Normale Ansicht

Received yesterday — 28. Juli 2026BASIC thinking

Lidl-Mutter wird Tech-Konzern – und legt sich mit Amazon und Google an

28. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag Lidl-Mutter wird Tech-Konzern – und legt sich mit Amazon und Google an erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Schwarz-Gruppe Lidl Rechenzentrum KI Künstliche Intelligenz Campus Cloud Microsoft Amazon Google

Ein Discounter-Konzern, der die europäische Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Giganten verringern will: Das klingt zunächst erstmal gewagt. Doch genau dieses Ziel verfolgt die Schwarz-Gruppe. Mitte Juli hat der Lidl-Konzern einen Technologie-Campus bei Heilbronn eröffnet, parallel fließen elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum im Spreewald. Ob das reicht, um gegen Amazon, Microsoft und Google zu bestehen, darf bezweifelt werden. Aber wer digitale Souveränität nur fordert, ohne selbst zu investieren, hat keine Chance. Eine kommentierende Analyse.

Die Digitaloffensive der Schwarz-Gruppe

  • Die Schwarz-Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören, will mit einem neuen Technologie-Campus ein Statement für digitale Souveränität in Deutschland und Europa setzen. In der Nähe von Heilbronn sollen fünf gläserne Gebäude zwischen viel Grün Platz für bis zu 5.500 Beschäftigte bieten. Der Campus, der digitale Produkte und Services in den Bereichen Cloud, Cybersicherheit und KI beherbergen soll, wurde Mitte Juli 2026 offiziell eröffnet.
  • Der Konzern investiert seit Jahren in seine Digitalsparte Schwarz Digits. Ziel war es zunächst, die eigenen Einzelhandelsketten Lidl und Kaufland unabhängig aufzustellen, um Prozesse zentral zu strukturieren und die Produktivität zu steigern. Die Schwarz-Gruppe hat etwa eine eigene Cloud-Plattform entwickelt, baut Rechenzentren und setzt auf KI-Partnerschaften – unter anderem in Form von Investitionen in das deutsche Start-up Aleph Alpha.
  • Nachdem die Schwarz-Gruppe ihren eigenen Bedarf offenbar gedeckt hat, bietet der Konzern mittlerweile auch externen Kunden seine digitalen Infrastrukturen an. Darunter: die niederländische Regierung und die Polizei in Baden-Württemberg. Außerdem pumpt die Unternehmensgruppe elf Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums im Spreewald. Die Summe stellt die größte Investition in der Geschichte der Schwarz-Gruppe dar.

Wie realistisch ist der Kampf gegen Amazon, Google und Microsoft?

Mit ihrem neuen Technologie-Campus will die Schwarz-Gruppe nichts Geringeres als Baden-Württemberg zum KI-Standort machen. Das Land fördert das Projekt mit rund 50 Millionen Euro, um die lokale Wirtschaft wieder anzukurbeln. Denn: Die Industrie in Baden-Württemberg schwächelt aufgrund des steigenden Kostendrucks, des Fachkräftemangels und schlechterer Produktionsbedingungen – vor allem in der Automobil- und Zuliefererbranche.

Dass das neue Rechenzentrum der Unternehmensgruppe in Brandenburg entsteht, erscheint auf den ersten Blick vielleicht etwas widersprüchlich. Allerdings braucht es für solche Großprojekte auch gewisse infrastrukturelle Voraussetzungen. Will heißen: Die Knöpfe der Digitaloffensive des Konzerns sitzen in Baden-Württemberg, die Rechner im Spreewald.

Dass die Schwarz-Gruppe vor allem auf Software und KI setzt, ist keinesfalls Zufall. Denn genau hier liegt Europas Achillesferse. Unzählige Unternehmen speichern ihre Daten bei US-Anbietern, nutzen amerikanische Clouds und machen sich damit von Microsoft, Amazon oder Alphabet abhängig.

Der Lidl-Konzern will eine Alternative zu dieser Abhängigkeit schaffen, natürlich auch aus eigenem wirtschaftlichem Interesse. Zumindest ein kurzfristiges Gelingen ist aber äußerst fraglich. Zu groß ist der Vorsprung der US-Giganten. Digitale Souveränität braucht zudem mehr als ein paar schicke Campusgebäude. Sie muss sich jeden Tag gegen eine schier übermächtige Konkurrenz behaupten. Aber klar: Dafür muss man natürlich irgendwo erst einmal anfangen.

Stimmen

  • Christian Müller, CEO von Schwarz Digits, in einem Statement: „Mit unserem souveränen Technologie-Stack bieten wir eine Antwort auf die drängenden Fragen globaler digitaler Abhängigkeiten. Am neuen Campus wird technologische Unabhängigkeit zur gelebten Realität: Hier entwickeln wir die IT-Architekturen von morgen, die Unternehmen und öffentlichen Institutionen die uneingeschränkte Datenhoheit zurückgeben. Dieser Standort steht für kompromisslose technologische Exzellenz nach höchsten europäischen Datenschutzstandards. Es ist der Startschuss für eine neue Ära der Innovationsgeschwindigkeit, mit der wir digitale Souveränität aus dem europäischen Rechtsraum heraus nicht mehr nur verwalten, sondern aktiv mitbestimmen.“
  • Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, zum neuen Projekt: „Die Eröffnung des Schwarz Digits Campus ist ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Kombination aus zukunftsorientierten Investitionen in Schlüsseltechnologien und der gleichzeitigen Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze stärkt die technologische Resilienz unseres Landes. Dies ist auch ganz im Sinne der Hightech-Agenda Deutschland. Herzlichen Glückwunsch zu diesem wirtschaftspolitischen Ausrufezeichen.“
  • Irene Bertschek, vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, gegenüber ZDFheute: „Was Schwarz gerade unternimmt, ist wirklich der Aufbau eines KI-Ökosystems. Das heißt, alle Faktoren, die wichtig sind für die KI, entstehen dort oder werden dort aufgebaut. Also Rechenzentrumskapazität, KI-Modelle, Forschung, Wirtschaft sind dort präsent. (…) Aber Investitionen in diesem großen Ausmaß, die sind schon einzigartig hier in diesem Raum Heilbronn.“

Lild-Konzern will deutschen Mittelstand digital unabhängig machen

Der neue Technologie-Campus der Schwarz-Gruppe ist ein weiteres Puzzlestück einer weitaus größeren Strategie. Denn nachdem der Konzern sich zunächst selbst unabhängig gemacht hat, soll nun der deutsche Mittelstand folgen. Die Vision ist dabei so ambitioniert wie klar.

Die Unternehmensgruppe will zu einem Vorreiter in Europa werden und eine Antwort auf die Marktmacht von Microsoft, Amazon und Google liefern. Für einen Konzern, der mit Lidl und Kaufland überwiegend für zwei Handelsketten steht, erscheint das zunächst etwas ungewöhnlich.

Doch für Konzernchef Dieter Schwarz sind die Entwicklungen Teil eines langfristigen Plans, der seit einigen Jahren zunehmend verfolgt wird. Kurzfristig wird sich der Vorsprung der US-Konzerne trotzdem nicht aufholen lassen. Dafür ist er schlichtweg zu groß.

Trotzdem wäre es falsch, solche Projekte vorschnell als aussichtslosen Wettlauf abzutun. Wer digitale Souveränität ernst meint, muss irgendwann anfangen, eigene Infrastruktur aufzubauen, anstatt dauerhaft Miete bei US-Konzernen zu zahlen. Das Projekt sollte aber nicht daran gemessen werden, die US-Konkurrenz vom Thron zu stoßen. Vielmehr geht es darum, Alternativen aufzuzeigen und das Heft endlich in die eigene Hand zu nehmen.

Auch interessant: 

Der Beitrag Lidl-Mutter wird Tech-Konzern – und legt sich mit Amazon und Google an erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Medizin-KI gefährdet Patientendaten – Forscher fordern neue Standards

28. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Medizin-KI gefährdet Patientendaten – Forscher fordern neue Standards erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Medizin-KI

Künstliche Intelligenz verändert die Diagnose von Krankheiten. Doch neue Analysen offenbaren Sicherheitslücken bei der Verarbeitung sensibler Daten mittels KI in der Medizin. Es lässt sich etwa mit großer Genauigkeit nachweisen, ob die Daten einer bestimmten Person zum Training eines Modells verwendet wurden. Das birgt konkrete Gefahren für den Alltag und die digitale Sicherheit von Patienten.

Ein internationales Forscherteam der Technischen Universität München, des Hasso-Plattner-Instituts und des Imperial College London hat die Sicherheit von künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen untersucht. Die im Fachmagazin Nature veröffentlichten Ergebnisse zeigen ein erhebliches Risiko für Patienten, deren Daten für das Training verwendet wurden. In der Untersuchung testeten die Forscher Angriffe auf Modelle, die auf sieben etablierten Datensätzen mit Bildgebungsdaten, Kardiogrammen und elektronischen Patientenakten basierten.

Die Ergebnisse offenbaren Lücken bisheriger Sicherheitstests. Während Angriffe auf ganze Datensätze meist scheiterten, ließen sich einzelne Personen mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent wiedererkennen. Denn wenn Angreifer Zugriff auf das System der Klinik und ein einziges Datenblatt des Patienten haben, entsteht eine digitale Spur. Gelingt der Nachweis, dass der Datenpunkt in ein spezifisches KI-Modell für Spezialtherapien eingeflossen ist, verrät dies indirekt die Erkrankung des Betroffenen.

Die Schwachstellen von KI in der Medizin

Daniel Rückert, Professor für KI in der Medizin an der Technischen Universität München, sagt dazu:

Das ist kein verschmerzbares Risiko. Gesundheitsdaten sind hochsensibel. (…) Das ist besonders schwerwiegend, weil Diskriminierung durch KI auch in der Medizin eine Rolle spielt und beispielsweise manche Modelle weniger genaue Vorhersagen treffen, wenn die Patientin oder der Patient einer Minderheit angehört.

Je größer und komplexer das Modell aufgebaut ist, desto leichter gelingen Angriffe zur Re-Identifizierung. Das Gedächtnis der Software verhält sich dabei ähnlich wie ein genaues Fotogedächtnis. Detailreiche Merkmale prägen sich so tief ein, dass Einzelspuren sichtbar bleiben.

Für Betroffene kann das schwere Konsequenzen im Alltag haben. Gelangen Informationen über eine Teilnahme an Studien über Drittanbieter an Versicherungen, könnten finanzielle Nachteile drohen. Risikoprofile könnten angepasst werden, was zu höheren Beiträgen bei Zusatzversicherungen führt.

Besonders gefährdet sind Personen, die im Datenset unterrepräsentiert sind, wie Minderheiten oder Menschen mit besonderen Organmerkmalen. Wer eigene Daten freiwillig der Forschung spendet, muss somit unter Umständen noch Jahre später Nachteile befürchten.

Lösungsansätze für mehr Datenschutz

Um Patienten wirksam zu schützen, schlägt die Forschung neue technische Schutzmechanismen vor. Ein vielversprechendes Verfahren sei die sogenannte Differential Privacy, bei der der Datenschutz die Basis bildet. Bei diesem Ansatz überlagert ein System das Datenmaterial mit einem gezielten, minimalen Rauschen.

Das lässt sich mit einem leicht milchigen Glas vergleichen. Das Gesamtbild und die medizinischen Details bleiben für den Computer klar erkennbar, aber das Gesicht des Einzelnen verschwimmt unkenntlich. Neben technischen Anpassungen fordern Fachleute neue Standards bei Prüfverfahren.

Sicherheitstests müssen künftig das individuelle Risiko des einzelnen Menschen messen, statt sich auf einen Gesamtdurchschnitt zu verlassen. Zudem ist eine strenge Kontrolle des Zugangs zu den KI-Modellen selbst unverzichtbar. Dadurch ließe sich der wissenschaftliche Fortschritt sichern, ohne die Vertraulichkeit von Patientendaten zu gefährden.

Auch interessant:

Der Beitrag Medizin-KI gefährdet Patientendaten – Forscher fordern neue Standards erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Received before yesterdayBASIC thinking

Milliarden-Chance für Kommunen durch Erneuerbare – doch Bund versteckt Studie

27. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag Milliarden-Chance für Kommunen durch Erneuerbare – doch Bund versteckt Studie erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Erneuerbare versteckte Studie Kommunen Jobs Steuern Umwelt

Eine vom Bund beauftragte Studie zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien Kommunen, Städten und Landkreisen bis 2033 Milliarden einbringen und über 50.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Doch das Wirtschaftsministerium hat die Ergebnisse ohne Pressekonferenz oder Kommentar nur klammheimlich online gestellt. Das ist kein Versehen, sondern politisches Kalkül. Denn die Zahlen passen nicht zum Kurs einer Ministerin, die den Ausbau von Wind und Solar bremsen will. Eine kommentierende Analyse.

Versteckte Studie offenbart Milliarden-Potenzial für Städte und Kommunen

  • Über 50.000 neue Arbeitsplätze, Steuereinnahmen in Milliardenhöhe für Kommunen und finanzielle Beteiligungen von Bürgern vor Ort: All das würde der lokale Ausbau von erneuerbaren Energien in Städten und Landkreisen laut einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) bis 2033 mit sich bringen. Die Untersuchung mit dem Titel „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ wurde 2024 vom damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Auftrag gegeben. Fertiggestellt wurde sie unter seiner Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU).
  • Die Studie ist seit April 2026 auf der Website des Wirtschaftsministeriums einsehbar. Eine Pressemitteilung oder eine Konferenz des Ministeriums gab es dazu aber nicht. Wie das Wirtschaftsministerium auf Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) mitteilte, sei die Studie im Haus ausgewertet worden. Die Autoren hätten ihre Arbeit zudem bereits selbst präsentiert. Fakt ist: Es gab vor der Veröffentlichung zwar zwei Tagungen, aber nur vor einem Fachpublikum. Im Nachgang haben deshalb die beteiligten Institute Pressemitteilungen mit Details veröffentlicht. Auch die Webinar-Plattform Europe Calling hat eine Veranstaltung abgehalten.
  • Laut RND hat die Rechercheplattform Correctiv.LOKAL nun erstmals den vollständigen Datensatz (möglicherweise Paywall) öffentlich gemacht, der der Studie zugrunde liegt. Die Rechnungen offenbaren, wie sehr Landkreise und Städte vom Ausbau der Erneuerbaren profitieren könnten. Grundlage sind die von der ehemaligen Ampel-Regierung beschlossenen Ausbauziele. Das RND hat aus den Daten eine interaktive Karte erstellt, die zeigt, wie viel Geld alle Städte und Landkreise in Deutschland bis 2033 durch Windräder und Solaranlagen einnehmen könnten. Sollten die Ausbauziele erreicht werden, könnten sowohl Deutschland als auch einzelne Regionen die Wertschöpfung bis 2033 nahezu verdoppeln.

Passt nicht zum Kurs der Bundesregierung

Die versteckte Studie des Wirtschaftsministeriums liefert nicht nur eine Prognose zum Ausbau von Windrädern und Solaranlagen. Sie wirft eine unbequeme politische Frage auf – zumindest für die aktuelle Regierung. Denn: Warum verschwindet eine Untersuchung nahezu geräuschlos, obwohl sie ein Milliardenpotenzial für Bund, Kommunen und Bürger aufzeigt?

Offenbar, weil sie den Plänen von Wirtschaftsministerin Reiche Wind und Sonne aus den Segeln nimmt. Dass es weder eine Pressekonferenz noch große Kommunikation gab, dürfte deshalb kaum Zufall sein. Schließlich liefert die Analyse Argumente, die nicht zum politischen Kurs der Bundesregierung passen, der wie so oft auf eine Legislaturperiode und Kurzfristigkeit ausgelegt ist.

Dabei beweisen mehrere Orte schon heute, dass die Rechnung aufgehen kann. Dardesheim (Stadt Osterwieck), Feldheim (Stadt Treuenbrietzen), Lichtenau (Westfalen), Wilstedt und Wunsiedel zeigen etwa, dass die Energiewende nicht nur Strom produziert, sondern auch Wohlstand und Unabhängigkeit bringt.

Denn: Günstigere Energiepreise, zusätzliche Steuereinnahmen, finanzielle Beteiligungen für Bürger und mehr Unabhängigkeit sind dort längst Realität. Windräder werden dort von einem vermeintlichen Landschaftsproblem zu einem echten Wirtschaftsfaktor.

