„Ich glaube nicht, dass Instagram süchtig macht": Mosseri verteidigt Feed-Algorithmus


Der Technologiekonzern Meta hat seinen neuen KI-Assistenten namens Muse vorgestellt. Zeitgleich musste die gleichnamige britische Rockband ihre etablierten Profilnamen auf Plattformen wie Instagram ändern. Das sorgt bei den Fans für Unmut. (Weiter lesen)
Meta hat auf Facebook und Instagram Hunderte Werbeanzeigen mit KI-generierten Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch teilweise tagelang nicht entfernt. Das geht aus einer Untersuchung des Tech Transparency Project (TTP) hervor. (Weiter lesen) Der Beitrag Nachtsperre, Limits, keine Likes: Reicht das, um Kinder vor Meta zu schützen? erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Facebook-Konzern Meta kauft sich mit 16,68 Milliarden US-Dollar aus einem der brisantesten Tech-Prozesse aller Zeiten heraus – und kommt damit vergleichsweise glimpflich davon. 29 US-Bundesstaaten werfen dem Konzern vor, Minderjährige mit Funktionen wie endlosem Scrollen bewusst abhängig gemacht zu haben. Neben der Milliardenzahlung verpflichtet sich Meta aber auch, seine Plattformen zu ändern. Diese Änderungen könnten deutlich mehr wert sein. Doch um Teenager zu schützen, will ausgerechnet Meta noch mehr Daten sammeln. Eine kommentierende Analyse.
Dass bereits rund eine Woche nach Prozessauftakt ein Vergleich erzielt wurde, erscheint überraschend schnell. Möglich, dass bereits im Vorfeld entsprechende Fäden gezogen und Verhandlungen geführt wurden. Relativ klar hingegen war, dass Meta einen Vergleich angestrebt haben wird, um einen wochen-, monate- oder gar jahrelangen Streit zu vermeiden.
Gewissermaßen hat sich der Facebook-Konzern aus der Sache herausgekauft. Auch die Summe ist durchaus realistisch und als Zahl an sich gewaltig. Rund 17 Milliarden US-Dollar erscheinen angesichts der Marktkapitalisierung von Meta mit fast 1,5 Billionen US-Dollar im ersten Moment zwar gering. Doch für das Unternehmen sind das keinesfalls Peanuts; sie sind aber auch nicht existenzbedrohend. Indes: Meta hat nicht 1,5 Billionen US-Dollar auf dem Konto.
Die Marktkapitalisierung basiert auf dem Aktienkurs, der Umsätze, Gewinne, Cashflows und Aktionäre mit einschließt. Indes: Die Änderungen, zu denen sich Meta verpflichtet hat, könnten, was den Schutz Minderjähriger angeht, eine größere Rolle einnehmen als das Preisschild.
Denn erstmals werden zentrale Mechanismen, die Jugendliche besonders lange auf den Plattformen halten sollen, direkt zum Gegenstand verbindlicher Änderungen. Spannend wird dabei vor allem der Umgang mit dem Alter sein. Denn Meta setzt etwa nicht einfach auf eine Anmeldung mit Personalausweis oder über die Eltern, sondern auf sogenanntes Age Assurance.
Mithilfe von KI und verschiedenen Signalen will der Konzern einschätzen, ob ein Konto einem Teenager gehört – beispielsweise anhand von Profilinformationen, Beiträgen, Kommentaren oder Hinweisen auf Alter und Schulstufe. Auch Fotos und Videos sollen analysiert werden. Ist die Einschätzung nicht eindeutig, würden zusätzliche Prüfungen wie eine Gesichtsaltersschätzung oder die Prüfung eines Ausweisdokumentes folgen. Neues Problem dabei: Auch KI-Algorithmen irren sich regelmäßig.
Will heißen: Der eine oder andere junge Erwachsene könnte aufgrund einer fälschlichen Auswertung von Daten im Kinderzimmer verortet werden. Oder: Der Schutz Minderjähriger könnte ausgerechnet dazu führen, dass Meta noch mehr Informationen über seine Nutzer sammelt und auswertet. Doch wenn Teenager noch gläserner werden, wäre das ein ziemlich ironischer Nebeneffekt. Der Vergleich beendet den Konflikt also vermutlich nicht, sondern eröffnet einen neuen – zwischen Jugendschutz, Datenschutz und digitaler Selbstbestimmung.
