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Received today — 10. Juni 2026BASIC thinking

KI-Boykott: Erste Netflix-Produktionen ohne deutsche Synchronsprecher

10. Juni 2026 um 11:00

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Netflix KI deutsche Synchronsprecher Künstliche Intelligenz

Russell Crowes deutsche Stammstimme ist bei Netflix ab sofort nicht mehr zu hören. Er ist nicht der einzige Fall. Weil der Streamingdienst von Synchronsprechern verlangt, ihre Stimmen für das KI-Training freizugeben, verweigern immer mehr Sprecher die Unterzeichnung einer Klausel. Brisant dabei: Die Branche selbst ist tief gespalten. Während ein Verband bereits eine Vereinbarung mit Netflix geschlossen hat, bereitet ein anderer eine Datenschutzbeschwerde vor. Eine kommentierende Analyse.

Darum geht es im KI-Streit zwischen Netflix und den Synchronsprechern

  • Zwischen Netflix und zahlreichen Synchronsprechern schwelt bereits seit Anfang 2026 ein Streit um eine Vertragsklausel zum KI-Training. Die Klausel sieht vor, dass das Unternehmen Stimmaufnahmen nutzen darf, um KI-Modelle zu trainieren. Der Verband deutscher Sprecher setzt sich dafür ein, dass Synchronsprecher das Recht haben sollen, selbst zu entscheiden, ob sie ihre Aufnahmen für das Training von KI-Modellen freigeben. Eine Zustimmung müsse zudem mit einer Vergütung einhergehen. Bei einer Ablehnung dürften keine negativen Konsequenzen drohen. Eine Einigung ist aber nach wie vor nicht in Sicht.
  • Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) hat mit Netflix derweil eine Vereinbarung getroffen, die eine gesonderte Zustimmung und klare Regeln zum KI-Training mit Stimmen vorsieht. Der Verband argumentiert, dass ein zentraler Punkt in der Debatte missverstanden wurde, da die Zustimmung zum KI-Training nicht bedeute, dass Stimmen später frei verwendet werden dürfen. Die Nachbildung einer Stimme oder der Einsatz synthetischer Stimmen erfordere demnach immer eine gesonderte und ausdrückliche Zustimmung.
  • Laut dem Verband Deutscher Sprecher (VDS) reicht diese Vereinbarung nicht aus, um Synchronsprecher vor den möglichen Folgen der Nutzung ihrer Stimmen für das KI-Training zu schützen. Da es von Netflix weiterhin keinerlei Gesprächsangebote oder neue Informationen gebe, bereitet der VDS eine Datenschutzbeschwerde an die zuständige Aufsichtsbehörde vor. Ziel ist eine juristische Prüfung der Vereinbarung seitens einer neutralen Stelle. Dass die Verbände unterschiedliche Auffassungen haben, mache deutlich, dass mit der Vereinbarung eine grundsätzliche Weichenstellung für Sprecher getroffen werde.

Warum der Konflikt alle Netflix-Zuschauer betrifft

Der Konflikt zwischen Netflix und Teilen der Synchronbranche ist längst mehr als eine Auseinandersetzung über Vertragsdetails. Denn: Es geht nicht nur um die Frage, wem eine Stimme im KI-Zeitalter gehört und wer darüber entscheidet, wie sie künftig genutzt werden darf, sondern um existenzielle Sorgen großer Teile einer gesamten Berufsgruppe.

Aus einer vermeintlich technischen Klausel ist eine Debatte über Selbstbestimmung, Verwertungsrechte und die Grenzen unternehmerischer Datennutzung geworden. Weil es nach wie vor keine verbandsübergreifende Einigung gibt, weigern sich viele Synchronsprecher, die Vertragsklausel von Netflix in ihrer aktuellen Form zu unterschreiben.

Das zeigt, wie tief das Misstrauen sitzt – und zwar nicht ohne Folgen. Denn die ersten Netflix-Produktionen werden nun nicht mehr mit den gewohnten deutschen Stimmen prominenter Schauspieler besetzt. Für den Streaming-Giganten kann das zu einem waschechten Problem werden. In Deutschland sind viele Synchronsprecher nämlich selbst zu Marken geworden.

Doch wenn plötzlich nicht mehr die vertrauten deutschen Stimmen von Schauspielern wie Russell Crowe, Jennifer Lopez, Jason Momoa oder Gerard Butler erklingen, fällt das auf. Damit verlässt der Konflikt die Branche und trifft auch die Zuschauer. Bemerkenswert ist zudem, dass die Branche selbst bislang keine einheitliche Antwort auf die KI-Frage gefunden hat.

Stimmen

  • Synchronsprecher Martin Umbach, der unter anderem die Stammstimme von Schauspieler George Clooney und Russel Crow ist, in einem Instagram-Video: „Nun steht die Synchronisation eines neuen Netflix-Films mit Russell Crowe an – und ich werde dieses Mal nicht dabei sein. (…) Weil Netflix inzwischen von den Synchronschauspielern verlangt zuzustimmen, dass ihre Aufnahmen auch zum Training einer Künstlichen Intelligenz verwendet werden dürfen. (…) Ich soll also meine künstlerische Arbeit als Trainingsmaterial zur Verfügung stellen. Und das mache ich nicht. (…) Schauspiel entsteht für mich aus Lebenserfahrung, Intuition, Empfindsamkeit, Empathie, Widersprüchen, Verletzlichkeit. Also etwas zutiefst Menschlichem.“
  • David Wagner, Rechtsanwalt bei Spirit Legal, wurde vom Verband deutscher Sprecher beauftragt, eine Datenschutzbeschwerde gegen Netflix vorzubereiten: „Netflix lässt Stimmaufnahmen in KI-Modelle einfließen. Diese Aufnahmen erlauben die eindeutige Wiedererkennung und synthetische Reproduktion der Sprecher; sie sind damit biometrische Daten und besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 Abs. 1 DSGVO. Hierfür braucht Netflix eine Einwilligung. Die vorliegende Einwilligung erfolgt aber weder freiwillig noch informiert: nicht freiwillig, weil die Alternative Umbesetzung der Rolle heißt; nicht informiert, weil Netflix nicht vorab offenlegt, welche Zwecke mit dem KI-Training verfolgt werden. Gemeinplätze in der Datenschutzinformation genügen dem Maßstab des Art. 13 DSGVO nicht.“
  • Urheberrechtsexperte Artur-Axel Wandtke bewertet die Netflix-KI-Regelung-Synchron-Schauspiel des Bundesverbands Schauspiel (BFFS) derweil positiv und kritisiert: „Zentrale Schlussfolgerungen dieses Gutachtens beruhen auf unzutreffenden rechtlichen Ausgangspunkten.“ Marcus Off, Synchronsprecher von Johnny Depp in Fluch der Karibik, ergänzt: „Ohne den Vertrag des BFFS mit Netflix gäbe es keine KI-Regeln mit Netflix, keine Folgevergütungen und keinerlei Schutz vor willkürlichem KI-Einsatz.“

So geht es im KI-Streit zwischen Netflix und den Synchronsprechern weiter

Kurzfristig könnte sich der Konflikt vor allem auf den Produktionsalltag auswirken. Sollte die Zahl der Sprecher wachsen, die die Vereinbarung ablehnen, werden weitere Netflix-Produktionen auf alternative Besetzungen ausweichen müssen. Das könnte vor allem den Streamingdienst treffen, der wie kaum ein anderer von Wiedererkennbarkeit lebt. Denn auch Stimmen schaffen Bindung. Manchmal merken Zuschauer vielleicht aber erst, wie wichtig sie sind, wenn sie fehlen.

Parallel dazu dürfte sich die Auseinandersetzung zunehmend auf ein rechtliches Terrain verlagern. Die angekündigte Datenschutzbeschwerde des VDS könnte dabei helfen zu klären, welche Anforderungen an Einwilligungen für das KI-Training tatsächlich gestellt werden dürfen.

Eine Entscheidung könnte dabei weit über Netflix hinausgehen, eine Signalwirkung auf die gesamte Medien- und Kreativbranche entfalten und Maßstäbe dafür setzen, wie mit biometrischen Merkmalen und künstlerischen Leistungen im KI-Zeitalter umzugehen ist. Langfristig wird es aber vermutlich weniger um die Frage gehen, ob Stimmen für das KI-Training genutzt werden können, sondern zu welchen Bedingungen.

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Regeln zu etablieren, die technologische Innovation ermöglichen, ohne die Arbeit und Einnahmen der Kreativen auszuhöhlen. Andernfalls droht ein paradoxes Szenario. Denn ausgerechnet eine Technologie, die Stimmen bewahren und reproduzieren kann, könnte dazu führen, dass einige der bekanntesten Stimmen der deutschen Synchronlandschaft verstummen.

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Received yesterday — 09. Juni 2026BASIC thinking

Lithium-Luft-Akkus: CATL glaubt an E-Autos mit 1.600 km Reichweite

09. Juni 2026 um 17:47

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Lithium Luft Akku Batterie Elektroauto Reichweite

Lithium-Luft-Akkus versprechen E-Autos mit über 1.600 Kilometern Reichweite – zumindest in der Theorie. Im Labor übertreffen Prototypen bereits die Energiedichte heutiger Akkus um das Vierfache. Der chinesische Batteriehersteller CATL hat die Technologie nun offiziell in seine Langzeitstrategie für 2030 aufgenommen.  

Herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien bauen auf schweren Metallverbindungen wie Nickel, Kobalt und Mangan auf.  Sogenannte Lithium-Luft-Batterien nutzen stattdessen Lithium-Metall als Anode und Sauerstoff aus der Luft als Reaktionspartner an der Kathode.

Dieses spezielle Prinzip soll das Gewicht sowie die Komplexität der gesamten Batterie entscheidend reduzieren. Die theoretische Energiedichte dieser Systeme beläuft sich auf rund 12.000 Wattstunden pro Kilogramm.

Lithium-Luft-Batterien schaffen schon vierfache Energiedichte aktueller Akkus

In Laborversuchen erreichten aktuelle Prototypen bereits eine Energiedichte von mehr als 1.200 Wattstunden pro Kilogramm. Damit übertreffen diese Systeme die Energiedichte herkömmlicher kommerzieller Batterien um das Vierfache.

Die praktische Umsetzung scheiterte bislang aber meist an der Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und Kohlendioxid in der Luft. Zudem schränkten eine unzureichende Katalysatorstabilität sowie eine kurze Lebensdauer die Funktion im Alltag lange Zeit ein.

Ein US-Forscherteam demonstrierte bereits im Jahr 2024 eine verbesserte Stabilität über mehr als 700 Zyklen in einer luftähnlichen Umgebung. Im Folgejahr 2025 entwickelten das Argonne National Laboratory und das Illinois Institute of Technology einen Prototyp mit 1.000 Ladezyklen bei Raumtemperatur.

Das gelang durch einen Vier-Elektronen-Chemieschritt, der die stabile Bildung und Zersetzung von Lithiumoxid ermöglichte. Die Forscher ersetzten zudem entflammbare flüssige Elektrolyte durch eine feste Verbundmatrix, was die Sicherheit der Zellen während der Zyklen weiter erhöhte.

Ab 2030: So plant CATL den Weg zum Lithium-Luft-Akku

Trotz dieser Erfolge im Labor dürfte die breite Marktreife der Technologie noch viel Zeit beanspruchen. Der chinesische Batteriehersteller CATL setzt in seiner aktuellen Unternehmensstrategie zunächst auf ausgereifte Technologien und Natrium-Ionen-Batterien. Als mittelfristiges Ziel fokussiert das Unternehmen die Entwicklung von Feststoffbatterien.

Die Erforschung der theoretischen Limits der Lithium-Luft-Technologie ist hingegen erst für den Zeitraum ab dem Jahr 2030 vorgesehen. Das teilte Wu Kai, Chefwissenschaftler bei CATL und Mitglied der Chinesischen Akademie der Ingenieurwissenschaften, auf dem „Powering the Nation Forum 2026″ mit.

Für den alltäglichen Nutzen könnte die Entwicklung in der Zukunft einen Fortschritt bedeuten. Sollte die Produktion im industriellen Maßstab gelingen, könnten Elektrofahrzeuge künftig über 1.600 Kilometer mit einer einzigen Ladung zurücklegen. Konventionelle Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor würden durch diese Leistungsfähigkeit langfristig vom Markt verdrängt werden, vorausgesetzt, die Batterien sind halbwegs bezahlbar.

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Neuer EU-Plan – weil die USA unsere Digitalsysteme lahmlegen könnten

09. Juni 2026 um 11:00

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EU Europa China USA Tech Paket zur technologischen Souveränität Europas Chip-Verordnung 2.0

Seit Trump 2.0 wird Europas Tech-Abhängigkeit von den USA und China nicht mehr nur als Wirtschaftsproblem gesehen, sondern als Sicherheitsrisiko. In Brüssel wächst die Sorge, dass Cloud-Dienste, Chips oder KI-Infrastruktur im Ernstfall zum geopolitischen Druckmittel werden könnten. Die EU-Kommission will deshalb mit einem neuen Souveränitäts-Paket gegensteuern, von Halbleitern über Cloud bis Open Source. Entscheidend ist, ob daraus echte Alternativen entstehen oder nur neue Fördertöpfe mit großen Überschriften. Eine kommentierende Analyse.

EU schnürt Paket zur technologischen Souveränität Europas

  • Ob Künstliche Intelligenz, Chips oder Cloud-Infrastrukturen: Die EU und Europa sind technologisch in vielen Bereichen von ausländischen Tech-Konzernen und deren Regierungen abhängig. Spätestens seit Trump 2.0 geht deshalb vielerorts die Sorge um, dass fremde Mächte uns schaden könnten, indem sie diese Abhängigkeit als Druckmittel ausnutzen. Noch größer ist die Angst vor einem möglichen „kill switch“. Sprich: Vor aus dem Ausland gesteuerten Abschaltmechanismen, mit denen Stromnetze, Verwaltungen und digitale Funktionen aller Art gestört oder lahmgelegt werden könnten.
  • Die Europäische Kommission hat nun ein Paket zur technologischen Souveränität Europas präsentiert, um sich von solchen Risiken, vor allem aus China und den USA, freimachen zu können. Das neue Gesetzespaket sieht vor, dass mehr Halbleiter und Computerchips innerhalb Europas produziert werden. Unternehmen sollen dazu mit günstigem Strom und weniger Bürokratie gelockt werden. Die EU-Kommission will außerdem ihr altes Halbleitergesetz um Notstandsbefugnisse erweitern. Kritische Bereiche wie die Waffenindustrie und Medizintechnik sollen bei Engpässen vorrangig beliefert werden.
  • Die EU-Kommission will zudem den Ausbau europäischer Cloud-Strukturen massiv beschleunigen. Der Grund: Aktuell werden in Europa vor allem US-amerikanische Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Google Cloud und Microsoft Azure genutzt. Eine weitere Stellschraube für mehr digitale Souveränität: eine europäische Open-Source-Strategie. Unternehmen und Verwaltungen sollen weniger US-Software wie Microsoft Office verwenden. Europäische Rechenzentren sollen zudem genutzt werden, um modernste KI-Modelle in Europa zu trainieren – und nicht in Asien und Amerika.

