skaliert circular.fashion die circularity.ID und rollt ID-basierte Sortierstationen in Recyclinganlagen aus. Ziel sei es, einen globalen Standard für digitale Produktpässe für Textilien zu etablieren.
Circular.fashion: Finanzierung und Wettbewerb
Die bisherige Finanzierung kam unter anderem aus dem Global Change Award 2019, dem Berliner Startup-Stipendium der Freien Universität Berlin und weiteren Förderungen. Weitere Auszeichnungen wie der Next Economy Award 2015, der Bundespreis Ecodesign 2016 und der Lavera Green Fashion Award 2015 haben dem Unternehmen Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit verschafft.
Im Bereich digitaler Produktpässe und Recycling-Infrastruktur gibt es inzwischen mehrere Player. Reverse Resources, ebenfalls ein Global Change Award-Gewinner, kartiert und handelt mit Textilabfällen.
CircularFabrics entwickelt Technologien für das Recycling von Nylon aus gemischten Textilabfällen. Refiberd nutzt KI, um die Faserzusammensetzung in Kleidungsstücken zu identifizieren.
Circular.fashion hat jedoch einen Vorsprung durch seine ganzheitliche Plattform: Während viele Wettbewerber sich auf ein Glied der Kette konzentrieren, deckt Ina Budde mit ihrem Team Design, Zertifizierung, digitale Produktpässe und Recycling-Vernetzung ab.
Wenn es dem Berliner Start-up gelingt, seinen Standard als Branchenstandard zu etablieren, könnte circular.fashion tatsächlich das fehlende Bindeglied werden, das die Modeindustrie von linear zu zirkulär transformiert.
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Propan-Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser: Fraunhofer entwickelt 3 Geräte
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Fast drei Viertel aller Wohnungen in Deutschland werden noch mit Gas oder Öl beheizt. Wärmepumpen kommen bislang vor allem in Einfamilienhäusern zum Einsatz. Das Fraunhofer ISE hat jetzt Lösungen für ein bislang schwieriges Feld entwickelt: Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser.
Beim Heizen ist Deutschland nach wie vor stark von fossilen Energieträgern abhängig. Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (Stand Juni 2026) zufolge werden 56,1 Prozent der rund 43,8 Millionen Wohnungen mit Gas beheizt, weitere 17,2 Prozent mit Heizöl. Fernwärme kommt auf 15,5 Prozent. Elektro-Wärmepumpen sowie Solar- und Geothermie zusammen erreichen dagegen nur 4,5 Prozent.
In Neubauten hat sich der Einbau von Wärmepumpen mittlerweile zum Standard entwickelt. In bestehenden Mehrfamilienhäusern sieht das allerdings anders aus. Dort bleiben sie weiterhin eine Randerscheinung. Das möchte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) ändern.
Mehrfamilienhäuser als Wärmepumpen-Sonderfall
Eine Standardlösung wie im Einfamilienhaus gibt es bisher nicht. Der Grund liegt in der Komplexität des Gebäudetyps. Die Heizlasten der vom Fraunhofer ISE untersuchten Beispielgebäude lagen zwischen 23 und 93 Kilowatt.
Manche Häuser versorgen jede Wohnung einzeln über Gasetagenheizungen, andere über eine Zentralheizung. Auch die Wärmequelle ist nicht frei wählbar: Bei dichter Bebauung fehlt oft der Platz für eine Luftwärmepumpe.
Hinzu kommen Anforderungen an die Warmwasserbereitung, den Schallschutz und die Sicherheit. Jedes Gebäude braucht deshalb eine eigene Systemplanung, was den Heizungstausch aufwendiger macht als im Einfamilienhaus.
Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Das Projekt LC R290
Genau da setzt das Forschungsprojekt „LC R290“ an. Gemeinsam mit 20 Unternehmen aus der Heizungsbranche und der Wohnungswirtschaft hat das Fraunhofer ISE typische Lösungskonzepte für den Heizungstausch erarbeitet. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Im ersten Schritt analysierte das Team Beispielgebäude aus dem Bestand der beteiligten Wohnungsbaugesellschaften, um daraus die Anforderungen abzuleiten. Anschließend untersuchte es mehrere Modernisierungsvarianten: zentrale Wärmepumpen für die Innen- und Außenaufstellung sowie wohnungsweise Lösungen. Der Fokus lag auf Ansätzen, die möglichst wenig Umbau erfordern und wenig Platz brauchen.
„Aufgrund der verschiedenen Herausforderungen, etwa die Frage nach einer geeigneten Wärmequelle oder dem begrenzten Platzangebot, gibt es nicht die eine technologische Lösung, vielmehr haben wir mehrere Lösungen entwickelt, die zur Anwendung kommen können“, erklärt Projektkoordinator Björn Nienborg. Wichtig sei eine auf das Gebäude abgestimmte Systemplanung von Wärmepumpe, Speicher, Hydraulik, Regelung und Wärmeverteilung.
Forscher nutzen Propan als Kältemittel
Als Kältemittel setzte das Projektteam durchgehend auf Propan, daher auch die Projektbezeichnung „R290“. Das hat einen regulatorischen Hintergrund: Die EU schränkt synthetische Kältemittel mit hoher Klimawirkung schrittweise ein.
Nach der F-Gase-Verordnung dürfen Monoblock-Wärmepumpen bis 12 Kilowatt ab 2032 keine fluorierten Kältemittel mehr enthalten, für Split-Geräte derselben Leistungsklasse läuft die Frist bis 2035. Propan fällt als natürliches Kältemittel nicht unter diese Beschränkungen.
Der Nachteil: Propan ist brennbar. Deshalb spielte die Frage, wie sich die eingesetzte Menge reduzieren lässt, in allen Varianten eine zentrale Rolle.
Drei Geräte für unterschiedliche Gebäude
Da es für Mehrfamilienhäuser keine Standardlösung gibt, entwickelte das Forschungsteam während des Projekts mehrere Demonstratoren.
- Option 1: Für den Austausch zentraler Heizungen im Außenbereich entwickelte das Team ein Gerät, bei dem die Propan-Füllmenge gegenüber vergleichbaren Wärmepumpen um 20 Prozent sank. Gleichzeitig stieg die Effizienz um 15 Prozent.
- Option 2: Für die Innenaufstellung entstand ein kompaktes Baumuster einer Sole-Wasser-Wärmepumpe mit 28 Kilowatt Heizleistung. Auch hier ging es vor allem darum, die Füllmenge zu senken, um die Anforderungen an das Sicherheitskonzept zu begrenzen.
- Option 3: Die dritte Variante richtet sich an Gebäude, in denen einzelne Wohnungen unabhängig voneinander modernisiert werden sollen, etwa bei vorhandenen Gasetagenheizungen. Dieser Demonstrator mit 4,9 Kilowatt Heizleistung nutzt eine hydraulisch erschlossene Wärmequelle wie Geothermie, Grundwasser oder ein Niedertemperatur-Wärmenetz. Er kam mit 150 Gramm Propan aus.
Fraunhofer-Institut führt über 100 Sicherheitstests durch
Weil Propan brennbar ist, prüfte das Team auch, was bei einem Leck im Innenraum passiert. In Ausströmversuchen stellten die Forscher solche Fälle experimentell nach und führten mehr als 100 Tests mit fünf verschiedenen Sicherheitskonzepten durch.
Das Ergebnis bestätigte das in den Normen EN 378 und IEC 60335-2-40 beschriebene Konzept des „belüfteten Gehäuses“ vollumfänglich. Zwei weitere Ansätze, das Schornstein- und das Drainagekonzept, gelten als potenziell günstiger und sollen in weiteren Forschungsarbeiten vertieft werden. Die gewonnenen Messdaten können die beteiligten Hersteller nutzen, um ihre eigenen Sicherheitskonzepte zu verfeinern.
