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OpenAI verliert Kontrolle über seine KI – und macht einen PR-Stunt draus

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OpenAI Kontrolle KI Hugging Face Hack Sicherheitslücke ChatGPT-5.6

OpenAI hat einen „beispiellosen Cybervorfall“ eingeräumt. KI-Modelle des Unternehmens sollen eigenständig aus einer Testumgebung ausgebrochen sein und sich Zugang zum offenen Internet verschafft haben. Anschließend hackten sie ein anderes Unternehmen. Politik, Wirtschaft und KI-Szene zeigen sich schockiert. Der Fall offenbart große Risiken durch autonome KI-Agenten, dürfte aber auch Teil eines geschickten PR-Manövers sein. Denn: OpenAI strebt an die Börse. Eine kommentierende Analyse.

Wie OpenAIs KI aus ihrer Testumgebung ausbrach

  • Bei einem Experiment von OpenAI ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Ein KI-Modell des Unternehmens drang eigenständig in die Computersysteme der US-Plattform Hugging Face ein und agierte dabei wie ein Hacker. Das räumte OpenAI in einem Blogbeitrag ein. Hugging Face, eine Plattform zum Austausch von Datensätzen und KI-Modellen, hatte bereits einige Tage zuvor einen Angriff auf seine Systeme festgestellt und einen autonomen KI-Agenten dahinter vermutet. OpenAI gab nun zu, dass eines seiner KI-Modelle bei einem Test aus einer eigentlich isolierten Umgebung ausgebüchst sei und sich Zugang zum Internet verschafft habe. Es hackte sich in fremde Rechner und kompromittierte von dort aus die Infrastruktur von Hugging Face.
  • OpenAI schildert den genauen Ablauf. Das Unternehmen wollte testen, wie gut GPT-5.6 Sol und ein noch unveröffentlichtes KI-Modell Sicherheitslücken aufspüren und ausnutzen können. Um die maximalen Fähigkeiten zu identifizieren, wurden die Sicherheitsmechanismen dabei bewusst runtergeschraubt. Die KIs sollten einen branchenüblichen Standardtest namens ExploitGym lösen. Um die Aufgabe zu bewältigen, hat sich die Software aber über eine bislang unbekannte Schwachstelle Zugriff auf einen OpenAI-Rechner mit Internet verschafft. Im Netz suchten die Modelle dann nach Möglichkeiten, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
  • Die KI-Modelle sollen OpenAI zufolge zu dem Schluss gekommen sein, dass es auf Hugging Face nützliche Informationen und Daten für die Lösung der gestellten Aufgaben geben könnte. Die Software hat sich deshalb kurzerhand Zugang verschafft, um beim ExploitGym-Test zu schummeln. Die KIs nutzten dazu eine Sicherheitslücke sowie erbeutete Zugangsdaten. Laut Hugging Face führten die Modelle Tausende Aktionen durch und wechselten während des Angriffs mehrmals ihren Standort. Etwas skurril: Die Plattform hat sich als Reaktion auf die Attacke eine offene KI aus China heruntergeladen, um die rund 17.000 Attacken zu analysieren.

Sicherheitstest oder PR-Stunt?

Der KI-Einbruch bei Hugging Face ist keine kleine Labor-Panne. Der Fall offenbart vielmehr, wie schmal der Grat zwischen einer nützlichen KI, die Sicherheitslücken aufspüren kann, und einem realen Sicherheitsrisiko ist. Etwa, wenn eine KI dafür missbraucht wird, die Lücken auszunutzen, die sie enttarnt hat.

Bedeutet in dem Fall konkret: Ausgerechnet ein System, das Schwachstellen finden sollte, wurde selbst zu einer Art Schwachstelle. Einerseits ist, was vor Kurzem vielleicht noch wie Science-Fiction anmutete, mittlerweile unbequeme Realität. Andererseits steuert OpenAI auf den Börsengang zu.

Will heißen: Das Unternehmen strickt aus einem Sicherheitsvorfall wohl auch eine Geschichte zur Demonstration des eigenen technischen Könnens. Den Angriff als reinen PR-Stunt abzutun, wäre aber auch fahrlässig. Denn OpenAI wegen Transparenz zu rügen, könnte am Ende dafür sorgen, dass der nächste Vorfall vielleicht unter den Teppich gekehrt wird.

Was ist also die Lehre? Vielleicht, dass nicht unbedingt einzelne KI-Modelle das Problem sind, sondern, dass es ein Defizit bei der Steuerung autonomer KI-Agenten gibt. Denn die Fähigkeit, Sicherheitslücken in großen Unternehmen oder Institutionen aufzuspüren, ist grundsätzlich sinnvoll. Sie darf aber nicht im selben Atemzug zur Gefahr werden.

Stimmen

  • OpenAI zitiert Clem Delangue, Mitgründer und CEO von Hugging Face, in einer Pressemitteilung zu dem Vorfall: „Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit mit OpenAI zu diesem und anderen Themen. Dieser Vorfall, möglicherweise der erste seiner Art, bestätigt eine Überzeugung, die wir seit Langem vertreten: KI-Sicherheit wird nicht von einem einzelnen Unternehmen gelöst, das im Verborgenen arbeitet. Sie wird offen und gemeinsam gelöst, mit breitem Zugang zu KI für alle, die verteidigen, überall.“
  • Philipp Slusallek, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Computergrafik-Professor an der Universität des Saarlandes, in einem Interview zu den Folgen des OpenAI-Vorfalls: „Ein paar Daten wurden abgegriffen, ansonsten entstand kein Schaden. (…) Der Fall zeigt, dass KI-Systeme inzwischen so mächtig und schnell geworden sind, dass sie aus ihrem Käfig ausbrechen können. (…) Mir zeigt das vor allem, dass selbst eine Firma, die Sicherheitsgrenzen gezogen hat, nicht in der Lage ist, die KI einzugrenzen. OpenAI hat ja nichts Böses vorgehabt. Aber was, wenn jemand tatsächlich etwas Böses plant? Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo man der KI in bestimmten Situationen nicht mehr einfach den Stecker ziehen kann.“
  • Der OpenAI-Vorfall hat auch die Politik auf den Plan gerufen. Ein Sprecher des Digitalministeriums sagte etwa: „Dieser Vorfall ist ein weiteres Beispiel dafür, dass wir einen Paradigmenwechsel sehen, was die Fähigkeiten von KI-Agenten betrifft. Das verändert auch die Bedrohungslage potenziell massiv.“ FDP-EU-Abgeordnete Svenja Hahn gegenüber dem Spiegel: „Es darf nicht passieren, dass eine KI außerhalb des gesteckten Rahmens eigenständig agiert.“ Grünen-Politikerin Alexandra Geese sagte dem Magazin: „Der eigenständige Einbruch von OpenAI-KI in ein anderes Unternehmen gefährdet unsere gesamte Wirtschaftsordnung und muss nach Artikel 55 der KI-Verordnung in Europa gemeldet werden.“

Warum Europa eigene KI-Modelle braucht

Der OpenAI-Zwischenfall gießt weiteres Öl in die ohnehin schon feurige Debatte über strengere Sicherheitsstandards für autonome KI-Agenten. Doch bislang unterscheiden sich die weltweiten Regeln erheblich. Diese Unterschiede werden nun zunehmend zu einem Problem. Denn: Eine KI kennt keine Landesgrenzen, wenn sie einmal ins öffentliche Netz ausgebrochen ist.

Viele fordern deshalb seit Jahren verbindliche Regeln, die festlegen, was KI darf und was nicht. Auch, damit die Technologie, die in vielen Bereichen nützlich und sinnvoll sein kann, nicht ausschließlich Misstrauen auslöst. In Europa stehen Sicherheitsinstitute und gemeinsame Forschungsplattformen zwar bereits in der Pipeline.

Doch OpenAI hat wieder einmal bewiesen, dass die Politik mit der technologischen Entwicklung schlichtweg nicht Schritt halten kann. Zur Debatte steht deshalb auch eine Art Verteidigungs-KI. Sprich: Eine KI soll andere KIs überwachen. Das mag zunächst vielleicht etwas paradox klingen, scheint in Anbetracht der aktuellen Ereignisse und Entwicklungen aber deutlich weniger absurd.

Indes: Der Fall wirft wieder einmal auch einen Schatten auf Europa. Denn er zeigt, dass das Streben nach eigenen KI-Modellen keine Souveränitätsromantik sein darf, sondern schlichtweg unabdingbar ist. Letztlich geht es nämlich nicht nur darum, wie leistungsfähig KI-Modelle sind, sondern auch darum, wer die Kontrolle darüber hat. Denn diese hat im Fall von OpenAI offenbar gefehlt.

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Krieg der Sterne: Wie Hotels und Restaurants ihre Google-Bewertungen frisieren

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Google Bewertungen Rezensionen löschen gelöscht Maps

Wer ein Restaurant oder Hotel auf Google Maps sucht, orientiert sich an den Sternebewertungen. Doch eine dpa-Stichprobe zeigt, dass allein in Hessen 17 Prozent der Gastbetriebe bereits Rezensionen haben löschen lassen – in Frankfurt sogar fast jeder Dritte. Der Grund: Was als Schutz vor Diffamierung gedacht war, ist längst zu einem Reputationswerkzeug verkommen. Seit April 2026 macht Google deshalb zumindest die Anzahl der Löschungen sichtbar. Ein überfälliger Schritt, der aber nur der Anfang sein darf. Eine kommentierende Analyse.

Wie viele Google-Bewertungen werden gelöscht?

  • Viele Menschen verlassen sich bei der Suche nach einem Restaurant oder Hotel auf die Onlinebewertungen bei Google Maps. Denn diese sollen Auskunft darüber geben, wie Gäste einen Betrieb bewerten – in Form von Sternen von eins bis fünf. Seit Jahren können Unternehmen aber Löschungen von Bewertungen beantragen. Google blendet seit April 2026 deshalb einen Hinweis ein, wenn Rezensionen „aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung“ gelöscht wurden. Die Information steht bei Google im Profil des jeweiligen Unternehmens, direkt unter der Rezensionsübersicht.
  • Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat ergeben, dass allein in Hessen bei vielen Hotels und Restaurants zahlreiche Google-Bewertungen nach Beschwerden entfernt wurden. Laut Auswertung von mehr als 850 Interneteinträgen haben rund 17 Prozent der Gastbetriebe bereits Rezensionen löschen lassen. Die Varianz liegt zwischen einer und 200 gelöschten Rezensionen. Vor allem Betriebe in Großstädten würden diesbezüglich auf ihre Reputation achten; auch mit Blick auf die Konkurrenz.
  • Der dpa zufolge haben in Frankfurt am Main circa 30 Prozent der Gastbetriebe anhand von mehr als 200 ausgewerteten Einträgen bereits Bewertungen entfernen lassen. Rund neun Prozent der 87 ausgewerteten Betriebe im Odenwald wiesen demnach gelöschte Einträge auf. In Fulda waren es acht Prozent von 125 Einträgen. Im übrigen Bundesgebiet würde sich dieser Trend bestätigen. Fast jeder dritte Betrieb in Großstädten wie Berlin und Köln entfernt demnach Bewertungen. In Nürnberg und München soll es jeder Vierte gewesen sein. In Leipzig und Hamburg etwa jeder fünfte.

Warum Deutschland Europas Lösch-Hochburg ist

Die neue Transparenzfunktion von Google ist nicht nur ein kleiner Hinweis unter den Sternebewertungen, sondern eine Reaktion auf ein Bewertungssystem, das längst zu einem digitalen Wettrüsten verkommen ist. Denn zwischen politisch motivierten Kampagnen, Bot-generierten Jubelrezensionen und echten Erfahrungsberichten verschwimmt die Grenze zwischen authentischen Bewertungen und gezielter Manipulation immer mehr.

Pikant: Vor allem Deutschland ist dabei zu einer Hochburg der Löschung von Bewertungen geworden. Rund 99,97 Prozent aller Löschanträge wegen Diffamierung in der EU stammten 2025 aus der Bundesrepublik. Das liegt unter anderem daran, dass Gerichte hierzulande die Rechte von Unternehmen gegen Verleumdung mehrfach gestärkt haben. Wer tatsächlich diffamiert wird, soll sich schließlich auch wehren können. Das ist grundsätzlich auch richtig.

Denn: Eine klare Trennung zwischen unzulässiger Verleumdung und der freien Meinungsäußerung ist gut. Doch Deutschland ist auch ein Land der Neinsager und Nörgler. Die EU hat mit dem Digital Services Act zudem den Druck auf Plattformen wie Google erhöht, um ihre Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen. Der Hinweis auf gelöschte Rezensionen ist deshalb alles andere als Zufall, sondern Ausdruck eines grundsätzlichen Wandels.

Plattformen sollen Inhalte aber letztlich nicht nur insgeheim verwalten, sondern ihre Eingriffe auch nachvollziehbar machen. Das macht Bewertungen zwar nicht automatisch glaubwürdiger. Aber immerhin wird erstmals sichtbar, dass hinter so mancher vermeintlich makellosen 4,8-Sterne-Fassade tüchtig aufgeräumt wurde.

Stimmen

  • Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Hessen, gegenüber der dpa zum Hinweis auf gelöschte Google-Bewertungen: „Grundsätzlich begrüßen wir mehr Transparenz auf Bewertungsplattformen.“ Da Onlinebewertungen für viele Gäste ein wesentliches Entscheidungskriterium und für Betriebe ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sind, sei es richtig, „wenn Plattformen nachvollziehbar machen, wie sie mit Bewertungen umgehen.“ Kern gibt zu bedenken: „Gelöschte Bewertungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Unternehmen berechtigte Kritik unterdrücken wollte.“ Oft würden sie entfernt werden, „weil sie gegen die Richtlinien der Plattform verstoßen oder weil sie nachweislich von Personen stammen, die gar keine Gäste waren“. Darauf weise Google jetzt hin.
  • Osman Madan, Brauhausbetreiber in der Stuttgarter Innenstadt, hat in zwölf Jahren knapp 10.500 Google-Rezensionen erhalten. Da er 250 Bewertungen hat löschen lassen, stieg seine Gesamtbewertung innerhalb eines halben Jahres von 4,3 auf 4,5 Sterne. Gegenüber der Tagesschau gab Madan preis: „Wir löschen alles, was einfach unter der Gürtellinie geschrieben ist. Also alles, wo wir sagen, das ist nur ein Hater-Kommentar, ohne konstruktiv zu schreiben, was Sache war.“ Er hat aber auch beobachtet: „Mit unserer alten Bewertung lagen wir eigentlich immer gut. (…) Alle Mitbewerber in Stuttgart haben mittlerweile eine 4,7 oder 4,8. Wo ich dachte: Das kann nicht wahr sein. Und dann haben wir uns sagen lassen: Du, die lassen löschen.“
  • Negative Bewertungen auf Google, anderen Portalen oder in Online-Shops lassen sich auf Antrag bereits seit Jahren bei den Betreibern entfernen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte bereits 2022 davor gewarnt, dass auf Online-Bewertungen kein Verlass sei. Sabrina Wagner, Referentin Team Marktbeobachtung Digitales des VZBV, damals: „Damit wird die Kaufentscheidung von Verbrauchern systematisch manipuliert, denn Rezensionen stellen für viele Menschen ein zentrales Entscheidungskriterium beim Online-Shopping dar. Die dadurch entstehende Asymmetrie zwischen guten und schlechten Bewertungen kann im schlimmsten Fall zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Verbraucher haben bei diesem Kampf um Höchstbewertungen das Nachsehen. Sie werden über die Güte eines Produkts oder die Vertrauenswürdigkeit eines Händlers getäuscht.“

Google muss Bewertungen und Löschungen transparenter machen

Transparenz endet nicht mit der Anzahl gelöschter Bewertungen. Schon seit Jahren hat sich ein Trend eingeschlichen, wonach Betriebe sich unliebsamer Rezensionen entledigen wollen. Klar: Viele Löschungen sind berechtigt. Doch bei zahlreichen berechtigten Bewertungen werden angebliche Diffamierungen nur vorgeschoben, weil sie den Unternehmen ein Dorn im Auge sind.