Zugegeben: Dieser Wohlstand lässt sich nicht gleichmäßig verteilen. Windreiche Regionen im Norden profitieren beispielsweise stärker von der Windkraft, während der Süden vor allem mit Photovoltaik auf Hausdächern aufholt. Doch genau das ist auch die Botschaft der Studie. Denn viele ländliche und strukturschwache Regionen könnten zu den großen Gewinnern der Energiewende gehören. Vorausgesetzt: Sie wollen wirklich und lassen sich nicht von der Fossillobby einlullen.

Stimmen

  • Frederick Sixtus, Co-Autor der Studie und Projektkoordinator am Berlin-Institut, in einem Statement: „Überall in Deutschland gibt es bereits Pionierregionen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur unterstützen, sondern als strategischen Hebel für ihre eigene Entwicklung nutzen. Diese Vorbilder zeigen, was möglich ist. Wenn die Regionen voneinander lernen, wird die Energiewende für alle zum wirtschaftlichen Gewinn.“ Steven Salecki, ebenfalls Co-Autor der Studie und Volkswirt am IÖW, ergänzt: „Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt und mehr Anwohnerinnen von der Energiewende profitieren. Das kann außerdem die Akzeptanz erhöhen.“
  • Kritiker werfen Katherina Reiche (CDU) vor, mit ihren Plänen den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen. Die Wirtschaftsministerin will das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformieren und in einigen Regionen einen Baustopp für Windräder und Solaranlagen verhängen. Reiche im April 2026 dazu: „Die Erneuerbaren werden das Rückgrat unserer Stromversorgung sein. Sie sind es schon heute zum großen Teil. Aber eine Energiewende, die Systemkosten ignoriert, hat keine Zukunft. Klimaschutz ohne Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit ist politisch und wirtschaftlich nicht tragfähig. (…) Wir brauchen keine Überkapazitäten, die subventioniert ins Ausland exportiert werden, während im Inland die Preise steigen.“
  • Sven Giegold, stellvertretender Vorsitzender der Grünen im Bundestag, hat die Studie 2024 als Staatssekretär unter Robert Habeck auf den Weg gebracht. Auf LinkedIn wetterte er zur Veröffentlichung 2026: „Monatelang war diese spannende Studie in den Schubladen von Katherina Reiche verstaubt. (…) Diese Fakten, die Reiche nicht passen, verdienen Verbreitung! Diese Studie hatte ich als Staatssekretär auf den Weg gebracht. Die Wirtschaftsforschungsinstitute IÖW, IW und Berlin-Institut haben einen Top-Job gemacht. Ihre Arbeit hat es nicht verdient, monatelang zu verschwinden. Es geht hier auch um Steuergelder! Katherina Reiches Bundeswirtschaftsministerium hat die Studie ohne jeden Kommentar und ohne jede Wertschätzung für die Arbeit der Wissenschaftler*innen online gestellt. Das ist schlechter Stil. Kommt da noch was?“

Netzausbau statt Ausbaustopp: Was jetzt passieren muss

Rund um den Ausbau erneuerbarer Energien wird seit Monaten ein Gegensatz aufgebauscht, der keiner sein müsste. Ja: Die Stromnetze und Erneuerbaren müssen Hand in Hand gehen. Das heißt aber nicht, dass man den Ausbau von Windrädern und Solaranlagen an den schleppenden Netzausbau anpassen muss.

Allein schon angesichts des wirtschaftlichen Potenzials, das die Studie aufzeigt, sollte es doch vielmehr andersherum sein – zumal die deutschen Netzbetreiber aktuell Rekord-Renditen scheffeln und sich auch auf Kosten von Verbrauchern und Steuergeldern die Taschen füllen.

Wer mehr Ausgewogenheit fordert, sollte deshalb nicht den Ausbau der Erneuerbaren bremsen, sondern endlich mal die Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen. Denn diese spielen beim Umbau des Energiesystems eine Schlüsselrolle, produzieren aber horrende Gewinne statt Wertschöpfung zu schaffen.

Dabei krankt die Debatte ohnehin schon allzu oft an Kurzsichtigkeit. Doch: Energiepolitik ist kein Quartalsbericht, sondern eine Investition in die nächsten Jahrzehnte. Sinkende Erzeugungskosten, mehr Versorgungssicherheit und weniger Abhängigkeit von Energieimporten sprechen langfristig klar für den Ausbau der Erneuerbaren.

Hinzu kommen Milliarden an zusätzlicher Wertschöpfung für Städte, Gemeinden, Bürger und auch den Staat. Die Aufgabe besteht deshalb nicht darin, den Ausbau auszubremsen, sondern Speicher, Netze und Infrastruktur endlich so schnell auszubauen, dass möglichst keine Kilowattstunde mehr ungenutzt verloren geht und potenzielle Milliardeneinnahmen verpuffen.

Selbst wenn die kolportierte Wertschöpfung der Studie nur bei der Hälfte läge, würde es sich bereits lohnen, beim Netzausbau aufs Tempo zu drücken. Und: zu investieren! Dabei haben wir jetzt noch nicht einmal über den Klimawandel gesprochen, sondern allein über wirtschaftliche Vernunft.

Auch interessant: 

Der Beitrag Milliarden-Chance für Kommunen durch Erneuerbare – doch Bund versteckt Studie erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

China verbietet emotionale Beziehungen zu KI-Chatbots – für mehr Babys

27. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag China verbietet emotionale Beziehungen zu KI-Chatbots – für mehr Babys erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

KI Liebe Chatbot, Künstliche Intelligenz, China, Politik, Internet

Chinas Bevölkerung schrumpft. Deshalb geht Peking jetzt gezielt gegen ein neues Phänomen vor: Liebe zu KI-Chatbots. Statt Maschinen zu daten, sollen die Menschen Babys kriegen. Die Hintergründe. 

Lange war China für seine Ein-Kind-Politik im Gespräch. Mittlerweile ist der einst sehr rasante Bevölkerungswachstum stark zurückgegangen. Stattdessen kämpft die Volksrepublik wie viele andere Staaten auch mit Geburtenrückgang und Überalterung.

Um dem entgegenzuwirken, hat China seine Familienpolitik seit 2015 stetig gelockert, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Auch erhöhte Geldprämien und verlängerter Mutterschaftsurlaub blieben ohne den gewünschten Effekt. Zuletzt sorgte eine neue 13-prozentige Steuer auf Verhütungsmittel für Kontroversen. Nun setzt die chinesische Regierung auf einen neuen Kurs.

Für mehr Babys: China reguliert KI-Liebe zu Chatbots

Seit Kurzem gelten in China eine Reihe von Vorschriften, die darauf abzielen, die emotionale Abhängigkeit von KI-gestützten Begleitdiensten, auch AI-Companions genannt, einzudämmen. Das berichten unter anderem das Wall Street Journal (WSJ) und China Daily. Die Regierung geht damit einen neuen Schritt bei den Bemühungen zur Regulierung dieses schnell wachsenden Sektors.

Die AI-Companions werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt, vom Kundenservice über die Unterstützung bei psychischen Problemen bis hin zur Kinder- und Altenpflege.

Laut China Daily verpflichten die neuen Vorschriften Plattformen dazu, emotionale Notlagen zu erkennen, in Krisensituationen einzugreifen, übermäßige Nutzung einzuschränken, den Usern die volle Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten zu gewähren und den Missbrauch von Nutzerinformationen zu verhindern.

Die Vorschriften definieren KI-Begleitdienste als solche, die anhaltende emotionale Interaktion über Text, Bilder, Audio oder Video bieten. Aufgabenorientierte KI-Anwendungen wie Kundenservice, Arbeitsunterstützung, Bildung und wissenschaftliche Forschung sind von den Regelungen vorerst ausgenommen.

Warum Peking KI-Liebe zu Chatbots als Gefahr sieht

Durch die Simulation menschlicher Persönlichkeiten und Gespräche gewannen AI-Companions schnell an Beliebtheit. Allerdings zeichneten sich auch immer mehr emotionale Abhängigkeit und andere Risiken ab, die eine strengere Regulierung unumgänglich machten.

„Ihnen gefällt die Vorstellung nicht, dass ein großer Teil der Bevölkerung tiefgehende emotionale Beziehungen zu Chatbots führt, die sie aus dem Heiratsmarkt nehmen könnten“, erklärt Matt Sheehan, der beim Thinktank Carnegie Endowment for International Peace zu chinesischer KI forscht, gegenüber dem WSJ.

Diese Beziehungen könnten negative psychologische Auswirkungen auf die Menschen haben, sie zu Sucht, Abhängigkeit und einer ganzen Reihe anderer gesellschaftlicher Übel führen, so der Wissenschaftler weiter. Laut Bericht wolle die chinesische Regierung, dass Menschen aufhören, Maschinen zu daten, und wieder Kinder bekommen.

Auch andere Länder regulieren KI-Beziehungen

Je ausgereifter KI-Begleiter werden, desto mehr versuchen Regierungen sicherzustellen, dass sie echte menschliche Beziehungen nicht ersetzen, nicht nur in China.

So verabschiedeten die US-Staaten Kalifornien und New York im vergangenen Jahr Gesetze, die Chatbots verpflichten, User regelmäßig daran zu erinnern, dass sie nicht mit einem Menschen sprechen: in Kalifornien alle drei Stunden bei minderjährigen Nutzern, in New York alle drei Stunden für alle.

Chinas Vorgaben gehen allerdings deutlich weiter. Über das Verbot emotionaler Abhängigkeit und von Beziehungen mit Minderjährigen hinaus verpflichten sie Unternehmen dazu, Menschen mit suizidalen Gedanken aktiv an Krisendienste zu verweisen und Minderjährige bei Anzeichen zwanghafter Nutzung an die Fürsorge ihrer Eltern oder einen Arzt zu verweisen.

Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet

Wie berechtigt diese Sorge ist, zeigt eine Umfrage des China Youth and Children Research Center aus dem Jahr 2025: Von mehr als 8.500 befragten Minderjährigen gaben über 60 Prozent an, KI regelmäßig zu nutzen, mehr als 20 Prozent sagten sogar, sie wollten „nur noch mit KI chatten“ und nicht mehr „mit echten Menschen sprechen“.

Wang Zhechen, Wissenschaftler an der Fudan-Universität in Shanghai, erklärt gegenüber China Daily, dass gerade Kinder und ältere Menschen anfällig für emotionale Bindungen an KI seien, weil sie jederzeit verfügbar, endlos geduldig und unweigerlich zustimmend sei.

Experten zufolge könne ein anhaltendes Eintauchen in konfliktfreie KI-Kommunikation außerdem langfristig die Fähigkeit schwächen, echte zwischenmenschliche Beziehungen zu führen.

Tech-Konzerne von neuen Regeln betroffen

Die neuen Regeln zu AI-Companions treffen zwei der größten Tech-Konzerne Chinas: Alibaba und ByteDance, der Mutterkonzern von TikTok. Sie informierten ihre Nutzer bereits im Vorfeld, dass bestimmte Chatbot-Funktionen künftig abgeschaltet würden.

Auch die großen chinesischen KI-Plattformen Doubao, Qwen und Yuanbao haben laut China Daily angekündigt, ihre KI-Agenten-Funktionen auszusetzen.

Fachleuten zufolge fügen sich die Regeln auch in Pekings übergeordnete Kampagne ein, Künstliche Intelligenz so weit unter Kontrolle zu halten, dass sie nicht zur Bedrohung für die herrschende Kommunistische Partei wird.

Auch interessant: 

Der Beitrag China verbietet emotionale Beziehungen zu KI-Chatbots – für mehr Babys erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Alte Öllöcher als Akku: Bohrloch-Batterie soll Energie speichern

26. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Alte Öllöcher als Akku: Bohrloch-Batterie soll Energie speichern erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Bohrloch-Batterie

Stromspitzen bei den erneuerbaren Energien stellen die Stromnetze vor Herausforderungen. Ein neuer Ansatz nutzt nun stillgelegte Öl- und Gasbohrlöcher als thermische Großspeicher für überschüssigen Strom aus Photovoltaikanlagen. Das Verfahren soll ungenutzte Infrastrukturen in regulierbare grüne Leistung für Zeiten hoher Nachfrage umwandeln. 

Eine Analyse von Phil Cruver, Chef des US-Unternehmens Geo2Watts, beleuchte das Potenzial sogenannter Bohrloch-Batterien vor dem Hintergrund des Lazard LCOE+ Reports 2026. Inzwischen speisen große Photovoltaikanlagen preiswerten Strom im Preisbereich zwischen 40 und 61 US-Dollar pro Megawattstunde ins Netz ein. Allerdings geht an sonnenreichen Tagen mit geringer Netzkapazität oft wertvolle Energie verloren, weil Anlagen abgeregelt werden müssen.

Hier setzt das Prinzip der Bohrloch-Batterie an. Das System funktioniert im Grunde wie eine gigantische unterirdische Thermoskanne für elektrische Energie. Wenn ein Überangebot an Solarstrom herrscht, treibt der überschüssige Strom eine Hochtemperatur-Wärmepumpe an. Dabei leitet ein Kompressor die Energie in Wärme um. Ein geschlossenes Wassersystem leitet die erzeugte Hitze dann in tiefe, nicht mehr genutzte Bohrlöcher der Erdöl- und Erdgasindustrie ab. Die Speichertemperatur in den umgenutzten Bohrlöchern ist dabei auf etwa 200 Grad Celsius begrenzt.

So funktioniert die Rückverstromung in der Bohrloch-Batterie

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Herkunft der Energie. Das System nutzt keine natürliche Erdwärme aus dem tiefen Boden, sondern verwendet nach eigenen Angaben die Bohrlöcher ausschließlich als künstliche thermische Speicherbehälter. Steigt die Stromnachfrage im Netz oder sinkt die Sonneneinstrahlung am Abend, treibt die gespeicherte Wärme einen Generator an.

Dieser erzeugt direkt verfügbaren, sauberen Strom. Der Prozess wandelt somit die Hitze wieder in synchronen Wechselstrom um, der im Anschluss von Betreibern in das Stromnetz eingespeist werden kann. Diese Umwandlung soll die Rolle der Solarenergie grundsätzlich verändern. Aus fluktuierendem Überschussstrom wird eine garantierte und planbare Leistung für das Stromnetz.

Der ökonomische Wert von Solarstrom misst sich dadurch nicht mehr allein an niedrigen Produktionskosten, sondern am Zeitpunkt und der Flexibilität der Bereitstellung. Ein von Geo2Watts entwickeltes Konzept namens GridValue spiegelt diesen wirtschaftlichen Nutzen wider.

Chancen und wirtschaftliche Hürden für den neuen Energiespeicher

Ein entscheidender Vorteil des Konzepts liegt in der Wiederverwendung bestehender Infrastruktur. Die Nachnutzung inaktiver Öl- und Gasbohrungen ermöglicht die Nutzung bestehender elektrischer Infrastruktur. Zudem greifen Entwickler auf weitgehend erprobte Standardkomponenten wie Wechselstrom-Motoren, Kompressoren und Wärmetauscher zurück.

Dennoch stehen der Technologie noch Hürden bevor. Der Lazard-Bericht zeigt bisher keinen definitiven Nachweis, dass eine solche thermische Speicherlösung kostengünstiger arbeitet als konventionelle elektrochemische Batteriespeichersysteme.

Allerdings besteht für alternative Energiespeicher in diesen Jahren einiges an Potenzial, da die Kosten für Batteriespeicher nach vorherigen Rückgängen wieder angestiegen sind. Ob sich die Bohrloch-Batterie auf dem Markt durchsetzt, hängt letztlich stark von den lokalen Gegebenheiten, der Speicherdauer und netzbedingten Regulierungen ab.

Auch interessant:

Der Beitrag Alte Öllöcher als Akku: Bohrloch-Batterie soll Energie speichern erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Claude Cowork kann dich beim arbeiten beobachten – um deinen Job zu erledigen

25. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Claude Cowork kann dich beim arbeiten beobachten – um deinen Job zu erledigen erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Claude Cowork Arbeit Job

Anthropic hat eine neue Funktion für Claude Cowork vorgestellt: Record a Skill, zu Deutsch: einen Skill aufzeichnen. Nutzer können sich dabei selbst beim Arbeiten aufzeichnen. Claude lernt dann daraus eine wiederholbare Fähigkeit, um Aufgaben für dich zu erledigen. Die Reaktionen reichen von Begeisterung bis zu Jobsorgen. 