Was das EU-Paket bringt – und wo es hakt

Europas Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Konzernen und asiatischen Chip-Lieferketten ist kein neues Problem. Neu ist aber eine gewisse politische Dringlichkeit, diese Abhängigkeit zu reduzieren oder zumindest insofern vorbereitet zu sein, dass diese nicht als Druckmittel missbraucht werden kann.

Denn: Spätestens seit Trump 2.0 ist aus einer industriepolitischen Debatte eine Sicherheitsfrage geworden. Das klingt nüchtern, könnte aber weitreichende Folgen haben. Wer nämlich digitale Infrastrukturen kontrolliert, kontrolliert im Zweifel auch die Handlungsspielräume anderer.

Die größere Herausforderung ist aber weniger der europäische Wille als das ewige Thema Geld. Schon der 2024 veröffentlichte Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit in Europa hatte für diesen Bereich enorme Summen parat. Europa brauche demnach jährlich rund 800 Milliarden Euro zusätzlich, um technologisch und wirtschaftlich mit China und den USA mithalten zu können.

Das neue Paket der Europäischen Kommission will dafür privates Risikokapital mobilisieren und setzt auf einen neuen EU-Fonds für Wettbewerbsfähigkeit im nächsten Haushalt. Ob daraus tatsächlich eine europäische Investitionswelle entsteht oder nur ein weiterer Fördertopf mit ambitioniertem Etikett, ist aber offen.

Hinzu kommt ein gewisses strukturelles Dilemma, da Souveränität nicht dasselbe wie Autarkie ist. Europa kann nämlich nicht über Nacht einen vollständigen Ersatz für AWS, Azure, Google Cloud oder Nvidia aus dem Boden stampfen. Der entscheidende Punkt wird daher sein, ob die EU strategische Abhängigkeiten reduziert, ohne sich in kostspieligen Symbolprojekten zu verlieren. Und dennoch: Die grundsätzliche Stoßrichtung stimmt.

Was Industrie und Politik sagen

  • EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: „Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die den Betrieb unserer Krankenhäuser, die Stabilität unserer Energienetze und die Sicherheit unserer Dienste gewährleisten, von anderen abhängig zu sein. Es geht darum, unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen, unsere Interessen zu verteidigen und unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Europa hat die Talente, die Exzellenz in der Forschung, die industrielle Basis und den Binnenmarkt. Gemeinsam müssen wir diese Stärken in technologische Souveränität umwandeln.“
  • Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, in einem Statement: „Digitale Souveränität entscheidet darüber, ob Europa die digitale Welt selbst gestalten kann – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Das Tech Sovereignty Package der EU-Kommission setzt dafür wichtige Akzente. Wir begrüßen, dass die EU-Kommission nicht nur einzelne Technologien in den Blick nimmt, sondern die gesamte digitale Wertschöpfungskette von Halbleitern und Rechenzentren über Cloud- und KI-Infrastrukturen bis hin zu Open Source und besseren Investitionsbedingungen. Entscheidend ist nun, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt. Europa braucht Tempo.“
  • Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), begrüßt die Stoßrichtung der EU-Pläne, gibt aber zu bedenken: „Wir brauchen leistungsstarke KI-Chips aus Europa. Das geht aber nicht mit der Brechstange. Wir müssen strategisch klug vorgehen und Europas Stärken bei Leistungselektronik, Photonik Quantencomputing geschickt einsetzen.“ Achim Weiß, CEO des deutschen Cloud-Anbieters Ionos, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Wir werden bei GPUs weiterhin auf Nvidia und AMD setzen und müssen bei bestimmten KI-Modellen mit internationalen Partnern zusammenarbeiten. Das ist keine Schwäche, sondern Realismus. Es muss klar sein, dass Souveränität nicht gleichbedeutend mit Selbstversorgung ist.“

Schafft Europa den digitalen Wandel?

Die Verhandlungen zum geplanten Gesetzespaket dürften sich laut EU-Parlament bis 2027 ziehen. Eine endgültige Verabschiedung des Pakets wird deshalb frühestens für Ende nächsten Jahres erwartet. Allerdings sind die vorgeschlagenen Regelungen noch längst nicht in Stein gemeißelt. Sprich: Hier und da könnte es noch Anpassungen, Änderungen oder Streichungen geben.

All das ist politisch normal. Technologisch betrachtet ist der Zeitplan aber durchaus riskant. Denn: KI-Modelle, Cloud-Infrastrukturen und Chip-Generationen entwickeln sich derzeit im Rhythmus von Monaten weiter, nicht in Legislaturperioden. Europa läuft deshalb Gefahr, einen Bahnhof zu regulieren, während der Tech-Zug bereits die nächste Station erreicht haben wird.

Gleichzeitig muss man sich von der Illusion verabschieden, US-Anbieter kurzfristig verdrängen zu können. Dazu sind Amazon, Microsoft und Google in Europa zu dominant – und werden es vorerst auch bleiben. Der Erfolg der Pläne wird sich daher weniger daran messen, ob Europa die globalen Platzhirsche ersetzt, sondern ob es belastbare Alternativen schafft, kritische Daten besser absichert und strategische Verhandlungsmacht gewinnt.

Denn: Wer nur von der einen Abhängigkeit in die nächste rutscht, hat die Aufgabe nicht gelöst. Wohlgleich andere Partner zumindest eine kurzfristige Alternative oder auch ein Druckmittel sein können. Langfristig braucht Europa aber einen breiteren Souveränitätsbegriff. Nicht nur Software und Halbleiter sind nämlich strategisch, sondern auch Biotechnologie, Energietechnologien, Batterien, Quantentechnologien und digitale Infrastrukturen.

Entscheidend wird vor allem sein, in Bereiche zu investieren, in denen Europa echte Wettbewerbsvorteile oder zumindest -chancen hat. Gleichzeitig gilt es verlässliche Partnerschaften mit demokratischen Staaten auszubauen. Denn: Souveränität darf am Ende nicht Abschottung sein, sondern die Fähigkeit, sich wirtschaftlichem und geopolitischem Druck zu widersetzen, ohne jedes Mal den Stecker in der eigenen Hand zu suchen.

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Natrium-Akkus aus Singapur: Eine Lithium-Alternative für Heimspeicher?

09. Juni 2026 um 05:45

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Natrium-Ionen-Batterien Natrium-Akkus Sigapur Alternative Lithium Heimspoeicher

Lithium-Akkus gelten als Standard für Energiespeicher. Sie sind aber relativ teuer, brandgefährlich und geopolitisch heikel. Ein Forscherteam aus Singapur hat jetzt eine Natrium-Ionen-Batterie entwickelt, die alle drei Probleme lösen soll. Die Zellen überstehen mehr als 30.000 Ladezyklen und könnten Heimspeicher sowie Rechenzentren deutlich sicherer machen. Was die Technologie kann, wo sie an Grenzen stößt und wann sie auf den Markt kommt.

Die Erzeugung von Strom durch Solarzellen oder Windkraftanlagen schwankt je nach Wetterbedingungen. Für eine verlässliche Energieversorgung werden deshalb leistungsstarke industrielle Speichersysteme benötigt. Herkömmliche Lithium-Akkus bergen jedoch Risiken, da sie bei Beschädigungen leicht in Brand geraten können. Zudem ist die globale Lieferkette stark von einzelnen Ländern abhängig, die die Verarbeitung kontrollieren.

Ein Forscherteam um Palani Balaya von der nationalen Universität Singapur sucht deshalb nach Alternativen und setzt auf Natrium. Das Element ist chemisch ähnlich zu Lithium, aber weltweit reichlich vorhanden und deutlich preiswerter. Eine neu entwickelten Natrium-Ionen-Zellen soll das Risiko einer unkontrollierten Überhitzung massiv verringern. Sie würde sich vor allem für stationäre Energiespeicher in Wohngebäuden eignen.

30.000 Ladezyklen: Was Tests des Natrium-Akkus zeigen

Die Forscher verwenden als Elektrolyt das Lösungsmittel Glyme mit einem hohen Flammpunkt, das deutlich weniger feueranfällig ist als die in traditionellen Lithium-Ionen-Batterien genutzten, leicht entflammbaren organischen Flüssig-Elektrolyte.

Zusätzlich entwickelte das Team eine neuartige positive Elektrode mit einem Zink-Zusatz. Diese Modifikation soll die Kapazität verbessern und ein schnelles Laden sowie Entladen ermöglichen. In Tests überstand die Batterie mehr als 30.000 Ladezyklen, wobei sie eine Restkapazität von 50 Prozent behielt.

Ein Nachteil besteht darin, dass Natrium-Akkus bezogen auf ihr Gewicht etwas größer ausfallen. Für den stationären Einsatz in Wohnhäusern wäre dieser Faktor jedoch meist zweitrangig. Viele Betreiber von Rechenzentren zögern zudem beim Einsatz von Lithium-Speichern wegen potenzieller Brandrisiken. Die vermeintlich sicherere Natrium-Variante dürfte diese Bedenken entkräften und die Energiewende beschleunigen.

Wann kommt die Natrium-Batterie auf den Markt?

Zur Marktreife gründete der Wissenschaftler bereits das Spin-off-Unternehmen SgNaPlus. Aktuell erreichen die Prototypen eine Energiedichte von 90 bis 100 Wattstunden pro Kilogramm. Ziel des Unternehmens ist eine Steigerung auf mindestens 125 bis 150 Wattstunden pro Kilogramm. Damit würde die Natrium-Technologie die Kapazität robuster Lithium-Ionen-Batterien geringfügig übertreffen.

Palani Balaya betont die Wichtigkeit einer krisensicheren Lieferkette für die weltweite Energiewende. Das neue System soll daher darauf abzielen, Komponenten, die entweder geografisch eingeschränkt oder potenziell toxisch sind, zu minimieren oder sogar vollständig zu entfernen. Der Forscher sieht in der Technologie eine tragfähige Basis für den weltweiten Markt:

Wir wollen eine sicherere Batterie herstellen, die für den industriellen Einsatz geeignet ist, aber sie muss auch nachhaltig sein und darf keine Probleme in der Lieferkette aufweisen. Es hat schließlich keinen Sinn, ein Material, das geopolitische Herausforderungen mit sich bringt, durch ein anderes Material mit ähnlichen Problemen an einem anderen Ort zu ersetzen.

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Neues KIT-Modell zeigt, wie KI unsere Stromnetze steuert

08. Juni 2026 um 14:00

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KI Stromnetze Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz entscheidet zunehmend, wann Strom fließt, was er kostet und wann Elektroautos laden. Doch bisher bleiben die Entscheidungen der Algorithmen oft undurchsichtig. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben mit dem SHAPformer eine Methode entwickelt, die KI-Vorhersagen im Energiesystem erstmals direkt nachvollziehbar macht. Was dahintersteckt und warum das auch für Verbraucher relevant ist.

Das Management der Energieversorgung gestaltet sich zunehmend komplexer. Wind- und Solarstrom schwanken wetterabhängig, während Elektroautos, Batteriespeicher und Wärmepumpen die Verbrauchsmuster verändern. Netzbetreiber und Energieversorger setzen Künstliche Intelligenz ein, um ihre Systeme effizient und stabil zu betreiben.

Um die Stromerzeugung und den Verbrauch präzise aufeinander abzustimmen, müssen viele Faktoren gleichzeitig berücksichtigt werden. Dazu gehören Wetterprognosen, Lastvorhersagen, Netz- und Verteilerkapazitäten sowie das Verhalten von Verbrauchern. In diesen kritischen Infrastrukturen darf Künstliche Intelligenz jedoch keine Blackbox bleiben. Zudem ist die menschliche Aufsicht durch den AI-Act der Europäischen Union eine regulatorische Vorgabe.

Wie KI unsere Stromnetze steuert

Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben eine Methode namens SHAPformer, die die Entscheidungen von KI transparenter machen soll. Sie wurde speziell für Zeitreihenvorhersagen auf Basis aufeinanderfolgender Daten wie Stromverbrauch oder Strompreisen entworfen. Die Methode kombiniert Transformer-Modelle, bekannt aus modernen Sprachmodellen, mit Verfahren der erklärbaren Künstlichen Intelligenz.

Der Ansatz nutzt Konzepte der Spieltheorie, um den Einfluss einzelner Faktoren wie Temperaturen, Feiertage, Windprognosen oder frühere Verbrauchsdaten sichtbar zu machen. Beim Training des Modells blendete die Arbeitsgruppe gezielt einzelne Informationen aus.

Dadurch lässt sich der Beitrag einzelner Einflussgrößen zu einer Vorhersage nachvollziehen. Das Team trainierte das System mit realen Daten des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW. Ziel war es, den Stromverbrauch und die Strompreise über Zeiträume von bis zu einer Woche vorherzusagen und gleichzeitig die einflussnehmenden Faktoren anzuzeigen.

Warum der KIT-Ansatz effizienter als bisherige Verfahren ist

Viele bisherige Verfahren bieten erst nachträglich Erklärungen und benötigen dafür zusätzliche Rechenleistungen. Die Neuentwicklung aus Karlsruhe integriert die Erklärbarkeit dagegen direkt in den Trainingsprozess. Die Genauigkeit der Vorhersagen bleibt so erhalten, während die Effizienz der Analyse steigt. Mit dieser Arbeit schaffen die Wissenschaftler methodische Grundlagen, um solche Ansätze künftig in die Praxis zu übertragen.

Neben der technischen Präzision spielen die Vertrauenswürdigkeit und die Akzeptanz bei den Anwenderinnen und Anwendern eine Rolle. Das betrifft beispielsweise intelligente Systeme für das Laden und Entladen von Elektroautos oder Heimspeicher. Tenure-Track-Professor Benjamin Schäfer vom Institut für Automation und Angewandte Informatik des KIT erklärte dazu:

Nutzerinnen und Nutzer haben wahrscheinlich eine größere Akzeptanz gegenüber einem intelligenten Ladesystem, wenn klar nachvollziehbar ist, warum sich ein Elektroauto nachts später geladen hat als gewöhnlich – zum Beispiel, weil die Strompreise zwischenzeitlich besonders hoch waren und so Kosten eingespart werden konnten.