Ein weiteres Problem: Google prüft oft nicht einmal, ob der angegebene Grund für beantragte Löschungen zutrifft, sondern löscht Bewertungen der Einfachheit halber ganz schnörkellos. Die neue Transparenzfunktion zur Auskunft über die Anzahl der gelöschten Bewertungen kann deshalb hilfreich sein.

Doch noch transparenter wäre es, kenntlich zu machen, nach welchen Maßstäben Google entscheidet – auch um sicherzustellen, dass berechtigte Kritik ausreichend geschützt wird. Einerseits: Der Kampf gegen Diffamierung, so berechtigt er auch ist, ist bereits zu einer Art Reputationsmanagement verkommen, das Betriebe ausnutzen, um ihre Bewertungen aufzupolieren.

Andererseits dürfen Unternehmen nicht automatisch an den digitalen Pranger gestellt werden, wenn sie Rezensionen löschen lassen. Denn: Auch die Anzahl an politisch oder wirtschaftlich motivierten Bewertungen hat zugenommen, obwohl sich hinter diesen keine echten Erfahrungen verbergen.

Die Leidtragenden dieser Entwicklungen sind wie so oft vor allem wir Verbraucher, während Google zwischen den Stühlen steht. Die Plattform muss ehrliche Kritik schützen, Missbrauch verhindern und gleichzeitig den Ruf von Unternehmen wahren. Der neue Transparenzhinweis ist deshalb nicht das Ende der Fahnenstange, sondern haucht der Diskussion darüber, wie glaubwürdig Onlinebewertungen überhaupt noch sein können, neues Leben ein – im Positiven wie im Negativen.

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Trump schwebt über allem: Machtkampf zwischen EU und Google eskaliert

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Google EU Digital Markets Act KI Android Suchdaten Drittanbieter

Die EU-Kommission wechselt im Kampf gegen Googles Marktmacht die Strategie. Statt Milliarden-Strafen setzt Brüssel erstmals auf verbindliche Spezifikationsmaßnahmen durch den Digital Markets Act. Google muss demnach künftig Suchdaten mit Wettbewerbern teilen und Android für fremde KI-Assistenten öffnen. Ob das gelingt, darf zumindest bezweifelt werden. Denn bisher hat sich Google von keiner EU-Maßnahme ernsthaft beeindrucken lassen, zumal der Streit längst eine geopolitische Dimension erreicht hat. Eine kommentierende Analyse.

KI-Freigabe und Suchdaten: Was die EU von Google verlangt

  • Die Europäische Kommission hat ein neues Werkzeug des Digital Markets Act (DMA) ausgepackt. Anstatt milliardenschwere Sanktionen zu verhängen, hat Brüssel zwei rechtlich bindende Spezifikationsmaßnahmen gegenüber Google erlassen. Sie sollen den Wettbewerb fördern und die Marktmacht des Unternehmens aufweichen. Einerseits soll Google Android-Geräte bis Juli 2027 so anpassen, dass andere KI-Anbieter einen vergleichbaren Zugriff auf das Betriebssystem haben wie der Suchmaschinen-Gigant mit seinem Modell Gemini selbst.
  • Andererseits muss Google ab Januar 2027 Drittanbietern Suchdaten zur Verfügung stellen, die es zur Optimierung seiner eigenen Dienste nutzt. Will heißen: Das Unternehmen soll anderen Anbietern künftig unter anderem Suchanfragen, Klickpfade und Ranking-Informationen preisgeben. Um Datenschutz und Privatsphäre der Nutzer zu gewährleisten, schreibt die EU-Kommission technische und vertragliche Schutzmaßnahmen vor. Ziel ist es, die Identifizierung auf ein Minimum zu reduzieren, ohne dass der Nutzen der Daten für Drittanbieter verloren geht. Seine Algorithmen muss Google dafür nicht offenlegen.
  • Die neuen Maßnahmen richten sich zwar an Google, doch der Konflikt um KI-Modelle und den Zugang zu Betriebssystemen betrifft auch Apple, dessen Smartphone-System iOS wie Android von der EU-Kommission als Gatekeeper-Plattform mit überragender Marktmacht eingestuft wurde. Dass es keine konkreten Maßnahmen gegen den iPhone-Konzern gibt, liegt daran, dass das Unternehmen den Start seines KI-Assistenten Siri AI in Europa verschoben hat, da der DMA dies verhindere. Die EU widersprach dem jedoch und verwies darauf, dass Apple den Dienst lediglich an EU-Recht anpassen müsse.

Warum Brüssel auf eine Geldstrafe verzichtet

Mit ihren neuen Spezifikationsmaßnahmen will die EU-Kommission dem Digital Markets Act endlich die Wirkung verleihen, die viele Kritiker seit seinem Inkrafttreten vermissen. Der Vorwurf: Das Regelwerk sei ein Papiertiger und habe bislang mehr Schlagzeilen als tatsächliche Veränderungen hervorgebracht. Doch nun soll das Gesetz seine praktische Marktpolitik entfalten. Und zwar nicht mit der großen Geldkeule, sondern mit konkreten Änderungen der Spielregeln.

Im Zentrum steht dabei ein Mechanismus, der Google seit Jahren in die Karten spielt. Denn je mehr Menschen die Dienste des Unternehmens nutzen, desto mehr Daten fließen zurück in die Suchmaschine und die Google-KI, die dadurch wiederum besser werden und noch mehr Nutzer anziehen.

Dieser Kreislauf vergrößert den Vorsprung des Konzerns gegenüber der Konkurrenz quasi mit jeder Suchanfrage. Brüssel will diese Feedback-Schleife deshalb durchbrechen. Die Botschaft: Wer den größten Datenschatz der Welt besitzt, soll daraus keinen uneinholbaren Wettbewerbsvorteil machen können, sondern ihn mit anderen teilen.

Die Maßnahmen haben aber auch politische Sprengkraft. Denn Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll eine milliardenschwere Strafe gegen Google in letzter Minute gestoppt haben – obwohl es erdrückende Beweise zu Verstößen gegen den DMA gab. Die Folge: Statt Strafzahlungen folgt nun ein kooperativeres Verfahren mit verpflichtenden Vorgaben.

Der Grund: Bisherige Geldstrafen haben am Verhalten von Google eher wenig geändert – auch, weil diese relativ gering ausfielen. Ob die neuen Spezifikationsmaßnahmen zu einer Veränderung führen, ist aber ebenso fraglich. So oder so: Google ist naturgemäß not amused. Das Unternehmen hält die Vorgaben für nicht umsetzbar und verweist wie so oft auf Datenschutzrisiken, eine Gefährdung der Nutzer und sogar eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA.

Stimmen

  • Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Wettbewerb, in einem Statement: „Die Gesellschaft durchläuft eine tiefgreifende digitale Transformation. Wir müssen diesen Prozess fair halten und sicherstellen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger die Wahl haben. Unsere Entscheidung wird kleineren Wettbewerbern, Suchmaschinen oder KI-Assistenten helfen, im Wettbewerb zu bestehen und diese Wahl zu treffen und gleichzeitig die Privatsphäre der Nutzer zu schützen.“
  • Kent Walker, Präsident für globale Angelegenheiten bei Google und Mutterkonzern Alphabet, zu den neuen EU-Vorgaben: „Die Entscheidungen bergen die Gefahr, dass wichtige Schutzmechanismen für die Privatsphäre und Sicherheit von Millionen Europäern untergraben werden. Wir haben wiederholt Lösungen vorgeschlagen, um Nutzer zu schützen und gleichzeitig die Ziele des DMA zu erfüllen, doch diese Urteile ignorieren umfangreiche Belege für Schäden für die Nutzer. Tatsächlich greifen KI-Assistenten bereits sicher auf die Funktionen von Android zu, wobei die Smartphone-Hersteller eine Schlüsselrolle bei deren Überprüfung spielen. Diese Android-Entscheidung gefährdet die Gerätesicherheit, indem sie externen Apps sensible und weitreichende Geräteberechtigungen ohne diese Schutzmaßnahmen gewährt.“
  • Auch Apple steht im Konflikt mit der Europäischen Kommission und musste sein Betriebssystem bereits für Drittanbieter öffnen. Aufgrund der Vorgaben des DMA hat das Unternehmen seinen KI-Sprachassistenten Siri AI aber noch nicht in iOS für das iPhone integriert. Craig Federighi, Senior Vice President of Software Engineering bei Apple, schlägt mit Blick auf die EU in eine ähnliche Kerbe wie Google: „Wir sind sehr enttäuscht. (…) Wir hoffen, Siri AI bald auch in der EU anbieten zu können, und werden weiterhin mit den EU-Regulierungsbehörden an einer Lösung arbeiten. Da sie sich jedoch weigern, konstruktiv mit uns auf Lösungen hinzuarbeiten, die Datenschutz und Sicherheit gewährleisten, können wir derzeit keinen Zeitplan nennen.“

Trump schwebt über allem

Die Entscheidung der EU wird nicht das letzte Kapitel im Streit zwischen Brüssel und dem Silicon Valley sein. Dass Brüssel trotz abgelaufener Fristen und hoher Erwartungen nun auf verbindliche Vorgaben statt auf milliardenschwere Bußgelder setzt, wird vielen zu zaghaft erscheinen. Denn vor allem in der Zivilgesellschaft wächst der Eindruck, dass Europas Digitalgesetze zwar ambitioniert formuliert sind, ihre Durchsetzung aber regelmäßig an einem mangelnden politischen Willen scheitert.

Doch zwischen Theorie und Praxis klafft wie so oft eine Lücke. Die Warnungen von Google und Apple vor Datenschutz- und Sicherheitsrisiken lassen sich nämlich nicht komplett vom Tisch wischen. Denn wenn KI-Assistenten künftig tiefere Zugriffsrechte auf Android oder iOS erhalten, entstehen theoretisch tatsächlich neue Angriffsflächen.

Systeme von Drittanbietern mit Zugriff auf Nachrichten, Standort, Mikrofon oder Bildschirm könnten bei Fehlfunktionen oder einer missbräuchlichen Nutzung einerseits zwar erheblichen Schaden anrichten. Andererseits dient Datenschutz für die großen US-Konzerne bisweilen auch als Argument, um die eigene Marktmacht zu schützen.

Die Frage ist deshalb nicht zwangsläufig, ob Wettbewerb geschaffen werden soll, sondern wie. Denn die Privatsphäre der Nutzer darf nicht zu einem Kollateralschaden verkommen. Indes: Brüssel hat diesbezüglich durchaus taugliche Schutzmechanismen präsentiert, die hier und da sicherlich Anpassungen und Nachschärfungen bedürfen. Sprich: Eigentlich sollte es Spielraum für Verhandlungen und Kompromisse geben.

Dass der Widerstand von Big Tech dennoch so enorm ist, dürfte an einer über allem schwebenden geopolitischen Dimension liegen. Die Argumentation, die EU-Pläne würden eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA darstellen, kommt nämlich nicht von ungefähr. Sie ist typische Trump-Rhetorik, mit dem Ziel, die europäischen Tech-Regeln aufzuweichen. Will heißen: Der DMA ist längst mehr als ein Wettbewerbsgesetz, er ist Teil eines wirtschaftspolitischen Machtkampfs.

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KI-Songs bekommen Label – doch die Musik spielt woanders

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KI-Songs Kennzeichnung Label mit KI generiert Künstliche Intelligenz Musik

Jeden Tag werden zehntausende vollständig mit KI generierte Songs auf Streamingdiensten hochgeladen. 97 Prozent der Hörer können diese aber nicht von menschlicher Musik unterscheiden. Ein Zusammenschluss renommierter Musikverbände will deshalb mit einem neuen Kennzeichnungssystem für Transparenz sorgen. Doch das Konzept hat entscheidende Schwächen – und kratzt allenfalls an der Oberfläche. Eine kommentierende Analyse.

Wie die Kennzeichnung von KI-Songs funktionieren soll

  • Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos, die 2025 von Deezer in Auftrag gegeben wurde, werden jeden Tag rund 50.000 vollständig KI-generierte Songs auf der Plattform hochgeladen. Das entspricht einem Anteil von 34 Prozent aller Uploads. Den Ergebnissen zufolge konnten 97 Prozent der Teilnehmer keinen Unterschied zwischen vollständig KI-generierter und von Menschen gemachter Musik erkennen. 52 Prozent fühlen sich deshalb betrogen. Die Forderung: eine klare Kennzeichnung KI-generierter Musik.
  • Zahlreiche renommierte und internationale Musikverbände haben ein Konzept zur freiwilligen Kennzeichnung von KI-Songs durch visuelle Symbole angekündigt. Ziel ist es, Fans klarere Informationen über den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Musikaufnahmen zu liefern. Die Kennzeichnung unterscheidet zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“. Sie ist auf eine breite, weltweite Anwendung bei digitalen Musikdiensten ausgelegt. Das Kennzeichnungskonzept soll kontinuierlich angepasst werden.
  • KI-generiert“ bedeutet dem Vorschlag zufolge, dass künstliche Intelligenz genutzt wurde, um die kreativen Elemente einer Aufnahme vollständig oder zum größten Teil zu erzeugen. Darunter: Leadgesang, zentrale Instrumentalparts und vollständig KI-generierte Songs. „KI-unterstützt“ soll heißen, dass eine Aufnahme im Wesentlichen von Menschen erstellt wurde und Ausdruck menschlicher Kreativität ist, dass aber für einige Ausdruckselemente KI verwendet wurde. Das Konzept bezieht sich derzeit nur auf Tonaufnahmen. Songtexte, Musikvideos, Komposition oder Cover sind noch nicht abgedeckt.

Wo das KI-Label an seine Grenzen stößt

Die Grenzen zwischen menschlicher Kreativität und KI-Produktionen verschwimmen immer mehr. Das ist nicht nur in der Musikbranche so. Das Problem: Viele Fans und Hörer können den Unterschied kaum noch erkennen. Der Vorschlag zur Einführung eines Labels zur Kennzeichnung von KI-Songs ist deshalb nachvollziehbar.

Er kratzt aber nur an der Oberfläche und beantwortet nicht die Frage, unter welchen Bedingungen KI-Songs entstanden sind oder entstehen. Stichwort: Urheberrecht und KI-Training. Darin liegt die Schwäche der Initiative. Die Unterscheidung zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“ klingt zunächst relativ eindeutig. In der Praxis dürften aber schnell Grauzonen entstehen.

Denn KI steckt mittlerweile in immer mehr Produktionsschritten, von der Recherche über das Sounddesign bis hin zum Mastering. Doch wo hört KI auf, ein Werkzeug zu sein, und wo fängt sie an, als vermeintlicher Künstler zu agieren? Oder: Das neue KI-Label kann zwar ein Stück weit Transparenz schaffen, aber eben keine Klarheit.

Die Debatte sollte deshalb nicht auf zwei kleine Begriffe reduziert werden. Denn die eigentlichen Konflikte liegen in anderen Bereichen: beim Urheberrecht, bei der Nutzung geschützter Werke als Trainingsmaterial und bei der Frage, welchen Platz menschliche Kreativität künftig noch hat, wenn Algorithmen sich ihrer ungefragt bedienen und innerhalb weniger Sekunden Songs in Massen produzieren.

