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Anthropic-KI will dich vom Denken befreien – zu welchem Preis?

26. Oktober 2026 um 11:00

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Anthropic Claude Duet KI Agent

Konkurrenz für Muse und Dots? Mit Claude Duet wirft Anthropic einen eigenen KI-Agenten in den Ring. Die Fähigkeiten der verschiedenen Anbieter ähneln sich. Deshalb entscheiden primär die Sicherheitsvorkehrungen, wer den KI-Kampf gewinnt. Hier könnte sich Anthropic glaubwürdig abgrenzen. Doch für Nutzer stellt sich eine andere Frage: Wie sehr verändert KI unsere Denk- und Lösungsfähigkeiten? Eine kommentierende Analyse.

Jetzt auch Anthropic: Was Claude Duet kann

  • Anthropic hat Claude Duet gelauncht. Die sogenannte Research Preview, eine Art Beta-Version, ist zunächst für Pro- und Max-Abonnenten in den USA verfügbar. Demnach fungiert Claude als proaktiver KI-Agent, der von dir gestellte Aufgaben erledigt und auch dann weiterarbeitet, wenn du nicht am Bildschirm bist. Bevor Claude Duet in deinem Namen handelt, soll der KI-Agent aber deine Einstimmung einholen. Laut Anthropic soll Duet dabei helfen, alles im Blick zu behalten und auch bei vielen Aufgaben organisiert zu bleiben.
  • Anthropic verkauft Claude Duet als vertrauensvollen Partner für Professionals und Kleinunternehmer. Entlastung ist das Stichwort, denn Duet könne bei den zahlreichen Entscheidungen unterstützen, die täglich anfallen. So würden Freiräume entstehen, um besser priorisieren und auch neue Projekte beginnen zu können, die eventuell schon lange auf dem Zettel stehen. Dabei hebt Anthropic vor allem das Urteilsvermögen von Duet hervor, das auf Claude Opus 5.5 basiert.
  • Claude Duet reiht sich in die Riege bereits vorhandener KI-gestützter Agenten oder Assistenten ein. Vor allem die Big Player haben ihre schon auf den Markt gebracht. Bei Meta gab es im Zuge interner Tests einige Probleme, sodass der für April 2026 geplante Start von Muse auf September verschoben werden musste. Und Dots fiel insbesondere durch das Verniedlichungskonzept von OpenAI auf. Letztlich sind sich alle Lösungen sehr ähnlich: Sie versprechen mehr Produktivität und Effizienz, agieren aber mit sensiblen Daten – und das teils autonom. Die Frage lautet daher: Wie sehen die Sicherheitskonzepte der Anbieter aus?

Ist Anthropics Sicherheitsversprechen glaubwürdig?

Seit der Gründung im Jahr 2021 hat sich Anthropic als Safety-first-Alternative positioniert. Logisch, dass das Unternehmen auch in der Ankündigung von Claude Duet den Fokus auf Sicherheit legt und betont, dass man sich „auf jahrelange Arbeit in den Bereichen Sicherheit und Datenschutz bei Agenten“ stützt. Laut Anthropic besitzt Claude Duet einen neuen, speziellen Klassifikator und einen Security-Prompt, der jede Nachricht überprüft und vor dem Verlust sensibler Informationen schützt.

Da der KI-Agent auch E-Mails liest und Nachrichten versendet, sollen die neuen Sicherheitsvorkehrungen dafür sorgen, dass Anfragen zur Weitergabe der strengsten Informationskategorie abgelehnt werden. Dazu gehören Kreditkartennummern und amtliche Ausweisdaten. Andere sensible Informationen wie zur Gesundheit oder zu persönlichen Finanzen gehen nur dann raus, wenn du Claude Duet ausdrücklich dazu aufgefordert hast. Außerdem soll Claude Duet niemals Passwörter oder Anmeldetoken direkt einsehen können.

Im Wettbewerb hat sich Anthropic seit jeher als besonders sicherheitsorientierter Gegenpol platziert. Das ist angesichts des undurchsichtigen Datenchaos neuer Technologien und insbesondere künstlicher Intelligenz erst mal lobenswert. Hier entscheidet die Glaubwürdigkeit – und dahingehend liegt Anthropic einige Schritte vor Meta und OpenAI. Dennoch: Wie tief der Security-first-Gedanke wirklich in die Unternehmensidentität integriert ist und wie viel Differenzierungsstrategie dahintersteckt, ist eine gesonderte Frage.

Nur weil Anthropic bestimmte rote Linien anders zieht, agiert der Player nicht grundlegend restriktiver als andere. Wer die Militär-KI-Debatte nur oberflächlich verfolgt, könnte meinen, Anthropic wäre der Pazifist unter den KI-Anbietern. Tatsächlich waren sie das erste Pionierunternehmen hinsichtlich KI, das seine Modelle beispielsweise in geheimen US-Regierungsnetzwerken und im Bereich der nationalen Sicherheit einsetzte, wie es in einem Statement von Anthropic-CEO Dario Amodei heißt. Darin betont er auch, dass „der Einsatz von KI zur Verteidigung der Vereinigten Staaten und anderer Demokratien (…) von existenzieller Bedeutung ist“.

Zudem sollte man nicht vergessen, dass Privacy und Safety zwar aufs gleiche Themenkonto einzahlen, aber nicht dasselbe sind. So argumentiert Anthropic etwa, dass eine längere Speicherung bestimmter Daten dabei helfen kann, komplexen Missbrauch zu erkennen. Es ist demnach keinesfalls so, dass Anthropic keine oder weniger Daten speichert. Im Gegenteil: Die Überwachung anhand einer konsequenten Datenerhebung kann die Sicherheit laut Anthropic erhöhen. Und natürlich verarbeitet auch Anthropic manche Daten unter bestimmten Umständen zu Marketingzwecken.

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  • Wie die Claude-Supportseite über die grundsätzliche Fähigkeit und etwaige Einschränkungen von Duet informiert: „Claude Duet ist so konzipiert, dass es Ihnen zeigt, was es tun wird, und auf Ihre Genehmigung wartet, bevor es eine Nachricht versendet, eine Zahlung leistet, ein Dokument unterzeichnet oder etwas löscht. Wenn Sie nicht sofort genehmigen können, beendet Claude Duet den Rest der Aufgabe und bringt die Genehmigung später zu Ihnen zurück. Wenn es Ihnen eine Zahl oder eine Zusammenfassung gibt, teilt es Ihnen mit, aus welcher E-Mail, Datei oder Tabelle sie stammt.“
  • Laut „CIO and Technology Executive Survey 2026“ von Gartner „haben bislang nur 17 Prozent der Organisationen KI-Agenten eingesetzt, doch mehr als 60 Prozent gehen davon aus, dies innerhalb der nächsten zwei Jahre zu tun – die steilste Einführungskurve unter allen in der Umfrage erfassten neuen Technologien“. Die Untersuchung spricht gleichzeitig vom „Gipfel überhöhter Erwartungen“ und thematisiert die Geschwindigkeit agentischer KI: „Während die Begeisterung für agentenbasierte KI zunimmt, befinden sich viele der Mechanismen, die für das Management von Risiken, Vertrauen und Kosten erforderlich sind, noch in der Reifephase.“
  • GrizzlyP33 fragt via reddit nach dem Nutzen: „So nutze ich Claude bereits, daher verstehe ich wahrscheinlich einfach nicht, was Muse und Dots und Gots und Bots eigentlich anders machen.“ Laut ThrowbackGaming handelt es sich nicht um eine neue Funktionalität: „Es ist lediglich eine abstraktere Art, mit KI zu arbeiten.“ Auch ltobo123 sieht hier keine Innovation, denn es „ist eigentlich das, was die meisten neuen Produkte sind. Die Verpackung ist praktisch, weil es für die Leute einfacher ist, es sofort zu verstehen, anstatt ihre eigenen zu bauen. Senkt die Einstiegshürde.“

Müssen wir bald nicht mehr selbst denken?

Braucht es in Zukunft noch ein Office Management oder klassisches Sekretariat? Oder „sitzen“ Arbeitskräfte im administrativen, organisatorischen Bereich dann in virtuellen Räumen? Claude Duet könnte so eine Lösung sein. Denn die agentische KI schickt dir morgens eine Übersicht zu allem, was du vermeintlich wissen solltest. Am Tag prüft Duet die verbundenen Anwendungen und Konten und informiert dich über relevante Vorgänge. Dabei kann die KI auf Dienste wie LinkedIn, Slack, Gmail, DocuSign, HubSpot und Shopify zugreifen, um Termine zu planen, Meetings vorzubereiten, Dashboards mit Finanzprognosen zu kreieren und noch nicht beglichene Rechnungen zu identifizieren.

Auch wenn die Beta mehr nach Business klingt, wird Anthropic die private Nutzung von Claude Duet ankoppeln. Das führt zu einer anderen Frage: Brauchen wir KI-Assistenz in unserem Alltag? Oder ist das nur Spielerei mit Ablaufdatum bei offener Datenschatztruhe? Mal ehrlich: Wer liest AGB und Datenschutzerklärungen? Laut einer aktuellen Umfrage „fast 90 Prozent der Deutschen (…) entweder gar nicht oder nur oberflächlich“.

Plus: Wie wirkt sich generative KI auf das kritische Denken aus? Zwar fehlen hier noch eindeutige Belege, doch es gibt Untersuchungen, die einen Zusammenhang zeigen. Eine davon ist die Selbstberichtsstudie von Microsoft Research, nach der „ein höheres Vertrauen in generative KI mit weniger kritischem Denken verbunden ist“. Eine Verschiebung von „selbst denken und lösen“ hin zu „an KI übergeben und maximal überprüfen“ ist ein reales Szenario, das viele schon aus ihrem Alltag kennen.

Nun haben wir es bei künstlicher Intelligenz mit einer Technologie zu tun, die sich im dauerhaften Training befindet und dadurch rasant entwickelt. Neuerungen kommen hier eher täglich bis wöchentlich oder monatlich statt jährlich. Die Fähigkeiten erweitern sich im Sekundentakt. Datensicherheit ist dabei nur eine Grundlage, auf die wir uns letztlich verlassen müssen, wenn wir KI nutzen wollen. Doch es braucht dringend mehr Studienergebnisse und Aufklärung zu Themen wie Cognitive Offloading und generell zu den Auswirkungen intensiver KI-Nutzung – ob privat oder beruflich – auf kognitiver und sozialer Ebene.

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Tesla und SpaceX: Mit gigantischer Fusion zum Tech-Imperium?

23. Oktober 2026 um 11:00

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Fusion Tesla SpaceX Hintergründe

Es wäre die größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte. Berichten zufolge laufen derzeit Gespräche über einen Zusammenschluss von Tesla und SpaceX; beide Unternehmen werden von Elon Musk geführt. Was das bedeuten und wie der Tech-Milliardär davon profitieren würde – und welche politische Dimension das Ganze hat. Eine kommentierende Analyse.

Ja, Tesla und SpaceX könnten tatsächlich fusionieren

  • In einer Videokonferenz zu den Quartalszahlen seiner Weltraumfirma hat Elon Musk über einen möglichen Zusammenschluss der US-Konzerne Tesla und SpaceX gesprochen. Angeblich würde die Option gerade geprüft werden. Dafür seien spezielle Ausschüsse gegründet worden. Musk selbst könne aufgrund von Interessenkonflikten nicht an den Gesprächen teilnehmen. Als Großaktionär beider Firmen bilden die Anteile an Tesla und SpaceX die Basis seines enormen Vermögens, das ihn aktuell zum reichsten Menschen der Welt macht.
  • Der Gedanke über eine mögliche Fusion kursiert seit Monaten. Doch mit den jüngsten Äußerungen erhält die Idee mehr Substanz: „Sowohl SpaceX als auch Tesla haben auf Wunsch der Aktionäre Sonderausschüsse eingerichtet, um die Idee zu erörtern“, wie Musk per Video mitteilt. Zwar betont er, dass er eine Fusion befürworten würde, doch noch gäbe es keine konkreten Verhandlungen, geschweige denn einen Deal. Zudem weist er darauf hin, dass mindestens 50 Prozent aller Tesla-Aktionäre zustimmen müssten, was eine „ziemlich hohe Hürde“ sei.
  • Tesla wurde 2003 gegründet und entwickelte sich vom Elektroautopionier zu einem Technologiekonzern mit E-Autos, Batteriespeichern, Solartechnik und Software. SpaceX entstand 2002 mit dem Ziel, die Raumfahrt günstiger zu machen. Heute setzt das Unternehmen vor allem auf wiederverwendbare Raketen, Raumfahrtdienste und den Satelliten-Internetdienst Starlink. Beide Firmen bedienen nicht nur bestehende Märkte, sondern zielen mit Technologien wie autonomem Fahren, Robotik, Energiespeicherung, Satellitenkommunikation und Raumfahrt auch auf große Zukunftsmärkte.