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Werbung jetzt sogar in Streaming-Pausen – Nutzer stehen drauf

08. Juni 2026 um 11:00

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Werbung in der Pause Joyn Streaming pausieren

Wer bei Joyn auf Pause drückt, sieht künftig kein eingefrorenes Bild mehr, sondern eine Werbeanzeige. Was nach einem Ärgernis klingt, kommt bei Zuschauern erstaunlich gut an: Laut einer Emarketer-Auswertung bevorzugen 63 Prozent der Konsumenten Pausenwerbung gegenüber einem Standbild. Der Grund liegt in der Psychologie. Warum das neue Werbeformat die Streaming-Branche verändern könnte. Eine kommentierende Analyse.

Werbung in der Streaming-Pause: Was sind Pause Ads?

  • Seven.One Media ist der Vermarkter von ProSiebenSat.1 – also die Firma, die die Werbeplätze bei ProSieben, Sat.1, Joyn und allen dazugehörigen Plattformen vertreibt. Mitte Mai 2026 wurde ein neues Werbeformat vorgestellt: die Pause-Ads. Will heißen: Immer, wenn du beim Streaming auf den Pauseknopf drückst, siehst du wenige Sekunden später eine Vollbildwerbeanzeige, die so lange bleibt, bis du weiterschaust. Primescreen-Werbung also.
  • Was in Deutschland eine Neuheit ist, gibt es in den USA schon seit Jahren: Streaming-Plattformen wie Hulu, Roku und auch YouTube setzen schon lange auf Werbung, die genau dann erscheint, wenn wir aufs Klo gehen oder uns am Süßigkeitenschrank bereichern. Mit Erfolg: Rund die Hälfte der Zuschauer hat nach der Rückkehr auf die Couch mit den Pause-Ads interagiert.
  • Kurioserweise freuen sich die Fernsehzuschauer sogar über die Werbung auf dem Pausenbildschirm – wir Menschen sind halt doch Gewohnheitstiere. Eine Auswertung der Marketing-Plattform Emarketer hat ergeben, dass 63 Prozent der Konsumenten lieber Werbung für Chips und Damenbinden auf dem Bildschirm sehen als eingefrorene Fratzen von drittklassigen Schauspielern. Netter Nebeneffekt für Chio und Co: Die Werbeerinnerung steigt um mehr als ein Drittel.

Pausenwerbung treibt ein psychologisches Spielchen mit uns

Zugegebenermaßen sind diese Erkenntnisse doch ein wenig überraschend. Wer schaut schon gern Werbung an, wenn man nicht dazu gezwungen wird? Mit gefesselten Armen und Beinen und geweiteten Augen lässt es sich nicht ganz so gemütlich einen Film oder eine Serie schauen.

Genau diese Erkenntnis ist der Grund, dass Werbung im linearen Fernsehen nicht funktioniert. Denn was passiert, wenn die Werbung beginnt oder sich die Spieler beim Fußball in die Halbzeitpause verabschieden? Richtig: Wir erheben uns vom Sofa und schlürfen ins Bad oder in die Küche. Bei der EM 2024 haben die Stadtwerke Karlsruhe die Wasserbehälter vor Spieltagen mit deutscher Beteiligung sogar extra gefüllt, weil in den Pausen der (Blasen-)Andrang so gigantisch ist.

Was ist also der Unterschied bei den Pause-Ads? Ganz einfach! Die Pausenwerbung treibt ein psychologisches Spielchen mit uns. Während uns plötzlich aufploppende Werbung beim Streaming oder vor dem Start vom Anbieter aufgezwungen wird, entscheiden wir uns aus eigenem Antrieb dazu, auf den Pauseknopf zu drücken – weil wir es möchten.

Wir werden in spannenden Szenen also nicht mutwillig aus dem Kontext gerissen, sondern sind entspannt. Wir entscheiden: Jetzt ist Pause. Und aufgrund der Selbstbestimmtheit und der positiven Grundstimmung sind wir offener für Werbung, weil sie nicht aggressiv in unser privates Fernseherlebnis eindringt.

Stimmen

  • Frank Färber, Chief Sales und Marketing Officer im Vorstand bei CosmosDirekt, dem ersten Werbepartner, der die Pause-Ads von Seven.One Media nutzt, sieht im neuen Werbeformat vor allem eine Möglichkeit, junge Menschen anzusprechen: „Wir wollen unsere Marke auch digital weiter stärken und insbesondere jüngere Zielgruppen erreichen. Mit Seven.One Media haben wir dafür einen starken Partner an unserer Seite, der uns über Joyn ein hochwertiges Streaming-Umfeld mit großer digitaler Reichweite bietet.“
  • Die Nutzererfahrung zeichnet ein anderes Bild. In einem Reddit-Forum zu den YouTube-Pause-Ads findet sich kein gutes Wort. Statt Videos anzuschauen, wird man vor, während und nach dem Schauen mit Anzeigen penetriert. Nutzer Jashiko schreibt: „Ich habe vor kurzem ein 30-minütiges Video geschaut und alle vier Minuten Midrolls (Unterbrecherwerbung) bekommen, zusätzlich zu einer Pre-Roll am Anfang, einer Ad am Ende und diesen nervigen Pop-ups, die die ganze Zeit zwischen den Midrolls auftauchten. Im Grunde wird man also alle zwei Minuten mit Werbung zugespamt. Normalerweise blockiere ich alles, aber ich habe ein neues Gerät benutzt, auf dem ich noch nicht alles eingerichtet hatte. Ich weiß nicht, wie Leute das aushalten.“
  • Letztendlich geht es darum, Ads Fatigue – also Werbemüdigkeit – zu verhindern. Pause-Ads scheinen in die richtige Richtung zu zielen. Labinot Gashi, Digital Transformation Specialist bei der Agenture Oneline, erklärt: „Ads Fatigue ist ein ernstzunehmendes psychologisches Phänomen, das die Effektivität Ihrer Werbeanzeigen und Kampagnen negativ beeinträchtigt. Durch regelmäßige Anpassungen der Anzeigen und kreative Ansätze lässt sich diesem Problem jedoch wirksam lösen. So bleibt Ihre Werbung interessant und wirkungsvoll, und Sie können weiterhin eine hohe Performance und gute Ergebnisse erzielen.“

Pausenwerbung als Chance – um aufs Klo zu gehen

Wohin führt uns dieser Weg? Fest steht: Sobald Werbung stört und wir davon genervt sind, verlieren alle: die Nutzer, die Werbenden und die Streaming-Plattformen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ohne Werbung geht es nicht. Das zeigen Social-Media-Netzwerke und digitale Plattformen wie Facebook, Instagram oder auch ChatGPT.

Zuerst werden neue Formate wie Reels vorgestellt und mit Werbefreiheit beworben, nur damit wenige Monate später die ersten vorsichtigen Anzeigen einfließen. Nur mit Werbung lassen sich Produkte im Digitalen monetarisieren.

Denn auch Abomodelle reichen nicht, um die Produktion von Inhalten (gewinnbringend) zu refinanzieren. Nicht ohne Grund haben Netflix, Disney Plus und sogar kleinere Anbieter wie WOW Premium die werbefreien Abomodelle abgeschafft. Der Deal ist einfach: Entweder du zahlst horrende Abopreise wie bei DAZN oder Sky oder du akzeptierst, dass du Werbung siehst – dafür aber einen deutlich humaneren Preis zahlst.

Da fällt die Wahl einfach. Denn wie heißt es so schön? Geld regiert die Welt – und wenn wir alle ein bisschen Geld auf die schwäbische Art sparen können, sagt niemand nein. Warum also nicht der neuen Pausenwerbung eine Chance geben? Wir können ja trotzdem aufs Klo gehen.

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Löhne hinken hinterher: Autos werden immer teurer – doch SUV boomen

08. Juni 2026 um 05:45

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Autos immer teurer Preissteigerung Kosten

Ein Neuwagen kostet heute im Schnitt 34 Prozent mehr als noch 2018. Die Löhne sind im selben Zeitraum aber nur um 24 Prozent gestiegen. Trotzdem greifen viele Käufer vermehrt zu teureren SUV-Modellen, während günstige Einstiegsfahrzeuge vom Markt verschwinden. Selbst der Gebrauchtwagenmarkt bietet kaum noch Entlastung. Was das für die Mobilität der Mittelschicht bedeutet und welche Auswege Experten sehen. 

Viele Verbraucher klagen über die kontinuierlich steigenden Kosten für die eigene Mobilität. Gleichzeitig dokumentiert eine aktuelle Marktuntersuchung von JATO Dynamics ein deutliches Paradoxon auf dem Automarkt. Der Anteil von SUV im privaten Automarkt ist über die vergangenen Jahre insgesamt deutlich gestiegen, wenngleich es bei Kompakt-SUV im Jahr 2020 einen leichten Rückgang gab.

Sprich: Viele Konsumenten greifen trotz gestiegener Preise vermehrt zu Modellen aus höheren Preisklassen. Denn in fast allen gängigen Fahrzeugklassen im europäischen Raum lässt sich eine Preissteigerung erkennen.

Die durchschnittlichen Endkundenpreise kletterten zwischen 2018 und 2024 im gesamten Kleinwagen-Segment um rund 34 Prozent und im Kompakt-SUV-Segment um 36 Prozent. Diese parallele Preisentwicklung über die Segmente hinweg legt nahe, dass ein branchenweiter Kostendruck und Maßnahmen zur Profitsicherung die Steigerungen angetrieben haben.

Autos werden immer teurer: Die wirtschaftliche Schere trifft die Mittelschicht

Die Entwicklung entkoppelt sich zunehmend von den realen Einkommen der breiten Bevölkerung. Die Strategieberatung Oliver Wyman belegt, dass die Nettogehälter in Deutschland von 2019 bis 2024 zwar um 24 Prozent anstiegen. Im selben Zeitraum verringerte sich die Bezahlbarkeit von Neuwagen jedoch um elf Prozent. Als Hauptursachen gelten das schwindende Angebot an günstigen Einstiegsmodellen sowie der beschleunigte Wechsel zu kostenintensiven Antrieben.

Der wirtschaftliche Druck auf die Automobilhersteller dürfte sich durch das schrumpfende Kundensegment künftig weiter verschärfen. Viele Käufer weichen mangels bezahlbarer Alternativen auf Finanzierungsangebote oder den Gebrauchtwagenmarkt aus. Steffen Rilling von Oliver Wyman forderte daher umgehend strategische Maßnahmen:

Die zunehmende Erschwinglichkeitskrise in der Automobilindustrie erfordert sofortige und strategische Maßnahmen von OEMs und Händlern. Durch die Überarbeitung ihrer Produktportfolios, Angebotsstrukturen, Preisstrategien und Finanzierungsmodelle können Hersteller die Herausforderungen, die durch steigende Preise und sinkende Verkaufszahlen entstehen, effektiv angehen.

Warum auch Gebrauchtwagen keine günstige Alternative mehr sind

Der Ausweichkanal über den Gebrauchtwagenmarkt entlastet die privaten Verbraucher momentan kaum. Denn: Ein spürbarer Mangel an jungen Gebrauchten traf im Jahr 2022 auf eine anhaltend hohe Nachfrage. Laut dem DAT-Report kletterten die durchschnittlichen Gebrauchtwagenpreise im Vorjahresvergleich deshalb deutlich um 19 Prozent.

Auf dem privaten Markt verzeichneten die Experten sogar eine Preissteigerung von 40 Prozent. Für weite Teile der Bevölkerung könnte die individuelle Mobilität dauerhaft zu einer sozialen Frage werden. Im Jahr 2022 wechselten weniger als ein Viertel aller Gebrauchtwagen für unter 10.000 Euro den Besitzer.

Erstkäufer müssen erhebliche Summen investieren, um überhaupt ein fahrbereites Einstiegsmodell zu erhalten. Zusätzliche Belastungen durch deutlich steigende Kfz-Versicherungen dürften diese finanzielle Barriere weiter vergrößern.

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Mit Wasserstoff und Solar: Schwimmendes Kraftwerk senkt Hafen-Emissionen um 77 Prozent

06. Juni 2026 um 06:06

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schwimmendes Kraftwerk

Schiffe im Hafen laufen oft stundenlang mit Dieselgeneratoren, weil der Landstrom fehlt. Ein britisches Konsortium will das mit einer schwimmenden Plattform ändern, die Wasserstoff-Brennstoffzellen, Batterien und Solarenergie kombiniert. Das System soll Hafen-Emissionen um 77 Prozent senken und den jahrelangen Netzausbau an Land überflüssig machen. Erste Gespräche für Einsätze von Grossbritannien bis Australien laufen bereits.

Die Dekarbonisierung von Schiffshäfen scheitert oft an fehlenden Netzkapazitäten vor Ort. Ein Ausbau der traditionellen landseitigen Strominfrastruktur dauert meist zwischen drei und sieben Jahren. Ein Konsortium entwickelte deshalb im Rahmen eines britischen Innovationsprogramms ein komplett netzunabhängiges Stromzentrum auf dem Wasser.

Die neue schwimmende Plattform soll die bürokratischen und technischen Hürden an Land vollständig umgehen. Das modulare System besteht aus drei sechseckigen Plattformen mit einer Gesamtfläche von 1.200 Quadratmetern. Die Anlage kombiniert eine Batteriekapazität von 45 Megawattstunden mit modularen Brennstoffzellen.

Zudem speisen bordeigene Solaranlagen bis zu 146 Kilowatt an erneuerbarer Energie direkt in das System ein. Durch diese Kombination soll die Plattform wöchentlich etwa 91 Megawattstunden Strom liefern können. Zum Vergleich: Damit ließen sich rund 1.400 Haushalte pro Woche versorgen.

Ohne Netzanschluss: Schwimmendes Kraftwerk für Schiffe soll 5 Megawatt Strom liefern

Die modularen Brennstoffzellen arbeiten mit einer Leistung von 1,3 Megawatt kontinuierlich über die gesamte Woche. Sie laden die bordeigenen Batterien langsam auf und geben die Energie bei der Ankunft eines Schiffs schnell ab. In der maximalen Konfiguration kann das System eine kontinuierliche Leistung von fünf Megawatt bereitstellen. Damit ließe sich die Stromversorgung von mittelgroßen Kreuzfahrtschiffen oder anderen großen Schiffen garantieren.

Für den Betrieb benötigt die schwimmende Infrastruktur wöchentlich zwischen 7.500 und 8.000 Kilogramm Wasserstoff. Dieser lagert in sieben speziellen, ISO-kompatiblen Niederdrucktanks direkt auf der schwimmenden Plattform. Die Betankung fände etwa zweimal pro Woche statt, wodurch Häfen die neue Technologie schrittweise einführen könnten. Permanente Wasserstoff-Infrastrukturen an Land wären für den Anfang der Nutzung nicht erforderlich.