Stimmen

  • Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, in einem Statement zur Initiative: „Dieser gemeinsame Aufschlag unterstreicht einmal mehr unseren Willen, als Branche voranzugehen in einem herausfordernden, von generativer KI geprägten kreativen und wirtschaftlichen Umfeld. Die neuen Kennzeichnungen auf der Ebene des einzelnen Tracks sind ein weiteres Element, das vor allem den Fans eine Orientierung ermöglicht, von denen sich mit 83 Prozent die große Mehrheit an dieser Stelle Klarheit und Transparenz wünschen.“
  • Kulturstaatsminister Wolfram Weimer forderte gegenüber Deutschlandfunk mehr rechtliche Handhabe mit Blick auf KI: „Jedes Musikstück, jedes Bild, jede Rede haben sie gestohlen und verarbeitet. Wir sind fasziniert, was alles nun neu kombiniert ausgespielt wird. Aber das, was eingenommen wurde, wurde nie erfragt. Deswegen müssen wir da Regeln finden. Bei der Diskussion, ob wir kennzeichnen sollten, was von Menschen und was von KI produziert wird, sagen erste Künstler und Musikunternehmen, dass die Grenzziehung schon gar nicht mehr möglich ist.“
  • Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats, gegenüber dem MDR: „Wenn es jetzt darum geht, Hintergrundmusik und Werbemusik zu schaffen, dann wird schon KI dafür eingesetzt. Und die Frechheit dabei ist, dass die KI nur deswegen Musik erzeugen kann, weil der Input Millionen Kreativer hineingeflossen ist. Das heißt, sie wurden ausgebeutet.“ Steffen Holly vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie hält wenig von KI-Labels: „Es werden schon so viele Sachen im Musikproduktionsprozess verwendet. Will ich mich da stundenlang durchklicken oder nehme ich einfach eine KI, beschreibe den Klang und wähle mir eine Vorauswahl aus? Ist das schon KI, ist das kennzeichnungspflichtig?“

KI-Songs sollten nicht monetarisiert werden

Die neu vorgeschlagene KI-Kennzeichnung kann und darf allenfalls ein erster Schritt sein. Denn künstliche Intelligenz hält nicht nur zunehmend Einzug in die Musikindustrie, sondern wird auch immer besser. Sprich: Es wird immer komplizierter, KI-generierte Musik überhaupt als solche zu erkennen.

Außerdem müssen Songtexte, Kompositionen, Musikvideos und Albumcover mit einbezogen werden. Ob und wie gut das Konzept funktionieren wird, ist aber fraglich, da es auf Freiwilligkeit setzt. Will heißen: Es liefert nur dann eine transparente Orientierung, wenn möglichst viele mitmachen. Das ist aber keinesfalls gewiss.

Denn es wird Akteure, die schlichtweg darauf aus sind, Tantiemen von Plattformen wie Spotify und Co. abzugreifen, kaum daran hindern, die Plattformen weiterhin mit KI-generierter Musik zu fluten. Deshalb sollten vor allem die Streaminganbieter selbst reagieren – oder auch in die Pflicht genommen werden.

Und damit meine ich nicht nur, dass sie Erkennungstools etablieren, denn das tun sie bereits – zumindest äußerst zaghaft. Viel effektiver wäre es hingegen, komplett KI-generierte Songs von den Empfehlungen und Monetarisierungsmechanismen auszunehmen. Das dürfte die KI-Flut zumindest ein Stück weit eindämmen.

Um aber Künstler und Urheberrechte zu schützen, müssen die Betreiber der KI-Modelle in die Pflicht genommen und wenn nötig sanktioniert werden. Kurzum: Die neuen Vorschläge zur KI-Kennzeichnung sind nicht falsch. Sie lösen die Probleme von Künstlern oder Nutzern, die von KI genervt sind, aber kaum.

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ChatGPT Work: OpenAI baut seinen Chatbot in einen Büro-Agenten um

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ChatGPT Work KI-Agent OpenAI

OpenAI hat mit ChatGPT Work einen KI-Agenten vorgestellt, der E-Mails lesen, Dokumente erstellen und komplette Arbeitsabläufe automatisieren soll. Damit verabschiedet sich das Unternehmen zunehmend von einem Chatbot für alle und richtet sich vor allem an Unternehmenskunden. Doch erste Nutzerreaktionen zeigen: Zwischen Versprechen und Realität klafft noch eine Lücke. Eine kommentierende Analyse.

Was ist ChatGPT Work?

  • ChatGPT Work soll Informationen aus verbundenen Apps und Arbeitsabläufen sammeln und komplette Dokumente, Präsentationen und sogar Websites erstellen können. Laut OpenAI kann der KI-Agent stundenlang an komplexen Projekten arbeiten, sie in Teilbereiche zerlegen und eigenständig abarbeiten. Nutzer sollen Fortschritte verfolgen, Nachfragen stellen und Aktionen freigeben können. Als technische Grundlage dient das Modell GPT-5.6. Es umfasst die leistungsstarke Variante Sol, die für tägliche Aufgaben gedachte Variante Terra und die auf Kosteneffizienz getrimmte Version Luna.
  • OpenAI zufolge soll GPT-5.6 als Basis von ChatGPT Work mehrstufige Aufträge zuverlässiger bearbeiten und sich enger an Vorlagen und Referenzdaten halten. In der Desktop-Version verfügt ChatGPT Work zudem über einen eingebauten Browser, um im Netz recherchieren und auf Web-Anwendungen zugreifen zu können. Über die Funktion „Computer Use“ kann der KI-Agent Programme bedienen, Texte eingeben und Dateien verschieben. OpenAI entwickelt ChatGPT damit zunehmend zu einer eigenständigen Plattform, einer Art Super-App, die über ein reines Assistenzsystem hinausgeht.
  • ChatGPT Work erhält über ein Plugin-Verzeichnis Zugriff auf Informationen und Kontext. Der Agent kann darüber unter anderem auf Anwendungen wie Gmail, Microsoft Teams, Kalender, CRM-Systeme oder Google Drive zugreifen. Heißt konkret: ChatGPT Work kann Nachrichten einsehen, Videocalls auswerten, Kalendereinträge machen und Dokumente erstellen. Laut OpenAI lassen sich solche Arbeitsabläufe auch im Voraus planen. Sie könnten zu einem bestimmten Zeitpunkt, regelmäßig oder in Kombination mit einem bestimmten Ereignis starten.

Warum OpenAI der Konkurrenz hinterherhinkt

Während Meta, Apple oder Microsoft ihre KI-Assistenten einfach in ihre bestehenden Produkte einbauen, konnte OpenAI bei Unternehmenskunden bislang kaum mithalten. CEO Sam Altman hat deshalb einen Kurswechsel eingeleitet. Heißt konkret: Mit ChatGPT Work sollen ein Arbeitsagent und mit GPT-5.6 eine Arbeitsplattform entstehen, die weit über Small Talk mit einem Chatbot hinausgehen.

Etwas auffällig ist aber, wie sehr der KI-Agent Claude Cowork ähnelt, einem Assistenten mit Web-Zugriff, Plugins und Computer-Zugriff, den Anthropic bereits Angang 2025 an den Start gebracht hatte. Das offenbart aber auch, dass OpenAI der Konkurrenz hinterherhinkt. Denn im Gegensatz zum wohl größten Konkurrenten Anthropic hat das Unternehmen viel Zeit damit vergeudet, ChatGPT Emotionen, Emojis und unsinnige Funktionen wie einen Erotik-Modus einzuhauchen.

Bedenkt man die Nachteile wie den enormen Ressourcenverbrauch sowie das Missbrauchspotenzial von KI, liegt der Vorteil aber vielmehr in der Automation von Prozessen, Auswertung von Daten oder Optimierung von Arbeitsabläufen. Will heißen: Der Kosten-Nutzen-Faktor von Chatbots ist im Privatgebrauch nicht nur gering, sondern stellt auch eine große Umweltbelastung dar.

Wirklich Geld verdienen lässt sich hingegen mit KI-Agenten und vor allem Unternehmenskunden. Mit Blick auf die Forschung und das Gesundheitswesen können KI-Agenten wie ChatGPT Work sogar einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Das größte Problem bleibt aber die Fehleranfälligkeit von KI. Sprich: Wenn sich der Chatbot mal verhaspelt oder Quatsch erzählt, ist das mitunter harmloser, als wenn ein Agent sensible Daten, Dokumente oder Nachrichten verschlampt.

Stimmen

  • OpenAI zitiert Will Daney, Go-to-Market Manager bei NVIDIA, aus Eigeninteresse in einer offiziellen Ankündigung von ChatGPT Work: „Für Veranstaltungen verbrachte ich früher enorm viel Zeit in Excel damit, Account-Listen zusammenzustellen, Registrierungen nachzuverfolgen und Feedback aufzubereiten. Mit ChatGPT Work habe ich daraus einen automatisierten Workflow gemacht, den ich bei einem Event nach dem anderen ausführen und dann mit globalen Teams teilen kann, damit sie ihn an ihre Regionen anpassen können. Vor GTC waren etwa 40 % meiner Zeit für manuelle Berechnungen und Analysen eingeplant. Jetzt läuft dieser Prozess zweimal pro Woche in ChatGPT.“
  • Ein Reddit-Nutzer regt sich in einem Subforum unter dem Titel „ChatGPT Work does not Work“ vor allem über ein Werbevideo auf: „Ich verstehe nicht, warum ein Unternehmen mit einem Marketingbudget in Milliardenhöhe kein Video produzieren kann, in dem sein Produkt funktioniert. Sie hätten einem Praktikanten ein paar hundert Dollar zahlen können, damit er all diese Aufgaben manuell erledigt – aber richtig – und das dann als Werbung für ihr Produkt zeigen können. Oder sie hätten ihr Produkt tausend Mal laufen lassen und einfach einen Durchlauf auswählen können, bei dem es die Aufgabe nicht vermasselt hat. Doch genau das haben sie beschlossen, der Welt zu präsentieren.“
  • Thibault Sottiaux, Produktleiter bei OpenAI, hat unmittelbar nach der Veröffentlichung von ChatGPT Work auf die Kritik vieler Nutzer reagiert, die auf Mängel in der Benutzerfreundlichkeit und Kostenstruktur hingewiesen haben: „Die letzten 48 Stunden bei Codex und ChatGPT Work waren sehr intensiv! Drei wichtige Neuigkeiten: Vorübergehende Aufhebung der 5-Stunden-Nutzungsbeschränkung für alle Plus-, Business- und Pro-Tarife. Einführung von Änderungen, die GPT 5.6 Sol insgesamt effizienter machen und sich in einem geringeren Verbrauch niederschlagen, sodass Sie mehr damit erreichen können. Die genauen Auswirkungen werden noch quantifiziert und bekannt gegeben. Wir haben 6 Millionen aktive Nutzer erreicht und werden in der nächsten Stunde einen Nutzungs-Reset durchführen.“

ChatGPT Work als neues Geschäftsmodell

Zugegeben: ChatGPT Work ist nicht nur ein kleines Update. Denn mit dem KI-Agenten verabschiedet sich OpenAI immer mehr von der Idee, dass ChatGPT ein Chatbot für alle ist. Klar: Den gibt es natürlich weiterhin. Doch Unternehmenskunden, Vertrieb, Marketing und Finanzen rücken zunehmend in den Fokus von OpenAI.

Warum? Weil das Unternehmen schlichtweg keinen Gewinn macht. Privatnutzer werden natürlich auch weiterhin wichtig sein. Mit ChatGPT Work offenbart OpenAI aber, wo künftig das Geld verdient werden soll. Denn im Vergleich zu den klassischen Abo-Modellen lassen sich mit Unternehmensplänen höhere Preise durchsetzen und komplette Arbeitsabläufe an ChatGPT binden.

Die Gretchenfrage wird aber nicht nur sein, was der KI-Agent für Aufgaben übernehmen kann, sondern wie zuverlässig und datenschutzfreundlich er ist. Außerdem fraglich: Wie viel Kontrolle sind Unternehmen bereit, an eine KI abzugeben? Fest steht: Der Wettlauf der KI-Unternehmen hat sich mittlerweile endgültig verlagert. Und das ist auch gut so.

Denn Chatbots, die auf unterhaltsame Konversationen getrimmt sind, sind vielleicht eine nette Spielerei aber schlichtweg auch Ressourcenverschwendung – und zwar sowohl für die Umwelt als auch für Unternehmen wie OpenAI. Das größte Risiko bleibt wie bei Chatbots aber die Fehleranfälligkeit von KI, die für Unternehmen fatale Auswirkungen haben kann – auch mit Blick auf ihr Image und ihre Kunden.

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Podcast: Wie KI Meinungen und deinen Nachrichtenkonsum manipuliert

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BREAK THE WEEK Podcast

BREAK/THE WEEK ist dein wöchentlicher Tech-Talk von BASIC thinking, der dich hinter die Kulissen der Tech-Welt nimmt. In der neuen Ausgabe diskutieren wir über KI als Nachrichtenquelle, Atomstrom zu Mondpreisen und digitale Erschöpfung durch Social Media. 

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Die Themen dieser Ausgabe:

  • KI als Nachrichtengatekeeper: Wie ChatGPT & Co. Quellen auswählen – und warum das gefährlich ist
  • Mini-Atomreaktor von Valar Atomics: Strom zum Mondpreis – die teuerste Kilowattstunde aller Zeiten?
  • Digitale Erschöpfung: Warum immer mehr Menschen Social-Media-Apps löschen
  • Meta-Blamage: „Muse Image“ nach massiver Kritik wieder abgeschaltet
  • E-Auto-Prämie: Tesla, Skoda & Renault profitieren – deutsche Hersteller schauen zu
  • Good News: Porto macht den ÖPNV für Einheimische kostenlos
  • YES OR NO: Tempolimit, Reichweitenangst, KI-Journalismus & mehr

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Kein Bock mehr auf Social Media: Warum fast jeder Zweite seine Apps löscht

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digitale Erschöpfung Social Media Rückzug App löschen

Immer mehr Menschen kehren Social Media aufgrund digitaler Erschöpfung den Rücken. Laut einer aktuellen Analyse hat fast jeder Zweite schon einmal eine App gelöscht, weil sie Stress oder Angst ausgelöst hat. Kein Wunder: Die Plattformen tun alles dafür, ihre Nutzer mit psychologischen Tricks in einer Endlosschleife aus Likes, Benachrichtigungen und der Angst, etwas zu verpassen, gefangen zu halten. Eine kommentierende Analyse.

Studie: 55 Prozent schränken Social Media bewusst ein

  • Immer mehr Nutzer empfinden die Pflege ihrer Accounts in den digitalen Medien als belastende Arbeit und Stressfaktor und reduzieren deshalb ihre Aktivitäten. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Datendienstleisters Incogni, der sich mit dem Phänomen der digitalen Erschöpfung befasst hat. In einer repräsentativen Stichprobe wurden 1.000 Menschen in den USA befragt. 55 Prozent von ihnen gaben an, ihre aktive Teilnahme in den digitalen Medien eingeschränkt zu haben.
  • Laut Incogni bejahten 47 Prozent der Befragten, dass sie eine Social-Media- oder Messaging-App schon einmal gelöscht haben, weil diese Stress oder Angstzustände bei ihnen ausgelöst habe. Bei den jüngeren Generationen sei dieses Muster stärker ausgeprägt. Der Studie zufolge tragen auch eine politische Polarisierung und Datenschutzbedenken zur Abkehr bei. Das Verfolgen von Konversationen, das Beantworten von Nachrichten und die Entscheidungen darüber, was gepostet wird oder nicht, werden von 51 Prozent als zusätzliche Arbeit oder Belastung empfunden.
  • Einer repräsentativen Umfrage der Internationalen Hochschule IU zufolge befindet sich auch Deutschland im digitalen Dauerstress. 81 Prozent der Befragten sagten etwa, mindestens einmal pro Stunde aufs Smartphone oder auf ähnliche Geräte zu schauen. Knapp die Hälfte davon gab an, Angst davor zu haben, etwas zu verpassen, wenn sie offline sind. Eines der zentralen Ergebnisse: 56 Prozent der Befragten äußerten den Wunsch, häufiger offline sein zu wollen. Problem: Sozialer Druck, berufliche Erreichbarkeit oder die Angst, etwas zu verpassen, hindert viele daran.

Social-Media-Plattformen agieren wie Drogendealer

Die zunehmende digitale Erschöpfung vieler Nutzer ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich schon seit Jahren abzeichnet. So manch einer mag sich vielleicht noch an eine Zeit erinnern, in der digitale Medien wirklich sinnvoll und hilfreich waren; ja sogar Spaß gemacht haben.