Macht und Synergien: Was Elon Musk von einer Fusion hätte

Wer Macht hat, will sie oft ausbauen. Doch was Musk hier anpeilt, ist eine Riesenfusion, die ihresgleichen suchen würde. Dabei gab es in diesem Jahr schon einen nennenswerten Zusammenschluss in der Villa Musk, als SpaceX das KI-Unternehmen xAI geschluckt hat. Wie strategisch das alles ist, zeigen frühere Firmenverschmelzungen. 2016 hat Tesla beispielsweise den von seinen Cousins gegründeten Solaranlagenanbieter SolarCity übernommen.

Wie würde sich der Einfluss von Musk bei einer Fusion von Tesla und SpaceX verändern? Bei SpaceX hat er dank einer Dual-Class-Aktienstruktur die Kontrolle: Seine Aktien verleihen ihm rund 85 Prozent der Stimmrechte. Doch bei Tesla sieht das anders aus. Hier hält Musk nur knapp 20 Prozent des Unternehmens – und verfügt nicht über Aktien mit Sonderstimmrechten. Durch die Zusammenlegung mit SpaceX könnte Musk seine Stimmrechtsposition deutlich stärken.

Darüber hinaus würde das Imperium von Musk zu einem Tech-Giganten wachsen, dessen vereinte Geschäftsbereiche von der Erde bis ins Weltall reichen – mitsamt den derzeit prominenten Feldern wie Elektromobilität, Robotik, KI und Raumfahrt. Und das mit einer geschätzten Gesamtbewertung von 3,5 Billionen Dollar.

Zudem gibt es schon jetzt Überschneidungen von Tesla und SpaceX bei Automatisierung, KI-Chips, Energieversorgung und Satellitenkommunikation. Ein zentrales Management würde die Entscheidungsprozesse vereinfachen, auch angesichts weiterer Synergiepläne wie des Megaprojekts „Terafab“ und der Nutzung von SpaceX-Kaltgastriebwerken im neuen Tesla Roadster.

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  • Elon Musk sieht in der „Zusammenlegung der Unternehmen viele Vorteile. (…) Es gibt viel zu gewinnen, wenn wir bei der Entwicklung von Software für Super Intelligence, beimfusion Chipdesign, beim Terafab-Projekt, natürlich bei der Robotik, beim Transport von Masse ins Weltall und bei der Konnektivität durch die Starmind-Satellitenkonstellation zusammenarbeiten.“ Letztlich würde die Entscheidung aber bei den Sonderausschüssen der Unternehmen liegen, die jetzt einen Vorschlag ausarbeiten müssten, über den die Aktionäre dann abstimmen könnten.
  • Gene Munster ist Managing Partner bei Deepwater Asset Management, einem Investor von Tesla. Laut Reuters soll er den potenziellen Deal auf X (ehemals Twitter) befürwortet haben: „Der Hauptgrund, warum das so viel Sinn ergibt: Das, was Tesla macht, braucht SpaceX, und das, was SpaceX macht, braucht Tesla.“ Außerdem würden beide Unternehmen eine gemeinsame große Vision verfolgen: „Elon will ein echtes vertikales KI-Unternehmen aufbauen.“
  • Josh Gilbert, leitender Analyst für den asiatisch-pazifischen Raum bei eToro, sieht den möglichen Zusammenschluss kritischer: „Ein Deal, bei dem ein einziger Mann beide Seiten leitet, wird harte Fragen zur Governance aufwerfen.“ Auch aus dem demokratischen Lager kommt Kritik: „Sollte Elon Musk mit der Fusion von Tesla und SpaceX vorankommen, würde der Deal echte Risiken mit sich bringen, die Kartellbehörden weltweit genau unter die Lupe nehmen würden“, sagt der US-Senator Cory Booker.

Warum Geopolitik, China und Regulierung die größten Hürden sind

Die Sorgen der Demokraten zeigen, wie aufgeladen das Thema ist. Laut Booker würde ein konkret geplanter Deal im Vorfeld der US-Zwischenwahlen, die am 3. November 2026 stattfinden, zu einem politischen Brennpunkt werden. Er sei bereit, jede Transaktion einer Kontrolle zu unterziehen: „Wenn eine einzige Person die Infrastruktur kontrolliert, auf die Regierungen und Streitkräfte angewiesen sind, werden ihre geschäftlichen Entscheidungen auch zu Entscheidungen der nationalen Sicherheit.“

Demnach sind die größten Hürden für eine Fusion wohl Geopolitik und Regulierung. Denn SpaceX ist ein wichtiger Auftragnehmer des US-Militärs, der Geheimdienste und der NASA – und damit eng in die amerikanische Sicherheitsinfrastruktur eingebunden. Brisant: Tesla ist mit seiner Gigafactory in Shanghai wiederum stark in China engagiert. Vor allem der Umgang mit vertraulichen Daten und sensibler Technologie könnte in dem Kontext heikel werden. Die Geschäftsbereiche müssten organisatorisch und technisch strikt getrennt sein.

Eine mögliche Lösung wäre, Teslas Chinageschäft vom übrigen Konzern zu trennen oder es ganz auszugliedern. Von entsprechenden Überlegungen berichtete das Wall Street Journal (€) bereits im Sommer 2026. Musk sprach damals von einer Falschmeldung. Tatsächlich wäre eine Loslösung kompliziert, weil das Werk in Shanghai ein bedeutender Produktionsstandort für Tesla ist.

Hinzu kämen Prüfungen durch Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden. Und zwar nicht nur in den USA und durch die Regierung in Peking, sondern weltweit, um branchenspezifische Auswirkungen und mögliche unlautere Vorteile zu bewerten – von künstlicher Intelligenz über die Automobilindustrie bis hin zu Halbleitern und zur Satellitenkommunikation.

Indes liegt Musk sicherlich viel daran, dass hier Tempo aufgenommen wird. Denn solange Donald Trump noch US-Präsident ist, sollte die Regierung grundsätzlich offener für eine Fusion sein.

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KI statt Junior? Warum der Berufseinstieg immer schwieriger wird

22. Oktober 2026 um 11:00

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KI Jobs Berufseinstieg Studie

Ja, nein, vielleicht. Ist künstliche Intelligenz ein Jobkiller oder bringt KI neue Berufsfelder? Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gibt Entwarnung. Gleichzeitig beleuchtet sie einen Negativtrend: den Berufseinstieg. Das ist auch bei Großunternehmen wie Siemens und Anthropic bereits ein Thema. Eine kommentierende Analyse.

Was die IAB-Studie tatsächlich zeigt

  • Fortschritte in der Robotik, weitreichende Automatisierung und sich permanent entwickelnde KI-Agenten: Kommt es zur Jobapokalypse? Nein, das Ergebnis der IAB-Studie ist zunächst beruhigend: Von einem generellen „Jobkiller KI“ kann in Deutschland keine Rede sein. Tatsächlich entwickelte sich die Beschäftigung in stark KI-exponierten Berufen zwischen 2022 und 2025 insgesamt sogar besser als in weniger exponierten Berufen. Grundlage der Untersuchung sind umfangreiche Beschäftigungsdaten von rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten.
  • Eine Ausnahme sind Berufseinsteiger im Alter von 20 bis 29 Jahren. Ihre Beschäftigung lag 2025 insgesamt rund 3 Prozent unter dem Niveau von 2022 – in stark KI-exponierten Berufen war der Rückgang mit 3,8 Prozent ausgeprägter als in weniger exponierten (2,6 Prozent). Zwar würde sich die schwache Konjunktur mehr auswirken, dennoch zeichnet sich ein „zunehmend negativer Zusammenhang“ zwischen KI und Jobeinstieg ab. Besonders auffällig sei er im verarbeitenden Gewerbe und in nicht akademisch geprägten Berufen.
  • Das für die Studie verwendete Maß für die KI-Exposition meint den Anteil der beruflichen Tätigkeiten, die mit Large Language Models (LLMs) oder darauf aufbauender Software deutlich schneller erledigt werden könnten. Darunter fallen vor allem Berufsbereiche wie Geistes- und Naturwissenschaften, Recht, Unternehmensorganisation, Rechnungswesen sowie Kunst und Gestaltung, Medien sowie Informatik. Wichtig: Die Untersuchung misst, wie stark Berufe durch KI veränderbar sind – nicht, ob entsprechende Unternehmen KI dort einsetzen.

Warum KI den Berufseinstieg bremsen könnte

Fakt ist: KI könnte den Berufseinstieg erschweren, ist nach den vorliegenden Daten aber nicht der Hauptgrund für etwaige schlechtere Chancen junger Beschäftigter. Das IAB verweist aber auch auf die gemischte empirische Evidenz und nennt hier eine prominente US-Studie, nach der „die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen um 19 Prozent stärker zurückgegangen ist als in den weniger KI-exponierten“.

Allerdings sollten die Ergebnisse als Warnsignal fungieren und die Entwicklungen aufmerksam beobachtet werden. Denn generative KI und ihre Auswirkungen verändern sich rasant. Handelt es sich hier um eine Tendenz, könnten entsprechende Untersuchungen schon in kurzer Zeit wesentlich klarere Zahlen hervorbringen. Deshalb warnt Siemens-Personalvorständin Judith Wiese davor, jungen Menschen wichtige Lern- und Erfahrungskurven zu nehmen (via SZ).

Auf dem Arbeitspapier ist die Rechnung simpel: Je mehr Routineaufgaben und einfache Tätigkeiten die KI übernimmt, desto obsoleter erscheinen Einstiegsjobs. Wendet sich da ein zuletzt etabliertes Blatt? Während gerade die Suche nach Talenten essenziell war, könnte diese Recruiting-Strategie zukünftig vermehrt übersprungen werden – und direkt mit dem Fachkräftemangel kollidieren.

Siemens ist indes ein gutes Stichwort. Denn der Konzern baut die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Nvidia drastisch aus, um KI in der Industrie skalierbar zu machen und Fabrikabläufe weiter zu automatisieren. Im Fall von Siemens gibt es dahingehend klare Zielvorgaben: Der Automatisierungsgrad soll auf bis zu 80 Prozent steigen, wie Vorstandsmitglied Cedrik Neike betont.

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  • IAB-Forscher Michele Dinelli ordnet die Studienergebnisse ein: „Entgegen der öffentlichen Diskussion um die Einstiegsprobleme junger Akademikerinnen und Akademiker lenken die Analysen den Blick eher auf nicht akademisch geprägte Berufe und das verarbeitende Gewerbe.“ Der KI-Zusammenhang ist laut IAB-Vizedirektorin Melanie Arntz noch insignifikant, was sich jedoch ändern könnte: „Eine höhere KI-Betroffenheit bedeutet nicht zwingend eine schwächere Beschäftigungsentwicklung. Angesichts der äußerst dynamischen Entwicklung sollte KI aber als ein weiterer möglicher Einflussfaktor über 2025 hinaus weiter beobachtet werden.“
  • Magdalena Palka arbeitet seit 16 Jahren in der Karriereberatung der Mainzer Universität. Ihrer Erfahrung nach gibt es eindeutige Veränderungen rund um den Berufseinstieg: „Studierende kommen jetzt mit einer besorgteren Haltung, als das vor ein paar Jahren der Fall war. […] Sie sehen ja auch, dass es weniger Stellenangebote in bestimmten Bereichen gibt, weil diese Stellen durch KI ersetzt werden.“ Laut Palka gebe es viel mehr Verunsicherung und Sorgen, was den Jobeinstieg betrifft. Auch das gezielte Werben von Unternehmen um Absolventen habe nachgelassen.
  • Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Erik Brynjolfsson untersucht, wie KI die menschliche Arbeit ergänzen kann, statt sie zu ersetzen: „Denken Sie in Aufgaben, nicht in Jobs. Kaum ein Job lässt sich vollständig automatisieren, während fast jeder Job Aufgaben enthält, die durch KI verändert werden können. Sobald Sie Arbeit auf diese Weise zerlegen, zeigt sich die frei werdende Kapazität als Möglichkeit, Beschäftigte umzuverteilen, anstatt Personal abzubauen.“

Wie KI die Arbeitswelt schon jetzt verändert

Der Einfluss von künstlicher Intelligenz ist umfassend und besonders in der Arbeitswelt ein großes Forschungsthema. Dass KI vorhandene Jobs nach und nach tilgt, entspricht jedoch nicht der gegenwärtigen Realität und Entwicklung. Doch KI verschiebt – und zwar maßgeblich. Derzeit sind die Berufseinsteiger im Fokus. Und den Trend hin zu einem teils schwierigeren Karrierestart untermauern inzwischen mehrere Untersuchungen.