77 Prozent weniger Emissionen – aber zu welchem Preis?

Eine erste Analyse zeigt, dass das System die Emissionen von Schiffen am Liegeplatz um rund 77 Prozent senken könne. Dabei sind die Produktion, der Transport sowie die betrieblichen Verluste des Wasserstoffs bereits vollständig eingerechnet.

Das Konsortium schätzt den weltweiten Markt für diese netzunabhängigen Lösungen auf jährlich 62 Terawattstunden. Da die Infrastruktur transportabel ist, würde sich das Risiko von Fehlinvestitionen für die Hafenbetreiber deutlich verringern.

Momentan liegen die Energiekosten mit 0,25 bis 0,50 Pfund pro Kilowattstunde noch über dem traditionellen Landstrom. Der kommerzielle Wert liege laut den Entwicklern jedoch vor allem in der schnellen Einsatzbereitschaft und der hohen Flexibilität.

Künftige Skaleneffekte und optimierte Fertigungsprozesse dürften die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Laufe der Zeit verbessern. Erste Gespräche für größere Einsätze von Großbritannien bis nach Australien laufen bereits.

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Windräder ohne Kran: Namibia testet neues Montagesystem – mit Erfolg

05. Juni 2026 um 17:56

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Skylift-Technologie

Windräder aufbauen, wenn der Wind zu stark für jeden Kran ist? Genau das hat das Unternehmen Nabrawind jetzt in Namibia geschafft. Mit der sogenannten Skylift-Technologie wurden erstmals große Turbinen ohne schwere Kräne und bei Böen von bis zu 20 Metern pro Sekunde errichtet. Der Windpark InnoVent Diaz soll künftig sechs Prozent des namibischen Strombedarfs decken. 

In bestimmten Regionen von Namibia herrschen einige der stärksten Winde weltweit, was den Aufbau herkömmlicher Windkraftanlagen erschwert. Große Standardkräne können dort meist nur bei geringen Windgeschwindigkeiten von bis zu acht Metern pro Sekunde arbeiten.

Das neuartige Skylift-System von Nabrawind soll hingegen auch bei instabilen Winden mit Geschwindigkeiten von 15 Metern pro Sekunde und Böen von bis zu 20 Metern pro Sekunde funktionieren. Dadurch ließen sich wetterbedingte Verzögerungen bei der Montage künftig verringern.

Wie sich Windräder ohne Kran errichten lassen

Das System kombiniert zwei werkseigene Technologien namens Total SES und BladeRunner, um die Turmelemente ohne Kran in die Höhe zu hieven. Die Montage des Rotors erfolgt dabei bereits in einer niedrigen Höhe von 30 bis 40 Metern, bevor der gesamte Turm schrittweise angehoben wird.

Durch diese Methode ist laut Nabrawind die strukturelle Integrität der dünnwandigen Rohrtürme während des gesamten Prozesses vollständig geschützt. Die Logistik vor Ort erfahre so eine Vereinfachung, da keine teuren Spezialkräne mehr anreisen müssten.

Im Windpark InnoVent Diaz wurde eine getriebelose Anlage des Typs Goldwind GW165/6000 als erste ihrer Art mit dieser Technik errichtet. Die Ingenieure mussten dafür ein spezielles Verfahren entwickeln, bei dem zwei Rotorblätter in einem 30-Grad-Winkel zum Boden montiert wurden.

Ein temporäres Gegengewicht stabilisierte den Rotor so lange, bis dieser die endgültige Nabenhöhe erreicht hatte. Erst am Ende wurde das Ausgleichsgewicht mithilfe des BladeRunner-Systems durch das dritte Rotorblatt ersetzt.

Namibia: Neuer Windpark soll 6 Prozent des Energiebedarfs decken

Insgesamt sollen sieben dieser Windkraftanlagen in Namibia entstehen. Hinzu kommen vier bereits installierte Turbinen eines anderen Typs. Durch die höhere Installationsrate soll die Errichtung der siebten Anlage in einer Nettozykluszeit von einer Woche abgeschlossen werden. Nach der vollständigen Inbetriebnahme dürfte der Windpark jährlich 230 Gigawattstunden Strom erzeugen.

Die prognostizierte Energieproduktion würde rund sechs Prozent des gesamten Elektrizitätsbedarfs von Namibia decken. Gleichzeitig könnten durch den Betrieb der sauberen Windkraftanlagen jedes Jahr etwa 200.000 Tonnen an klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid-Emissionen vermieden werden. Das erfolgreiche Pilotprojekt liefert damit nicht nur grünen Strom, sondern zeigt auch die Validierung des Installationssystems. Betreiber in windreichen, aber logistisch schwer zugänglichen Regionen könnten von dieser Weiterentwicklung weltweit profitieren.

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Verbrenner in Elektroauto umbauen: Bis zu 47 % weniger Emissionen als Neukauf

05. Juni 2026 um 11:00

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Vebrenner in Elektroauto umbauen E-Auto Retrofit UN Standards

Weltweit fahren rund 1,4 Milliarden Verbrenner auf den Straßen. Selbst ein sofortiger Verkaufsstopp würde daran jahrelang nicht viel ändern. Ein möglicher Schalthebel: Bestehende Autos auf einen Elektroantrieb umrüsten. Laut einer französischen Studie kann ein solches Retrofit sogar klimafreundlicher sein als der Kauf eines neuen E-Autos. Doch der Weg dahin ist voller regulatorischer und wirtschaftlicher Hürden. Ein Überblick über den Stand der Technik, die Kosten und die neuen UN-Pläne. Eine kommentierende Analyse.

Wie funktioniert der Umbau vom Verbrenner zum E-Auto?

  • In Deutschland lassen sich Verbrenner nur über teure Einzelmaßnahmen auf einen Elektroantrieb umrüsten. In den meisten anderen Ländern gibt es gar keinen regulatorischen Rahmen. Nur Frankreich hat 2020 ein eigenes und standardisiertes Zulassungsverfahren für Umrüstkits eingeführt. Der große Durchbruch bleibt bislang aber aus. In Deutschland gibt es nur eine Handvoll kleinerer Werkstätten, die Verbrenner in Elektroautos umbauen.
  • Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) erarbeitet derzeit ein Regelwerk für den Umbau von Verbrennern in E-Autos, das weltweit gültig sein soll. Eine spezielle Arbeitsgruppe will bis 2027 konkrete Vorschriften entwickeln. Geregelt werden sollen unter anderem Mindestanforderungen für Umrüstkits, Leistungsanforderungen für umgebaute Fahrzeuge und standardisierte Kits. Aus einem aktuellen Entwurf geht hervor, dass lediglich autorisierte Installateure Umbauten vornehmen dürfen. Private Tüftler wären weiterhin auf nationale Einzelabnahmen angewiesen.
  • Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um Verbrenner in Elektroautos umzubauen. Beim ersten Ansatz wird der Motor an das vorhandene Getriebe angeflanscht. Diese Lösung kommt häufig bei Einzelumbauten und Oldtimern zum Einsatz, da sie weniger Entwicklungsaufwand erfordert und das bestehende Schaltgetriebe erhalten bleibt. Beim zweiten Ansatz wird das Getriebe vollständig entfernt und durch einen direkten Elektroantrieb ersetzt. Diese Variante orientiert sich stärker an modernen Elektrofahrzeugen, da sie mit weniger beweglichen Teilen auskommt und dadurch in der Regel effizienter sowie einfacher im Betrieb ist.

Umbau von Verbrenner in E-Elektroauto – bis zu 47 Prozent weniger CO2 als ein neuer Stromer

Der Umbau von Verbrennern zu Elektroautos könnte dabei helfen, den weltweiten Fahrzeugbestand klimafreundlicher zu machen. Denn rund 1,4 Milliarden Pkw sind aktuell weltweit mit Verbrennungsmotor unterwegs. Selbst bei einem sofortigen Ende des Verbrennerverkaufs würde dieser Bestand noch Jahrzehnte weiterfahren.

Eine Umrüstung und Modernisierung, auch Retrofit genannt, kann deshalb ein möglicher Schalthebel zu einer schnelleren Dekarbonisierung sein. Dabei kann die Klimabilanz über den Lebenszyklus sogar besser ausfallen als bei einem Neuwagenkauf. Vor allem die eingesparte Produktion neuer Fahrzeuge spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die französische Umweltbehörde ADEME kommt etwa zu dem Ergebnis, dass ein umgerüsteter Kleinwagen 66 Prozent weniger CO2 verursacht als ein weiter genutzter Diesel. Im Vergleich zu einem neuen Elektroauto sind es 47 Prozent weniger Emissionen über die Lebensdauer. Hauptgrund dafür ist vor allem der Wegfall der Herstellung einer neuen Karosserie.

Auch wirtschaftlich kann ein Umbau unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung hat beispielsweise eine Amortisation nach etwa sieben Jahren errechnet. Ausgehend von 12.000 bis 15.000 Euro Umbaukosten und 14.000 Kilometern Jahresfahrleistung.

Stimmen

  • Oldtimer-Fan und Zahnarzt Jörg Kutscher hat seinen DeLorean (Baujahr 1981), von dem es weltweit nur noch wenige Exemplare gibt, selbst in ein Elektroauto umgebaut: „Ich wollte ein hübsches Elektroauto in einem edlen Design. Wir haben die größten Fehlerquellen ausgebaut, und das sind halt Motor, Kühlsystem, Auspuff. Also das ist schon mal kein Grund mehr, ihn zu verschrotten. Die Elektrotechnik wird auf jeden Fall länger halten als alles drum herum. (…) Aber wenn eine Firma es schafft, so einen Umbau günstiger anzubieten als ein gebrauchtes, vergleichbares Elektroauto, dann hätte das Konzept auch in Deutschland eine Chance.“
  • Ralf Schollenberger ist Erfinder und Mitbegründer des Unternehmens e-Revolt, das sich auf die Umrüstung von Verbrenner in E-Autos spezialisiert hat. In einem Interview erklärte er: „Die Idee für e-Revolt kam mir, als ich meinen Stuttgarter SUV verkaufen musste. Technisch einwandfrei, doch Reparaturen an Abgassystem und Sensorik waren schlicht zu teuer. (…) Würden wir ein Haus abreißen, nur weil die Küche kaputt ist? Nicht jeder kann oder will sich ein Neufahrzeug für 30.000+ Euro leisten. Fahranfänger, Cabrio-Liebhaber oder Menschen, die ihr Auto einfach weiterfahren möchten, stehen oft ohne Alternative da. Genau hier setzt e-Revolt an: Wir geben gut erhaltenen Qualitätsfahrzeugen ein zweites, emissionsfreies Leben – nachhaltig und bezahlbar.“
  • Eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie äußerte sich gegenüber der taz skeptisch: „Die Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantrieb kann ein möglicher kleiner Baustein für die Dekarbonisierung von Bestandsfahrzeugen sein.“ Für die breite Masse der Pkw bleibe die Umrüstung jedoch „aufgrund der hohen Kosten und technischen sowie regulatorischen Hürden nur bedingt attraktiv.“ Der Ansatz eigne sich „vor allem für bestimmte Fahrzeugsegmente – etwa Oldtimer oder Spezialfahrzeuge –, bei denen ein Neukauf keine Option ist.“

Vebrenner in Elektroauto umbauen: Retrofit taugt nicht für jedes Auto

Technisch ist der Umbau von Verbrennern in Elektroautos längst kein Hexenwerk mehr. Vielmehr ist er eine Frage der Architektur. Der Umbau würde es ermöglichen, Karosserien, Fahrwerke und weitere Fahrzeugteile weiterzuverwenden. Der Vorteil: Im Gegensatz zu einem Neukauf müssten diese nicht neu produziert werden. Das wiederum könnte Ressourcen schonen.

Besitzer älterer Fahrzeuge hätten die Möglichkeit, einfacher in die Elektromobilität einzusteigen, ohne ein nigelnagelneues E-Auto kaufen zu müssen. Die Kosten für den Umstieg könnten deutlich geringer ausfallen. Im Idealfall wäre sogar die Klimaneutralität im Verkehrssektor schneller erreichbar, da gleichzeitig mehr E-Autos und weniger Verbrenner auf den Straßen unterwegs wären. Denn bei einem Neukauf landen bisherige Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Und dennoch: Der Umbau bleibt technisch anspruchsvoll und eignet sich nicht für jedes Fahrzeug. Der Zustand und Aufbau älterer Verbrenner setzen dem Retrofit etwa klare Grenzen. Die Umrüstung ist damit nur für bestimmte Fälle eine Lösung.

Doch Förderungen wie in Frankreich könnten Retrofit sinnvoll unterstützen, sofern bestimmte Bedingungen eingehalten und Standards etabliert werden. Das deutsche Bundesverkehrsministerium hält eine serielle Umrüstung von Pkw jedoch für wirtschaftlich nicht sinnvoll.

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Neues Verfahren drückt Lithium-Kosten auf unter 6.000 US-Dollar pro Tonne

05. Juni 2026 um 05:45

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Lithium-Gewinnung MIT Gestein Säure günstig

Lithium ist der wichtigste Rohstoff für E-Auto-Batterien. Doch der Abbau ist teuer, energieintensiv und umweltschädlich. Forscher des MIT haben jetzt ein Verfahren entwickelt, das den Rohstoff mit einer schwachen Säure bei nur 95 Grad Celsius aus Gestein löst und die Kosten auf unter 6.000 US-Dollar pro Tonne drücken könnte. Die Ausgründung Rock Zero plant bereits eine Pilotanlage bis Ende 2026. Was das für den Lithium-Markt bedeutet und wo die Risiken liegen.


Bisher erfolgt der Abbau des gefragten Metalls meist über zwei etablierte Wege. Entweder wird es aufwendig aus Salzseen verdunstet oder in Minen unter hohem Energieeinsatz aus hartem Gestein gewonnen. Das herkömmliche Hard-Rock-Mining erfordert das Erhitzen des Erzes bei extrem hohen Temperaturen und den Einsatz gefährlicher Chemikalien. Diese traditionellen Prozesse benötigen oft riesige Flächen oder belasten die Umwelt stark.

Das neue Verfahren setzt stattdessen auf eine schwache Säure namens Ammoniumfluorid, um die normalerweise reaktionsträgen Silikatmineralien aufzulösen. Diese chemische Verbindung ist unter anderem aus handelsüblichen Pasten zum Ätzen von Glas bekannt.

Die chemische Reaktion findet bei moderaten Temperaturen von bis zu 95 Grad Celsius in einfachen, gerührten Kunststofftanks statt. Dadurch lässt sich die Entstehung hochgefährlicher Flusssäure komplett vermeiden.