So schnell wie KI-Anwendungen neue Funktionen bekommen, können Nutzer aktuell kaum klicken. So hat kürzlich Claude-Entwickler Anthropic über seinen offiziellen X-Account eine neue Funktion für seinen KI-Agenten Claude Cowork angekündigt.

Das neue Feature heißt „Record a Skill“, zu Deutsch: einen Skill aufzeichnen. Menschen, die ein Claude-Abo haben, können den eigenen Bildschirm bei der Arbeit an einer Aufgabe aufzeichnen und währenddessen per Spracheingabe erklären, was sie tun. Claude macht daraus einen Skill, den der KI-Agent später wiederholen kann.

Das heißt: Künftig müssen Nutzer einen bestimmten Prozess nur noch einmal erklären. Claude Cowork lernt jeden Klick, jede Eingabe und wertet die Spracheingabe aus, um einen Skill dann beliebig oft zu wiederholen, ohne dass zusätzliche Beschreibungen oder Prompts nötig sind.

Skill mit Claude aufzeichnen: Nur für Macs verfügbar

Wer die Funktion selbst ausprobieren möchte, braucht aktuell einen Mac. Laut dem offiziellen Claude-Hilfebereich ist die Aufnahmefunktion derzeit ausschließlich in Cowork in der Claude-App für Mac verfügbar, nicht im normalen Chat und nicht unter Windows.

Außerdem brauchen Nutzer mindestens ein Pro-Abo. Nutzer des kostenlosen Plans und der Enterprise-Version haben derzeit keinen Zugriff.

Einen Skill mit Claude Cowork aufzeichnen

Vor der Aufnahme:

Bevor du beginnst, solltest du prüfen, ob die Claude-App auf deinem Mac auf dem neuesten Stand ist. Beim ersten Aufzeichnen fragt macOS nach zwei Berechtigungen: Barrierefreiheit für die Erfassung von Maus und Tastatur sowie Bildschirmaufnahme für die visuelle Erfassung. Möglicherweise ist danach ein Neustart von Claude nötig.

Wichtig: Anthropic empfiehlt, alle Dateien, Programme oder Unterhaltungen, die nicht mit aufgezeichnet werden sollen, vorher zu schließen. Während der Aufnahme sollten außerdem keine Passwörter oder andere sensible Informationen eingegeben oder sichtbar sein. Während der gesamten Aufnahmedauer wird alles auf dem Bildschirm sowie alles Gesprochene erfasst.

So läuft die Aufnahme ab:

  1. Öffne Cowork in der Claude-App für Mac.
  2. Starte die Aufzeichnung auf einem von zwei Wegen: entweder gehst du über das Plus-Symbol im Composer und die Auswahl „Skill aufzeichnen„. Alternativ klickst du in der Seitenleiste auf „Anpassen„, dann „Skills„, dann „Hinzufügen“ und „Bildschirm aufzeichnen„.
  3. Auf „Aufzeichnung starten“ klicken. Lass dabei das Mikrofon eingeschaltet, wenn du deine Schritte laut kommentieren möchtest. Das gibt Claude Kontext zu deinem Arbeitsablauf.
  4. Erledige nun die Aufgabe wie gewohnt. Eine Anzeigenleiste zeigt dir währenddessen, dass die Aufnahme läuft und zählt die bereits erfassten Schritte mit.
  5. Klicke auf „Fertig„, wenn du deine Aufgabe abgeschlossen hast. Wähle „Verwerfen„, wenn du mit der Aufnahme unzufrieden bist.

Eine einzelne Aufnahme kann bis zu etwa zehn Minuten dauern. Rund eine Minute vor Ablauf erscheint eine Countdown-Anzeige in der Erfassungsleiste. Läuft die Zeit ab, endet die Aufnahme automatisch und alles bis dahin Aufgezeichnete wird an Claude übermittelt, so als hätte man selbst auf „Fertig“ geklickt.

Nach der Aufzeichnung startet Claude eine Cowork-Aufgabe, überprüft die Aufzeichnung und schlägt einen Skill vor. Handelt es sich um einen komplett neuen Skill, ist er auf der Vorschlagskarte mit „Neu“ gekennzeichnet. Gespeicherte Skills tauchen anschließend unter „Anpassen“ und „Skills“ auf und lassen sich dort wie jeder andere Skill bearbeiten, teilen oder löschen.

Skill aufzeichnen mit Claude Cowork: Datenschutz bei Aufzeichnung

Anthropic gibt an, dass Video und Audio aus einer Aufzeichnung nicht beibehalten werden. Nachdem die Aufnahme an Claude gesendet wurde, überprüft Claude die Aufzeichnung, um den Skill zu erstellen.

„Was danach gespeichert wird, ist eine Reihe von Screenshots aus der Sitzung, die Sie anzeigen können, indem Sie den Schritt „Aufgezeichnete Demonstration“ in der Aufgabe erweitern“, heißt es im Support-Artikel.

Claude Cowork nicht die erste KI mit dieser Funktion

Aktuell steht Record a Skill nur Nutzern der Pro-, Max- und Team-Pläne von Claude zur Verfügung. Wer den kostenlosen Plan oder Enterprise nutzt, hat keinen Zugriff. Verfügbar ist die Funktion bislang ausschließlich in Cowork in der Claude-App für Mac. Ein Rollout für weitere Plattformen ist derzeit nicht offiziell angekündigt.

Anthropic ist nicht das erste KI-Unternehmen, das eine solche Funktion anbietet. Bei OpenAIs Codex gibt es eine vergleichbare Funktion namens „Record and Replay“ bereits seit dem 18. Juni 2026. Bisher haben ebenfalls nur Mac-Nutzer darauf Zugriff. Außerdem ist die Funktion im Europäischen Wirtschaftsraum, der Schweiz und Großbritannien nicht nutzbar.

Zwischen Begeisterung und Sorge um den eigenen Job

Auf die Ankündigung reagierten X-User mit gemischten Gefühlen. Einige äußerten die Sorge, eine Funktion wie diese mache es Unternehmen besonders leicht, Arbeitsplätze einzusparen, weil sich Arbeitsschritte jetzt direkt von der ausführenden Person abfilmen und automatisieren lassen.

Andere Nutzer beklagten sich vor allem darüber, dass ihre Nutzungslimits bereits erreicht waren und sie die neue Funktion deshalb noch gar nicht ausprobieren konnten.

Ob Record a Skill letztendlich tatsächlich Arbeitsplätze kostet oder in erster Linie Zeit spart, lässt sich – wie bei allen bisherigen Neuerungen – erst einmal nicht voraussagen.

Auch interessant: 

Der Beitrag Claude Cowork kann dich beim arbeiten beobachten – um deinen Job zu erledigen erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

OpenAI verliert Kontrolle über seine KI – und macht einen PR-Stunt draus

24. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag OpenAI verliert Kontrolle über seine KI – und macht einen PR-Stunt draus erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

OpenAI Kontrolle KI Hugging Face Hack Sicherheitslücke ChatGPT-5.6

OpenAI hat einen „beispiellosen Cybervorfall“ eingeräumt. KI-Modelle des Unternehmens sollen eigenständig aus einer Testumgebung ausgebrochen sein und sich Zugang zum offenen Internet verschafft haben. Anschließend hackten sie ein anderes Unternehmen. Politik, Wirtschaft und KI-Szene zeigen sich schockiert. Der Fall offenbart große Risiken durch autonome KI-Agenten, dürfte aber auch Teil eines geschickten PR-Manövers sein. Denn: OpenAI strebt an die Börse. Eine kommentierende Analyse.

Wie OpenAIs KI aus ihrer Testumgebung ausbrach

  • Bei einem Experiment von OpenAI ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Ein KI-Modell des Unternehmens drang eigenständig in die Computersysteme der US-Plattform Hugging Face ein und agierte dabei wie ein Hacker. Das räumte OpenAI in einem Blogbeitrag ein. Hugging Face, eine Plattform zum Austausch von Datensätzen und KI-Modellen, hatte bereits einige Tage zuvor einen Angriff auf seine Systeme festgestellt und einen autonomen KI-Agenten dahinter vermutet. OpenAI gab nun zu, dass eines seiner KI-Modelle bei einem Test aus einer eigentlich isolierten Umgebung ausgebüchst sei und sich Zugang zum Internet verschafft habe. Es hackte sich in fremde Rechner und kompromittierte von dort aus die Infrastruktur von Hugging Face.
  • OpenAI schildert den genauen Ablauf. Das Unternehmen wollte testen, wie gut GPT-5.6 Sol und ein noch unveröffentlichtes KI-Modell Sicherheitslücken aufspüren und ausnutzen können. Um die maximalen Fähigkeiten zu identifizieren, wurden die Sicherheitsmechanismen dabei bewusst runtergeschraubt. Die KIs sollten einen branchenüblichen Standardtest namens ExploitGym lösen. Um die Aufgabe zu bewältigen, hat sich die Software aber über eine bislang unbekannte Schwachstelle Zugriff auf einen OpenAI-Rechner mit Internet verschafft. Im Netz suchten die Modelle dann nach Möglichkeiten, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
  • Die KI-Modelle sollen OpenAI zufolge zu dem Schluss gekommen sein, dass es auf Hugging Face nützliche Informationen und Daten für die Lösung der gestellten Aufgaben geben könnte. Die Software hat sich deshalb kurzerhand Zugang verschafft, um beim ExploitGym-Test zu schummeln. Die KIs nutzten dazu eine Sicherheitslücke sowie erbeutete Zugangsdaten. Laut Hugging Face führten die Modelle Tausende Aktionen durch und wechselten während des Angriffs mehrmals ihren Standort. Etwas skurril: Die Plattform hat sich als Reaktion auf die Attacke eine offene KI aus China heruntergeladen, um die rund 17.000 Attacken zu analysieren.

Sicherheitstest oder PR-Stunt?

Der KI-Einbruch bei Hugging Face ist keine kleine Labor-Panne. Der Fall offenbart vielmehr, wie schmal der Grat zwischen einer nützlichen KI, die Sicherheitslücken aufspüren kann, und einem realen Sicherheitsrisiko ist. Etwa, wenn eine KI dafür missbraucht wird, die Lücken auszunutzen, die sie enttarnt hat.

Bedeutet in dem Fall konkret: Ausgerechnet ein System, das Schwachstellen finden sollte, wurde selbst zu einer Art Schwachstelle. Einerseits ist, was vor Kurzem vielleicht noch wie Science-Fiction anmutete, mittlerweile unbequeme Realität. Andererseits steuert OpenAI auf den Börsengang zu.

Will heißen: Das Unternehmen strickt aus einem Sicherheitsvorfall wohl auch eine Geschichte zur Demonstration des eigenen technischen Könnens. Den Angriff als reinen PR-Stunt abzutun, wäre aber auch fahrlässig. Denn OpenAI wegen Transparenz zu rügen, könnte am Ende dafür sorgen, dass der nächste Vorfall vielleicht unter den Teppich gekehrt wird.

Was ist also die Lehre? Vielleicht, dass nicht unbedingt einzelne KI-Modelle das Problem sind, sondern, dass es ein Defizit bei der Steuerung autonomer KI-Agenten gibt. Denn die Fähigkeit, Sicherheitslücken in großen Unternehmen oder Institutionen aufzuspüren, ist grundsätzlich sinnvoll. Sie darf aber nicht im selben Atemzug zur Gefahr werden.

Stimmen

  • OpenAI zitiert Clem Delangue, Mitgründer und CEO von Hugging Face, in einer Pressemitteilung zu dem Vorfall: „Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit mit OpenAI zu diesem und anderen Themen. Dieser Vorfall, möglicherweise der erste seiner Art, bestätigt eine Überzeugung, die wir seit Langem vertreten: KI-Sicherheit wird nicht von einem einzelnen Unternehmen gelöst, das im Verborgenen arbeitet. Sie wird offen und gemeinsam gelöst, mit breitem Zugang zu KI für alle, die verteidigen, überall.“
  • Philipp Slusallek, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Computergrafik-Professor an der Universität des Saarlandes, in einem Interview zu den Folgen des OpenAI-Vorfalls: „Ein paar Daten wurden abgegriffen, ansonsten entstand kein Schaden. (…) Der Fall zeigt, dass KI-Systeme inzwischen so mächtig und schnell geworden sind, dass sie aus ihrem Käfig ausbrechen können. (…) Mir zeigt das vor allem, dass selbst eine Firma, die Sicherheitsgrenzen gezogen hat, nicht in der Lage ist, die KI einzugrenzen. OpenAI hat ja nichts Böses vorgehabt. Aber was, wenn jemand tatsächlich etwas Böses plant? Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo man der KI in bestimmten Situationen nicht mehr einfach den Stecker ziehen kann.“
  • Der OpenAI-Vorfall hat auch die Politik auf den Plan gerufen. Ein Sprecher des Digitalministeriums sagte etwa: „Dieser Vorfall ist ein weiteres Beispiel dafür, dass wir einen Paradigmenwechsel sehen, was die Fähigkeiten von KI-Agenten betrifft. Das verändert auch die Bedrohungslage potenziell massiv.“ FDP-EU-Abgeordnete Svenja Hahn gegenüber dem Spiegel: „Es darf nicht passieren, dass eine KI außerhalb des gesteckten Rahmens eigenständig agiert.“ Grünen-Politikerin Alexandra Geese sagte dem Magazin: „Der eigenständige Einbruch von OpenAI-KI in ein anderes Unternehmen gefährdet unsere gesamte Wirtschaftsordnung und muss nach Artikel 55 der KI-Verordnung in Europa gemeldet werden.“

Warum Europa eigene KI-Modelle braucht

Der OpenAI-Zwischenfall gießt weiteres Öl in die ohnehin schon feurige Debatte über strengere Sicherheitsstandards für autonome KI-Agenten. Doch bislang unterscheiden sich die weltweiten Regeln erheblich. Diese Unterschiede werden nun zunehmend zu einem Problem. Denn: Eine KI kennt keine Landesgrenzen, wenn sie einmal ins öffentliche Netz ausgebrochen ist.

Viele fordern deshalb seit Jahren verbindliche Regeln, die festlegen, was KI darf und was nicht. Auch, damit die Technologie, die in vielen Bereichen nützlich und sinnvoll sein kann, nicht ausschließlich Misstrauen auslöst. In Europa stehen Sicherheitsinstitute und gemeinsame Forschungsplattformen zwar bereits in der Pipeline.

Doch OpenAI hat wieder einmal bewiesen, dass die Politik mit der technologischen Entwicklung schlichtweg nicht Schritt halten kann. Zur Debatte steht deshalb auch eine Art Verteidigungs-KI. Sprich: Eine KI soll andere KIs überwachen. Das mag zunächst vielleicht etwas paradox klingen, scheint in Anbetracht der aktuellen Ereignisse und Entwicklungen aber deutlich weniger absurd.

Indes: Der Fall wirft wieder einmal auch einen Schatten auf Europa. Denn er zeigt, dass das Streben nach eigenen KI-Modellen keine Souveränitätsromantik sein darf, sondern schlichtweg unabdingbar ist. Letztlich geht es nämlich nicht nur darum, wie leistungsfähig KI-Modelle sind, sondern auch darum, wer die Kontrolle darüber hat. Denn diese hat im Fall von OpenAI offenbar gefehlt.

Auch interessant: 

Der Beitrag OpenAI verliert Kontrolle über seine KI – und macht einen PR-Stunt draus erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Deutsche Forscher bauen sprechende Batterie für Elektroautos

23. Juli 2026 um 20:08

Der Beitrag Deutsche Forscher bauen sprechende Batterie für Elektroautos erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Sprechende Batterien

Ein neues Prinzip könnte Batteriemanagementsysteme in Elektroautos oder Heimspeichern künftig kostengünstiger und sicherer machen. Denn deutsche Forscher haben eine sprechende Batterie entwickelt, die ihren Zustand aus ihrem Inneren heraus übermitteln soll. 

Bislang messen Sensoren die Temperatur von Batteriezellen meist nur an der Außenseite, obwohl Hitze oft zuerst im Inneren entsteht. Ein Forscherteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel am Lehrstuhl für Leistungselektronik stellte kürzlich aber eine neue Entwicklung vor. Erstautor Johannes Diers und Doktor Hamzeh Beiranvand nutzten vorhandene Stromanschlüsse, um digitale Signale direkt aus dem Zellinneren nach außen zu senden.