Einer Umfrage des Kienbaum Instituts für die Wirtschaftswoche (€) zufolge würden 35 Prozent von mehr als 1.000 Personalverantwortlichen planen, bis 2030 weniger Berufseinsteiger einzustellen – wegen KI. Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2025 stützt die These, dass KI insbesondere typische Junioraufgaben übernimmt. Untersucht wurden US-amerikanische Lebenslaufdaten, die 65 Millionen Beschäftigte in mehr als 280.000 Unternehmen umfassen.

Bemerkenswert sind auch von Anthropic selbst veröffentlichte Informationen zu den Verhältnissen innerhalb des Unternehmens. Demnach hätte Anthropic einen geringeren Anteil an technischen Einstiegspositionen besetzt, weil die von KI-Agents geleisteten Arbeitsstunden im Verhältnis zu denen der Mitarbeiter schnell zunahmen. Allein im August 2026 hätte die Arbeitszeit der KI-Agents die der Mitarbeiter im Verhältnis sechs zu eins überstiegen. Als Anbieter von Claude hat Anthropic natürlich einen geschäftlichen Nutzen aus solchen Zahlen.

Hinzu kommen unternehmensinterne Umstrukturierungen. So will beispielsweise Toyota seine Werke mit 400.000 Robotern automatisieren. Oft ist dann die Rede davon, dass Mensch und Maschine effizient Seite an Seite arbeiten. Oder dass sich menschliche Mitarbeiter dadurch auf wertschöpfendere Aufgaben konzentrieren können. Die Kehrseite der Medaille glänzt aber genauso: Wenn sich Personalkosten einsparen lassen, ohne die Produktivität zu hemmen, wird genau das passieren.

Wie immer geht es also um den Umgang mit Neuerungen – der von Organisation zu Organisation unterschiedlich sein wird. In manchen Fällen werden KI-Agenten einzelne Menschen ersetzen, in anderen einen Beschäftigungswandel vollziehen. Und vielleicht erkennen manche Unternehmen auch einen ganz anderen Mehrwert: die Entlastung ihrer Teams, ohne Menschen zu entlassen oder den Einstieg zu erschweren – zum Beispiel durch eine Viertagewoche bei vollem Gehalt.

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Mega-KI-Deal: Wie abhängig macht sich Deutschland von Nvidia?

21. Oktober 2026 um 11:00

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Siemens Nvidia KI-Fabrik Deutschland Souveränität

Siemens und Nvidia bauen die Fabrik der Zukunft – aber was bedeutet das für einzelne Jobs? Deutschland arbeitet mit Nvidia zusammen, um deutsche Ingenieurs- und Fertigungsexpertise mit modernster KI-Technologie zu verbinden – aber wer profitiert davon am meisten? Während alle von digitaler Souveränität sprechen, baut ein US-Konzern seine Macht in Europa aus. Eine kommentierende Analyse.

Hintergrund

  • Dass Siemens und Nvidia die industrielle Produktion revolutionieren wollen, ist nicht neu. Bereits Anfang des Jahres gaben beide Unternehmen bekannt, dass sie ihre strategische Partnerschaft ausbauen, um mithilfe von künstlicher Intelligenz die gesamte industrielle Wertschöpfungskette neu zu gestalten – und zwar vom Design und der Konstruktion über die Fertigung, Produktion und den Betrieb bis hin zu den Lieferketten. Das übergeordnete Ziel: die nächste Generation von KI-Fabriken.
  • Im Zuge der Entwicklung industrieller und physischer KI-Lösungen, die KI-gestützte Innovationen in alle Branchen und industriellen Prozesse bringen sollen, ist jetzt ein gemeinsames Vorzeigeprojekt entstanden: Das Elektronikwerk in Erlangen soll als weltweite Blaupause für KI-Fabriken dienen. Cedrik Neike von Siemens spricht von einer „historischen Chance für Deutschland und Europa“. Denn nur so ließe sich die Produktivität weiter steigern und die Produktion auch in Hochlohnländern sichern.
  • Als „großer Schritt hin zur KI-getriebenen, autonomen Fabrik“ wird die Ausweitung der Partnerschaft bezeichnet. Mit klaren Zielen: Ein vollständig virtueller Produktionsanlauf soll den Engineering-Aufwand um bis zu 85 Prozent reduzieren und eine agentenbasierte Produktionsplanung würde eine adaptivere Produktion erlauben und bis zu 20 Prozent der Kosten einsparen. Dafür sollen die Anwendungen künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge nutzen. Das Erlanger Werk fungiert quasi als Labor für industrielle KI, um die Skalierung in der Industrie zu ermöglichen.

Unsere Einordnung

Nvidia, bei KI-Chips weltweit führend und generell das wertvollste Halbleiterunternehmen der Welt, befindet sich gerade auf einer Art Werbe- und Rekrutierungsreise durch Europa. Kürzlich war der Nvidia-CEO Jen-Hsun Huang in Paris, um verschiedene Investitionen anzukündigen; darunter in das digitale Gesundheitsunternehmen Doctolib. Wie passt das ins Paket zur technologischen Souveränität Europas, das die Europäische Kommission geschnürt und vorgelegt hat? Die Frage ist keinesfalls neu – aber immer wieder relevant.

Die Offensive von Nvidia hin zu einem gigantischen Technologieökosystem reicht bis zur Bundesregierung. Inzwischen ist die Zusammenarbeit beschlossen: Beim ersten „Invest in Germany“-Gipfel in Berlin wurde eine Absichtserklärung mit dem US-Chipkonzern unterzeichnet – als „Initiative zur Entwicklung modernster KI-Modelle für Physical AI“. Was als wirtschaftliche Stärkung hinsichtlich industrieller KI verkauft wird, ist gleichzeitig eine weitere Vergrößerung der Souveränitätslücke.

Bundeskanzler Friedrich Merz betonte beim Invest in Germany Summit 2026, wie bedeutend der Erhalt der industriellen Basis als strategischer Vorteil gegenüber anderen Volkswirtschaften sei (via tagesschau.de). Deutsche Unternehmen sollen laut Merz ihre wertvollen Industriedaten für KI-Anwendungen öffnen. Damit spielt er Nvidia in die Karten. Oder wie Huang es mit deutlich mehr Druck formuliert: „Diese industrielle Revolution ist so gewaltig, so mächtig. Sie haben keine zweite Chance.“

Grundsätzlich ist die Verschmelzung vorhandener Ressourcen im Bereich von Daten und Knowledge mit fortschrittlicher Technologie ja sinnvoll. Und sicherlich ist ein Weg wie der hier gezeichnete besser, als die Ressourcen zu exportieren. Aber auch ein deutsches Deep-Tech-Unternehmen wie Q.ANT, das erfolgreich photonische Chips entwickelt (eine Sparte, in die auch Nvidia investiert), könnte die Technologie liefern, um das bestehende Wissen zu skalieren.

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  • „Die historische Chance für Deutschland und Europa liegt darin, künstliche Intelligenz aus den Rechenzentren in die Fabriken zu bringen – und dort im industriellen Maßstab einzusetzen“, sagt Cedrik Neike, Vorstandsmitglied der Siemens AG und President Digital Industries. „Wie das gelingt, zeigen wir heute gemeinsam mit Nvidia in unserem Siemens-Elektronikwerk Erlangen. Mit sieben Prozent Produktivitätssteigerung pro Jahr gehört Erlangen zu den modernsten Werken der Welt. Gleichzeitig ist es mit rund 3.000 Kundenbesuchen jährlich ein globaler Treffpunkt für industrielle Innovation. Hier wird die Zukunft der Industrie nicht nur diskutiert, sondern ist bereits heute Realität.“
  • Rev Lebaredian, Vice President, Physical AI Simulation bei Nvidia, ergänzt: „Fabriken müssen mit Veränderungen ebenso gut umgehen können wie mit Wiederholungen. KI und Simulation machen das möglich. In Erlangen setzen Siemens und Nvidia jahrelange Zusammenarbeit in der Fabrikhalle in die Praxis um – sie trainieren Inspektionssysteme, bevor physische Prototypen existieren und entwerfen sowie testen Produktionspläne in der Simulation, bevor sie die reale Welt verändern. Gemeinsam bauen wir eine Blaupause für autonome Fabriken auf der ganzen Welt.“
  • Aus der Pressemitteilung der Bundesregierung vom 19. Oktober 2026 zur Absichtserklärung (Joint Declaration of Intent) mit Nvidia: „Mit diesem Schritt unterstreicht die Bundesregierung ihr Ziel, die traditionelle deutsche Ingenieurskunst und Fertigungsexpertise mit Spitzenforschung und modernster KI-Technologie zu verschmelzen, um die Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität Deutschlands zu sichern.“

Ausblick

Zurück zur Partnerschaft zwischen Siemens und Nvidia, denn die addiert eine weitere Dimension: absolute Automatisierung. Siemens-CEO Roland Busch im Gespräch mit The Verge: „Eine vollautomatisierte KI-Fabrik benötigt viel Platz, verbraucht viel Energie und schafft nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen. Das ist es, was eine KI-Fabrik ausmacht.“ Laut Neike will Siemens den Automatisierungsgrad in der Fertigung dank KI deutlich steigern – von derzeit 30 bis 40 Prozent auf 70 bis 80 Prozent.

Siemens und Nvidia wollen KI zum „Betriebssystem der Fertigung“ machen und in den kommenden Monaten weitere Anwendungen launchen. Schon jetzt sind im Erlanger Siemens-Werk mehr als 100 KI-Algorithmen in Produktion, Logistik, Qualitätsprüfung und Instandhaltung im Einsatz. Bis 2030 will Siemens 500 Millionen Euro investieren, um den Standort auszubauen.

Digitale Souveränität ist eine Sache – und sicherlich keine einfache beziehungsweise lineare. Doch wer von autonomen Fabriken spricht, setzt auf zunehmende Automatisierung durch KI. Das verändert die Berufsfelder signifikant. Verhindern lässt sich das nicht. Die Frage ist daher, wie einzelne Unternehmen damit umgehen.

Laut Judith Wiese, Personalvorständin bei Siemens, sei man froh, an etlichen Stellen schneller zu sein sowie mehr ausprobieren und neue Projekte starten zu können (via SZ). Sie räumt jedoch ein: „Man kann zusätzliche Produktivität nutzen, entweder um das Gleiche mit weniger Menschen zu machen oder mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitenden mehr zu machen.“

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Mehr Gewalt durch KI-Boom: Neues Gesetz soll härter durchgreifen

16. Oktober 2026 um 11:00

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Gesetz digitale Gewalt KI Deepfakes

Das Erstellen von Deepfakes mittels künstlicher Intelligenz ist heutzutage so einfach wie das Starten einer App. Jetzt soll ein neues Gesetz die Opfer besser schützen und digitale Gewalt härter bestrafen – bis hin zur Haft. Zudem will die Bundesregierung die Betroffenenrechte stärken. All das sind dringend notwendige Schritte. Doch es gibt auch Kritik Eine kommentierende Analyse.

Was der Gesetzentwurf alles verschärft

  • Das Kabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, um den Schutz vor digitaler Gewalt zu erhöhen. Es sollen Strafbarkeitslücken hinsichtlich bildbasierter sexualisierter Gewalt geschlossen und die Betroffenenrechte gestärkt werden. Mehrere Anpassungen im Strafgesetzbuch seien dafür nötig – ebenso wie ein digitales Gewaltschutzgesetz. Je nach Straftatbestand reicht das vorgesehene Strafmaß von einer Geldstrafe bis zur Freiheitsstrafe. Vorgelegt wurde der Entwurf von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD).
  • Wer intimes Bildmaterial wie sexualisierte Deepfakes produziert und verbreitet, ob öffentlich oder privat, soll einem neuen Straftatbestand unterliegen. Dabei spiele es keine Rolle, ob reale oder computergenerierte Aufnahmen verwendet wurden. Was ebenfalls strafbewehrt sein soll: digitaler Voyeurismus in öffentlich zugänglichen Bereichen, die Überwachung mit GPS-Trackern, Besitz, Herstellung und Verbreitung von Vergewaltigungsvideos und der Identitätsmissbrauch durch beispielsweise Fakeprofile.
  • Um die Rechtsdurchsetzung zu optimieren, soll es zudem leichter werden, zivilrechtlich gegen Verletzungen von Persönlichkeitsrechten im Netz vorzugehen. Gegenüber Messengerdiensten, Onlineplattformen und Internetzugangsanbietern haben Betroffene dann einen Auskunftsanspruch, der auch den Klarnamen und die Anschrift inkludiert. Die IP-Adresse soll ebenfalls zur Identifizierung herangezogen werden können. Ferner soll es möglich sein, Accounts für einen bestimmten Zeitraum sperren zu lassen. In beiden Fällen ist eine richterliche Anordnung erforderlich.