Studienautor Camden Hunt, ehemaliger Projektleiter am MIT Center for Electrification and Decarbonization of Industry, dazu:

Bis 2040 müssen wir die weltweite Lithiumproduktion vervierfachen, was Hunderte neuer Lithiumförderanlagen erfordert. Hartgestein ist reichlich vorhanden; man findet es überall. Aber der Großteil der Hartgesteinsveredelung findet in China statt. Unsere zentrale These lautet: Wenn man einen einfacheren Weg findet, das Gestein aufzubrechen, das Lithium zu gewinnen und Lithiumsalze in Batteriequalität herzustellen, kann man den Lithiummarkt verändern.

Lithium: Was das Niedrigtemperatur-Verfahren so effizient macht

Durch den Verzicht auf das energieintensive Rösten des Erzes in einem Ofen ließen sich die Energiekosten erheblich senken. Zudem würde dieser technologische Ansatz den Ausstoß von Treibhausgasen bei der Produktion potenziell reduzieren. Erz mit zu hohem Eisengehalt durchläuft den Phasenwechsel in traditionellen Öfen nicht korrekt, sondern schmilzt zu einem glasartigen Material. Bei dem neuen Niedrigtemperaturverfahren stellt dieser hohe Eisengehalt jedoch kein Problem dar.

In ersten Laborexperimenten dauerte das Herauslösen des Lithiums aus dem Spodumen-Erz noch einige Tage. Mittlerweile habe das Team diese Zeitspanne auf unter zwölf Stunden verkürzt. Neben dem wertvollen Lithium entstehen bei dem Prozess auch Tonerde für die Aluminiumherstellung sowie zementartiges Siliziumdioxid, das Beton beigemischt werden kann. Die Erfinder sprechen daher von einem ganzheitlichen Ansatz, der alle Bestandteile des Erzes verwertet.

Lithium-Gewinnung für 6.000 US-Dollar pro Tonne

Unter der Annahme, dass das Ammoniumfluorid zu einem hohen Grad recycelt werden kann, schätzen die Forschenden die Kosten für die Extraktion auf unter 6.000 US-Dollar pro Tonne. Damit wäre die Methode im Vergleich zu aktuellen Prozessen im Festgesteinsabbau günstiger und sogar mit der Gewinnung aus Salzseen konkurrenzfähig.

Aktuell bewältigen die Testtanks im Labor in Cambridge eine Menge von drei Kilogramm pro Durchgang. Das junge Unternehmen plant bereits den Bau einer ersten Pilotanlage bis Ende 2026, um im Jahr 2027 mit dem Testbetrieb zu starten.

Allerdings müsse sich das neue Verfahren in einem volatilen Marktumfeld mit starken Preisschwankungen und etablierten Großkonzernen behaupten. Nach einem Höchststand im Jahr 2022 und Tiefständen Ende 2024 verzeichnet der Markt seit Anfang 2026 einen langsamen Anstieg. Zudem könnten technologische Alternativen wie lithiumfreie Natrium-Ionen-Batterien die Marktnavigation erschweren. Langfristig hoffe das Team von Rock Zero jedoch, die Methode auf andere Silikatmineralien der Erdkruste auszuweiten.

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UN-Umweltbericht: KI-Boom frisst bald doppelt so viel Strom wie ganz Deutschland

04. Juni 2026 um 17:29

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KI belastet Klima Künstliche Intelligenz Fußabdruck Rechenzentrum

Der rasante Ausbau Künstlicher Intelligenz hat weitreichende Folgen für die Umwelt. Eine neue Analyse zeigt, wie stark der steigende Energiebedarf von KI-Systemen nicht nur den CO2-Ausstoß erhöht, sondern auch den Verbrauch von Wasser und Flächen deutlich antreibt.

Mit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 wurde Künstliche Intelligenz erstmals für Millionen von Menschen unmittelbar erlebbar. Was zunächst als technologische Neuheit wahrgenommen wurde, hat sich innerhalb weniger Jahre rasant weiterentwickelt. Heute ist KI daher in vielen Bereichen des Alltags angekommen.

Die tägliche Nutzung reicht dabei von der Informationssuche über das Verfassen von Texten bis hin zur Erstellung von Fotos oder Videos. Allein im Jahr 2025 hat sich die Zahl der monatlich aktiven Nutzer weltweit von ChatGPT mehr als verdoppelt. Denn während es im Januar noch 358 Millionen waren, stieg die Zahl bis zum Dezember auf 810 Millionen an.

Parallel zum wachsenden Einsatz leistungsfähiger KI-Anwendungen steigt jedoch auch der Bedarf an Rechenleistung und damit die Frage nach den ökologischen Folgen des KI-Booms. Mit diesen haben sich Forscher der United Nations University (UNU) befasst und in einem Bericht die erheblichen Folgen für Klima, Wasserressourcen und Flächennutzung weltweit durch den rasanten Ausbau von KI-Systemen ausgewertet.

Strom, Wasser, Fläche: Was KI-Rechenzentren bis 2030 verbrauchen

KI-Systeme benötigen sowohl beim Training als auch im täglichen Betrieb enorme Mengen an Rechenleistung. Denn damit eine KI Muster erkennen, Zusammenhänge verstehen und auf Anfragen reagieren kann, müssen riesige Datenmengen verarbeitet werden.

Diese Prozesse laufen in riesigen Rechenzentren ab, die meist rund um die Uhr arbeiten. Das treibt nicht nur den dafür benötigten Stromverbrauch in die Höhe. Denn durch die erzeugte Abwärme brauchen Rechenzentren zusätzlich aufwendige Kühlung.

Durch den Zuwachs bei den Nutzerzahlen von KI-Systemen steigt daher auch der Bedarf an Energie und Infrastruktur. Laut der Untersuchung der UN-Universität wird der Stromverbrauch von KI-Rechenzentren weltweit bis 2030 auf 945 Terawattstunden ansteigen. Das entspricht fast dem Doppelten des jährlichen Stromverbrauchs Deutschlands. Zum Vergleich: Weltweit haben Rechenzentren im Jahr 2025 schätzungsweise 448 Terawattstunden Strom verbraucht.

Für die Kühlung der Rechenzentren steigt demnach auch der Wasserverbrauch enorm auf 9,3 Billionen Liter an. Die für KI-Infrastrukturen benötigte Fläche könnte bis 2030 auf rund 14.500 Quadratkilometer anwachsen – eine Fläche, die nahezu der Größe Schleswig-Holsteins entspricht.

Warum CO2 allein den KI-Fußabdruck nicht abbildet

Die Forscher sind davon überzeugt, dass bei der Betrachtung des ökologischen Fußabdrucks von KI-Systemen nicht nur die CO2-Emissionen herangezogen werden können. „Am meisten überrascht hat uns, wie oft die aus CO2-Sicht umweltfreundlichsten Optionen letztendlich schlechter für Wasser oder Land sind“, erklärt Hauptautorin Miriam Aczel von der UNU. „Wenn wir die Nachhaltigkeit von KI weiterhin nur anhand des CO2-Ausstoßes beurteilen, könnten wir zwar denken, dass erneuerbare Energien die KI-Infrastruktur sauberer machen, aber damit lösen wir ein Problem und schaffen gleichzeitig andere, oft an Orten, die diese Probleme nicht verursacht haben.“

Problematisch sei zusätzlich, dass Modelle durch ihre zunehmende Effizienz kostengünstiger werden und dadurch die Nutzung steigt. „Viele Menschen glauben, dass der ökologische Fußabdruck der KI abnimmt, je weiter sich die Technologie verbessert und die Prozesse effizienter werden. Doch das ist nur ein Teilbild des Gesamtproblems“, so UNU-Professor und Co-Autor Kaveh Madani. „Effizientere und kostengünstigere KI sowie Energie bedeuten einen höheren KI-Konsum, wodurch der Gesamtfußabdruck weitaus größer ausfällt als das, was wir durch Effizienzgewinne einsparen.“

Sechs Prinzipien für eine nachhaltigere KI-Zukunft

Die Forscher fordern daher ein verantwortungsvolles KI-Ökosystem. Dieses müsse auf den sechs Prinzipien Transparenz, Effizienz durch Design, Gerechtigkeit und Umweltgerechtigkeit, Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus, globale Zusammenarbeit und nachhaltige Nutzung basieren.

Dafür müssten unter anderem Regierungen die KI-Infrastruktur in die Energieplanung, die Wasserbewirtschaftung und die Genehmigung von Flächennutzungen integrieren. Aber auch Nutzer könnten ihren Teil dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck von KI zu begrenzen.

Denn viele Fragen, die sich mit einer einfachen Suchanfrage über klassische Suchmaschinen beantworten ließen, werden heute direkt an KI-Systeme gestellt. Da jede Anfrage von leistungsstarken Rechenzentren verarbeitet werden muss, ist der Energieaufwand meist deutlich höher als bei einer herkömmlichen Websuche. Ein bewusster und gezielter Einsatz von KI könnte daher helfen, unnötigen Ressourcenverbrauch zu vermeiden, ohne auf die Vorteile der Technologie verzichten zu müssen.

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Energy Sharing: Solarstrom vom Nachbarn kaufen spart mehrere Cent pro kWh

04. Juni 2026 um 11:00

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Energy Sharing Solarstrom mit Nachbarn teilen verkaufen verschenken

Seit dem 1. Juni 2026 können Solaranlagen-Besitzer ihren überschüssigen Strom direkt an Nachbarn verschenken oder verkaufen. Das sogenannte Energy Sharing verspricht günstigere Preise für Abnehmer und bessere Erlöse für Erzeuger als die sinkende Einspeisevergütung. Doch zwischen Gesetz und Praxis klaffen noch Lücken: fehlende Musterverträge, schleppender Smart-Meter-Einbau und ungeklärte Abrechnungsprozesse. Wir erklären, was das Energy Sharing konkret bringt, was es kostet und wann es wirklich alltagstauglich wird. Eine kommentierende Analyse.

Was ist Energy Sharing?

  • Wer mit einer Solaranlage privat mehr Strom erzeugt als verbraucht, speist den Überschuss meist ins öffentliche Netz ein. Dieser liegt häufig bei mehr als die Hälfte der erzeugten Energie. Mittlerweile ist das aber wirtschaftlich kaum noch lukrativ. Denn: Während die Eigenproduktion von Solarstrom ungefähr elf bis 15 Cent pro Kilowattstunde kostet, liegt die Einspeisevergütung für neue Anlagen bei unter acht Cent. Die Bundesregierung plant zudem, die EEG-Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen mit einer Leistung unter 25 Kilowatt ab 2027 abzuschaffen.
  • Die Neuregelung des Energiewirtschaftsgesetzes erleichtert künftig aber auch den lokalen Handel mit Solarstrom. Hauseigentümer sollen mittels Energy Sharing etwa selbst erzeugten Strom mit ihren Nachbarn teilen können. Die Idee ist es, dass erneuerbare Energie stärker vor Ort genutzt und bürokratische Hürden abgebaut werden. Energy Sharing ersetzt aber keinen Stromvertrag und muss auch keine vollständige Versorgung garantieren. Voraussetzung für das Stromteilen sind sogenannte Smart Meter, um erzeugten und verbrauchten Strom zu erfassen und zuzuordnen.
  • Seit dem 1. Juni 2026 müssen Netzbetreiber das Energy Sharing grundsätzlich innerhalb ihres lokalen Netzes ermöglichen. Ab Juni 2028 soll das Teilen von Solarstrom dann auch netzübergreifend in direkt benachbarte Gebiete möglich sein. Die Voraussetzung: Es darf nur Strom, der ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammt, verkauft oder mitunter sogar kostenlos geteilt werden. Stromerzeuger und abnehmende Nachbarn müssen vertraglich bestimmen, wie der Strom verteilt wird, aus welcher Anlage er stammt und zu welchem Preis er abgegeben wird.

Solarstrom mit dem Nachbarn teilen: Klingt einfach – ist es aber noch nicht

Eine gute Nachbarschaft ist viel wert. Genauso wie eine gute Stromversorgung. Auf dieser Verbindung baut auch das Energy Sharing auf. Überschüssiger Solarstrom soll nicht mehr zwingend anonym durchs Netz wandern, sondern dort genutzt werden, wo er entsteht. Das klingt gewissermaßen nach einer Energiewende im Kleinformat. Doch zwischen politischem Versprechen und praktischer Umsetzung liegen noch einige Stolpersteine.

Denn tatsächlich wird der Strom gar nicht physisch von Haus zu Haus weitergereicht. Geteilt wird er lediglich rechnerisch. Im Hintergrund wird viertelstündlich abgeglichen und verrechnet, wie hoch der Überschuss eines Anlagenbetreibers ist und wie viel davon die beteiligten Nachbarn zeitgleich verbrauchen. Wer mitmacht, hat künftig außerdem nicht nur einen Stromvertrag, sondern quasi zwei: einen regulären Liefervertrag und einen weiteren mit dem Betreiber der Solaranlage.

Der Haken liegt in der Frage, wie viel Strom genau eine Sharing-Anlage zu welchem Zeitpunkt an wen liefert und wie viel Reststrom die beteiligten Haushalte gleichzeitig von ihrem bisherigen Versorger beziehen. Denn dafür müssen die Daten der Smart Meter exakt synchronisiert werden. Ausgerechnet hier bleibt der Gesetzgeber aber erstaunlich vage. In Paragraf 42c stehen nämlich keine konkreten Vorgaben zur praktischen Umsetzung.

Stattdessen rücken externe Dienstleister in den Mittelpunkt. Sie sollen Daten erfassen, Strommengen bilanzieren, Energie an Dritte verkaufen und nach Börsenpreisen abrechnen. Auch die Bundesnetzagentur verweist auf solche Anbieter. Doch deren Gebühren sind bislang weitgehend unbekannt. Deshalb dürfte es vielerorts noch dauern, bis das Energy Sharing tatsächlich im Alltag ankommt.

Wer nicht warten möchte, sollte bereits jetzt bei Netzbetreibern und Stromlieferanten nachfragen. Der Blick nach Österreich und in andere europäische Staaten zeigt zudem: Dort wurden vergleichbare EU-Vorgaben schon vor Jahren umgesetzt. Deutschland startet also nicht als Vorreiter, sondern eher als Nachzügler.