Bislang messen Hersteller die Temperatur von Akkus vorwiegend nur an der äußeren Hülle. Gefährliche Hitze entsteht aber oft zuerst im Inneren einer Batterie und bleibt dort zunächst unbemerkt. Ein winziger elektronischer Schaltkreis wandelt im neuen Verfahren die Messwerte um und nutzt die regulären Ladeleitungen als Kommunikationskanal. Dadurch soll das System keine zusätzlichen Datenkabel benötigen und wertvollen Platz sparen.

Wie sprechende Batterien Kosten und Bauraum sparen

Die doppelte Nutzung vorhandener Komponenten könnte dazu beitragen, dass das Kommunikationssystem kostengünstiger als herkömmliche Sensorlösungen wird. Das Kieler Team spricht nach einer ersten Kostenabschätzung von einer Ersparnis von rund 35 Prozent.

Das Prinzip funktioniert theoretisch nicht nur mit Temperatursensoren, sondern auch mit Druck-, Gas- oder anderen Sensoren. Diese könnten auf die gleiche Weise Informationen übertragen. Hamzeh Beiranvand ordnet die Entwicklung wie folgt ein:

Unsere Arbeit ist ein erster Schritt hin zu intelligenten Batterien, die ihren Zustand kontinuierlich überwachen und melden. Das würde Batteriesysteme sicherer und wirtschaftlicher machen.

Potenzielle Vorteile und langfristiger Nutzen der Technologie

Da die Sensoren Vorgänge im Zellinneren direkt erfassen, könnte das Verfahren dazu beitragen, Batteriesysteme langfristig sicherer zu gestalten. Gleichzeitig könnte der Ansatz dazu beitragen, die Kosten für solche Systeme in Anwendungen wie Elektroautos oder Heimspeichern zu reduzieren.

Der Schaltkreis ließe sich nach Einschätzung des Teams zukünftig noch weiter verkleinern oder sogar direkt in neue Batteriematerialien integrieren. So soll ein Einsatz in Elektroautos, der Wind- und Solarenergie bis hin zu Heimspeichern möglich sein.

Auch interessant:

Der Beitrag Deutsche Forscher bauen sprechende Batterie für Elektroautos erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Krieg der Sterne: Wie Hotels und Restaurants ihre Google-Bewertungen frisieren

23. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag Krieg der Sterne: Wie Hotels und Restaurants ihre Google-Bewertungen frisieren erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Google Bewertungen Rezensionen löschen gelöscht Maps

Wer ein Restaurant oder Hotel auf Google Maps sucht, orientiert sich an den Sternebewertungen. Doch eine dpa-Stichprobe zeigt, dass allein in Hessen 17 Prozent der Gastbetriebe bereits Rezensionen haben löschen lassen – in Frankfurt sogar fast jeder Dritte. Der Grund: Was als Schutz vor Diffamierung gedacht war, ist längst zu einem Reputationswerkzeug verkommen. Seit April 2026 macht Google deshalb zumindest die Anzahl der Löschungen sichtbar. Ein überfälliger Schritt, der aber nur der Anfang sein darf. Eine kommentierende Analyse.

Wie viele Google-Bewertungen werden gelöscht?

  • Viele Menschen verlassen sich bei der Suche nach einem Restaurant oder Hotel auf die Onlinebewertungen bei Google Maps. Denn diese sollen Auskunft darüber geben, wie Gäste einen Betrieb bewerten – in Form von Sternen von eins bis fünf. Seit Jahren können Unternehmen aber Löschungen von Bewertungen beantragen. Google blendet seit April 2026 deshalb einen Hinweis ein, wenn Rezensionen „aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung“ gelöscht wurden. Die Information steht bei Google im Profil des jeweiligen Unternehmens, direkt unter der Rezensionsübersicht.
  • Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat ergeben, dass allein in Hessen bei vielen Hotels und Restaurants zahlreiche Google-Bewertungen nach Beschwerden entfernt wurden. Laut Auswertung von mehr als 850 Interneteinträgen haben rund 17 Prozent der Gastbetriebe bereits Rezensionen löschen lassen. Die Varianz liegt zwischen einer und 200 gelöschten Rezensionen. Vor allem Betriebe in Großstädten würden diesbezüglich auf ihre Reputation achten; auch mit Blick auf die Konkurrenz.
  • Der dpa zufolge haben in Frankfurt am Main circa 30 Prozent der Gastbetriebe anhand von mehr als 200 ausgewerteten Einträgen bereits Bewertungen entfernen lassen. Rund neun Prozent der 87 ausgewerteten Betriebe im Odenwald wiesen demnach gelöschte Einträge auf. In Fulda waren es acht Prozent von 125 Einträgen. Im übrigen Bundesgebiet würde sich dieser Trend bestätigen. Fast jeder dritte Betrieb in Großstädten wie Berlin und Köln entfernt demnach Bewertungen. In Nürnberg und München soll es jeder Vierte gewesen sein. In Leipzig und Hamburg etwa jeder fünfte.

Warum Deutschland Europas Lösch-Hochburg ist

Die neue Transparenzfunktion von Google ist nicht nur ein kleiner Hinweis unter den Sternebewertungen, sondern eine Reaktion auf ein Bewertungssystem, das längst zu einem digitalen Wettrüsten verkommen ist. Denn zwischen politisch motivierten Kampagnen, Bot-generierten Jubelrezensionen und echten Erfahrungsberichten verschwimmt die Grenze zwischen authentischen Bewertungen und gezielter Manipulation immer mehr.

Pikant: Vor allem Deutschland ist dabei zu einer Hochburg der Löschung von Bewertungen geworden. Rund 99,97 Prozent aller Löschanträge wegen Diffamierung in der EU stammten 2025 aus der Bundesrepublik. Das liegt unter anderem daran, dass Gerichte hierzulande die Rechte von Unternehmen gegen Verleumdung mehrfach gestärkt haben. Wer tatsächlich diffamiert wird, soll sich schließlich auch wehren können. Das ist grundsätzlich auch richtig.

Denn: Eine klare Trennung zwischen unzulässiger Verleumdung und der freien Meinungsäußerung ist gut. Doch Deutschland ist auch ein Land der Neinsager und Nörgler. Die EU hat mit dem Digital Services Act zudem den Druck auf Plattformen wie Google erhöht, um ihre Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen. Der Hinweis auf gelöschte Rezensionen ist deshalb alles andere als Zufall, sondern Ausdruck eines grundsätzlichen Wandels.

Plattformen sollen Inhalte aber letztlich nicht nur insgeheim verwalten, sondern ihre Eingriffe auch nachvollziehbar machen. Das macht Bewertungen zwar nicht automatisch glaubwürdiger. Aber immerhin wird erstmals sichtbar, dass hinter so mancher vermeintlich makellosen 4,8-Sterne-Fassade tüchtig aufgeräumt wurde.

Stimmen

  • Gisbert Kern, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Hessen, gegenüber der dpa zum Hinweis auf gelöschte Google-Bewertungen: „Grundsätzlich begrüßen wir mehr Transparenz auf Bewertungsplattformen.“ Da Onlinebewertungen für viele Gäste ein wesentliches Entscheidungskriterium und für Betriebe ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sind, sei es richtig, „wenn Plattformen nachvollziehbar machen, wie sie mit Bewertungen umgehen.“ Kern gibt zu bedenken: „Gelöschte Bewertungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Unternehmen berechtigte Kritik unterdrücken wollte.“ Oft würden sie entfernt werden, „weil sie gegen die Richtlinien der Plattform verstoßen oder weil sie nachweislich von Personen stammen, die gar keine Gäste waren“. Darauf weise Google jetzt hin.
  • Osman Madan, Brauhausbetreiber in der Stuttgarter Innenstadt, hat in zwölf Jahren knapp 10.500 Google-Rezensionen erhalten. Da er 250 Bewertungen hat löschen lassen, stieg seine Gesamtbewertung innerhalb eines halben Jahres von 4,3 auf 4,5 Sterne. Gegenüber der Tagesschau gab Madan preis: „Wir löschen alles, was einfach unter der Gürtellinie geschrieben ist. Also alles, wo wir sagen, das ist nur ein Hater-Kommentar, ohne konstruktiv zu schreiben, was Sache war.“ Er hat aber auch beobachtet: „Mit unserer alten Bewertung lagen wir eigentlich immer gut. (…) Alle Mitbewerber in Stuttgart haben mittlerweile eine 4,7 oder 4,8. Wo ich dachte: Das kann nicht wahr sein. Und dann haben wir uns sagen lassen: Du, die lassen löschen.“
  • Negative Bewertungen auf Google, anderen Portalen oder in Online-Shops lassen sich auf Antrag bereits seit Jahren bei den Betreibern entfernen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte bereits 2022 davor gewarnt, dass auf Online-Bewertungen kein Verlass sei. Sabrina Wagner, Referentin Team Marktbeobachtung Digitales des VZBV, damals: „Damit wird die Kaufentscheidung von Verbrauchern systematisch manipuliert, denn Rezensionen stellen für viele Menschen ein zentrales Entscheidungskriterium beim Online-Shopping dar. Die dadurch entstehende Asymmetrie zwischen guten und schlechten Bewertungen kann im schlimmsten Fall zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Verbraucher haben bei diesem Kampf um Höchstbewertungen das Nachsehen. Sie werden über die Güte eines Produkts oder die Vertrauenswürdigkeit eines Händlers getäuscht.“

Google muss Bewertungen und Löschungen transparenter machen

Transparenz endet nicht mit der Anzahl gelöschter Bewertungen. Schon seit Jahren hat sich ein Trend eingeschlichen, wonach Betriebe sich unliebsamer Rezensionen entledigen wollen. Klar: Viele Löschungen sind berechtigt. Doch bei zahlreichen berechtigten Bewertungen werden angebliche Diffamierungen nur vorgeschoben, weil sie den Unternehmen ein Dorn im Auge sind.

Ein weiteres Problem: Google prüft oft nicht einmal, ob der angegebene Grund für beantragte Löschungen zutrifft, sondern löscht Bewertungen der Einfachheit halber ganz schnörkellos. Die neue Transparenzfunktion zur Auskunft über die Anzahl der gelöschten Bewertungen kann deshalb hilfreich sein.

Doch noch transparenter wäre es, kenntlich zu machen, nach welchen Maßstäben Google entscheidet – auch um sicherzustellen, dass berechtigte Kritik ausreichend geschützt wird. Einerseits: Der Kampf gegen Diffamierung, so berechtigt er auch ist, ist bereits zu einer Art Reputationsmanagement verkommen, das Betriebe ausnutzen, um ihre Bewertungen aufzupolieren.

Andererseits dürfen Unternehmen nicht automatisch an den digitalen Pranger gestellt werden, wenn sie Rezensionen löschen lassen. Denn: Auch die Anzahl an politisch oder wirtschaftlich motivierten Bewertungen hat zugenommen, obwohl sich hinter diesen keine echten Erfahrungen verbergen.

Die Leidtragenden dieser Entwicklungen sind wie so oft vor allem wir Verbraucher, während Google zwischen den Stühlen steht. Die Plattform muss ehrliche Kritik schützen, Missbrauch verhindern und gleichzeitig den Ruf von Unternehmen wahren. Der neue Transparenzhinweis ist deshalb nicht das Ende der Fahnenstange, sondern haucht der Diskussion darüber, wie glaubwürdig Onlinebewertungen überhaupt noch sein können, neues Leben ein – im Positiven wie im Negativen.

Auch interessant: 

Der Beitrag Krieg der Sterne: Wie Hotels und Restaurants ihre Google-Bewertungen frisieren erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Großbritannien führt Steuer für E-Autos ein – jetzt zählt jeder Kilometer

23. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Großbritannien führt Steuer für E-Autos ein – jetzt zählt jeder Kilometer erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Elektroauto-Steuer Kilometer Großbritannien

Großbritannien verändert die Besteuerung von Elektroautos. Ab April 2028 sollen Halter von Stromern erstmals eine fahrleistungsabhängige Elektroauto-Steuer pro Meile zahlen. Die Maßnahme soll den absehbaren Ausfall klassischer Kraftstoffsteuern kompensieren, ohne den Wandel zur Elektromobilität zu bremsen. Ein umfassendes Förderpaket soll gleichzeitig den Umstieg erleichtern.

Das britische Finanzministerium (HM Treasury) veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer umfassenden Diskussion zur Einführung der sogenannten Electric Vehicle Excise Duty (eVED). Zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 gaben etwa 4.700 Einzelpersonen ihren Input zu der Initiative ab. Hintergrund der Entscheidung ist ein drastischer Rückgang der Staatseinnahmen. Da immer mehr Fahrzeuge elektrisch fahren, steuern die Einnahmen aus der traditionellen Kraftstoffsteuer bis zum Jahr 2050 auf nahezu null zu. Wobei: E-Autofahrer beim Laden ihrer Fahrzeuge auch Stromsteuern zahlen, die mehr oder weniger als Ausgleich fungieren.

Warum Großbritannien auf eine Kilometer-Steuer für E-Autos setzt

Um diese Einnahmenlücke zu schließen, soll ab April 2028 eine Elektroauto-Steuer pro Meile greifen. Diese ist auf 3 Pence (etwa 4 Cent) pro Meile für reine Elektrofahrzeuge und Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge beschränkt. Halter von Plug-in-Hybriden und Fahrzeugen mit Optionen zur Verlängerung der Reichweite zahlen mit 1,5 Pence (etwa 2 Cent) pro Meile genau die Hälfte.

Damit bliebe die finanzielle Belastung für Stromer deutlich unter den Abgaben klassischer Verbrenner. Über das kommende Jahrzehnt sollen rund 80 Prozent der Einnahmen aus den ersten drei Jahren direkt in ein über 7,5 Milliarden Pfund (circa 8,2 Milliarden Euro) schweres Förderpaket fließen. So könne das Programm für den Elektroautokauf um 1,3 Milliarden Pfund auf insgesamt 2 Milliarden Pfund (circa 2,34 Milliarden Euro) aufgestockt werden, was bis Juli 2026 bereits über 140.000 Neuzulassungen unterstützen könnte.

Ohne GPS-Überwachung: So wird die Meilensteuer erfasst 

Die praktische Abwicklung der Abgabe soll ohne Eingriffe in die Privatsphäre der Fahrzeugbesitzer erfolgen. Eine Überwachung von Standortdaten per Satellit schloss die Regierung explizit aus, weshalb die Erfassung rein auf dem Gesamtzählerstand des Fahrzeugs basiert. Neuwagen unter drei Jahren müssten vor der ersten Hauptuntersuchung keine zusätzlichen Kilometerprüfungen absolvieren.

Stattdessen geben Halter bei der jährlichen Fahrzeugzulassung ihren aktuellen Tachostand sowie eine Schätzung für das kommende Jahr an. Dies wird dann später beim ersten regulären Inspektionstermin verifiziert. Überbezahlte Meilen erstattet der Staat automatisch als Guthaben für den nächsten Abrechnungszeitraum.

Zusätzlich beginnt die Regierung mit der Entwicklung eines optionalen Systems. Es soll vernetzten Fahrzeugen künftig erlauben, ihren Meilenstand automatisch über 4G- oder 5G-Mobilfunk zu übermitteln. Lieferwagen, Busse und Lastkraftwagen bleiben vorerst vollständig von der Elektroauto-Steuer pro Meile ausgenommen, da der Elektrifizierungsprozess in diesen Segmenten noch weniger weit fortgeschritten ist. Für Flotten- und Leasingunternehmen vereinfachen Sammellizenzierungen sowie digitale Webschnittstellen die Abrechnung von großen Fahrzeugbeständen.

Wer profitiert – und wer zahlt drauf?

Trotz der neuen Abgabe prognostiziert das Office for Budget Responsibility ein starkes Wachstum der Elektromobilität. Die jährlichen Verkaufszahlen von Elektroautos sollen von knapp 0,5 Millionen Fahrzeugen in der Periode 2025/26 auf 1,6 Millionen im Zeitraum 2030/31 steigen. Die dämpfende Wirkung der neuen Steuer auf Neuzulassungen schätzen Experten auf lediglich rund zwei Prozent.

Zudem wird die Preisgrenze für den Luxuswagen-Aufschlag bei Neuwagen von 40.000 auf 50.000 Pfund (circa 59.000 EUR) angehoben. Das soll den Kauf vieler beliebter Mittelklasse-Elektroautos finanziell entlasten. Ergänzend stehen 200 Millionen Pfund für den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie eine zehnjährige Befreiung von der Gewerbesteuer für Ladepunkte zur Verfügung.