Wie KI Gewalt im Netz antreibt und wer betroffen ist

Je größer der digitale Raum wird und je mehr er sich mit Menschen und Möglichkeiten füllt, desto wichtiger sind wirksame Mechanismen, um sich und andere vor digitaler Gewalt zu schützen. Die Bundesregierung betont die Dringlichkeit (und räumt zwischen den Zeilen auch Versäumnisse ein): „Das Recht hinkt der digitalen Realität jedoch hinterher“, heißt es auf der offiziellen Website. Ein Beispiel: Im Strafgesetzbuch gibt es derzeit keine exakt auf Deepfakes ausgerichtete Vorschrift. Und das Erstellen ebensolcher bleibt in der Regel unbestraft.

Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom wurden 1.004 Personen in Deutschland ab 16 Jahren im April 2026 telefonisch befragt – unter anderem, ob sie schon einmal von digitaler Gewalt betroffen waren. Rund ein Viertel (25 Prozent) hat die Frage bejaht. Zudem finden 80 Prozent, dass die zustimmungsfreie Erstellung oder Verbreitung intimer Bilder oder Videos eine konsequente Strafverfolgung nach sich ziehen sollte.

Spannend: 77 Prozent denken, dass die tatsächliche Dimension nicht der aktuellen Diskussion entsprechen würde, weil das Problem in Wahrheit viel größer sei. Das passt zu einer aktuellen Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts und des Bundesfrauenministeriums. Zwar bezieht sich die Studie „LeSuBiA“ auf verschiedene Gewaltformen, dazu gehört aber auch digitale Gewalt. Zentrales Ergebnis: Ein großer Teil erfahrener Gewalt wird gar nicht angezeigt und die Anzeigequoten sind „unabhängig von der Form der verübten Gewalt durchgehend niedrig“.

Die Studie zeigt auch, dass Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Menschen der queeren Community besonders oft Opfer von Gewalt sind. Insbesondere Frauen sind meist häufiger und stärker von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, vor allem bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking. Eine andere repräsentative Befragung, die im Auftrag des Deutschen Frauenrats stattgefunden hat, verdeutlicht das Ausmaß von digitaler Gewalt weit über eigene Erlebnisse hinaus.

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  • Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kritisiert bei der Pressekonferenz vom 7. Oktober 2026, dass digitale Gewalt lange Zeit als Nebensache abgetan wurde, und betont: „Das Gesetz gegen digitale Gewalt steht für ein notwendiges Umdenken. […] Es ist an der Zeit, dass wir digitale Gewalt genauso ernst nehmen wie körperliche Gewalt.“ Auf eine Nachfrage zum Gewaltbegriff erklärt Hubig, „dass die Phänomene digitaler Gewalt ganz unterschiedlich sind“, weshalb der Gesetzentwurf den Begriff möglichst weit fasst. Sie führt aus: „Digitale Gewalt ist deshalb Gewalt, weil sie unmittelbar bei den Betroffenen genau die gleichen Verletzungen, Beschädigungen herbeiführt, wie das körperliche Gewalt tut.“
  • Der Deutsche Frauenrat im Rahmen der Befragung zu digitaler und KI-gestützter sexualisierter Gewalt: „Diese Zahlen müssen ein Weckruf sein, denn sie zeigen: Digitale Gewalt betrifft alle Frauen. Nicht nur direkt Betroffene beschränken sich online, die Angst vor Missbrauch lässt Frauen kollektiv im Netz verstummen. Das ist ein immenses Demokratieproblem. Betroffene brauchen wirksamen Schutz und fordern ihn vom Gesetzgeber ein. Plattformen müssen in die Pflicht genommen werden. Nicht die Frauen müssen aus dem Netz verschwinden, sondern die problematischen Bilder.“
  • In einer Mitteilung vom Februar 2026 mit dem Titel „Aktionsplan gegen Cybermobbing“ bringt die Europäische Kommission explizit künstliche Intelligenz ins Spiel, die „zwar bei der Aufdeckung von Cybermobbing helfen [kann], doch der zunehmende Einsatz von KI – insbesondere generativer KI – und deren Integration in Onlineanwendungen und -dienste erhöht die Risiken und Mittel des Cybermobbings oder schafft sogar neue. So nehmen beispielsweise Deepfakes zu und führen zunehmend zu sexuell explizitem Missbrauch.“

Nicht genug Schutz: Warum das neue Gesetz nicht ausreicht

Nun haben wir viel wertvolle Theorie. Wie geht es jetzt weiter? Nach dem Beschluss des Bundeskabinetts stehen die parlamentarischen Beratungen im Bundestag und im Bundesrat an. Ist das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen, sollen die neuen Regelungen im darauffolgenden Quartal in Kraft treten. Damit könnten sie laut Haufe bereits ab Mitte 2027 gelten.

Währenddessen werden die Möglichkeiten immer größer. Mit wenigen Klicks zum Deepfake, der mittels KI simpel zur Waffe digitaler sexualisierter Gewalt werden kann? Kein Problem, wie beispielsweise der Fall um Collien Fernandes gezeigt hat. Denn es wird immer einfacher, täuschend echte Bildmanipulationen zu erstellen – vor allem durch künstliche Intelligenz. Glücklicherweise entstehen auch Lösungen, mit denen sich Deepfakes besser erkennen lassen.

Digitale Gewalt ist ein riesiges Feld, das sich täglich vergrößert. Damit die Ambitionen nicht als Paragrafen versauern, sind Durchsetzbarkeit und Umsetzung entscheidend. Doch daran zweifelt beispielsweise der Deutsche Richterbund (DRB): „Will der Rechtsstaat sein Schutzversprechen einlösen, müssen die Bundesländer die Personalmisere der chronisch überlasteten Strafjustiz beenden“, wie DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn laut Stern gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagt.

Gleichzeitig sollte das neue Gesetz (hoffentlich) dafür sorgen, dass die Dunkelziffern endlich an die Oberfläche kommen – und mit ihnen etliche weitere Ermittlungsfälle. Deshalb fordert das Weizenbaum-Institut „mehr Sensibilisierung bei Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten, den Ausbau kostenloser Beratungsangebote und spezialisierte Schwerpunktstaatsanwaltschaften“.

Auch die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) sieht im Gesetzentwurf neben einer wichtigen Maßnahme eine elementare Schutzlücke, da bestimmte, nicht strafbare Verletzungen der Persönlichkeitsrechte nicht ausreichend geschützt wären – beispielsweise wenn jemand persönliche Informationen über eine andere Person ohne Zustimmung im Internet veröffentlicht.

Sowohl Zuspruch als auch Kritik sind laut. Letztere aufgrund bestehender inhaltlicher Unstimmigkeiten und berechtigter Zweifel an der Durchsetzbarkeit. Denn wenn das neue Gesetz nicht auch mit Nachbesserungen beim Umfang und mit signifikanten Optimierungen in verwandten Bereichen einhergeht, hinkt nicht nur das Recht der digitalen Realität hinterher – sondern auch die tatsächliche Realität dem Recht.

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Smart City: Was Kommunen jetzt von der Bundesregierung fordern

15. Oktober 2026 um 11:00

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Smart City Kommunen Digitalisierung Bitkom

Der aktuelle Smart City Index zeigt eine positive Entwicklung. Doch genau darauf darf sich Deutschland nicht ausruhen, wie der Digitalverband Bitkom zusammen mit Spitzenverbänden der Kommunen und Gemeinden fordert. Für eine erfolgreiche Digitalisierung der Kommunen sind neue Förderansätze nötig. Doch ist das mit der oft kurzfristigen Denkweise der Bundesregierung überhaupt vereinbar? Eine kommentierende Analyse.

Warum es jetzt dauerhaft finanzierte Strukturen braucht

  • Der Digitalverband Bitkom, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) stellen in einem gemeinsamen Positionspapier klare Forderungen: Die Digitalisierung der kommunalen Daseinsvorsorge dürfe nicht mehr von befristeten Modellprojekten abhängen. Stattdessen brauche es eine dauerhafte digitale Grundversorgung für Kommunen.
  • Warum kam es zu dem Zusammenschluss? Zentrale Förderprogramme wie die Modellprojekte Smart Cities des Bundesbauministeriums laufen aus. Gleichzeitig könne die Digitalisierung der Kommunen nicht nur mit einzelnen Innovationsprojekten gelingen, weshalb die bisherige Förderlogik nicht mehr tragbar sei. Ziel müsse es sein, die „weitere Digitalisierung von Städten und Regionen […] in dauerhaft finanzierte Strukturen zu bringen, die allen Kommunen zugutekommen“, wie es in der Presseinformation des Bitkom heißt.
  • Die Forderungen richten sich auch konkret an den Deutschland-Stack – die nationale Technologieplattform für die Digitalvorhaben in Deutschland. Hier müsse die Politik auch Smart-City-Lösungen sowie nötige Standards und Schnittstellen berücksichtigen, damit Kommunen dauerhaft digitale Basisinfrastrukturen erhalten. Der Deutschland-Stack soll das Fundament für eine digitale Verwaltung schaffen, das auf souveränen, europäisch anschlussfähigen und interoperablen digitalen Komponenten für Bund, Länder und Kommunen fußt.

Weniger reden, mehr machen!

Der Smart City Index 2026 zeigt: In Deutschland ist nicht alles eingestaubt. Bitkom hebt unter anderem das flächendeckende Klimamessnetz mit 76 Stationen im gesamten Stadtgebiet von Dortmund hervor. Es erfasst die Hitzebelastung und macht sie über ein Dashboard sichtbar, um Hitzeereignisse früher zu erkennen. Auch Solingen gehört zur Best-Practice-Sammlung, weil die kreisfreie Großstadt mit dem Pilotprojekt SMARTKRIS die Krisenkommunikation optimiert.

Fakt ist aber auch, dass solche Erfolge in befristeten Förderprogrammen entstanden sind. Um einen nachhaltigen Nutzen zu ziehen, müsse man zum einen voneinander lernen, zum anderen sei es wichtig, „das Erreichte zu sichern und auszubauen, statt es auslaufen zu lassen“. Außerdem sollten Kommunen laut Bitkom „künftig nach dem Prinzip ‚weniger entwickeln, mehr beschaffen‘ erprobte Lösungen über einen ausgebauten Marktplatz beziehen können, unterstützt von einer zentralen Beratungsstelle für Auswahl, Einführung und Betrieb“.

Das alles klingt nach: weniger reden, mehr machen, aber bitte mit einem nachhaltigen Fokus. Getriggert? Und wie! Dass kurzfristige Lösungen, oft mit einem aktionistischen Charakter, en vogue sind, untermauert der erneute und viel kritisierte Tankrabatt. Und jetzt will Friedrich Merz doch noch die Stromsteuer für alle senken – eine ähnliche Richtung. Denn die mögliche Umsetzung eines alten Versprechens ist zweckgebunden: Die CDU greift nach Vertrauensstrohhalmen. Rund fünf Milliarden Euro wird das vor allem politisch gedachte Vorhaben kosten.

Die Deutschland-App ist ein Positivbeispiel. Sie wird nun in sechs Pilotkommunen erprobt (in Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg, Nürnberg und Wiesbaden). Dafür wird zunächst ein Prototyp entwickelt und anschließend mit Nutzern getestet – inklusive der digitalen Identifizierung über die Online-Ausweisfunktion und einer möglichen Anbindung an die EUDI-Wallet.