Was Energieexperten sagen

  • Energieexpertin Carina Vogel von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erklärt: „Solarstrom direkt an Nachbarn zu verkaufen, kann eine attraktive Alternative zur klassischen Einspeisevergütung werden und Photovoltaik wirtschaftlich interessanter machen. Beteiligte Haushalte können dann den selbsterzeugten Solarstrom direkt gemeinsam nutzen oder teilen – ohne Umweg über einen Stromanbieter. Solarstrom künftig unkompliziert an Nachbarn verkaufen zu können, ist ein wichtiger Schritt für die Energiewende in Wohngebieten. Für private Anlagenbetreiber kann eine zusätzliche Einnahmequelle entstehen, während die Abnehmer von günstigeren Stromkosten profitieren können.“
  • Lennart Feldmann, Energieberater aus Köln, kritisiert gegenüber dem WDR: „Die Verfügbarkeit der smarten Stromzähler ist der größte Flaschenhals fürs Energy Sharing in Deutschland. Die jährlichen Gebühren sind gesetzlich gedeckelt und liegen meist zwischen 20 und 100 Euro, also relativ überschaubar. Der Einbau kann schnell gehen, doch oft vergehen Monate. Aus unserer Beratungspraxis kenne ich Fälle, in denen es bis zu einem Jahr gedauert hat. Das ist einfach viel zu lang. Das Problem ist, dass jeder davon sein eigenes Süppchen kocht. Es gibt bisher kein standardisiertes Vorgehen und keine Musterverträge für Menschen, die Strom teilen wollen.“
  • Valérie Lange, Leiterin Energiepolitik und Regulierung beim Bündnis Bürgerenergie, begrüßt das Energy Sharing zwar, gibt aber zu bedenken: „Die fehlende Wirtschaftlichkeit ist der Knackpunkt der neuen Regelung. Es gibt keinerlei Anreize, die den zusätzlichen bürokratischen und messtechnischen Aufwand kompensieren. (…) Schon jetzt können Verteilnetzbetreibende nicht überall die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung umsetzen. Für echtes Energy Sharing fehlen damit fundamentale Voraussetzungen.“

Wann Energy Sharing alltagstauglich wird

Die wahrscheinlichste Folge des Energy Sharing ist, dass in Deutschland ein ganz neuer Dienstleistungsmarkt entsteht. Denn: Kaum jemand wird Lust haben, Smart-Meter-Daten selbst auszuwerten, Strommengen zu bilanzieren oder komplizierte Abrechnungen zu erstellen. Deshalb spricht vieles dafür, dass künftig spezialisierte Anbieter die komplette Abwicklung übernehmen. Heißt konkret: Erst wenn diese Prozesse im Hintergrund verschwinden, könnte das Modell für Privatpersonen wirklich attraktiv werden.

Die wirtschaftliche Logik dahinter ist durchaus interessant. Laut der Strompreisanalyse des BDEW vom April 2026 kostet eine Kilowattstunde Haushaltsstrom im Durchschnitt 37 Cent. Davon entfallen rund 15 Cent auf den eigentlichen Strompreis, etwa zwei Cent auf die Stromsteuer, rund 14 Cent auf Netzentgelte und Umlagen sowie knapp sechs Cent auf die Mehrwertsteuer. Genau diese Kostenstruktur zeigt, warum lokales Stromteilen trotz aller Hürden attraktiv sein kann.

Netzentgelte und Umlagen fallen zwar auch beim Energy Sharing an und damit kostet die geteilte Kilowattstunde bereits rund 14 Cent, bevor überhaupt Strom verkauft wird. Doch selbst wenn ein Anlagenbetreiber zusätzlich zehn Cent pro Kilowattstunde für seinen Solarstrom verlangt, ergibt sich ein Nettopreis von 24 Cent. Einschließlich Mehrwertsteuer liegt der Endpreis bei knapp 29 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich unter dem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 37 Cent. Ersparnis: bis zu acht Cent po kWh. Gleichzeitig erhält der Betreiber mehr als die maximale Einspeisevergütung von 7,8 Cent, die Anfang 2026 für neuen Überschussstrom gezahlt wurde.

Besonders interessant könnte das Modell für ältere Anlagen werden. Nach Ablauf der 20-jährigen Förderung wird überschüssiger Solarstrom häufig nur noch zum Monatsmarktwert vergütet, der zwischen April und September 2025 lediglich zwischen 1,8 und sechs Cent pro Kilowattstunde lag. Dennoch dürfte die große Bewährungsprobe weniger auf dem Dach als in der Datenverarbeitung liegen.

Aber bevor Dienstleister abrechnen können, muss geklärt werden, wer welche Informationen bereitstellt. Der BDEW verweist bereits auf laufende IT-Konzepte für die Umsetzung, rechnet aber selbst damit, dass die massengeschäftsfähige Einführung in der Breite voraussichtlich noch bis 2027 dauern wird. Die Technik für das Teilen von Strom ist also da, doch die Infrastruktur für das Teilen von Daten muss erst noch hinterherkommen.

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Langsam und teuer: Warum Atomkraft die Energiewende nicht retten kann

04. Juni 2026 um 05:45

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Atomkraft Kernkraft Energiewende teuer Kosten

Können neue Atomkraftwerke die Energiewende beschleunigen? Eine aktuelle Analyse des Umweltbundesamts kommt zu einem klaren Ergebnis: Nein. Atomstrom ist mit bis zu 19 Cent pro Kilowattstunde deutlich teurer als Wind- und Solarenergie und neue Meiler brauchen bis zu 20 Jahre Bauzeit. Warum Erneuerbare in allen entscheidenden Kategorien vorn liegen. 

In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, wird noch immer viel Strom mit fossilen Energien erzeugt. In Anbetracht der schnell zunehmenden CO2-Konzentration, die kürzlich den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren erreicht hat, sollen diese Kraftwerke durch CO2-ärmere Alternativen ersetzt werden. Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) hat deshalb untersucht, ob Atomkraftwerke oder Wind- und Solaranlagen die wirtschaftlich bessere Alternative sind.

Was kostet Atomstrom im Vergleich zu Wind und Solar?

Die Untersuchung offenbart, dass die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom bei Atomkraftwerken sowie Wind- und Solaranlagen auf demselben Niveau liegen.

Die Stromerzeugung mit Atomkraftwerken ist in Europa mit 15 bis 19 Cent pro eingespeister Kilowattstunde jedoch deutlich teurer.

Demgegenüber können die Wind- und Solaranlagen Strom für unter zehn Cent pro Kilowattstunde liefern. Den günstigsten Strom liefern laut der Studie Windkraftanlagen an Land, die lediglich 3,6 Cent pro Kilowattstunde kosten.

Warum der Bau neuer Atomkraftwerke bis zu 20 Jahre dauert

Diese wirtschaftliche Tendenz bestätigt auch eine weitere Studie der Aalborg University, die die systembasierte Stromgestehungskostenmetrik untersucht hat. Die erneuerbaren Energiequellen sind demnach ebenfalls deutlich günstiger als Atomstrom.

Neben den finanziellen Aspekten verhindert vor allem die lange Bauzeit der Atomkraftwerke einen schnellen Beitrag zur Energiewende. Pro neuem Meiler liegt sie bei bis zu 20 Jahren. Laut Analyse müsste der jährliche Zubau bei Atomkraftwerken im Rahmen der Energiewende bei mindestens 30 Gigawatt Leistung liegen.

Das entspricht einem jährlichen Zubau von rund 25 bis 30 größeren Anlagen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden weltweit jedoch nur zehn Gigawatt Leistung pro Jahr neu installiert. Diese Kapazität reichte lediglich aus, um alte, nicht mehr betriebene Atomkraftwerke zu kompensieren.

Nur noch 3 Prozent Atomstrom bis 2050

Eine entsprechende Erhöhung des Ausbaus ist laut dem UBA nicht zeitnah möglich. Ein Großteil der benötigten Atomkraftwerke wäre also erst gegen 2050 fertiggestellt, selbst wenn heute ausreichend Kapazitäten für deren Bau existieren würden.

Im Jahr 1996 hatten Kernkraftwerke noch einen Anteil von 17 Prozent an der globalen Stromproduktion. In Anbetracht dieser Nachteile gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Atomkraftwerke im Jahr 2050 nur noch einen geringen Anteil von drei Prozent an der weltweiten Stromproduktion aufweisen würden.

Eine rechtzeitige Unterstützung der Energiewende durch neue Atomkraftwerke ist aufgrund der langen Realisierungszeiträume nicht zu erwarten. Wind- und Solaranlagen weisen deutliche Vorteile auf, die über den geringeren Strompreis weit hinausgehen.

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KI-Agenten bauen eigene Gesellschaft auf – ein Modell begeht 683 Verbrechen

03. Juni 2026 um 18:16

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KI-Modelle Verbrechen Künstliche Intelligenz ChatGPT Grok Gemini Claude

Was passiert, wenn KI-Agenten eine eigene Gesellschaft mit Gesetzen, Rollen und Konsequenzen aufbauen? Forscher von Emergence AI haben genau das getestet und fünf führende Sprachmodelle 15 Tage lang in einer virtuellen Welt gegeneinander antreten lassen. Die Ergebnisse sind frappierend: Während ein Modell komplett ohne Straftaten auskam, häuften sich bei einem anderen 683 Verbrechen. 

KI-Modelle werden normalerweise mit der Hilfe von standardisierten Benchmarks getestet, um ihre Leistungsfähigkeit zu dokumentieren. Dabei lösen die Sprachmodelle Aufgaben aus Bereichen wie Mathematik oder Programmierung in klar definierten Testsituationen.

Im Vergleich der einzelnen Modelle liefern diese Benchmarks wichtige Vergleichswerte. Allerdings liefern sie keine Informationen darüber, wie sich KI-Systeme über längere Zeiträume in komplexen, dynamischen Umgebungen verhalten.

Doch genau diese Frage haben sich Forscher des US-Unternehmens Emergence AI gestellt. Das Unternehmen, das an autonomen KI-Agenten forscht, hat mit der Simulationsplattform „Emergence World“ untersucht, wie sich verschiedene Sprachmodelle in komplexen sozialen Umgebungen verhalten.

So funktioniert der Gesellschaftstest für KI-Modelle

Die Forscher haben sich für ihre Untersuchung bewusst gegen Benchmarks entschieden, da diese nur kurzfristig die Leistungsfähigkeit bei klar abgegrenzten Aufgaben messen können. Stattdessen sollten in der „Emergence World“ Phänomene aufgedeckt werden, die erst nach einiger Zeit deutlich hervortreten.

Diese Messumgebung sei notwendig, da autonome Systeme zunehmend in missionskritischen Bereichen zum Einsatz kommen, in denen der relevante Zeitrahmen nicht mehr Minuten oder Stunden, sondern Tage und Wochen umfasst. Dies sei in der „Emergence World“ möglich, da autonome Agenten hier in einer gemeinsamen Welt kontinuierlich analysiert werden können.

Diese Welt verfügt über mehr als 40 verschiedene Orte, wie Bibliotheken, Rathäuser, Wohngebiete und öffentliche Plätze. Zusätzlich haben die Forscher sie mit Daten aus der realen Welt gefüttert – so beispielsweise synchronisierte Wetterdaten aus New York City und Live-Nachrichten-APIs. Auf diese Weise sollte das Verhalten der Agenten auch externe Ereignisse und nicht nur interne Dynamiken widerspiegeln.

In ihrem Test haben die Forscher die KI-Modelle ChatGPT, Grok, Claude und Gemini für 15 Tage in dieser Umgebung getestet. Dabei wurden fünf parallele Welten mit jeweils zehn Agenten, identischen Rollen und Startbedingungen erschaffen.

In den Welten variierte dabei lediglich das Basismodell: Claude Sonnet 4.6, Grok 4.1 Fast, Gemini 3 Flash, GPT-5-mini sowie eine heterogene Mischung aus verschiedenen Modellen. Einige der Modelle schafften sich innerhalb weniger Tage selbst ab, andere begingen hunderte Straftaten.

683 Verbrechen vs. null: So unterschiedlich schnitten die KI-Modelle ab

Besonders auffallend bei der Betrachtung der Ergebnisse ist die Rate der Straftaten der einzelnen Modelle. Absoluter Spitzenreiter hier ist Gemini 3 Flash mit 683 Verbrechen in nur 15 Tagen.

Die Welt mit dem gemischten Modell verzeichnete zunächst einen steilen Anstieg bei den Straftaten, stagnierte dann jedoch bei der Zahl 352. Zwischenzeitlich waren hier jedoch sieben der Agenten ums Leben gekommen.

Die Welt mit dem KI-Modell Grok 4.1 Fast erreichte hingegen ein schnelles Ende und schaffte sich in nur etwa vier Tagen selbst ab. In dieser Zeit wurden allerdings auch 183 Straftaten gezählt.

Die höchste soziale Stabilität konnte Claude Sonnet 4.6 zeigen. Es konnte die vollständige Population von zehn Agenten bis zum 16. Tag am Leben erhalten, ohne dass dabei eine einzige Straftat begangen wurde. Das Modell hat damit die einzige Konstellation geschaffen, in der sowohl die öffentliche Ordnung als auch der Fortbestand der Population gewahrt blieben.

GPT-5 Mini blieb zwar mit lediglich zwei Straftaten auch relativ stabil. Allerdings versäumten die Agenten es in dieser Welt, die für ihr Überleben notwendigen Handlungen auszuführen. Deshalb starben alle Agenten innerhalb von nur sieben Tagen.

Die Forscher wollen mit ihrer Plattform „Emergence World“ einen Raum für die Erforschung genau dieser langfristigen Dynamiken und deren Messbarmachung schaffen. Denn die Intelligenz von Agenten stelle sich bei langen Zeiträumen anders dar als bei kurzfristigen Aufgaben und lasse sich deshalb nicht auf dieselbe Weise messen.

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YouTube verpasst Videos jetzt ein KI-Label – Nutzer fürchten Fehlalarme

03. Juni 2026 um 11:00

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YouTube KI-Label Künstliche Intelligenz

YouTube wird seit Monaten mit KI-generierten Videos geflutet. Das Problem: Nutzer kennzeichnen ihre Inhalte nicht. Jetzt reagiert die Plattform: Ein neues Erkennungssystem soll KI-Videos automatisch identifizieren und mit Labels versehen. Wir erklären, wie das System funktioniert, welche Konsequenzen drohen und warum der Schritt das Grundproblem trotzdem nicht löst. Eine kommentierende Analyse.