Diese Zeit ist längst vorbei. Denn: Mittlerweile überwiegen die negativen Folgen, die leider weit über Erschöpfung hinausgehen. Die meisten Plattformen sind zu einem Sammelbecken aus Neiddebatten, Hass, Desinformation und Werbung verkommen und machen immer mehr Menschen süchtig.

Ja, sogar körperliche Symptome wie der sogenannte Smartphone-Finger oder -Nacken zeichnen sich ab. Warum? Weil die Plattformbetreiber ihren Nutzern mit psychologischen Tricks und Maschen permanente Aufmerksamkeit abverlangen. Wer nicht mitspielt, hat nämlich schnell das Gefühl, etwas zu verpassen. Wer mitspielt, ist irgendwann erschöpft, schafft den Absprung aber dennoch nicht.

Ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel sozusagen. Klar: Niemand wird gezwungen, rund um die Uhr online zu sein. Es wäre aber naiv, die Geschäftsmodelle der Tech-Konzerne auszublenden und Social-Media-Sucht mitunter nicht als Krankheit zu betrachten.

Denn: Menschen wie Mark Zuckerberg und Co. sind mittlerweile die vielleicht größten Drogenhändler der Welt. Die traurige Folge all dessen: Digitale Medien fressen nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Sie spalten und verrohen die Gesellschaft und machen unsere Welt mittlerweile schlechter.

Stimmen

  • Sebastian Klöß, Experte für Consumer Technology beim Digitalverband Bitkom, in einem Statement: „Digitale Anwendungen begleiten heute viele durch den ganzen Tag. Gerade deshalb kann eine bewusste Pause helfen, Routinen zu hinterfragen und wieder mehr Klarheit darüber zu gewinnen, wie und wofür wir digitale Geräte nutzen wollen. Auch schon kurze Offline-Zeiten können guttun. Wer seinen Medienkonsum langfristig verändern möchte, kann zudem auf Apps und Systemeinstellungen setzen, die Nutzungszeiten transparent machen oder bestimmte Inhalte zeitweise einschränken.“
  • Laut Dimitrij Müller vom Zentrum für Verhaltensforschung der Caritas Berlin können Apps und Einstellungen zwar helfen. Bei einer fortgeschrittenen Sucht über Jahre braucht es aber medizinische Begleitung. Müller zufolge gehört Mediensucht, genau wie Glücksspiel- und Kaufsucht, zu den sogenannten Verhaltenssüchten: „Dabei wird das Suchtmittel zur Regulation von Emotionen genutzt. Statt meine Emotionen wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen, drücke ich sie weg und dröhne mich mit Dopamin zu. (…) Die Anbieter werden in diesen Strategien immer aggressiver.“
  • Psychologe Christian Montag in einem Interview mit ZDFheute: „Wir wissen, dass durch Likes das ventrale Striatum, das Belohnungssystem des Gehirns aktiviert wird.“ Das könne dazu führen, dass Nutzer überlegen: „Was muss ich eigentlich tun, um wieder so eine soziale Belohnung zu bekommen? Ach, ich muss ja wieder was posten“. Laut Montag sei es schwer, ein solches Verhalten wieder abzulegen, wenn es sich einmal eingeschlichen habe.

Warum die Plattformen trotzdem nicht umdenken werden

Für Instagram, Facebook, TikTok und Co. könnte die zunehmende digitale Erschöpfung ihrer Nutzer zu einem Problem werden. Denn ihr Geschäft lebt davon, dass Menschen möglichst viel Zeit auf ihren Plattformen verbringen und vor allem: immer wieder zurückkommen.

Wenn aber immer mehr Nutzer bewusst digitale Medien meiden, gerät dieses Prinzip ins Wanken. Die Betreiber selbst trifft dabei zumindest eine Teilschuld. Denn wer versucht, seine Nutzer durch immer aggressivere Algorithmen in eine Art Abhängigkeit zu drängen, muss sich nicht wundern, wenn viele irgendwann nicht mehr können oder wollen.

Ich befürchte aber, dass die wenigsten zu dieser Erkenntnis kommen und ihre Plattformen nutzerfreundlicher gestalten werden. Vielmehr dürfte das Gegenteil der Fall sein, sodass Empfehlungen, Algorithmen und neue Funktionen noch aufdringlicher werden, um Nutzern noch mehr Sorgen aufzudrängen und sie unterschwellig zum Bleiben zu treiben.

Doch das wird sich hoffentlich rächen. Bereits jetzt sind etwa Apps, Geräte oder Strategien auf dem Vormarsch, um auf digitale Medien zu verzichten. Die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft trägt ebenso einen Teil dazu bei. Denn der Ton in sogenannten sozialen Netzwerken wird immer niveauloser und rauer.

Vor allem wenn es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht, ist deshalb auch die Politik gefragt, die Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Netzwerke, die wiederum von sich aus Inhalte moderieren und Nutzer nicht überfrachten, könnten zu den heimlichen Gewinnern einer traurigen Entwicklung werden.

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Meta blamiert sich mit neuer KI-Funktion – schon wieder

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Muse Image Meta Instagram KI Bilder bearbeiten Künstliche Intelligenz

Facebook-Konzern Meta hat es schon wieder getan. Das Unternehmen hat offenbar ohne Sinn und Verstand eine KI-Funktion veröffentlicht, nur um kurze Zeit später wieder zurückzurudern und den Stecker zu ziehen. Getreu dem Motto: Hauptsache KI. Doch mit seinem KI-Bildgenerator Muse Image ist das Unternehmen nicht nur zu weit gegangen. Meta hat sich schlichtweg blamiert! Eine kommentierende Analyse.

Was ist Muse Image?

  • Muse Image ähnelt klassischen KI-Bildgeneratoren und lässt sich hauptsächlich über herkömmliche Prompts in Meta AI steuern. Meta bietet allerdings auch voreingestellte Anforderungen für Nutzer, die keine eigenen Ideen für Befehlseingaben haben. Zunächst war es sogar möglich, über Muse Image auf Bilder anderer Instagram-Nutzer zuzugreifen und diese mit der KI zu bearbeiten.
  • Die Integration von Muse Image in Instagram war voreingestellt. Sprich: Einzige Voraussetzung dafür, fremde Bilder zu bearbeiten, war es, dass es sich um öffentliche Profile handelt und Nutzer der Funktion nicht ausdrücklich widersprochen haben. Wer bearbeitete Bilder von anderen posten wollte, musste nur den ursprünglichen Urheber im Bild markieren.
  • Aufgrund von Datenschutz-Bedenken und der Tatsache, dass Nutzer für Muse Image keine aktive Zustimmung Dritter einholen mussten, erntete Meta einen kleinen Shitstorm. Die Folge: Der Facebook-Konzern zog nach nur vier Tagen den Stecker und entfernte Muse Image von Instagram.

Ein Déjà-vu für Meta

Muse Image ist für Meta wie ein kleines Déjà-vu. Schon mehrfach hat der Facebook-Konzern einzelne KI-Funktionen nach massiver Kritik eingeschränkt oder ganz abgeschaltet. Eines der prominentesten Beispiele: Das wissenschaftliche Sprachmodell Galactica, das Meta 2022 ebenfalls nach nur wenigen Tagen vom Netz nahm.

Warum? Weil es mit glühendem Eifer und purer Überzeugung absoluten Unsinn generierte. Doch Meta ist damit keineswegs allein. Auch zahlreiche Konkurrenten mussten neue KI-Funktionen aufgrund massiver Kritik einschränken – allen voran Elon Musks xAI.

OpenAI hat derweil wiederholt ChatGPT-Funktionen einkassiert, vor allem aufgrund von Erfolglosigkeit. Muse Image ist aber so etwas wie die Spitze dieses KI-Bergs. Denn durch eine einfache @-Erwähnung per Prompt hat Meta jegliche Zwischenschritte und Hürden zur Bearbeitung fremder Bilder beseitigt.

Das, gepaart mit der Tatsache, dass Nutzer nicht um Erlaubnis gebeten wurden, hätte in puncto Datenschutz und Urheberrecht eigentlich zuvor schon Bedenken auslösen müssen. Doch offenbar trübt die rosarote KI-Brille nahezu die gesamte Tech-Branche. Oder: Um jeden Preis Künstliche Intelligenz, ohne Sinn und Verstand und ohne Rücksicht auf Verluste.

Stimmen

  • Facebook-Konzern Meta hat Muse Image in einem Blogbeitrag zunächst vollmundig als „bislang fortschrittlichstes Modell zur Bilderzeugung“ angekündigt: „Es setzt Anweisungen präzise um, ermöglicht punktgenaue Bearbeitungen, erstellt Kompositionen auf Basis mehrerer Referenzen und nutzt Instagram für den sozialen Kontext. Anstatt Eingabeaufforderungen direkt auf Bilder abzubilden, fungiert Muse Image als Agent.“
  • Unmittelbar nach der Ankündigung hat Muse Image die US-amerikanische Mediengewerkschaft SAG-AFTRA auf den Plan gerufen. Die Kritik: „Alles andere als eine klare und deutlich sichtbare Einwilligungserklärung für diese Art der Nutzung von Bildern von Instagram-Nutzern ist inakzeptabel und eine völlige Fehleinschätzung der öffentlichen Meinung hinsichtlich der offensichtlichen Gefahren und Schäden, die mit einer solchen Nutzung einhergehen.“
  • Nachdem die Kritik zu groß geworden war, erklärte Meta in einer Stellungnahme: „Wir haben Rückmeldungen erhalten, dass diese Funktion nicht den Erwartungen entsprach, daher ist sie nun nicht mehr verfügbar. Unsere Absicht war es, ein nützliches kreatives Tool bereitzustellen und den Nutzern die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, ob ihre öffentlichen Inhalte auf diese Weise referenziert werden dürfen.“

Lernt Meta aus dem Muse-Image-Desaster?

Der Rückzieher bei Muse Image ist für Meta keine kleine Panne. Er ist ein waschechtes PR-Desaster, das sich in eine Post-ChatGPT-Ära einreiht. Denn: KI-Unternehmen testen nicht nur ohne Sinn und Verstand, was technisch, sondern auch, was gesellschaftlich möglich ist.

Mit Muse Image ist das Unternehmen aber einen Schritt zu weit gegangen. Die Verluste dürften diesmal weniger auf der Nutzerseite liegen, sondern vor allem bei Meta selbst. Denn: Das ohnehin schon bröckelnde Image erlebt diesmal einen echten Bruch.

Dabei schien diese Hauptsache-KI-Strategie eigentlich schon aus der Mode gekommen zu sein. OpenAI ist längst zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, anstatt eine unsinnige oder datenschutzfeindliche Funktion nach der anderen rauszuhauen. Doch bei Meta drehen die Uhren offenbar anders.

Will heißen: Muse Image ist weiterhin verfügbar, nur eben nicht mehr in Instagram. Zudem tüftelt das Unternehmen bereits an einem nächsten Projekt: Muse Video. Wird Meta dabei aus seinem PR-Desaster lernen? Also ich habe da so meine Zweifel.

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KI bestimmt, was wir lesen – und ruiniert unsere Meinungsbildung

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KI Nachrichten Medien Quellen Künstliche Intelligenz Meinungsbildung

ChatGPT, Gemini und Co. beantworten Nachrichtenfragen direkt. Doch für Nutzer ist vollkommen unklar, nach welchen Kriterien KI-Modelle ihre Quellen auswählen. Eine neue Studie offenbart ein erschreckendes Bild. Denn: Sprachmodelle spucken als Quelle nicht nur wenige etablierte Medien aus, sondern platzieren auch unkommentiert Desinformationsseiten neben seriösen Quellen. Für die öffentliche Meinungsbildung ist das eine große Gefahr. Eine kommentierende Analyse.

Quellenauswahl von KI-Chatbots kaum nachvollziehbar

  • Immer mehr Menschen lassen sich Nachrichten von ChatGPT und Co. zusammenfassen, anstatt originale Artikel zu lesen. Zahlreiche Medien spüren zunehmend die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen. Schätzungen der Analyseplattform Sistrix zufolge gehen deutschen Websites durch solche sogenannten Zero-Click-Suchen mittlerweile 265 Millionen Klicks pro Monat verloren – und damit indirekt auch Werbeeinnahmen.
  • Laut einer Analyse der Denkfabrik Agora Digital sind das eigentliche Problem nicht nur die Fehler, die KI-Modelle in ihren Antworten produzieren, sondern ihre Rolle als neue Gatekeeper. Will heißen: Chatbots treffen eine Vorauswahl von Quellen – nach Kriterien, die für Nutzer meist nicht nachvollziehbar sind. Die Studie hat 675 Nachrichtenanfragen an ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity und Google AI Overview analysiert und knapp 5.000 Quellenverweise ausgewertet.
  • Das Ergebnis: Die Forscher stießen zwar auf 554 unterschiedliche Websites, die als Quelle auftauchten. Die meisten Antworten der untersuchten KI-Modelle konzentrierten sich aber auf wenige etablierte Medien. Teilweise wurden laut Analyse auch Domains, die Desinformation verbreiten, neben seriösen Quellen aufgeführt, ohne dass Nutzer darauf hingewiesen wurden. Welche Quellen erscheinen, würde vom jeweiligen KI-Modell, vom Thema und sogar von der Formulierung der Anfrage abhängen.

KI als neuer Torwächter der Nachrichtenwelt?

Die Ergebnisse von Agora Digital offenbaren, dass KI längst mehr als nur ein Werkzeug zur Informationssuche ist. Sie entwickelt sich zu einem Torwächter öffentlicher Debatten. Denn wer Antworten direkt serviert bekommt, klickt seltener auf Originalquellen.

Das Problem: Viele Nutzer verlassen sich nicht nur auf KI-Antworten, die ohnehin schon fehleranfällig sein können, sondern auch auf einen eingeschränkten Quellen- und damit auch Informationskreis. Parallel wandert die Macht der Aufmerksamkeit zunehmend von Redaktionen und Suchmaschinen hin zu den Betreibern großer Sprachmodelle.

Fernab davon, dass jede zehnte KI-Antwort falsch ist oder Fehler enthält, entsteht dadurch eine weitere Gefahr für die öffentliche Meinungsbildung. Denn Nutzer können kaum nachvollziehen, wie KI-Modelle den digitalen Nachrichtentisch decken – und auch nicht, welche Zutaten überhaupt in Erwägung gezogen werden.

Besonders problematisch sind zudem Kooperationen zwischen KI-Anbietern und Verlagen, wie zwischen dem Axel Springer Verlag und OpenAI. Nicht unbedingt, weil ChatGPT per se keine Bild-Zeitung als Quelle heranziehen sollte, sondern weil es dadurch inflationär geschieht.

Das macht KI-Antworten nicht nur relativ einseitig, sondern untergräbt aufgrund mangelnder Transparenz auch die Mündigkeit vieler Nutzer – von russischen Propagandanetzwerken, die als Quelle zitiert werden, ganz zu schweigen.

Stimmen

  • Vivien Benert, Hauptautorin der Studie von Agora Digital, fordert gegenüber dem Spiegel: „Transparenz und Offenlegung der Kriterien zur Quellenauswahl im laufenden Betrieb, eine überprüfbare Zuordnung von Aussagen und Quellen sowie Offenlegung bestehender Kooperationen zwischen KI-Anbietern und Medienhäusern für Nutzende. Ohne Einblick in die Quellenauswahl lasse sich weder Haftung noch Vielfalt noch faire Vergütung durchsetzen. (…) Kein Anbieter dokumentiert transparent, wie die Quellenauswahl zur Beantwortung von Prompts funktioniert.“
  • Mika Beuster, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), in einem Statement: „Der Qualitätsjournalismus lebt von menschlicher Recherche. Generative KI, die nur wiederkäut, was bereits gedacht und gesagt wurde, kann keine neuen Perspektiven schaffen. Ich sehe die Gefahr, dass Leser und Werbekunden der Verlage nicht bereit sein werden, Geld für Roboterjournalismus auszugeben. (…) Da liegt der Verdacht nahe, dass KI nicht zur Unterstützung, sondern zum Ersatz journalistischer Arbeit genutzt wird. Das darf kein Vorbild für andere Medienhäuser werden. Wo es etwa um die Auswertung riesiger Datenmengen geht, ist KI für Redaktionen eine willkommene Hilfe.“
  • Liz Reid, Leiterin von Google Search, verteidigt die plattformeigenen KI-Funktionen: „Wir leiten weiterhin täglich Milliarden von Klicks an Websites weiter und sind davon überzeugt, dass der Werteaustausch zwischen der Suche und dem Web nach wie vor stark ist. (…) Wir haben unsere Modelle so trainiert, dass sie das Web tiefgreifend verstehen und wissen, wann und wie sie auf die relevantesten Seiten verweisen sollen. Und unsere KI-Antworten enthalten gut sichtbare Links, klare Quellenangaben und Inline-Quellenverweise.“

Was sich jetzt ändern muss

Die Untersuchung macht nicht nur deutlich, wie unterschiedlich die Quellenprofile der einzelnen KI-Modelle mittlerweile sind, sondern auch wie wenig Nutzer nachvollziehen können, warum bestimmte Quellen auftauchen und andere nicht. Forderungen nach mehr Transparenz werden deshalb zu Recht immer lauter.