Dennoch weist die Umsetzung der Steuer auch kritische Aspekte auf, die bei Branchenverbänden Bedenken hervorrufen. Insbesondere Vielfahrer in ländlichen Regionen stehen vor höheren jährlichen Kosten, während bei Plug-in-Hybriden eine doppelte Belastung durch Meilenabgabe und verbliebene Kraftstoffsteuer droht.

Zudem bergen fahrleistungsabhängige Abgaben Anreize für Tachomanipulationen, weshalb der Gesetzgeber neue Prüfbefugnisse für die Polizei und Behörden schafft. Da die IT-Altsysteme der Zulassungsbehörde DVLA komplex sind, stehen automatische Rückerstattungen bei Verkäufen erst nach einer Übergangsphase zur Verfügung. Das Modell zeigt jedoch anschaulich, wie die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur im Zeitalter der Energiewende nachhaltig neu geordnet werden kann.

Auch interessant:

Der Beitrag Großbritannien führt Steuer für E-Autos ein – jetzt zählt jeder Kilometer erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Trump schwebt über allem: Machtkampf zwischen EU und Google eskaliert

22. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag Trump schwebt über allem: Machtkampf zwischen EU und Google eskaliert erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Google EU Digital Markets Act KI Android Suchdaten Drittanbieter

Die EU-Kommission wechselt im Kampf gegen Googles Marktmacht die Strategie. Statt Milliarden-Strafen setzt Brüssel erstmals auf verbindliche Spezifikationsmaßnahmen durch den Digital Markets Act. Google muss demnach künftig Suchdaten mit Wettbewerbern teilen und Android für fremde KI-Assistenten öffnen. Ob das gelingt, darf zumindest bezweifelt werden. Denn bisher hat sich Google von keiner EU-Maßnahme ernsthaft beeindrucken lassen, zumal der Streit längst eine geopolitische Dimension erreicht hat. Eine kommentierende Analyse.

KI-Freigabe und Suchdaten: Was die EU von Google verlangt

  • Die Europäische Kommission hat ein neues Werkzeug des Digital Markets Act (DMA) ausgepackt. Anstatt milliardenschwere Sanktionen zu verhängen, hat Brüssel zwei rechtlich bindende Spezifikationsmaßnahmen gegenüber Google erlassen. Sie sollen den Wettbewerb fördern und die Marktmacht des Unternehmens aufweichen. Einerseits soll Google Android-Geräte bis Juli 2027 so anpassen, dass andere KI-Anbieter einen vergleichbaren Zugriff auf das Betriebssystem haben wie der Suchmaschinen-Gigant mit seinem Modell Gemini selbst.
  • Andererseits muss Google ab Januar 2027 Drittanbietern Suchdaten zur Verfügung stellen, die es zur Optimierung seiner eigenen Dienste nutzt. Will heißen: Das Unternehmen soll anderen Anbietern künftig unter anderem Suchanfragen, Klickpfade und Ranking-Informationen preisgeben. Um Datenschutz und Privatsphäre der Nutzer zu gewährleisten, schreibt die EU-Kommission technische und vertragliche Schutzmaßnahmen vor. Ziel ist es, die Identifizierung auf ein Minimum zu reduzieren, ohne dass der Nutzen der Daten für Drittanbieter verloren geht. Seine Algorithmen muss Google dafür nicht offenlegen.
  • Die neuen Maßnahmen richten sich zwar an Google, doch der Konflikt um KI-Modelle und den Zugang zu Betriebssystemen betrifft auch Apple, dessen Smartphone-System iOS wie Android von der EU-Kommission als Gatekeeper-Plattform mit überragender Marktmacht eingestuft wurde. Dass es keine konkreten Maßnahmen gegen den iPhone-Konzern gibt, liegt daran, dass das Unternehmen den Start seines KI-Assistenten Siri AI in Europa verschoben hat, da der DMA dies verhindere. Die EU widersprach dem jedoch und verwies darauf, dass Apple den Dienst lediglich an EU-Recht anpassen müsse.

Warum Brüssel auf eine Geldstrafe verzichtet

Mit ihren neuen Spezifikationsmaßnahmen will die EU-Kommission dem Digital Markets Act endlich die Wirkung verleihen, die viele Kritiker seit seinem Inkrafttreten vermissen. Der Vorwurf: Das Regelwerk sei ein Papiertiger und habe bislang mehr Schlagzeilen als tatsächliche Veränderungen hervorgebracht. Doch nun soll das Gesetz seine praktische Marktpolitik entfalten. Und zwar nicht mit der großen Geldkeule, sondern mit konkreten Änderungen der Spielregeln.

Im Zentrum steht dabei ein Mechanismus, der Google seit Jahren in die Karten spielt. Denn je mehr Menschen die Dienste des Unternehmens nutzen, desto mehr Daten fließen zurück in die Suchmaschine und die Google-KI, die dadurch wiederum besser werden und noch mehr Nutzer anziehen.

Dieser Kreislauf vergrößert den Vorsprung des Konzerns gegenüber der Konkurrenz quasi mit jeder Suchanfrage. Brüssel will diese Feedback-Schleife deshalb durchbrechen. Die Botschaft: Wer den größten Datenschatz der Welt besitzt, soll daraus keinen uneinholbaren Wettbewerbsvorteil machen können, sondern ihn mit anderen teilen.

Die Maßnahmen haben aber auch politische Sprengkraft. Denn Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll eine milliardenschwere Strafe gegen Google in letzter Minute gestoppt haben – obwohl es erdrückende Beweise zu Verstößen gegen den DMA gab. Die Folge: Statt Strafzahlungen folgt nun ein kooperativeres Verfahren mit verpflichtenden Vorgaben.

Der Grund: Bisherige Geldstrafen haben am Verhalten von Google eher wenig geändert – auch, weil diese relativ gering ausfielen. Ob die neuen Spezifikationsmaßnahmen zu einer Veränderung führen, ist aber ebenso fraglich. So oder so: Google ist naturgemäß not amused. Das Unternehmen hält die Vorgaben für nicht umsetzbar und verweist wie so oft auf Datenschutzrisiken, eine Gefährdung der Nutzer und sogar eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA.

Stimmen

  • Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Wettbewerb, in einem Statement: „Die Gesellschaft durchläuft eine tiefgreifende digitale Transformation. Wir müssen diesen Prozess fair halten und sicherstellen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger die Wahl haben. Unsere Entscheidung wird kleineren Wettbewerbern, Suchmaschinen oder KI-Assistenten helfen, im Wettbewerb zu bestehen und diese Wahl zu treffen und gleichzeitig die Privatsphäre der Nutzer zu schützen.“
  • Kent Walker, Präsident für globale Angelegenheiten bei Google und Mutterkonzern Alphabet, zu den neuen EU-Vorgaben: „Die Entscheidungen bergen die Gefahr, dass wichtige Schutzmechanismen für die Privatsphäre und Sicherheit von Millionen Europäern untergraben werden. Wir haben wiederholt Lösungen vorgeschlagen, um Nutzer zu schützen und gleichzeitig die Ziele des DMA zu erfüllen, doch diese Urteile ignorieren umfangreiche Belege für Schäden für die Nutzer. Tatsächlich greifen KI-Assistenten bereits sicher auf die Funktionen von Android zu, wobei die Smartphone-Hersteller eine Schlüsselrolle bei deren Überprüfung spielen. Diese Android-Entscheidung gefährdet die Gerätesicherheit, indem sie externen Apps sensible und weitreichende Geräteberechtigungen ohne diese Schutzmaßnahmen gewährt.“
  • Auch Apple steht im Konflikt mit der Europäischen Kommission und musste sein Betriebssystem bereits für Drittanbieter öffnen. Aufgrund der Vorgaben des DMA hat das Unternehmen seinen KI-Sprachassistenten Siri AI aber noch nicht in iOS für das iPhone integriert. Craig Federighi, Senior Vice President of Software Engineering bei Apple, schlägt mit Blick auf die EU in eine ähnliche Kerbe wie Google: „Wir sind sehr enttäuscht. (…) Wir hoffen, Siri AI bald auch in der EU anbieten zu können, und werden weiterhin mit den EU-Regulierungsbehörden an einer Lösung arbeiten. Da sie sich jedoch weigern, konstruktiv mit uns auf Lösungen hinzuarbeiten, die Datenschutz und Sicherheit gewährleisten, können wir derzeit keinen Zeitplan nennen.“

Trump schwebt über allem

Die Entscheidung der EU wird nicht das letzte Kapitel im Streit zwischen Brüssel und dem Silicon Valley sein. Dass Brüssel trotz abgelaufener Fristen und hoher Erwartungen nun auf verbindliche Vorgaben statt auf milliardenschwere Bußgelder setzt, wird vielen zu zaghaft erscheinen. Denn vor allem in der Zivilgesellschaft wächst der Eindruck, dass Europas Digitalgesetze zwar ambitioniert formuliert sind, ihre Durchsetzung aber regelmäßig an einem mangelnden politischen Willen scheitert.

Doch zwischen Theorie und Praxis klafft wie so oft eine Lücke. Die Warnungen von Google und Apple vor Datenschutz- und Sicherheitsrisiken lassen sich nämlich nicht komplett vom Tisch wischen. Denn wenn KI-Assistenten künftig tiefere Zugriffsrechte auf Android oder iOS erhalten, entstehen theoretisch tatsächlich neue Angriffsflächen.

Systeme von Drittanbietern mit Zugriff auf Nachrichten, Standort, Mikrofon oder Bildschirm könnten bei Fehlfunktionen oder einer missbräuchlichen Nutzung einerseits zwar erheblichen Schaden anrichten. Andererseits dient Datenschutz für die großen US-Konzerne bisweilen auch als Argument, um die eigene Marktmacht zu schützen.

Die Frage ist deshalb nicht zwangsläufig, ob Wettbewerb geschaffen werden soll, sondern wie. Denn die Privatsphäre der Nutzer darf nicht zu einem Kollateralschaden verkommen. Indes: Brüssel hat diesbezüglich durchaus taugliche Schutzmechanismen präsentiert, die hier und da sicherlich Anpassungen und Nachschärfungen bedürfen. Sprich: Eigentlich sollte es Spielraum für Verhandlungen und Kompromisse geben.

Dass der Widerstand von Big Tech dennoch so enorm ist, dürfte an einer über allem schwebenden geopolitischen Dimension liegen. Die Argumentation, die EU-Pläne würden eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA darstellen, kommt nämlich nicht von ungefähr. Sie ist typische Trump-Rhetorik, mit dem Ziel, die europäischen Tech-Regeln aufzuweichen. Will heißen: Der DMA ist längst mehr als ein Wettbewerbsgesetz, er ist Teil eines wirtschaftspolitischen Machtkampfs.

Auch interessant: 

Der Beitrag Trump schwebt über allem: Machtkampf zwischen EU und Google eskaliert erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Weltpremiere im OP: Humanoide Roboter führen erstmals Operationen durch

21. Juli 2026 um 19:03

Der Beitrag Weltpremiere im OP: Humanoide Roboter führen erstmals Operationen durch erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

humanoide Roboter OP Operation

Zwei humanoide Roboter haben erstmals allein Operationen durchgeführt, ferngesteuert von Chirurgen. Für eine präklinischen Studie entfernten sie Säugetieren die Gallenblase.

Für eine aktuelle Studie kamen zum ersten Mal ferngesteuerte humanoide Roboter im Operationssaal zum Einsatz. Ein Forscherteam, bestehend aus Ingenieuren und Chirurgen der University of California San Diego, absolvierte dafür zwei verschiedene Eingriffe.

Humanoider OP-Roboter entfernt lebendem Tier die Gallenblase

Bei der ersten Operation entfernte ein Mensch-Roboter-Team die Gallenblase. Der humanoide Roboter operierte, ein menschlicher Chirurg assistierte.

Die zweite Operation gelang zwei humanoiden Robotern, die Seite an Seite als Roboter-Roboter-Team arbeiteten. Beide Eingriffe fanden an großen, nicht-primaten Säugetieren statt.

Die Forscher sehen das Experiment als Machbarkeitsnachweis, also als einem ersten Schritt, humanoide Roboter in den OP-Saal zu bringen.

Antwort auf den Chirurgenmangel

Die Motivation der Studie liegt in einem aktuellen strukturellen Problem. Denn dem wachsenden Behandlungsbedarf steht ein Mangel an Chirurgen gegenüber. Die Folge: längere Wartezeiten, ein schlechterer Zugang zu Versorgung und größere gesundheitliche Ungleichheit.

Nach Ansicht des Forscherteams könnten die Roboter zunächst bei Eingriffen assistieren. Später sollen sie ganze Operationen unter ärztlicher Fernsteuerung durchführen.

„Ferngesteuerte und autonome humanoide Roboter haben echtes Potenzial, den Zugang zu kritischen Operationen zu erweitern, zu denen Patienten sonst keinen Zugang hätten“, so Michael Yip, einer der Autoren der Studie und Fakultätsmitglied der UC San Diego. Die neuen Erkenntnisse sollen dabei helfen, die Gesundheitskrise nicht nur in den USA, sondern weltweit anzugehen.

Denkbar sind für Yip auch Einsätze abseits klassischer Kliniken: „Man kann sich vorstellen, dass diese Roboter in abgelegenen Gemeinden eingesetzt werden, wo Personal knapp ist, oder in schwierigen Umgebungen wie Such- und Rettungsszenarien, wo in kurzer Zeit massiv Feldmedizin gebraucht wird.“

Vorteile von OP-Roboter gegenüber Spezialsystemen

Spezialisierte OP-Robotersysteme gibt es bereits. Allerdings sind sie meist mit drei oder vier Roboterarmen, Spezialwerkzeugen und eigener Software ausgestattet. Außerdem wiegen sie rund 800 Kilogramm, brauchen ein großes Team für den Aufbau und beanspruchen so viel Platz, dass OP-Säle oft umgebaut werden müssen.

Die in der UC San Diego-Studie eingesetzten Roboter sind hingegen etwa 1,52 Meter groß und wiegen rund 27 Kilogramm. Sie können sich frei durch normale OP-Säle bewegen und nutzen herkömmliche OP-Instrumente.

Auch die Steuerung fühle sich natürlicher an, gerade für Personen ohne Training an Spezialsystemen. „Wir waren überrascht, wie gut sich „Surgie“ – so der Name des OP-Roboters – in unseren Arbeitsbereich und Arbeitsablauf eingefügt hat“, so tudien-Co-Autorin Nikita Thareja.

An der Präzision ändert die kompakte Bauweise nichts, bestätigt auch Shanglei Liu, Professorin für Chirurgie. Sie steuerte den OP-Roboter während der Studie selbst. Ein Eingriff per teleoperiertem humanoidem Roboter sei genauso präzise wie mit einem klassischen teleoperierten OP-System. Liu dazu:

Es kostet einen Bruchteil und braucht einen Bruchteil des Platzes im OP-Saal. Damit lässt es sich überall einsetzen, von ländlichen Gebieten über das Schlachtfeld bis in den Weltraum.

Operations-Roboter: Was kommt als Nächstes?

Einige Probleme der Teleoperation sind noch ungeklärt. So mussten die OP-Roboter während der Eingriffe mehrfach neu kalibriert werden. Dadurch dauerten die Operationen deutlich länger als mit etablierten Spezialsystemen. Auch an der Latenz, also der Verzögerung zwischen Steuerbefehl und Roboterbewegung, arbeitet das Team, vor allem für Operationen über große Distanzen.

Weil Surgie laufen und die meisten körperlichen Aufgaben eines Menschen ausführen kann, hat das Forschungsteam noch eine weitere Zukunftsvision für die autonomen OP-Roboter.

Werkzeuge holen und den OP-Saal nach dem Eingriff aufräumen. „Eines unserer Ziele ist die Entwicklung eines autonomen chirurgischen Assistenten“, so Michael Yip. Er ergänzte:

Viele Gemeinden kämpfen mit unzureichender Personalausstattung im OP-Team, was bedeutet, dass Patienten nicht behandelt werden. Unser Ziel ist ein Operationssaal der Zukunft, in dem humanoide Roboter und Menschen Seite an Seite als ein integriertes Team arbeiten, um Eingriffe an diejenigen in Not zu liefern, sowohl in traditionellen Krankenhausumgebungen als auch in nicht-traditionellen Feldmedizin-Szenarien.