Was mit den Meta-Milliarden passiert, liegt an den einzelnen US-Bundesstaaten. Hoffentlich verschwindet das Geld nicht einfach in irgendwelchen Haushaltslöchern, sondern fließt zumindest teilweise in die Gesundheitsvorsorge, Prävention und Unterstützung betroffener Familien.
Das Geld wird zwar die Bundeshaushalte und Meta-Bilanz verändern. Es kann aber niemals vergeudete Bildschirmzeit zurückgeben. Entscheidend wird deshalb sein, ob aus dem Vergleich tatsächlich ein langfristiger Schutz entsteht. Erfolg oder Misserfolg werden sich vor allem daran messen lassen, wie konsequent Meta die neuen Funktionen umsetzt und ob sie in der Praxis überhaupt funktionieren.
Denn: Zeitlimits lassen sich umgehen; Nachtsperren lassen sich austricksen. Oder kurzum: Es wird Kinder und Jugendliche geben, die einen Weg um die technischen Schranken finden werden. Zumindest in der Theorie dürften die Vorteile aber zunächst einmal überwiegen – auch gegenüber einem pauschalen Social-Media-Verbot.
Über einen Ausschluss von Kindern unter zwölf Jahren könnte man vielleicht zumindest noch einmal nachdenken. Doch nicht nur die Plattformen, sondern auch Erziehungsberechtigte und Bildungseinrichtungen sind in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Ein Teil des Geldes wäre sicherlich in entsprechenden Aufklärungsmaßnahmen gut aufgehoben.
Für Europa könnte der US-Vergleich indes zu einer Art Testballon werden. Denn was in den USA funktioniert – oder eben nicht funktioniert –, könnte die Debatte über Alterskontrollen, Nutzungsgrenzen und den Schutz Minderjähriger auch hier beeinflussen. Dabei darf allerdings nicht unter den Tisch fallen, dass strengere Zugangshürden auch die demokratische Teilhabe einschränken können.
Denn vor allem Jugendliche, die weniger Zugang zu digitalen Plattformen haben, haben theoretisch auch weniger Zugang zu Informationen, Gemeinschaften und öffentlichen Debatten. Dennoch können gewisse Einschränkungen aus Gründen des Gesundheitsschutzes gerechtfertigt sein – zumindest solange sie verhältnismäßig sind. In der Theorie scheint das auf die Änderungen in den USA durchaus zuzutreffen. In der Praxis müssen sie sich aber zunächst einmal beweisen.
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Der Beitrag Historischer Gerichtsprozess: Ist Mark Zuckerberg der größte Drogendealer aller Zeiten? erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Meta steht in den USA mal wieder vor Gericht. Der Vorwurf wiegt schwer. Der Konzern soll Kinder und Jugendliche mit Instagram und Facebook gezielt süchtig gemacht haben. Und ehrlich gesagt spricht vieles dafür. Wer Endlos-Feeds, Like-Zähler und Benachrichtigungsfluten für Minderjährige designt und intern längst um die Folgen weiß, kann sich kaum hinter Unwissenheit verstecken. Der Prozess könnte Social Media grundlegend verändern – und das wäre eigentlich auch dringend nötig. Eine kommentierende Analyse.
Die Kläger wenden sich vor allem gegen die Art und Weise, wie Meta seine Plattformen Instagram und Facebook technisch konzipiert hat. Es geht also nicht um konkrete Inhalte, die auf den Plattformen kursieren, zumal das US-Recht den Plattformen hierbei bislang weitgehende Immunität gewährt.
Doch genau das macht den Fall eigentlich noch pikanter. Denn es stehen nicht einzelne Posts vor Gericht, sondern das gesamte digitale Produkt dahinter. Sprich: Die Sucht liegt nicht im Content, sondern vor allem im Design und den Funktionsweisen der Plattformen selbst.
Dass sogenannte soziale Medien für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen können, ist derweil längst durch schier unzählige Studien (1, 2, 3) belegt. Entscheidend ist aber vielmehr, ob Meta sich dessen bewusst war, seine Plattformen aber wissentlich der Gefahren dennoch suchterzeugend gestaltet hat. Oder: Ist Mark Zuckerberg womöglich der größte Drogendealer aller Zeiten?