Denn: Die Auswahl der Quellen muss überprüfbar sein, damit Inhalte ihren Ursprüngen zugeordnet werden können und der Umgang mit journalistischen Inhalten sowie Desinformation verbindlich geregelt wird. Auf Nutzerebene zeigt das einmal mehr auf, dass KI-Antworten vielleicht einen Einstieg in ein Thema liefern, aber kein Ersatz für die Originalquellen sind.

Oder: Wer sich bei politischen oder gesellschaftlichen Streitfragen ausschließlich auf KI-Zusammenfassungen verlässt, bekommt am Ende nicht die ganze Debatte serviert, sondern nur einen Ausschnitt, den ein Algorithmus für relevant hält. Wobei es traurig genug ist, dass viele Menschen ohnehin schon keine unterschiedlichen Quellen oder Standpunkte mehr miteinander vergleichen, sondern vor allem nach Bestätigungen der eigenen Meinung suchen.

Und als würde das unserer Debattenkultur, der öffentlichen Meinung und auch der Bildung nicht schon genug schaden, verschärft KI diese Einfältigkeit auch noch. Sprich: Aus Informationsvielfalt wird zunehmend Informationsbequemlichkeit – und zwar mit gravierenden Nachteilen wie einem Verlust von Empathie, Mündigkeit und Diskursfähigkeit.

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Klimaschutz egal: Bund streicht Umweltauflagen für Rechenzentren

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Umwelt Klima Rechenzentren Deutschland Umweltauflagen

Deutschland soll eine KI-Nation werden. Dafür will die Bundesregierung die Umweltauflagen für Rechenzentren deutlich lockern. Ein neuer Gesetzesentwurf verschiebt die Ökostrom-Pflicht, verlängert Übergangsfristen und streicht die Pflicht zur Nutzung von Abwärme. Das ist nicht nur ein Kniefall vor Big Tech, sondern auch Ressourcenverschwendung und eine zusätzliche Klimabelastung. Eine kommentierende Analyse.

Bund will Umweltauflagen für Rechenzentren lockern

  • Die Bundesregierung will Deutschland zu einer KI-Nation machen. Um das zu erreichen, sollen vor allem weitere Rechenzentren gebaut werden. Der Plan: eine Vervierfachung der KI-Rechenkapazitäten bis 2030. Damit das gelingt, will die Regierung kurzerhand das Energieeffizienzgesetz ändern. Ein vom Bundeskabinett beschlossener Gesetzesentwurf sieht eine Lockerung der Umweltauflagen für Rechenzentren vor.
  • Laut Entwurf sollen Rechenzentren drei Jahre mehr Zeit haben, um ihren Stromverbrauch in der Bilanz auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen. Will heißen: Die Bundesregierung will die bisherige Frist vom 1. Januar 2027 bis zum 1. Januar 2030 verlängern. Für bereits gebaute Rechenzentren soll die aktuelle Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben (PUE) von zwei auf vier Jahre verlängert werden.
  • Betreiber von Rechenzentren sollen den Plänen zufolge künftig nicht mehr verpflichtet werden, Abwärme zu nutzen, falls vor Ort kein passendes Wärmenetz vorhanden ist. Vor allem in vielen ländlichen Regionen, in denen bereits Rechenzentren gebaut werden, gibt es keine entsprechenden Netze zur Nutzung der Abwärme. Sprich: Die entstehende Wärme durch Server soll dort einfach entweichen und die Umgebungsluft erwärmen.

Ein Geschenk an Big Tech?

Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht nicht nur eine kleine Anpassung vor. Er markiert einen politischen Kurswechsel und ist ein nett verpacktes Geschenk an Big Tech. Denn Klimaschutz und Digitalisierung sollen nicht mehr Hand in Hand gehen. Stattdessen sollen auf Teufel komm raus so schnell wie möglich Rechenzentren gebaut werden.

Klar: Umweltauflagen bremsen den Ausbau natürlich etwas. Aber sie stehen ihm nicht zwangsläufig im Weg. Statt nach Lösungen zu suchen, die Klimaschutz und mehr Tempo garantieren, will die Bundesregierung also kurzsichtig wichtige und sinnvolle Regeln lockern.

Oder kurzum: Die Politik will Deutschland zu Lasten des ohnehin schon belasteten Klimas ohne Sinn und Verstand zur KI-Nation peitschen. Besonders pikant ist dabei das Thema Abwärme. Denn wer Millionen Kilowattstunden Wärme einfach in die Luft blasen will, verschwendet schlichtweg Ressourcen und nimmt gleichzeitig einen höheren Verbrauch anderer Ressourcen durch weitere Rechenzentren unter gelockerten Auflagen in Kauf.

Ein weiterer Knackpunkt: Rechenzentren müssen ihren Strom lediglich bilanziell mit erneuerbaren Energien decken. Auf dem Papier kann also alles grün aussehen, wenn Betreiber etwa Ökostrom-Zertifikate einkaufen. Sie müssen aber nicht nachweisen, dass der vor Ort genutzte Strom auch tatsächlich aus Erneuerbaren stammt.

Das Problem: Der neue Entwurf schließt diese Lücke nicht. Er macht sie sogar größer. Das Motto der Bundesregierung: mehr Rechenzentren für was auch immer – egal zu welchem Preis und unter Inkaufnahme von Ressourcenverschwendung und zusätzlichen Belastungen für die Umwelt. Und jetzt erklär mir unter diesen Bedingungen nochmal einer den gesellschaftlichen Nutzen.

Stimmen

  • Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum neuen Energieeffizienzgesetz: „Energieeffizienz senkt Kosten, stärkt die Versorgungssicherheit und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Deshalb setzen wir auf zielgerichtete statt auf pauschale Vorgaben und konzentrieren verbindliche Anforderungen auf besonders energieintensive Betriebe. (…) Mit praxisnahen Regeln für Rechenzentren schaffen wir die Voraussetzungen für digitale Souveränität und wirtschaftliches Wachstum. Unter anderem wird für neue Rechenzentren die Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben von zwei auf vier Jahre verlängert.“
  • Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, in einem Statement: „Rechenzentren sind die Grundlage für KI, Cloud und Digitalisierung. Ohne sie verliert Deutschland im internationalen Wettbewerb den Anschluss. Deshalb ist es richtig, dass die heute verabschiedete Novelle des Energieeffizienzgesetzes praxisferne Vorgaben der vergangenen Jahre zumindest teilweise korrigiert und sich stärker an europäischen Regeln orientiert. Gleichwohl hätten wir uns deutlich mehr Ambition gewünscht. Die Vorgaben zur Energieeffizienz von Rechenzentren wurden im Zuge der Ressortabstimmungen verschlimmbessert und sind nun nicht mehr praxistauglich.“
  • Kilian Vieth-Ditlmann, Head of Policy bei der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation AlgorithmWatch, kritisiert: „Der Kabinettsbeschluss zur EnEfG-Reform ist ein Kniefall vor Big Tech – und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn der prognostizierte Zubau von immer größeren Rechenzentren ist gigantisch. Genau jetzt die grundlegenden Regeln für Effizienz und Transparenz auszuhöhlen, ist nicht nur widersinnig, sondern auch politisch kurzsichtig und verantwortungslos. Denn wir zementieren Abhängigkeiten, anstatt sie endlich zu überwinden. Wird Reiches Anti-Effizienzgesetz so beschlossen, könnten Google, Microsoft und Co. zukünftig ihre Rechenzentren mit fossilen Energien betreiben, müssten ihren Kund*innen keine Energieverbrauchsdaten mehr mitteilen und dürften elementare Umweltdaten als Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss halten. Das schadet sowohl der Umwelt als auch der Wirtschaft.“

Mehr Rechenzentren – aber wofür eigentlich?

Die geplanten Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes senden ein fatales Signal. Denn ausgerechnet in einer Zeit, in der Hitzewellen immer häufiger werden und viele Regionen sich nach jedem Grad weniger sehnen, will die Bundesregierung es in Kauf nehmen, dass zusätzliche Wärme aus Rechenzentren die Umgebungsluft erhöht.

On top kommt, dass mit jedem neuen KI-Rechenzentrum der Strom- und Wasserbedarf steigt. Da der Verbrauch in den kommenden Jahren allein schon durch den Ausbau massiv steigen wird, wären eigentlich strengere Umweltauflagen die naheliegende Antwort gewesen – nicht schwächere!

Zudem rückt eine Grundsatzfrage in den Hintergrund. Wofür sollen Rechenzentren eigentlich gebaut werden? Klar: Eine digitale Gesellschaft braucht eine leistungsfähige Infrastruktur. Für die Forschung, die Medizin, Wettermodelle, die Industrie und für kritische IT-Systeme wie Cloud-Speicher, um etwa Energie, Verkehr und Verwaltung zu gewährleisten.

Doch der aktuelle Boom wird vor allem von Sprachmodellen angetrieben. Will heißen: Obwohl der gesellschaftliche Mehrwert von Chatbots im Privatbereich äußerst umstritten ist, will die Bundesregierung enorme Energiemengen bereitstellen. Doch Strom bei gelockerten Umweltauflagen vermehrt in KI zu speisen, während der Ressourcenverbrauch enorm ist und jener Strom gleichzeitig an anderer Stelle zur Dekarbonisierung fehlt, ist ein zumindest fragwürdiger Tausch.

Vielleicht liegt aber auch genau darin das Problem. Denn die Debatte kreist fast ausschließlich um die Frage, wie Deutschland beim KI-Wettlauf mithalten kann. Doch kaum jemand scheint sich zu fragen, was überhaupt sinnvoll ist. Ja: Rechenzentren sind notwendig. Ohne sie funktioniert keine moderne Volkswirtschaft. Aber zwischen digitaler Souveränität und der automatisierten Produktion von KI-Inhalten für jede noch so belanglose Alltagsanwendung liegen Welten.

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Podcast: Politik in der Floskel-Falle – wenn KI sogar überzeugender klingt

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BREAK THE WEEK Podcast

BREAK/THE WEEK ist dein wöchentlicher Tech-Talk von BASIC thinking, der dich hinter die Kulissen der Tech-Welt nimmt. In der neuen Ausgabe diskutieren wir über ein drohendes Solar-Chaos in Deutschland, Netflix-Entscheidungsmüdigkeit und warum KI authentischer klingt als Politiker .

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Die Themen dieser Ausgabe:

  • Berlins digitales Mietregister: Bundesweit erste Datenbank gegen Mietwucher
  • Amazon entfernt KI-synchronisierten Film nach Nutzerprotesten
  • Solarenergie spart Deutschland 20 Milliarden Euro Importkosten
  • Netflix-Entscheidungsmüdigkeit: Mehrere Tage Lebenszeit fürs Scrollen
  • EEG läuft Ende 2026 aus – droht ein Solar-Chaos?
  • Studie: KI-Antworten wirken authentischer als die echter Politiker
  • Yes or No: KI-Smartphones, Social-Media-Missbrauch und mehr

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Immer mehr Filme und Videos mit KI-Übersetzungen – Zuschauer genervt

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Amazon YouTube KI-Übersetzungen Synchronisation Künstliche Intelligenz Filme Videos Deadly Patient

Amazon hat den Film Deadly Patient in Deutschland nach wenigen Tagen von Prime Video gelöscht, weil eine deutsche KI-Synchronisation grottenschlecht und der Spott im Netz zu groß geworden war. Doch die Panne ist kein Einzelfall. Auch auf YouTube sorgen KI-generierte Übersetzungen zunehmend für Unmut. Zwischen Netflix und zahlreichen deutschen Synchronsprechern ist zudem ein Streit entbrannt. Eine kommentierende Analyse.

Immer mehr KI-Übersetzungen auf Amazon und YouTube

  • Der Film Deadly Patient auf Amazon Prime Video hat in den digitalen Medien für Spott und Hohn gesorgt. Grund war eine deutsche KI-Synchronisation in unterirdischer Qualität. Der Film erschien in den USA eigentlich schon im Jahr 2018. Eine deutsche Version gab es bislang aber nicht. Nachdem die Kritik zu groß geworden war, zog Amazon nach nur wenigen Tagen den Stecker und nahm Deadly Patient mit der deutschen KI-Synchronisation wieder offline. Wie das Portal Filmstarts berichtet, kursieren auf Prime Video aber zahlreiche weitere Filme, die mithilfe von KI synchronisiert wurden.
  • Zwischen Netflix und zahlreichen deutschen Synchronsprechern schwelt seit Anfang 2026 ein Streit um eine Vertragsklausel zum KI-Training. Sie sieht vor, dass das Unternehmen Stimmaufnahmen nutzen darf, um KI-Modelle zu trainieren. Der Verband deutscher Sprecher setzt sich dafür ein, dass Synchronsprecher ein Recht haben sollten, selbst zu entscheiden. Eine Zustimmung soll zudem mit einer Vergütung einhergehen. Bei einer Ablehnung dürften keine negativen Konsequenzen drohen. Eine Einigung ist aber nach wie vor nicht in Sicht. Die Folge: erste Produktionen finden ohne die üblichen Synchronsprecher statt. Russell Crowe verliert etwa seine deutsche Stammstimme.
  • Auch YouTube hat ein KI-Problem. Die Plattform wird von immer mehr Videos, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, überschwemmt. Darunter befindet sich jedoch nicht nur klassischer KI-Schrott in Form von minderwertigen Inhalten. Auf YouTube kursieren auch vermehrt Deepfakes und manipulierte Videos. Das Unternehmen hat bereits Maßnahmen wie KI-Labels eingeleitet, um der KI-Flut Herr zu werden. Viel geholfen hat das bislang aber nicht. Ein weiteres Problem: Immer mehr Nutzer sind von den automatischen KI-Synchronisationen auf YouTube genervt. Denn: Diese sind standardmäßig aktiviert und lassen sich von Nutzern nicht generell abschalten.

Fehlende Qualitätskontrollen

Die KI-Panne auf Amazon Prime Video offenbart einmal mehr, dass nicht jede technische Möglichkeit automatisch auch marktreif ist. Erschreckend ist außerdem, dass die Plattform scheinbar keine funktionierenden Qualitätskontrollen hat. Dass die Synchronisation laut Amazon nicht im Auftrag des Unternehmens entstand, sondern der Film vermutlich über „Prime Video Direct“ und einen Drittanbieter auf die Plattform gelangte, erklärt nur den Ursprung.

Das entbindet einen Milliardenkonzern in dieser Größe aber nicht von der Verantwortung für das, was er seinem Publikum serviert. Die Intention des Uploaders dürfte klar sein: das schnelle Geld. Amazon droht derweil ein kleiner Imageschaden. Denn wenn Plattformen wie Prime Video oder auch YouTube Nutzer vermehrt durch schlechte KI-Synchronisationen nerven und abschrecken, schaden sie sich selbst.