Stimmen

  • Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder sieht die Erfolge und notwendigen Schritte: „Viele Städte haben gezeigt, dass Smart City funktioniert. Jetzt muss aus einzelnen Erfolgen eine digitale Grundversorgung für alle Kommunen werden, gerade auch für die kleineren. Nach Jahren der Modellprojekte brauchen wir Strukturen, die dauerhaft tragen. Das heißt insbesondere: Der künftige Deutschland-Stack muss bis ins kleinste Rathaus reichen.“
  • Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), zum Deutschland-Stack: Damit „schaffen wir eine offene, sichere und skalierbare IT-Infrastruktur, die föderale Zusammenarbeit erleichtert, Innovationen beschleunigt und nutzerorientierte Lösungen ermöglicht. Die Plattform wird Basiskomponenten wie Cloud- und IT-Dienste bereitstellen, die von Bund, Ländern und Kommunen genutzt werden können.“
  • Aus dem Smart City Index des Bitkom: „Deutlich sichtbar bleibt der Unterschied zwischen großen und kleineren Großstädten. Städte ab einer Million Einwohner erreichen im Mittel 87,5 Punkte (Vorjahr: 85,8 Punkte), Städte zwischen 500.000 und 999.999 Einwohnern 84,5 Punkte (81,0). Am unteren Ende stehen die Städte zwischen 100.000 und 149.999 Einwohnern mit 66,8 Punkten.“

Smart Cities sind viel mehr als nur Modernisierung

Zwar zeigen die Zahlen eine Kluft zwischen den kleinsten und größten Städten. Doch sie verdeutlichen auch, dass sich der Abstand verringert: von 23,4 auf 20,7 Punkte. „Größe hilft, aber auch Kleine können digital. Die kleinsten Großstädte holen in diesem Jahr am stärksten auf, und mit Erlangen, Hildesheim und Gütersloh stehen gleich drei von ihnen unter den dynamischsten Aufsteigern“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Ein Platz in den Top Ten erforderte diesmal 85,5 Punkte. 2025 haben dafür 84,7 Punkte gereicht, davor 79,8, und 2023 waren 76,6 Punkte nötig. Das kontinuierlich steigende Niveau spiegelt die positive Entwicklung im Bereich der kommunalen Digitalisierung wider. Jetzt gilt es, die Erfolge auszubauen, statt sie durch fehlende infrastrukturelle und finanzielle Mittel auszubremsen. „Die Städte haben bewiesen, dass sie digitalisieren wollen und digitalisieren können. Bei ihren Anstrengungen sollten [sie] weiterhin auch vom Bund unterstützt werden“, so Wintergerst.

Ein kontextuell gutes Zeichen ist das Webinar „Deutschland-Stack – Kompakt-Briefing“, das der DStGB zusammen mit dem BMDS vor Kurzem veranstaltet hat. Im einleitenden Statement erklärte DStGB-Sprecher Alexander Handschuh, dass die Kommunen entscheidend für den Erfolg von Deutschland-Stack und generell Digitalisierung seien. Laut Christina Decker, Leiterin der Abteilung Deutschland-Stack beim BMDS, würde der Deutschland-Stack auch dazu beitragen, dass die Bürger mehr Freude an der Verwaltung haben – und umgekehrt.

Es geht nicht einfach darum, deutsche Städte aus Prestigegründen moderner zu machen, wie Wintergerst ergänzt: „Eine Stadt, die ihre Energienetze, ihren Katastrophenschutz und ihre Verkehrssteuerung digital steuert, […] ist handlungsfähiger und resilienter im Krisenfall.“ Neben der Sicherheit steigt auch die allgemeine Bürgerzufriedenheit, wenn nervige bürokratische Prozesse entschlackt werden oder wegfallen – beispielsweise durch das Once-Only-Prinzip.

Hätte, hätte, Digitalkette. Genau das darf nicht passieren. Deutschland neigt dazu, Wesentliches erst anzustoßen, wenn der Handlungsdruck bereits groß ist. Oder zu situativ-politisch motivierte Entscheidungen zu treffen. Oder elementare Entwicklungen zu zerreden und in theoretischen Konstrukten zu verharren. Doch eine fortschreitende Digitalisierung auf Kommunalebene ist keine rein technische Modernisierung – sie bestimmt auch die Anschlussfähigkeit und Souveränität Deutschlands.

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6G-Weckruf für Europa: Studie sieht EU-Spitzenposition gefährdet

14. Oktober 2026 um 11:00

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6G Europa Weckruf Studie

Mobilfunk und EU, ein klares Match – oder war es das? Gemeinhin gilt Europa in der Mobilfunktechnik als führend, droht bei 6G aber den Anschluss zu verlieren. Das liegt weder an der Expertise noch an der technologischen Basis, sondern ist vielmehr regulatorischer Natur und hängt mit dem schleppenden 5G-Ausbau zusammen, wie eine neue Studie zeigt. Das gefährdet auch die EU-Pläne hinsichtlich technologischer Souveränität. Eine kommentierende Analyse.

Was macht 6G so besonders – und wo steht Europa?

  • Der Übergang von 5G zu 6G wird die globale digitale Technologie maßgeblich verändern. Denn 6G soll neue Möglichkeiten für ein integriertes System aus Datenverarbeitung, Kommunikation und künstlicher Intelligenz eröffnen. Das erfordert anpassungsfähige Netzwerke, die komplexe, dynamische Datenströme zwischen zahlreichen Endpunkten bewältigen können. Kurzum: Es wird nicht nur um schnelles Internet gehen, sondern um eine neue digitale Infrastruktur für physische KI – von autonomen Fahrzeugen über Robotik bis hin zu vernetzten Maschinen – sowie für Cloud-Anwendungen und die weitergehende Integration von Mobilfunk- und Satellitennetzen.
  • Laut einer aktuellen Studie des European Centre for International Political Economy (ECIPE) verfügt die EU in Bezug auf die Telekommunikation über erhebliche Fähigkeiten und ist dahingehend strukturell weniger von Innovationen aus dem Ausland abhängig. Das würden verschiedene Kennzahlen bestätigen. Der wirtschaftliche und strategische Mehrwert entstehe durch Netzwerkausrüstung, ingenieurtechnisches Fachwissen und Telekommunikationstechnologie, die Unternehmen außerhalb der EU zum Aufbau und Betrieb fortschrittlicher Kommunikationsnetze nutzen. Zudem sei der RTA-Wert (Revealed Technological Advantage) der EU für Telekommunikation deutlich ausgeprägter als bei Software und Computerdienstleistungen.
  • Aber: Die technologische Stärke habe sich nicht in kommerziellen Erfolg umgesetzt. Laut der Studie investieren europäische Telekommunikationsausrüster durchschnittlich 18 Prozent ihres Nettoumsatzes in Forschung und Entwicklung. Die operativen Margen würden aber nur bei 3 Prozent liegen. Das sei nicht lediglich eine wirtschaftliche Folge, sondern auch das Ergebnis regulatorischer Entscheidungen, die den europäischen Telekommunikationssektor und dessen Fähigkeit zur Entwicklung und zum Aufbau fortschrittlicher Netze untergraben – und so Europas Wettbewerbsfähigkeit insgesamt beeinträchtigen. Zudem zeige die Bilanz bei 5G, dass Netzwerkkapazitäten, kommerzielle Erfahrung und Investitionsbasis fehlen, die 6G erfordern wird.

Warum Europas 5G-Problem das 6G-Ziel gefährdet

Das größte Dilemma findet sich in den mangelnden 5G-Standalone-Netzen, die in Europa noch fast vollständig fehlen. Doch gerade die sind entscheidend für jene Architektur, die 6G skalieren wird. Wie die Untersuchung zeigt, „erreichte kein einziger EU-Mitgliedstaat eine zweistellige Standalone-Verfügbarkeit“. Demgegenüber sind es 32 Prozent in den USA und 81 Prozent in China. Auch bei privaten 5G-Industrienetzen sind die Studienergebnisse für die EU ernüchternd: Von den 747 erfassten Netzen entfielen allein 500 auf Deutschland, die übrigen 247 auf die anderen 26 Mitgliedstaaten.

Die EU plant einen 6G-Einsatz bis 2030. Doch die als Indikatoren für die 6G-Einsatzbereitschaft fungierenden 5G-spezifischen Kennzahlen machen skeptisch, weil wichtige Investitionen in neue Netzwerkfunktionen verzögert oder verringert werden. Angesichts der ohnehin schon stark ausgeprägten Investitionslücke spricht die Studie hier von einem Weckruf und bezieht sich dabei auf eine Marktstudie von GSMA Intelligence, nach der für eine erstklassige Konnektivität 475 Milliarden Euro nötig wären. Allerdings würden nur rund 270 Milliarden Euro zur Verfügung stehen – das ergibt ein Investitionsdefizit von etwa 200 Milliarden Euro.

Andere Untersuchungen beleuchten die Ursachen. So ergab eine weitere Studie von GSMA Intelligence, dass Europa unter den großen Wirtschaftsnationen weltweit den geringsten Grad an Marktkonzentration aufweist. Daraus sei eine fragmentierte Landschaft entstanden, die „Investitionen in Netze der nächsten Generation einschränkt, den Ausbau von 5G-Standalone verlangsamt und letztlich die digitale Wettbewerbsfähigkeit der EU schwächt“.

Bereits 2025 untersuchte die Europäische Kommission die Fragmentierung europäischer Forschungs- und Innovationssysteme. Die Studie „Divided we fall behind: Why a fragmented EU cannot compete in complex technologies“ kam zu dem Schluss, dass entsprechende EU-Zentren weniger stark miteinander vernetzt sind als US-amerikanische. Doch je komplexer eine Technologie ist, desto wichtiger werden leistungsfähige, überregionale Innovationsnetzwerke – eine zentrale Voraussetzung, um 6G zu entwickeln, zu implementieren und europaweit zu skalieren.

Stimmen

  • In einer Rede im Rahmen des EuCNC & 6G Summit 2025 sprach Thibaut Kleiner, Vorsitzender des Verwaltungsrats des SNS JU, über die strategische Rolle der 6G-Entwicklung und die Bedeutung der Abstimmung von Finanzierung, Regulierung und Forschungsschwerpunkten – mit dieser Schlussfolgerung: „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Geschichte von 5G bei 6G nicht wiederholt. Wir verfügen über die Technologie, die Vision und die Tools – nun brauchen wir die Strategie, um das in großem Maßstab umzusetzen.“
  • Auch Erzsébet Fitori, Executive Director des SNS JU, betont die Chancen und Bedeutung für Europa: „Bei den heutigen Investitionen in 6G geht es nicht nur um Technologie – es geht darum, Europas Zukunft zu sichern, unsere Industrie zu stärken und Chancen für die nächste Generation von Innovatoren zu schaffen.“ Renate Nikolay, stellvertretende Generaldirektorin der GD CONNECT, bringt es auf den Punkt: „6G wird ein entscheidender Faktor für die technologische Souveränität Europas sein.“
  • Die ECIPE-Studie sieht zwar nach wie vor eine echte technologische Führungsposition in der Telekommunikation, Europa „schöpft jedoch zu wenig kommerziellen Wert aus dieser Stärke. 6G bietet einen Weg zu höherwertigen, durch Netzwerke, Rechenleistung und KI ermöglichten Diensten. Doch die bisherige Bilanz Europas bei 5G und der regulatorische Rahmen bergen die Gefahr, dass EU-Unternehmen die Anreize und Kapazitäten verlieren, um diese Chance zu nutzen.“

Technologische Souveränität in Gefahr: Was sich jetzt ändern muss

Europas 6G-Dilemma ist kein technologisches, sondern ein ökonomisches und industriepolitisches Problem. Was nützen einzelne Innovationen, Patente und Standards, wenn der Heimatmarkt letztlich zu klein ist, um die Technologie effektiv zu skalieren? Die Gründe dafür haben nicht zuletzt auch eine regulatorische Dimension. Laut ECIPE-Studie müssen europäische Betreiber das 6G-Geschäftsmodell verglichen mit China und den USA innerhalb eines restriktiveren Rahmenwerks entwickeln.

Gleichzeitig stuft die EU die Tech-Abhängigkeit von China und den USA als Sicherheitsrisiko und nicht mehr nur als wirtschaftliches Problem ein. Dafür plant die EU-Kommission ein technologisch ausgerichtetes Souveränitätspaket, welches vorsieht, dass mehr Halbleiter und Computerchips innerhalb Europas produziert werden. Um das zu gewährleisten, sollen unter anderem bürokratische Hürden abgebaut werden.

Hierfür muss die EU auch den etablierten Telekommunikationsrahmen neu ausrichten. Sicherlich sind Vorschriften elementar, um die Verbraucher und den Wettbewerb zu schützen. Um tatsächlich wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen jedoch solche überarbeitet werden, die rentable 6G-Geschäftsmodelle für fortschrittliche Netzwerkdienste torpedieren.

Die andere große Baustelle sind die erwähnten 5G-Standalone-Netze und die privaten Netzwerke. Denn sie dienen als praktische Testumgebungen für betriebliche und kommerzielle Fähigkeiten und somit als essenzielle Brücke zu 6G. Hier müssen die EU und ihre Mitgliedstaaten klarere Wege für die Migration zu 5G-Standalone, den lokalen industriellen Frequenzzugang und den Aufbau privater Netzwerke fördern.

Aufwachen, Europa! Die kommerzielle Einführung von 6G ist für 2030 geplant – und damit nicht mehr allzu weit entfernt. Die Studie zeigt auf, wo Defizite liegen, die den Spitzenplatz der EU im Bereich der Telekommunikation ernsthaft gefährden, und liefert Lösungsansätze. Fakt ist aber auch, dass es nicht nur um 6G geht, sondern um die proklamierte und dringend benötigte generelle technologische Souveränität der EU.

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Deutschlandticket vs. Tankrabatt – zweierlei Maß?

