Trump treibt ungewollt Erneuerbare und die Energiewende voran
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Normalerweise lässt US-Präsident Donald Trump nichts unversucht, den weltweiten Verbrauch von Erdöl und Erdgas zu pushen, um Exporte aus den USA anzukurbeln. Doch mit seinem Krieg gegen den Iran treibt er auch ungewollt die Energiewende voran, hin zu Erneuerbaren und Elektroautos. Denn: In vielen Ländern findet ein Umdenken statt. Die Herausforderungen sind aber enorm. Eine kommentierende Analyse.
Warum Donald Trump ungewollt die Energiewende fördert
- Der Iran-Krieg hat die Öl- und Gaspreise weltweit in die Höhe klettern lassen. Der Grund: Mehrere Öl- und Gastanker stecken aufgrund einer Blockade sowie Drohungen des Iran in der Straße von Hormus fest oder meiden diese. Durch die Meerenge zwischen den Küsten des Irans und des Omans verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Öl- und Gashäfen Kuwaits, Katars, Bahrains, des Iraks, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Irans. Hinzu kommt der größte Teil des saudi-arabischen Verkehrs. Über die Straße von Hormus werden 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasversorgung (LNG) abgewickelt.
- Die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Spritpreise haben das Interesse an Elektroautos sprungartig ansteigen lassen. Das bestätigten die Onlineplattformen Carwow und Meinauto.de übereinstimmend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Während E-Autos zulegen, verlieren klassische Antriebe demnach gleichzeitig leicht an Nachfrage. Ein allgemeiner Rückgang des Interesses an Mobilität ist aber nicht zu beobachten. Grund für die Entwicklung: E-Autos schlagen Verbrenner im Alltag kostenmäßig in den allermeisten Fällen.
- US-Präsident Donald Trump lässt nichts unversucht, um die Erdöl- und Erdgasförderung in den USA anzukurbeln und den Gebrauch zu pushen – auch, weil Trump fossile Energien zunehmend ins Ausland verkaufen will. Kurios: Mit seinem Iran-Krieg fördert Trump aber gleichzeitig auch die Energiewende, hin zu Erneuerbaren und Elektroautos. Vor allem viele Länder in Süd- und Südostasien wollen weg von Öl und Gas. Immer mehr Regierungen weltweit setzen zudem massiv auf Solarenergie, Batterien und Elektroautos. Vor allem China profitiert dabei als Lieferant.
Warum fossile Energie ihren Stabilitäts-Mythos verliert
Was als geopolitischer Kraftakt rund um den Iran begann, entfaltet inzwischen Nebenwirkungen, die so in keinem Strategiepapier der Fossil-Lobby stehen. Denn: Energie wird vom Stabilitätsanker zum Risikoindikator. Jahrzehntelang galt Öl aus dem Persischen Golf in vielen asiatischen Staaten etwa als Garant wirtschaftlicher Planbarkeit. Nun reicht eine blockierte Meerenge, um dieses naive und verantwortungslose Vertrauen zu demontieren.
Die Straße von Hormus ist dabei weniger ein geografischer Engpass als ein psychologischer Kippschalter. Wenn dort Tanker stocken, stockt nicht nur der Nachschub, sondern auch das mittelalterliche Versprechen von billiger und verlässlicher fossiler Energie. Vor allem in Ländern wie Pakistan, Bangladesch oder den Philippinen offenbart sich die bisherige Versorgung deshalb als wunder Punkt.
Die Reaktionen auf die aktuellen Entwicklungen sind im asiatischen Raum derweil bemerkenswert pragmatisch und erstaunlich unideologisch. Stromrationierungen, verkürzte Arbeitswochen und geschlossene Universitäten: All das sind keine Klimapläne, sondern Notfallmaßnahmen. Und genau darin liegt die Verschiebung. Denn: Fossile Energie verliert nicht nur moralisch, sondern auch funktional ihre Selbstverständlichkeit.
Hinzu kommt ein politischer Beigeschmack, der sich kaum übersehen lässt. Donald Trump treibt mit seiner Eskalationspolitik ausgerechnet jene Dynamik voran, die er rhetorisch bekämpft: höhere Preise, mehr Unsicherheit und die Erneuerbaren. Ein klassischer Fall von „gewollt ist nicht gekonnt“ – nur eben mit globalen Nebenwirkungen. In dem Fall sogar durchaus positiven.