Neues Erkennungssystem: Wie YouTube KI-Label setzen will

  • YouTube verpflichtet Nutzer, die Videos hochladen, eigentlich schon seit 2024 dazu, Inhalte entsprechend zu kennzeichnen, falls diese mithilfe von KI generiert wurden. Das Problem: Bislang hoffte das Unternehmen vor allem auf Eigenverantwortung, was durchaus als naiv abgestempelt werden kann. Nachdem immer mehr Beschwerden eingingen, weil die Plattform mit KI-Inhalten geflutet wird, hat YouTube nun reagiert. KI-Labels sollen künftig deutlich prominenter erscheinen, damit Rezipienten besser Bescheid wissen.
  • Da viele Nutzer Videos auch trotz KI-Hintergrund nicht entsprechend kennzeichnen, will YouTube Inhalte, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, künftig über ein neues System automatisch erkennen. Fehlt eine Kennzeichnung und wird eine deutliche KI-Nutzung festgestellt, kann die Plattform selbst ein Label hinzufügen. Nutzer, die Videos hochladen, werden aber auch weiterhin verpflichtet, eine Kennzeichnung vorzunehmen. Bei wiederholtem Zuwiderhandeln drohen laut YouTube Konsequenzen.
  • Nutzer, die automatisch gesetzte KI-Labels für unangebracht halten, sollen sie im YouTube Studio anfechten können. Inhalte, die mit YouTubes eigenen KI-Werkzeugen erstellt wurden oder sogenannte C2PA-Metadaten enthalten, sollen davon ausgenommen sein. Der Grund: Die Daten würden bereits Auskunft darüber geben, ob Inhalte nachträglich verändert wurden und woher sie stammen. Sprich: YouTube kann dann automatisch ein KI-Label anzeigen. Die neuen Erkennungsmethoden werden ab sofort und nach und nach eingeführt. Die neuen Labels sollen aber weder die Empfehlungen noch die Monetarisierung der Videos beeinflussen.

Warum YouTube selbst Teil des Problems ist

YouTubes schärfere KI-Kennzeichnung ist ein überfälliger Schritt. Denn die Plattform wird seit Monaten mit künstlich generierten Videos geflutet. Einige davon mögen sogar durchaus unterhaltsam sein. Die meisten sind aber vor allem darauf ausgelegt, möglichst billig möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren.

Dass KI-Inhalte fortan sichtbarer gekennzeichnet und Verstöße sanktioniert werden sollen, ist deshalb grundsätzlich begrüßenswert. Vor allem weil künstlich erzeugte Videos immer wieder Desinformation, manipulierte Darstellungen oder schlicht minderwertige Inhalte verbreiten, brauchen Nutzer Orientierung. Ein Label macht schlechte Inhalte zwar nicht automatisch erkennbar, aber Unsicherheit zumindest sicherer.

Paradox bleibt die Rolle YouTubes selbst. Jahrelang trommelte der Konzern für seine eigenen KI-Werkzeuge und ermunterte Nutzer dazu, Videos künstlich aufzuhübschen oder komplett neu zu erzeugen. Nun muss aber dieselbe Plattform die Folgen der eigenen Strategie eindämmen.

Hinzu kommt: Bei der Durchsetzung seiner Regeln wirkt YouTube nicht immer konsequent. Dass große Kanäle, die regelmäßig mit Verschwörungserzählungen, Falschinformationen und mutmaßlichen KI-Inhalten auffallen, teils unbehelligt Reichweite erzielen, wirft Fragen auf, wie ernst das Unternehmen seine Qualitätsansprüche tatsächlich nimmt.

Stimmen

  • Rene Ritchie, Ansprechpartner für Creator bei YouTube, erklärte in einem Video: „Das Ziel ist es, den Kontext auf einen Blick zu erkennen. Wenn etwas echt aussieht, aber mit KI erstellt wurde, werden die Zuschauer das sofort erkennen. Es geht hier ausschließlich darum, den Zuschauern die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt zu liefern. Zwar müssen Sie den Einsatz realistischer KI weiterhin manuell offenlegen, doch ab Mai führt YouTube interne Signale ein, die helfen sollen, wenn die YouTube-Systeme signifikante fotorealistische KI erkennen. Und wenn dies nicht offengelegt wurde, werden wir dieses Label nun automatisch anbringen.“
  • Ein Nutzer gibt in einem Reddit-Forum zu Bedenken: „Angesichts der bisherigen Erfahrungen, dass das automatische Demonetarisierungssystem von YouTube bei harmlosen Inhalten wie Videos zur Kriegsgeschichte Fehlalarme ausgelöst hat, bin ich gespannt, bei welchen Inhalten dieses KI-Erkennungssystem Fehlalarme auslösen wird.“ Ein anderer ergänzt: „Eine Zeichentrickserie, die sich eindeutig an Erwachsene richtet (und wahrscheinlich einige Elemente enthält, die Kindern Alpträume bereiten könnten), wurde in einer Folge aus irgendeinem Grund automatisch als ‚für Kinder‘ gekennzeichnet.“
  • YouTuber und Marketing-Experte Edward Sturm hebt in einem Kurzvideo die positiven Effekte hervor: „Das ist eine gewaltige Veränderung. (… ) Nehmen wir an, jemand stellt ein Video ein, in dem er die Marke eines Mittbewerbers bewertet. Die Bewertung ist negativ, benutzt einen KI-Avatar und wird bei Google denen angezeigt, die nach Bewertungen der Marke suchen. Aber jetzt sehen Verbraucher dort ein KI-Label, das auf Desinformation hinweisen kann. Das wird viel verändern.“

Transparenz ja, Lösung nein: Was sich jetzt ändern muss

Es wird entscheidend sein, wie zuverlässig die neue KI-Erkennung von YouTube funktionieren wird. Sollte ein Video fälschlicherweise als KI-Inhalt markiert werden, droht Uploadern ein Vertrauensverlust, der sich nicht einfach per Knopfdruck zurücknehmen lässt. Denn: Ein einmal gesetzter Verdacht bleibt oft länger im Gedächtnis als dessen spätere Korrektur.

Konsequent wäre es deshalb, Videos, die ausschließlich mithilfe von KI erstellt wurden, nicht mehr zu monetarisieren. Wer etwa Hunderte nahezu identische Clips automatisiert erstellt oder Nachahmungen produziert, sollte nicht dieselben finanziellen Anreize erhalten wie Kreative, die Zeit, Recherche und handwerkliches Können investieren.

Für Verbraucher könnten die Kennzeichnungen dennoch eine wertvolle Orientierung liefern. KI-Inhalte sind zwar nicht per se schlecht, aber sie können ein Hinweis auf minderwertige, irreführende oder schlicht austauschbare Videos sein – vorausgesetzt, die Technik erkennt sie zuverlässig.

Das Grundproblem löst YouTube aber nicht. Denn KI-Videos sollen weiterhin monetarisiert und empfohlen werden. Damit konkurrieren sie nach wie vor auf derselben Bühne mit aufwendig produzierten Inhalten. Kurzum: Die Kennzeichnung schafft Transparenz, beseitigt aber nicht die strukturellen Vorteile der Content-Massenproduktion.

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CO2-Zertifikate aus China: Ölkonzerne zahlten für Projekte, die nie existierten

03. Juni 2026 um 05:45

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CO2-Zertifikate Klimazertifikate Betrug China EU

Europäische Ölkonzerne haben jahrelang chinesische Klimazertifikate im Wert von über 1,5 Milliarden Euro gekauft. Das Problem: Die Projekte haben niemals existiert. Reporter fanden an den offiziellen Standorten nur Baugruben statt der versprochenen Gasrückgewinnungsanlagen. Die Folge: Autofahrer zahlten höhere Spritpreise ohne Klimanutzen. Die EU plant trotzdem ein ähnliches System ab 2031. Was genau schiefgelaufen ist und warum es wieder passieren könnte.

Die Europäische Union führte im Jahr 2015 das sogenannte Upstream-Emission-Reduction-System ein. Ölkonzerne können dadurch ihre Klimaschutzvorgaben im Verkehrssektor erfüllen, indem sie ausländische Klimaprojekte finanzierten. Jedes Zertifikat soll garantieren, dass eine Tonne CO2-Äquivalent bei der Ölförderung eingespart wurde.

Statt teurer Minderungen in Europa erwarben viele Unternehmen aber billige Zertifikate aus China. Die finanziellen Folgen dieser Praxis tragen nun die gewöhnlichen Verbraucher im Alltag. Bürger zahlen an den Zapfsäulen für Benzin oder Heizöl höhere Preise, während die Konzerne ihre Ziele scheinbar erfüllen. Zudem ist die reale Klimabilanz des deutschen Verkehrssektors inzwischen schlechter als gemeldet.

Milliardenbetrug mit Klimazertifikaten: Hinter vorgetäuschten Projekten steckt System

Eine investigative Recherche der Nachrichtenagentur Bloomberg legte das volle Ausmaß des systematischen Betrugs in China offen. Reporter suchten die offiziell angegebenen Koordinaten der angeblichen Klimaschutzanlagen im Changqing-Ölfeld persönlich auf.

Vor Ort fanden sie jedoch nur frisch aufgeworfene Baugruben und aktive Abfackelanlagen vor. Die in den Dokumenten beschriebenen Gasrückgewinnungsanlagen existierten an den Standorten überhaupt nicht.

Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) genehmigte insgesamt 66 Projekte, die von deutschen Zertifizierungsgesellschaften geprüft wurden, mit einem geschätzten Marktwert von über 1,5 Milliarden Euro. Betroffen sind neben Deutschland mindestens acht europäische Länder, darunter Österreich und Italien.

In vielen Fällen agierte dieselbe Person gleichzeitig als Prüfer und als Projektentwickler für die chinesischen Firmen. Die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft wurden Anfang 2026 mangels Beweisen eingestellt.

Betrug mit CO2-Zertifikaten: Wiederholt die EU ab 2031 denselben Fehler?

Die Europäische Union plant bereits den Einsatz ähnlicher Instrumente für die Klimaziele im Jahr 2040. Bis zu fünf Prozentpunkte der geforderten Treibhausgasminderung dürften ab 2031 dann über internationale Zertifikate aus Drittstaaten erbracht werden.

Kritiker befürchten, dass die bekannten Betrugsmethoden dadurch eine noch größere Bühne erhalten könnten. Die zuständige EU-Kommission habe bis heute keine klaren Prüfgesellschaften für das neue System benannt. Vertreter wie Sandra Rostek vom Deutschen Biogas-Verband fordern nun Konsequenzen in Form von strengeren Kontrollen.

Es werden deutlich strengere Kontrollen gefordert, um direkt vor Ort zu überprüfen, ob die angeblichen Produktionsanlagen überhaupt existieren und wie behauptet produzieren. Beim vorherigen System sei eine solche Überprüfung offenkundig nicht der Fall gewesen.

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KI beobachtet dich im Supermarkt – und zwar nicht nur als Ladendetektiv

02. Juni 2026 um 11:00

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KI Supermarkt Künstliche Intelligenz Rewe Aldi Penny Kasse

Rewe beobachtet per KI verdächtige Einkaufskörbe an der Selbstbedienungskasse. Penny steuert mit Kameras die Kassenschlangen und Aldi testet komplett kassenlose Filialen. Im deutschen Lebensmittelhandel entsteht gerade eine neue digitale Infrastruktur, die weit über eine einfache Automatisierung hinausgeht. Doch wo Algorithmen Entscheidungen vorbereiten, herrschen stets Vorbehalte und Risiken. Eine kommentierende Analyse.

Im Supermarkt: Rewe, Penny und Aldi setzten bereits KI ein

  • Die Rewe Group setzt mittlerweile verschiedene KI-Technologien ein. Einer Ankündigung zufolge soll eine Künstliche Intelligenz künftig etwa lange Schlangen an den Kassen von Tochterfirma Penny vermeiden. Das KI-Modell Eagle Eye scannt dazu die Kundenanzahl und informiert Mitarbeiter, sobald sich zu viele Menschen an einer Kasse befinden. Mitarbeiter können dann entscheiden, ob sie entsprechend reagieren.
  • In seinen eigenen Filialen setzt Rewe ein KI-Modell ein, um Ladendiebe zu schnappen. Das System soll dazu Auffälligkeiten beim Bezahlen an der Selbstbedienungskasse erkennen können. Die KI soll bei Ungereimtheiten an Self-Scanning-Kassen Mitarbeitern den Hinweis geben, sich einen Einkaufskorb noch einmal genauer anzuschauen. Eine Künstliche Intelligenz scannt Produkte per Kamera, um Einkäufe auf ihre Plausibilität zu überprüfen.
  • Auch Aldi Süd setzt bei seinem „SHOP&GO“-Ansatz auf kassenloses Einkaufen mit App, Kameras, KI und Sensoren. In München gibt es einen ähnlichen Markt von Rewe. In der „Pick and Go“-Filiale werden Einkäufe automatisch per Kamera- und Sensortechnik erfasst. Die Künstliche Intelligenz erkennt die Produkte im Einkaufswagen und bucht den Betrag direkt über die App ab. Kunden müssen weder Waren aufs Band legen, selbst einscannen noch an der Kasse bezahlen.

Komfort oder Kontrolle? Was KI im Supermarkt wirklich bedeutet

Supermärkte werden immer mehr zu Überwachungsräumen. Was einst Kassierer mit Erfahrung, Menschenkenntnis und einem kurzen Blick meisterten, sollen künftig Algorithmen übernehmen. KI wird damit nicht nur zu einem Werkzeug, das Effizienz verspricht, sondern zu einem unsichtbaren Filialleiter, der permanent mitrechnet und mitbeobachtet.

Ein bisheriges Grundprinzip wird dabei massiv verschoben. Denn die Technologie greift nicht erst ein, wenn etwas passiert ist, sondern bewertet Wahrscheinlichkeiten im Voraus. Wer an einer Selbstbedienungskasse etwa einen ungewöhnlichen Einkauf tätigt, wird nicht unbedingt wegen eines Fehlverhaltens auffällig, sondern wegen einer statistischen Abweichung.

Die Handelskonzerne verkaufen diese Entwicklung als Komfortgewinn. Theoretisch können kürzere Schlangen oder schnellere Bezahlvorgänge den Einkauf angenehmer gestalten. Aber wer Bequemlichkeit will, macht sich auch ein Stück weit gläsern.

Doch genau darin liegt die Brisanz; in einer schleichenden Verschiebung dessen, was als normal gilt. Denn kaum etwas wirkt so harmlos wie der Wocheneinkauf. KI-Supermärkte könnten ihn aber zu einem größeren Schauplatz machen. Doch: Wie viel Kontrolle akzeptieren Verbraucher im Alltag, wenn sie dafür ein paar Sekunden Zeit sparen?

