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Ja, nein, vielleicht. Ist künstliche Intelligenz ein Jobkiller oder bringt KI neue Berufsfelder? Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gibt Entwarnung. Gleichzeitig beleuchtet sie einen Negativtrend: den Berufseinstieg. Das ist auch bei Großunternehmen wie Siemens und Anthropic bereits ein Thema. Eine kommentierende Analyse.
Fakt ist: KI könnte den Berufseinstieg erschweren, ist nach den vorliegenden Daten aber nicht der Hauptgrund für etwaige schlechtere Chancen junger Beschäftigter. Das IAB verweist aber auch auf die gemischte empirische Evidenz und nennt hier eine prominente US-Studie, nach der „die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen um 19 Prozent stärker zurückgegangen ist als in den weniger KI-exponierten“.
Allerdings sollten die Ergebnisse als Warnsignal fungieren und die Entwicklungen aufmerksam beobachtet werden. Denn generative KI und ihre Auswirkungen verändern sich rasant. Handelt es sich hier um eine Tendenz, könnten entsprechende Untersuchungen schon in kurzer Zeit wesentlich klarere Zahlen hervorbringen. Deshalb warnt Siemens-Personalvorständin Judith Wiese davor, jungen Menschen wichtige Lern- und Erfahrungskurven zu nehmen (via SZ).
Auf dem Arbeitspapier ist die Rechnung simpel: Je mehr Routineaufgaben und einfache Tätigkeiten die KI übernimmt, desto obsoleter erscheinen Einstiegsjobs. Wendet sich da ein zuletzt etabliertes Blatt? Während gerade die Suche nach Talenten essenziell war, könnte diese Recruiting-Strategie zukünftig vermehrt übersprungen werden – und direkt mit dem Fachkräftemangel kollidieren.
Siemens ist indes ein gutes Stichwort. Denn der Konzern baut die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Nvidia drastisch aus, um KI in der Industrie skalierbar zu machen und Fabrikabläufe weiter zu automatisieren. Im Fall von Siemens gibt es dahingehend klare Zielvorgaben: Der Automatisierungsgrad soll auf bis zu 80 Prozent steigen, wie Vorstandsmitglied Cedrik Neike betont.
Der Einfluss von künstlicher Intelligenz ist umfassend und besonders in der Arbeitswelt ein großes Forschungsthema. Dass KI vorhandene Jobs nach und nach tilgt, entspricht jedoch nicht der gegenwärtigen Realität und Entwicklung. Doch KI verschiebt – und zwar maßgeblich. Derzeit sind die Berufseinsteiger im Fokus. Und den Trend hin zu einem teils schwierigeren Karrierestart untermauern inzwischen mehrere Untersuchungen.
Einer Umfrage des Kienbaum Instituts für die Wirtschaftswoche (€) zufolge würden 35 Prozent von mehr als 1.000 Personalverantwortlichen planen, bis 2030 weniger Berufseinsteiger einzustellen – wegen KI. Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2025 stützt die These, dass KI insbesondere typische Junioraufgaben übernimmt. Untersucht wurden US-amerikanische Lebenslaufdaten, die 65 Millionen Beschäftigte in mehr als 280.000 Unternehmen umfassen.
Bemerkenswert sind auch von Anthropic selbst veröffentlichte Informationen zu den Verhältnissen innerhalb des Unternehmens. Demnach hätte Anthropic einen geringeren Anteil an technischen Einstiegspositionen besetzt, weil die von KI-Agents geleisteten Arbeitsstunden im Verhältnis zu denen der Mitarbeiter schnell zunahmen. Allein im August 2026 hätte die Arbeitszeit der KI-Agents die der Mitarbeiter im Verhältnis sechs zu eins überstiegen. Als Anbieter von Claude hat Anthropic natürlich einen geschäftlichen Nutzen aus solchen Zahlen.
Hinzu kommen unternehmensinterne Umstrukturierungen. So will beispielsweise Toyota seine Werke mit 400.000 Robotern automatisieren. Oft ist dann die Rede davon, dass Mensch und Maschine effizient Seite an Seite arbeiten. Oder dass sich menschliche Mitarbeiter dadurch auf wertschöpfendere Aufgaben konzentrieren können. Die Kehrseite der Medaille glänzt aber genauso: Wenn sich Personalkosten einsparen lassen, ohne die Produktivität zu hemmen, wird genau das passieren.
Wie immer geht es also um den Umgang mit Neuerungen – der von Organisation zu Organisation unterschiedlich sein wird. In manchen Fällen werden KI-Agenten einzelne Menschen ersetzen, in anderen einen Beschäftigungswandel vollziehen. Und vielleicht erkennen manche Unternehmen auch einen ganz anderen Mehrwert: die Entlastung ihrer Teams, ohne Menschen zu entlassen oder den Einstieg zu erschweren – zum Beispiel durch eine Viertagewoche bei vollem Gehalt.
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