Hinzu kommt, dass der Eindruck entsteht, KI-Synchronisationen würden grundsätzlich für monotone Stimmen, falsche Übersetzungen oder eine unfreiwillige Komik stehen. Das beschädigt das Vertrauen in eine Technologie, die hier und da auch sinnvoll eingesetzt werden kann – etwa, um bekannte Stimmen weiterleben zu lassen. Vergütungen, Zustimmungen, Qualität und die Einhaltung des Urheberrechts vorausgesetzt.

Stimmen

  • „Die Sanitäter fanden Euch im Bett“, „Ich sollte da gestorben haben“, oder „Ich fahre da“: Viele KI-generierte Synchronisationen in Deadly Patient waren nicht nur ausdrucks- und emotionslos, sondern teilweise einfach nur unsinnig oder falsch. Ein Prime-Video-Sprecher teilt dem Medienmagazin DWDL auf Anfrage hin mit: „Die deutsche Synchronisation des Films ‚Deadly Patient – Tödlicher Patient‘ entsprach nicht den Qualitätsstandards von Prime Video. Der Film ist vorerst nicht mehr bei Prime Video verfügbar.“
  • Auch wenn Deadly Patient „in deiner Region nicht mehr auf Prime Video verfügbar“ ist, die Rezensionen sind noch online. Ein Nutzer schrieb etwa: „Der Film hat eine KI-Synchron-Fassung. Leblos, monoton, selbstverständlich das komplette Gegenteil von synchron, mit haarsträubenden Übersetzungsfehlern und grotesken Fehl-Interpretationen der Situationen. Wissen die Schauspieler und Produzenten eigentlich, wie übel ihr Werk für den deutschen Markt verhunzt wurde? Kein Film, und sei er noch so nischig oder schlecht, hat es verdient, so verunstaltet zu werden. Hauptsache 2,80 € an der deutschen Synchro gespart.“
  • In einem Subforum auf Reddit zeigen sich zahlreiche Nutzer von den KI-Synchronisationen auf YouTube genervt: „Ich hab echt die Schnauze voll, von diesen unlogischen Titeln und Audio-Tracks vom Teufel angegriffen zu werden. Ich bin jedes Mal kurz davor, mein Handy und meinen Rechner aus dem Fenster zu werfen!“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Ernsthaft … dabei müsste man doch einfach nur mehr Wert auf Untertitel / Übersetzungen legen. Gibt’s ja schon, aber ist so verbesserungswürdig.“ Wiederum ein anderer entgegnet: „Nicht mal … es würde einfach reichen, eine verdammte Checkbox anzubieten (oder besser gesagt anzukreuzen: Opt-in standardmäßig FTW), um aufzuhören, diejenigen zu nerven, die diesen Mist nicht wollen.“

Was sich jetzt ändern muss

Amazon hat sich selbst einen Deadly Patient ins Nest gelegt. Der Druck auf das Unternehmen, klare Qualitätsstandards für KI-Synchronisationen einzuführen, wird steigen. Denn mit jeder peinlichen Panne wächst die Gefahr, dass Nutzer nicht nur einzelne Produktionen meiden, sondern KI-generierten Übersetzungen oder gar bestimmten Plattformen insgesamt misstrauen.

Die Technologie wird deshalb zwar nicht verschwinden. Es braucht aber einheitliche Standards, faire Vergütungsmodelle, Qualitätskontrollen und vor allem: eine KI-Kennzeichnung. Denn solange unklar ist, wann KI zum Einsatz kommt, wann Stimmen für das KI-Training genutzt werden und wer darüber entscheidet, ist jede neue KI-Synchronisation unnötig künstlich aufgeladen.

Aus einer technischen Entwicklung ist deshalb eine arbeitsrechtliche und kulturelle Grundsatzdebatte entstanden. Für Plattformen wie Amazon oder YouTube dürfte das bedeuten, dass bloße KI-Labels oder der Verweis auf externe Anbieter künftig nicht mehr ausreichen werden. Denn: Nutzer erwarten Transparenz, echte Wahlmöglichkeiten und vor allem Qualität.

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Deutschland droht Solar-Chaos – weil die Politik ein Gesetz verpennt

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EEG Solar-Chaos Gesetz Reiche Erneuerbare-Energien-Gesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) läuft Ende 2026 aus. Ein Nachfolger ist bislang nicht in Sicht. Eigentlich wollte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) noch vor der Sommerpause einen Entwurf vorlegen. Doch die Koalition streitet über zentrale Punkte, Brüssel wartet auf eine Anpassung an EU-Vorgaben und die Solar- und Windbranche schlägt zunehmend Alarm. Eine kommentierende Analyse.

Warum das EEG reformiert werden muss

  • Eigentlich wollte die Bundesregierung bis zum Sommer einen Gesetzesentwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) präsentieren. Der Grund: Wenn die Energiewende in Deutschland nicht zum Erliegen kommen soll, muss bis zum 1. Januar 2027 ein neues Gesetz in Kraft treten. Das EEG regelt im Prinzip die gesamte deutsche Energiewende: von Förderungen über Ausbauziele bis hin zu Ausschreibungsverfahren. Da ein neues Gesetz noch mit der EU abzustimmen und durch den Bundesrat zu bringen wäre, wollte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eigentlich noch vor der parlamentarischen Sommerpause einen Entwurf vorlegen. Diese beginnt am 11. Juli und geht bis zum 6. September 2026.
  • Seitdem die Förderung des EEG komplett aus dem Bundeshaushalt finanziert wird, braucht die Bundesregierung für ein neues Gesetz eine sogenannte beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission. Denn: Diese läuft Ende 2026 aus. Brüssel verlangt für eine Verlängerung, dass Deutschland sein Fördersystem an die neuen europäischen Vorgaben anpasst. Diese zielen vermehrt auf marktorientierte Instrumente anstatt auf eine rein staatliche Förderung. Darunter: langfristige Stromverträge, Wettbewerbsausschreibungen und eine Direktvermarktung.
  • Das Bundeswirtschaftsministerium will die Förderung für neue, kleine Solaranlagen laut einem geleakten Arbeitsentwurf einstellen. Sprich: private Betreiber von Solaranlagen sollen keine Einspeisevergütung mehr erhalten. Netzbetreiber müssten sich zudem nicht mehr verpflichten, Strom abzunehmen. Anlagenbetreiber sollen sich stattdessen selbst einen Abnehmer suchen und mindestens 50 Prozent des erzeugten Stroms verbrauchen. Für Solaranlagen mit weniger als sieben Kilowatt installierter Leistung soll ein intelligenter Stromzähler bis Ende 2028 Pflicht werden. Eine berechtigte Befürchtung: Ein Rückgang beim Solarausbau, der tausende Jobs gefährdet.

Berlin blockiert sich selbst

Das Problem ist längst nicht mehr nur, was im neuen EEG stehen soll, sondern ob es überhaupt noch rechtzeitig kommt. Selbst wenn das Wirtschaftsministerium morgen einen Entwurf vorlegt, beginnt die eigentliche Arbeit erst. Denn Kabinett, Bundestag, Bundesrat sowie Brüssel müssen zustimmen.

Heißt konkret: Die Uhr tickt – und zwar unerbittlich und zuverlässiger als so mancher Politiker. Doch dass die Reform festhängt, liegt weniger an Europa als an Berlin. Denn die Pläne aus dem Wirtschaftsministerium sorgen nicht nur in der Opposition und der Branche der Erneuerbaren für Proteste, sondern auch innerhalb der eigenen Regierung.

Die SPD stemmt sich etwa gegen zentrale Punkte. Und sogar das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium hat Bedenken in puncto Biogas geäußert. Wirtschaftsministerin Reiche koppelt die EEG-Novelle zudem an das ebenfalls stockende Netzpaket, offenbar um Druck auszuüben und ihre Inhalte durchzusetzen. Funktioniert hat das bislang aber nicht.

Stattdessen sind sowohl Verbraucher als auch die Solar- und Windbranche die Gelackmeierten, weil niemand weiß, worauf man sich einstellen muss. Es wäre deshalb durchaus sinnvoll, das EEG vom Netzpaket zu trennen und offene Streitfragen später zu klären, anstatt zu taktieren.

Stimmen

  • Holger Hennies, Präsident des Berufsverbands Landvolk Niedersachsen, in einem Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz: „Da das aktuelle Erneuerbare-Energien-Gesetz nur noch bis Ende 2026 gilt, braucht es dringend eine Anschlussregelung, damit ab Anfang 2027 in Betrieb gehende Anlagen überhaupt eine Förderung erhalten. (…) Die sich hieraus ergebenden Unsicherheiten behindern dringend notwendige Investitionen in eine zukunftsfähige Energieversorgung. Planungssicherheit für Investoren, Projektentwickler und Anlagenbetreiber ist unverzichtbar. (…) Biogas ist die einzige erneuerbare Energie, die dauerhaft speicherbar, bedarfsgerecht steuerbar und zugleich bei Stromausfall schwarzstartfähig ist.“
  • In einem Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums, der Ende Februar 2026 geleakt wurde, heißt es: „Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende transparent, planbar und pragmatisch zum Erfolg zu bringen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist das zentrale Instrument, um eine treibhausgasneutrale Stromversorgung auf Basis eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien zu erreichen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll stetig, kosteneffizient, umweltverträglich und netzverträglich erfolgen. Das EEG bedarf aus einer Reihe von Gründen einer grundlegenden Neuordnung.“
  • Sandra Detzer, Bundestagsabgeordnete der Grünen, bittet den Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft und Energie, Wirtschaftsministerin Reiche zum nächsten Ausschuss zu zitieren: „Die Arbeitsverweigerung von Katherina Reiche bedroht milliardenschwere Investitionen und Tausende Arbeitsplätze. Die Uhr tickt. Es braucht schnellstens ein neues EEG, das alte läuft Ende des Jahres aus. Diese Entwicklung besorgt uns zutiefst: Ohne eine beschlossene und bis Ende des Jahres beihilferechtlich genehmigte Anschlussregelung droht ein massiver Einbruch des Ausbaus erneuerbarer Energien.“

Ohne EEG droht ab 2027 ein Solar-Chaos

Je länger die Regierung bei ihrer geplanten EEG-Reform rumkrebst, desto größer wird der Schaden sein. Viele Verbraucher und Akteure aus der Branche der erneuerbaren Energien sind bereits verunsichert. Wer beispielsweise über eine Solaranlage nachdenkt, weiß nicht, welche Regeln künftig gelten. Viele werden deshalb vermutlich erst einmal abwarten. Für die Branche der Erneuerbaren, die von kontinuierlichen Aufträgen lebt, ist das Gift.

Kommt das neue EEG nicht rechtzeitig, droht aber nicht nur ein politischer Imageschaden. Denn ohne neue Rechtsgrundlage dürfen auch keine neuen Förderungen und Ausschreibungen mehr starten. Bestehende Anlagen wären davon zwar nicht betroffen. Neue Projekte könnten hingegen zunächst einmal auf Eis liegen. Nicht unbedingt, weil sie sich wirtschaftlich nicht rechnen, sondern weil Banken ohne staatliche Absicherung deutlich vorsichtiger finanzieren.

Will heißen: Aus einem Gesetzesstau könnte schnell ein Investitionsstau werden. Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit. Wer sich bereits für eine Photovoltaikanlage entschieden hat, dürfte mit der Installation 2026 noch auf der sicheren Seite sein. Wer aber erst später bauen will oder kann, sollte den Eigenverbrauch möglichst hoch ansetzen. Das größte Problem bleibt aber die Politik. Denn: Die Energiewende scheitert nicht an mangelnder Technologie, sondern an politischem Geplänkel.

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Politische Kommunikation am Abgrund – wenn sogar KI besser klingt

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politische Kommunikation KI Künstliche Intelligenz Politik

KI-generierte Antworten auf politische Fragen wirken oft authentischer, schlüssiger und relevanter als Antworten von Politikern. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die vor einem Missbrauch von Sprachmodellen und einer Manipulation der öffentlichen Meinung warnt. Die Erkenntnisse offenbaren aber nicht nur Risiken und Leistungsfähigkeit von KI, sondern auch, wie sehr unsere Debattenkultur und die politische Kommunikation kranken. Eine kommentierende Analyse.

KI klingt authentischer als Politiker

  • KI-generierte Antworten auf Fragen aus einer im britischen Fernsehen ausgestrahlten politischen Diskussionssendung überzeugten Studienteilnehmer mehr als die von Menschen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Universität Passau. Demnach wurden die KI-Antworten als authentischer, stimmiger und relevanter bewertet. Die Forscher nutzten das Sprachmodell GPT-4 Turbo von OpenAI, um Antworten aus 30 Folgen der BBC-Sendung „Question Time“ zu generieren. Normalerweise beantworten Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft die Publikumsfragen in der Sendung.
  • Die Forscher fütterten die KI mit den Wikipedia-Biografien von 112 verschiedenen Persönlichkeiten, die bereits zu Gast in der Sendung waren, und wiesen das Modell an, ihre Antworten auf in „Question Time“ gestellte Fragen zu imitieren. Von 2020 bis 2022 extrahierten sie zudem 119 Fragen mit mehr als 500 Antworten aus der Sendung. Im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe bewerteten anschließend knapp 1.000 Menschen sowohl die Originalantworten als auch die KI-Antworten. Die drei Hauptkriterien: Authentizität, logischer Aufbau und inhaltliche Relevanz. Das Ergebnis: Die Befragten stuften die imitierten Inhalte überwiegend als authentischer, schlüssiger und relevanter als die menschlichen Antworten ein.
  • Den Forschern zufolge sind die Auswirkungen ihrer Ergebnisse auf die politische Kommunikation gravierend. Akteure mit schädlicher Absicht könnten mithilfe von KI öffentliche Meinungen mit falschen, aber glaubwürdig klingenden politischen Aussagen überfluten, etwa um Verwirrung zu stiften oder bestimmte Narrative zu bedienen. Vor allem in Kombination mit Deepfakes, also künstlich generierten Stimmen und Videos von öffentlichen Personen, sei das gesellschaftliche Risiko enorm.

Politische Kommunikation maschinenhafter als KI?

Die Pointe der Studie aus Passau ist nicht unbedingt, dass KI mittlerweile gute Antworten liefern kann. Das dürfte eigentlich kaum noch jemanden überraschen. Erstaunlicher ist vielmehr, dass viele die politische Kommunikation auf menschlicher Ebene als unauthentisch, irrelevant und unpassend empfinden.

Wobei: Wirklich überraschen tut mich das nicht. Denn viele Politiker schwadronieren seit Jahren nur Einheitsbrei. Sie reden zwar viel, haben aber kaum etwas zu sagen. Dass KI solche eintönigen, unkonkreten oder kurzum langweiligen Antworten mittlerweile übertrumpft, ist deshalb fast schon logisch.

Ein gut trainiertes Sprachmodell hat nämlich sprachlich mehr auf Lager als die immer gleichen Floskeln. Das wirft auch ein unangenehmes Licht auf die politische Kommunikation. Denn viele Politiker trainieren seit Jahren eine Sprache aus möglichst glatten Botschaften, die möglichst wenig Angriffsfläche liefern.

Doch KI ist nicht nur deutlich besser geworden. Politik klingt auch maschinenhaft. Da erscheint es wenig verwunderlich, dass Populisten mit ihrer Sprache punkten – selbst wenn vieles stark vereinfacht, erfunden oder schlichtweg falsch ist. Dass KI von radikalen politischen Kräften genutzt und missbraucht wird, um gezielt Narrative zu bedienen, Verwirrung zu stiften oder Falschinformationen zu verbreiten, findet meiner Meinung nach längst statt.

Das ist zweifellos eine große Gefahr. Doch viel erschreckender erscheint mir die Erkenntnis, dass demokratische Kräfte mit ihrer schematischen Sprache immer weniger Menschen erreichen. Die Studie ist deshalb weniger eine technische Erfolgsmeldung für Künstliche Intelligenz oder eine Warnung vor neuen Risiken, sondern eine Diagnose, wie schlimm es um unsere Debattenkultur steht.