12. Oktober 2026 um 11:00

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Deutschlandticket Preiserhöhung Tankrabatt Geldverschwendung Kritik DUH

Während der Preis für das Deutschlandticket im nächsten Jahr erneut ansteigt, häuft sich die Kritik am derzeitigen Tankrabatt. Vor allem die Deutsche Umwelthilfe (DUH) positioniert sich klar und stellt eindeutige Forderungen. Doch es sollte nicht nur um Ticketpreise gehen – sondern auch um die dringend benötigte Verkehrswende. Eine kommentierende Analyse.

Deutschlandticket, Tankrabatt, DUH-Kritik: Worum es geht

  • Das Deutschlandticket wird wieder teurer: Ab dem 1. Januar 2027 kostet es 66,80 Euro pro Monat. Damit erhöht sich der Preis um 3,80 Euro. Vom 9-Euro-Testangebot abgesehen handelt es sich um die dritte Preissteigerung seit der Einführung des Deutschlandtickets, das zum offiziellen Start 49 Euro gekostet hat. Als Erklärung für die erneute Erhöhung werden Personal-, Energie- und allgemeine Betriebskosten genannt – Grundlage ist hier der von der Verkehrsministerkonferenz (VMK) im März einstimmig beschlossene Preisindex.
  • Im Zuge des Iran-Krieges haben sich die Kraftstoffpreise stark erhöht. Daraus resultiere „eine starke Belastung für Bürgerinnen und Bürger, die auf die Nutzung des Autos angewiesen sind“, wie es im Koalitionsantrag steht. Daraufhin hat der Bundestag am 25. September 2026 den Tankrabatt beschlossen. Weil die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter sinkt und dadurch auch die Mehrwertsteuer nach unten geht, ergibt sich beim Tanken vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 eine Brutto-Ersparnis von rund 17 Cent pro Liter.
  • Die DUH übt scharfe Kritik an den regelmäßigen (innerhalb von vier Jahren um mehr als ein Drittel) Preiserhöhungen und bringt auch den Tankrabatt ins Spiel. Während Bund und Länder die Zuschüsse beim Deutschlandticket bis 2030 eingefroren haben, würde der Tankrabatt etwa 2,5 Milliarden Euro kosten. Die Kritik richtet sich gegen die Unverhältnismäßigkeit: „Für die Subventionierung von Benzin und Diesel dagegen stehen innerhalb kürzester Zeit Milliarden bereit“, heißt es in der Pressemitteilung der DUH.

Zweierlei Maß: Warum der Vergleich berechtigt ist

Alle Jahre wieder: Das Deutschlandticket wird teurer. 55 Prozent Personal, 20 Prozent Energie und 25 Prozent allgemein. So setzt sich der neue Kostenindex zusammen, nach dem der Preis wohl weiterhin jährlich erhöht wird. Das soll die Bürger vor politischer Willkür schützen, hilft aber auch dem Bund selbst, da er die staatlichen Zuschüsse in Höhe von 1,5 Milliarden Euro nicht aufstocken muss. Genau hier fußt die Kritik der DUH.

Auch wenn der direkte Vergleich zwischen Tankrabatt und Deutschlandticket auf den ersten Blick eher hinkt als stabil geradeaus fährt, hat der DUH-Vorwurf einer „verfehlten Verkehrspolitik“ durchaus seine Berechtigung. Auf der einen Seite (Autofahrer) reagiert der Staat auf höhere Preise mit finanzieller Entlastung, auf der anderen mit einem reglementierten Modell, das steigende Kosten an die Verbraucher weitergibt.

Hinzu kommt, dass ein Tankrabatt nicht nur diejenigen unterstützt, die wirklich darauf angewiesen sind. Sicherlich kam bei der Spritpreisbremse im Jahr 2022 einiges bei den Verbrauchern an. Doch auch die Mineralöl- und Raffinerieunternehmen haben stark profitiert. Und das tun sie erneut: „Ölkonzerne geben Tankrabatt bislang nur teilweise weiter“, wie das ifo Institut verkündet. Hier könnte eine Übergewinnsteuer oder vergleichbare Lösung dazu dienen, außergewöhnliche Krisengewinne abzuschöpfen und einen Teil der staatlichen Entlastungskosten zu refinanzieren – oder anderweitig sinnvoll zu investieren.

Deshalb sollte es nicht nur um Geldtöpfe und Finanzierungsbereitschaft gehen, sondern auch um eine generelle Kritik am erneuten Tankrabatt. Fakt ist nämlich, dass zu den begünstigten Verbrauchern auch diejenigen gehören, die genug Geld haben, um SUV, Porsche und Co. auch bei 2,20 Euro pro Liter und mehr lächelnd zu tanken.

Natürlich sind viele Menschen auf ein Auto angewiesen – gerade in außerstädtischen Regionen. Aber es nutzen auch 14,5 Millionen Menschen das Deutschlandticket. Zweierlei Maß? Der Eindruck entsteht. Dennoch sollte den Autofahrern in der jetzigen Situation geholfen werden. Nur statt über den Tankrabatt auch hohe Einkommen zu entlasten, wäre eine einkommensabhängige Direktauszahlung denkbar. Doch dann steigen die Großverdiener wie bei der Vermögenssteuerdebatte auf ihre Konzerndächer.

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  • Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft, beurteilt den Start des aktuellen Tankrabatts: „Am ersten Oktober wurde der Rabatt vollständig weitergegeben, während die Weitergabe am Wochenende unvollständig blieb.“ Als „wenig zielgenau“ bezeichnet ifo-Experte Christian Gréus den Tankrabatt und ergänzt: „Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung profitieren kaum von diesem Entlastungspaket.“
  • Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, bemängelt die kontinuierliche Preiserhöhung des Deutschlandtickets und schlägt die Brücke zum Tankrabatt: „Das höhlt das Versprechen einer sozialverträglichen und planbaren Finanzierung aus. Mit nur einem Teil der Milliardenkosten für den Tankrabatt hätte sich die erneute Preissteigerung beim Deutschlandticket verhindern lassen. CDU-Verkehrsminister Bilger lässt mit seiner autofixierten Politik Millionen Menschen im Stich, die auf einen bezahlbaren und zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.“
  • Jens Hilgenberg, Leiter für Verkehrspolitik beim BUND, sieht nicht nur den finanziellen Aspekt, sondern auch eine Gefahr für die Mobilitätswende (via tagesschau.de): „Die ständigen Diskussionen um das Ticket und seinen Preis sind ermüdend und erzeugen Unsicherheiten. Die Menschen brauchen langfristige Planbarkeit, um ihr Mobilitätsverhalten dauerhaft zu ändern.“

Günstige Tickets reichen nicht – was die Verkehrswende wirklich braucht

Die DUH fordert „ein Deutschlandticket für 29 Euro für zwölf Monate und anschließend einen dauerhaft stabilen Preis von maximal 49 Euro“. Doch Ticketpreise allein machen die Debatte nicht aus. Laut DUH brauche es zudem „eine Ausbauoffensive für Bus und Bahn und eine bundesweite Mobilitätsgarantie mit verlässlichen Mindeststandards für Stadt und Land“.

Der Mobilitätscheck ÖPNV des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zeigt anhand aktueller Zahlen, dass das Stimmungsbild in dieselbe Richtung unterwegs ist. Etwa 7.500 Menschen aus Deutschland haben an einer Onlinebefragung teilgenommen. Untersucht wurde, was einen attraktiven ÖPNV ausmacht. „Bezahlbare Ticketpreise“ landete mit 48,3 Prozent nur an vierter Stelle – nach „gute Erreichbarkeit, gutes Streckennetz“, „dichter Takt“ und „verlässliche Abfahrtszeiten“.

Der Zusammenhang zwischen ÖPNV-Nutzung und Angebotszufriedenheit ist interessant. Denn wer den ÖPNV seltener als einmal monatlich nutzt, ist besonders unzufrieden. Dabei soll das Deutschlandticket im Sinne der Mobilitätswende gerade jene in Bus und Bahn holen, die mehr mit dem Auto fahren. „Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, müssen mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen“, sagt Alexander Kaas Elias, ÖPNV-Experte des VCD.

„Je mehr Menschen es [das Deutschlandticket] nutzen, desto stabiler kann der Preis langfristig bleiben“, so NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. Der Zuspruch erfolgt aber nicht primär über das Geld, wie die Umfrageergebnisse des VCD zeigen. Verlässlichkeit ist eine der zentralen Säulen. Davon abgesehen ist der Deutschlandticketpreis auch ab 2027 für viele noch lukrativ. Eine aktuelle ADAC-Studie zeigt, dass es in deutschen Großstädten zwar deutliche Preisunterschiede beim ÖPNV gibt, das Deutschlandticket generell aber günstiger als Monatskarten ist.

Ja, der Tankrabatt ist aktionistisch und das falsche Signal. Ja, die Preispolitik beim Deutschlandticket hat hier einen bitteren Beigeschmack. Aber: Um mehr Menschen dazu zu bewegen, auf Bus und Bahn umzusteigen, sind stabile, günstige Ticketpreise nicht der Gamechanger. Es braucht ein zuverlässiges, flächendeckendes und attraktives Angebot: häufigere Verbindungen, gut ausgebaute Infrastruktur, bessere Anschlüsse sowie pünktliche und saubere Züge und Busse.

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Datenschutz? KI-Anbieter geben sogar Chatdaten weiter

08. Oktober 2026 um 11:00

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Datenschutz KI-Anbieter Studie IMDEA Networks Chats

Wie gehen ChatGPT, Claude, Gemini und Co. mit den Daten ihrer Nutzer um? Das zeigt jetzt eine neue Studie vom IMDEA Networks Institute. Die Ergebnisse sind noch ernüchternder als erwartet. Nicht nur, dass alle untersuchten Anbieter ihre Nutzerdaten weitergeben – teilweise sind sogar ganze Chatverläufe dabei. Willkommen in einer neuen Dimension der Datenschutzverstöße. Eine kommentierende Analyse.

Datenschutz bei KI-Anbietern: Was die Studie aufdeckt

  • Das IMDEA Networks Institute ist eine international ausgerichtete Forschungseinrichtung für Kommunikations- und Datennetze mit Sitz in Madrid. Sie wurde Ende des Jahres 2006 als gemeinnützige Stiftung ins Leben gerufen und konzentriert sich heute auf Bereiche wie Big Data, Cloud-Computing, Machine Learning, Netzwerksicherheit und eben Datenschutz. Die zugrunde liegende Studie mit dem Titel „Prompt like a Butterfly, Sting like a Tracker: A Privacy Analysis of Web and Mobile Conversational AI Agents“ gilt derzeit als Preprint und soll 2027 veröffentlicht werden.
  • Im Rahmen der systematischen Datenschutzanalyse wurden neun führende dialogorientierte KI-Anbieter im Browser und, wenn vorhanden, als Android-App untersucht: ChatGPT, Claude, Gemini, Grok, DeepSeek, Perplexity, Le Chat, Meta AI und MS Copilot. Dafür wurden statische und dynamische Analysen kombiniert. Erste Ergebnisse hatte IMDEA Networks bereits am 04. Mai 2026 via LeakyLM veröffentlicht – damals vorerst zu vier Anbietern (ChatGPT, Claude, Grok und Perplexity).
  • Alle untersuchten Anbieter geben Nutzerdaten an Drittanbieter weiter – insgesamt sollen 44 Drittanbieter aufgetaucht sein. Bei sechs der neun Webdienste und drei der acht Android-Apps inkludierte die Datenweitergabe an Werbe- oder Trackingdienste von Drittanbietern auch Konversations-URLs (Permalinks), Titel, Prompts und Screenshots, oft zusammen mit persistenten Identifikatoren. Über die Permalinks können Drittanbieter direkt zu den Chatverläufen gelangen. Hier fielen fünf Webdienste auf, die solche Daten an neun Tracker weitergegeben haben.

Warum sogar Cookies geschmacklos sind

Seit dem 24. August 2026 schaltet OpenAI auch in Europa werbliche Anzeigen, unter anderem in Deutschland. Doch je mehr ein KI-Tool zur Werbeplattform wird, desto interessanter werden traditionelle Trackingpraktiken, um Ads möglichst personalisiert auszuspielen. Gleichermaßen sollte der Datenschutz fokussiert werden. Nur leider zeigt sich immer wieder, wie grauzonig das Thema hinsichtlich künstlicher Intelligenz gehandhabt wird. Zumal vieles im rasanten KI-Entwicklungskosmos nach dem Prinzip „Wird schon schiefgehen“ zu funktionieren scheint.