Heizen in Bestandsimmobilien: Projektergebnisse treffen auf neue Rechtslage
Das Kernergebnis des Projekts: Wärmepumpen können alte Gas- und Ölheizungen auch in bestehenden Mehrfamilienhäusern ersetzen, sofern das gesamte System passend zum Gebäude ausgelegt wird.
Allerdings hat sich ausgerechnet jetzt der rechtliche Rahmen verschoben. So trat im Juli 2026 das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) in Kraft, das das bisherige Gebäudeenergiegesetz ersetzt.
Die pauschale Vorgabe, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen, ist damit entfallen. Eigentümer können wieder frei entscheiden, welche Heizung sie einbauen, auch neue Gas- und Ölheizungen bleiben zulässig.
Ganz ohne Klimavorgaben kommen sie trotzdem nicht aus. An die Stelle der 65-Prozent-Regel tritt die sogenannte Bio-Treppe: Neu eingebaute fossile Heizungen müssen ab 2029 mindestens zehn Prozent klimafreundliche Brennstoffe nutzen, ab 2030 sind es 15 Prozent, ab 2035 dann 30 und ab 2040 schließlich 60 Prozent.
Ob diese Brennstoffe in ausreichender Menge und zu vertretbaren Preisen verfügbar sein werden, ist offen. Für Eigentümer verschiebt sich die Rechnung damit von der Anschaffung auf die Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer der Heizung.
Damit die Projektergebnisse dort ankommen, wo sie gebraucht werden, fließen sie nun in das Folgeprojekt „MAMMUT“ ein. Ziel ist es, ein Software-Tool zur Entscheidungsfindung sowie Auslegung von Wärmepumpensystemen im Mehrfamilienhaus mit direkt angebundener Angebotserstellung, insbesondere für SHK-Betriebe, zu entwickeln.
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Klimakiller WM: Wie sich die Emissionen von Mega-Events halbieren lassen
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Großveranstaltungen locken Millionen Fans an, belasten das Klima jedoch massiv – vor allem durch weite Anreisen. Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie sich die Emissionen von Mega-Events künftig deutlich reduzieren lassen könnten. Dabei stehen nicht unbedingt die Veranstaltungsorte, sondern Transportmittel im Vordergrund.
Eine wissenschaftliche Untersuchung von Forschern der University of Cambridge liefert neue Erkenntnisse zur Klimabilanz internationaler Großveranstaltungen. Die im Fachjournal Communications Sustainability veröffentlichte Analyse belegt, dass Austragungsorte nur einen Bruchteil der Umweltbelastung von Mega-Events ausmachen.
Bei der jüngsten FIFA Fußballweltmeisterschaft führte etwa die Erweiterung des Turniers auf 48 Teams zu einem Anstieg von über einer halben Million Tonnen und einem Gesamtausstoß von rund 4,23 Millionen Tonnen CO₂. Das entspricht den jährlichen Treibhausgasemissionen von ganz Island.
Die größte Wirkung für den Umweltschutz liegt in der Anreise des Publikums. Ganze 82 Prozent der Gesamtemissionen der Fußball-Weltmeisterschaft fielen etwa auf Anreise der Fans zurück, wobei allein Flugreisen mit rund drei Millionen Tonnen zu Buche schlagen.
Die verursachten Klimaschäden der Weltmeisterschaft beziffern die Wissenschaftler auf etwa 787 Millionen US-Dollar. Würde jeder einzelne Fan dafür bezahlen, dann würde sich eine Eintrittskarte pro Spiel um durchschnittlich 114 US-Dollar verteuern. Alternativ könnte eine globale Rundfunkgebühr von 4,50 US-Dollar pro Fernsehzuschauer die Gesamtkosten der Umweltschäden vollständig ausgleichen.