Stimmen

  • Steffen Herbold, Professor für AI Engineering an der Universität Passau, in einem Statement: „Wir haben beobachtet, dass Sprachmodelle immer besser darin geworden sind, einen vorgegebenen Stil zu imitieren. Sprachmodelle sind damit in der Lage, gezielte politische Kommunikation zu generieren und damit die öffentliche Meinung zu beeinflussen. (… ) Unsere Studie zeigt zweierlei: Sprachmodelle können dazu gebracht werden, einen sinnvollen Beitrag zu öffentlichen Debatten zu leisten. Es ist aber dringend notwendig, die Öffentlichkeit über den potenziellen Schaden aufzuklären, den dies für die Gesellschaft haben kann.“
  • Co-Autorin Annette Hautli-Janisz, Juniorprofessorin für Computational Rhetoric und Natural Language Processing an der Universität Passau, ergänzt: „Problematisch ist insbesondere, dass Antworten, die inhaltlich abweichen, als authentisch eingestuft werden. Denn dann sind wir mit der Situation konfrontiert, dass die KI-Technologie zur gezielten Fehlinformation über den Standpunkt des Sprechers eingesetzt werden kann. (… ) Das betrifft das Kriterium der Authentizität, also den Kern unserer Studie. Gemeint ist die Frage, ob eine Antwort wirklich so in einer Live-Situation gefallen sein könnte.“
  • Geoffrey Hinton, Informatiker, Kognitionspsychologe und Physik-Nobelpreisträger 2024, in einem Interview: „KI-Systeme werden am Ende viel mehr wissen als wir. Sie wissen bereits viel mehr als wir und sind insofern intelligenter als wir, als man eine Debatte mit ihnen über irgendein Thema verlieren würde. Da sie emotional klüger sein werden als wir – und das werden sie –, werden sie besser darin sein, Menschen emotional zu manipulieren. Und all diese Manipulationstechniken hat sie allein dadurch gelernt, dass sie versucht hat, das nächste Wort in allen Dokumenten im Internet vorherzusagen, denn die Menschen manipulieren sehr viel, und die KI hat anhand dieser Beispiele gelernt, wie man das macht.“

Weniger Floskeln, mehr Haltung: Was die Politik jetzt ändern muss

Die Verlockung, KI nicht nur als Hilfsmittel, sondern als Ghostwriter einzusetzen, ist zugegebenermaßen groß. Doch es wäre die falsche Konsequenz, sich politische Inhalte von Algorithmen diktieren zu lassen oder politische Inhalte Algorithmen zu diktieren. Denn dann würden Politik und Debatten zu einem Prompt-Wettbewerb verkommen.

Wichtiger wäre vielmehr das Gegenteil dessen, was viele Parteien seit einigen Jahren kultiviert haben. Sprich: weniger Floskeln, weniger Sprachtraining und mehr Haltung, Authentizität und vor allem Konkretes. Klar: Wer mehr Mut zu klaren Positionen wagt, eckt womöglich hier und da an.

Doch genau davon lebt die demokratische Debattenkultur: von Streit, von unterschiedlichen Meinungen und von unterschiedlichen Positionen – ein gewisses demokratisches Niveau vorausgesetzt. Aber auch davon – KI hin oder her – zu widersprechen, wenn Fakten verdreht, trügerische Ansichten bedient oder schlichtweg falsche Informationen verbreitet werden.

Denn das kann KI zwar imitieren, aber nicht glaubhaft leben. Echtheit entsteht nicht durch perfekte Formulierungen, sondern durch erkennbare Überzeugungen. Die Passauer Studie sollte deshalb nicht nur als Warnung vor künstlicher Intelligenz gelesen werden, sondern als Weckruf für die politische Kommunikation insgesamt.

Solange demokratische Parteien glauben, jede Aussage müsse erst durch einen Filter maximaler Unverbindlichkeit laufen, wird KI diesen Stil immer besser beherrschen als ihre menschlichen Vorbilder. Indes: Auch wenn reaktionäre Akteure zunächst eine vielleicht konkretere und mitreißendere Sprache an den Tag legen, inhaltlich kommt danach vor allem eines: herzlich wenig.

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Gegen die menschliche Dekadenz: Was bringt der Temu-Zoll?

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Temu Shein Zoll Steuer China Pakete Sendungen

Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU einen Zoll auf Kleinsendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern. Pro Warengruppe und Paket fallen drei Euro an. Damit reagiert Brüssel auf eine Paketflut aus China, die die Zollbehörden an ihre Grenzen bringt. Doch der sogenannte Temu-Zoll könnte nicht nur Kontrollen erleichtern, sondern auch die menschliche Dekadenz abwürgen – zumindest ansatzweise. Eine kommentierende Analyse.

So funktioniert der neue Temu-Zoll

  • Die Europäische Union will Billigimporte aus China mit neuen Zollregeln stärker kontrollieren. Für zahlreiche Kleinsendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro fällt seit dem 1. Juli 2026 ein vorübergehender Zoll von drei Euro pro Warengruppe an. Sprich: Für drei in einem Paket versendete T-Shirts fallen insgesamt drei Euro Zoll an. Kommt beispielsweise ein günstiges Kinderspielzeug hinzu, müssen noch einmal drei Euro bezahlt werden. Die EU will mit den Gebühren die durch die Paketflut aus China steigenden Kosten für Zollkontrollen und Zollüberwachung decken. Den Zoll sollen Plattformen und Verkäufer wie Temu, AliExpress oder Shein zahlen. Theoretisch können diese die Gebühren aber über höhere Preise auf die Verbraucher umlegen.
  • Frankreich hat bereits seit März 2026 eine Paketsteuer in Höhe von zwei Euro für Kleinsendungen mit einem Warenwert von unter 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten erhoben. Paris hat die Gebühr mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Regeln aber kurzfristig aufgehoben. Chinesische Unternehmen haben den Zoll zuvor erfolgreich umgangen, indem sie Sendungen zunächst in andere EU-Länder geschickt und dann nach Frankreich gebracht haben. Eigentlich sollte die französische Paketsteuer zusätzlich zum neuen EU-Zoll erhoben werden.
  • Laut EU-Kommission kamen 2025 rund 5,9 Milliarden Sendungen mit geringem Warenwerte aus Nicht-EU-Ländern in Europa an, ohne dass ein Zoll anfiel. Das entspricht einem relativen Zuwachs von 325 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022 mit 1,39 Milliarden Billigimporten. Das Problem: Nicht nur wurden die Zollbehörden durch die Paketflut von Temu, Shein, AliExpress und Co. überlastet – viele europäische Unternehmen sehen sich durch Billigproduktionen aus China benachteiligt. Etliche Produkte von Temu und Shein enthalten zudem Giftstoffe, die die erlaubten Grenzwerte mitunter deutlich überschreiten. Jedes Frachtflugzeug, das sich von China nach Europa auf den Weg macht, bläst außerdem hunderte Tonnen CO2 in die Atmosphäre.

Warum drei Euro pro Paket mehr bewirken könnten als gedacht

Die neue EU-Zollregel ist weitaus mehr als nur eine kleine Änderung im Zollrecht. Sie ist der Versuch, die Preise für eine Konsumkultur anzuheben, die sich viel zu lange als Schnäppchenjäger-Paradies tarnen konnte. Wer in Sekundenschnelle Kleidung oder Spielzeug vom anderen Ende der Welt bestellt, es wenige Wochen nutzt und dann aufgrund schlechter Qualität wegschmeißt, verursacht Kosten, die bislang andere getragen haben: die Umwelt, die Zollbehörden und indirekt auch europäische Hersteller.

Die neue Vorschrift könnte aber nicht nur die Paketflut und CO2-Emissionen ein Stück weit eindämmen, sondern auch die menschliche Dekadenz. Die Welt wird dadurch vielleicht ein kleines bisschen besser. Natürlich werden drei Euro pro Warensendung nicht den kompletten Kaufrausch beenden. Denn wer aus Prinzip jeden noch so billigen Ramschartikel bestellt, wird sich vom Temu-Zoll vermutlich nicht abschrecken lassen.

Doch in Zeiten klammer Kassen und geschröpfter Portemonnaies könnte genau dieser kleine Aufpreis ausreichen, damit viele Verbraucher vor dem Klick auf den Bestellbutton noch einmal nachdenken. Der wahre Wert der Maßnahme liegt deshalb eher in einer Signalwirkung. Billig darf nämlich nicht länger bedeuten, dass Folgekosten einfach ausgeblendet werden.

Denn nicht nur Windräder, Solaranlagen, Stromspeicher oder intelligente Netze bringen die Energiewende voran und dämmen Emissionen ein. Auch der Staat kann Regeln festlegen, indem er klimaschädliches Verhalten verteuert und nachhaltigere Alternativen attraktiver macht. Oder: Wer sich gleichzeitig über Hitzewellen mit Temperaturen jenseits der 40 Grad beklagt, sollte sich beim nächsten Mal auch fragen, ob der zehnte Billigpullover mit Giftstoffen und schlechtem CO2-Fußabdruck wirklich unverzichtbar war.

Stimmen

  • Maroš Šefčovič, Mitglied der EU-Kommission für Handel und wirtschaftliche Sicherheit, interinstitutionelle Beziehungen und Transparenz, zu den Plänen der EU: „Unser Ziel ist klar: ein modernes, digitales Umfeld, das den reibungslosen internationalen Handel ermöglicht und gleichzeitig die Stärke und Integrität unseres Binnenmarkts schützt. Der rasante Anstieg des Online-Handels verändert unsere Welt – und wir brauchen die richtigen Instrumente, um mit diesem raschen Wandel Schritt zu halten. Aus diesem Grund ist die Entscheidung, Zölle auf kleine Pakete, die in die EU eingeführt werden, zu erheben, so wichtig: Es geht darum, in den Zeiten des Online-Handels den fairen Wettbewerb an unseren Grenzen zu gewährleisten.“
  • Mao Ning, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, in einem Statement: „Die Handelsbeziehungen zwischen China und der EU sind von Natur aus für beide Seiten vorteilhaft. China strebt keinen Handelsüberschuss an. Protektionismus würde lediglich den Interessen der europäischen Verbraucher schaden und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie schwächen. Wir hoffen, dass die EU die Handelsbeziehungen mit China in die richtige Perspektive rückt und ihrem Bekenntnis zum Freihandel treu bleibt. China verfolgt die Schritte der EU aufmerksam und wird die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine legitimen Rechte und Interessen zu wahren.“
  • Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), gehen die Pläne der EU nicht weit genug: „Drei Euro Zollaufschlag werden den Billigrausch nicht stoppen. Solange Unternehmen Milliarden kurzlebiger Kleidungsstücke ohne die Berücksichtigung ökologischer Folgekosten auf den europäischen Markt bringen können, bleibt der Wettbewerb zulasten von Umwelt und Klima verzerrt. Mit dem geplanten Textilgesetz hat Bundesumweltminister Schneider die einzigartige Chance, ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz zu schaffen. Dafür müssen die Herstellerbeiträge konsequent an verbindliche Umweltkriterien gekoppelt werden. Wer giftige, kurzlebige und schwer recycelbare Textilien verkauft, muss massiv höhere Beiträge zahlen als Hersteller langlebiger, schadstoffarmer und kreislauffähiger Kleidung.“

Ändern die China-Anbieter ihr Geschäftsmodell?

Für Verbraucher wird sich der Einkauf bei Temu, Shein und Co. schleichend verändern. Offiziell müssen zwar die Plattformen und Hersteller die neue Zollabgabe zahlen, aber kaum ein China-Händler wird diese zusätzlichen Kosten dauerhaft selbst schultern. Höhere Produktpreise, steigende Versandkosten oder neue Gebührenmodelle sind deshalb wahrscheinlich. Hinzu kommt, dass viele Pakete durch intensivere Kontrollen zumindest in der Anfangsphase länger unterwegs sein werden – auch von seriösen Anbietern außerhalb der EU.

Interessanter erscheint mir aber die Frage, wie die Plattformen reagieren werden. Wahrscheinlich werden sie ihr Geschäftsmodell anpassen, anstatt damit aufzuhören, der menschlichen Dekadenz und Konsumgesellschaft zu schmeicheln. Viele Anbieter setzen beispielsweise schon auf Lager innerhalb der EU, um Waren in größeren Mengen einzuführen und dann schneller an Kunden weiterzuleiten.

Das System der unzähligen Kleinsendungen verliert damit an Attraktivität; nicht aber das Geschäft selbst. Denn nur der bisherige Weg dorthin wird teurer und komplizierter. Die Reform ist aber ohnehin nur ein Zwischenschritt. Spätestens mit der geplanten gemeinsamen digitalen Zollplattform will die EU ihre 27 nationalen Zollbehörden ab 2028 enger vernetzen und Kontrollen effizienter gestalten.

Gleichzeitig soll dann die Drei-Euro-Pauschale wieder entfallen und durch das reguläre Zollsystem ersetzt werden. Die Stoßrichtung ist damit klar. Der grenzenlose Billigimport soll Schritt für Schritt ausgebremst werden. Ob daraus am Ende auch ein bewussterer Konsum entsteht, entscheidet allerdings nicht Brüssel, sondern jeder Klick oder Nicht-Klick auf den Bestellbutton.

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Podcast: Warum immer mehr Menschen Medien meiden – außer WhatsApp

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BREAK THE WEEK Podcast

BREAK/THE WEEK ist dein wöchentlicher Tech-Talk von BASIC thinking, der dich hinter die Kulissen der Tech-Welt nimmt. In der neuen Ausgabe diskutieren wir über digitalen Dauerstress im Alltag, KI in der Literatur und Justiz sowie den E-Autoboom in Skandinavien. 

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Die Themen dieser Ausgabe:

  • KI erkennt Zebras und Giraffen anhand ihrer Fellmuster – ein neues Tool für den Wildtierschutz
  • KI-Fakes auf TikTok: Erfundene Videos schüren gezielt Ängste gegenüber Geflüchteten
  • Windräder und Vogelschutz: Wie Wetterradar 90 % der Kollisionen verhindern könnte
  • ChatGPT 5.6 unter Aufsicht: Die Trump-Administration schränkt den Zugang zum neuen OpenAI-Modell ein
  • Abzocke an der E-Ladesäule: Warum öffentliches Laden bis zu 84 Cent kostet – und wer daran verdient
  • Social Media schlägt TV & Zeitung: Der Reuters Digital News Report 2026 zeigt einen historischen Wandel bei Nachrichtenquellen

Wenn du keine neue Ausgabe von BREAK/THE WEEK verpassen willst, kannst du den Podcast auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Audible, YouTube oder Deezer kostenlos abonnieren. Mit einem Abo und einer positiven Rezension auf den Podcast-Plattformen unterstützt du unsere Arbeit. Vielen Dank!

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Kein Bock auf KI? Deutsche wollen sich nicht erziehen lassen

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Kein Bock auf KI Künstliche Intelligenz Entscheidungen

Künstliche Intelligenz gehört inzwischen zum Alltag. Und mit ihr eine wachsende Skepsis. Gleich zwei aktuelle Studien kommen zu dem Schluss, dass die Deutschen gerne KI nutzen, ihr aber keine Entscheidungen überlassen wollen. Zumindest Letzteres ist positiv. Warum die anfängliche Euphorie kippt und was das für den Umgang mit KI bedeutet. Eine kommentierende Analyse.