Auch interessant: 

Der Beitrag Weltpremiere im OP: Humanoide Roboter führen erstmals Operationen durch erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

KI-Songs bekommen Label – doch die Musik spielt woanders

21. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag KI-Songs bekommen Label – doch die Musik spielt woanders erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

KI-Songs Kennzeichnung Label mit KI generiert Künstliche Intelligenz Musik

Jeden Tag werden zehntausende vollständig mit KI generierte Songs auf Streamingdiensten hochgeladen. 97 Prozent der Hörer können diese aber nicht von menschlicher Musik unterscheiden. Ein Zusammenschluss renommierter Musikverbände will deshalb mit einem neuen Kennzeichnungssystem für Transparenz sorgen. Doch das Konzept hat entscheidende Schwächen – und kratzt allenfalls an der Oberfläche. Eine kommentierende Analyse.

Wie die Kennzeichnung von KI-Songs funktionieren soll

  • Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos, die 2025 von Deezer in Auftrag gegeben wurde, werden jeden Tag rund 50.000 vollständig KI-generierte Songs auf der Plattform hochgeladen. Das entspricht einem Anteil von 34 Prozent aller Uploads. Den Ergebnissen zufolge konnten 97 Prozent der Teilnehmer keinen Unterschied zwischen vollständig KI-generierter und von Menschen gemachter Musik erkennen. 52 Prozent fühlen sich deshalb betrogen. Die Forderung: eine klare Kennzeichnung KI-generierter Musik.
  • Zahlreiche renommierte und internationale Musikverbände haben ein Konzept zur freiwilligen Kennzeichnung von KI-Songs durch visuelle Symbole angekündigt. Ziel ist es, Fans klarere Informationen über den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Musikaufnahmen zu liefern. Die Kennzeichnung unterscheidet zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“. Sie ist auf eine breite, weltweite Anwendung bei digitalen Musikdiensten ausgelegt. Das Kennzeichnungskonzept soll kontinuierlich angepasst werden.
  • KI-generiert“ bedeutet dem Vorschlag zufolge, dass künstliche Intelligenz genutzt wurde, um die kreativen Elemente einer Aufnahme vollständig oder zum größten Teil zu erzeugen. Darunter: Leadgesang, zentrale Instrumentalparts und vollständig KI-generierte Songs. „KI-unterstützt“ soll heißen, dass eine Aufnahme im Wesentlichen von Menschen erstellt wurde und Ausdruck menschlicher Kreativität ist, dass aber für einige Ausdruckselemente KI verwendet wurde. Das Konzept bezieht sich derzeit nur auf Tonaufnahmen. Songtexte, Musikvideos, Komposition oder Cover sind noch nicht abgedeckt.

Wo das KI-Label an seine Grenzen stößt

Die Grenzen zwischen menschlicher Kreativität und KI-Produktionen verschwimmen immer mehr. Das ist nicht nur in der Musikbranche so. Das Problem: Viele Fans und Hörer können den Unterschied kaum noch erkennen. Der Vorschlag zur Einführung eines Labels zur Kennzeichnung von KI-Songs ist deshalb nachvollziehbar.

Er kratzt aber nur an der Oberfläche und beantwortet nicht die Frage, unter welchen Bedingungen KI-Songs entstanden sind oder entstehen. Stichwort: Urheberrecht und KI-Training. Darin liegt die Schwäche der Initiative. Die Unterscheidung zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“ klingt zunächst relativ eindeutig. In der Praxis dürften aber schnell Grauzonen entstehen.

Denn KI steckt mittlerweile in immer mehr Produktionsschritten, von der Recherche über das Sounddesign bis hin zum Mastering. Doch wo hört KI auf, ein Werkzeug zu sein, und wo fängt sie an, als vermeintlicher Künstler zu agieren? Oder: Das neue KI-Label kann zwar ein Stück weit Transparenz schaffen, aber eben keine Klarheit.

Die Debatte sollte deshalb nicht auf zwei kleine Begriffe reduziert werden. Denn die eigentlichen Konflikte liegen in anderen Bereichen: beim Urheberrecht, bei der Nutzung geschützter Werke als Trainingsmaterial und bei der Frage, welchen Platz menschliche Kreativität künftig noch hat, wenn Algorithmen sich ihrer ungefragt bedienen und innerhalb weniger Sekunden Songs in Massen produzieren.

Stimmen

  • Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, in einem Statement zur Initiative: „Dieser gemeinsame Aufschlag unterstreicht einmal mehr unseren Willen, als Branche voranzugehen in einem herausfordernden, von generativer KI geprägten kreativen und wirtschaftlichen Umfeld. Die neuen Kennzeichnungen auf der Ebene des einzelnen Tracks sind ein weiteres Element, das vor allem den Fans eine Orientierung ermöglicht, von denen sich mit 83 Prozent die große Mehrheit an dieser Stelle Klarheit und Transparenz wünschen.“
  • Kulturstaatsminister Wolfram Weimer forderte gegenüber Deutschlandfunk mehr rechtliche Handhabe mit Blick auf KI: „Jedes Musikstück, jedes Bild, jede Rede haben sie gestohlen und verarbeitet. Wir sind fasziniert, was alles nun neu kombiniert ausgespielt wird. Aber das, was eingenommen wurde, wurde nie erfragt. Deswegen müssen wir da Regeln finden. Bei der Diskussion, ob wir kennzeichnen sollten, was von Menschen und was von KI produziert wird, sagen erste Künstler und Musikunternehmen, dass die Grenzziehung schon gar nicht mehr möglich ist.“
  • Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats, gegenüber dem MDR: „Wenn es jetzt darum geht, Hintergrundmusik und Werbemusik zu schaffen, dann wird schon KI dafür eingesetzt. Und die Frechheit dabei ist, dass die KI nur deswegen Musik erzeugen kann, weil der Input Millionen Kreativer hineingeflossen ist. Das heißt, sie wurden ausgebeutet.“ Steffen Holly vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie hält wenig von KI-Labels: „Es werden schon so viele Sachen im Musikproduktionsprozess verwendet. Will ich mich da stundenlang durchklicken oder nehme ich einfach eine KI, beschreibe den Klang und wähle mir eine Vorauswahl aus? Ist das schon KI, ist das kennzeichnungspflichtig?“

KI-Songs sollten nicht monetarisiert werden

Die neu vorgeschlagene KI-Kennzeichnung kann und darf allenfalls ein erster Schritt sein. Denn künstliche Intelligenz hält nicht nur zunehmend Einzug in die Musikindustrie, sondern wird auch immer besser. Sprich: Es wird immer komplizierter, KI-generierte Musik überhaupt als solche zu erkennen.

Außerdem müssen Songtexte, Kompositionen, Musikvideos und Albumcover mit einbezogen werden. Ob und wie gut das Konzept funktionieren wird, ist aber fraglich, da es auf Freiwilligkeit setzt. Will heißen: Es liefert nur dann eine transparente Orientierung, wenn möglichst viele mitmachen. Das ist aber keinesfalls gewiss.

Denn es wird Akteure, die schlichtweg darauf aus sind, Tantiemen von Plattformen wie Spotify und Co. abzugreifen, kaum daran hindern, die Plattformen weiterhin mit KI-generierter Musik zu fluten. Deshalb sollten vor allem die Streaminganbieter selbst reagieren – oder auch in die Pflicht genommen werden.

Und damit meine ich nicht nur, dass sie Erkennungstools etablieren, denn das tun sie bereits – zumindest äußerst zaghaft. Viel effektiver wäre es hingegen, komplett KI-generierte Songs von den Empfehlungen und Monetarisierungsmechanismen auszunehmen. Das dürfte die KI-Flut zumindest ein Stück weit eindämmen.

Um aber Künstler und Urheberrechte zu schützen, müssen die Betreiber der KI-Modelle in die Pflicht genommen und wenn nötig sanktioniert werden. Kurzum: Die neuen Vorschläge zur KI-Kennzeichnung sind nicht falsch. Sie lösen die Probleme von Künstlern oder Nutzern, die von KI genervt sind, aber kaum.

Auch interessant: 

Der Beitrag KI-Songs bekommen Label – doch die Musik spielt woanders erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Studie belegt: Solaranlagen fallen bei Extremhitze fast komplett aus

21. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Studie belegt: Solaranlagen fallen bei Extremhitze fast komplett aus erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Solaranlagen Hitze Photovoltaik Extremhitze

Der Klimawandel gefährdet zunehmend die europäische Stromversorgung, da extreme Sommertemperaturen nachhaltige Infrastruktur belasten. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass Solaranlagen bei Hitze massive Leistungseinbrüche von bis zu 90 Prozent erleiden können. 

Ein Forscherteam der Universität Évora in Portugal hat die Auswirkungen extremer Hitzephasen auf Solaranlagen auf der Iberischen Halbinsel in den Jahren 2024 und 2025 untersucht. Dafür analysierten die Wissenschaftler die reale Leistung von drei unterschiedlichen Photovoltaikanlagen in Portugal und Spanien, um die betriebliche Leistung und klimabedingte Resilienz von Photovoltaikanlagen unter realen Bedingungen zu messen.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede beim Ertrag – in Theorie und Praxis. Sie sind dahingehend relevant, da durch den Klimawandel die Temperaturen am Boden in diesem Gebiet seit 1979 teils signifikant angestiegen sind.

Bis zum Jahr 2100 prognostizieren Klimamodelle für europäische Landflächen im schlimmsten Fall zudem einen weiteren Temperaturanstieg von bis zu 8,5 Grad Celsius. Wirtschaftlich drohen immense Schäden, denn die klimabedingten Risiken in Europa könnten bis in die 2080er Jahre jährliche Kosten von rund 40 Milliarden Euro verursachen.

Warum Solaranlagen bei Hitze kollabieren

In der Praxis sinkt die Effizienz von PV-Anlagen um 0,3 bis 0,5 Prozent pro Grad Celsius, sobald die Lufttemperatur die Marke von 25 Grad Celsius überschreitet. Während extremer Hitzewellen mit bis zu 49 Grad Celsius erwärmen sich die Moduloberflächen auf über 70 Grad Celsius.

Das beschleunigt die Alterung der Panels. In den heißesten Nachmittagsstunden führt dies zu einem kritischen Einbruch der Performance um bis zu 90,44 Prozent. Denn wird es zu heiß, schalten sich die Wechselrichter zum Selbstschutz ab.

Diese stündlichen Ausfälle wirken sich besonders auf die Infrastruktur aus. Das gefährdet auch die Netzstabilität. Zudem sind kurzfristige Hitzeeinbrüche oft nicht in den klassischen Planungsdaten transparent dargestellt. Die Studienautoren schreiben dazu:

In Planungs- und Vertragsfragen bedeutet dies, dass die Erwartungen des Entwurfsjahres das hitzebedingte Betriebsrisiko systematisch unterschätzen.

Neue Lösungsansätze für die solare Infrastruktur

Trotz der großen stündlichen Einbrüche zeigen Solarparks eine hohe regenerative Resilienz. Denn die Systeme erholen sich spätestens einen Tag nach dem Erreichen des Tiefpunkts. Um besser für die Zukunft zu planen, empfiehlt die Studie, klassische Simulationsdaten durch ereignisbasierte Stresstests auf Basis hochauflösender Reanalysedaten wie ERA5-Land zu ergänzen.

Diese frei verfügbaren Datensätze weisen eine hohe Übereinstimmung mit realen Messstationen auf und ermöglichen eine präzise Risikoanalyse. Neben besseren Daten sollten Anlagenbetreiber auch operative Schutzprotokolle anpassen. Dies passiert etwa durch die bessere Belüftung der Wechselrichter oder zusätzliche thermische Leistungsreserven.

Denn gerade Begleiterscheinungen des Klimawandels, wie Staubstürme und Waldbrandrauch, dämpfen die globale Strahlung zusätzlich und senken die Effizienz der Module.

Auch interessant:

Der Beitrag Studie belegt: Solaranlagen fallen bei Extremhitze fast komplett aus erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Kupferfolie als Lithium-Falle: Forscher entschlüsseln Batterie-Leistungsabfall

20. Juli 2026 um 18:05

Der Beitrag Kupferfolie als Lithium-Falle: Forscher entschlüsseln Batterie-Leistungsabfall erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Leistungsabfall von Batterien

Weltweit nimmt die Zulassung von Elektrofahrzeugen weiter zu. Doch die Alterung der darin verbauten Akkus stellt die Industrie vor Herausforderungen. Ein internationales Forscherteam hat nun auf atomarer Ebene entschlüsselt, warum es zum Leistungsabfall von Batterien kommt. Dabei rückt ein Bauteil in den Fokus, das bislang als passives galt. 

Im Juni 2026 waren Elektroautos in Deutschland erstmals die meistverkaufte Antriebsart bei den Pkw-Neuzulassungen. Obwohl die Fahrzeuge in der Praxis bereits mehrere hunderttausend Kilometer mit einem einzigen Akkusatz zurücklegen können, nimmt die Speicherkapazität mit der Zeit ab. Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, des Helmholtz-Instituts Ulm und des Karlsruher Instituts für Technologie untersuchten diesen Alterungsprozess kürzlich genauer. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Advanced Energy Materials.

Im Zentrum der Forschung stand der Stromkollektor von Batterien, der aus Kupferfolie besteht. Diesen betrachteten Ingenieure in der Vergangenheit lediglich als inerte Leiterbahn, also solch eine, die keine oder nur minimale chemische Reaktionen aufweist.

Die neue Erkenntnis: Beim Laden und Entladen wandern Lithium-Ionen durch die Zelle, lagern sich jedoch bereits nach dem ersten Zyklus an den Grenzflächen der Kupferfolie an. Wie in winzigen mikroskopischen Fallen verfangen sich die Teilchen in Defekten, die durch mechanische Belastungen im Material entstehen. Infolgedessen verbleiben die Lithium-Ionen dauerhaft in der Folie und stehen nicht mehr für die Energiespeicherung zur Verfügung.

Wie der Leistungsabfall von Batterien auf atomarer Ebene entsteht

Die Wissenschaftler machten die strukturellen Schäden mithilfe der Atomsondentomografie sichtbar. Mit diesem Verfahren fertigten sie eine hauchdünne Materialspitze, die tausendfach dünner als ein menschliches Haar ist. Diese ermöglichte die Erstellung von dreidimensionalen Karten einzelner Atome.

Bereits nach drei Ladezyklen zeigten sich sichtbare Materialveränderungen in den obersten 100 Nanometern der Kupferfolie. Die Oberfläche kristallisierte und oxidierte. Nach acht Ladezyklen war eine signifikant höhere Menge an Lithium im Kupfer eingeschlossen als zu Beginn des Prozesses.

Neben Lithium dringen auch Sauerstoff und Kohlenstoff in das Metall ein. Insbesondere bindet der Sauerstoff weiteres Lithium an sich, was die Zersetzung des Stromkollektors verstärkt. Tong Li von der Ruhr-Universität Bochum hob die Tragweite der Entdeckung hervor:

Diese Vorgänge zu verstehen, ist von großer Bedeutung für anodenfreie Batterien der Zukunft. Wo genau sich die Lithium-Ionen einlagern, war bislang aber unklar. Lithium in Kupfer ist schwer nachzuweisen, da es an analytischen Möglichkeiten mangelt, hochaktives und leichtes Lithium nachzuverfolgen.

Neue Perspektiven für anodenfreie Energiespeicher

Besonders kritisch ist dieser Effekt für anodenfreie Systeme, sogenannte Zero-Excess-Batterien. Da diese Akkutypen mit extrem geringen Lithium-Reserven arbeiten, führt jeder Verlust direkt zu einer kürzeren Lebensdauer. Trotzdem haben genau diese Speichermedien das Potenzial für eine deutlich höhere Energiedichte.

Die neuen Erkenntnisse könnten die Reichweite von Elektrofahrzeugen aber deutlich steigern. Auch für die weltweite Speicherung von Strom aus Wind- und Solaranlagen spielt ein verlustfreies System eine entscheidende Rolle.

Obwohl die Studie noch keine sofort einsatzbereite Marktlösung bereithält, bildet das tiefere Verständnis ein Fundament für künftige Entwicklungen. Durch die gezielte Beschichtung der Kupferfolie, neuartige Materialmodifikationen oder angepasste Ladeverfahren lässt sich das Feststecken der Ionen künftig womöglich verhindern.