Verhaltensänderungen können Emissionen von Mega-Events reduzieren
Dass Veränderungen beim Reiseverhalten möglich sind, demonstrierte die Band Coldplay mit ihrer Europatournee im Jahr 2024. Bei 32 Konzerten in zehn Städten mit 1,9 Millionen verkauften Tickets reduzierten die Fans ihre reisebedingten Emissionen durch freiwillige Verhaltensänderungen um 48 Prozent.
Fast der gesamte Einspareffekt der Tournee (etwa 98 Prozent) ging auf diese Änderungen zurück. Insgesamt sanken die Gesamtemissionen im Vergleich zu einer gewöhnlichen Tournee um fast die Hälfte (46 Prozent). Eine Weitergabe der Umweltkosten hätte dort den Ticketpreis lediglich um elf US-Dollar erhöht. Professor Shaun Larcom von der University of Cambridge dazu:
Wirksame Klimastrategien für Großveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft gehen weit über die Reduzierung der betrieblichen Emissionen an den Veranstaltungsorten hinaus, da diese nur einen Bruchteil des gesamten CO₂-Fußabdrucks ausmachen. (…) Wir erleben mittlerweile regelmäßig Rekordtemperaturen als Folge des Klimawandels, was die Frage aufwirft, ob und wie solche Großveranstaltungen in Zukunft überhaupt noch durchgeführt werden können. Wenn äußerst beliebte Blockbuster-Veranstaltungen keine Verantwortung für ihre Emissionen übernehmen können, gibt es wenig Hoffnung für andere Bereiche.
Die Analyse schlägt einen zweistufigen Ökonomie-Bauplan vor. Erstens müsse der gesellschaftliche Nutzen die finanziellen Umweltkosten übersteigen, da andernfalls die Verkleinerung oder Absage eines Events droht. Zweitens sollen Veranstalter die Verantwortung für die Stadien tragen, während indirekte Transportemissionen gemeinsam getragen werden müssen.
Konkrete Lösungsansätze für die Zukunft
Um die Treibhausgase effektiv zu reduzieren, seien gezielte Anreize notwendig. So könnten Fans, die mit der Bahn oder in Fahrgemeinschaften anreisen, vergünstigte Eintrittskarten oder Fanartikel erhalten. Spezielle Apps könnten gleichzeitig CO₂-arme Anreiseoptionen transparent für die Besucherinnen und Besucher vergleichen.
Zudem spielt die Standortplanung eine entscheidende Rolle. Wenn zum Beispiel rund 40 Prozent der internationalen Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 aus Europa stammen, minimieren regionale Veranstaltungsorte unnötige Langstreckenflüge von Beginn an.
Auch bei der Preisgestaltung empfiehlt das Forscherteam soziale Verhältnismäßigkeit. CO₂-Aufschläge sollten primär in teurere Ticketkategorien eingepreist werden, um Käufer günstigerer Karten nicht übermäßig zu belasten.
Einnahmen aus solchen Abgaben ließen sich dann zweckgebunden in die Forschung für eine saubere Luftfahrt oder Technologien zur CO₂-Entnahme investieren. Ohne solche Gegenmaßnahmen könnten steigende Rekordtemperaturen die Durchführbarkeit von Großereignissen künftig massiv einschränken.
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Klimaschutz egal: Bund streicht Umweltauflagen für Rechenzentren
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Deutschland soll eine KI-Nation werden. Dafür will die Bundesregierung die Umweltauflagen für Rechenzentren deutlich lockern. Ein neuer Gesetzesentwurf verschiebt die Ökostrom-Pflicht, verlängert Übergangsfristen und streicht die Pflicht zur Nutzung von Abwärme. Das ist nicht nur ein Kniefall vor Big Tech, sondern auch Ressourcenverschwendung und eine zusätzliche Klimabelastung. Eine kommentierende Analyse.