Hintergrund

  • Die Deutschen sind mittlerweile etwas skeptischer gegenüber Technologien geworden. Das ist eines der Ergebnisse des TechnikRadars 2026 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Demnach glauben weniger Menschen als zuvor, dass Technologie zentrale Probleme der Menschheit lösen kann. Darunter: Armut, Hunger oder der Klimawandel. Vor allem der Einsatz von KI wird kritisch beäugt. Zwar nutzt jeder Dritte der Befragten Künstliche Intelligenz ohne Sorgen im Alltag, und sogar zwei Drittel halten KI im Gesundheitsbereich für sinnvoll. 85 Prozent der Nutzer stört es jedoch, wenn KI ihnen Entscheidungen abnimmt. Neun von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI schlechter entscheidet als sie selbst.
  • Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben rund drei Viertel der Nutzer Spaß an der Nutzung künstlicher Intelligenz. Für 41 Prozent sind KI-Modelle die erste Anlaufstelle für nahezu alle Fragen – noch vor klassischen Suchmaschinen. Indes: Mehr als 40 Prozent der Deutschen würden lieber in einer Welt ohne KI leben. Der Analyse zufolge integrieren Nutzer KI meist tief in ihren Alltag und stellen der Technologie ein überwiegend positives Fazit aus. Rund 26 Prozent der Befragten fühlen sich aber abgehängt. Fast genauso viele sind überfordert. Hintergrund: eine Mischung aus Skepsis, Unsicherheit und Ablehnung gegenüber der zunehmenden Verbreitung von KI. Die Ergebnisse spiegeln vor allem Sorgen über Kontrolle, Jobverlust und gesellschaftliche Folgen wider.
  • Aufgrund der zahlreichen Risiken und Gefahren dämonisieren viele Menschen Künstliche Intelligenz und nehmen eine Abwehrhaltung ein. Einer Studie zufolge machen sich die meisten Sorgen, ihren Job durch KI zu verlieren. Wie berechtigt diese sind, ist aber noch unklar. Klar ist hingegen, dass KI-Modelle zumindest die Arbeitswelt verändern werden. Weitere Sorgen sind der enorme Energieverbrauch von Rechenzentren sowie Desinformation. Doch KI-Modelle können auch positive Effekte haben – etwa durch Entlastungen im Gesundheitswesen, Fortschritte im Umweltschutz oder neue Zugänge zu Bildung.

Warum die KI-Skepsis ein gutes Zeichen ist

Die zunehmende Skepsis gegenüber KI ist kein plötzlicher Sinneswandel, sondern das Ende eines anfänglich übertriebenen Hypes. Denn nach Jahren unzähliger vollmundiger Versprechen und Horrorszenarien ist KI im Alltag angekommen. Und damit auch die Erkenntnis, dass sie kein digitaler Messias ist, sondern ein Werkzeug mit Risiken und Nebenwirkungen. Stichwort: Halluzinationen und Energieverbrauch.

Klar: KI kann vor allem bei der Verarbeitung großer Datenmengen äußerst hilfreich sein. Beispielsweise in der Forschung oder im Gesundheitswesen. Aber Algorithmen treffen auch fragwürdige Entscheidungen, helfen beim Basteln von Deepfakes oder verbreiten Falschinformationen zu Propagandazwecken.

Deshalb wird KI mittlerweile deutlich kritischer gesehen. Und das ist auch gut so! Ein Beispiel: Viele Menschen nutzen KI fast schon selbstverständlich, möchten aber nicht, dass Algorithmen zu viel Kontrolle übernehmen. Das ist keine Technophobie. Das ist ein berechtigter Wunsch nach Selbstbestimmung.

Die Debatte krankt aber häufig an Extremen. Während einige KI in den Himmel loben, verteufeln andere sie als Job- oder Klima-Killer. Dabei kann sie, richtig eingesetzt, in vielen Bereichen Vorteile haben – sogar beim Umweltschutz. Oder kurzum: Die Wahrheit liegt in der Mitte. Die Herausforderung besteht deshalb darin, zwischen berechtigter Kritik und reflexhafter Ablehnung zu differenzieren, um KI unter gewissen Spielregeln so und dort zu nutzen, wo sie gesellschaftlich sinnvoll ist. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass KI nicht mehr verschwinden wird.

Stimmen

  • Felix Streiter, Geschäftsführer der Carl-Zeiss-Stiftung, in einem Statement: „Technologischer Fortschritt entfaltet sein volles Potenzial nur dann, wenn er dem Gemeinwohl dient. Die Ergebnisse des TechnikRadar 2026 zeigen: Die Menschen wissen, was auf dem Spiel steht. Jetzt ist es an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, im Dialog mit den Menschen Zuversicht zu stärken und durch Technologien ermöglichte Fortschritte gut zu vermitteln.“
  • Ortwin Renn, wissenschaftlicher Co-Leiter des TechnikRadars 2026, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Wer Institutionen wenig vertraut, möchte stärker selbst mitentscheiden – das ist ein bekanntes Muster. Aber dies stellt Politik und Wissenschaft vor eine Herausforderung: Denn Bürgerbeteiligung kann nicht als Alternative zum wissenschaftlich-technischen Sachverstand und als Ersatz für politisch legitimiertes Handeln angesehen werden. Vielmehr müssen alle Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Zielkonflikte offen ansprechen und tragfähige Lösungen entwickeln.“
  • Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, in einem Statement: „Künstliche Intelligenz hat ein enormes disruptives Potenzial und verändert unseren Alltag und unsere Arbeitswelt in einem Tempo, das viele Menschen verständlicherweise verunsichert. Das beste Mittel gegen Verunsicherung ist Wissen. Wir brauchen flächendeckende Angebote, mit denen Menschen jeden Alters einen einfachen Zugang zu KI finden, von der Grundschule über die Berufsschule und den Arbeitsplatz bis zur Volkshochschule für Seniorinnen und Senioren. Ein digitaler Graben zwischen Menschen mit und ohne KI darf gar nicht erst entstehen.“

Vertrauen zurückgewinnen: Worauf es jetzt ankommt

Ob die Skepsis gegenüber KI weiter zunimmt oder sich einpendelt, werden nicht immer leistungsfähigere Modelle entscheiden. Vielmehr geht es um den tatsächlichen Nutzen. Und zwar nicht in dem Sinne, was möglich ist, sondern was wirklich sinnvoll ist.

Will heißen: Je transparenter Anwendungen und je klarer Verantwortlichkeiten und Regeln sind, desto eher kann verloren gegangenes Vertrauen zurückkehren. Umgekehrt wird aber jeder neue Missbrauchsfall die Zweifel weiter nähren. Entscheidend wird deshalb vor allem sein, wie gut Politik, Wirtschaft und Bildung den technologischen Wandel begleiten.

Wer lediglich sagt, dass man sich an KI gewöhnen müsse und den Einsatz nicht hinterfragt, wird Widerstand ernten. Wer sich hingegen befähigt, Chancen und Risiken selbst einzuschätzen, nimmt der Technologie ihren Nimbus – und zwar sowohl den verheißungsvollen als auch den dystopischen. Oder: Aufklärung ist am Ende wirkungsvoller als Alarmismus.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob wir mit KI leben wollen, sondern wie. Wichtig wird dabei vor allem sein, Regeln zu etablieren, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und nicht Großkonzerne oder technologische Möglichkeiten. Dann entscheidet nicht KI selbst über ihre gesellschaftliche Akzeptanz, sondern der Umgang mit ihr.

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Ladesäulen-Wucher: Das krumme Geschäft mit öffentlichem Laden

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Lidl ist im Juni 2026 ein kleiner Coup gelungen. Der Discounter hat auf seinen Parkplätzen das Schnellladen von E-Autos für gerade einmal 27 Cent ermöglicht. An vielen anderen Ladesäulen zahlen E-Autofahrer hingegen bis zu 84 Cent. Der Grund: Ein Markt, der von Monopolstrukturen, Roaming-Gebühren und einem Tarifdschungel geprägt ist. Eine kommentierende Analyse.

Wie teuer ist öffentliches Laden wirklich?

  • Der Bundesnetzagentur zufolge gibt es in Deutschland 151.452 Normalladepunkte und 52.499 Schnellladepunkte für Elektroautos (Stand: 1. Mai 2026). Um diese nutzen zu können, benötigen E-Autofahrer an einigen Säulen eine Ladekarte und an anderen eine spezielle App. Auch bei der Zahlung gibt es Unterschiede. Während man bei einigen Ladesäulen direkt per Smartphone zahlen kann, akzeptieren andere nur Kreditkarten. Wiederum andere ermöglichen monatliche Zahlungen per Rechnung. Nutzer, die sich per Vertrag an einen Anbieter binden, zahlen an dessen Ladesäulen überall den gleichen Preis und oft weniger als bei einem spontanen Ladestopp ohne Abo. Für das Normalladen (AC) werden laut ADAC Preise von 40 bis 60 Cent aufgerufen. Für das Schnellladen (DC) Preise von 50 bis 84 Cent. Zum Vergleich: Das Laden zu Hause kostet je nach Stromanbieter rund 30 Cent.
  • Laut einer Monopolanalyse des Ökostromanbieters LichtBlick beherrschen die führenden Betreiber in den untersuchten Gebieten durchschnittlich 72 Prozent des Marktes. Damit überschreiten sie den gesetzlichen Schwellenwert von 40 Prozent, ab dem eine marktbeherrschende Stellung vorliegt, massiv. Obwohl zu Beginn des Jahres 2026 bereits über zwei Millionen Elektroautos zugelassen waren, bleibt das Laden für viele Menschen kompliziert und teuer. LichtBlick zufolge verschafft das aktuelle System den Monopolisten einen unfairen Vorteil. Drittanbieter müssen im sogenannten Roaming-Modell zusätzlich zum Fahrstromtarif des jeweiligen Säulenbetreibers ein Entgelt zahlen. Unabhängige Unternehmen können unter diesen Bedingungen kaum ein kostendeckendes Angebot für ihre Kunden erstellen.
  • In Deutschland ist das öffentliche Laden nicht nur mitunter teuer, sondern auch relativ undurchsichtig. Wer spontan an einer unbekannten Ladesäule tankt, zahlt oft horrende Preise, die durch Margen und Roaming-Gebühren in die Höhe getrieben werden. Sören Ziems, Mitgründer und ehemaliger Geschäftsführer des Ladeflatrate-Anbieters elvah, hat mit dem Kilowatt Collective mittlerweile einen Zusammenschluss von E-Autofahrern ins Leben gerufen, um faire Konditionen aushandeln zu können. Ziel ist eine direkte Verbindung zu den Ladebetreibern ohne Zwischenhändler. Interessierte können sich kostenlos und ohne Verpflichtung anmelden, um dem Kollektiv Verhandlungsgewicht zu verschaffen. Als Richtwert nennt Ziems 25.000 Mitglieder.

Lidl gelingt Lade-Coup

Zumindest auf dem Papier ist Lidl beim E-Autoladen ein kleiner Coup gelungen. Der Discounter hat das Schnellladen auf seinen Parkplätzen im Juni 2026 für schlanke 27 Cent angeboten. Voraussetzung war die Lidl-Plus-App samt Lidl-Pay. Doch selbst regulär verlangt das Unternehmen moderate 44 Cent für das Schnellladen.

Klar: Das ist nicht ganz uneigennützig. Denn Lidl erhofft sich, den günstigen Strom als Lockmittel nutzen zu können, um Kunden in die Filialen und ins eigene App-Ökosystem zu ziehen. Der Fall zeigt aber, dass sich Ladeinfrastruktur auch anders kalkulieren lässt, wenn Strom nicht das einzige Geschäftsmodell ist.

Natürlich kann und muss nicht jeder Betreiber solche Preise anbieten. Und gerade beim Schnellladen an Autobahnen sind höhere Kosten wegen der aufwendigen Infrastruktur und des Netzanschlusses durchaus nachvollziehbar. Trotzdem wirft das aktuelle Ladesäulen-System die berechtigte Frage auf, ob der Markt seine Spielräume bislang konsequent nutzt oder auf dem aktuellen Elektroauto-Hype reitet und satte Margen scheffelt. Ich würde sogar so weit gehen, mitunter von Abzocke zu sprechen, da die Situation vieler Menschen ausgenutzt wird. Oder kurzum: einer Sauerei!

Für Eigenheimbesitzer mit eigener Wallbox mag das weitaus weniger ärgerlich sein. Wer jedoch in einer Mietwohnung lebt und regelmäßig eine (günstige) Ladesäule suchen muss, für den kann das Ganze sehr nervenaufreibend sein. Ganz zu schweigen von interessierten Mietern, die sich gerne ein Elektroauto kaufen würden, aber vom Tarifdschungel abgeschreckt werden.

Das System-Problem: Öffentliches Laden gleicht einem Dickicht aus Roaming-Gebühren, Tarifmodellen und Zugangssystemen, das für Verbraucher kaum noch durchschaubar ist. Klar: Schnellladen in der Öffentlichkeit ist nicht überall für 27 oder 44 Cent möglich. Doch mehr Wettbewerb, kreative Kooperationen und neue Geschäftsmodelle können Bewegung in einen Markt bringen, der sich zuletzt allzu oft mit dem Status quo zufriedengegeben hat.

Stimmen

  • Sören Ziems, Initiator des Kilowatt Collective, das sich für faire Ladepreise einsetzt, in einem Statement: „Wir haben nicht auf die perfekte Infrastruktur gewartet – wir sind losgefahren und haben den Markt überhaupt erst möglich gemacht. Und genau dieser Markt hat sich gegen uns organisiert: Anbieter, Hersteller, Flotten – alle haben ihre Hebel. Nur die, die laden, sitzen nicht am Tisch. Ich kenne diese Seite von innen. Bei elvah habe ich erlebt, wie in der Anbieterwelt gedacht und gerechnet wird – und wie biegsam ein Kundenversprechen wird, wenn Marge und Marktmacht entscheiden.“
  • Markus Adam, Chefjurist von LichtBlick, in einem Statement: „Die Ergebnisse unserer Monopolanalyse zeigen: Die lokalen Monopolstrukturen haben sich verfestigt. Wir sehen weiterhin die negativen Folgen für den Fahrstrommarkt und Verbraucher. E-Mobilisten geraten in einen Tarifdschungel, in dem viel zu oft die Monopolanbieter die Preise überhöht und diskriminierend festsetzen. Die bislang nicht adressierte Marktmacht beim Laden unterwegs droht die Mobilitätswende empfindlich zu treffen.“
  • Jeroen van Tilburg, CEO vom Ladenetzbetreiber Ionity, in einem Interview mit der Welt: „Das Bild von der schlechten Ladeinfrastruktur stimmt so nicht mehr, zumindest nicht überall. (…) Die 79 Cent, die man oft liest, beziehen sich auf den Preis für spontane Einzelnutzung. Viele E-Fahrer laden aber über Abos oder spezielle Tarife deutlich günstiger. Wer regelmäßig unterwegs lädt, spart damit spürbar. Viele vergleichen die Preise für Schnellladen zudem mit den Preisen für das Laden zuhause. (…) Diese Infrastruktur ist technisch anspruchsvoll und kostenintensiv im Aufbau und Betrieb. Das spiegelt sich auch in den Preisen wider. Aber trotz der höheren Preise fürs Unterwegsladen lohnt sich E-Mobilität. Hochgerechnet über fünf Jahre sind drei von vier E-Autos in Europa günstiger im Besitz und Betrieb als Diesel oder Benziner.“

Abzocke an der E-Ladesäule: Was sich ändern muss

Die Ladesäulen-Debatte wird sich künftig nicht nur um Preise drehen. Mindestens genauso wichtig wird sein, wie einfach oder umständlich öffentliches Laden ist. Denn solange E-Autofahrer vor jeder längeren Fahrt überlegen müssen, welche App, welche Ladekarte oder welchen Tarif es braucht, bleibt die Elektromobilität unnötig kompliziert.

Doch der Druck auf die Ladesäulenbetreiber und die Politik wächst. Immer mehr Verbraucher geben sich nicht mit dem bisherigen Flickenteppich aus Tarifmodellen zufrieden. Auch für Interessierte wirkt das System eher unattraktiv – vor allem ohne eine Wallbox. Und selbst mit: Viele sind von klassischen Tankstellenbesuchen oder dem Laden zu Hause einfachere Abläufe gewohnt.

Der Wettbewerb wird in Zukunft also nicht ausschließlich über günstigere Preise entschieden werden, sondern über das Nutzererlebnis. Dafür müsste man aber zunächst den Monopolisten und Roaming-Gebühren an den Kragen gehen.

Dann könnten transparente Tarife, unkompliziertes Bezahlen und geringe Zugangshürden sich sogar zum Kaufargument entwickeln, statt zu verschrecken. Denn letztlich gilt auch beim Laden: Die beste Infrastruktur bringt wenig, wenn ihre Nutzung zu kompliziert und der Preis zu hoch ist.

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