Eurosky: Ein Account für viele Apps – ganz ohne US-Server
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Europa will sich digital von den USA emanzipieren. Ein neues Projekt namens Eurosky könnte dabei eine zentrale Rolle spielen. Die gemeinnützige Initiative verspricht einen zentralen Login für verschiedene Dienste wie Bluesky, speichert Nutzerdaten aber ausschließlich in Europa. Doch auch Eurosky hat noch Nachholbedarf. Eine kommentierende Analyse.
Was ist Eurosky?
- Eurosky ist eine europäische Initiative, die eine unabhängige Infrastruktur für digitale Medien aufbauen will. Basis des Projekts ist das sogenannte AT‑Protokoll, das auch das Netzwerk Bluesky nutzt. Eurosky verspricht Nutzern vollständige Kontrolle über ihre Daten und eine Alternative zu den Netzwerken von Big Tech, ohne selbst eine eigenständige Social‑Media‑Plattform zu sein.
- Hinter Eurosky steckt eine gemeinnützige Organisation, die Nutzerdaten ausschließlich auf europäischen Servern und in europäischen Clouds speichern will, damit diese unter Europarecht fallen. Ziel ist es nicht nur, digitale Souveränität zu stärken, sondern eine Schnittstelle zwischen digitalen Diensten zu etablieren.
- Nutzer können sich bei Eurosky anmelden und verschiedene kompatible Anwendungen nutzen, ohne sich jedes Mal erneut zu registrieren und ihre Daten preisgeben zu müssen. Heißt konkret: Du kannst einmalig eine digitale Identität von dir erstellen und damit auf andere Dienste (Entitäten) zugreifen. Eine Eurosky‑Identität ermöglicht eine Verbindung zum AT‑Protokoll und damit digitale Plattformen wie Bluesky und weitere Apps.
Warum Eurosky gerade jetzt eine echte Chance hat
Neu ist die Idee von Eurosky nicht. Doch: Sie war bislang kaum populär. Spätestens seit dem zweiten Amtsantritt von US‑Präsident Donald Trump erleben europäische Software‑Lösungen aber einen regelrechten Aufschwung. Die Chancen für Eurosky stehen deshalb nicht schlecht.
Vor allem im Bereich der digitalen Medien gab es bislang kaum Alternativen zu Big Tech. Die Twitter‑Alternative Bluesky hat sich zwar allmählich zu einem erfrischenden Konkurrenten entwickelt. Doch wer bislang Daten über die Plattform übermittelt hat, musste hinnehmen, dass Bilder, Texte und Nachrichten unter Umständen in den USA landen und nach dortigem Recht behandelt werden.
Das Problem: Die USA haben sich unter Trump zu einem Staat entwickelt, der zunehmend polarisiert und Daten oder digitale Dienstleistungen als Druckmittel nutzt. Eurosky könnte dem zumindest teilweise ein Ende bereiten.
Denn Daten, die im europäischen Raum bleiben, unterliegen auch europäischen Standards. Das klingt vielleicht etwas trocken, ist aber im Kern ein großes Datenschutz‑ und Privatsphärenversprechen: mehr Kontrolle sowie weniger Abhängigkeit von den Launen von Big Tech und der US‑Regierung.
Was Gründer, Nutzer und EU-Politiker sagen
- Sebastian Vogelsang, Mitgründer von Eurosky, in einer Medienrunde: „Der soziale Teil ist von Big Tech chirurgisch entfernt worden. Die eigentliche Chance besteht darin, das Soziale in den sozialen Medien zurückzubringen. (…) Nur in einem florierenden Ökosystem für Innovationen im Bereich sozialer Netzwerke können wir die Dominanz von Meta, X, Alphabet und ByteDance ernsthaft infrage stellen.“
- Ein Reddit‑Nutzer zeigt sich von Eurosky begeistert: „Einer der vielen Vorteile des AT‑Protokolls ist die Interoperabilität zwischen sozialen Netzwerken. Daher habe ich meinen Bluesky‑Account zu Eurosky verschoben. Alle meine Daten werden jetzt in Europa gespeichert, was ich wegen der DSGVO‑Gesetzgebung bevorzuge. Genauso können wir alle weiterhin auf einem sozialen Netzwerk aufbauen, das frei von Big Tech ist.“
- Insgesamt 54 Abgeordnete des Europäischen Parlaments fordern parteiübergreifend in einem offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, europäische Alternativen zu den marktbeherrschenden Social‑Media‑Plattformen zu fördern. Die Europäische Kommission und die europäischen Regierungen können diesen Ausbau unterstützen, indem sie private Initiativen finanziell fördern, die Innovationen im Bereich der europäischen sozialen Medien vorantreiben.“
Größte Hürde: Nutzerbasis
Die vielleicht größte Herausforderung für Eurosky ist keine rein technische, sondern eine soziale. Letztlich geht es nämlich darum, eine gewisse Nutzerbasis aufzubauen – etwa, um das Projekt zu finanzieren und aufrechtzuerhalten. Denn ohne eine ausreichende Anzahl an Nutzern hält selbst die beste Infrastruktur nicht stand.
Doch da die Marktmacht von Big Tech enorm ist, haben es alternative Anbieter stets schwer. Nutzer und App‑Entwickler gleichermaßen zu überzeugen, wird deshalb zur eigentlichen Bewährungsprobe. Hinzu kommt eine gewisse Komplexität. Was für viele Tech‑Enthusiasten zweifellos digitale Selbstermächtigung offenbart, wirkt auf viele wie ein Login zu viel.
Denn: Die Idee von Eurosky ist zwar elegant, doch ihre Vermittlung eher weniger. Mit Begriffen wie Entität, universeller Identität oder AT‑Protokoll können viele nichts anfangen. Im Gegenteil: Sie können sogar abschreckend wirken. Dabei könnte man das Grundprinzip auch ohne Fachbegriffe erklären: Mit einem Eurosky‑Account kannst du dich bei verschiedenen Diensten anmelden – ohne zusätzliche Konten und ohne Datenübermittlung in die USA.
Dennoch: Das Projekt wurde langfristig gedacht. Mit jeder neuen App wächst etwa das Ökosystem, das Schritt für Schritt unabhängiger wird. Noch hängt Eurosky teilweise am Tropf der Bluesky‑Infrastruktur, etwa bei der Moderation. Doch der Plan zur kompletten Eigenständigkeit steht – und mit ihm die Hoffnung, dass Europas digitale Zukunft nicht nur reguliert, sondern auch gestaltet wird.
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