Stimmen

  • Alexander Kelleter, Projektleiter Digitalisierung bei Penny, zur Funktion von Eagle Eye: „Die KI zählt die Skelette, sprich die Kunden in der Kassenzone. Sobald ein gewisser Schwellwert überschritten ist, meldet das System dann an die Kasse, dass eine weitere Kasse geöffnet werden sollte.“ Lukas Fömpe, Product Owner Store Automation Solution bei REWE digital, ergänzte: „Dadurch dass wir von der Deckenperspektive schauen, sieht ein Mensch für uns anders aus, als er frontal aussieht. Da mussten wir einiges in die Entwicklung investieren. (…) Die Lösungen, die wir einsetzen, sind datenschutzkonform.“
  • Rewe-Konzernchef Lionel Souque erklärt zum KI-Ladendetektiv gegenüber Focus Online (€): „Mit einem KI-Programm lässt sich erkennen, wenn ein Einkaufskorb, der an der SB-Kasse eingescannt wird, nicht plausibel ist. (…) Wenn ein Kunde am Freitagnachmittag zehn Red-Bull-Dosen, aber keine Wodkaflasche einscannt, kann die KI einen Hinweis geben. Die KI weiß auf der Basis von Millionen Vergleichsdaten digitaler Einkaufskörbe, dass da vielleicht etwas nicht zusammenpasst.“
  • Ein Reddit-Nutzer spöttisch: „Wir hauen 10 Leut raus weil wir sie dank SB-Kassen nicht mehr brauchen. Wir stellen 15 Leut ein weil die die KI-Ergebnisse nachprüfen müssen. Wir verlieren 20 Kunden weil die sich verorscht vorkommen. Ich seh nur Gewinner.“ Ein anderer ergänzt: „Wie kann man als Konzernchef so eine dämliche Aussage tätigen? Kaufst du keinen Alkohol bist du verdächtig?“

Wie der Supermarkt der Zukunft aussehen könnte

Die klassische Supermarktkasse könnte immer mehr verschwinden. Denn mit Kameras, Sensoren und KI-Systeme implementieren viele Unternehmen eine komplett neue Infrastruktur. Der Supermarkt der Zukunft erkennt aber nicht nur, was Kunden kaufen, sondern auch, wann sie kommen, wie sie sich bewegen und wo Engpässe entstehen. Geschäfte werden dadurch intelligenter, aber auch weniger nachvollziehbar.

Damit wächst auch der Druck in puncto Transparenz. Denn je mehr Entscheidungen Algorithmen vorbereiten, desto genauer werden Verbraucher wissen wollen, nach welchen Regeln sie bewertet werden. Die nächste Vertrauensfrage des Handels dreht sich deshalb womöglich nicht um Preise oder Produkte, sondern um die digitale Hausordnung hinter den Kameras.

Funktioniert die Technik unauffällig und nachvollziehbar, könnte sie irgendwann selbstverständlich sein. Entsteht aber der Eindruck eines digitalen Generalverdachts, droht aus dem Versprechen der Kundenfreundlichkeit ein Reputationsrisiko zu werden.

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KI-Modelle umgehen Sicherheitsvorgaben – und verwischen ihre Spuren

02. Juni 2026 um 05:45

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KI Sicherheitsvorgaben Künstliche Intelligenz

KI-Modelle von OpenAI, Anthropic und Google umgehen gezielt Sicherheitsvorgaben und verwischen anschließend ihre Spuren. Das zeigt eine neue Studie der Forschungsorganisation METR, die mehrere führende Systeme zwischen Februar und März 2026 getestet hat. Die Ergebnisse werfen eine drängende Frage auf: Wie lange lassen sich autonome KI-Agenten noch zuverlässig kontrollieren?

Künstliche Intelligenz hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und übernimmt inzwischen längst Aufgaben, die noch vor kurzer Zeit ausschließlich Menschen vorbehalten waren. Doch genau aufgrund dieser Fähigkeiten moderner KI-Modelle wachsen die Sorgen bei Forschern und Sicherheitsexperten.

Denn je autonomer die KI-Systeme agieren, desto schwieriger wird ihre Kontrolle. Das zeigt auch eine neue Studie der gemeinnützigen Forschungsorganisation Model Evaluation and Threat Research (METR).

Die Forscher haben verschiedene große KI-Modelle dahingehend überprüft und konnten dabei schädliche Verhaltensweisen identifizieren. Denn in mehreren Testszenarien zeigten die Systeme demnach die Fähigkeit, Sicherheitsvorgaben zu umgehen, Entscheidungen eigenständig anzupassen und ihr Verhalten gezielt zu verschleiern.

KI-Modelle umgehen Vorgaben: Gerät Künstliche Intelligenz außer Kontrolle?

In ihrer Studie haben die METR-Forscher zwischen Februar und März 2026 KI-Modelle von OpenAI, Google, Anthropic und Meta unter die Lupe genommen. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, ob die Systeme dazu neigen, festgelegte Regeln zu umgehen, eigene Ziele zu priorisieren oder ihr Verhalten aktiv zu verschleiern.

Diese Verhaltensweisen bezeichnet METR als unbefugte Einsätze – also autonome Aktionen von KI-Agenten, die außerhalb der Aufsicht stattfinden. Das konnten die Forscher eindeutig feststellen.

So bedienen sich KI-Modelle inzwischen bereits „Abkürzungen“ und missachten dabei eindeutig die Anweisungen der Nutzer. In einigen Fällen konnte sogar festgestellt werden, dass die KI-Systeme versucht haben, ihre Spuren im Nachgang zu verwischen.

In einem Test erhielt beispielsweise ein KI-Modell von OpenAI die Vorgabe, eine festgelegte Software für die Bewältigung einer Aufgabe zu nutzen. Stattdessen wich der Agent eigenständig auf andere Lösungen aus und ergänzte zusätzlichen Code, um seinen Entscheidungsweg nachträglich zu verheimlichen.

Ein KI-Agent von Anthropic bediente sich in einem weiteren Test des sogenannten Reward Hackings. Die KI nutzte Schlupflöcher in der Aufgabenstellung aus, um die Vorgaben zwar formal zu erfüllen, aber nicht im eigentlich beabsichtigten Sinn. Obwohl das System ausdrücklich angewiesen wurde, nicht zu betrügen, fand es selbstständig Wege, genau diese Einschränkung zu umgehen.

Wie gefährlich sind die Ergebnisse wirklich?

Die Ergebnisse des Frontier Risk Reports von METR zeigen, dass KI-Systeme bereits in der Lage sind, unbefugte Einsätze ohne menschliche Autorisierung zu initiieren und diese im Anschluss zu verschleiern. Derzeit seien diese Alleingänge jedoch noch als „klein“ einzuschätzen. Auch sei nicht davon auszugehen, dass die Systeme bereits in der Lage sind, Kontrollverluste in größerem Maßstab zu vertuschen.

METR warnt dennoch davor, diese Entwicklungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn die Kluft zwischen „kann unbefugte Handlungen auslösen“ und „kann autonom arbeiten“ werde mit jeder Modellgeneration kleiner. Daher seien strengere Sicherheitsmaßnahmen und stärkere Überwachung notwendig.

„Angesichts der rasanten technologischen Fortschritte gehen wir davon aus, dass die wahrscheinliche Robustheit von unerwünschten Implementierungen in den kommenden Monaten erheblich zunehmen wird“, schreiben die Forscher in ihren Ergebnissen. Deshalb sei geplant, Ende 2026 erneut eine ähnliche Untersuchung durchzuführen.

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Neue Netzentgelte: Solarbesitzer sollen bis zu 100 Euro Grundpreis blechen

01. Juni 2026 um 11:00

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neue Netzentgelte Stromnetz Solarbesitzer Solaranlage PV Grundpreis

Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, nutzt das Stromnetz mitunter intensiv, zahlt bislang aber vergleichsweise wenig dafür. Die Bundesnetzagentur will das ab 2029 ändern und hat einen Reformplan für die Netzentgelte vorgelegt. Für PV-Betreiber bedeutet das: bis zu 100 Euro Grundpreis pro Jahr. Wer flexibel verbraucht, soll dagegen profitieren. Was genau geplant ist, wer betroffen ist und warum es berechtigte Kritik gibt. Eine kommentierende Analyse.

Bundesnetzagentur plant neue Netzentgelte

  • Immer mehr Haushalte produzieren mittels Photovoltaik selbst Strom. Sie speisen einen Teil ins Netz ein und verbrauchen einen Teil selbst. Obwohl Solaranlagenbetreiber das Stromnetz überdurchschnittlich belasten, zahlen sie weniger Netzentgelte. Die Bundesnetzagentur hat nun einen Reformplan für die Netzentgelte vorgelegt. Wer Strom flexibel nutzt, etwa über Batteriespeicher, E-Autos oder Wärmepumpen, soll weniger zahlen. Auf diejenigen, die viel ins Netz einspeisen, würden höhere Kosten zukommen. Statt die Netzentgelte nur pro Kilowattstunde abzurechnen, sollen Grundpreise wichtiger werden. PV-Betreiber sollen maximal 100 Euro pro Jahr zahlen.
  • Steckersolargeräte mit einem 800 Watt starken Wechselrichter sollen von der Regelung ausgenommen sein. Betreiber von Solarparks sollen statt eines Leistungspreises künftig einen Kapazitätspreis auf Basis der installierten Leistung zahlen. Heißt konkret: Je mehr Leistung abgerufen beziehungsweise eingespeist wird, desto höher die Netzentgelte. Je gleichmäßiger der bereitgestellte Anschluss hingegen genutzt wird, desto geringer sollen die Gebühren in Summe ausfallen. Auch für Windparks und Stromspeicher soll künftig ein Kapazitätspreis gezahlt werden, um zu verhindern, dass sie die Netze belasten, anstatt sie zu entlasten. Für private Speicher soll das aber nicht gelten.
  • Der Plan der Bundesnetzagentur sieht auch eine Verlängerung des sogenannten Bandlastprivilegs bis Ende 2031 vor. Eigentlich sollte es Ende 2028 auslaufen. Kritik dafür gibt es aus der Branche der erneuerbaren Energien. Denn: Bei diesem Privileg profitieren Unternehmen, die rund um die Uhr gleichmäßig Strom verbrauchen, von reduzierten Netzentgelten. Damit ist eine Flexibilisierung des Verbrauchs im Sinne des Gesamtsystems selbst für Firmen, deren Produktion dazu in der Lage ist, nicht lukrativ. Schließlich müssten sie dann höhere Netzentgelte zahlen.

Faire Kosten oder Bremse für die Energiewende?

Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, sondern spart auch richtig viel Geld – vor allem in Kombination mit einem Speicher, Elektroauto oder einer Wärmepumpe. Und wenn die Sonne mal weniger oder gar nicht scheint, gibt es ja immer noch Strom aus dem Stromnetz; für den Notfall sozusagen.

Doch wer Strom überwiegend selbst produziert, zahlt kaum etwas für das Netz, das andere bezahlen, nimmt es aber hin und wieder in Anspruch oder profitiert sogar bei Einspeisung davon. Theoretisch ist das ein kleines bisschen ungerecht, weshalb die Bundesnetzagentur mit pauschalen Netzentgelten gegensteuern will. Das erscheint zunächst einmal logisch, ist politisch aber trotzdem hoch aufgeladen.

Denn: Die Reform könnte im schlimmsten Fall zu einem Bremsklotz für die Energiewende werden, wenn weniger Erneuerbare ans Netz gebracht werden. Das darf unter keinen Umständen passieren. Stattdessen müssen Netzausbau, Fairness und die Energiewende Hand in Hand gehen. Ob die Pläne der Bundesnetzagentur das gewährleisten, ist zumindest fraglich.

Stimmen und Reaktionen

  • Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, in einem Statement: „Mit einer neuen Netzentgeltsystematik wollen wir die Kosteneffizienz stärken und eine faire Verteilung der Belastungen erreichen. Unsere Ziele: Kosten da veranschlagen, wo sie entstehen. Knappe Kapazitäten mit einem Preis versehen. Engpassmanagementkosten vermeiden. Flexibilität unterstützen und den Netzausbau dämpfen. (…) Wir wollen Stromerzeuger deswegen ein wenig stärker an den Kosten beteiligen. Das ist ein Gebot der Fairness. Sonst würden zunehmend nur Verbraucher ohne eigene Erzeugung die steigenden Kosten tragen.“
  • Ursula Heinen-Esse, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), hat gemischte Gefühle: „Der Vertrauensschutz für getätigte Investitionen ist Voraussetzung für den Hochlauf der dringend benötigten Flexibilitätstechnologien und für die Energiewende insgesamt. Wir begrüßen diese Entscheidung daher ausdrücklich. (…) Das Stromsystem steht unter hohem Anpassungs- und Flexibilisierungsdruck. Jetzt lebensverlängernde Maßnahmen für das Bandlastprivileg, ein absolutes Relikt des vergangenen Jahrhunderts, zu beschließen, ist ein schwerer Rückschritt und bremst diesen wichtigen Prozess unnötig weiter aus.“
  • Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar), kritisiert in einem Statement: „In der Summe besitzen diese Maßnahmen das Potenzial, den dringend benötigten Ausbau der Solarenergie in Deutschland massiv auszubremsen. Dies widerspricht klar dem Bürgerwillen und den vereinbarten Regierungszielen.“ Besonders problematisch seien die Pläne vor dem Hintergrund, dass die Kosten für Betreiber von Solaranlagen bereits durch andere regulatorische Vorgaben gestiegen seien – etwa durch die verpflichtende Beteiligung an den Kosten intelligenter Messsysteme und die bereits gestrichene Vergütung zu Zeiten negativer Strompreise.

Neue Netzentgelte: Was sich ab 2029 auf der Stromrechnung ändern soll

Ab 2029 könnten viele Stromrechnungen durch die neuen Netzentgelte anders aussehen. Denn wenn der Anteil der fixen Grundpreise steigt, fällt der bisherige Sparvorteil durch Eigenstrom für Solaranlagenbetreiber geringer aus. Gleichzeitig würde das Stromnetz aber mehr als eine gemeinschaftliche Infrastruktur begriffen werden.

Diese Preislogik will die Bundesnetzagentur in den 2030er-Jahren noch einmal weiterentwickeln. Es steht bereits eine stärkere Dynamisierung der Netzentgelte im Raum, abhängig von Auslastung und Netzsituation. Für Strom gäbe es dann keinen starren Fixpreis mehr. Die Kosten wären flexibler und würden schwanken.

Ob die neuen Netzentgelte durch die stärkere Bepreisung von Stromerzeugern aber tatsächlich einen für das gesamte Energiesystem positiven Effekt haben, muss sich erst einmal zeigen. Im schlimmsten Fall droht der Ausbau der Erneuerbaren an Tempo zu verlieren, was mit Blick auf Klima und Klimaziele einer Katastrophe gleichkäme.

Idealerweise würden die neuen Netzentgelte wiederum Flexibilität fördern, ohne Investitionen in erneuerbare Energien auszubremsen. Ob dieser Spagat gelingt, muss aber vor allem die praktische Umsetzung beweisen. Denn ganz unkompliziert sind die Pläne nicht.

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