Bund will Umweltauflagen für Rechenzentren lockern
- Die Bundesregierung will Deutschland zu einer KI-Nation machen. Um das zu erreichen, sollen vor allem weitere Rechenzentren gebaut werden. Der Plan: eine Vervierfachung der KI-Rechenkapazitäten bis 2030. Damit das gelingt, will die Regierung kurzerhand das Energieeffizienzgesetz ändern. Ein vom Bundeskabinett beschlossener Gesetzesentwurf sieht eine Lockerung der Umweltauflagen für Rechenzentren vor.
- Laut Entwurf sollen Rechenzentren drei Jahre mehr Zeit haben, um ihren Stromverbrauch in der Bilanz auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen. Will heißen: Die Bundesregierung will die bisherige Frist vom 1. Januar 2027 bis zum 1. Januar 2030 verlängern. Für bereits gebaute Rechenzentren soll die aktuelle Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben (PUE) von zwei auf vier Jahre verlängert werden.
- Betreiber von Rechenzentren sollen den Plänen zufolge künftig nicht mehr verpflichtet werden, Abwärme zu nutzen, falls vor Ort kein passendes Wärmenetz vorhanden ist. Vor allem in vielen ländlichen Regionen, in denen bereits Rechenzentren gebaut werden, gibt es keine entsprechenden Netze zur Nutzung der Abwärme. Sprich: Die entstehende Wärme durch Server soll dort einfach entweichen und die Umgebungsluft erwärmen.
Ein Geschenk an Big Tech?
Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht nicht nur eine kleine Anpassung vor. Er markiert einen politischen Kurswechsel und ist ein nett verpacktes Geschenk an Big Tech. Denn Klimaschutz und Digitalisierung sollen nicht mehr Hand in Hand gehen. Stattdessen sollen auf Teufel komm raus so schnell wie möglich Rechenzentren gebaut werden.
Klar: Umweltauflagen bremsen den Ausbau natürlich etwas. Aber sie stehen ihm nicht zwangsläufig im Weg. Statt nach Lösungen zu suchen, die Klimaschutz und mehr Tempo garantieren, will die Bundesregierung also kurzsichtig wichtige und sinnvolle Regeln lockern.
Oder kurzum: Die Politik will Deutschland zu Lasten des ohnehin schon belasteten Klimas ohne Sinn und Verstand zur KI-Nation peitschen. Besonders pikant ist dabei das Thema Abwärme. Denn wer Millionen Kilowattstunden Wärme einfach in die Luft blasen will, verschwendet schlichtweg Ressourcen und nimmt gleichzeitig einen höheren Verbrauch anderer Ressourcen durch weitere Rechenzentren unter gelockerten Auflagen in Kauf.
Ein weiterer Knackpunkt: Rechenzentren müssen ihren Strom lediglich bilanziell mit erneuerbaren Energien decken. Auf dem Papier kann also alles grün aussehen, wenn Betreiber etwa Ökostrom-Zertifikate einkaufen. Sie müssen aber nicht nachweisen, dass der vor Ort genutzte Strom auch tatsächlich aus Erneuerbaren stammt.
Das Problem: Der neue Entwurf schließt diese Lücke nicht. Er macht sie sogar größer. Das Motto der Bundesregierung: mehr Rechenzentren für was auch immer – egal zu welchem Preis und unter Inkaufnahme von Ressourcenverschwendung und zusätzlichen Belastungen für die Umwelt. Und jetzt erklär mir unter diesen Bedingungen nochmal einer den gesellschaftlichen Nutzen.