Meta ist hier ein gutes Beispiel. Frei nach dem Motto: So lange Profit rausschlagen, bis sich jemand beschwert. Kommt es zu einer Klage, bei Meta im Zusammenhang mit Daten- und Verbraucherschutz keine Seltenheit, ist ein potenzieller Vergleich meist das kleinere Übel – wie zuletzt im Streit um mehr Jugendschutz. Vergangenes Jahr wurde bekannt, dass Meta die Daten europäischer Nutzer für das Training seiner KI-Modelle verwenden will. Wer das nicht möchte, kann Widerspruch einlegen.

Warum ist das interessant? Sind persönliche Daten im Spiel, müssen neben der Transparenz in Bezug auf die Nutzung vor allem Möglichkeiten vorhanden sein, um ebendiese einzuschränken oder zu verhindern – spezifische Datenschutzeinstellungen und Einwilligungsoptionen für Cookies zum Beispiel. Zurück zur Studie: Bei vier der untersuchten KI-Anbieter hat das Ablehnen von Cookies nicht verhindert, dass Tracker die Daten sammeln.

Genau hier wird es kritisch. Ja, ständige Cookie-Einstellungsaufforderungen sind nervig. Aber zumindest ließe sich die Datenverarbeitung darüber steuern. Theoretisch. Funktioniert das jedoch nicht, haben wir den persönlichen Verantwortungsraum verlassen – und die Tür steht weit offen.

Laut JIM-Studie 2025 nutzen 91 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen mindestens eine KI-Anwendung – insbesondere ChatGPT. Wie wahrscheinlich ist es, dass die meisten von ihnen die Datenschutzrichtlinien gelesen oder Einstellungen vorgenommen haben, um ihre Daten zu schützen? Die Antwort liegt auf der Hand – genau wie unsere Daten. Bitte sehr, bedienen Sie sich. Wer angemeldet ist, sieht im ChatGPT-Interface mitunter nicht einmal mehr einen Footer mit passenden Verlinkungen.

Stimmen

  • Aus der Studie von IMDEA Networks: „Die den Nutzern zur Verfügung stehenden Datenschutzeinstellungen haben nur begrenzte Auswirkungen auf die grundlegenden Datenflüsse. Selbst wenn nicht notwendige Cookies abgelehnt werden, bleiben 80,8 Prozent der Tracker von Drittanbietern aktiv. […] Grundlegender noch ist, dass die wirksamsten Kontrollmechanismen gerade für jene Nutzer am schwersten zugänglich sind, die dem Tracking am stärksten ausgesetzt sind. Im Web unterstützt nur die kostenpflichtige Stufe von ChatGPT dauerhafte Einwilligungseinstellungen, doch verbleiben rund 95 Prozent der ChatGPT-Nutzer in den kostenlosen Stufen.“
  • Anu Talus, Vorsitzende des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA), zur Bedeutung des Datenschutzes im KI-Zeitalter: „Innovation und Effizienz sind entscheidend und lassen sich mit der Wahrung der Rechenschaftspflicht von KI-Anbietern vereinbaren. Die Datenschutzbehörden müssen jedoch eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung personenbezogener Daten von Einzelpersonen behalten. Eine Zusammenarbeit zwischen den Datenschutzbehörden, dem KI-Büro und den Marktaufsichtsbehörden ist unerlässlich, um Rechtssicherheit für Organisationen zu gewährleisten und Innovationen zu fördern, während gleichzeitig die Grundrechte des Einzelnen gewahrt bleiben.“
  • IMDEA Networks kommt zu dem Schluss, dass dialogbasierte KI-Anbieter wesentlich umfangreichere und sensiblere Informationen preisgeben als herkömmliche Web- und Mobilfunkdienste: „Über die Erfassung persistenter IDs hinaus geben mehrere Anbieter aus Gesprächen abgeleitete Artefakte, die den Inhalt, das Thema oder den Kontext von Nutzerinteraktionen kodieren, an Trackingdienste von Drittanbietern weiter.“ Die Studie werfe weiterreichende Fragen hinsichtlich der Offenlegung von Konversationsdaten, der Wirksamkeit bestehender Datenschutzmaßnahmen sowie der Rechenschaftsmechanismen auf, da Dritte „in Kombination mit dauerhaften Identifikatoren und laxen Zugriffskontrollmechanismen neue Möglichkeiten [erhalten], sensible Konversationsdaten mit langfristigen Nutzerprofilen zu verknüpfen und in einigen Fällen direkt auf die betreffenden Konversationsinhalte zuzugreifen“.

Chatverläufe als Tracking-Goldmine: Was jetzt passieren muss

Die Studie legt den Finger auf eine längst offene Wunde und deckt dabei neuartige Datenschutzrisiken für dialogorientierte KI-Anbieter auf. Während herkömmliche Trackingsysteme primär das Surfverhalten beobachten, erzeugen KI-Plattformen sogenannte „Gesprächsartefakte“, die Nutzerinteraktionen kodieren.

Auch abseits der Permalinks ist es für Dritte möglich, tiefer in die Chatinhalte der Nutzer einzutauchen. Es heißt, dass 33,3 Prozent der untersuchten KI-Anbieter automatisch erstellte Konversationstitel weitergegeben haben, die den Inhalt eines Gesprächs präzise zusammenfassen können – beispielsweise „Mein Gehalt beträgt 85.000 Dollar. Wie hoch kann meine Hypothek in New York City sein?“. Es wurden auch Standorte, E-Mail-Adressen und dauerhafte Benutzererkennungen geteilt.

Von Gesundheits- bis Finanzthemen: Je dialogorientierter KI-Anbieter werden, desto mehr sensible Informationen teilen wir mit ihnen. Wir verstehen sie als niedrigschwellige Alltagshelfer, die jederzeit ein offenes digitales Ohr haben. Trotzdem sagen „mehr als 80 Prozent der Nutzer, dass sie Bedenken hinsichtlich der Verwendung ihrer Gesprächsdaten haben“, wie aus der 2026 veröffentlichten Studie „Platform Choice, Trust, and Privacy in the Consumer AI Assistant Market“ hervorgeht, die 1.999 erwachsene Nutzer von KI-Assistenten in den USA untersucht hat.

Laut der US-Studie hinkt das Schutzverhalten trotz der Bedenken hinterher. Natürlich liegt einiges bei uns. Doch die Ergebnisse der IMDEA-Networks-Untersuchung zeigen, wie dünn auch vermeintlich wirksame Mechanismen sein können und wie umfangreich die Weitergabe unserer Daten tatsächlich ist.

Daraus ergibt sich eine klare Aufgabe: Wenn wir es selbst nur bedingt in der Hand haben und KI-Anbieter eher freigiebig als sorgsam mit Nutzerdaten umgehen, müssen Regulierung und Aufsicht sicherstellen, dass DSGVO, KI-Verordnung und dergleichen keine rein theoretischen Konstrukte sind.

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E-Auto-Boom kostet Milliarden: Halter müssen mehr bezahlen

07. Oktober 2026 um 11:00

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E-Auto-Boom Kosten Elektromobilität teuer

Finanzielle Förderungen für mehr E-Auto-Käufe. Tankrabatt gegen immens gestiegene Benzin- und Dieselpreise. Und gleichzeitig löscht die Energiewende die Spritsteuer nach und nach aus – weniger CO2-Emissionen lassen auch die Steuereinnahmen sinken. Verschiedene Modelle stehen jetzt im Fokus, um die Lücke im Bundeshaushalt zu schließen. Eine kommentierende Analyse.

Warum der E-Auto-Boom den Bundeshaushalt unter Druck setzt

  • Klimaargumente wirken nicht bei allen. Doch es gibt auch andere Gründe für Elektromobilität: die derzeit hohen Spritpreise beispielsweise. „Die Leute gehen weg von Benzin und Diesel. Der durch die hohen Spritpreise ausgelöste Boom der E-Autos nimmt die Antriebswende vorweg“, meint Jens Boysen-Hogrefe, Steuer- und Verkehrsexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Gespräch mit Deutsche Welle. Der erwähnte Boom in Zahlen: Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden im August 2026 fast 69.000 reine Elektroautos neu in Deutschland zugelassen (75,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat).
  • Grund zur Freude? Aus Sicht der Energiewende allemal. Aus dem Finanzministerium hört man indes die Schnappatmung. Denn beim Laden von E-Autos wird die Energiesteuer durch eine geringere Stromsteuer ersetzt. Und für den Staat ist das auslaufende fossile System sehr lukrativ, da neben der Energiesteuer weitere Abgaben wie die CO2-Bepreisung hinzukommen. Weil diese Einnahmen direkt in den Staatshaushalt fließen, fehlen dem Bund letztlich Milliarden. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist das Steueraufkommen aus Benzin und Diesel von rund 37 Milliarden Euro (2016) auf rund 33 Milliarden Euro (2025) gesunken.
  • Entscheidender ist die Entwicklung. Laut einer aktuellen Studie der Universität Münster werden „die Einnahmen mit zunehmender Flottenelektrifizierung deutlich zurückgehen und sich ohne politisches Gegensteuern bis 2050 gegenüber dem Basisjahr 2024 voraussichtlich halbieren“. Die Kernfrage lautet: Wie lassen sich die finanziellen Einbußen auffangen? Ziel darf nicht sein, die Energiewende zu bremsen. Deshalb sind alternative Besteuerungen und erhöhte Abgaben im Gespräch – auch mit einem Blick auf andere Länder.

Von Steuerverschärfung bis Maut – was wirklich zur Debatte steht

Großbritannien zieht das Tempo an und könnte als Vorfahrer fungieren, denn dort soll ein Modell umgesetzt werden, über das die Verkehrswissenschaft schon länger diskutiert. Ab April 2028 soll die Electric Vehicle Excise Duty (eVED) greifen. Gemeint ist eine Abgabe (zusätzlich zur regulären britischen Kfz-Steuer) für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV), Plug-in-Hybride und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, die sich nach den zurückgelegten Meilen bemisst. Für BEVs bedeutet das: Pro gefahrener Meile fallen 3 Pence an – umgerechnet etwa 2,2 Cent pro Kilometer. In Island und Neuseeland gibt es die Kilometerabgabe schon seit 2024. Und die Schweiz liebäugelt mit einer vergleichbaren Variante ab 2030.

Eine andere Lösung wäre eine verschärfte Stromsteuer. Doch das Thema ist deutlich politischer, als es zunächst erscheint. Erst kürzlich hat sich das Bundesfinanzministerium mit einem Schreiben an die Europäische Kommission gewendet, um auch in Zukunft einen Spielraum bei der Strombesteuerung zu haben – quasi eine Hintertür, um die wirtschaftliche Differenz zwischen BEVs und Verbrennern kleiner zu halten.

Davon abgesehen: Wie würde sich die Lösung im Alltag an die unterschiedlichen Szenarien (öffentliches Laden, Wallbox und selbst erzeugter Strom) anpassen? Bei einer reinen Zusatzbesteuerung an öffentlichen Ladestationen wären Betroffene ohne eigenen Stellplatz oder Garage benachteiligt.

Administrativ einfacher wären höhere Kfz-Steuern oder einmalige Zulassungsabgaben, die sich nach Wert, Gewicht oder Leistung des Fahrzeugs richten. Allerdings würde eine solche Besteuerung die tatsächliche Nutzung kaum berücksichtigen. Außerdem befindet sich Deutschland hier gerade im Rückwärtsgang. Um den Kaufanreiz für E-Autos zu erhöhen, hat die Bundesregierung beschlossen, die Kfz-Steuerbefreiung für neu zugelassene BEVs zu verlängern.

Auch eine entfernungs- und verkehrsabhängige Pkw-Maut wäre denkbar, um die fehlenden Einnahmen hinsichtlich der Energiesteuer zu kompensieren. Dann würden Autofahrer nicht über den Kraftstoffverbrauch, sondern über die Straßennutzung zur Kasse gebeten werden, indem sie eine Pauschale zahlen und diese über eine Vignette am Fahrzeug nachweisen. Neu ist das nicht, wie Lkw-Fahrer in Deutschland wissen. Vorteil: Die technologische Grundlage und Praxiserprobung wären bereits vorhanden.