Indes: Die horrenden Forderungen der Klägerseite, mal liest man von 200 Milliarden US-Dollar, mal von gar 1,4 Billionen US-Dollar, erscheinen mitunter etwas wahnwitzig. In den USA haben solche enormen Summen aber vor allem taktische Gründe, um eine geringere, aber dennoch happige Vergleichszahlung rauszuschlagen.
Doch selbst wenn nicht die ganz fette Rechnung kommt: Meta könnte zu Änderungen bestimmter Funktionen verpflichtet werden, um Minderjährige besser zu schützen. Für den Facebook-Konzern würden dadurch hintenrum Einnahmen wegbrechen, etwa aus dem Werbegeschäft.
Der Vergleich mit der Tabakindustrie offenbart derweil auffällige Parallelen. Eins zu eins vergleichbar sind die Prozesse aber natürlich nicht. Das hat einige Lobbyisten dennoch nicht davon abgeschreckt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, um Stimmung gegen den Prozess zu machen. Die Milliardenstrafen gegen die Tabakindustrie seien etwa nicht ausschließlich in der Gesundheitsvorsorge gelandet. Andere Zeit. Anderer Kontext. Der Vergleich hinkt gewaltig.
Am 18. August 2026 gestartet, soll der Mammutprozess gegen Meta Schätzungen zufolge rund sieben Wochen laufen. Der Ausgang: völlig offen. Für Meta steht dennoch einiges auf dem Spiel. Letztlich wird es aber vermutlich weniger um den großen Showdown Gut gegen Böse gehen, sondern vielmehr um die Frage, ob und an welcher Stelle das Unternehmen konkret versagt, ja gar manipuliert und rücksichtslos Risiken in Kauf genommen hat.
Zu einer oftmals kolportierten Strafe in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar wird es aber aller Voraussicht nach nicht kommen. Eine solche Summe würde den Prozess sogar zu einer Farce machen, da sie so dicht am Börsenwert des Unternehmens ist, dass sie politisch und juristisch kaum Stand halten würde.
Und dennoch: Vieles spricht dafür, dass Meta sich schuldig gemacht hat. Wahrscheinlich ist eine Vergleichszahlung im zweistelligen Milliardenbereich. Auch eine Anpassung bestimmter Funktionen liegt im Bereich des Möglichen. Ein Urteil könnte zudem einen Präzedenzfall für die Klagen der anderen 25 US-Bundesstaaten schaffen. Im Positiven wie im Negativen; je nach Ausgang eben.
Indes: Für Meta dürfte eine Vergleichszahlung fast schon das angestrebte Ziel sein. Gewissermaßen, um sich aus der Sache herauszukaufen. Sollte es so kommen, wäre es natürlich wichtig, dass das Geld dann bei Betroffenen und in der Gesundheitsvorsorge landet.
Sollte das Gericht derweil feststellen, dass bestimmte Mechanismen von Instagram und Facebook gezielt auf die Bindung und das Suchtverhalten junger Nutzer ausgelegt wurden, dürfte Meta diese Praxis kaum einfach fortsetzen können. Ein solcher Richterspruch würde nicht nur das Geschäftsmodell des Unternehmens gehörig ins Wanken bringen, sondern durch Anpassung von Funktionen Kinder und Jugendliche hoffentlich ein Stück weit besser schützen.
Nur mit dem Finger auf Meta zu zeigen, wäre aber zu einfach. Denn letztlich stehen auch stets Bildungseinrichtungen und Erziehungsberechtigte in der Pflicht, aufzuklären und Heranwachsenden eine bestmögliche Schutzumgebung vor den ohnehin schon ekelhaften Praktiken der Social-Media-Konzerne zu ermöglichen.
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Soziale Medien sollten die Klimadebatte demokratisieren. Eine neue Übersichtsarbeit der Universitäten Zürich und Münster zeigt: Das Gegenteil ist passiert. Klimaskeptiker gewinnen überproportional an Sichtbarkeit, während sich der Diskurs in getrennte Plattformwelten aufspaltet. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines Systems, das Empörung belohnt und Einordnung bestraft. Eine kommentierende Analyse.