Und genau hier kippt die vermeintliche Logik endgültig. Die Krise wirkt wie ein unfreiwilliger, aber erfreulicher Beschleuniger der Energiewende. Nicht aus einem Klimabewusstsein, sondern einem nackten Sicherheitsinteresse. Dem Klima hilft es trotzdem. Einziger Wermutstropfen: Viele Kohlekraftwerke wurden aus der Not verlängert – vor allem in Süd- und Südostasien.
Stimmen
- Aditya Lolla, Manager der britischen Denkfabrik Ember, zu einer aktuellen Analyse: „Wir sind nun endgültig in das Zeitalter des sauberen Wachstums eingetreten. Saubere Energie wächst derzeit schnell genug, um den steigenden weltweiten Strombedarf zu decken und die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen vor ihrem unvermeidlichen Rückgang auf einem konstanten Niveau zu halten. Die Dynamik, die wir derzeit beobachten, ist nicht mehr nur ein Ziel, sondern wird zu einer strukturellen Realität.“
- UN-Klimachef Simon Stiell Mitte April 2026 beim Petersberger Klimadialog in Berlin: „Der Iran-Krieg beschleunigt die globale Energiewende erheblich. (…) Die Zusammenarbeit für das Klima ist der Schlüssel, um die doppelte Gefahr der globalen Erwärmung und des Kostenchaos durch fossile Energien abzuwehren. (…) Nie war es wichtiger, schneller ins Handeln zu kommen.“
- Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zur Eröffnung des zweitägigen klimapolitischen Treffens in Berlin: „Die Welt ist in Aufruhr, die Lage ist ernst. (…) Klar ist, dass diese Krise eine Krise der fossilen Energien ist. (…) Fossile Energien liefern nicht die Versorgungssicherheit, die Menschen, Unternehmen, Volkswirtschaften und globale Lieferketten so dringend brauchen. Wer heute auf den Import von Öl und Gas angewiesen ist, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus.“
Dauerhafte Wende oder nur eine Krisenreaktion?
Die eigentliche Umwälzung der Energiekrise spielt sich nicht auf Tankern ab, sondern in Transformationsplänen. Sprich: Was früher als Zukunftsprojekt galt, wird nun zur Risikoabsicherung: Solar, Wind, Energiespeicher und die Elektromobilität. Der Druck stammt dabei weniger von globalen Klimazielen als aus der Angst vor der nächsten Blockade.
Doch die neue Energieordnung hat auch eine unbequeme Schattenseite. Sie ist technisch möglich, aber infrastrukturell noch lange nicht fertig. Viele Länder in Süd- und Südostasien stehen etwa vor einem Paradoxon aus Solarboom und mangelndem Netzausbau. Will heißen: Ohne massive Investitionen bleibt der grüne Aufbruch ein Flickenteppich mit Spannungsspitzen. Selbst Deutschland kommt beim Netzausbau nicht hinterher und verschenkt dadurch günstigen erneuerbaren Strom.
Die Asiatische Entwicklungsbank versucht gegenzusteuern und plant ein 70-Milliarden-US-Dollar-Programm inklusive eines „Pan-Asia Power Grid“. Das ist mehr als nur Infrastrukturpolitik. Es ist ein Versuch, Energie regional neu zu denken. Denn: Strom soll künftig dort ankommen, wo er gebraucht wird, und nicht nur dort entstehen, wo es sonnig ist.
Parallel dazu verschiebt sich das globale Machtgefüge entlang der Lieferketten. China profitiert als Hersteller von Solarmodulen, Batterien und E-Autos massiv – sowohl aufgrund einer globalen Strategie als auch industrieller Überlegenheit in puncto Skalierung und Preis. Der Effekt ist dennoch politisch, denn wer die Technik liefert, definiert zunehmend die Spielregeln.
Für Deutschland ist diese Entwicklung ein doppelter Spiegel. Einerseits zeigt sie, dass Energiesicherheit ohne erneuerbare Unabhängigkeit zur Illusion wird. Andererseits wird klar: Wer Netze, Speicher und die erneuerbare Stromerzeugung jetzt nicht konsequent ausbaut, zahlt später nicht nur mehr, sondern im Worst Case auch die Rechnung anderer. Ob die aktuelle Entwicklung tatsächlich der Start einer dauerhaften Energiewende ist oder nur eine hektische Krisenreaktion, wird sich aber erst zeigen, wenn der Iran-Krieg vorbei ist und die Ölpreise wieder sinken.
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