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  • Aus der bereits erwähnten Studie des Instituts für Verkehrswissenschaften (IVM) der Universität Münster: „In einem dynamischen Simulationsmodell wurden fünf Instrumente zur Gegenfinanzierung verglichen: Fahrstromsteuer, Pkw-Maut, Vignette, Kfz-Steuererhöhung und Energiesteuererhöhung. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede: Die Maut weist die höchste Effizienz auf, die Fahrstromsteuer die geringsten regressiven Verteilungswirkungen. Maut und Vignette ermöglichen zudem eine hohe Einnahmeplanbarkeit. Eine Erhöhung der Energiesteuer kann zwar die Transformation zusätzlich beschleunigen, reicht langfristig jedoch nicht aus, um das angestrebte Einnahmenniveau zu sichern.“
  • Andreas Knie, Sozialwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin, gegenüber der taz: „Der motorisierte Individualverkehr muss sich stärker an den Kosten der Infrastruktur beteiligen.“ Knie sieht jedoch von einer Kilometerabgabe wie in Großbritannien ab und plädiert für eine Bemessung der Steuer am Stromverbrauch: „Wer viel Strom verbraucht, sollte auch mehr bezahlen.“ Davon würden zudem die Halter sparsamer Fahrzeuge profitieren.
  • Das Bundesministerium der Finanzen stellt ein Ende der E-Förderung im Rahmen des Gesetzes zur Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes in Aussicht: „Mit dem sukzessiven Erreichen der Ziele der Elektromobilität im Verkehrssektor und der damit verbundenen weitergehenden Marktdurchdringung der reinen Elektrofahrzeuge ist eine weitere Aufrechterhaltung der langjährigen Förderdauer von reinen Elektrofahrzeugen in der Kraftfahrzeugsteuer zukünftig nicht mehr geboten.“

Wann E-Auto-Fahrer mit höheren Kosten rechnen müssen

Noch sind die genannten Lösungen in Deutschland bloß Theorie. Es steht jedoch fest, dass der Bund einen Weg wählen wird, um die Steuerlücke zu schließen oder zumindest zu verkleinern. Das ist auch grundsätzlich in Ordnung, wenn in der wichtigen Phase keine falschen Weichen gestellt werden: solche, die den E-Auto-Boom blockieren und die Energiewende ernsthaft bedrohen. Fakt ist aber auch, dass die momentanen Vergünstigungen ein Ablaufdatum haben.

Das heißt jedoch keinesfalls, dass sich ein E-Auto nicht lohnen würde. Im Gegenteil: Gerade jetzt sind Neuzulassungen besonders lukrativ – nicht nur einmalig oder kurzfristig, sondern im Fall der Kfz-Steuer beispielsweise für viele Jahre. Und selbst wenn Ausgleichslösungen implementiert sind, sollte der Betrieb eines E-Autos verglichen mit einem Verbrenner günstiger bleiben – umso mehr bei heimischen Ladeoptionen mit eigenem Solarstrom.

Die primäre Frage ist demnach nicht das „ob“, sondern das „wie“ und „wann“. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine schärfere Stromsteuer beispielsweise das falsche Signal. Im schlimmsten Fall würde sie dem derzeitigen und grundsätzlich dringend benötigten Hochlauf der E-Mobilität schaden, indem sie wertvolle Argumente für den Umstieg auf Elektromobilität tilgt.

Sekundär müssen wir das „wofür“ betrachten. Denn die Einnahmen über die Energiesteuer (oder kommende Alternativen) gehören dem Staatshaushalt. Will heißen: Entsprechende Gelder fließen nicht automatisch und zweckgebunden in die Straßenfinanzierung. Dort werden sie aber gebraucht. Laut KfW-Kommunalpanel gab es 2024 im Bereich der ohnehin stark finanzierungsbedürftigen kommunalen Infrastruktur einen Investitionsrückstand von 48,3 Milliarden Euro.

Dass durch Mobilität erzielte Einnahmen auch gezielt als infrastrukturelle Mittel genutzt werden sollten, ist eine Sache. Das muss die Politik gewährleisten. Gehen wir davon aus, müssen genau das aber auch die E-Auto-Fahrer in ihre Kalkulation einbeziehen – und erkennen, dass der besonders günstige Istzustand kein Dauerzustand sein kann, wenn sie in Zukunft auf sicheren Straßen unterwegs sein und eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur nutzen wollen.

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Spannersoftware: Große Mehrheit will KI-Entkleidungs-Apps verbieten

28. August 2026 um 11:00

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Undress App Entkleidung Nudify KI Künstliche Intelligenz Verbot

Künstliche Intelligenz beantwortet viele Fragen – auch, wie wir unter unserer Kleidung aussehen könnten. Ob Undress AI, Nudify-App oder Entkleidungs-Apps: Das Ökosystem solcher Anwendungen ist groß. Und allein die private Nutzung ist mehr als fragwürdig. Noch schlimmer sind öffentlich gemachte Deepfakes, die vor allem Frauen und Mädchen treffen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland für ein Verbot dieser Apps wäre. Eine kommentierende Analyse.

Was sind KI-Entkleidungs-Apps?

  • Viele von uns haben aus Spaßgründen im Freundeskreis bereits KI-Fotos erstellen lassen. Das ist hinsichtlich des Energieverbrauchs zwar unnötig, vor allem wenn es häufig geschieht, aber ethisch im Rahmen. Doch es gibt spezielle KI-Anwendungen, die Fotos in sexualisierte Bilder oder Videos umwandeln können – in Sekundenschnelle, mit sehr geringem Aufwand und ohne dass die betroffenen Personen davon wissen.
  • Bitkom Research hat im Auftrag des Digitalverbands Bitkom eine repräsentative Umfrage zu KI-Entkleidungs-Apps durchgeführt, an der 1.006 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch oder online teilgenommen haben. Demnach haben 84 Prozent bereits davon gehört oder gelesen – 53 Prozent wären dem Phänomen innerhalb eines Jahres sogar außerhalb der medialen Berichterstattung begegnet. Ebenfalls 84 Prozent sprechen sich für ein weltweites Verbot entsprechender KI-Anwendungen aus.
  • Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten sorgen sich um künstliche Nacktaufnahmen ihrer Kinder oder anderer nahestehender Personen. Dass sie selbst betroffen sein könnten, befürchten 43 Prozent. Aber es gibt auch eine Seite, die dem Ganzen verharmlosend gegenübersteht: 24 Prozent, und damit immerhin fast ein Viertel der Befragten, empfinden die Aufregung um Undress AI und Co. übertrieben.

Warum ein Verbot allein nicht reicht

Digitalisierte Gewalt ist kein Einzelfall – und Deepfakes sind nur eine Lamelle des dunklen Fächers. Um dem Gefahrenspektrum entgegenzuwirken und betroffene Personen besser zu schützen, hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt erstellt. Denn der Rechtsschutz hat noch Lücken.

Ja, so ein Gesetzesentwurf muss durch verschiedene Instanzen. Ja, Deutschland ist bekannt für lange bürokratische Wege. Aber eigentlich ist das alles nichts, worüber man diskutieren sollte. Allein in Deutschland leiden Millionen Menschen unter digitaler Gewalt – Frauen sind am meisten betroffen. Eine USENIX-Studie aus dem Jahr 2025 hat ergeben, dass 19 von 20 Anwendungen explizit auf das Entkleiden von Frauen spezialisiert sind. Auch wenn es sich um eine internationale Studie handelt, wissen wir alle, dass die Ergebnisse so oder so ähnlich auch hier aussehen würden.

Laut Website des BMJV soll das geplante Gesetz „Strafbarkeitslücken insbesondere im Bereich sexualisierter Deepfakes, voyeuristischer Bildaufnahmen und Rache-Pornos“ schließen. Wir befinden uns also mitten im Thema. Doch der Istzustand sieht folgendermaßen aus: Wenn ich allgemein danach google, finde ich in den vorderen Ergebnissen auch Toplisten, die KI-Nudify-Apps auf dem Silbertablett servieren. Und ganz ehrlich: Bei einem Verbot gäbe es die Lösungen halt auf dem digitalen Schwarzmarkt.

Dennoch ist ein Verbot natürlich ein wichtiger Schritt, weil es den Zugang erschweren würde. Ein wirksamer Schutz ist damit jedoch nicht gewährleistet. Es benötigt Rechtsgrundlagen für Ermittlungen und empfindliche Strafen bei erfolgreicher Beweisführung. Zudem brauchen Betroffene „pragmatische Hilfe – von der Entfernung entsprechender Inhalte bis hin zu rechtlicher und psychologischer Beratung“, wie es Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder formuliert.

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  • Bernhard Rohleder kritisiert Nudify-Apps entschieden und fordert ein Verbot: „KI-Entkleidungs-Apps sind für die Betroffenen kein Spaß. Sie verletzen, verängstigen und können traumatisieren. Diese Apps können den Betroffenen auch erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Schaden zufügen, im Beruf oder zum Beispiel im Klassenverbund der Schulen. Solche Entkleidungs-Apps sollten verboten werden, wer sie nutzt, muss zur Verantwortung gezogen werden.“
  • Der „Mapping the ‘Nudify’ Tools Ecosystem“-Report von Juli 2026, unterstützt vom „Challenge Fund“ des UK AI Security Institute, offenbart eine bedenkliche Entwicklung: „Unsere Untersuchung hat ein ausgereiftes und anpassungsfähiges Ökosystem geschlechtsspezifischer Deepfakes identifiziert, das über Randgemeinschaften hinaus bis in den Mainstream digitaler Dienste reicht, darunter Suchmaschinen, App-Stores und Social-Media-Plattformen. […] Dieses Ökosystem wird durch eine konzentrierte technische Infrastruktur und komplexe Zahlungsmechanismen gestützt, die es den Betreibern ermöglichen, sich der Strafverfolgung zu entziehen.“
  • Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) hält den Gesetzesentwurf für unzureichend: „Ich begrüße es sehr, dass das Bundesjustizministerium die Ankündigung zum Thema bildbasierte sexualisierte Gewalt aus dem Koalitionsvertrag derzeit umsetzt. Der Schutz von Frauen und Mädchen duldet keinen weiteren Aufschub. Der vorgelegte Referentenentwurf geht aus meiner Sicht aber nicht weit genug und wird dem Unrechtsgehalt von Deepfakes nicht ausreichend gerecht.“

Selbst ChatGPT entkleidet Kinder – und nennt es altersgerecht

Ich habe ChatGPT gefragt, ob es Menschen auf Fotos entkleiden kann. Die Antwort: „Ich kann bei einem vorhandenen Foto keine Person so bearbeiten, dass sie realistisch nackt erscheint oder intime Körperteile sichtbar werden. Ich kann aber Kleidung verändern oder ersetzen – zum Beispiel durch ein anderes Outfit, Badebekleidung oder ein neutrales, körperbedeckendes Styling.“ Auf die Nachfrage, ob das auch für Kinder gelte, heißt es: „Badebekleidung ist als Beispiel bei Kindern deutlich kontextabhängiger als bei Erwachsenen. Ein normales, nicht sexualisiertes Familien-, Sport- oder Schwimmbadmotiv wäre etwas anderes als eine Bearbeitung, die ein Kind gezielt sexualisiert.“

OpenAI distanziert sich klar von sexualisierten Motiven. Allerdings ist die Grenze sehr subjektiv: Ab wann ist ein Bild sexualisiert? Richtig, wenn es bestimmte Reize beim Betrachter auslöst. Ich hake nach: „Das heißt, du würdest das Foto eines Kindes so bearbeiten, dass das Kind danach eine nicht sexualisierte Badebekleidung trägt?“ ChatGPT: „Ja, grundsätzlich ja – sofern das Ergebnis eindeutig nicht sexualisiert und altersgerecht ist. Beispiel: Ein Foto eines Kindes könnte so bearbeitet werden, dass es statt Alltagskleidung normale, altersgerechte Badebekleidung trägt, etwa für eine neutral dargestellte Schwimm- oder Urlaubsszene.“ Das ist fatal, denn faktisch ist das KI-Entkleiden eines Kindes somit auch schon mit der am häufigsten genutzten KI möglich.

Das Beispiel zeigt, wie sehr KI die Grenzen verwässert. Die einzig vertretbare Antwort wäre „Nein“ gewesen. Stattdessen mauschelt sich die KI ihre eigene Grauzone zurecht. Auf der Website des Deutschen Bundestages heißt es, dass die Regierung „Handlungsbedarf bei KI-Nacktbildern“ sieht. Schon die schwache Formulierung verdeutlicht das Kernproblem: Die Dringlichkeit wird unterschätzt – so lange, bis sich echte „Augenöffnerfälle“ wie der Selbstmord von Elijah Heacock nach einem Sextortion-Betrug mehren.

Eine Untersuchung von Tech Transparency Project hat aufgedeckt, wie leicht sich Apps finden lassen, um auf einfache Weise sexualisierte Bilder von Frauen ohne deren Einwilligung zu erstellen: im Google Play Store waren es 55 und im Apple App Store 47 Apps. Die Ergebnisse stammen aus Januar 2026. Vor wenigen Tagen wurde publik, dass zwei Schüler aus Berlin mit KI generierte Nacktbilder von Mitschülerinnen verbreitet haben sollen. Weitere vergleichbare Fälle lassen sich spielend leicht finden. Das ist der Ausblick. Entscheidend sind die Konsequenzen.

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