Auch interessant:

Der Beitrag Kupferfolie als Lithium-Falle: Forscher entschlüsseln Batterie-Leistungsabfall erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Schluss mit Faxgeräten: Gesundheitsgesetz soll Millionen einsparen

20. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag Schluss mit Faxgeräten: Gesundheitsgesetz soll Millionen einsparen erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

E-Patientenakte Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen GeDig ePA elektronische Patientenakte E-Überweisung

Das Bundeskabinett hat am 15. Juli 2026 ein neues Gesundheitsgesetz beschlossen. Es soll die elektronische Patientenakte massiv aufwerten, die E-Überweisung auf den Weg bringen und jedes Jahr rund 445 Millionen Euro einsparen. Für Patienten bedeutet das konkret: weniger Papierkram, schnellere Facharzt-Termine und eine ePA, die den Namen Health-Hub erstmals verdient hat. Eine kommentierende Analyse.

Neues Gesundheitsgesetz: Was ist das GeDIG)

  • Das neue Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) trägt einen für Deutschland typisch komplizierten Namen. Die tatsächlich geplanten Maßnahmen sind aber erstaunlich konkret und sinnvoll. Grundlage ist eine Erweiterung der elektronischen Patientenakte (ePA). Sie wurde am 15. Januar 2025 eingeführt und wird nun aufgewertet. Es kommen eine Volltextsuche, eine digitale Impfübersicht sowie individuell zugeschnittene Informationen zu passenden klinischen Studien. Die Krankenkassen selbst können Vorsorgeuntersuchungen und Erinnerungen an Check-ups integrieren. Damit wird die ePA erstmals zum echten, digitalen Health-Hub für Patienten.
  • Der zweite zentrale Punkt ist die Einführung der E-Überweisung. Sie soll flächendeckend bis zum 1. September 2029 erfolgen. Nach der Digitalisierung der Rezepte sollen künftig auch Überweisungen vom Hausarzt zu Fachärzten oder ins Krankenhaus komplett digital abgewickelt werden. Die Terminvereinbarung, eine digitale ärztliche Erst-Einschätzung und der Erhalt der E-Überweisung werden komplett über die ePA-App abgewickelt.
  • Zuletzt sollen die Gesundheitsdaten in Deutschland zielführender genutzt werden. In sogenannten Reallaboren dürfen Krankenkassen Gesundheitsdaten verarbeiten, um eine bessere Versorgung und eine engmaschigere Prävention von Risikopatienten zu gewährleisten. Im weiteren Verlauf sollen auch Forschungseinrichtungen Zugriff erhalten, um beispielsweise Krebsfrüherkennungsprogramme zu verbessern oder gefährdete Patienten schneller zu erkennen.

Unsere Einordnung

Obwohl Gesundheitsministerin Nina Warken mit ihrem Namen für das neue Projekt steht – und gegebenenfalls fällt – spielt ein anderes Ministerium eine mindestens genauso große Rolle: das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Dieses Ministerium wurde erst am 6. Mai 2025 von Bundeskanzler Friedrich Merz ins Leben gerufen. Das Ziel von Bundesminister Karsten Wildberger ist so einfach und trotzdem so kompliziert zugleich: Sein Ministerium soll unseren Staat modernisieren, verschlanken und digitalisieren.

In Deutschland ist das eine Mammutaufgabe. Insbesondere Behörden und behördenähnliche Strukturen wie das Gesundheitssystem in Deutschland, bestehend aus Krankenkassen, Versicherungen, Krankenhäusern und Arztpraxen, lieben Uralt-Technologie. Die hohe Fax-Durchdringung oder der teilweise vorhandene Zwang zur Kommunikation in Papierform sind im Jahr 2026 eine Farce, die ihresgleichen sucht.

Mit dem am 15. Juli 2026 beschlossenen Entlastungspaket will Karsten Wildberger unser Land verschlanken und unnötige Ausgaben senken. Unternehmen und Bürger sollen um mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr entlastet werden. Alleine durch die geplante Digitalisierung im Gesundheitswesen sollen im Jahr 445 Millionen Euro eingespart werden.

Ob das Einsparpotenzial tatsächlich so hoch ausfällt, werden wir spätestens im Jahr 2030 sehen, wenn alle Systeme ineinandergreifen. Der Status quo im Spätsommer 2026 ist jedoch: Geldeinsparungen in Millionenhöhe durch Bürokratieabbau und mehr Digitalisierung – es gibt Schlimmeres.

Stimmen

  • Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ist von der Arbeit ihres Ministeriums überzeugt. Sie sagt: „Die Zukunft unseres Gesundheitswesens ist digital und vernetzt. Die Nutzung digitaler Anwendungen soll sowohl für Leistungserbringer als auch für Versicherte zu einer Selbstverständlichkeit werden. Grundvoraussetzung dafür sind stabile Systeme und eine elektronische Patientenakte, die auch für Personen ohne Krankheitsgeschichte attraktiv ist. Mit dem Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen schaffen wir die dafür notwendige Grundlage.“
  • Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, ist vom neuen Gesetzesentwurf angetan. Damit die Pläne ein Erfolg werden, mahnt er in einer Stellungnahme an: „Um Innovationen zu ermöglichen und die Datennutzung zu verbessern, ist auch die Einrichtung von Reallaboren vorgesehen. Ziel sind hier Experimentierräume für die erweiterte Nutzung von Daten, die aber aktuell nur für Krankenkassen vorgesehen sind. Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind wichtige Treiber der technischen Entwicklung im Gesundheitswesen. Sie sollten bei innovationsfördernden Maßnahmen nicht außen vor bleiben. Damit das Gesetz das Gesundheitswesen tatsächlich weiterbringt, muss es innovationsoffen gestaltet und an den praktischen Anforderungen der Versorgung ausgerichtet werden.“
  • Ariel Dora Stern ist als Professorin für Digital Health, Economics and Policy am Hasso-Plattner-Institut tätig. Im ARD-Morgenmagazin (ab 1.15 Min.) spricht sie hoffnungsvoll von den Plänen: „[…] Dass wir zum ersten Mal im deutschen Gesundheitssystem von unseren eigenen Daten lernen können und darauf wertvolle und neue Produkte bauen können. Das Ziel ist, dass wir zum Beispiel für Patienten mit chronischen Erkrankungen eine viel personalisiertere Versorgung anbieten können.“ Auf LinkedIn ergänzt sie: „Unsere Fähigkeit, Patienten bestmöglich zu helfen und hochentwickelte, hochgradig personalisierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, hängt von unserer Fähigkeit ab, qualitativ hochwertige Gesundheitsdaten zu nutzen und aus ihnen zu lernen. Das in Deutschland geplante GeDIG-Gesetz (Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen) ist ein wichtiger Schritt zur Modernisierung des Gesundheitssystems und zum Vorantreiben seiner digitalen Transformation.“

Ausblick

Das neue Gesundheitsgesetz ist ein wichtiges Zahnrad im Prozess der Umstrukturierung des deutschen Gesundheitssystems. Bislang geht Deutschland einen Sonderweg: Hierzulande können Patienten mit ihren Anliegen direkt Fachärzte aufsuchen oder in Notaufnahmen gehen – Behandlung garantiert, Überbelastung des pflegerischen und ärztlichen Personals ebenfalls.

Gesundheitsministerin Nina Warken möchte diesen Sonderweg beenden und ein sogenanntes Primärversorgungssystem einführen. Der Gedanke dahinter: Fachärzte, Notaufnahmen und Krankenhäuser werden gezielt entlastet, weil Hausärzte als Lotsen entscheiden, welcher Patient welche Einrichtung aufsucht. Ausnahmen soll es zum Beispiel in der Gynäkologie und der Augenheilkunde geben.

Damit wiederum die Hausarztpraxen nicht unter der Last zusammenbrechen, gibt es digitale, medizinische Erstberatungen – zum Beispiel durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst, Telemediziner und ausgebildete Pflegekräfte vor Ort. Diese Experten sagen Patienten, welche die richtige Anlaufstelle ist.

Die Grundlage dieses Systemwandels wiederum ist eine reibungslos funktionierende digitale Infrastruktur, die – richtig geraten – auf der elektronischen Patientenakte aufbaut. Damit schließt sich der Kreis, warum der Erfolg des Gesetzes für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen so wichtig ist: Es entscheidet darüber, dass die vielen „Wenn-Dann“-Konstruktionen tatsächlich zu einem zielführenden System werden.

Auch interessant:

Der Beitrag Schluss mit Faxgeräten: Gesundheitsgesetz soll Millionen einsparen erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Deutsche KI-Firmen nutzen US-Technik – trotz Souveränitätsversprechen

20. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Deutsche KI-Firmen nutzen US-Technik – trotz Souveränitätsversprechen erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

KI Modelle deutsche Unternehmen Künstliche Intelligenz welche Sprachmodelle

Viele deutsche KI-Unternehmen nutzen Sprachmodelle und werben mit digitaler Souveränität. Eine neue Untersuchung zeigt jedoch, dass ein Großteil trotzdem auf US-Technologie setzt. Wir zeigen, wo die Souveränitätslücke am größten ist.

Ob im Kundenservice, in der Rechtsabteilung oder in der Produktentwicklung: Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags, auch in Deutschland. Ein Schlagwort ist dabei „digitale Souveränität“.

Gemeint ist damit, dass Firmen und Behörden bei Künstlicher Intelligenz unabhängig von ausländischen Anbietern bleiben, ihre Daten in Europa speichern und nicht auf US-Konzerne angewiesen sind.

Einige Firmen werben damit, dass sie unabhängig von US-Anbietern sind. Eine neue Untersuchung der europäischen KI-Plattform GreenPT zeigt nun, welche KI-Modelle deutsche Unternehmen wirklich einsetzen.

Diese KI-Modelle nutzen deutsche Unternehmen

Für den Bericht hat GreenPT 514 öffentlich auffindbare deutsche KI-Firmen untersucht. Wichtig dabei: Es gibt kein offizielles Register deutscher KI-Unternehmen. GreenPT konnte also nur zählen, welche Firmen öffentlich auffindbar sind.

Nur 221 dieser Firmen legen offen, welchen KI-Anbieter sie nutzen, etwa in der Datenschutzerklärung oder auf der eigenen Website. Die Untersuchung bezieht sich also ausschließlich auf diese Unternehmen. Die wichtigste Erkenntnis: Von deutschen KI-Firmen, die öffentlich einen Anbieter nennen, setzt gut die Hälfte auf US-Technologie.

Modelle von US-Anbietern klar vorn

Laut offizieller Mitteilung zum Forschungsbericht hängen etwa 53 Prozent der deutschen KI-Unternehmen, die öffentlich angeben, welches KI-Modell sie verwenden, von einem US-Frontier-Anbieter ab. Von den US-Modellen entfallen 41 Prozent auf OpenAI, 18 Prozent auf Anthropic, zehn Prozent auf Google, fünf Prozent auf Microsoft, zehn Prozent auf AWS und sechs Prozent auf Llama von Meta.

Ein ähnlicher Anteil (rund 43 Prozent) entwickelt eigene Modelle. Mistral, das einzige in der EU ansässige Frontier-Labor, erreicht etwa zehn Prozent. Ein in Deutschland gehostetes Frontier-Modell existiert dem Bericht zufolge aktuell nicht.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. Auffällig ist nur, dass deutsche Firmen etwas häufiger zu Google und Anthropic greifen als der europäische Durchschnitt, der stärker auf OpenAI setzt.

Wie stark eine Branche auf US-Technologie setzt, hängt stark vom Anwendungsfall ab. In Gesundheit und Biotech entwickeln laut Studie rund 85 Prozent der offenlegenden Firmen eigene Modelle, oft weil strenge Zulassungsregeln das verlangen.

In der Industrie sind es rund 71 Prozent, etwa für Bilderkennung oder Wartungsprognosen. In Bereichen wie Recht, Personalwesen oder Bildungstechnologie dagegen dominieren fertige US-Lösungen deutlich.

KI-Modelle in deutschen Unternehmen offenbaren große Souveränitätslücke

Von den insgesamt 514 untersuchten Firmen werben 173 aktiv mit Souveränität, EU-Datenresidenz oder On-Prem-Betrieb. Von diesen 173 Firmen nutzen aber 72 im Hintergrund trotzdem ein US-Proprietärmodell, also ein geschlossenes, kommerzielles KI-System eines US-Anbieters.

Besonders häufig tritt diese Lücke in den Bereichen Recht, Personalwesen, Verwaltung und Finanzen auf, also ausgerechnet dort, wo Compliance und Datenschutz eine besonders große Rolle spielen sollten.

Bei der Untersuchung von GreenPT handelt es sich um eine Momentaufnahme von Mitte 2026. Anbieterbeziehungen könnten sich laut Mitteilung allerdings schnell ändern. Außerdem kombiniere die europäische Benchmark Länderstudien mit aktueller Forschung von 2026. Die Zahlen sind also eher als Tendenz zu lesen, als Ergebnis eines kontrollierten Vergleichs.

GreenPT ist ein europäischer KI-Anbieter, der Chat- und API-Zugänge zu Open-Source-Modellen anbietet und dabei nach eigenen Angaben ausschließlich mit erneuerbarer Energie arbeitet. Das Unternehmen positioniert sich als Alternative zu US-Diensten und wirbt mit EU-Hosting und Datenschutz.

Auch interessant: 

Der Beitrag Deutsche KI-Firmen nutzen US-Technik – trotz Souveränitätsversprechen erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

Forscher widerlegen Chemie-Dogma – für bessere Brennstoffzellen

18. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag Forscher widerlegen Chemie-Dogma – für bessere Brennstoffzellen erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

Doppelatom-Katalysatoren Brennstoffzellen

Brennstoffzellen gelten als Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Doch teures Platin macht sie für den Massenmarkt zu kostspielig. Ein Forscherteam aus Japan hat jetzt mithilfe von KI vielversprechende Ersatzmaterialien identifiziert und dabei ein jahrzehntealtes Chemie-Dogma widerlegt. Ihre Erkenntnis: Doppelatom-Katalysatoren funktionieren nach völlig anderen Regeln als bisher angenommen. 

Forscher der Tohoku Universität haben im Rahmen einer systematischen Untersuchung mehr als 200 Doppelatom-Katalysatoren analysiert, um die verborgenen Mechanismen der Sauerstoffreduktionsreaktion zu entschlüsseln. Ihr Ziel: leistungsfähigere und günstigere Brennstoffzellen.

Dabei griff das Team auf umfangreiche Daten einer digitalen Plattform namens Digital Catalysis zurück. Mithilfe von modernen theoretischen Simulationen und maschinellem Lernen filterte ein Vorhersagemodell aus insgesamt 216 Systemen zunächst 42 Varianten mit einem spezifischen Dissoziationsmechanismus heraus. Am Ende identifizierte das Vorhersagemodell 14 potenzielle Doppelatom-Katalysatoren mit einer hohen prognostizierter Aktivität.

Wie die neuen Katalysatoren das alte Vulkan-Modell ablösen

Die wichtigste Kernaussage der Studie bricht mit einem langjährigen Dogma der Chemie. Denn bisher beschrieben Forscher die Aktivität solcher Systeme fälschlicherweise durch das traditionelle Einzelgipfel-Vulkan-Modell, das von Einzelatom-Katalysatoren bekannt ist. Die neue Arbeit zeigt jedoch, dass bei Doppelsystemen das Prinzip des sogenannten Dual-Sabatier-Optima greift.

Da sich der geschwindigkeitsbestimmende Schritt im Prozess dynamisch verändert, teilt sich die katalytische Aktivität auf zwei getrennte, optimale Spitzenregionen auf. Dieser Unterschied entsteht, da primär ein Dissoziationsmechanismus die Reaktionen reguliert.

Effiziente Brennstoffzellen durch smarte Doppelatom-Katalysatoren

Einzelatome folgen hingegen meist einem Assoziationsmechanismus. Das neu nachgewiesene Prinzip erweist sich als universell anwendbar. Es gilt für eine Vielzahl von Systemen, die Übergangsmetalle, metallähnliche Elemente oder auch Nichtmetallatome enthalten, und bietet damit eine völlig neue Grundlage für das Materialdesign. Studienautor Hao Li betonte die Tragweite dieser neuen Designregeln für die Praxis:

Lange Zeit gingen Forscher davon aus, dass Doppelatom-Katalysatoren denselben Aktivitätsregeln folgen wie Einzelatom-Katalysatoren. Unsere Arbeit zeigt, dass völlig andere Mechanismen entstehen können, wenn zwei Atome zusammenarbeiten, was neue Möglichkeiten für das Design hocheffizienter Materialien für saubere Energietechnologien eröffnet.