Stimmen
- Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum neuen Energieeffizienzgesetz: „Energieeffizienz senkt Kosten, stärkt die Versorgungssicherheit und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Deshalb setzen wir auf zielgerichtete statt auf pauschale Vorgaben und konzentrieren verbindliche Anforderungen auf besonders energieintensive Betriebe. (…) Mit praxisnahen Regeln für Rechenzentren schaffen wir die Voraussetzungen für digitale Souveränität und wirtschaftliches Wachstum. Unter anderem wird für neue Rechenzentren die Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben von zwei auf vier Jahre verlängert.“
- Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, in einem Statement: „Rechenzentren sind die Grundlage für KI, Cloud und Digitalisierung. Ohne sie verliert Deutschland im internationalen Wettbewerb den Anschluss. Deshalb ist es richtig, dass die heute verabschiedete Novelle des Energieeffizienzgesetzes praxisferne Vorgaben der vergangenen Jahre zumindest teilweise korrigiert und sich stärker an europäischen Regeln orientiert. Gleichwohl hätten wir uns deutlich mehr Ambition gewünscht. Die Vorgaben zur Energieeffizienz von Rechenzentren wurden im Zuge der Ressortabstimmungen verschlimmbessert und sind nun nicht mehr praxistauglich.“
- Kilian Vieth-Ditlmann, Head of Policy bei der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation AlgorithmWatch, kritisiert: „Der Kabinettsbeschluss zur EnEfG-Reform ist ein Kniefall vor Big Tech – und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn der prognostizierte Zubau von immer größeren Rechenzentren ist gigantisch. Genau jetzt die grundlegenden Regeln für Effizienz und Transparenz auszuhöhlen, ist nicht nur widersinnig, sondern auch politisch kurzsichtig und verantwortungslos. Denn wir zementieren Abhängigkeiten, anstatt sie endlich zu überwinden. Wird Reiches Anti-Effizienzgesetz so beschlossen, könnten Google, Microsoft und Co. zukünftig ihre Rechenzentren mit fossilen Energien betreiben, müssten ihren Kund*innen keine Energieverbrauchsdaten mehr mitteilen und dürften elementare Umweltdaten als Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss halten. Das schadet sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft.“
Mehr Rechenzentren – aber wofür eigentlich?
Die geplanten Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes senden ein fatales Signal. Denn ausgerechnet in einer Zeit, in der Hitzewellen immer häufiger werden und viele Regionen sich nach jedem Grad weniger sehnen, will die Bundesregierung es in Kauf nehmen, dass zusätzliche Wärme aus Rechenzentren die Umgebungsluft erhöht.
On top kommt, dass mit jedem neuen KI-Rechenzentrum der Strom- und Wasserbedarf steigt. Da der Verbrauch in den kommenden Jahren allein schon durch den Ausbau massiv steigen wird, wären eigentlich strengere Umweltauflagen die naheliegende Antwort gewesen – nicht schwächere!
Zudem rückt eine Grundsatzfrage in den Hintergrund. Wofür sollen Rechenzentren eigentlich gebaut werden? Klar: Eine digitale Gesellschaft braucht eine leistungsfähige Infrastruktur. Für die Forschung, die Medizin, Wettermodelle, die Industrie und für kritische IT-Systeme wie Cloud-Speicher, um etwa Energie, Verkehr und Verwaltung zu gewährleisten.
Doch der aktuelle Boom wird vor allem von Sprachmodellen angetrieben. Will heißen: Obwohl der gesellschaftliche Mehrwert von Chatbots im Privatbereich äußerst umstritten ist, will die Bundesregierung enorme Energiemengen bereitstellen. Doch Strom bei gelockerten Umweltauflagen vermehrt in KI zu speisen, während der Ressourcenverbrauch enorm ist und jener Strom gleichzeitig an anderer Stelle zur Dekarbonisierung fehlt, ist ein zumindest fragwürdiger Tausch.
Vielleicht liegt aber auch genau darin das Problem. Denn die Debatte kreist fast ausschließlich um die Frage, wie Deutschland beim KI-Wettlauf mithalten kann. Doch kaum jemand scheint sich zu fragen, was überhaupt sinnvoll ist. Ja: Rechenzentren sind notwendig. Ohne sie funktioniert keine moderne Volkswirtschaft. Aber zwischen digitaler Souveränität und der automatisierten Produktion von KI-Inhalten für jede noch so belanglose Alltagsanwendung liegen Welten.
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