Die Hoffnung war groß, als die sozialen Netzwerke vor fast 20 Jahren nach und nach das Licht der Welt erblickten. Sie versprachen mehr Austausch, mehr Demokratie und mehr Zugang zu Wissen – nicht nur rund um den Klimawandel. Niedrige Zugangshürden, ein direkterer Draht zur Wissenschaft und mehr Raum für die Zivilgesellschaft schienen zunächst gute Voraussetzungen für einen offeneren Austausch zu sein.
Mittlerweile scheint der soziale Aspekt sogenannter sozialer Medien aber zunehmend unter die Räder zu geraten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ausgerechnet bei einem so hochsensiblen Thema wie dem Klima scheint das Demokratieversprechen der digitalen Medien aber zu bröckeln.
Will heißen: Schwarz-Weiß-Denken ersetzt Zwischentöne; der Diskurs verroht. Dabei liegt das nicht einmal ausschließlich an der breiten Nutzerbasis. Denn Algorithmen belohnen Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit entsteht nun einmal leichter durch Empörung als durch eine nüchterne Einordnung wissenschaftlicher Zusammenhänge.
Oder: Wo Moderation von Inhalten nicht ausreichend gegeben ist oder bewusst zurückgefahren wird, bekommt der lauteste Beitrag schnell mehr Gewicht als der vernünftigste. Das ist besonders beim Klimawandel fatal. Doch eine komplexe, langfristige Krise passt denkbar schlecht in ein System, das auf kurze Reize und schnelle Reaktionen getrimmt ist.
Klar: Social Media ist ein Sammelbecken aus Hass, Hetze und Falschinformationen. Es wäre aber zu bequem, alle Nutzer über einen Kamm zu scheren, Kompetenzen zu unterschätzen oder allein auf die sozialen Medien zu zeigen. Auch der klassische Journalismus muss sich etwa fragen, warum er sich so oft dem gleichen Takt aus Klicks und Aufregung unterwirft. Oder: Wer ständig nur die nächste Stichflamme sucht, wird dem Klimawandel als Dauerkrise kaum gerecht.
Vielleicht beginnt die Zukunft der Klimakommunikation außerhalb der sozialen Medien. Immer mehr Menschen kehren den Plattformen etwa den Rücken und haben keinen Bock mehr auf Social Media. Denn: Viele empfinden ständige Reize, Streit, Empörung und die nächste Push-Nachricht zunehmend als Belastung. Das ist in erster Linie für die Plattformen ein Problem. Für die Klimakommunikation muss es das aber keineswegs sein.
Social Media bleibt aber dennoch Fluch und Segen zugleich. Einerseits können soziale Netzwerke Klimawissen niedrigschwellig zugänglich machen, Wissenschaftler direkt mit der Öffentlichkeit verbinden und Stimmen zu Wort kommen lassen, die im klassischen Mediensystem kaum Gehör finden. Andererseits kann genau diese Offenheit zu einem Problem werden, wenn sich die Debatte immer stärker in getrennte Meinungskorridore aufteilt.
Würden soziale Netzwerke ihre gesellschaftliche Funktion ernst nehmen, müssten sie sich verändern. Algorithmen dürften nicht länger so funktionieren, dass ausgerechnet Empörung und Polarisierung mit Reichweite belohnt werden. Außerdem bräuchte es eine funktionierende Moderation, ohne dabei jede unbequeme oder unpopuläre Meinung aus dem Diskurs zu verbannen. Die Kunst könnte darin liegen, mehr Streit auszuhalten, ohne mehr Streit zu entfachen.
Denn auch das Aushalten anderer Meinungen gehört zum Diskurs. Auch der Journalismus müsste raus aus dem Reflex, jede Entwicklung zur nächsten großen Aufregung hochzuschreiben und vor allem Klicks hinterherzulaufen. Denn: Artikel und Medien nehmen in den sozialen Medien eine große Rolle ein.
Vor allem beim Klimawandel braucht es aber weniger digitales Feuer, sondern mehr Ausdauer. Es braucht mehr Erklärungen, Zusammenhänge und Einordnungen. Denn wenn am Ende alle immer nur lauter werden, aber niemand mehr zuhört, ist auch die beste Klimabotschaft oder -kritik für die Tonne.
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