In Zukunft soll dieser KI-gestützte Ansatz auf noch komplexere, multimetallische Katalysatorsysteme ausgeweitet werden. Die langfristige Vision des Forschungsteams umfasst den Aufbau eines vollständig autonomen digitalen Frameworks auf der Plattform, das lernende Software-Agenten und elektrochemische Simulationen vereint.

Durch das rasche Filtern optimaler Strukturen lässt sich die Entdeckungszeit neuer Materialien drastisch verkürzen, um teures Platin zu ersetzen und den Übergang zu grüner Energie zu beschleunigen.

Auch interessant:

Der Beitrag Forscher widerlegen Chemie-Dogma – für bessere Brennstoffzellen erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

KI besteht erstmals Turing-Test – und wirkt menschlicher als echte Menschen

18. Juli 2026 um 05:45

Der Beitrag KI besteht erstmals Turing-Test – und wirkt menschlicher als echte Menschen erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

KI Turing Test Künstliche Intelligenz

Erstmals hat eine KI den klassischen Turing-Test bestanden. Ein Modell wurde dabei sogar häufiger für einen Menschen gehalten als echte Personen. Erfolg für die KI, doch was bedeutet das für unseren Umgang mit der Technologie?

Kann eine Maschine denken wie ein Mensch? Diese Frage wollte der britische Mathematiker Alan Turing bereits 1950 mit seinem „Imitationsspiel“ beantworten. Später ging dieses Experiment als Turing-Test in die Geschichte ein.

Die Idee: Wenn ein Mensch im Gespräch nicht mehr zuverlässig erkennen kann, ob er mit einer Maschine oder einem anderen Menschen kommuniziert, hat die Maschine den Test bestanden. Nun ist genau das passiert.

Was ist der Turing Test?

Klassischerweise läuft der Turing-Test so ab, dass eine Versuchsperson gleichzeitig mit zwei Gesprächspartnern kommuniziert. Einer davon ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, als Mensch durchzugehen. Der Prüfer muss am Ende entscheiden, wer wer ist. Kann er das nicht zuverlässig tun, hat die Maschine den Turing-Test bestanden.

Genau dieses Prinzip haben die Kognitionswissenschaftler Cameron Jones und Benjamin Bergen von der University of California San Diego in einer neuen Studie genutzt. Knapp 500 Teilnehmer führten jeweils fünfminütige Chats, in einer Zusatzstudie auch 15-minütige, und mussten anschließend urteilen.

Das Ergebnis: GPT-4.5 von OpenAI wurde in 73 Prozent der Fälle für den Menschen gehalten, also häufiger als die echten menschlichen Gesprächspartner. Auch Metas Modell LLaMa-3.1-405B war mit 56 Prozent statistisch nicht mehr von Menschen zu unterscheiden.

Auch der Chatbot Eliza aus den 1960er Jahren nahm an der Studie teil. Eliza flog allerdings in den meisten Fällen auf, weil das regelbasierte Programm nicht flexibel auf Gespräche reagieren kann.

„Wir haben herausgefunden, dass fortgeschrittene LLMs, wenn sie die richtigen Prompts erhalten, denselben Tonfall, dieselbe Direktheit, denselben Humor und dieselbe Fehlbarkeit wie Menschen an den Tag legen können“, erklärt Studienautor Cameron Jones in einer Pressemitteilung.

Obwohl wir wissen, dass LLMs problemlos Wissen zu fast jedem Thema produzieren können, hat dieser Test gezeigt, dass sie auch soziale Verhaltensweisen überzeugend darstellen können, was erhebliche Auswirkungen darauf hat, wie wir über KI denken.

KI braucht Rollenanweisung, um Test zu bestehen

Der Erfolg der KI im Turing-Test wirkt zunächst so, als ob die Technologie dem Menschen überlegen wäre. Ein Detail ist laut der Forscher dennoch entscheidend: Die Modelle bestanden den Test nur, wenn sie vorher eine sogenannte Persona-Anweisung erhielten.

Die Vorgabe war, eine junge, introvertierte Person zu spielen, die die Internetkultur kennt und Slang benutzt. Ohne diese Anweisung fiel GPT-4.5 auf eine Erfolgsquote von 36 Prozent, LLaMa auf 38 Prozent.

„Sie haben die Fähigkeit, menschenähnlich zu wirken, aber vielleicht nicht so sehr die Fähigkeit, selbst herauszufinden, was nötig wäre, um menschenähnlich zu wirken“, erklärt Co-Autor Benjamin Bergen.

Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Was taugt ein Test, dessen Ergebnis sich durch die richtige Anweisung so massiv verschieben lässt? Wenn Menschen der Maschine erst sagen müssen, wie sie menschlich wirkt, hat dann wirklich die Maschine den Test bestanden oder eher die Menschen, die den Prompt geschrieben haben?

KI Turing-Test: Warum Bestehen nicht gleich Intelligenz bedeutet

Auch die Forscher stellen den Test infrage: Der Turing-Test sei ursprünglich entwickelt worden, um zu untersuchen, ob Maschinen mit der menschlichen Intelligenz mithalten können, erklärt Bergen. „Aber heute wissen wir, dass KI viele Fragen schneller und genauer beantworten kann als Menschen.“

Das eigentliche Problem ist also nicht die reine Gehirnleistung. Zu sehen, dass Maschinen den Test bestehen können, und zu sehen, wie sie ihn bestehen, zwingt uns dazu, neu zu überdenken, was er eigentlich misst. Zunehmend misst er die Menschenähnlichkeit.

Interessant ist dabei, dass die Versuchspersonen kaum klassische Intelligenzfragen stellten. Stattdessen achteten sie auf Sprachstil und Persönlichkeit. Wer zu perfekt antwortete, wirkte verdächtig. Die Testpersonen untersuchten also nicht Wissen oder Logik, sondern suchten nach Fehlern.

Am Ende sagt das wohl mehr über uns aus als über die Maschinen. Offenbar versuchen wir Menschlichkeit nicht an Klugheit, sondern an Unvollkommenheit zu erkennen. Allerdings scheinen unsere Erkennungsmerkmale so vorhersehbar zu sein, dass sich eine KI gezielt darauf trainieren lässt.

KI besteht Turing-Test: Bedeutung für unsere Online-Kommunikation

Die Forscher warnen deutlich vor den Folgen. „Wir müssen wachsamer sein; wenn man im Internet mit Fremden interagiert, sollten die Menschen viel weniger zuversichtlich sein, dass sie wissen, ob sie mit einem Menschen oder einem LLM sprechen“, sagt Jones.

Denn: Selbst wer aufmerksam ist und direkt vergleichen kann, könnte den Unterschied unter Umständen nicht mehr erkennen. Bergen verweist zudem auf Akteure, die Bots gezielt einsetzen wollen, um Menschen zur Herausgabe sensibler Daten, zu Wahlentscheidungen oder zu Käufen zu bewegen.

Die Forscher hoffen nach eigenen Angaben, mit dieser Arbeit das öffentliche Verständnis dafür zu schärfen, was diese Systeme mittlerweile leisten können und welche Art von Schutzmaßnahmen die Gesellschaft möglicherweise benötigt.

Auch interessant:

Der Beitrag KI besteht erstmals Turing-Test – und wirkt menschlicher als echte Menschen erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

ChatGPT Work: OpenAI baut seinen Chatbot in einen Büro-Agenten um

17. Juli 2026 um 11:00

Der Beitrag ChatGPT Work: OpenAI baut seinen Chatbot in einen Büro-Agenten um erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.

ChatGPT Work KI-Agent OpenAI

OpenAI hat mit ChatGPT Work einen KI-Agenten vorgestellt, der E-Mails lesen, Dokumente erstellen und komplette Arbeitsabläufe automatisieren soll. Damit verabschiedet sich das Unternehmen zunehmend von einem Chatbot für alle und richtet sich vor allem an Unternehmenskunden. Doch erste Nutzerreaktionen zeigen: Zwischen Versprechen und Realität klafft noch eine Lücke. Eine kommentierende Analyse.

Was ist ChatGPT Work?

  • ChatGPT Work soll Informationen aus verbundenen Apps und Arbeitsabläufen sammeln und komplette Dokumente, Präsentationen und sogar Websites erstellen können. Laut OpenAI kann der KI-Agent stundenlang an komplexen Projekten arbeiten, sie in Teilbereiche zerlegen und eigenständig abarbeiten. Nutzer sollen Fortschritte verfolgen, Nachfragen stellen und Aktionen freigeben können. Als technische Grundlage dient das Modell GPT-5.6. Es umfasst die leistungsstarke Variante Sol, die für tägliche Aufgaben gedachte Variante Terra und die auf Kosteneffizienz getrimmte Version Luna.
  • OpenAI zufolge soll GPT-5.6 als Basis von ChatGPT Work mehrstufige Aufträge zuverlässiger bearbeiten und sich enger an Vorlagen und Referenzdaten halten. In der Desktop-Version verfügt ChatGPT Work zudem über einen eingebauten Browser, um im Netz recherchieren und auf Web-Anwendungen zugreifen zu können. Über die Funktion „Computer Use“ kann der KI-Agent Programme bedienen, Texte eingeben und Dateien verschieben. OpenAI entwickelt ChatGPT damit zunehmend zu einer eigenständigen Plattform, einer Art Super-App, die über ein reines Assistenzsystem hinausgeht.
  • ChatGPT Work erhält über ein Plugin-Verzeichnis Zugriff auf Informationen und Kontext. Der Agent kann darüber unter anderem auf Anwendungen wie Gmail, Microsoft Teams, Kalender, CRM-Systeme oder Google Drive zugreifen. Heißt konkret: ChatGPT Work kann Nachrichten einsehen, Videocalls auswerten, Kalendereinträge machen und Dokumente erstellen. Laut OpenAI lassen sich solche Arbeitsabläufe auch im Voraus planen. Sie könnten zu einem bestimmten Zeitpunkt, regelmäßig oder in Kombination mit einem bestimmten Ereignis starten.

Warum OpenAI der Konkurrenz hinterherhinkt

Während Meta, Apple oder Microsoft ihre KI-Assistenten einfach in ihre bestehenden Produkte einbauen, konnte OpenAI bei Unternehmenskunden bislang kaum mithalten. CEO Sam Altman hat deshalb einen Kurswechsel eingeleitet. Heißt konkret: Mit ChatGPT Work sollen ein Arbeitsagent und mit GPT-5.6 eine Arbeitsplattform entstehen, die weit über Small Talk mit einem Chatbot hinausgehen.

Etwas auffällig ist aber, wie sehr der KI-Agent Claude Cowork ähnelt, einem Assistenten mit Web-Zugriff, Plugins und Computer-Zugriff, den Anthropic bereits Angang 2025 an den Start gebracht hatte. Das offenbart aber auch, dass OpenAI der Konkurrenz hinterherhinkt. Denn im Gegensatz zum wohl größten Konkurrenten Anthropic hat das Unternehmen viel Zeit damit vergeudet, ChatGPT Emotionen, Emojis und unsinnige Funktionen wie einen Erotik-Modus einzuhauchen.

Bedenkt man die Nachteile wie den enormen Ressourcenverbrauch sowie das Missbrauchspotenzial von KI, liegt der Vorteil aber vielmehr in der Automation von Prozessen, Auswertung von Daten oder Optimierung von Arbeitsabläufen. Will heißen: Der Kosten-Nutzen-Faktor von Chatbots ist im Privatgebrauch nicht nur gering, sondern stellt auch eine große Umweltbelastung dar.

Wirklich Geld verdienen lässt sich hingegen mit KI-Agenten und vor allem Unternehmenskunden. Mit Blick auf die Forschung und das Gesundheitswesen können KI-Agenten wie ChatGPT Work sogar einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Das größte Problem bleibt aber die Fehleranfälligkeit von KI. Sprich: Wenn sich der Chatbot mal verhaspelt oder Quatsch erzählt, ist das mitunter harmloser, als wenn ein Agent sensible Daten, Dokumente oder Nachrichten verschlampt.

Stimmen

  • OpenAI zitiert Will Daney, Go-to-Market Manager bei NVIDIA, aus Eigeninteresse in einer offiziellen Ankündigung von ChatGPT Work: „Für Veranstaltungen verbrachte ich früher enorm viel Zeit in Excel damit, Account-Listen zusammenzustellen, Registrierungen nachzuverfolgen und Feedback aufzubereiten. Mit ChatGPT Work habe ich daraus einen automatisierten Workflow gemacht, den ich bei einem Event nach dem anderen ausführen und dann mit globalen Teams teilen kann, damit sie ihn an ihre Regionen anpassen können. Vor GTC waren etwa 40 % meiner Zeit für manuelle Berechnungen und Analysen eingeplant. Jetzt läuft dieser Prozess zweimal pro Woche in ChatGPT.“
  • Ein Reddit-Nutzer regt sich in einem Subforum unter dem Titel „ChatGPT Work does not Work“ vor allem über ein Werbevideo auf: „Ich verstehe nicht, warum ein Unternehmen mit einem Marketingbudget in Milliardenhöhe kein Video produzieren kann, in dem sein Produkt funktioniert. Sie hätten einem Praktikanten ein paar hundert Dollar zahlen können, damit er all diese Aufgaben manuell erledigt – aber richtig – und das dann als Werbung für ihr Produkt zeigen können. Oder sie hätten ihr Produkt tausend Mal laufen lassen und einfach einen Durchlauf auswählen können, bei dem es die Aufgabe nicht vermasselt hat. Doch genau das haben sie beschlossen, der Welt zu präsentieren.“
  • Thibault Sottiaux, Produktleiter bei OpenAI, hat unmittelbar nach der Veröffentlichung von ChatGPT Work auf die Kritik vieler Nutzer reagiert, die auf Mängel in der Benutzerfreundlichkeit und Kostenstruktur hingewiesen haben: „Die letzten 48 Stunden bei Codex und ChatGPT Work waren sehr intensiv! Drei wichtige Neuigkeiten: Vorübergehende Aufhebung der 5-Stunden-Nutzungsbeschränkung für alle Plus-, Business- und Pro-Tarife. Einführung von Änderungen, die GPT 5.6 Sol insgesamt effizienter machen und sich in einem geringeren Verbrauch niederschlagen, sodass Sie mehr damit erreichen können. Die genauen Auswirkungen werden noch quantifiziert und bekannt gegeben. Wir haben 6 Millionen aktive Nutzer erreicht und werden in der nächsten Stunde einen Nutzungs-Reset durchführen.“

ChatGPT Work als neues Geschäftsmodell

Zugegeben: ChatGPT Work ist nicht nur ein kleines Update. Denn mit dem KI-Agenten verabschiedet sich OpenAI immer mehr von der Idee, dass ChatGPT ein Chatbot für alle ist. Klar: Den gibt es natürlich weiterhin. Doch Unternehmenskunden, Vertrieb, Marketing und Finanzen rücken zunehmend in den Fokus von OpenAI.

Warum? Weil das Unternehmen schlichtweg keinen Gewinn macht. Privatnutzer werden natürlich auch weiterhin wichtig sein. Mit ChatGPT Work offenbart OpenAI aber, wo künftig das Geld verdient werden soll. Denn im Vergleich zu den klassischen Abo-Modellen lassen sich mit Unternehmensplänen höhere Preise durchsetzen und komplette Arbeitsabläufe an ChatGPT binden.

Die Gretchenfrage wird aber nicht nur sein, was der KI-Agent für Aufgaben übernehmen kann, sondern wie zuverlässig und datenschutzfreundlich er ist. Außerdem fraglich: Wie viel Kontrolle sind Unternehmen bereit, an eine KI abzugeben? Fest steht: Der Wettlauf der KI-Unternehmen hat sich mittlerweile endgültig verlagert. Und das ist auch gut so.

Denn Chatbots, die auf unterhaltsame Konversationen getrimmt sind, sind vielleicht eine nette Spielerei aber schlichtweg auch Ressourcenverschwendung – und zwar sowohl für die Umwelt als auch für Unternehmen wie OpenAI. Das größte Risiko bleibt wie bei Chatbots aber die Fehleranfälligkeit von KI, die für Unternehmen fatale Auswirkungen haben kann – auch mit Blick auf ihr Image und ihre Kunden.

Auch interessant: 

Der Beitrag ChatGPT Work: OpenAI baut seinen Chatbot in einen Büro-Agenten um erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.

❌